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Full text of "Oesterreichische botanische Zeitschrift"

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1887. 


Botan. Zeitschrift 


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Oesterreichische 


BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. 


Organ für Botanik und Botaniker. 


Mit 


Original-Beiträgen 


von 


Ascherson, Baier, Beck, Bfocki, Borbäs, Boresch, Bornmüller, Braun, Burgerstein, Celakovsky, 

Conrath, Dalla Torre, Degen, Dichtl, Eichenfeld, Focke, Formänek, Freyn, Garcke, Hanausek, 

Hansgirg, Heimerl, Huter, Jensen-Tusch, Jetter, Junger, Karo, Keller, Kerner, Kissling, 

Knapp, Kornhuber, Krasan, Kronfeld, Molisch, Palacky, Prihoda, Procopianu-Procopovici, 

Rassımann, Sabransky, Schilberszky, Schneider, Simonkai, Spitzner, Stapf, Stein, Steininger, 

Strobl, Tomaschek, Uechtritz, Ullepitsch, Vägner, Voss, Vukotinovic, Wettstein, Wiedermann, 
Wiesbaur, Woloszezak, Zukal. 


Redigirt 


von 


D" Alexander Skofitz. 


ZXXVII. Jahrgang. 


Mit 2 xylographirten Porträts und 6 xylogr. Abbildungen. 


LInmMAaRY 
NEW YORK 
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Wien 1887. 
Verlag von ©. Gerold’s Sohn. 


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Oesterreichische 


Botanische Zeitschrift. 


Die österreichische i Exemplare 
botanische Zeitschrift Orgaı 2% die frei durch die Post be- 
erscheint zogen werden sollen, sind 
den Ersten jeden Monats. fa blos bei der Redaction 
Man pränumerirtauf selbe n (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1) 


mit $ fl. öst. W. zu pränumeriren. 


@,# sa) „ Botanik und Botaniker. „„„n.\..; 


ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt 


4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Pränumeration 
Brir o c. ee Sohn 
Insera in Wien, 
die ganze Petitzeile N: 1 sowie alle übrigen 
15 kr. öst. W. - Buchhandlungen. 


XXXYVIL Jahrgang. WIEN. Jänner 1887. 


T: Ferdinand Hauck. — Ursachen der Haarbildung. Von Krasan. — Anemone Scherfelü. Von 
Uliepitsch. — Bergalgenflora Böhmens. Von Dr. Hansgirg. — Zur Flora von Ost-Galizien. Von 
Blocki. — Flora der Karpathen. Von Dr. Formänek. — Spätflora.. Von Jetter. — Flora des 


Etna. Von Strobl. -- R. v. Vechtritz. Von Stein. — Literaturberichte. — Correspondenz. Von 
Braun. Dalla Torre, Wiesbaur, Blucki, Formänek. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, 
Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserat. 


Gallerie Österreichischer Botaniker.!!"*+«Y 
NEW YORK 


XXXV. BOTAMCAL 
= GARDEN 
Ferdinand Hauck. 


(Mit einem xylographirten Porträt.) 


Unsere Zeitschrift bringt in dieser Nummer das Porträt eines 
jener österreichischen Botaniker von bedeutendem Ruf, deren Namen 
zwar nicht in den Universitäts-Kalendern figuriren, trotzdem aber in 
wissenschaftlichen Zeitschriften und Hauptwerken neben denjenigen 
von- Koryphäen ebenbürtig erscheinen. Und wenn irgend ein Lebens- 
bild nicht nur für Fachgenossen, sondern — und zwar mehr noch — 
für andere Gebildete interessant ist, so trifft diess ganz besonders 
die Geschichte des Entwicklungsganges unseres besten derzeitigen 
Algologen. 

Wir geben im Nachstehenden eine Skizze dieses inhaltsreichen 
und weiterhin vielversprechenden Lebens. 

Dr. Ferdinand Hauck ist der einzige Sprössling einer Brünner 
Familie des ehemaligen Finanz-Procuratursbeamten Johann Hauck, 
dessen Name in den Stammbaum einer der ersten Patrizierfamilien von 
Nürnberg zurückweist und der Caroline de Clady, einer Tochter 
von adeligem Geschlechte lothringischen Ursprunges. 

Geboren zu Brünn am 29. April 1845, genoss Ferdinand 
Hauck im Hause seiner Eltern eins sehr sorgfältige Erziehung. 
Mit dem zehnten Jahre trat er ins Gymnasium, um aber alsbald an. 

Ossterr, botan. Zeitschrift. 1. Heft 1697. 1 


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die Oberrealschule überzugehen, weil ihm die realistischen Fächer 
mehr Interesse absewannen. Nach Absolvirung der Oberrealclassen 
bezog H. die teehnische Hochschule seiner Vaterstadt. Mit herz- 
warmer Dankbarkeit gedenkt er heute noch seiner dortigen Lieblings- 
lehrer, welche das Werk seiner geistvollen Mutter, die im Jüngling 
angefachte Flamme der Liebe zur Natur und zur Naturforschung in 
methodischer Wissenschaftlichkeit zu unterhalten und zu pflegen 
verstanden. Auch Hauck ist ein beredter Zeuge dafür, dass es in 
der Regel die Mutter ist, welche als begnadete Erzieherin den 
nachhaltigsten Einfluss auf die geistige Entwicklung heranwachsender 
Naturforscher ausübt. Von seiner Mutter ward er als Knabe zu 
den Schönheiten der realen Welt: zum murmelnden Waldbach, zur 
blühenden Wiese, zum stillen Hain, zur fruchtbaren Aue hingelei- 
tet, um mitten unter den Herrlichkeiten stillschaffenden Naturwesens 
beobachten und denken, forschen und erkennen zu lernen. Sie war 
es, welche den Grund gelegt zu dem, was später an den Schulen 
zu Brünn ein A. Makowsky und ein Dr. Kolenati als hervor- 
ragende Naturforscher gross zu ziehen wussten, nicht allein durch 
geistreiche Vorträge, sondern auch durch persönlichen Verkehr mit 
dem jungen Hauck. 

Wie so oft in diesen Studienjahren zu geschehen pflegt, warf 
sich auch H. in jener Zeit erst mit dem meisten Eifer auf die Ento- 
mologie, ohne indess die anderen Disciplinen der Naturwissenschaften 
‚zu vernachlässigen, im Gegentheile kamen sie bei ihm alle an die 
Reihe, weil er alsbald gelernt hatte, dass sie eben alle — als inein- 
andergreifende Theile eines einzigen Ganzen — zusammengehören 
und nur eine vielseitige Erkenntniss zur Wahrheit leitet. Dass er 
die letztere in optima forma ernstlich suchte, beweist der Umstand, 
dass er sich schliesslich auch an das Studium der speculativen Phi- 
losophen heranmachte, ohne indess hier jene Befriedigung zu finden, 
welche die gewiegten Dialektiker der verschiedenen „Systeme“ ihrem 
Publikum anzupreisen und zu versprechen verstehen. Enttäuscht 
wandte er sich von den Speculationen deutscher Philosophen ab, 
um desto besser bei den Encyklopädisten und zuletzt bei den mo- 
dernen Naturphilosophen der Darwin’schen Richtung denken und 
betrachten zu lernen. 

Trotzdem diese naturalistischen und realphilosophischen Studien 
zu den Lieblingsbeschäftigungen des jungen Maunes gehörten, war es 
Hauck nicht vergönnt, sich denselben mit allen Kräften des Leibes 
und der Seele hinzugeben. Es kam die prosaische und höchst wich- 
tige Frage der Berufswahl. Wie gerne hätte sich H. dem höheren 
‘ Lehramte zugewendet, wenn nicht die Verhältnisse ihn gezwungen 
hätten, seiner Lieblingsidee zu entsagen. Es ward eine „praktischere* 
Carriere in Aussicht zu nehmen, und in Folge eines Compromisses 
zwischen Lieblingsstudium und „grobmaterieller“ Lebensweisheit kam 
der Entschluss zur Ausführung, demzufolge Hauck sich dem Forst- 
wesen zu widmen hatte. Er träumte damals von der poesieschwan- 
geren harzduftenden Atmosphäre des schweigsamen lebendigen Waldes ; 


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er wähnte als Forstbeamter nicht bloss die Bäume wachsen zu sehen, 
sondern im Dienste des Staates Grosses und Nützliches schaffen zu 
können. Es entging ihm während des Gebrodels seiner Juzend- 
träume, dass der pflichttreue Beamte im Forste oft ein vogelfreier 
Mensch, ein der Bosheit und Hinterlist doppelt preiszegebener Bür- 
er ist, dem für treue Pflichtwaltung als Lohn die Kugel des Wald- 
und Wildfrevlers wird. So malte er sich wohl die Lichtseiten des 
gewählten Berufes aus, ohne die Kehrseite des Bildes zu kennen. 
Er trat daher in Praxis erst beim Forstamte in Schebetau, dann in 
Tischnowitz und erhielt später die Adjunctenstelle in Ratschitz-Drno- 
witz. Obwohl er sich mit ganzer Liebe und vielem Fleisse der Forst- 
wissenschaft widmete und auch die Staatsprüfung in diesem Fache mit 
sehr gutem Erfolg absolvirte, so kam Hauck doch bald zu der Einsicht, 
dass er bei diesem Berufe doch nicht in seinem Elemente und für 
sein künftiges Sein nicht in dem Masse gesichert sein würde, dass 
er hätte seines Lebens froh werden können. Das rohe Benehmen 
eines Vorgesetzten verleidete ihm schliesslich die waldreiche Domäne 
seiner Arbeit derart, dass er umsatteln wollte. Der Zufall führte 
ihn in Wien mit einem hochgestellten Staatsbeamten zusammen, 
der sich des jungen, mit wissenschaftlichen Kenntnissen seltener Art 
ausgestatteten Mannes annahm und Hauck veranlasste, sich dem 
Staatstelegraphendienste zuzuwenden, „weil in dieser Branche reine 
Wissenschaft erst angefangen habe, praktisch verwendet zu werden, 
und weil hierbei einem strebsamen Manne sich die besten Aussichten 
darböten“. So absolvirte denn H. auch den Telegraphencurs in Wien und 
erhielt in diesem Staatsdienste seine erste Anstellung im Mai 1866 in 
Triest, der lieblichen Hafenstadt an der Adria, die ihm zur zweiten 
Heimath werden sollte, wo er auch bis zur Stunde seinem Stande 
treu blieb. 

Mit der Uebersiedlung nach Triest begann für Hauck ein neuer 
Lebensabschnitt. Die entzückende Lage der Stadt, deren Anblick den 
stumpfsinnigsten Egoisten in freudige Erregung versetzen muss; das 
italienische Leben mit dem Zauberhauch südlicher Gluth und Ueppig- 
keit, dann aber vor Allem der Anblick des Meeres mit seinem 
traumschönen Wechsel im Leben und Athmen, das Meer mit seinen 
noch ungehobenen wissenschaftlichen Schätzen — das Alles und noch 
Anderes mehr hatte es dem sinnigen Naturfreunde angethan. Hauck 
erkannte aber auch alsbald, dass der neu gewählte „praktische Beruf“ 
seinen Intellect und Erkennungseifer nicht würde vollkommen in 
Athem zu halten im Stande sein, um jenem Berufe „ausschliesslich* 
alle Kraft widmen zu können. So kam er denn dazu, auf einem 
anderen Wege sein ihm von Jugend an gestelltes Ziel zu erreichen, 
Wenn sich Zeit fand, ein Steckenpferdchen nebst dem Berufe zu 
reiten, so wollte er sich ein edles Ross auswählen. Der Zufall brachte 
es mit sich, dass er gelegentlich eine kleine Sammlung von Meeres- 
Algen sah. Ihr Anblick erweckte in ihm den Entschluss, jene damals 
noch recht wenig gekannten Organismen, zu Objecten seiner Studien 
zu machen. Mit welchen Schwierigkeiten der angehende ‚Algolog da- 

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mals zu kämpfen hatte, davon werden die jüngeren Fachgenossen 
kaum eine Ahnung haben, war doch in ganz '[riest nicht ein einzi- 
ces Buch über Algen aufzutreiben. Hauck, der junge, erst mit 
kargem Gehalte dotirte Telegraphenbeamte, hatte nicht nur alle 
nothwendigen, zum Theil sehr theuren Bücher und Specialwerke 
aleolorischen Charakters, sondern auch theure Apparate und Instru- 
mente aus eigenen Ersparnissen selbst anzuschaffen. Aber mit dem 
Anfang der schwierigen autodidaktischen Arbeit wuchs auch die Be- 
eisterung und steigerte sich progressiv mit der Summe neuer, früher 
kaum geahnter Erkenntnisse. Zahlreiche kleinere und grössere Exeur- 
sionen und Reisen, auch ein dreimonatelanger Aufenthalt auf der 
Insel Cherso, boten ihm reichlich Gelegenheit, zahlreiche biologische 
Beobachtungen zu machen, deren Ergebnisse grösstentheils in seinem 
Hauptwerke, „Die Meeres-Algen“ niedergelegt sind. Diese seine 
biologischen Beobachtungen konnten selbstredend nur systematisch- 
beschreibende Resultate abgeben, da dem jungen Beamten, der eben 
fast jeden Tag seinen Bureaustunden gerecht zu werden hatte, für 
zusammenhängende, entwicklungsgeschichtliche Studien die Zeit fehlte. 
Angeregt durch Hofrath M. von Tommasini, mit welchem Hauck 
wiederholt weitere Exceursionen machte, publieirte er anfänglich ver- 
schiedene Aufsätze in der Oasterr. botan. Zeitschrift, welche Beiträge 
alsbald die Aufmerksamkeit der Fachbotaniker erregten und Hauck’s 
Namen weit über die Grenzen des österr. Kaiserstaates hinaustrugen. 
Nach und nach wurde ungesucht ein reger Verkehr mit wissen- 
schaftlich bethätigten Fachmännern zu Stande gebracht, und unge- 
sucht wurde ihm der ehrenvolle Auftrag, für die neue Bearbeitung 
der grossen Rabenhorst’schen Kryptogamenflora den wichtigen 
Band über die „Meeresalgen Deutschlands und Oesterreichs“ 
zu liefern. Dieses Hauptwerk unseres Triester Algologen nahm wäh- 
rend mehrerer Jahre die ganze Mussezeit in Anspruch und erschien 
in letzter Lieferung 1885. Ueber die sorgfältige Bearbeitung der 
einschlägigen Materie, über die Trefflichkeit der Diagnosen, welche 
von einem Referenten mit Recht als mustergiltige bezeichnet wurden, 
über die zuverlässige Illustration des gewichtigen Bandes, kurz: 
über den wissenschaftlichen Werth des in seiner Art einzig daste- 
henden Werkes herrschte nur Eine Stimme der Anerkennung. Das 
hat denn auch die mathematisch-naturwissenschaftliche Seetion der 
philosophischen Facultät zu Zürich bei Anlass des fünfzigjährigen 
Jubiläums der dortigen Hochschule veranlasst, dem verdienten 
Privatgelehrten Hauck den Doctortitel honoris causa zu verleihen 
und zwar, wie wir von unterrichteter Seite erfahren haben, nament- 
lich in Hinbliek auf die zahllosen Schwierigkeiten, welche dem Ver- 
‚fasser der „Meeresalgen“ während seiner eigenen Entwicklung zum 
Gelehrten von Rang im Wege standen, und die nur von einem für 
Wissenschaft und Wahrheit glühend begeisterten Manne bewältigt 
werden konnten. 

Freilich half ein Umstand wesentlich mit, dass der an strenge 
Bureaustunden gefesselte Staatsbeamte nicht vorzeitig seine Lust am 


5) 


Forschen einbüsste. Im Jahre 1872 führte F. Hauck nämlich eine 
Nichte des in weiten Kreisen bekannten Botanikers, D. Bilimek, 
des ehemaligen Custos der Museen in Mexiko, zum Altar. Anna, 
geborne Sedlatschek, brachte in die junge Ehe ein fein gebildetes 
Gemüth und herzwarmen Sinn für alle Naturschönheiten, an denen 
sich Hauck auf gemeinsamen Ausflügen und wissenschaftlichen Exeur- 
sionen zu erholen gewohnt war. Es ist bekannt, dass es Frauen 
bisweilen gelingt, in ihren Männern allen Sinn für edlere Liebha- 
bereien gründlich auszumerzen: Frau Anna Hauck befliess sich des 
 Gegentheiles und förderte ihren Gatten nicht unwesentlich bei seinen 
wissenschaftlichen Arbeiten; ihr gebührt folgerichtig die warme An- 
erkennung nicht minder, als dem dessen Streben sie pflegte. 

Wir geben im Nachfolgenden ein Verzeichniss der botanischen 

Arbeiten aus Hauck’s Feder: 

1. Ueber das Massenauftreten der Nitzschia Closterium (Ehrh.) Sm. 
in der Adria. Oester. bot. Zeitschr. 1872 p. 253. 

. Aufzählung einiger in dem sogen. Seeschleim der Adria vorkom- 
menden Diatomeen. Oesterr. bot. Zeitschr. 1872 p. 331. 

3. Oscillaria caldariorum mihin.sp. Eine Plage des Warmhauses. 
Öesterr. bot. Ztschr. 1876 p. 151. 

. Bemerkungen über einige Species der Rhodophyceeen 
und Melanophyceen in „Contributiones ad Algologiam et 
Fungologiam, Auctore F. Reinsch.* Oesterr. botan. Zeitschr. 
1876 p. 412. 

5. Notiz über Rhizophydium Dicksonii Wright. Oest. bot. Zeitschr. 

1878 p. 321. 

6. Verzeichniss der im Golfe von Triest gesammelten 
Meeralgen. Oesterr. bot. Zeitschr. 1875 p. 245, 285, 316, 348, 
386; 1876 p. 24, 54 und 91. I. Nachtrag 1876 p. 265; II. Nach- 
trag 1877 p. 50. 

7. Beiträge zur Kenntniss der adriatischen Algen. Oesterr. 
bot. Zeitschr. I. 1877 p. 117, II. 1877 p.185, 11l. 1877 p. 230, 

IV. 1877 p. 273, V. p. 292; V1.1878 p. 77 mit Tafel, VII. 1878 
p. 130, VII. 1878 p. 185 mit Tafel, IX. 1878 p. 2%, X. 1878 
Re mit Tafel; XI. 1879 p. 151, XI. 1879 p. 242 mit 
afel. 

. Eine neue Floridee. Hedwigia 1882 Nr. 9. 

. Cenni sopra alecune alghe dell’ oceano indiano; con 3 
Tavole. Atti del Museo Öiv. di storia naturale di Trieste. 
Vol. VII. 1884. 

10. Ueber einige von J. M. Hildebrandt im Rothen Meere 
und indischen Ocean gesammelte Algen: I. Hedwigia 

1886, Heft V; II. Hedwigia 1886, Heft VI. 

11. Die Meeresalgen Deutschlands und Oesterreichs (Raben- 
horst's Kryptogamen-Flora II. Band) XXIV und 576 p. Mit 
583 Abbildungen im Texte und 5 Lichtdrucktafeln. Leipzig, 
E. Kummer 1885. j 

12. In Verbindung mit P. Richter in Leipzig: Phykotheka 


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universalis. Sammlung getrockneter Algen sämmtlicher Ord- 
nungen und aller Gebiete. Bis jetzt erschienen: Fasc. I und II 
Leipzig 1885. 


Ferner bearbeitete Hauck den Theil der „Algen“ in der „Flora 
der Insel Jan Mayen von Dr. H. W. Reichardt, Wien 1886“. 
Ebenso lieferte er zahlreiche und werthvolle Beiträge zu V. Witt- 
rock und ©. Nordstedt’s „Algae aquae duleis exsiecatae“, sowie 
für P. T. Cleve und J. D. Möller’s „Diatomeen“. Auch bethätigte 
er sich wiederholt als Referent beim „Botan. Centralblatt“, bei der 
„Oesterr. botan. Zeitschrift“ u. A. m. 


Einer besonderen Erwähnung verdient nebst der kostbaren algo- 
logischen Privat-Bibliothek auch das Algen-Herbar Hauck’s. Es 
besteht aus 60 grossen Fascikeln (von denen 52 ausschliesslich 
Meeresalgen enthalten) und aus vielen Hunderten mikroskopischen 
Algen- und Diatomeen-Präparaten. Einen ganz besonders werthvollen 
Theil dieses Herbars bildet die selten-reiche Sammlung von Kalk- 
algen, die in Schächtelchen verwahrt sind. Dass sich auch zahlreiche 
Alkohol-Conserven algologischen Charakters vorfinden, ist selbstver- 
ständlich. Diese musterhaft geordneten Sammlungen zeichnen sich 
aus sowohl durch die Schönheit der Einzel-Exemplare, als auch durch 
ihre Reichhaltigkeit an europäischen und aussereuropäischen, nament- 
lich authentischen Exemplaren. 


Unter anderen enthält das Hauck’sche Herbar auch die voll- 
ständigste Collection adriatischer Algen. 

Manche Floristen bemessen ihren Ruhm nach der Anzahl von 
Speciesnamen, die nach ihnen benannt sind. Es ist nicht zu ver- 
hehlen, dass häufig an diesem Massstabe wenig auszusetzen, dass 
aber in anderen Fällen der Schluss ein unrichtiger ist. — Hauck 
verschmähte es in seiner Bescheidenheit für sich selbst Reclame zu 
machen. Um so auffallender ist, dass eine Palmellaceen-Gattung den 
Namen Hauckia erhielt und überdiess mehrere Species nach ihm 
benannt wurden: Navicula Hauckii Cleve, Cymbella Hauckii Van 
Heurck, Achnanthes Hauckii Grun., Coseinodisecus Hauckii Grun., 
Hemiaulus Hauckii Grun. u. a. m. 


Ausser den zahlreichen neuen Arten von Algen, die Hauck 
vorzüglich in der Adria entdeckte und in seinen Arbeiten genau be- 
schrieben hat, gibt es auch viele Diatomeen-Arten, die er zum ersten 
auffand und welche Grunow und Andere zur Bearbeitung über- 
nommen haben. 


Möge ihm noch lange zu wirken beschieden sein! 
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2 


Ueber die Ursachen der Haarbildung im Pflanzenreiche, 


Von Franz Krasan. 


Wenn wir dem Ursprung der Haarbildung bei Pflanzen nach- 
spüren, werden wir bald auf zweierlei Erscheinungen aufmerksam, in 
denen wir, vielleicht etwas voreilig, den Schlüssel zu der geheimniss- 
vollen Werkstätte, wo den holden Geschöpfen der Berge und Fluren 
die wärmenden Kleidchen gewoben werden, gefunden zu haben glauben. 
Welchem eifrigen Beobachter der Pflanzenwelt wäre es nicht bekannt, 
wie so viele Aıten, die wir im westlichen Europa in ihrem schütte- 
ren oder flüchtigen Haarüberzug kennen gelernt haben, oder die selbst 
als kahl bezeichnet zu werden pflegen, gegen Osten in dem Masse, 
als das Klima einen mehr und mehr steppenartigen Charakter an- 
nimmt, dichter behaart erscheinen. 

Wer zum ersten Male die sonnseitigen Bergabbänge längs der 
Donau gegen die siebenbürgische Grenze oder die pontischen Gebirge 
in der Krim oder im Norden Kleinasiens besteigt, wird über die 
grosse Zahl dichthaariger Pflanzen verwundert. Noch auffallender zeigt 
sich diese Erscheinung in den wärmeren Gegenden des Orients: im 
eilieischen Taurus, am Libanon, an den südlichen Abhängen des El- 
borus nördlich von Teheran, in Kurdistan u. a. O., wie man sich bei 
Durchsicht der Sammlungen, welche Dr. Kotschy dort veranstaltet 
hat, leicht überzeugen kann. So wird z. B. schon in der Krim Ru- 
bus caesius L. in einem graufilzigen Haarüberzug unserem Blicke 
begegnen. Tomentös (weissfilzig) ist diese Pflanze noch mehr in den 
Gebirgen des nordwestlichen Persien, dessgleichen andere Arten der » 
Gattung Aubus, nächst verwandt mit R. wimifolius Schott, ferner 
(Quercus sessiliflora Ehrh., letztere schon in Istrien, Dalmatien, Grie- 
chenland, im nördlichen Kleinasien, wofern man einige unserer 
Wintereiche sehr nahe stehende Formen mit dieser vereinigen will. 

Eine Zunahme der Wärme allein kann die Ausbildung des To- 
ments nicht veranlassen, denn man beobachtet grau- und weissfilzige 
Arten der verschiedensten Gattungen in Menge bis in Regionen hin- 
auf, wo die mittlere Temperatur im Sommer tief unter jene Nord- 
deutschlands sinkt. — Die hier angedeuteten Erscheinungen bilden 
ohne Zweifel eine natürliche Gruppe für sich. 

Andererseits sehen wir in unzähligen Fällen an einzelnen Pflan- 
zentheilen, welche von gewissen Insecten (Cecidomyiden-Larven, bis- 
weilen auch von Cynipiden) oder von Gallmilben (Phytoptus-Arten) 
verletzt sind, Haare in reichlicher Menge auftreten, ohne dass es uns 
möglich wäre, auf den ersten Blick einen wesentlichen Unterschied 
zwischen solchen Haargebilden und normalen Trichomen, wie wir sie 
bei so vielen Arten beobachten, wahrzunehmen. Die Zahl der von 
Zoologen constatirten Fälle der so entstehenden örtlichen Behaarung 
der Pflanzen mit und ohne gallenförmige Entartung des affieirten 
Zellengewebes ist so gross, dass sie bereits eine sehr umfang- und 
inhaltreiche Literatur ausmacht. Selbstverständlich kann es nicht 


8 


Aufgabe der vorlierenden Untersuchung sein, auf alle diese Fälle im 
Speciellen einzugehen‘). Es sei mir aber gestattet, die Fragen zu 
erörtern, ob 1. die Erscheinungen dieser zweiten Gruppe mit denen 
der ersten irgendwie ursächlich zusammenhängen, und 2. ob sie über- 
haupt für die Geschichte der Formentwicklung der Pflanzen von ir- 
gend welchem Belange sind. 

Zu den häufigsten Erscheinungen dieser Art gehört unstreitig 
das Phytoptocecidium auf T’ıymus Chamaedrys Fries, montanus W.K., 
Th. humifusus Bernh. und anderen Arten dieser Gattung, bestehend 
in einer Deformation der Triebspitzen, namentlich der blüthentragen- 
den. Wir sehen da die Hochblätter mit den achselständigen Blüthen 
zu einem rundlichen Ballen zusammengedrängt, indem die Interno- 
dien ungewöhnlich verkürzt erscheinen, während die mehr oder we- 
niger vergrösserten und verdickten Deckblätter dicht an einander 
schliessen. Diese, sowie auch die Achse sind von einem weisslichen, 
filzig-zottigen Haar bedeckt. Sehr oft geht diese Behaarung auch 
tiefer herab: sie erstreckt sich bis auf das oberste eigentliche Blatt- 
paar, welches im Uebrigen gar nicht entstellt ist, und ich habe schon 
Fälle kennen gelernt, wo zwei der oberen Blattpaare sammt den da- 
zwischenliegenden Achsentheilen zottig behaart waren. 

Diese Abnormität wird durch eine winzige Gallmilbe verur- 
sacht, welche an der Oberfläche des Zellgewebes zwischen den ober- 
sten Hochblättern lebt. Sie ist länglich von Gestalt, weisslich, mit 
freiem Auge gar nicht, wohl aber schon mit einer guten Loupe be- 
merkbar. Unter dem Mikroskope nimmt man daran vorn zwei Paar 
kurze Beine wahr, nnd ein Paar fussähnliche Taster. Der Hinterleib 
ist walzlich, gegen das Ende zu etwas spitz. Die Thierchen leben 
daselbst, an den oberflächlichen Theilen der Innenseite der defor- 
mirten Hochblätter wühlend, in grösserer Zahl, zu Hunderten. 

Bisher habe ich dieses Phytoptoceeidium in Steiermark, und 
zwar im Weingebirge des Sausal unweit Leibnitz, ferner im Save- 
Thal von Krainburg bis zum Ursprung der Save und bei Weissen- 
fels in Krain, bei Tarvis und im Kaltwasserthal bis Raibl in Kärn- 
ten beobachtet. Es ist bei Krainburg, Lees-Radmannsdorf, Lengenfeld, 
Weissenfels sehr häufig, aber auch im Sausal an sonnigen Abhängen 
in den Weinbergen eines der häufigsten Vorkommnisse dieser Art. 
Von Fr. Loew, Thomas und anderen Ceeidiologen wird es gleich- 
falls zu den gewöhnlichsten gezählt. 

Vergleicht man das Haar der in Rede stehenden Missbildung 
mit dem der normalen haarigen Varietät des T’hymus, so bemerkt 
man keinen Unterschied, wenn von der ungleichmässigen Vertheilung 
desselben bei den cecidientragenden Individuen abgesehen wird. Bei 
Krainburg und Lees sah ich letztere mit der gesunden gleichmässig 


‘) Aufzählungen von Phytopto-Ceeidien findet man von Dr. Franz Löw 
in den Verhandl. der k. k. zoolog.-botan. Gesellsch. in Wien, Bd. XXVIII, 
XXXII, XXXV (1878, 1883, 1885), von Dr. Fr. Thomas ebendaselbst, Band 
XXXVI (1886). Ich erwähne hier nur diejenigen Publieationen dieser Autoren, 
die ich selbst zu meinen diessbezüglichen Untersuchungen benützt habe. 


I 


ausgebildeten Varietät des Thymians (Thymus Chamaedrys, monta- 
nus), die durch reichliche Behaarung ausgezeichnet ist, und zwar in 
grosser Menge. Beiderlei Pflanzen, die kahle und die haarige, wach- 
sen auf der weiten Save-Ebene mit einander vermischt und gleichen 
einander in allen übrigen Eigenschaften, nur dass die eine wie die 
andere mit und ohne Cecidium vorkommt. Wo die var. hirsuta mit 
dem Phytoptocecidium behaftet ist, trägt sie an den inficirten Trieb- 
spitzen stets ein reichlicheres und dichteres Haar als an den übrigen 
Theilen. 


Der nächste Gedanke, der sich des über die Veranlassung der 
merkwürdigen Erscheinung nachsinnenden Beobachters bemächtigt, 
ist natürlich der, dass nicht nur bei der durch den Parasiten infi- 
eirten Pflanze die Haarbildung eine Folge der Verletzung ist, son- 
dern dass auch bei der normalen var. hörsuta sive lanuginosa die- 
selbe durch die gleiche Ursache indueirt worden sei. Indessen ist es 
nöthig zu sehen, wie sich die genannte Varietät an anderen Stand- 
orten zur cecidientragenden (im Uebrigen kahlen) Pflanze verhält, 
bevor man aus der augenscheinlichen Uebereinstimmung der Haar- 
bildungen an den beiderlei Pflanzen mehr als eine blosse Möglichkeit 
des pathogenen Ursprungs der var. hirsuta $. lanuginosa ableitet. 


Vor Allem scheint mir der Umstand massgebend, dass sich 
nicht überall, wo die vom Phytoptus befallene Pflanze vorkommt, 
auch die haarige Varietät in der Nachbarschaft vorfindet. So ist 
z. B. die Gallmilbe auf dem Thymian im Sausal weit verbreitet: 
man sieht die befallenen Stämmchen theils mit den charakteristi- 
schen wollig-filzigen Triebspitzen, theils auch mit schwächerer Be- 
haarung an den inficirten Theilen, und kann den Parasiten durch 
den ganzen Sommer in reichlicher Menge beobachten, sucht aber daselbst 
vergeblich nach der normalen haarigen Abart der Pflanze. Von letz- 
terer sah ich nichts, trotz eifrigen Suchens an allen Orten, wo, nach 
ihrem Vorkommen im Save-Thal bei Radmannsdorf (in Krain) zu 
urtheilen, dieselbe wachsen könnte. Aber ganz unerwartet bekam ich 
Exemplare des Thymus zu sehen, welche von der Gallmilbe infieirt 
waren, auch die gewöhnliche Monstrosität in Form verkürzter Inter- 
nodien und dicht zusammengedrängter Hochblätter an den befallenen 
Triebspitzen zeigten, jedoch mit auffallend spärlicher Behaarung. 
Auch Dr. Thomas erwähnt ein Phytoptocecidium auf dem 'Thy- 
mian (Triebspitzen-Deformation, verbunden mit Phyllomanie und 
Knospung, gefunden im Suldenthale in der Nähe des Ortlers bei 
1845 Meter), das keine vermehrte Behaarung hat.') Bei Leibnitz 
fand ich kürzlich ein ähnliches auf Origanum vulgare L.; es enthielt 
eine Unzahl von Gallmilben, war aber nicht mehr behaart als die 
gesunden Theile der Pflanze. Man wird auch bei Campanula Tra- 
chelium L. nicht selten einem ganz ähnlichen, von Gallmilben be- 
wohnten Gebilde begegnen, ohne irgend welche auffällige Behaarung. 


') Suldener Phytoptoceeidien 1. ce. Bd! XXXVI. S. 305 n. 51. 


10 


Ueberhaupt ist die Zahl der bisher bekannt gewordenen Phytopto- 
cecidien ohne Trichombildung bereits sehr beträchtlich angewachsen. 

Solchen Thatsachen gegenüber erscheint die Mitwirkung des 
Phytoptus an der Erzeugung des Haarfilzes als ein Factor von sehr 
untergeordneter Bedeutung, und was speciell den Thymus aubetriftt, 
so ist es so viel wie gewiss, dass die eigentliche Disposition der 
Pflanze, bei Verletzungen durch die Gallmilbe an den inficirten 
Theilen Haare zu bilden, nicht auf Rechnung des Parasiten kommt: 
es wären sonst Ausnahmsfälle, wie die eben angeführten, unmöglich. 

Um hier einen der Natur der Sache entsprechenden Ausweg 
zu finden, der uns von beiden Extremen gleich abhält, ist es nöthig, 
zweierlei ursächliche Momente anzunehmen, auf welche das thatsäch- 
liche Auftreten der Cecidienhaare zurückzuführen wäre: 1. eine durch 
Jahre hindurch sich ansammelnde und allmälig anwachsende Anlage 
oder Disposition zur Trichombildung, 2. einen äusserlichen Impuls als 
auslösende Ursache, welche bewirkt, dass die in der Pflanze gleich- 
sam schlummernde Fähigkeit, Haare zu bilden, sich in sichtbarer 
Weise bethätigt. 

Wenn wir also finden, dass die Phytoptocecidien des Thymians 
an einer bestimmten Stelle dichtes, wollig-tilziges Haar besitzen, so 
dürfen wir daraus schliessen, dass in der Pflanze dort die Tendenz 
vorbanden ist, Haare hervorzubringen, dass aber thatsächlich solche 
nur entstehen, wenn ein kräftiger Impuls durch Infection von Seite 
der Gallmilbe hinzutritt. Wo aber diese pathogenen Gebilde unbe- 
haart erscheinen, da muss es natürlich dem Organismus an der 
Disposition oder Anlage zur Haarbildung überhaupt fehlen. Ist da- 
gegen letztere Fähigkeit in höherem Grade vorhanden, so kann 
es auch ohne eine äusserliche auslösende Ursache, ohne einen Im- 
puls durch Infection, zur Entstehung von Haaren kommen; jedoch 
nicht an einem schon erwachsenen Individuum, sondern an der aus 
dem Keime sich entwickelnden neuen Pflanze (also an der Nach- 
kommenschaft). 

Diesen Fall haben wir vor uns, wenn wir den über die Save- 
Ebene bei Lees und Radmannsdorf verbreiteten, daselbst äusserst 
häufigen T’hymus ins Auge fassen. Da unterscheiden wir ganz kahle, 
unversehrte, daneben vom Phytoptus befallene an den Cecidien dicht 
behaarte Pflänzchen, dazwischen solche, die ganz behaart, zugleich 
auch vom Parasiten infieirt sind, und solche, welche bei gleichmäs- 
siger mehr oder weniger dichter Behaarung keine Verletzung durch 
den Phytoptus wahrnehmen lassen, alle im Uebrigen von gleicher 
Art (Thymus Chamuedrys Fries?) und gleichmässig durcheinander 
wachsend. 

Nicht einen Augenblick kann man zweifeln, dass die Trichome 
der Ceeidien im Wesentlichen dieselben sind, wie die der gesunden 
gleichmässig behaarten Individuen der var. hirsuta S. lanuginosa und 
nur darin verschieden, dass sie hier an der ganzen Oberfläche der 
Pflanze, dort aber nur an den infieirten Trieben hervortreten. Allein 
man wird bei den cecidientragenden Individuen vergeblich nach einem 


11 


allmäligen Uebergang der kahlen Form in die behaarte Varietät 
suchen: stets erscheint die von der Gallmilbe bewohnte Pflanze ent- 
weder ganz vollständig und gleichförmig behaart, oder es ist nur 
der mit dem Cecidium behaftete Theil mit Trichomen besetzt, wenn 
überhaupt die Pflanze zur Behaarung inclinirt; nur ausnahmsweise 
geht diese bis zu den nächsten Blattpaaren, die keine Gallmilben 
beherbergen, herab. 

Aus diesen Umständen glaube ich den Schluss ziehen zu dürfen: 
nicht durch die jedes Jahr sich an demselben Individuum wieder- 
holenden Angriffe des Parasiten entsteht die haarige Varietät (sonst 
müsste sich die mit der Zeit sich steigernde Wirkung in der all- 
mälig zunehmenden Behaarung der Pflanze verrathen, es müsste also 
Uebergangsiormen geben), sondern sie geht aus den Samen solcher 
kalıler Individuen hervor, die bereits sehr lange an dieser Localität 
gewachsen sind. Gleichwie im Tbierreiche diejenigen physiologischen - 
Einflüsse, welche auf das Mutterindividuum einwirken, sei es, dass 
sie im günstigen oder im ungünstigen Sinne sich geltend machen, 
erst in der Leibesfrucht, also in der Nachkommenschaft, eine auf 
innerer und äusserer Formbeschaffenheit beruhende Nachwirkung — 
Variation — zu Stande bringen, so tritt auch bei der Pflanze erst 
an. dem aus dem Samenkeime hervorgehenden Gewächse die Wir- 
kung der umgestaltenden Kräfte, welche die Mutterpflanze selbst 
nicht dauernd zu ändern vermochten, in sichtbarer Weise auf, um 
sich von da an die folgenden Generationen zu vererben. 

Liegt es nun an der Localität, oder, wie man zu sagen pflegt, 
an dem „Standorte“, ob die Pflanze sich die Anlage zur Haarbildung 
aneignen könne, oder nicht, so ist es gewiss von Interesse, zu erui- 
ren, durch welche Eigenschaften der „Standort“ jene Metamorphose 
bewirkt. Sind es die freifallenden Sonnenstrahlen, die Bodenverhält- 
nisse vermöge ibrer chemischen Beschaffenheit, oder klimatische Ein- 
flüsse im engeren Sinne; vielleicht die Gegensätze von Warm und 
Kalt, Feucht und Trocken (wenn sie plötzlich und öfters auf die 
Pflanze einwirken), von denen die Anregung zur Trichombildung ur- 
sprünglich ausgeht? Es liegt die Möglichkeit nahe, die primäre 
oder inducirende Ursache, soweit sie in der Aussenwelt zu suchen ist, 
bis zu einem gewissen Grade zu bestimmen, weun wir der Pflanze 
unter den verschiedensten Vorkommensverhältnissen nach allen Kich- 
tungen ihrer Verbreitung aufmerksam folgen und dabei sorgsam dar- 
auf achten, unter welchen der Beobachtung zugänglichen Umständen 
sie kalıl, unter welchen behaart erscheint, wo die von der Gallmilbe 
befallenen Triebspitzen eine spärliche, und wo sie eine reichliche 
Behaaruug tragen. 

In dieser Beziehung bietet die Save-Ebene von Lees-Radmanns- 
dorf die mannigfachsten Fälle, denn hier können wir den 'Ihymian 
in seiner kahlen Form mit und ohne Triebspitzen-Deformation und 
die behaarte Varietät gleichfalls mit und ohne Infeetion durch die 
Gallmilbe sehen, und die kahle Form zeigt an den Cecidien stets 
reichliche Behaarung; dagegen fand‘ich im Sausal in Steiermark 


12 


nicht nur bis jetzt noch keine var. hörsuta s. lanuginosa, sondern 
auch öfter nur sehr spärlich behaarte Phytoptoceeidien am Thymian. 
Vergleichen wir die beiden Localitäten mit einander, so bemerken 
wir, dass es nicht nur in Bezug auf oberflächliche Beschaffenheit 
des Terrains, sondern auch hinsichtlich der physikalischen Boden- 
verhältnisse kaum einen schärferen Unterschied zweier in nahezu 
gleicher geographischer Breite gelegenen Oertlichkeiten geben kann. 

Die erwähnte Ebene, 8 Kilom. lang und östlich von Veldes 
ca. 4 Kilom. breit, dehnt sich vom Fusse der Karavanken bis zum 
gegenüberliegenden plateau-artigen Mittelgebirge als völlig gleich- 
förmige Fläche aus. Sie hat einen nahezu steppenartigen Charakter, 
insofern als sie durch längere Zeit im Sommer trocken liegt, theils 
als dürre Heide, theils als magerer Wiesengrund, wo der Boden 
nicht bebaut ist. Der aus den Alluvionen der Save (Kalkgeschiebe, 
Sand und Conglomerat) bestehende Untergrund trägt nur spärliches 
Erdreich, worauf ein kümmerlicher Graswuchs bemerkbar ist; oder 
es deckt den Boden das genügsamste und ausdauerndste aller Ge- 
wächse, die dürftige Heide Calluna vulgaris. Weit und breit machen 
sich im Sommer die sengenden Sonnenstrahlen nicht so fühlbar wie 
hier; früh am Morgen beginnen sie den Boden mit seiner ärmlichen 
Vegetation zu dörren. Aber kaum ist die Sonne hinter den Zacken 
und Graten der julischen Alpen verschwunden, so tritt, wegen der 
freien Strahlung, eine empfindliche Abkühlung ein, und in den Früh- 
lingsmonaten, so lange die Nächte noch lang sind, stellen sich häufig 
Spätfröste ein. Die Vegetation ist dem raschesten Wechsel von Warm 
und Kalt, Trocken und Feucht ausgesetzt, ähnlich wie auf einer 
echten Steppe. Ich möchte es jedoch auch keineswegs bezweifeln, dass 
die unbeschränkte Lichtfülle, welche die Pflanzen hier von allen Seiten 
empfangen, gleichfalls ihren Antheil an den physiologischen Erschei- 
nungen haben, von denen hier die Rede ist. 


(Fortsetzung folgt.) 


Amemone Scherfelii Mihi! 
Von Josef Ullepitsch. 


Folia impari pinnata, viridia, utrinque nitida. Petiolis radica- 
lium amplexicaulibus vaginiferis; caulinorum late alatis longeque 
aurieulatis. Floret circa Schmeks in Tatra, solo granitico, duas et 
plures hebdomades serius quam Anemone alpina. 

_ Wurzel: ausdauernd, holzig, spindelig, von abgestorbenen Blatt- 
resten schopfig. 

Stengel: dunkelpurpurn, rund, von langen weissen Haaren rauh. 

Wurzelblätter: zweipaarig, beiderseits nackt, grasgrün, schim- 
mernd; an den Stielchen, Nerven und am Rande mit langen spär- 
lichen sehr bald abfallenden Haaren gesäumt. Die Blättchen wider 


13 


fiederspaltig, Lappen aus spitzem Grunde dreieckig 2--5zähnig, nur 
das unpaare Endläppchen stets 3zähnig. Die Zähne alle dreieckig, 
wenig zugespitzt. Der lange Blattstiel erweitert sich rasch zu einer 
längeren als breiten stengelumfassenden aussen wolligen Scheide. 

Stengelblätter: gleichen den Wurzelblättern, meist drei, doch 
scheinbar öfter mehrere, denn aus der Spitze der aufwärtsstehenden 
zwei Ohren des breit und grüngeflügelten Blattstieles wachsen neuer- 
dings gefiederte Blätter hervor. 

Blüthenstiel: Einer, einblumig wollig behaart. 

Blüthenhülle: sechsblättrig. Die äusseren Hüllblättchen häufig 
am Grunde blaulichgrau, ellyptisch, abgerundet, netzaderig, aussen 
wollig behaart. Die inneren etwas schmäler, am Grunde gelblich. 

Fortpflanzungsorgane: Griffel zahlreicher als die Staubfäden. 

Früchtehen: beiderseits zugespitzt, etwas plattgedrückt, wollig 
behaart, mit einer langen Feder, deren Stiel dunkelpurpurn, und mit 
dichten langen aufwärts gerichteten weissen allmälig kürzerwerdenden 
Haaren dicht bedeckt ist. 

Vorstehende Pflanze gehört in die Gruppe der Anemone alpina 
L. und gleicht am meisten der längst verschollenen Anemone apü- 
folia des Wulfen, und ist jedenfalls von der Stammform zu trennen. 

Trotzdem, dass sie mindestens zwei Wochen später blühet als 
die echte An. alpina, pflegt sie im August und September vereinzelt 
wieder zu blühen, und wächst nicht einzeln wie andere Anemonen, 
sondern bildet grosse und so dichte Bestände, dass keinerlei Pflanze 
zwischen ihr aufkommt. 

Die Pflanze benannte ich Herrn Aurel Scherfel in Felka zu 
Ehren, dem langjährigen und eifrigsten Pfleger der Floristik in der 
hohen Tatra. 


Kniesen, Zipser Comitat (Ungarn), November 1886. 


—— 


Beiträge zur Kenntniss der Bergalgenflora Böhmens, 
Von Dr. Anton Hansgirg in Prag. 


Neben den thermalen, thermophilen und halophilen Algen 
gehören auch viele von den im Hügellande und in den Gebirgen 
Böhmens verbreiteten Algenarten zu den in vielen Beziehungen 
bemerkenswerthen Algen Böhmens. 

Die Bergalgenflora von Böhmen, deren Hauptrepräsentanten 
hier zum ersten Male aufgezählt und deren geographische Verbreitung 
und Gliederung im Nachfolgenden kurz besprochen werden soll, ist 
im Vergleich mit der in Böhmen blos auf wenigen und meist 
kleinen Localitäten entwickelten Thermal- und Salzwasser -Algen- 
flora auf zahlreichen Localitäten von, grösserer Ausdehnung, nicht 
selten auf sehr, bis meilenweit sich erstreckenden Gebieten ausgebildet. 


14 


Die Hauptrepräsentanten der submontanen und montanen Algenflora 
Böhmens findet man in der Region der Hügel, der Berge und des 
Hochgebirges meist in Gesellschaft anderer, in Böhmen allgemein 
verbreiteten Algen, seltener allein, fast überall da verbreitet, wo 
die zur Ansiedelung und Entwicklung einer Algenvegetation überhaupt 
nöthiren Bedingungen, vor Allem Licht, Wärme und Feuchtigkeit 
in gehörigem Grade gegeben sind. 

Neben den Licht-, Wärme- und Feuchtigkeitsverhältnissen 
sind jedoch bei der Entwicklung einer jeden Algenflora auch noch 
die physikalische und chemische Beschaffenheit der Unterlage und 
des Mediums an und in welchem die Algen vegetiren, besonders in 
Betracht zu ziehen. Ob und wie fern neben diesen klimatischen, 
physikalischen und chemischen Verhältnissen, neben der geographischen 
Lage, der mittleren Jahrestemperatur, der durchschnittlichen Menge 
der jährlichen atmosphärischen Niederschläge, der kürzeren oder län- 
geren Vegetationsperiode ete. bei der ceographischen, sowohl der 
horizontalen wie auch der verticalen Verbreitung der Algen, welcher 
von Seite der Botaniker bisher nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet 
wurde auch noch das historisch-genetische Moment ete. zu berück- 
sichtigen ist, wird erst später bis überhaupt mehr über die Verbrei- 
tung der Algen auf der Erdoberfläche bekannt sein wird, möglich 
werden zu entscheiden. 

Bei der bisherisen noch sehr lückenhaften Kenntniss über die 
geographische Verbreitung der Algen überhaupt, der montanen und 
submontanen Algen Böhmens insbesondere, ist der im Nachstehenden 
mitgetheilte Versuch einer Eintheilung der Bergalgen Böhmens nach 
den Höhenverhältnissen als ein vielfacher Ergänzung bedürfender 
zu betrachten. 

Von den zahlreichen Algenarten, welche in den Niederungen 
sowie im ganzen Flachlande Böhmens bis 200 M. ansteigend ver- 
breitet sind, kommen noch viele im Hügellande (200 bis 600 M.), 
in der Bergregion (600 bis 1000 M.) und im Hochgebirge (1000 bis 
1600 M.) Böhmens vor. Neben diesen grösstentheils kosmopolitischen 
(wenigstens in Europa allgemein verbreiteten) Algenarten sind aber 
sowohl in der Region der Hügel wie auch in den beiden höher lie- 
genden Regionen besondere Algenformen verbreitet, welche den ein- 
zelnen Regionen ausschliesslich anzugehören scheinen. 

Solche bisher bloss in gewissen Höhenlagen auf der Erdoberfläche 
vorkommende, einzelne Regionen charakterisirende Algenformen sind 
in der eigentlichen Bergregion Böhmens in grösserer Artenanzahl 
vorhanden als in den beiden angrenzenden Regionen. Doch ist die 
Algenflora der Bergregion Böhmens im Ganzen weniger reich an 
Algen, als die der zur Entwicklung der Algen überhaupt günstigeren 
Regionen der Hügel und der Ebene. Lo 

In allen soeben genannten Regionen sind nicht selten einzelne, 
nahe aneinander grenzende Localitäten durch besondere Algenarten 
ausgezeichnet. Solche bloss auf gewissen Standorten auftretende Algen 
bilden, wenn sie in grösserer Artenanzahl vorkommen, charakteristische 


15 


Alsengruppen, welche den einzelnen Vegetationsformen der Gefäss- 
pflanzen gewissermassen entsprechen. 

Zur Ausbildung solcher Algengruppen sind vor Allem die Was- 
sermenge und die chemische und physikalische Beschaffenheit dieses 
den hydrophytischen Algen zur Entwicklung unbedingt nöthigen Me- 
diums, sowie die chemische und physikalische Beschaffenheit, zumal 
die Wasserdurchlässickeit und Erwärmungsfähigkeit des Substrätes, 
an welchem oder in dem die aerophytischen, endophytischen und 
amphibischen Alsen leben, von besonderem Einflusse. 

Da ich jedoch über die geographische Verbreitung der Algen 
in Böhmen im Allgemeinen, sowie über die verschiedenen Standorte 
und die in der freien Natur häufiger auftretenden Localalgengruppen 
an einem anderen Orte!) mehr mitgetheilt habe, so will ich hier in 
Bezug auf dieses Thema nur noch bemerken, dass die Entwicklung 
der interessantesten Algengruppen des Hügel- und des Gebirgsterrains 
Böhmens hauptsächlich durch verschiedene chemische und physikalische 
Beschaffenheit der Felsen und der aus diesen entspringenden Quellen 
Quellbäche ete., sowie verschiedener stehender Gewässer, an oder in 
welchen die Alsen vegetiren, bedingt ist. Dass durch diese Agentien 
die Existenz der Specialalgengruppen der submontanen und der mon- 
tanen Region in hohem Grade bedingt ist, wird bald ein jeder Algo- 
loge sich überzeugen, welcher den verschiedenen Algengruppen der 
Hügelregion in der Umgebung von Prag seine volle Aufmerksamkeit 
widmen wird. 

In feuchten silurischen Kalksteinfelsen findet man in der näheren 
und weiteren Umgebung von Prag eine besondere Algenflora ent- 
wickelt, die sehr mit derjenigen der verschiedenen mehr oder weniger 
kalkhältigen feuchten Felsen der unteren Etagen der böhmischen 
silurischen Formation und der aus diesen hervorquellenden, Kalk- 
sinter absetzenden, Bächlein übereinstimmt, von der Algenflora der 
oft von den silurischen kalkhältigen Felsen nicht weit entfernten 
Sandsteinfelsen der böhmischen Kreideformation sowie der erst in 
der weiteren Prager Umgebung auftretenden, ähnlichen Felsen der 
Steinkohlen- und Dyasformation jedoch sich wesentlich unterscheidet. 
Auch auf den, erst an der südlichen und südöstlichen Grenze der 
weiteren Umgebung von Prag vorkommenden, feuchten Granit-, Gneiss- 
und verschiedenen Glimmerschieferfelsen der Primärformation ist 
eine von den beiden soeben angeführten Local-Algenfloren bedeutend 
verschiedene und verhältnissmässig arme Algenvegetation entwickelt. 

Die seltensten Algenarten der ganzen, von mir schon algologisch 
näher durchforschten Hügelregion Böhmens sind in klaren Quellen 
und in Bergbächen, an feuchten schattigen oder vom Wasser berie- 
selten sonnigen Felsen und Bergabhängen im Moldau- und Beraun- 
thale, sowie in den, in diese einmündenden Nebenthälern verbreitet. 
Einige wenige Repräsentanten dieser, besonders in wärmeren Lagen, 
vorzüglich an den gegen die scharfen Nord- und Ostwinde geschützten 


x 


’) Vergl. meinen „Prodromus der Algenflora von Böhmen“. I, 1886 p.9 u. f. 


16 


Felsen prächtig entwickelten silurischen Hügelalgenflora habe ich 
jodoch auch noch an feuchten Urkalkfelsen nächst Krummau in 
Südböhmen und an vom Wasser bespülten Plänerkalk- und Kalk- 
mergelschichten am Uferrande einiger Teiche in Ostböhmen ge- 
sammelt. 

An den stellenweise sehr steilen und fast kahlen felsigen Ufer- 
abhängen sowie in den meist von kleinen Bächen bewässerten zahl- 
reichen, in die silurischen Felsenmassen mehr oder weniger tief 
eingeschnittenen Querthälern, welche in die beiden, durch ein ver- 
hältnissmässig ziemlich mildes Klima ausgezeichneten, Flussnie- 
derungen- Mittelböhmens einmünden, sind im ganzen Moldau- und 
Beraunthale der näheren und weiteren Prager Umgebung, zumal an 
feuchten silurischen Kalksteinfelsen in den wildromantischen Felsen- 
partien bei Karlstein, St. Ivan unter den Felsen, St. Prokop u. a., 
welche stellenweise en miniature eine gewisse Aehnlichkeit mit den 
Voralpen-Landschaften des Salzkammergutes haben, viele seltene sub- 
montane und einige montane Algenarten verbreitet. 

Die an solchen feuchten, silurischen Felsen im ganzen Moldau- 
thale von Davle bis Kralup, im Beraunthale von Radotin bis Zbe&no 
nächst Pürglitz entwickelte Algenvegetation birgt an einigen Orten 
neben den, in dieser Formation fast allgemein verbreiteten submon- 
tanen Algenformen auch noch einzelne, besonders interessante, zum 
Theile von mir in Böhmen entdeckte und bisher ausserhalb Böhmens 
noch nicht beobachtete Algenformen. 

Solche Algenformen sind von mir vorzugsweise an vom Wasser 
berieselten Felsen, Blöcken etc. im Rinnsal der, im Sommer nicht 
selten ganz austrocknenden, kleinen Bergbäche, in feuchten Felsen- 
spalten und Felsenklüften, aus welchen nach ergiebigen Regengüssen 
Wasser hervorsickert, sowie an oder unter den steilen Bergabhängen, 
von welchen das Wasser herabtröpfelt, seltener kleine Katarakte 
bildend herabfliesst, vorgefunden worden. 

Eine zweite, von der soeben kurz geschilderten Algenvegetation 
wesentlich verschiedene ist an den Quader- ete., Sandsteinfelsen der 
Kreide- und Carbonformation entwickelt, von welchen beiden die 
erstere schon in der näheren Umgebung von Prag hie und da ziem- 
lich hohe, mehr oder weniger ausgedehnte, meist langgezogene 
Rücken bildet. Am schönsten entwickelt beobachtete ich diese psam- 
mophile Bergalgenflora, deren einzelne Vertreter ich schon an mehreren 
Orten der näheren Prager Umgebung, bei Chwal, Melnik, Raudnitz, 
Lobositz, Leitmeritz, Elbe-Kostelee, Vrutic, Jung-Bunzlau, Bakov, 
Münchengrätz, Turnau, Wartenberg, B. Leipa, Hirschberg, Habstein, 
Weisswasser, Weckelsdorf, Jitin, Horic, Neu-Straschitz, Perue, Laun, 
beobachtet und gesammelt habe an den mächtig entwickelten Sand- 
steinfelsen der sog. böhmischen Schweiz bei Tetschen, Hernskretschen, 
Prebischthor u. a. Auch an den feuchten Sandsteinfelsen der Stein- 
und Braunkohlen-, sowie der Dyasformation Böhmens habe ich an 
mehreren Orten, insbesondere in der Umgebung von Schlan, Rakonitz, 
Gechnitz, Saaz, Kralup, Swolenowes, Starkenbach, Alt- und Neu- 


17 


Paka, Wostrom®r, Trautenau, Arnau, Hohenelbe, Nachod, Veseli, 
Wittingau u. a. einzelne Algenarten gesammelt, welche für diese 
Formation bezeichnend sind. Die gemeineren Repräsentanten dieser 
im Grossen und Ganzen viel ärmeren Algenvegetation, als die der 
silurischen Hügelresion, sind ausserdem fast im ganzen Lande zer- 
streut an feuchten Sandsteinplatten ete. vorzufinden, die man zur 
Einfassung von Brunnen, Teichen, als Brunnentröge etc. verwendet. 

Auch in den meist der primären Formation angehörenden 
Grenzgebirgen Böhmens ist eine besondere Algenflora entwickelt, 
deren einzelne Repräsentanten schon in den Vorbergen und hie und 
da auch im Gebirgslands der ganzen südlichen Hälfte Böhmens auf- 
treten. Die seltensten und interessantesten Vertreter dieser Urgebirgs- 
Algenflora, der Region der Berge und des Hochgebirges sind, wie 
zu erwarten war, im Riesengebirge, soweit dieses schon algologisch 
erforscht worden ist, verbreitet, einige seltenere montane und sub- 
alpine Algenformen kommen jedoch auch noch in höheren Lagen des 
böhmischen Iser- und Erzgebirges vor. Die Algenflora des ganzen 
Böhmerwaldgebirges, welches trotz seiner bedeutenden Ausdehnung 
und Höhe mehr durch das Fehlen als durch das Vorhandensein von 
seltenen Bergalgenarten sich auszeichnet, birgt doch, insbesondere 
in den meist hoch gelegenen Seen und deren Abflüssen sowie in den 
recht zahlreichen Hochmooren (Filzen) einzelne, sehr seltene Algen- 
arten, welche zum Theile schon früher in den Seen und Hochmooren 
des Schwarzwaldes in Deutschland beobachtet wurden. 

(Fortsetzung folgt.) 
—ö 


Zur Flora von Ostgalizien. 
Von Br. Blocki. 


Im Anschluss an meinen Artikel über die Sommerflora von 
Dubienko in Ostgalizien möge hiermit das Verzeichniss aller jener 
interessanteren Pflanzen folgen, welche ich heuer in der Gegend 
zwischen Monasterzyska und Buczaez beobachtet habe. Es sind folgende 
Arten: Anthyllis Vulneraria, in Korosciatyn und Üzechöw; Artemisia 
austriaca in Buczaez (fehlt westlich vom Strypafluss); Aster Amellus 
in Czechöw; Bupleurum falcatum in Czechöw; Cirsium pannonicum 
in Koroseiatyn; Chrysanthemum corymbosum in Koroseiatyn und 
Przewloka; Clematis erecta in Czechöw und Przewloka; Crepis sibirica 
in Czechöw; Cimicifuga foetida in Czechöw und Przewloka; Oheno- 
podium Vulvaria in Przewloka; Cirsium spathulatum in Przewloka; 
Campanula bononiensis in Przewloka; Dianthus Carthusianorum L. 
in Korsieiskyu und Czechöw (D. pseudobarbatus Bess. und D. capi- 
tatus DC. fehlen in dieser Gegend gänzlich); Digitalis ambigua in 
Czechöw; Dipsacus pilosus in Przowloka; Echinops commutatus in 
Przewioka; Ferulago silwatica in Korosciatyn und Monasterzyska ; 
Geum strietum in Bertniki und Berezöwka; Galium polonicum mihi 

Oenterr. botan. Zeitschrift. 1. Heft 1887, 2 


18 


in Korosciatyn; Galium eruciata in Przewtoka; Hieracium polonicum 
mihi in Koroseiatyn und Przewloka; Hellehorus purpurascens iu 
Czechöw und Przewloka; /nula Helenium in Czech6ow (am Bachufer 
in Gesellschaft mit Carduus erispus und Senecio fluviatilis); Lilium 
Martagon in Koroseiatyn und Przewloka; Marrubium vulgare iu 
Przewloka; Ononis hircina in Czechöw; Potentilla recta L. (non. 
Zimmet.) in Korosciatyn und Przewioka; Pot. commutata mihi in 
Koroseiatyn (ganz identisch mit der Pflanze von Holosko bei Lemberg) ; 
Phlomis tuberosa in Przewloka; Rumex confertus Willd. in Mona- 
sterzyska, Jezierzauy, Üzechöw, Bertniki und Buczacz; BRanunculus 
Stevenii Andrz. überall verbreitet; Stachys germanica in Üzechöw; 
Salvia glutinosa in Przewioka; Scabiosa ochroleuca in Koroseiatyn 
und Przewloka; Thymus montanus in Korosciatyn, Czechöw, Bertniki 
und Przewioka; Thymus Marschallianus in Czechöw, Jezierzany und 
Przewioka; Teuerium Chamaedrys in Czechöw und Przewloka: 
Viburnum Lontana in Czechöw und Przewioka; Nanthium spinosum 
in Jezierzany und Przewioka (fehlt indessen in einigen Ortschaften 
dieser Gegend, z. B. in Dubienko, gänzlich). 
Lemberg, im December 1886. 


— 


Beitrag zur Flora der Karpathen und des Hoch- 
gesenkes. 


Von Dr. Ed. Formänek, 


k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn. 


(Schluss.) 


Laserpitium, latifolium L. Selten. WoiSice bei Kl. Wrbka, Küzelau. 
Machowe Wiesen und Wielicky Wald bei Jawornik, Neu Lhota, 
Milonow nächst Gr. Karlowitz. 

— pruthenicum L. Hürka Wd. bei Ung. Brod, Prakschitz. 

Caucalis daucoides L. Straznitz, Radiejau, Hrozna Lhota, Kl. Wrbka, 
Ung. Brod, Bystritz, Ordiejowhof. 

Scandix pecten Veneris L. Um Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk! 

Cerefolium nitidum Celak. Celak. Prodr. p. 586. Jaworina! 

Chaerophillum bulbosum L. Hänfig bei Strainitz (Fasangarten, Zerotin, 
Stamfaty ete.), Radiejau, Kndzdub, Welka, Kl. Wrbka. 

— temulum L. Von Rohatetz bis StraZnitz, Hroznä Lhota, Lippau, 
Welkä, Althammer., 

— aromaticum L. Machowe Wiesen, und gr. Jaworina bei Jawor- 
nik (Makowsky), Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Hra- 
dischow, Zdieschow, Hallenkau, Kitera terhanskä, Jaworniky bis 
zum Gipfel, häufig bei Gr. Karlowitz, Milohow, Wysokä, Wiesen 
bei der Salajka, Althammer, Ostrawitz, Butosonka, Malenowitz, 
Friedland (Metylowskä Hürka), Pr2no, Krasnä, Morawka, Lomna; 


19 


bei Teschen (Kolbenheyer)! Zabreg ete.: Boguschowitz, Konska, 
Mähr. Ostrau, Jägerndorf, Würbenthal, Ludwigsthal, Sternberg. 

Chaer. hirsutum L. Rozsosi bei Prikaz, Provaznythal bei Hallenkau, Gr. 
Karlowitz, Hluboka nächst Ob. Betwa, Peretonky, Polana, Smrk, 
Skalka bei Ostrawitz, Grunik Wd., am Fusse der Lysä hora, 
Moräwka häufig bei Slawita, Lomna, Schlossberg bei Würben- 
thal, Karlsbrunn; im Gesenke sehr häufig und fast in allen Berg- 
schluchten hochgelegener Berge (Oborny)! 

Meum mutellina Gärtn. Am Fusse des Schlossberges bei Würbenthal! 
nahe von menschlichen Wohnungen, kl. Heide, Gr. Vater, Knob- 
lochgraben, Bärenkamm. 

Hedera helix L. Kobela bei Küzelau, Klokotnik und StruZne bei 
Jawornik, Philippsthal, Hürka Wd. und Kralow bei Ung. Brod, 
Vapenky bei Val. Klobouk, Jawornikgebirge über 800M. Ver- 
breitet im Teschner Gebiete (Kolbenheyer), Zabreg Wald, 
Konska. 

Ribes grossularia L. Jaworina (Holuby); Jawornik, Neu Lhota, na 
Kotarech. 

— petraeum Wolf. Knoblochgrund (v. Uechtritz)!, massenhaft auf 
den Abhängen des Gr. Vaters und Bärenkammes. 

Chrysoplenium alternifolium L. Jawornik, Val. Klobouk, Pultschin, 
Hallenkau, Gr. Karlowitz; Karlsbrunn (v. Niessl)! 

Sedum maximum Suter. Ob. Fl. 861. Strazvitz, Jawornik, Val. Klo- 
bouk, Gr. Karlowitz, Ostrawitz; Friedland und sonst in jenen 
Gegenden häufig (Oborny), Jägerndorf, Goldenstein, Sternberg. 

— boloniense Loisl. Ob. Fl. p. 864. Straänitz, Welka, Ung. Brod, 
Prikaz; häufig im Thale der Ostrawitza und in Schlesien 
(Oborny). 

Sempervivum tectorum L. Straänitz, Welkä, Jawornik. 

Ayrimonia eupatoria L. Welka, Kl. Wrbka [Bukowina nächst Wrbo- 
wetz|, Küzelau, Neu Lhota, Philippsthal, Strany, Lysä hora bei 
Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Zdiechow, Hallenkau, Gr. 
Karlowitz, Milonow, Friedland, Teschen, Mähr. Ostrau, Hruschau, 
Hermanitz. 

Sanquisorba officinalis L. Von Strainitz bis zum Gipfel der Jawo- 
fina, von Strany bis Ung. Brod, Hawritz, Suchä Loza, Banow, 
Val. Klobouk, Zdiechow, Mähr. Ostrau, Hruschau, Jägerndorf 
Weiskirch, Hansdorf. 

Alchemilla vulgaris L. f. glabra DC. Gr. Vater, Knoblochgraben, 
Thal der rauschenden Tees. 

Geum rivale L. Maximiliankathal nächst Huti-Hammer, Althammer, 
Morawka, Slawita (längs des Slawitbaches), Würbenthal, Karls- 
brunn, Demmbaude, Gr. Vater, Knoblochgraben, Schlicksenwald 
bei Goldenstein. 

Potentilla tormentilla Schrank. Häufig in der StraZnitzer, Ung. Bro- 
der, Val. Klobouker, Teschner und Jägerndorfer Gegend. Uhu- 
stein, Heidenbrünnel. i 

— aurea L. Zwischen Peterstein und Altvater, am Wege von der 

2 


A) 


Schäferei zum Wilden Stein, Schweizerei, Gr. Vater, Knobloch- 
eraben, Bärenkamm. 

‚Potentilla canescens Bess. Auf einem Raine nächst des Fleischerwaldes 
bei Järerndorf (für die Schellenburg schon Sintenis). 

Spiraea salieilifolia L. Verwildert bei Morawka. 

— aruneus L. Gr. Karlowitz (TiSnawa, Wd. u Ondrü ete.), 
Schlicksenwald bei Goldenstein. 

— ulmaria L. a) genwina. Gemein, Gesenke: Bärenkamm. b) disco- 
lor Celak. Val. Klobouk, Zdiechow, Teschen, Knoblochgraben, 
Schweizerei. 

— /ilipendula L. Welkä, Woißice bei Kl. Wrbka, Küzelau, Dlouhe 
und Mahowe Wiesen bei, Jawornik, Blumenthal (Jelenowa), 
Stransko bei Strany, Chrast bei Bojkowitz, Horka Wd. bei Val. 
Klobouk, Prikaz Pultschin, Zdiechow, Huslenkathal, Hallenkau 
(Provaznythal etc.) Jaworniky, Gr. Karlowitz. 

Cytisus capitatus Jacq. Weinberge bei Straznitz, Radiejau, Knözdub, 
Woisice und Podorli bei Kl. Wrbka, Kobela bei Küzelau, Welkä, 
häufig bei Jawornik (Strmetnik-, Dlouhe- und Machowe-Wiesen, 
Wielitky-Wd.), Philippsthal. Neu Lhota na Kotarech, Chrästka, 
Lysä hora u. Wd. b. d. reichen Linde bei Ung. Brod, Prak- 
schitz, Weinberge bei Hawritz, Wolenow, Suchä Loza; Teschen 
(v. Uechtritz)!, Jägerndorf (Burgberg, Schluchten bei den 
Ziegelhütten, Fleischerwald und Mösnig), Eichberg bei Weiskirch. 

— nigricans L. Zerotin bei Straänitz, Radiejau, Welkä, Küzelau, 
Jawornik (Strmetnik ete.). Chrästka und Wd. b. d. reichen Linde 
bei Ung. Brod, Prakschitz, Bojkowitz, Val. Klobouk; Mösnig und 
Burgberg bei Jägerndorf (v. Uechtritz sen.)!, Eichberg bei 
Weiskirch. 

Genista tinctoria L. Gemein im b. G. 

— germanica L. Stransko Wd. bei Strany, Lysä hora bei Ung. 
Brod, Prakschitz, Skäli und Horka Wd. bei Val. Klobouk, 
Hajek bei Prikaz, häufig bei Jägerndorf (Burgberg, Schluchten 
bei den Ziegelhütten, Mösnig etc.), Eichberg bei Weiskirch. 

Ononis spinosa L. Rohatetz, Petrow, StraZnitz, Radiejau, Knezdub, 
Hroznäz, Lhota, Louka, Welkä, Woitice bei Kl. Wrbka, Küzelau, 
Strany, Ob. Niemtschy, Ung. Brod, Bojkowitz. 

Melilotus albus Desr. Friedland, Pr2no, Teschen, Beguschowitz, 
Mähr. Ostrau, Hruschau. 

Trifolium montanum L. Von Rohatetz bis Straznitz und von da an 
bis Welkä, Kl. Wrbka, Küzelau, Jawornik, Gipfel der Jaworina, 
Strany, Ung. Broder Gegend, von Val. Klobouk bis Gr. Karlo- 
witz, Milonow, Ostrawitz, Friedland, Metylowitz, Kräsnä, Jägern- 
dorf (Burgberg ete.). 

— fragiferum L. Straznitz, Welkä, Jawornik, Suchä Loza, Ordie- 
Jowhof, Bystritz. 

— alpestre L. Rohatetz, Straznitz, Radiejau, Welka, Philippsthal, 
Strany, Ung. Brod, Prakschitz, Hawritz, Suchä Loza. 

— rubens L. Knezdub, Woisice bei Kl. Wrbka, Küzelau, Dlouhe- 


21 


und Machowe Wiesen und Wielitky Wd. bei Jawornik, Jamy 
Wiesen bei Neu Lhota, Horka bei Val. Klobouk. 
Trif. medium L. Straänitz, Knezdub, Hroznä Lhota, Welkä, Jawor- 
nik, Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Teschen, Würbenthal. 

— ochroleueum Huds. Val. Klobouk, Kralowec Wd. bei Potesch, 
RozsoSi bei Prikaz, Zdiechow, Hallenkau, Jaworniky bis auf die 
Gipfel, Gr. Karlowitz. 

Anthyllis vulneraria L. Zerotin bei Straznitz, Knözdub, Welkä. 
WoiSice bei Kl. Wrbka, Kobela bei Küzelau, Jawernik (Dlouhe- 
und Machowe Wd. ete.), Philippsthal, Jelenowä bei Strany, Ung. 
Brod, Hawritz, Ordiejowhof, häufig bei Val. Klobouk (Wd. nad 
Poteli, Dubowee, Vapenky etc.), Prikaz, Zdiechow, Hallenkau, 
Gipfel der Jaworniky bis zum Jawornik nad Minarikem. 


Doryenium pentaphyllum Seop. Zerotin bei Straänitz, Radiejau, 
Knözdub, Louka, Welkä, Woi$ice und Podorli bei Kl. Wrbka, 
Kobela bei Küzelau, Strmelnik bei Jawornik, Philippsthal, Neu 
Lhota, Jaworina, Jelenowä und Stransko bei Lysä hora und 
Wa. b. d. reichen Linde bei Ung. Brod, Prakschitz, Havwritz, 
Wolenow, Suchä Loza, Ordiejowhof, Bystritz, Banow, Chrast und 
Obora bei Bojkowitz, nicht mehr bei Val. Klobouk. 

Tetragonolobus siliquosus Roth. Straznitz, Dlouhe Wiesen und Bach 
unterm Stanowisko bei Jawornik. 

Astragalus eicer L. Straänitz, Radiejau, Knezdub, Welkä, Woisice 
bei Kl. Wrbka, Küzelau, Machowe und Doliny Wiesen bei 
Jawornik, Ung. Brod, Hawritz. 

— glycyphyllus L. Von Straznitz bis Welkä, Küzelau, Jawornik, 
Philippsthal, Ung. Brod, Ordiejowhof, Bojkowitz, häufig bei Val. 
Klobouk, Prikaz, Zdiechow, Hallenkau, Kitera terüänska, Fried- 
land, Metylowitz, Teschen, Konska, Boguschowitz, häufig bei 
Jägerndorf, Weiskirch, Würbenthal, Goldenstein. 


Vieia faba L. Cultivirt bei Straznitz, Ung. Brod, Jablunkau, Te- 
schen, Boguschowitz. 

— dumetorum L. Kl. Wrbka, Welkä, KüzZelau, Jawornik, Ung. 
Brod, Ordiejowhof, Bystritz, Teschen, Konska. 

— pisiformis L. Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Potesch, 
Rozsosi bei Prikaz. 

— silvatica L. Ung. Brod, Bojkowitz, Jelenowskä bei Val. Klobouk, 
Posusiska Wd. bei Zdiechow (Exemplare sehr welk, daher dieser 
Standort nicht ganz sicher), Pathenwald bei Goldenstein. 

— cracca L. Gemein in höherer Lage: Wysokä. 

— villosa Rth. Rohatetz, Petrow, Wolenow, StraZnitz, Radiejau. 

— hirsuta Koch. Häufig, in höherer Lage auf der Jaworina. 

Lathyrus silvestris L. Strany, Bojkowitz, Doubrawa und Vapenky 
bei Val. Klobouk. Friedland, Metylowskä Hürka. 

— latifolius L. Weinberge bei Straänitz, Radiejau, Welkä, Woisice 
bei Kl. Wrbka, Kobela u. a. 0. bei KüZelau, Philippsthal, 
Dlouh& und Machowe Wiesen, Wielicky und Wd. na Ma- 


chowych nächst Jawornik, Jelenowä bei Blumenthal, Strany, 
Ung. Brod (Kralow ete.), Suchä Loza. 

Lath. tuberosus L. Von Rohatetz bis StraZnitz und von da bis Welkä, 
Ung. Broder Gebiet. 

— vernus Bernh. Gemein in Straänitze, Welkaer, Ung. Broder und 
Teschner Gebiet. 

— niger Bernh. Straänitz, Hroznä Lhota, Welkä, ‚Jawornik, Lysä 
hora u. a. OÖ. bei Ung. Brod, Prakschitz, Chrast bei Bojkowitz, 
Horka bei Val. Klobouk, Zabreg bei Teschen, Konska, Kopce Wu. 
bei Boguschowitz, Burgberg bei Jägerndorf. 


— ii — 


Spätflora des Jahres 1886. 
Von Carl Jetter. 


Das prachtvolle heurige Herbstwetter musste naturgemäss auch 
auf die Vegetation von grossem, belebendem Einflusse sein und wirklich 
gaben uns zahlreiche Mittheilungen in öffentlichen Blättern Kunde 
von dem erfolgten zweimaligen Blühen vorherrschend krautartiger 
(zewächse. 

Es sei mir gestattet, in der Kürze eine Zusammenstellung der 
gesammelten Notizen zu bringen, lediglich zu dem Zwecke, um einen 
Ueberblick über die Spätherbstflora zu gewinnen. So wurden am 
31. October auf dem Hocheck im Triestingthale ein Sträusschen 
reifer Erdbeeren gepflückt, ja sogar in der sonst so rauhen Gegend 
des Riesengebirges, aus Neu-Rettendorf bei Königinhof gelangte die 
gleiche Nachricht in die Oeffentlichkeit. Die Abhänge des Leopolds- 
berges bei Wien waren am 1. November mit Blüthen von Distel- 
und Habichtskräutern geschmückt und ein Hartriegelstrauch, an 
welchem noch die schönen rothen heurigen Früchte hingen, hatte 
zahlreiche von den nächstjährigen Blüthenknospen so weit entwickelt, 
dass ein Aufbrechen derselben in noch wenigen warmen Tagen zu 
gewärtigen war. Atıs Saalfelden im Pinzgau wurde unterm 9. No- 
vember geschrieben, dass die Thallehnen, die sonst um diese Jahres- 
zeit oft schon schneebedeckt sind, sich allenthalben mit einem zweiten 
Blüthenflor bekleiden und folgende Auslese blühender Kräuter nam- 
haft gemacht; Schafgarbe, Lattich, Rothklee, Löwenzahn, Campanula, 
kleine Genziane, weisse Brennnessel, Schierling, Stiefmütterchen, Mause- 
öhrchen, Storchschnabel und Brombeere. In Hof bei Lassing wurden 
am selben Tage in einer Höhe von 2000 Fuss überraschend grosse, 
völlig ausgereifte Erdbeeren gesammelt. Am 12. November wurde 
von einem Jäger aus dem kaiserlichen Forste in Unter-Weissen- 
bach am Attersee ein Alpenrosenzweig mit Blüthen und Knospen 
gebracht und in Bad Gastein wurden Erdbeerenblüthen und reife 
Früchte gefunden. Am 13. November drang dieselbe Kunde aus 
Leoben zu uns und am 14. November blühten an den südlichen 


25 


Abhängen des Schneeberges in das Höllenthal die Königskerze, 
Cyclamen, Veilchen und Alpenrose. 

Anschliessend hieran dürfte es nicht ohne Interesse sein, ein 
Verzeichniss jener Pflanzen folgen zu lassen, welche ich selbst auf 
meinen im Spätherbste erfolgten Spaziergängen in den Umgebungen 
Wien’s blühend angetroffen und notirt habe. 

So blühten am 12. November im Thale von Kaltenleutgeben: 
Scabiosa ochroleuca, Bellis perennis, Achillea Millefolium, Anthemis 
Cotula, Senecio vulgaris, Centaurea paniculata, Podospermum Jacqui- 
nianum Koch., Lamium purpureum, Ranunculus repens, Sisymbrium 
ofieinale Scop., Thlaspi Bursa pastoris, Reseda lutea, Alsine media, 
Mercurialis annua, Geranium columbinum, Melilotus ofieinalis Desr. 
und Trifolium pratense. In dem Vorgarten einer Villa in Kalten- 
leutgeben schmückten sich vier hochstämmige, lebhaft grünende 
Rosenstöcke mit fünf vollaufgeblühten Blumen und mehreren Knospen. 

Auf dem Wege von Mödling auf den Eichkogel notirte ich 
am 14. November: Scabiosa ochroleuca, Achillea Millefolium, Cha- 
maemelum inodorum Vis., Centaurea awillaris Willd., ©. Scabiosa. 
©. paniculata, Carduus acanthoides, «. spinosissimus, Podospermum 
Jacquinianum Koch., Sonchus oleraceus, Salvia nemorosa, Echium 
vulgare, Silaus pratensis Bess., Daucus Carota, Chaerophyllum bul- 
bosum, Sisymbrium Columnae Jacg., Alyssum incanum, Thlaspi 
Bursa pastoris, Reseda lutea, Helianthemum vulgare Gärtn., Stellaria 
media Vill., Dianthus Carthusianorum, Euphorbia helioscopia, Mer- 
curialis annua, Erodium eicutarium L’Herit., Melilotus ofieinalis 
Desr., Trifolium pratense und Doryenium Pentaphyllum Scop. 

Ungleich ärmlich dagegen war die Vegetation in der namentlich 
in dem ersten Frühlingsflor so lieblichen Hütteldorferau bei Wien 
vertreten. Obwohl lebhaft grünender Rasen den Boden derselben be- 
deckte, bildeten eingestreute, rothfrüchtige Evonymus-Sträucher den 
einzigen Schmuck des Gehölzes, während die krautartigen, blühenden 
Gewächse nur an den Rändern, welche die Ufer des Wienflusses bilden, 
ja häufig auf den sandigen Inseln desselben ihr verspätetes Dasein fri- 
steten. Ich notirte daselbst am 15. November: Bellis perennis, Achilles 
Millefolium, Podospermum Jacquinianum Koch, Tarawacum corni- 
eulatum DC., Galeopsis pubescens Bess., Veronica agrestis, Banun-- 
culus polyanthemos und bulbosus, Barbarea arcuata Rehb., Mala- 
chium aquaticum Fries und Trifolium pratense. Seit den letzten 
Novembertagen ist der Wald vollkommen kahl, und der über unsere 
Umgebung hereingebrochene Schneefall hat damit auch die letzten 
Spuren sommerlicher Blüthenpracht begraben. 

Inzwischen wird aus Vöcklabruck vom 17. December ge- 
schrieben: Nach dem anfangs sehr strengen Auftreten des Winters 
ist hier wieder so gelindes Wetter eingetreten, wie man sich eines 
solchen um die Mitte December schon seit vielen Jahren nieht mehr 
zu erinnern weiss. Die Temperatur steigt zur Mittagszeit bis zu 10 
und 12 Grad. Der Schnee ist in der Ebene allenthalben verschwun- 
den, und das frische Grün der Wintersaat‘ bildet einen merkwürdigen 


24 


Contrast zu den mit Schnee bedeckten Höhen des Höllengebirges 
und des Traunsteines. Schulkinder brachten gestern Sträusschen blü- 
hender und duftender Veilchen, die sie in Bergham, einer Ansiede- 
lung zwischen Puchheim und Vöcklabruck, gepflückt hatten. Auch 
der Flieder setzt grüne Knospen an, und vom Schafberge wurden 
Sträusse blühender Nieswurz (Helleborus niger) herabgebracht. 


Wien, am 19. December 1886. 


ne — 


Flora des Etna. 


Von Prof. P. Gabriel Strobl. 
(Fortsetzung.) 


1291. Medicago turbinata (L.) W. sp. pl. III 1409, Guss. Pr., Syn. 
et Herb.!, Bert. fl. it. (Sie.), «. inermis Asch. Willk. Lge. III 384 
— M. turb. Gr. Godr. I. 395, Rehb. D. Fl. 65 III, IV! Schliesst sich 
an tornata an, besitzt aber höheren Wuchs, bedeutend grössere und 
längere (”—9 Mm. lange, 5—6 Mm. breite), 5—7spirige, eylindrisch 
ovale, fast kahle Hülsen; Spiren ebenfalls aneinander gedrückt, bei- 
derseits convex; Aussennaht dick, einnervig, wehrlos oder nur höcke- 
rig, convex, endlich fast flach; Blüthenstiele meist 1—2blüthig, meist 
kürzer als die Blätter. Bildet mit den drei folgenden eine Reihe. 
Variüirt wieder links- und rechtswendig («. sinistrorsa Asch., ß. dew- 
trorsa Asch.). Unter Saaten Ostsiziliens; auch in der Ebene des Simeto 
neben dem Pulverthurme, aber spärlich! April, Mai ©. 

1292. Med. olivaeformis Guss. pl. rar., Syn. et Herb.!, Tod. fl. 
sic. exs. Nr. 1252! turbinata W. var. b. aculeata Willk. Lge. p. p. 
Aeusserst ähnlich der vorigen; Blüthenstiele ebenfalls 1—2blüthig, 
aber oft länger, als dasBlatt; Pflanze ziemlich dicht weichzottig; Früchte 
fast genau kugelig oval, grösser (S—12 Mm. lang, 7--9 Mm. breit), 
stärker flaumig-zottig, beiderseits convex, Spiren 5—7, aneinander 
gedrückt; Aussennaht bis 2 Mm. breit, einnervig, endlich flach, bei- 
derseits mit kurzen, dicken, kegelförmigen, abstehenden oder etwas 
angedrückten Dornen versehen, gelbgrün, endlich braun. Ist keines- 
wegs Var. der turbin., sondern eher mit der folgenden zu vereinen. 
Auf Fluren und unter Saaten Siziliens; auch in der Ebene des 
Simeto an Grabenrändern ziemlich häufig, sehr gemein aber in Saat- 
feldern von Motta S. Anastasia gegen Paternd. April Mai ©. 

1293. Med. muricata (L.) W. Guss. Syn. et Herb.!, turbinata 
v. aculeata W. Lge. III, 385 p. p. Ganz wie vorige in Grösse, Be- 
haarung etc. nur unterscheidbar durch fast kugelige Hülsen mit 
längeren, aber ebenfalls conischen Dornen. Auf Fluren und unter 
Saaten mit der vorigen: ziemlich häufig an buschigen Ufern des Si- 
meto, seltener beim Pulverthurme Catania’s! April, Mai ©. 

1294. Med. neglecta Guss. Pr., Syn. et Herb.! turbinata b) acu- 


25 


leata Grt. Willk. Lege. p. p. Von murie. nur verschieden durch stärker 
zottige Behaarung der Pflanze, beiderseits und an der Aussennaht 
mehr flache, überall von gegliederten Drüsenhaaren dicht flaumige 
und an den Rändern der Aussennaht mit noch stärkeren, zahlreiche- 
ren, etwas gebogenen, fast die Länge des Radius erreichenden Dornen 
besetzte Hülsen, deren Durchmesser die Höhe gewöhnlich übertrifft 
(z. B. 9:6); sie bildet ein Mittelglied zwischen muric. und rigidula. 
Unter Saaten und auf Fluren der höheren Tiefregion Siziliens; wahr- 
scheinlich auch im Gebiete aufzufinden. April, Mai ©. 

11295. Med. rigidula (L.) Dsr. Urb. W. Lge. III 383, Gerardi 
W.K. Reichb. D. Fl. 69 II, Guss. Syn. et Herb.!, cinerascens Jord. e. 
spec.! Ebenfalls stark zottig-fHaumig, Blüthenstiele ebenfalls 1—2blü- 
thig, länger oder kürzer als die Blätter, Hülse ebenfalls meist niedri- 
ger, als breit, mit Dornen, deren Länge die des Halbmessers fast erreicht 
oder sogar übertrifft. Unterscheidet sich hauptsächlich dadurch, dass 
die Drüsenhaare der Hülse äusserst kurz und dicht, fast mehlig und 
dass ausserdem gewöhnlich noch spärliche längere, drüsenlose Flaum- 
haare vorhanden sind, sowie, dass der Durchmesser der Hülse nur 
ca. 6Mm. beträgt; auch sind die Windungen weniger aneinander 
gedrückt und die Aussennaht ist eonvex, nervenlos. Varürt sehr in 
der Länge der bald geraden, bald hakigen Dornen, sowie in der Zahl der 
Spiren (A4—7) und in der Behaarung (fast grün bis ganz grau); da- 
her scheint mir Morisü Tod. — Gerardi v. minor Guss. Syn. et 
Herb.! DC. Prodr. II 179 nur eine Varietät zu sein; sie unterschei- 
det sich durch kleineren Wuchs, viel dichtere, fast grauzottige Be- 
haarung und kugelig-ovale, höhere als breite (meist 7:6 Mm.), auch 
meist kleinere Hülsen mit 6—7 Windungen; die Dornen sind meist 
obsolet, nur selten so lang, wie bei rigid.; doch wechselt letzteres 
Merkmal sogar auf derselben Pflanze und ich fand in den Nebroden 
auch Exemplare, welche die typischen Hülsen der rigid. mit den 
sonstigen Eigenschaften der Morisii verbinden. — Auf krautigen 
Abhängen und unter Saaten Siziliens ziemlich häufig; im Gebiete 
noch nicht beobachtet. Mai, Juni ©. 

1296. Med. truncatula Grtn. de fruct. (1788), Bert. fl. it. (Sie.), 
truncatulata Ten., Guss. Pr., Syn. et Herb.!, tribuloides PB. narbo- 
nensis DÜ. Prodr. II 178, trib. B. breviaculeata Mor. Etwas zottig- 
flaumig behaart mit verkehrteiförmigkeiligen, gestutzten oder aus- 
gerandeten, in der oberen Hälfte kleingesägten Blättern, etwas 
wimperig gezähnten Nebenblättern, 1 — 3blütbigen Stielen, welche 
meist die Blattspitze nicht erreichen. Leicht erkennbar durch die 
reifen Hülsen: fast genau ceylindrisch, beiderseits ganz flach, eirca 
7—8 Mm. lang, 5—6 Mm. breit, endlich kahl; Windungen anfangs 
locker, dann eng aneinander gedrückt; die Aussennaht breit, gekielt 
mit anfangs dünnen, dann dick conischen, der Aussennaht eng ange- 
drückten, den Nahtrand kaum überragenden Stacheln. Bildet mit 
den zwei folgenden eine Reihe. Auf krautigen Fluren und unter 
Saaten Siziliens hie und da, z. B. um Palermo, Messina!, liegt auch 
im Herb. Torn. aus dem Gebiete auf, aber ohne näheren Standort. 
April, Mai ©. 


26 


1297. Med. tentaculata Grtn., Mor., Murex Guss. Syn. et Herb.!, 
DC. Prodr. IL 178, non W.? (NB. Murex W. ist nach Willk. Lge. 
— sphaerocarpa Bert., nach Willd. Diagnose aber unterscheidet sie 
sich davon durch eylindrische Hülsen mit dieken, die Früchte an 
Länge übertreffenden Dornen und scheint daher doch eher = tent. 
zu sein), truncatula ß. longeaculeata Urb. p. p., Willk. Lge. III 383 p. p. 
Aeusserst ähnlich der vorigen, nur verschieden durch breitere (circa 
7 mm), mehr eylindrisch ovale, rechtswendige Hülsen mit bedeutend 
längeren, anfangs borstenförmigen und verschieden abstehenden, dann 
eng anliegenden, hakigen, aber noch immer bedeutend dünneren 
Dornen; dieselben überragen gewöhnlich den Kiel der zweitnächsten 
Windung und verstricken sich daher untereinander; auch sind selbst 
die reifen Hülsen gewöhnlich sparsam langflaumig. An krautigen 
Abhängen, auf Fluren und unter Saaten (ganz Siziliens) häufig: in 
der Ebene von Catania sehr verbreitet, ebenso von Catania gegen 
Nicolosi! April, Mai ©. 


1298. Med. tribuloides Dsr. apud Lam. diet., Guss. Pr., Syn. 
et *Herb.!, Bert. fl. it. (Sie.), Gr. Godr. I. 394, truncatula B. longe- 
aculeata Willk. Lge. p. p. Ebenfalls den zwei vorigen äusserst ähnlich, 
Hülsen ebenfalls meist ganz kahl, cylindrisch, aber linkswendig, 
beiderseits etwas convex, grösser (10—12 Mm. lang, 6—7 Mm. breit); 
Aussennaht wieder breit gekielt, mit Stacheln; diese überragen kaum 
oder nicht den Kiel der nächsten Windung, sind niemals eng ange- 
presst, sondern stehen etwas ab und sind dick conisch, gerade oder 
etwas hakig; die Art? ist also durch Grösse der Hülsen, Länge, 
Gestalt und Richtung der Stacheln meist leicht erkennbar; doch 
fehlt es nicht an Uebergängen zu tentac. An krautigen Orten und 
unter Saaten (Siciliens) hie und da: Am Ufer von Fondachello 
(Biv. in Herb. Guss.!), von Catania nach Nicolosi vereinzelt! April, 
Mäi 9. 

1299. Med. sphaerocarpos Bert. am., Guss. Syn. et Herb.! 
Murex y. sphaerocarpa Urb. Willk. Lge. III 385. Kahl oder Stengel 
und Blattstiele etwas abstehend flaumig; obere Blättchen fast drei- 
eckig, die unteren verkehrteiförmig, gestutzt oder ausgerandet, stark. 
nervig und von der Mitte an scharf kleingesägt; Nebenblätter zer- 
schnitten; Blüthenstiele 1—3blüthig, länger bis kürzer, als die Blätter; 
reife Hülsen grün oder schwärzlich, tonnenförmig, allseitig convex, 
mit 6—8 eng aneinander gedrückten Windungen, 8—11 Mm. lang, 
6—7 breit; Aussennaht flach, dick, dreikielig mit zwei tiefen und 
zwei seichten Furchen. Varürt: «. ovalis Guss. Syn.: Aussennaht 
beiderseits mit 1—3 Mm. langen, kaum conischen, ziemlich horizontal 
‚abstehenden, geraden oder öfters gekrümmten Dornen; P. inermis 
Guss. Syn. Hülsen kaum höckerig dornig. Med. macrocarpa Mor. 
unterscheidet sich davon nach Willk. Lge. durch kugelige, grössere 
(8—9 Mm. Dchm.) Hülsen mit langen, an der Spitze hakigen Dornen. 
Auf Feldern und an Gräben der Ebene des Simeto häufig, auch im 


Meersande nahe dem Pulverthurme Catania’s! April, Mai ©. 


LU" ae En Zu 


27 


1300. Med. tuberculata W. sp. pl., Guss. *Syn. et *Herb.!, 
Tod. fl. sic. exs. Nr. 1357!, Rchb. D. Fl. 65 I, II!, Willk. Lege. 
III 385. Mit den vorigen zwar verwandt durch die eng aneinander 
liegenden, cylindrisch-eiförmigen, 5—Ökreisigen, höheren, als breiten 
(z. B. 9:7 Mm.) Hülsen, aber leicht unterscheidbar dadurch, dass 
die Hülsen an der Basis ganz flach, an der Spitze stark convex und 
die Aussennähte hoch gekielt und mit rechtwinklig daran anstossenden, 
dieken Höckern von der Höhe des Kieles und der Breite der halben 
Aussennaht versehen sind; der Rücken dieser Höcker ist in der Mitte 
in eine mehrminder deutliche, kurze Spitze ausgezogen; da auch die 
Seitenränder der Aussennaht etwas erhöht sind, so erscheinen die 
nicht erhöhten Stellen als tiefe, je nach der grösseren oder geringeren 
Zahl der Höcker länglich- oder quer-viereckige Gruben. Variirt mit 
in eine ziemlich deutliche Spitze ausgezogenen Höckern = v. spinu- 
losa Tod. exs.! — Med. pubescens DC. Cat. An Feldrändern und unter 
Saaten Catania’s (Cosent. in Guss. Syn. et Herb.!). April, Mai ©. 

71301. Med. elegans Jeq. Guss. ete.! Habituell der M. Helix 
nicht unähnlich, ebenfalls ziemlich dicht zottigflaumig mit kleinen, 
an der Spitze scharf gezähnelten Blättern; Hülsen ebenfalls flach, 
2—3spirig; aber die Blüthenstiele nur zweiblüthig, kürzer als die 
Blätter, die Nebenblättchen nur gezähnt, die Hülsen 5—7 Mm. breit, 
weisslicherün glänzend mit stumpfer, dieker Aussennaht und zahl- 
reichen, radial verlaufenden, gegen die Naht hin verdickten und 
etwas anastomosirenden Adern. Variirt mit kahlen (f. genuin«) oder 
fein und sparsam drüsigflaumigen Hülsen (v. glandulifera m.). In 
Sizilien auf Kalkboden ziemlich häufig, im Gebiete aber noch nicht 
beobachtet. April, Mai 9. 

71302. Med. apiculata W. Guss.!, Rehb. D. Fl. 67 II! hispida 
Grt. aa. mierocarpa a. oligogyra ß. W. Lge. III 386. Kahl oder fast 
kahl; Blättchen verkehrt eiförmig, an der Spitze gezähnelt und oft 
ausgerandet mit Stachelspitze; Nebenblätter wimperig gezälhnt; 
Blüthenstiele kürzer oder so lang, als das Blatt, drei- bis mehr- 
blüthig; Hülsen eirca 6 Mm. breit, 2—3 Mm. hoch, beiderseits 
ganz flach mit 1'/,—3 sehr erhaben und bogig netznervigen Win- 
dungen; Aussennaht stumpf, nervenlos, sehr schmal, beiderseits sehr 
kurz höckerig dornig. — Bildet mit den folgenden neun „Arten“ eine 
Reihe, die sich auszeichnet durch stumpfe Aussennaht, niemals ver- 
wachsene, meist sogar etwas lockere Windungen, fehlende oder beider- 
eeits gefurchte Dornen, fast immer auch durch grössere Breite, als 
Höhe der Hülsen. — Auf sonnigen, krautigen Hügeln Sieiliens selten, 
z. B. um Syracus!, wohl auch im Gebiete. April, Mai ©. 


(Fortsetzung folgt.) 


Rudolf von Uechtritz f 


Rudolf v. Uechtritz, durch lange Jahre ein fleissiger Mit- 
arbeiter unseres Blattes, ist am 21. November in Breslau an einer 
Gehirnhautentzündung nach dreiwöchentlichem schwerem Leiden ge- 
storben. 

Rudolf v. Uechtritz wurde am 31. December 1838 in Breslau 
geboren, als einziger Sohn des Premierlieutenants a. D. Max v. 
Uechtritz, eines um die schlesische Botanik und Entomologie hoch- 
verdienten Mannes. Rudolf v. Uechtritz absolvirte in Breslau das 
Gymnasium und ging nach abgelegtem Abiturientenexamen Ostern 
1357 zum Universitätsstudium über. 

Schon als Kind hatte der Vater ihm die Liebe zu den Pflanzen 
eingeimpft, die er späterhin allerdings wieder niederdrücken wollte, 
weil sie die Gymnasialfortschritte des Sohnes zu hindern schien. 
Aber weder Ermahnungen noch sehr derbe handgreifliche Mittel 
vermochten den Trieb zu ersticken. Vergebens warf der Vater des 
Sohnes Pflanzen ins Feuer, heimlich wurden neue gesammelt und 
getrocknet. Nach des Vaters zeitigem Tode trieb Uechtritz dann un- 
gestört seine botanischen Studien, als Mentor diente ihm der Regi- 
strator Kabath, Verfasser einer sehr guten Flora von Gleiwitz. 

Schon als Schüler unternahm Uechtritz grosse botanische 
Sammelreisen; 1855 durchstreifte er während der Ferien Mähren 
und Böhmen, 1856 die Karpathen und ihr Vorterrain, und die dama- 
ligen Jahrgänge der Oesterr. botan. Zeitschrift zeugen von dem 
scharfen Blick des beginnenden Forschers, der zahlreiche neue Arten, 
z. B. Oxytropis carpatica bereits scharf unterschied. 1858 führte ihn 
nach der Schweiz und durch das Vintschgau nach Tirol, von wo er 
eine enorme Ausbeute nach Hause brachte. 

Es sollte seine letzte grosse Fahrt gewesen sein! Ein heftig 
auftretendes Herzleiden verhinderte den officiellen Abschluss seiner 
Studien und den Eintritt in eine öffentliche Laufbahn. Um so fleis- 
siger aber arbeitete Uechtritz dafür auf privatem Gebiete. Um 
sich concentrirte er einen Kreis junger Botaniker — von denen u. A. 
heute noch wirken: Professor Dr. Engler — Breslau, Professor 
Haussknecht — Weimar, Professor Dr. Sadebeck — Hamburg, 
der Garteuinspector B. Stein — Breslau und Heidenreich — Mün- 
ster, welche unter seiner Führung systematische Botanik trieben 
und Schlesien durchforschten. Bis zu seinem Tode hielt Uechtritz 
diesen botanischen Cirkel zusammen; er war der bleibende Mittel- 
punkt, um welchen immer neue Mitglieder sich gruppirten. Aus 
diesem Kreise ging auch der „schlesische botanische Tauschverein* 
hervor, welcher aus kleinen Anfängen ein Weltinstitut wurde, das 
heute noch unter Leitung des Herrn Dr. Kugler in Hindelang in 
Bayern florirt. 

Die botanischen Funde seiner Freunde publieirte Uechtritz, 
soweit sie Schlesien betrafen, jährlich in den Verhandlungen der 


29 


schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, meist mit ein- 
gehender Besprechung aller kritischen Formen. Für seine sonstigen 
Publieationen pflegte er die Oesterr. botan. Zeitschr. als Leiborgan 
zu benutzen. 

Nächst dem Studium schlesischer und deutscher Pflanzen- 
formen waren es besonders Örientalen und Spanier, welche ihn 
interessirten. Erstere erhielt er in Mengen durch v. Janka, Pan£it, 
Sintenis und Anderen, letztere vorzüglich durch Moritz Winkler 
und R. Fritze, welche Spanien und Portugal gemeinsam durch- 
zogen. 
E In der eingehendsten Weise beschäftigte sich Uechtritz mit 
der Gattung Zleracium, als deren massgebendster Kenner (aller- 
dings nicht vom Nägeli’schen Standpunkte) er in den letzten Jahren 
galt. Die ungemein reichhaltige Formenzahl der Hieracien des 
schlesischen Riesengebirges ist durch Uechtritz fast vollkommen 
erschlossen worden. 

Seine reichhaltigen Vorarbeiten zu einer Flora Schlesiens stellte 
Uechtritz in liberalster Weise dem Herrn Apotheker Fick in 
Hirschberg zu dessen Flora von Schlesien zur Verfügung. Er arbei- 
tete mit Fick gemeinsam fast jede schwierige Gattung durch, so 
dass das Fick’sche Werk ganz in Uechtritz’ Geist gehalten ist. 

Auch sonst war Uechtritz immer bereit seine Zeit und seine 
Arbeitskraft jedem botanischen Freunde in uneigennützigster Weise 
zu widmen, mündlich und schriftlich war er in ausgiebigster Weise 
Helfer und Berather, sich dabei herzlichst und in neidloser Weise 
der Erfolge freuend, welche Andere durch seine Arbeit erreichten. 
Es hat kaum jemals in dieser Hinsicht einen selbstloseren Charakter 
gegeben als es Rudolf v. Uechtritz war. Kindlich reinen Gemüthes 
glaubte er von Jedem nur das Beste und wusste immer nur die 
Lichtseiten seiner Mitmenschen hervorzuheben. 

Sein grosses Herbar, über 1200 mächtige Fascikel, sowie seine 
Bibliothek und den literarischen Nachlass hatte er schon 1882 der 
Universität Breslau überwiesen und in dem eben im Bau begriffenen 
botanischen Museum wird das Uechtritz’sche Herbar eine dauernde 
Stätte finden. Durch seinen regen Tauschverkehr mit fast allen 
botanischen Koryphäen Europa’s und Nordamerika’s hat er sein 
Herbar zu einem Sammelschatze von Originalen fast aller Autoren 
seiner Zeit gemacht. 

An Uechtritz’ Grabe trauert eine 73jährige Mutter, welcher 
der einzige, so früh geschiedene Sohn ihr Alles war, dem sie mit 
treuer Mutterliebe seine jahrelangen Leiden zu erleichtern suchte 
und an seinen Arbeiten innigen Antheil nahm. Möge das Bewusst- 
sein, wie zahlreiche Freunde ihren Verlust betrauern, ihr den eige- 
nen Schmerz erleichtern. B. Stein, 


30 


Literaturberichte. 


Bibliotheca botanica. Abkandlungen aus dem Gesammtgebiete der Botanik. 
Herausgegeben von Dr. O. Uhlworm und Dr. F. Haenlein. Cassel. 
(Theodor Fischer) 1886. — Heft Nr. 4. Dr. Heinrich Schenck: Verglei- 
chende Anatomie der submersen Gewächse. 4°. 67 pp. mit zehn 
Tafeln. 32 Mk. — Heft Nr. 2. Dr. W. Zopf: Botanische Untersu- 
chungen über die Gerbstoff- und Anthocyan-Behälter der Fu- 
mariaceen. 4°. 40 pp. mit drei color. Doppeltaf. 30 Mk. 

Unter dem Titel: „Bibliotheca botanica“ haben die genannten 
Herausgeber ein neues, in zwanglosen Quartheften erscheinendes Organ 
für wissenschaftliche Botanik gegründet. Bisher wurden in rascher 
Aufeinanderfolge drei Hefte ausgegeben, von denen wir die beiden 
ersten hiemit anzeigen. Da bereits eine Reihe hervorragender Forscher 
— Kny, Frank, Kühn, Leitgeb, Ludwig, Ress, Russow, 
Vöchting u. a. — Beiträge in Aussicht gestellt haben, so ist die 
Erwartung berechtigt, dass die „Bibliotheca botanica* sich zu einer 
Sammlung gediegener Originalarbeiten aus dem Gesammtgebiet der 
Botanik gestalten wird. Der Ladenpreis ist allerdings ein ziemlich 
hoher, was sich aus der — man kann es ohne Uebertreibung sagen 
— prächtigen typographischen Ausstattung im allgemeinen, und den 
vielen grossen, zum Theil farbigen Tafeln erklärt. Indess wird die 
Acquisition der interessirenden Abhandlungen sei es von Seite der 
Privatgelehrten, sei es von jener der botanischen Institute, Gärten, 
Museen ete. dadurch erleichtert, dass von der best-renommirten Ver- 
lagsbuchhandlung jedes Heft einzeln abgegeben und berechnet wird. 

Im ersten Hefte behandelt Schenck: die Anatomie der sub- 
mersen Gewächse. Obwohl über die Organisation und Biologie der 
Hydrophyten bereits mehrfache Specialuntersuchungen (u. a. auch 
eine Arbeit des Verf. ') literarisch verbucht sind, so fehlte es bislang 
noch an einer zusammenfassenden Darstellung des Gegenstandes. Die 
vorliegende Arbeit bringt nun sowohl von einem gemeinschaftlichen 
Gesichtspunkte aus betrachtend, als auch im Besonderen erläuternd, 
den anatomischen Bau der submersen Gefässpflanzen zur Anschauung. 
Sie charakterisirt die morphologischen Unterschiede der Wasserpflanzen 
und Landpflanzen und sucht die festgestellten Differenzen lediglich 
auf Grund der beobachteten Thatsachen vom physiologischen und 
phylogenetischen Gesichtspunkte aus zu erklären. Da es nieht möglich 
ist, die zahlreichen anatomischen Details, welche im Texte angegeben 
und durch einhundert sechs und sechzig Figuren auf zehn Quart- 
tafeln anschaulich gemacht werden, in einem Referate kurz zu resu- 
miren, so beschränken wir uns nur auf die Mittheilung der Capitelüber- 
schriften und der Genusnamen der untersuchten Pflanzen. I. Abschnitt. 
Die Blattstructur der submersen Gewächse: Gemeinsame äussere Merk- 
male der Blätter; Ausbildung des assimilirenden Gewebes; Mangel 
der Dorsiventralität im Parenchym; Geringe Zahl der Parenchym- 
schichten; Ausbildung und Chlorophyligehalt der Epidermis; Mangel 
der Spaltöffnungen: Wasserspalten; Gradwandigkeit der Epidermis- 
zellen; Blattleitbündel; Mechanisches System; Mangel von Seeretions- 


!) Die Biologie der Wassergewächse. Bonn 1885. 


sl 


organen; Haarbildungen; Tannintrichome; Specielle Beschreibung der 
Blattstrueturen. — II. Abschnitt. Die Stammstructur der submersen 
Gewächse: Anordnung der Leitbündel; Mangel des secundären Dicken- 
wachsthums; Ausbildung der Gewebe. — III. Abschnitt. Die Wurzel- 
structur der submersen Gewächse: Ausbildung und Bedeutung des 
Wurzelsystems; Wurzelhaare; Rindenparenchym; Schutzscheide; Bau 
des axilen Leitbündelstranges; Structuränderung der Wurzeln von 
Ufer- und Landpflanzen bei submerser Lebensweise. IV. Literatur- 
verzeichniss. — Die näher untersuchten Pflanzen gehören folgenden 
Gattungen an: Aldrovandia (1 Art), Alisma (2 Arten), Batrachium (1), 
Bulliarda (1), Callitriche (2), Ceratophyllum (1), Cymodocea (1), Ela- 
tine (3), Elodea (1), Hippuris (1), Hottonia (1), Hydrilla (1), Iso- 
etes (1), Lemna (2), Litorella (1), Myriophyllum (2), Najas (2), 
Peplis (1), Potamogeton (9), Ranunculus (3), Utricularia (2), Vallis- 
neria (1), Zanichellia (1), Zostera (2). 

Im zweiten Hefte behandelt Zopf: die Gerbstoff- und An- 
thocyan-Behälter der Fumariaceen. Bei allen untersuchten 
Vertretern der genannten Familie (Corydalis cava, pumila, Halleri, 
ochroleuca, lutea, Diclytra spectabilis, formosa, Adlumia ceirrhosa, 
Fumaria oficinalis, muralis) kommen eigenthümliche, gerbstoffreiche 
Idioblasten vor. Sie wurden in den verschiedensten Organen gefunden, 
im Wurzelsystem, in den Caulomen, in den Nieder-Laub-Hochblättern 
und in allen Blüthentheilen. Sie liegen theils im primären Grund- 
gewebsparenchym (primäre Idioblasten), theils in den durch secundären 
Dickenzuwachs entstandenen Geweben (secundäre Idioblasten). Verf. 
theilt die Morphologie, Entwicklungsgeschichte und das Vorkommen 
der Idioblasten bei den Fumariaceen mit. In allen Fällen enthalten 
dieselben reichliche Mengen von Gerbsäure, die unter normalen Ver- 
hältnissen in gelöstem Zustande vorkommt. Die Gerbstofflösung lässt 
entweder jede Pigmentirung vermissen, oder sie enthält einen gelben 
Farbstoff, den Verf. als „gelbes Anthocyan“ bezeichnet, oder end- 
lich es ist ein rothes Pigment, gewöhnliches rothes Anthocyan vor- 
handen. Wie entwicklungsgeschichtliche Beobachtungen und Experi- 

- mente lehrten, scheint die Bildung des gelben Anthocyan vom Lichte 
unabhängig zu sein, während sich das rothe Anthocyan im Lichte 
aus dem gelben bildet. Das Letztere scheint wieder ein farbloses Vor- 
stadium zu haben, beziehungsweise aus einem farblosen Chromogen 
zu entstehen. Diese Entwicklungsreihe gilt für die Arten der Gattung 
Corydalis. Bei anderen Fumariaceen (Fumaria, Dielytra) feblt die 
Vorstufe des Anthocyangelb; gleichwohl bildet sich das Anthocyan- 
roth aus einem farblosen Chromogen. Da das extrahirte Anthocyan- 
gelb durch Säuren roth wird, wobei man alle jene Zwischenfarben 
erhalten kann, die bei der natürlichen Umfärbung beobachtet wurden, 
so scheint daraus hervorzugehen, dass auch in der lebenden Pflanze 
die früher genannte Umwandlung des gelben Anthocyans in das rothe 
durch Säuren bewirkt wird. — Ausser Gerbsäure und Farbstoffe können 
die Idioblasten noch Chlorophyll und Zucker enthalten. In einem 
„Anhang“ werden noch zwei andere Pllanzen: Parnassia palustris 


32 


und Parietaria diffusa besprochen, bei denen ebenfalls in allen Organen 

Gerbstoffidioblasten gefunden wurden, welche näher charakterisirt 

werden. Die anatomischen Details sind durch zahlreiche, elegant aus- 

geführte Figuren auf drei farbigen Doppeltafeln veranschaulicht. 
Burgerstein. 

Leunis Dr. J. Synopsis der drei Naturreiche. Botanik von Dr. A, B. 
Frank, 3. Band specielle Botanik, Kryptogamen. Hannover; Hahn, 1886. 
8°. 675 Seiten mit 176 Holzschnitten, sammt alphab. Register und einem 
literarischen Nachweiser (417 Seiten). 

Wir haben die ausserordentlichen Vorzüge der Frank’schen 
Synopsis schon bei Besprechung des 1. und 2. Bandes anerkennend 
hervorgehoben und vorausgesetzt, dass sich auch der 3. Band den ersten 
ebenbürtig an die Seite stellen werde. Unsere Muthmassung hat sich 
im vollen Masse bewahrheitet. Der 3. Band vorliegenden Werkes, 
welcher den viel schwieriger in ein einheitliches Ganze zu bringen- 
den Theil der speciellen Botanik, die Kryptogamen enthält, bietet 
einen glänzenden Abschluss des ganzen Werkes. Mit besonderem 
Geschicke gelang es dem Verfasser, den Zweck dieses Bandes, ein 
Bestimmungsbuch für alle Kryptogamen zu sein, zur Geltung zu 
bringen, den Stoff übersichtlich zu eruppiren und durch zahlreiche 
analytische Tabellen seiner Absicht Vorschub zu leisten. Es ist auf 
diese Art ein überaus werthvolles Compendium der Syste- 
matik der Kryptogamen entstanden, welchesin derartigem 
Umfange und in so übersichtlicher Form noch niemals 
geboten wurde. 

J. & E. Dana, the American Journal of science. Vol. XXXIL nr. 18% 
(April) — 189 (September). New Haven Conn.: J. et E. Dana 1886. 8°. 
Seite 241— 246. 

Die vorliegenden Nummern dieser zahlreiche höchst werth- 
volle geologische und petrographische Abhandlungen enthaltenden 
Zeitschrift bieten nur wenig Botanisches. Ausser zahlreichen Refe- 
raten aus der kundigen Hand Asa Gray’s, welche den hervorra- 
gendsten Erscheinungen der botanischen Literatur gewidmet sind, 
findet sich nur ein aus gleicher Quelle stammender Nekrolog auf 
Edw. Tuckermann und von Lester F. Ward ein Aufsatz über 
die Bestimmung von fossilen Dikotyledonenblättern. B; 
Ueber den Ursprung der Ackerunkräuter und der Ruderalflora Deutsch- 

lands. I. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doctorwürde von 
Franz Hellwig aus Danzig. 8° VI. 39 Seiten. Leipzig. Wilhelm Engel- 
mann. 1886. 

Von demselben. II. Specieller Theil über den Ursprung der Ackerun- 
kräuter und der Ruderalfiora Deutschlands. rn Abdruck aus 
Engler, Botanische Jahrbücher VII. Band, 5. Heft 1886. Leipzig. 
Wilhelm Engelmann. 

Nach einigen einleitenden Worten über die Begrenzung des 
Gebietes und die Theilung desselben durch das Elbgebiet in eine 
Ost- und Westhälfte bespricht der Verfasser die Entstehung der 
jetzigen Flora, von welcher der bei weitem grösste Theil als einge- 
wandert zu betrachten ist. Weiters werden von jenen Arten, die das 
Heimathsrecht schon seit Jahrtausenden erlangt haben, also einhei- 


39 


misch sind, jene Pflanzen gesondert, welche erst durch Vermittlung 
des Menschen in das Gebiet gelangten und demnach die gesammte 
Flora in eine Flora indigena und eine Flora advena getheilt, wovon 
letztere wieder in Culturpflanzen, Ackerunkräuter, Ruderalpflanzen, 
in historischer Zeit eingewanderte und aus Gärten verwilderte Pflanzen 
zerfällt. Je ein tabellarisches Verzeichniss der vier letzten Gruppen 
umfasst die dazu gehörigen Pflanzen mit der Angabe der Verbreitung 
im Gebiete, der Heimath und auf welchem Wege die Pflanze in das 
Gebiet gelangte. — Im II. Theil werden sämmtliche Ackerunkräuter 
und Ruderalpflanzen Deutschlands aufgeführt mit Berücksichtigung 
der geographischen Verbreitung im Allgemeinen, wie auch der Angabe 
aus welchem Lande, auf welche Weise und zu welcher Zeit die Ein- 
schleppung der nicht einheimischen Arten vor sich ging. Die Aus- 
führungen des Verfassers sind unter Benützung der bisher erschienenen 
einschlägigen Literatur gewissenhaft zusammengestellt und geben 
uns ein möglichst vollständiges Bild der Ackerunkräuter und der 
Ruderalflora Deutschlands. J. 


Dr. J. Pan£ic. Eine neue Conifere in den östlichen Alpen. 

Es ist diess die vom Autor im J. 1875 in Serbien entdeckte 
Pinus Omorika Pantit, welche er bereits in einem zu Belgrad 1876 
herausgegebenen Aufsatze ausführlich beschrieben hat. Da die Frage, 
inwieferne der genannten Conifere das Artenrecht zuzuschreiben sei, 
noch nicht endgiltig gelöst ist, und der Autor zur Kenntniss ge- 
langte, dass dieselbe Baumart, eventuell eine ihr sehr ähnliche, in 
neuester Zeit auch in anderen Florengebieten beobachtet wurde, 
hielt er sich für verpflichtet, seine obenerwähnte Publication aber- 
mals in Druck legen und in botanischen Kreisen verbreiten zu lassen. 
Um daher den Intentionen des geehrten Forschers zu entsprechen, 
und zur Klarstellung des systematischen Werthes der in Rede ste- 
henden Pinus Anhaltspunkte zu bieten, lassen wir hier aus obigem 
Werke das Wesentlichste folgen; Pinus Omorika, arbor excelsa, 
coma anguste pyramidali, ramis brevibus, subvertieillatis, superiori- 
bus erectis, mediis horizontaliter patentibus ae inferioribus pendulis 
cum apicibus arcuatim adscendentibus, ramulis hirsutis, foliis soli- 
tariis, rectis aut incurvis, planiusculis, nervo utrinque prominulo 
obsolete tetragonis, apice acuminatis, acutis aut obtusis, cum apiculo 
cartilagineo, superiore pagina eximie glaueis, strobilis sat parvis 
oblongis, in ramulis variae longitudinis erectis, horizontaliter paten- 
tibus aut pendulis, squammis a basi cuneata subrotundis, dorso sub 
apice striatis, margine eroso dentieulatis, bracteis obovato cuneatis, 
apice denticulatis, sua squamma multo brevioribus, nuculis parvis, 
obovatis, ala obovato-cuneata, subobliqua, margine subintegra triplo 
brevioribus. Habitat in montosis asperis Serbiae meridionali-oceiduae: 
al Zaovina, ubi rara, eopiosior ad Crvena Stena supra Rastiste et m. 
Janjac supra Stula, ab indigenis indieata in vieiniae Bosniae m. Semete 
supra Visegrad. (Nach einer dem Aufsatze als Anhang beigefügten 
Notiz kommt die Pinus Omorika auch in Montenegro vor.) Als nächste 

Oesterr, botan. Zeitschrift. 1, Heft 1897, 3 


34 


Verwandte dieser serbischen Fichte gilt Pinus Orientalis L. Als 
wesentlichste Differential-Merkmale der Ersteren werden hervorge- 
hoben: der höhere Wuchs und die in Folge der kurzen Aeste 
schlankere Krone, die flachen ausnahmsweise auf der Oberseite grau 
gefärbten Nadeln, die kleineren Zapfen, die gezähnelten Schuppen 
und die kleinen Nüsschen. Moritz Prihoda. 


Anales de la Sociedad Espanola de Historia Natural. Madrid 1886. 


Als einziger Artikel botanischen Inhaltes ist in diesem Jahr- 
sang enthalten: Perez Lara. „Florula Gaditana seu recensio celer 
omnium plantarum in provincia Gaditana hucusque notarum.“ Obwohl 
über die Vegetations-Verhältnisse der Provinz Cadix durch die seit 
Tournefort bis in die neueste Zeit (zuletzt durch Willkomm und 
Lange) erschienenen Floren der pyrenäischen Halbinsel schon mehr- 
fach näheres Licht verbreitet wurde, so stellte sich dennoch — da 
die bezüglichen Daten in verschiedenen mehr weniger umfangreichen 
Werken zerstreut, oder mit allgemeinen Notizen über die iberische 
Flora cumulirt vorkommen, das Bedürfniss einer compendiösen Special- 
Flora der erwähnten Provinz heraus. Diesem Bedürfnisse zu ent- 
sprechen ist der Zweck obiger Publication, die im gegenwärtigen 
Jahreshefte mit einer fachgemäss gehaltenen Einleitung und einer 
eingehenden Bearbeitung der Sporophyten (Filices und Equisetaceen) 
beginnt und nach dem Vorhandenen zu urtheilen, viel Instructives 
zu bringen verspricht. Moritz Prihoda. 


Correspondenz. 


Wien, 16. December 1886. 
Von der, von mir in den Verhandlungen d. k. k. zool.-botan. 
Gesellschaft XXXV (1885) pag. 119, extr. pag. 61 besprochenen 
Rosa glabrata Vest. wurden im Herbar des k.k. naturhistorischen 
Hofmuseums prachtvolle Öriginalexemplare, und zwar im Frucht- 
stadium, unter den Inserenda aufgefunden, welche meine Ausführun- 
gen vollinhaltlich bestätigen. Ebendaselbst wurden auch die Frucht- 
exemplare der Rosa Wulfenii Trattinick aufgefunden, nach welchen 
Rosa Wulfenii Trattinik, kugelige bis eiförmig-kugelige Scheinfrüchte 
besitzt; daher auch in dieser Hinsicht die von mir a. a. O. pag. 

111 et pag. 118 ausgesprochene Ansicht bestätigt erscheint. 
Braun. 


Innsbruck, am 15. November 1886. 
Ein Spaziergang auf die Gufler Schröfen bei Innsbruck (Kalk, 
südlicher Abhang im Innthal ea. 1300 M.) am 14. November ergab 
folcende blühende Pflanzenarten: Campanula glomerata und pusilla, 
Lotus corniculatus, Centaurea Jacea, Chrysanthemum Leucanthe- 
mum, Teuerium Chamaedrys, Hippoerepis comosa , Helianthemum 


39 


vulgare, Origanum vulgare, Geranium Robertianum, Achilles Mille- 
folium, Leontodon autumnale, Scabiosa Columbaria, Clinopodium 
vulgare, Carduus defloratus, Salvia pratensis (zwerghaft), Anthyllis 
Vulneraria, Ranuneulus acer und montanus, Gentiana verna und 
ciliata. — Macroglossa stellatarum fliegt noch ganz lustig umher. — 
Meinem Verzeichnisse blühender Pflanzen vom 1. d.M. wären noch 
beizufügen: Colchicum autumnale, Caltha palustris und Gentiana 
acaulis (Höttinger Alpe). Dr. Dalla Torre. 


Mariaschein, am 17. November 1886. 


Eine schöne Entdeckung wurde heuer in Schweden gemacht, 
indem Herr Lector L. M. Neumann (Sundsvall) Viola alba Besser, 
nebst deren Bastart V. Badensis Wiesb, (V. hirta x alba), und V. 
multicaulis Jord. (V. alba X odorata Wiesb.) daselbst fand. Exem- 
plare der V. alba, die ich zur Ansicht erhielt, stimmen gut überein 
mit den niederösterreichischen, die ich hinwiederum von galizischen 
(com. Blocki) nicht zu unterscheiden vermag. 
J. Wiesbaur 8. J. 


Lemberg, am 4. December 1886. 


Meine Rosa Skofitziana von Lemberg darf aus diesem Grunde 
für eine „Varietät“ der R. uncinella Bess. nicht gedeutet werden, 
weil diese letztere nach Besser „flores carneos“ besitzt, während bei 
ER. Skof. die Blumen weiss sind. Die Zugehörigkeit der R. Skof. 
zu R. uneinella Bess. bestreite ich desto entschiedener, da — wie 
ich mich in Folge der fleissigsten und durch keine Theorie beeinflussten 
Beobachtung der ostgaliz. Rosen in der Natur fest überzeugt habe 

 — die Blumenfarbe bei Rosen ein sehr constantes Merkmal ist, 
- ebenso wie die Gestalt und die Beschaffenheit der Blätter, die Gestalt 
' und Grösse der Frucht, die Beschaffenheit der Griffel, die Gestalt 
der Stacheln, die Gestalt und Beschaffenheit der Kelchzipfel ete. 
Auf Grund dessen wage ich es ganz laut zu betonen, -— obwohl ich 
dadurch mit solchen Autoritäten, wie v. Borbäs und H. Braun in 
Widerspruch gerathe, — dass die Gattung Rosa (wie auch Achillea, 
Festuca, Hieracium etc.) im höchsten Grade constante und streng, 
wiewohl durch sehr enge Grenzen geschiedene „Species“ aufweist, 
deren Deutung lediglich aus diesen Gründen auf so grosse Schwierig- 
keiten stösst, weil: 1. Die Zahl der Arten enorm gross ist, 2. die 
meisten Arten sehr kleine geographische Areale bewohnen und 3. — und 
diess schlage ich besonders hoch an — die Unterscheidungsmerkmale 
der Arten zwischen sehr engen morphologischen Grenzen liegen, 
‚welcher Umstand für den Systematiker desto peinlicher wird, da — 
wie gesagt — in der Gattung Rosa ein ungemein grosser Formen- 
eichthum herrscht. „Auf die Grösse der Unterschiede kommt 038 — 
t A. Kerner — überhaupt gar nicht an, sondern vielmehr auf 
io Beständigkeit und die Constanz der Unterschiede. Gruppen von 
eineren Arten unter den Begriff einer- idealen Art zu bringen, 
eht nicht an.“ Br. Blocki. 
% 


36 
Brünn, am 6. December 1886, 


Dem rühmlichst bekannten Veilchen-Kenner, Herrn Professor 
J. B. Wiesbaur, der die Gowogenheit hatte, meine Veilchen- 
Sammlung zu determiniren und zu revidiren und deren weiteres Stu- 
dium an frischen Pflanzen ich mir besonders angelegen sein liess, 
spreche ich an dieser Stelle meinen tiefgefühlten Dank aus und lasse 
im Nachfolgenden einige en Formen folgen. Als neu für die 
Flora Mährens führe ich an: Viola montana Flora danica (V. Rupü Al- 
lioni) a. genuwina — major Wiesb. Selten, Rybnitky bei Karthaus, Ewa- 
nowitz, Cinzendorf. Die Pflanzen von diesen Standorten sind sehr 
schön und typisch und stimmen ganz mit den Pflanzen die Prof. 
Wiesbaur von Pressburg und Wien an bis fast an den Plattensee 
zu beobachten Gelegenheit hatte, überein, während die Pflanzen von 
Mariaschein in Böhmen (Mittelgebirge) von diesen abweichend und 
sicher keine Y. montan«a Fl. dan. = Y. Rupiü All. sind, mit welcher 
die aus der Brünner Gegend gut übereinstimmen. Wiesbaur in 
lit. b. minor Wiesb. Wald hinter der Teufelsmühle bei Karthaus, 
Hobice bei Surein, Rozdrojowitz. V. dubia Wiesb. Mordovna, Mokrä 
hora, Ofreschin, Raine bei Kohoutowitz, Scharditek. V. Merken- 
steinensis Wiesb. Rybnitky bei Karthaus, Wa. bei Jundorf. V. silvatica 
> arenaria Borky nächst Schimitz, Hädyberg bei Obran, Thal bei 
den Ziegelhütten bei Kroman. V. ar ophila Wiesb. Wald hinter Karthaus. 
V. canina X silvatica Kvetnice bei Tischnowitz. — Bemerkenswerth 
ist ferner das Vorkommen der V. cyanea Üelak. Um Brünn: 
im Augarten, hinter dem Friedhofe nächst des Exercirplatzes, im 
Schreibwalde nächst der Steinmühle (letztere mit Vorbehalt des 
Studiums an lebenden Pflanzen, ob nicht zur V. austriaca Kern. 
gehörig), bei Gr. Pawlitz und Kl. Uhrau, der V. stagnina Kit. auf, 
der Holedrä bei Jundorf und der V. pumila Chaix. bei Kl. Hostihrä- 
dek, Lundenburg und Altenmarkt, V. wrenaria DC. var. rupestris 
Schluchten bei Malomieritz, Hädyberg und Hügeln bei Obran, var. 
violacea Borky und Hügel bei Schimitz ete. var. lilacina Set. Anton 
mit der Vorigen. Im Ganzen zehn interessante Novitäten, mit 
Einschluss der Varietäten für die Flora Mährens. 

Dr. Formänek. 


Personalnotizen. 


— Dr. Albert Wigand’s Biographie, verfasst von Dr. Den- 
nert, brachte die „Flora“ in Nr. 34 des vorigen Jahres, und einen 
Nekrolos, geschrieben von Dr. F.G. Kohl, das „Botanische Central- 
blatt* 1886. Nr. 50. 


— Franz Maly, Hofgarten-Inspector in Wien, wurde von der 
Royal Hortieultural Society in London zum corr. Mitgliede ernannt. 


” 


ne a u 


37 


— Dr. M. Büsgen hat sich an der Universität Jena für Bo- 
tanik habilitirt. 

— Dr. Friedrich Oltmanns hat sich an der Universität 
Rostock für Botanik habilitirt. 

— Ed. Lamy de la Chapelle ist am 23. September v. J. 
in Limoges gestorben. 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- 
schaften in Wien, am 21. October 1886 übersandte Prof. A. 
Weiss eine Arbeit des Assistenten des k. k. pflanzenphysiologischen 
Institutes der deutschen Universität in Prag Herım F. Reinitzer: 
„Ueber Hydrocarotin und Carotin“. In derselben wird gezeigt, 
dass das Hydrocarotin nicht identisch ist mit Phytosterin, wie diess 
jüngst Arnaud angegeben hat, sondern sich in seinen Eigenschaften 
am meisten dem Cholestol oder Cupreol nähert, ohne aber mit einem 
der bisher bekannten Cholesterine völlig identisch zu sein. Weiters wird 
angegeben, dass das Tribromhydrocarotin sich zwar nicht so, wie es 
seinerzeit Husemann meinte, in Carotin überführen lässt, aber 
wahrscheinlich dennoch Carotin und Hydrocarotin zu einander, so wie 
auch zum Chlorophyllfarbstoff in näherer Beziehung stehen, und dass 
das Solanorubin Millardet’s mit Carotin identisch ist. Endlich wird 
als sehr wahrscheinlich hingestellt, dass die Cholesterine nicht so, 
wie es bisher angenommen wird, mit einander isomer sind, sondern 
zwei homologe Reihen bilden, deren eine die rechtsdrehenden, deren 
andere die linksdrehenden Cholesterine in sich begreift. 


— Monats-Versammlung der k.k. zoologisch-botanischen 
Gesellschaft in Wien am 1. December 1886. Die Besprechungen 
botanischer Gegenstände leitete der Vereins-Secretär, Herr Dr. R. v. 
Wettstein, mit der Bekanntmachung ein, dass die bisher probeweise 
abgehaltenen Discussions-Abende (zumZwecke der Erzielung eines 
regeren botanischen Verkehres der Gesellschafts-Mitglieder) nunmehr 
definitiv eingeführt und an Freitagen (6 Uhr Abends) im Vereins- 
locale stattfinden werden. — Hierauf sprach Herr Dr. Günther Beck 
über die Bildung von Hormogonien bei Rivularien, und erweiterte 
das diessfalls von De Bary Bekanntgemachte durch seine eigenen 
Beobachtungen an Glocotrichia. — Herr Dr. H. Molisch wusste 
das Interesse der Anwesenden durch die Demonstration einer seiner 
neuen Entdeckungen zu fesseln, nämlich eines zu Untersuchungen 
über den Hydrotropismus der Pflanzenwurzeln dienenden Apparates, 
wobei er auf das Charakteristische des gedachten physiologischen 
Phänomens näher einging. — Herr Dr. M. Kronfeld erklärte an 
einem Rhizom von Nuphar luteum, von ungewöhnlicher Grösse, den 
eigenthümlichen morphologischen Bau, . welchen die Rhizome dieser 
Pflanzenart wahrnehmen lassen. — Zum Schlusse berichtete Herr 


38 


Dr. R. v. Wettstein über mehrere von ihm entdeckte Pilze, 
von denen die nachbenannten zwei besonders hervorgehoben zu wer- 
den verdienen, nämlich ein in morphologischer Hinsicht höchst in- 
teressantor Irpex (I. anomalus) und eine neue Sclerotina (8. Ker- 
neri), die der Vortragende als die Ursache einer bei Tannen vor- 
kommenden teratologischen Entartung bezeichnete. M. Prihoda. 
— Preisaufgaben. Der Redaction der Botan. Jahrbücher 
stehen 1000 Mark zur Honorirung von Preisarbeiten, welche in den 
Botanischen Jahrbüchern gedruckt werden sollen, zur Verfügung. 
Um einzelne Botaniker zu grösserer Vertiefung in die Aufgaben der 
Systematik und Pflanzengeographie zu veranlassen, sind folgende 
Preise ausgesetzt worden. I. Ein Preis von M. 400 für eine Mono- 
graphie der Gattung Aanunculus. Die Redaction wünscht eine ver- 
gleichende, jedoch nicht zu breite Darstellung der morphologischen 
Verhältnisse, sodann eine eingehende Besprechung der Beziehungen 
zwischen den einzelnen Gruppen der Gattung zu einander, eine aus- 
führliche Begründung der systematischen Eintheilung und eine genaue 
Darstellung der geographischen Verbreitung als ersten Theil der 
Arbeit, in deutscher Sprache. Der zweite Theil soll eine möglichst 
präcise Charakteristik der Arten, Unterarten, Varietäten und Formen 
in lateinischer Sprache enthalten. Die dazu gehörenden Erläuterun- 
gen und die Angaben über geographische Verbreitung, welche nach 
natürlichen, nicht nach politischen Gebieten geordnet sein müssen, 
sollen in deutscher Sprache geschrieben sein. Gewünscht wird auch 
eine möglichst vollständige, bildliche Darstellung der Früchte aller 
Arten, welche bei dieser Gattung leicht auf 2—3 Tafeln zu geben 
ist. — II. Ein Preis von M. 300 für eine Monographie der Gattung 
Draba. Für diese Arbeit gelten dieselben Anforderungen wie für die 
erste. — III. Ein Preis von M. 300 für eine kritische Revision der 
fossilen Formen von Quercus. Bei dieser Arbeit wird es sich zunächst 
um ein eingehendes Studium der Blattformen und der Nervatur bei 
den in der Gegenwart vertretenen Gruppen von Quercus, sowie bei 
den verwandten Gattungen handeln. Sodann soll entschieden werden, 
in wie weit sich mit Sicherheit die bis jetzt als Quercus beschrie- 
benen Reste als zu dieser Gattung gehörig, erweisen und in wie weit 
auch eine Bestimmung der Section, welcher sie zugehören, möglich 
ist. Wenn sich nach dieser Richtung hin zuverlässige Resultate er- 
geben, wird es sich empfehlen, die Verbreitung der fossilen Quercus 
in Verbindung mit den jetzt lebenden Formen zu behandeln; es wird 
sich hierbei mehr um die Typen oder Sippen, als um die einzelnen 
Arten handeln. — Abhandlungen, welche eines dieser Themata be- 
handeln, sind bis 1. October 1888 an den Unterzeichneten einzulie- 
fern. Derselbe behält sich vor, zur Beurtheilung andere sachver- 
ständige Botaniker heranzuziehen. Erfolgt keine Einlieferung bis zu 
dem angegebenen Termin, so wird der Termin der Ablieferung um 
ein Jahr verlängert. Der Umfang der Arbeiten darf 10—18 Druck- 
bogen im Format der Botan. Jahrbücher erreichen. Die Arbeiten, 
welchen der Preis zuerkannt ist, werden in den Botan. Jahrbüchern 


i 


39 


gedruckt; es wird Sorge getragen, dass jede Monographie im Zusam- 
menhang gedruckt wird. Ausser dem ausgesetzten Preis wird kein 
weiteres Honorar gezahlt, jedoch erhält der Autor 15 Separatabzüge 
gratis. A. Engler. 


Botanischer Tauschverein in Wien. 


Sendungen sind eingelangt: Von Herım Felsmann mit Pflan- 


zen aus Schlesien. — Von Herrn Steininger mit Pflanzen aus 
Oberösterreich. — Von Herrn Keller mit Pflanzen aus Nieder- 
österreich. — Von Fräulein Boresch mit Pflanzen aus Böhmen. 


Sendungen sind abgegangen an die Herren Schirl und Dr. 
Pantic. 
Vorräthig: (B.) = Böhmen, (Bd.) = Baden, (Br.) = Berlin, 
(Cr.) = Croatien, (F.) — Frankreich, (G.) — Galizien, (T.) = 
Istrien, (Kr) = Kraın, (M.) = Mähren, (Mk.) = Mecklenburg, 
(NOe.) — Niederösterreich, (OOe.) — Oberösterreich, (P.) = Polen, 
(Pm.) = Pommern, (Pz.) = Pinzgau, (R.) = Rügen, (Sb.) = Sieben- 
bürgen, (Sl.) = Schlesien, (St.) —= Steiermark, (Sz.) = Schweiz, 
(Th.) = Thüringen, (U.) —= Ungarn, (W.) = Westfalen. 
Holosteum umbellatum (S1., U.), Homogyne alpina (OOe., St.), 
discolor (O0e.), silvestris (Kr., St.), Hordeum secalinum (Th.), Zeo- 
criton (B., U.), Horminum pyrenaicum (Pz.), Hottonia palustris 
(O0e., Pm., W.), Hutchinsia alpina (NOe., OOe.), petraea (NOe.), 
Hyaeinthella leucophaea (Sb.), Hyosciamus niger (B., NOe., P.), Hy- 
perieum elodes (W.), hirsutum (Th., U.), perforatum (OOe., P.), te- 
trapterum (B.), umbellatum (Sb.), veronense (S1.), Hypochoeris glabra 
.), radicata (P.), Hyssopus oficinalis (NOe.), Jasione montana 
U.), perennis (Bd., Elsass), Iberis Villarsü (F.), Iecebrum vertieil- 
latum (Sl., W.), Impatiens parviflora (Br., O0e.), Inula britanica 
(B., U.), Conyza (B.), ensifolia (Cr., U.), graveolens (I.), Helenium 
(M.), hirta (Cr., U.), Oculus Christi (NOe.), salieina (U.), salieina 
ensifolia (G.), squarrosa (Cr.), Jris arenaria (U.), graminea (M., 
Sb., U.), Pseudacorus (M., OOe.), pumila (NOe.), sibiriea (Br., O0e.), 
uria (F.), Isatis tinctoria (NOe., St., T.), Isnardia palustris (Bd., 
.), Jsopyrum thalictroides (M., NOe., U.), Juncus alpinus (P„P%.); 
arnassensis (}.), balticus (R.), bufonius (B., NOe., St.), buf. f. ew- 
altata (U.), capitatus (P., W.), compressus (B., T., U.), ‚iliformis 
B., Pz., Sl.), Gerardi (Mk., U.), glaueus (Br., P.), Hostii (Kärnten, 
2.), lamprocarpus (B.), maritimus (R.), obtusijlorus (Br.), panicu- 
latus (Cr.), sphaerocarpus (NOe., U.), squarrosus (O0e., Vogesen), 
Er (B., P.), Tenageia (Br., Mk.), tenuwis zz uliginosus 
(Mk.), Juniperus macrocarpa (1.), Sabina (Pz., 8z.), Kernera sawa- 
tilis (OOe.), Kochia arenaria (M., NOe., U.), sedoides (U Kosleria 
eristata (Br., NOe.), glauca (Br.), Lactuea muralis (P., O0e.), Sca- 
riola (B., P.), Lagurus ovatus (St.), Lamium album (B., NOe.), aum- 


40 


plewicaule (B., S1.), incisum (Pm.), Orvala (Kr.), purpureum (S1.), 
Lappa macerosperma (G.), major (S1.), minor (S1.), Laris euro- 
paea (St.). 

Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 


Inserate. 


Einladung zur Pränumeration 
auf den XXXVII. Jahrgang (1887) 


der 


Desterreichischen 


Botanischen Zeitschrift. 
(Oesterr. botan. Wochenblatt.) 


Auf die „Oesterreichische botanische Zeitschrift“, welche von dem 
hohen k.k. österreichischen und dem hohen k. ungarischen 
Ministerium für Cultus und Unterricht den Mittelschulen 
empfohlen wurde, pränumerirt man mit 8 fl. österr. W. (16 R. Mark) 
auf den ganzen Jahrgang oder mit 4 fl. österr. W. (8 R. Mark) auf 
einen Semester und zwar auf Exemplare, die frei durch die Post 
bezogen werden sollen, nur bei der Redaction: Wien, IV. Mühl- 
gasse Nr. 1. 


Alle Buchhandlungen des In- und Auslandes nehmen ebenfalls 
Pränumerationen an. Die Versendung an die Buchhandlungen hat die 
Verlagshandlung C. Gerold’s Sohn in Wien übernommen. 


Von den bereits erschienenen Jahrgängen können noch voll- 
ständige Exemplare gegen nachfolgende Preise bezogen werden: 
2. und 3. Jahrgang zu 1 fl. (2R. Mark) — 9. bis 22. Jahrgang zu 
2 fl. (AR. Mark) — 23. bis 35. Jahrgang zu 5 fl. (10 R. Mark) — 
36. Jahrgang 8 fl. (16 R. Mark). Bei Abnahme sämmtlicher Jahrgänge 
von der Redaction, 20 Procent Nachlass. 

Einzelne Hefte können nur vom laufenden und letztvergange- 
nen Jahrgange abgegeben werden. 

Von den bisher erschienenen 34 Porträts der „Gallerie öster- 
reichischer Botaniker“ können einzelne Exemplare ä 50 kr. (1 R.-Mark) 
abgegeben werden. 

Skofitz. 
(IV. Mühlgasse Nr. 1.) 


Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. - Verlag von ©. Gerold’s Sohn. 
C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. 


Oesterreichische 


Botanische Zeitschrift. 


Die österreichische 
botanische Zeitschrift 
erscheint 
den Ersten jeden Monats. 
Man pränumerirtauf selbe 
mit 8 fl. öst. W. 
(16 R. Mark) 
ganzjährig, oder mit 
4 fl. öst. W. (S R. Mark) 
halbjährig. 
Inserate 
die ganze Petitzeile 
15 kr. öst. W. 


Organ 


für 


Botanik und Botaniker. 


Exemplare 
die frei durch die Post be- 
zogen werden sollen, sind 
blos bei der Redaetion 
(IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1) 
zu pränumenren. 

Im Wege des 
Buchhandels übernimmt 
Pränumeration 
C. Gerold’s Sohn 
in Wien, 
sowie alle übrigen 
Buchhandlungen. 


XXXVII Jahrgang. WIEN. Februar 1887. 


INHALT: Zur Frage „vom grünfaulen Holze“. Von Zukal. — Alyssum perdurans. Von Ulle- 
pitsch.— Ursachen der Haarbildung. Von Krasan. — Rhamni Hungariae. Von Dr. Borbäs. — 
Bergalgenflora Böhmens. Von Dr. Hansgirg. — Teratologisches. Von Dr. Formänek. — Zur 
Flora von Pondichery. Von Heimerl. — Flöra des Etna. Von Strobl]. —- Literaturberichte. — 
Correspondenz. Von Woloszezak, Formänek, Blocki, Borbäs, Ullepitsch, Jenssen- 
Tusch. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. 
— Inserate. 


Zur Frage „vom grünfaulen Holze“, 
Von Hugo Zukal. 


In feuchten Wäldern trifft man nicht selten faule Stöcke, deren 
Holz auf weite Strecken hin grün gefärbt. ist. 

Besonders häufig zeigen diese Erscheinung die herabgeworfenen 
Aeste von Buchen, Eichen und Birken. 

Der Erste, welcher diese Grünfäule des Holzes etwas näher 
untersuchte, war der deutsche Botaniker Gümbel. (Siehe „Flora“ 
1858, p. 113). Er ging dabei von der Vermuthung aus, dass die 
Grünfärbung und Fäulniss des Holzes von einem Pilz verursacht 
werde. Allein er konnte trotz der grössten Sorgfalt in dem ihm zu 
Gebote stehenden Material kein Mycel entdecken. Dafür untersuchte 
er den Farbstoff chemisch und kam zu dem Resultat: „dass die grüne 
Färbung der faulenden Hölzer von einem eigenthümlichen, den Humus- 
substanzen analogen saurem Stoffe herrühre*, für welchen er den 
Namen Joxylinsäure in Vorschlag bringt. In demselben Jahre, näm- 
lich 1858, erörtert auch Bley die chemische Seite der Grünfäule 
des Holzes, ohne indessen etwas wesentlich Neues zu bringen. 

(Siehe Bley, Archiv der Pharmacie 1858). 

1863 publieirt M. Fordos in den Comptes Rendus Acad. 
d. Sc. Paris Tom 57. p. 51 eine mit grossen Mitteln durchgeführte 
Arbeit über dieselbe Frage, erwähnt aber seine Vorgänger Gümbel 
und Bley nicht, doch fand auch or, dass der Farbstoff des grünfaulen 
Holzes sich wie eine Pflanzensäure verhalte, und nennt ihn deshalb 
Acidum xylochlorieum. 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 2, Haft 1897. 4 


42 


Er entdeckte ferner die wichtige Thatsache, dass sich der 
genannte Farbstoff mit Chloroform leicht aus dem Holz extrahi- 
ren lässt. : 

Im Uebrigen ist Fordos der Ansicht, dass das Acidum xylo- 
chloricum ein direetes Produkt der Verwesung des Holzes sei und 
sich nicht auf Pilze zurückführen lasse. 

Zwei Jahre später bestätigt Rommier Fordos’ Angaben und 
erweitert dieselben, indem er in dem grünfaulen Holze ausser dem 
Fordos’schen Farbstoffe noch eine zweite blaugrüne Materie, das 
Xylindäin nachweist, welche sich in vielen Eigenschaften, namentlich 
in ihren Löslichkeitsverhältnissen, wesentlich von dem Acidum xylo- 
chloricum Ford. unterscheidet. (Siehe Compt. Rend. Acad. d. Sc. 
Paris 1868 T. 66 p. 108. Rommier. Sur une nouvelle matiere colo- 
rante appelee Xylindeine et extraite de certains bois mort.) Die 
Frage, ob die Farbstoffe des grünfaulen Holzes von einem Pilze 
herrühren oder nicht, überlässt er den Botanikern, doch fügt er hinzu, 
dass im Innern des Holzes häufig grüne, rosenkranzförmig aneinan- 
dergereihte Kügelchen gefunden werden, welche sich im Chloroform 
lösen und die möglicher Weise einem Pilz angehören. 

Neun Jahre nach der eben erwähnten Arbeit also 1877 fand 
Prillieux ebenfalls amorphe blaugrüne Massen im Innern der Zellen 
der faulen Hölzer. Doch constatirt er, dass der Farbstoff weitaus in 
den meisten Fällen in den Zellwänden und nur ausnahmsweise ins 
Innere der Zellen abgelagert wird. Prillieux hat den Farbstoff auch 
in optischer Beziehung untersucht und dabei gefunden, dass derselbe 
sehr schwach in einem braungelben Farbenton fluorescire. Ferner 
constatirt er, dass das Ahsorptionsspectrum des Farbstoffes (in der 
Chloroformlösung) zwei Absorptionsstreifen in Roth und Orange zeige, 
im Uebrigen aber von dem Absorptionsspeetrum des Chlorophyll 
bedeutend differire. 

In Bezug auf die Entstehung des Farbstoffes theilt er die An- 
sichten seiner Vorgänger Gümbel, Bley und Fordos. 

(Siehe Prillieux. Bull. Soc. Bot. d. France. T. 24. 1877). 

Wenn Prillieux zu dem Schluss kommt, dass der Farbstoff 
des grünfaulen Holzes nicht von einem Pilze herrühren könne, so 
vertritt Cornu auf Grund seiner eigenen Untersuchungen und der- 
jenigen Tulasne’s den über Chlorosplenium aeruginosum D. Not. 
entgegengesetzten Standpunkt. 

(Siehe Cornu Bull. Soc. Bot. d. France 1877 und Tulasne. 
Carp. III p. 188). 

Doch muss er allerdings zugeben, dass häufig grünfaules Holz 
vorkommt, in dem auf weite Strecken hin keine Spur eines gefärbten 
oder ungefärbten Mycels aufgefunden werden kann. Cornu erklärt 
aber diese Thatsache mit der Annahme, dass das Mycel der Peziza 
aeruginosa (Ohlorosplenium aeruginosum) sehr vergänglich sei, vor 
dem Verschwinden indess das Holz dauernd grün färbe. 

In neuester Zeit gibt de Bary aufp. 15 seiner „Vergleichenden 
Morphologie und Biologie der Pilze“ eine lichtvolle Darstellung der 


43 


ganzen Streitfrage, ohne sich zu Gunsten der einen oder anderen 
Ansicht auszusprechen. 


Aus dieser dürftigen Skizze erhellt, dass sich gegenwärtig in 
Bezug auf die Frage über die Grünfäule des Holzes zwei vollkommen 
gleichberechtigte Ansichten gegenüberstehen. 

Nach der einen Anschauung ist der Farbstoff ein Produkt der 
Holzzersetzung und die Peziza aeruginosa ist ursprünglich rein weiss. 
Da sie aber ausschliesslich auf dem grünfaulen Holz vegetirt, so 
nimmt sie den Farbstoff aus ihrem Substrate auf und erlangt nach 
und nach ihre charakteristische Färbung. 

Nach der andern Ansicht hingegen gehört der Farbstoff der 
Peziza aeruginosa ursprünglich eigenthümlich an und diffundirt nur 
nach dem Zugrundegehen ihres sehr ephemeren Mycels in das faule 
Holz hinüber, um es dauernd grün zu färben. 

Die folgende Mittheilung bezweckt durchaus nicht die Beendi- 
gung der ganzen Discussion; sie will nur ein kleines Gewichtchen 
auf die eine Wagschale werfen, wodurch dann allerdings das Gleich- 
gewicht zu Gunsten der zuletzt erwähnten Anschauung gestört 
werden dürfte. 


Im heurigen Frühling trat an den Böschungen waldiger Hohl- 
wege in der Umgebung von Wien (z. B. auf dem steilen Wege vom 
Dornbacher Park zum Hameau) eine winzige, grüne Peziza auf, die 
sich bei näherer Untersuchung als Pseudopeziza Jungermanniae Fuck. 
Symb. p. 291 — Peziza Jungermanniae Nees System II p. 144 
erwies. Die 05 — 3 Mm. messenden Scheibchen sassen gewöhnlich 
auf der Jungermannia bicuspidata aber auch vereinzelt auf der 
blossen Erde. 

Sie erschienen dem unbewaffneten Auge dunkelgrün, unter dem 
Mikroskop jedoch prachtvoll blaugrün. 

Besonders intensiv war die Färbung an der Aussenseite der 
Schüsselchen, wo die Paraphysen, dicht aneinander gedrängt, eine 
Art von Hautschicht bilden und an dem basalen Hyphengeflecht. 

Die Schläuche sind an der Basis weniger stark gefärbt als 
oben. Am schwächsten tingirt erscheinen die reifen Sporen. 

Schwierig ist die Frage zu beantworten, wo eigentlich der 
Farbstoff haftet, ob an der Membran oder dem Protoplasma oder 
dem Zellsaft oder eventuell an allen diesen Zelltheilen. 

Deutlich ist nur die Zellwand gefärbt. Man kann indessen in 
jungen Schläuchen, in denen eben erst die Sporen angelegt werden, 
‚sehen, dass die Tronnungslinien zwischen den einzelnen Protoplas- 
maportionen (den zukünftigen Sporen) bedeutend dunkler grün gefärbt 
sind, als die übrige Plasmamasse. Aus dieser Beobachtung, sowie 
‚aus der directen Anschauung von Quetschpräparaten folgt, dass auch 
‚der Inhalt gefärbt sein muss. Doch kann man selbst mit der besten 
Öelimmersion nicht erkennen, ob nur das Protoplasma „oder ob der 
| 4 


) 
2 


44 


wässerige Zellinhalt, oder ob beide gefärbt sind. Sicher ist, dass der 
Farbstoff vollkommen aufgelöst und nicht in der Form von Körn- 
chen oder Bläschen auftritt. 

Da die Färbung der Pseudopeziza Jungermanniae lebhaft an 
die der Peziza aeruginosa erinnerte, so beschloss ich beide näher zu 
untersuchen und mit einander zu vergleichen. 

Ausser diesen beiden Pilzen wurde auch noch das Geoglossum 
viride Pers. in den Kreis der Untersuchung gezogen. Bezüglich des 
Untersuchungsmaterials muss bemerkt werden, dass die Peziza aeru- 
ginosa und das Geoglossum in Gestalt getrockneter Herbar-Exem- 
plare in Verwendung kamen, welche übrigens kaum ein Jahr alt waren. 

Die Untersuchung selbst wurde eingeleitet, indem eine Anzahl 
von Cylindergläschen signirt und mit den gleich zu erwähnenden 
Reagentien so gefüllt wurden, dass immer je drei die gleiche Materie 
enthielten. 

In Verwendung kamen: Wasser, absoluter Alkohol, Aether, 
Schwefelkohlenstoff, Benzin, Chloroform, Salzsäure, Schwefelsäure, 
Salpetersäure, Chlorwasser, Aetzkali, Aetznatron, Aetzkalk, Ammoniak, 
kohlensaures Kali und Natron, Kalkwasser u. zw. alle im kalten 
Zustand. Die Säuren wurden in circa 90°/,tigen, die kaustischen und 
kohlensauren Alkalien in nahezu concentrirten Lösungen gebraucht. 

Je drei Cylindergläschen enthielten immer die gleiche Materie 
und wurden auch mit derselben arabischen Ziffer bezeichnet, und dann 
mit je einem Fruchtkörper der Peziza aeruginosa oder der Pseudo- 
peziza oder des Geoglossum beschickt. 

Von der Pseudopeziza mussten ihrer Kleinheit wegen immer 
a Feuchtschüsseln auf einmal in ein Cylindergläschen gebracht 
werden. 

Die Herbeischaffung so vieler Fruchtkörper der Pseudopeziza 
Jungermannia war mit grossen Schwierigkeiten verknüpft und erfor- 
derte einen beträchtlichen Aufwand von Zeit und Geduld. Denn die 
winzigen Fruchtkörper der Pseudopeziza mussten unter der Lupe 
von dem Lebermoose lospräparirt werden, wobei sorgfältig darauf zu 
achten war, dass nicht etwa Blatt- und Stengeltheile der Junger- 
mannia an den Schüsselchen als fremde Anhängsel haften blieben, 
welche dureh ihren Chlorophyligehalt die Reactionen trüben konnten. 

Die drei Untersuchungsobjeete wurden acht Tage lang in den 
Cylindergläschen belassen und während dieser Zeit wurde die Ein- 
wirkung jeder Materie wiederholt geprüft und notirt. 

Ausserdem verfertigte ich von jedem der drei Pilze zahlreiche 
Dünnschnitte und beobachtete die Reaction der oben angeführten 
Materien auf diese Schnitte direct unter dem Mikroskope. 

Das Ergebniss der mikroskopischen Untersuchungen deckte sich 
jedoch so vollständig mit dem der makroskopischen, dass eine abge- 
sonderte Schilderung der ersteren entfallen kann. 

Auch verzichte ich auf die detaillirte Beschreibung jeder ein- 
zelnen Reaction, weil das etwa anzuführende Detail für das Ender- 
gebniss der Untersuchung nahezu irrelevant ist. 


45 


Dieses Endergebniss aber war bezüglich der Pseudopeziza Jun- 
germanniae und der Peziza aeruginosa folgendes: 

Der Farbstoff beider Pilze erwies sich als unlöslich in Wasser, 
Schwefelkohlenstoff, Benzin und in den oben angeführten Mineral- 
säuren; — er war kaum merklich löslich im absoluten Alkohol, 
jedoch leicht löslich in Chloroform. Die Alkalien — besonders die 
kaustischen bringen eine gelbe bis bräunlich gelbe Umfärbung hervor 
und wirken dann auf den umgewandelten Farbstoff mehr oder minder 
lösend. 

Aus diesem Resume erhellt, dass sich die Farbstoffe beider 
Pilze den verschiedensten Materien gegenüber gleich oder nahezu 
gleich verhielten. 

Dieses Verhalten berechtigt wieder zu dem Schluss, dass diese 
beiden Farbstoffe nahe verwandt, wenn nicht identisch sind. 


Nicht dasselbe kann von dem Farbstoff des Geoglossum viride 
behauptet werden. Wenn sich dieser auch gegenüber den Säuren und 
Alkalien ähnlich verhält wie das Acidum xylochloricum der Peziza 
aeruginosa oder der Pseudopeziza, so weicht er doch in Bezug auf 
die Löslichkeitsverhältnisse von dem eben genannten Farbstoffe weit 
ab, denn er löst sich in Chloroform nur äusserst schwierig, dagegen 
sehr leicht selbst im verdünnten Alkohol und in Ammoniak. 

Doch ist hierzu zu bemerken, dass sich der Farbstoff des 
Geoglossum durch Alkohol allein niemals ganz extrahiren lässt. 
Behandelt man nämlich die Fruchtkörper des Geoglossum wieder- 
holt mit Alkohol, so verlieren sie nach und nach ihre schmutzig 
grüne Farbe und werden schön blaugrün. Dieser zurückbleibende 
blaugrüne Farbstoff, der sich mit Alkohol nicht mehr extrahiren 
lässt, löst sich in Chloroform, wenn auch schwer, Das ganze Ver- 
halten des Geoglossum viride macht den Eindruck, als ob in ihm 
zwei Farbstoffe vorhanden wären: Ein grünlich gelber, der sich leicht 
mit Weingeist ausziehen lässt und ein blaugrüner, der möglicher 
Weise mit dem Acidum xylochloricum Fordos identisch ist. 

Es dürfte nicht allzu schwer sein, diese und ähnliche Fragen 
durch die Untersuchung und Vergleichung der bezüglichen Absorp- 
tions-Speetren zu entscheiden. Allerdings setzt eine solche Unter- 
suchung eine gewisse Gewandtheit im Gebrauche des Spectroskops 
und eine stete Berücksichtigung der optischen Concentration der ver- 
wendeten Lösungen voraus. 

Da ich selbst die nöthige Schulung für die genannten spectro- 
skopischen Arbeiten nicht besitze, so muss ich diesen Theil der 
Untersuchung Anderen überlassen. 


Durch diese Arbeit glaube ich jedoch wenigstens die Thatsache 
sicher gestellt zu haben, dass sich die Farbstoffe der Peziza aeru- 
ginosa und der Pseudopeziza Jungermanniae gegenüber den ver- 
schiedensten Materien in einer höchst auffallenden Weise gleich oder 


ähnlich verhalten. 


46 


Diese Thatsache unterstützt aber wieder in einer beträchtlichen 
Weise die Ansicht jener, welche annehmen, dass der blaugrüne Farb- 
stoff ursprünglich der Peziza angehöre und nicht dem faulen Holze. 


Wien, am 18. November 1886. 


Nachschrift. 


Nachdem obiger Artikel bereits abgeschlossen war, erfuhr ich 
von einem interessanten Culturversuch, den Herr Dr. v. Wettstein 
ausgeführt hat. 

Derselbe fand nämlich unter der Rinde eines faulenden Bau- 
mes (grüntaulen?) ein grünes Mycel, welches er mit nach Hause 
nahm und auf einem weissfaulen Holz cultivirte. 

Er erhielt aus diesem Mycel die Fruchtkörper der Peziza aeru- 
ginosa in erstaunlicher Menge. Während der Entwickelung der 
Peziza färbte sich aber auch das Substrat, das weissfaule 
Holz, zonenartig grün. 

Durch diesen Versuch wurde festgestellt, dass der grüne Farb- 
stoff aus dem Mycel in ein ungefärbtes, verrottetes Holz überzutreten 
im Stande ist. 

Da mir dieser Culturversuch in Bezug auf die oben näher ent- 
wickelte Discussion eine gewisse Wichtigkeit zu haben scheint, so 
wäre es auf jeden Fall sehr wünschenswerth, dass v. Wettstein 
selbst eine genaue Beschreibung desselben veröffentliche. 


— — 


Alyssum calyceinum L. 8 perdurans Mihi. 
Von Josef Ullepitsch. 


Im Juni 1. J. bemerkte ich auf einem magern steinigen Raine 
zwischen Rauschenbach und Pudlein schon aus beträchtlicher Ferne 
zwei Formen Alyssum untermischt wachsend. Die eine hielt ich vom 
Beginn an für Alyssum calycinum L. nur etwas hochwüchsig, 20 bis 
25 Ctm. 

Während diese Form steif aufrecht, mit steif emporstehenden, 
ziemlich dem Stengel anliegenden Blättern durchsichtige Büsche bil- 
dete, lag die zweite Form am Erdboden hingestreckt, mit 8 Mm. 
und darüber dieken und bis 50 Ctm. langen holzigen Stengeln, aus 
denen erst zahllose dünne, 15—20 Ctm. lange Blüthen tragende 
Aeste emporwuchsen. 

Diese zweite Form hat nur etwas längere und breitere Blätter, 
die sich der Länge nach rückwärts krümmen, ja einzelne sogar kräu- 
seln. Aus den Blattwinkeln entwickeln sich zahlreiche neue Triebe. 
Im Uebrigen stimmen beide Formen mit dem typischen Alyssum 
calycinum, was sternförmige Behaarung, bleibende Kelche, Staub- 
fäden und Früchtchenform betrifft, ziemlich überein. 

Nun sagen Gott sei Dank alle unsere floristischen Autoren: 
Alyssum calycinum sei „O*. 


j 


47 


Die zweite Form sah ich sogleich für ausdauernd an, denn im 
hiesigen strengen Klima wächst keine Pflanze auf magerem Boden 
bis Juli zu solchen Dimensionen und noch dazu holzig! Ich über- 
zeugte mich ferner dieser Tage, dass der besagte Rain voll Alyssum- 
Blätter ist, welche, wenn auch von Schafen stark benagt, doch fröh- 
lich grünen, während einjährige Pflanzen Mitte November schon ab- 
gestorben sind. 

Ein Unterschied, und ein wichtiger besteht also zwischen die- 
sem Alyssum und dem typischen calycinum jedenfalls, und obgleich 
noch Manches sicher zu stellen sein wird, namentlich wie sich aus 
Samen dieser Pflanze gezogene Exemplare anderwärts verhalten wer- 
den, so kann ich doch nicht umhin, diese nicht einjährige Pflanze 
Alyssum calycinum ß perdurans zu benennen. 

Nach A. Scherfel wächst A. perdurans auch bei Poprad. 


Kniesen, Zipser Comitat (Ungarn) 15. November 1886. 


Ueber die Ursachen der Haarbildung im Pflanzenreiche, 


Von Franz Krasan. 
(Fortsetzung.) 


Im Gegensatze zu den geschilderten Vorkommensverhältnissen 
der Steppe und sterilen Bergheide, welch letztere Schutt oder Dolo- 
mitsand und Grus zum Untergrund hat, ist das Hügelland des Sau- 
sal schon durch den sehr ungleichmässig gestalteten Boden, seine 
Erhebungen und Vertiefungen in Form von Berg und Thal, Abhang, 
Schlucht u. dgl., ferner durch die vorherrschende Waldung, zusam- 
menhängendes Gebüsch etc. sehr arm an Localitäten, wo eine län- 

ere intensive Licht- und Wärmeeinwirkung möglich wäre, und ein 
Jäher Wechsel von Licht und Dunkel, Warm und Kalt stattfinden 
könnte. Viel trägt jedenfalls der thonige, kieselreiche und daher 
feucktigkeitbindende Tertiärboden zur Ausgleichung der Temperatur- 
Extreme bei. 

In den Mulden und auf den tiefer gelegenen Wiesengründen 
beobachtete ich den Thymus sehr häufig; er wächst da zwar nicht 
in so grosser Menge, wie auf den trocken liegenden Triften, ist aber 
doch ım Sausal allenthalben zu finden; allein den Phytoptus traf 
ich an solchen Localitäten nur sehr selten, wenigstens tritt die be- 
schriebene haarige Triebspitzen- Deformation nur sporadisch auf. In 

leicher Weise scheint der Parasit mit seinen abnormen (pathogenen) 
rbildungen von den Waldwiesen und dem Bereich des Waldes 


- überhaupt ausgeschlossen zu sein; auch fand ich unter solchen Vor- 


kommensverhältnissen noch keine haarige Varietät des 'IThymians. 
Letztere bewohnt nach meinen bisherigen Beobachtungen aus- 


| schliesslich die freigelegenen, der Sonne zugänglichen Abhänge, ma- 


48 


gere Grasplätze mit Geröll, Sand oder Schutt als Unterlage, Berg- 
heiden und Triften bis in die Krummholzregion, überhaupt solche 
Oertlichkeiten, wo sich beinahe die klimatischen Elemente der Sand- 
steppe geltend machen. Anhaltende hochgradige Trockniss des Bodens 
genügt bei Thymus nicht zur Veranlassung einer haarigen Varietät; 
ja es scheint, dass selbst der Phytoptus fernbleibt, wenn der Unter- 
grund ein tiefreichender compacter (warmer) Kalkfels ist. 

Einen Beleg hiezu liefern die sonnigen, südseitig gelegenen 
Bergabhänge bei Gösting und St. Gotthard, nördlich von Graz. Hier 
tritt ein dichter, zusammenhängender Kalk der Devonformation offen 
zu Tage, der stellenweise dolomitisch, meist aber in mächtigen La- 
gen geschichtet erscheint. Er trägt seiner excessiven Trockenheit 
wegen, und theilweise auch wegen seiner ausgezeichneten Leitungs- 
fähigkeit für Wärme eine gewissermassen selbstständige Vegetation, 
insofern als manche sonst weit und breit nicht vorkommende Arten 
daselbst gefunden werden, während sich andere durch eine reich- 
lichere Behaarung, (wie z. B. Quercus sessiliflora, Campanula per- 
sicifolia, ©. glomerata, Scabiosa lueida) auszeichnen. Aber gerade 
der Thymian, bei dem man insbesondere eine Behaarung erwarten 
möchte, erscheint hier kahl: er findet sich daselbst in einer zierlichen, 
hochgewachsenen Form, die im Habitus an Calamintha thymifolia 
Rehb. erinnert; nicht einmal Wimperhaare kommen an den oberen 
Blättern vor, und auch von Phytoptocecidien ist bei dieser Pflanze 
nichts zu bemerken. 


Wenn nun aber der Phytoptus selbst von denjenigen boden- 
klimatischen Factoren abhängig sein sollte, denen die Pflanze die 
Anlage zur Haarbildung verdankt, dann ist diess ja mit Hinblick 
auf die gegenwärtig noch herrschenden Ansichten einer Umkehrung 
von Ursache und Wirkung gleich. Im Obigen sind wohl einige An- 
deutungen gegeben, dass sich die Sache so verhalten könne; wir haben 
aber noch keine entscheidende Thatsache angeführt, die eine andere 
Auffassung ausschliessen würde. 

Nicht nur viele Entartungen des Blattgewebes in Form von 
Randrollung, Zerfransung, sackförmiger Ausstülpung, in Form von 
gallenartigen Hohlauswüchsen, örtlichen Verdickungen u. dergl. mit 
und ohne abnorme Haarbildung werden den winzigen Gallmilben zu- 
geschrieben, die Cecidiologen halten vielmehr auch gewisse ungewöhn- 
liehe Trichome, wenn sie nämlich in dichten Rasen an der Blatt- 
fläche oder am Stengel, den Achsentheilen des Blüthenstandes etc. 
sich zeigen, also keinen gleichmässigen Haarüberzug an der Pflanze 
bilden, für ein Erzeugniss des Phytoptus. Man nennt diese Erschei- 
nung Phyllerium oder auch Erineum. Die meist fleckenartig und 
sporadisch auftretenden Trichom-Rasen liegen in einzelnen Fällen, 
namentlich wenn sie klein sind, in beckenförmigen Vertiefungen der 
Blattlamina, gewöhnlich unterseits. Man kann solche mit dem Eri- 
neum ausgefüllte Vertiefungen als die primitivste Form der Beutel- 
gallen betrachten. 


a a nd u ee 


N 7 


49 


Es ist aber wohl zu beachten, dass nur in den wenigsten Fällen 
angegeben wird, ob in dem Erineum Gallmilben vorgefunden wurden: 
sehr oft wird ein Ceeidium per analogiam den durch den Phytoptus 
erzeugten Missbildungen beigezählt. Die Angaben sind in dieser Be- 
ziehung nur zu oft einer Ergänzung bedürftig, da es wünschenswerth 
ist, wenigstens zu constatiren, ob nach diesem oder einem anderen 
muthmasslichen Erzeuger gefahndet wurde. 

Ich habe bisher in dem Phyllerium von Vitis vinifera, Alnus 
glutinosa, Tilia parvifolia, Geum urbanum, Salvia pratensis, Poten- 
tilla arenaria Borkh. und P. opaca L. (P. verna Aut. plur.), sowie 
auch bei Campanula caespitosa viel nach Gallmilben gesucht, aber 
stets vergeblich, wiewohl ich durch dauernde Uebung im Suchen 
und Schauen solcher Objecte den Parasiten stets bald und leicht be- 
merkte, wo er vorhanden war, wie z. B. in den deformirten Trieb- 
spitzen von T’hymus montanus W.K., humifusus Bernh., Origanum 
vulgare, Campanula Trachelium, Helianthemum vulgare, ferner in 
den entarteten Knospen von Corylus Avellana und in den theils 
warzenförmigen, theils hornförmigen Hohlgallen (Cephaloneion und 
Ceratoneion) von Acer campestre, A. Pseudoplatanus, Prunus spi- 
nosa, Pr. domestica, Viburnum Lantana, Tilia parvifolia, Alnus in- 
cana. Ich kann daher getrost aus dem negativen Ergebnisse der von 
mir vorgenommenen Untersuchungsfälle den Schluss ziehen, dass die 
Phyllerien, die mir vorgelegen sind, den muthmasslichen Parasiten 
nicht enthielten. 

In allen Fällen, wo ein Phytoptus vorhanden ist, kommt er in 
grösserer Individuenanzahl vor und hinterlässt in den oberflächlichen 
Fressgängen in den Höhlungen der von ihm befallenen Pflanzentheile 
unverkennbare Spuren, so dass man auch dann, wenn die Thierchen 
ausgewandert sind oder von vagabundirenden grösseren Milben ver- 
zehrt wurden, noch immer ein früheres Vorhandensein des Parasiten 
zu constatiren vermag. In dem Phyllerium der oben genannten 
Pflanzen, an denen ich keine Gallmilben aufzufinden vermochte, be- 
merkte ich auch nie eine Verletzung der Epidermis unter den Eri- 
neum-Haaren. 

Betrachtet man aber z. B. die Blätter des Weinstocks nach einem 
Frost, wie er heuer den 8. Mai (1886) die Vegetation in den öster- 
reichischen Alpenländern in ihrer schönsten Entfaltung überraschte, 
so wird man daran eine eigenthümliche blasige Runzelung wahr- 
nehmen. Den blatterförmigen Auftreibungen der oberen Blattfläche 
entsprechen natürlich auf der Unterseite ebenso viele Vertiefungen, 
und jede derselben ist mit einem dichten, anfangs weissen, später 
bräunlichen Haarfilz ausgefüllt. Es gelang mir jedoch nie, Thierchen 
darin zu entdecken, denen diese abnorme Haarbildung zugeschrieben 
werden könnte. Wo die Runzeln sehr häufig sind und dicht beisam- 
menstehen, fliessen die Haarflecke zusammen, das Blatt hat durch 
die vielfuchen ungleichmässigen Verbiegungen der Lamina ein krank- 
haftes Aussehen. Es ist dieses Phyllerium unter dem Namen „Filz- 
kranklieit des Weinstocks“ bekannt. 


50 


Eine ganz ähnliche Erscheinung zeigt sich unter solchen Um- 
ständen auf den Blättern von Tilia parvifolia. Die einzelnen Tri- 
chome sind wie bei Vitis vinifera anfangs schnörkelförmig gekrümmt, 
von Saft strotzend, und werden später braun. Denselben äusseren 
Ursachen scheint auch das Phyllerium auf Geum urbanum und 
Salvia pratensis seine Entstehung zu verdanken, denn auch da tritt 
in Folge intensiver Frosteinwirkung stellenweise eine Art blasige, 
oberflächlich besehen, warzig erscheinende Aufstülpung der Blatt- 
fläche auf, in deren rückseitigen Vertiefungen die Erineum-Rasen 
sichtbar werden, nur sind bei Salvia solche Unebenheiten der oberen 
Blattfläche viel zahlreicher und unregelmässiger: neben grösseren 
stehen kleinere und dazwischen ganz winzige Wärzchen gehäuft, die 
dem Blatte ein eigenthümliches, blatteriges Aussehen verleihen, und 
wovon sie sich oberseits körnigrauh anfühlen. 

Ueberhaupt ist es eine der gewöhnlichsten Wirkungen des 
Frostes bei Pflanzen, dass ihre Blätter hierdurch in zahlreichen 
Fällen eine epinastische Aufstülpung der Blattfläche erfahren, nur 
sind nicht alle Arten gegen dieses Agens gleich empfindlich, ja an 
demselben Baume kann man häufig genug die verschiedensten Grade 
der Reizbarkeit dem Frost gegenüber beobachten. Schön zeigt sich 
die Epinastie der Blattfläche sehr oft bei Quercus-Arten, doch am 
kıäftigsten reagiren in der bezeichneten Weise die Blätter derjenigen 
Aeste und Zweige, welche in den Vorjahren durch Insecten (Raupen, 
Maikäfer) entlaubt worden sind: der hierdurch indueirte Krankheits- 
zustand hat eine grössere Empfindsamkeit der betroffenen Pflanzen- 
theile zur Folge. Bei der Eiche ist die Epinastie des Blattes eine 
gleichmässige: die ganze Lamina wölbt sich nämlich an der Ober- 
seite mehr oder weniger; bei Geum urbanum aber zerfällt sie in 
mehrere grössere Wölbungen und bei Salvia pratensis in eine Un- 
zahl kleinerer und grösserer Ausstülpungen, von denen sich die mei- 
sten kaum mehr als deutliche Convexitäten zu erkennen geben. 

Doch nicht immer trägt die Concavseite der Runzel ein Eri- 
neum oder Phyllerium; bei @Quercus fand ich es sehr selten, bei 
Sambucus nie, bei Rubus dagegen immer; und nicht nur das: meist 
pflegt bei dieser letzteren Gattung dem Phyllerium der Concavseite 
ein dünneres, zarteres der Convexseite zu entsprechen, so dass es 
den Anschein hat, wie wenn der Haarfilz der Unterseite des Blattes 
oben durchgeschlagen hätte. In einem solchen Falle ist das Blatt 
stark gewölbt (epinastisch), am Rande mehr oder weniger eingerollt. 

Am häufigsten habe ich das Phyllerium rubi an einer Brom- 
beerart gefunden, welche sich den Merkmalen nach zwischen Rubus 
bifrons Vest und R. hybridus Kit. stellt, seltener bei R. hybridus 
selbst. Auch .R. suberectus Anders. erscheint häufig mit dem Haar- 
filz behaftet, doch kenne ich selbst nur einige Fälle von der nörd- 
lichen Terrasse unter dem Rainerkogl bei Graz; das erstere ist aber 
durch ganz Mittelsteiermark, wie es scheint, verbreitet, denn es sind 
Be Sich Localitäten bei Graz und Leibnitz bekannt, wo es reichlich 
vorkommt. 


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Vergeblich suchte ich auch hier nach Phytoptus: es zeigten sich 
an den zahlreichen, von mir mit Loupe und Mikroskop untersuchten 
Erineen weder zwischen den Haaren, noch an der Epidermis (die 
ich stets unverletzt fand) Spuren dieses Parasiten; den vagabundi- 
renden oder ambulanten Milben, welche so häufig, doch stets ein- 
zeln, an dem Phyllerium herumkriechen, kann aber entschieden die 
Erzeugung des Haarfilzes nicht zugeschrieben werden, denn diese 
Thierchen suchen entweder die klebrigen Ausscheidungen der Haare, 
von denen sie sich, wie mir scheint, theilweise ernähren; oder sie 
greifen andere Thierchen an: gewiss können sie weder durch Ste- 
chen, noch durch Annagen die Epidermis und das darunter befind- 
liche Zellgewebe verletzen, da ihre Mundtheile nicht darnach einge- 
richtet sind. 

Manche Rubus-Blätter sind, sowie gewisse Stengeltheile, ganz 
gleichmässig mit dem Erineum überzogen, das im Wesentlichen so 
aussieht wie eine dichte, normale (sammtartige oder filzige) Behaa- 
rung; und dennoch ist es wenig wahrscheinlich, dass auf diesem 
directen Wege, nämlich durch allmälig intensiver werdende Erineum- 
bildung, eine neue, dichter behaarte Varietät der Mutterspecies ent- 
stehe; denn es fehlen wirkliche gleichmässige Uebergänge zu 
einer stabilen Form von der erwähnten Eigenschaft, so nämlich, 
dass an der Pflanze das reichlichere Haar gleichförmig vertheilt 
wäre. Dagegen halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass Individuen, 
welche durch längere Zeit vom Phyllerium befallen waren, aus ihren 
Samen reichlicher behaarte, vielleicht auch sonst irgendwie von der 
gewöhnlichen Form abweichende Pflanzen hervorbringen, was aller- 
dings erst durch Culturversuche zur Gewissheit gemacht werden 
könnte. In jedem Falle möchte ich jedoch dem Phyllerium selbst 
nur eine symptomatische Bedeutung beilegen: die nächste äussere 
Ursache des Entstehens einer haarigen (resp. dichter behaarten) Form 
wäre in jenen klimatischen Einflüssen zu suchen, welche das Phyl- 
lerium bedingen. 


Bei R. suberectus beobachtete ich zwei Jahre nach einander 
(1885 und 1886) an derselben Stelle das Phyllerium im Frühjahr 
und Herbst: es tritt sowohl an den Schösslingen, als auch an den 
fruchtbaren Stämmen auf, und zwar meist so, dass ein und der an- 
dere Blüthenzweig in seinen Achsentheilen dicht behaart erscheint, 
während die übrigen kahl sind; oder es sind ein oder zwei kahl, 
die übrigen aber behaart. An den Blättern, welche augenscheinlich 
im vergangenen Frühjahre durch Frost gelitten haben, daher run- 
zelig und durch gelbliche Flecke gezeichnet sind, erscheint das Phyl- 
lerium an der Unterseite derselben in Form kleiner, weisslich schim- 
mernder Haarräschen. 


Durch das Alterniren von kahlen und dichthaarigen Blüthen- 
zweigen auf demselben Stamme zeigt das Phyllerium des R. sub- 
erectus grosse Aehnlichkeit mit einer ganz analogen Triehomerschei- 
nung bei Populus tremula. Heuer habe ich bei Graz und im Wein- 


52 


gebirge des Sausal bei Leibnitz Gelegenheit gehabt, solche Gebilde 
nieht nur zu constatiren, sondern auch auf ihre nächsten äusseren Ur- 
sachen zurückzuführen. 


»|@le| 


o| = 


10. 


(Schluss folgt.) 


Rhamni Hungariae. 


Autore Dr. Vincentio de Borbäs. 


. Cervispina Dill. foliis et ramulis oppositis, raro alternis, poste- 
2 


rioribus spina terminatis 
Ramuli alterni, inermes 10 


. Petiolus stipulis eito deciduis duplo longiores 3 


Petiolus stipulis aequilongus. Frutices humiles, spinosissimi 7 
4 


. Folia alterna 


Folia opposita, rima seminum clausa 5 


. „Foliis fasciculatis, oblongo-spathulatis, obtusiusculis erenulatis, 


puberulis* (Caucas.) —= Rhamnus spathulaefolia Fisch. et Mey. 
„Foliis alternis, utringue pubescentibus, e basi cuneata ovalibus, 
argute serrulatis, reticulato venosis“ (Hercegov.) = BRhamnus 
Ülyrica Gris. 


. Folia pubescentia, frutex altior, aut arbuscula —= Rh. cathar- 


tica L. 
Frutex humilis 6 


. Folia fere rotunda, non aut breviter solum acuminata, cum pe- 


tiolis utringue glabra, argutius serrata, serraturis magis curvatis 
(Fiume, Vratnik) = Rh. cathartica var. leiophylla Borb. Erdesz. 
Lap. 1885, p. 703. 

Folia oblonga vel obovata, basin versus longe atque cuneato- 
attenuata, apice breviter acuminata, subtus cum petiolis pube- 
scentia (Leopoldifeld ad Budam ©) — Kh. sphenophylla Borb. 
1885 1. c. 


. Rima seminum clausa — Rh. infectoria L. 


Rima seminum hians 


. Folia parva, albicanti-viridia, orbicularia vel obovato-subrotunda, 


glabra, dense atque minute crenata. (Von Fiume bis Carlopago, 
dann in Dalmatien häufig, sowie in Calabria orient. [Huter 
exsicc. ex itin. Ital. III, nr. 312]) = Eh. intermedia Steud. et 
Hochst. (Rh. infectoria Vis. cum icone!) 


. „Frutex humilis, ramosissimus, saepe decumbens* etc. (Lubitko 


bedo bei Ostaria) —= Rh. sawatilis L 

Frutex erectus, ramis et foliis pubescentibus (Torda, Brassö, 
Krassö-Szöreny, Klausenburg, Syrmien etc.) = Rh. tinctoria 
W. Kit. — (Rh. infectoria var. pubescens Gris.) 

Flores dioiei, tetramerieci 11 
Frangula Tournef. Flores hermaphroditi, pentameriei 14 


93 


11. Alaternus Tournef. Frutex sempervirens —= Rh. Alaternus L. 

— Eurhamnus Koch. Frutices foliis autumno deciduis 2 

12. Frutieulus pumilus caule ramisque prostratis etc. (Klek, Risnyäk) 
— Rh. pumila L. 

— Frutex 2—3 Met. altus, nervis foliorum lateralibus pluribus 
(10—20) 

13. Foliis oblongo-lanceolatis magnis, illis Carpini similioribus, ner- 
vis lateralibus, 15—20. Stylus fere ad basin tripartitus. (Risnyäk, 
Li®, Zlobin, Visenura etc.) = Rh. carniolica Kern. 

— Foliis elliptieis, mediocribus, illis Alnz similioribus, nervis late- 
ralibus utrinque 10—14. Stylus trifidus — Rh. alpina L. 

14. Folia integerrima — Rh. Frangula L. 

— Folia erenato-serrata subrotunda — Rh. sawatilis Scop. 


Ich habe diese Arten aus der Literatur besonders zum Unter- 
schiede der Rh. sphenophylla zusammengestellt. Ah. spathulaefolia, 
Rh. illyrica und Rh. alpina habe ich hier nur der Vergleichung 
wegen aufrenommen. Rh. alpina wird in Siebenbürgen angegeben, 
aber ich sah sie von dort bisher nicht. Auch Rh. infectoria blieb 
mir zweifelhaft. Ich sah sie aus Beziers; diese hat kahle Triebe, die 
Nebenblätter sind so lang, wie der Blattstiel, das Blatt ist ellip- 
tisch, an der Basis nicht keilförmig, an den Nerven behaart, aber 
es scheint endlich kahl zu werden. Die Furche des Samens ist 
schmal geöffnet. Dieses Exemplar Theveneau’s ist übrigens unserer 
Rh. tinctoria sehr ähnlich. Ich konnte aber nur wenige französische 
Exemplare untersuchen. 


Die Rhamnus-Arten sind pflanzengeographisch erwähnenswerthe 
Sträucher. Die Rh. tinctoria bildet bei Kamenitz im Syrmier Comi- 
tate ganze Gebüsche (L. Zorköczy). Es ist merkwürdig, dass die- 
jenigen Arten eines Genus sowohl an magerem Sandboden, als am 
steinigen Karste vorkommen und daran arbeiten, dass endlich der 
Boden sich verbessert. So finden wir z. B. Rh. cathartica und Rh. 
tinctoria auf den Sandpuszten des Temeser Comitates häufig, wo sie 
den losen Sand so färben, als wäre er mit schwarzer Tinte be- 
spritzt. — Häufiger und mehr vielgliederig sind die Rhamnus-Arten 
am Karste, und passen sie hier zu der dornigen Vegetation sehr 
gut. In den unteren Regionen ist Z&h. intermedia, Rh. rupestris 
häufig, die Rh. cathartiea var, leiophylla seltener, — in den höheren 
Regionen ist Rh. carniolica häufiger, dh. sawatilis seltener, — aus 
den Rissen der Felsen kommt aber die Ah. pumila hervor. Die 
Rhamnus-Arten sind sehr zu schätzende Sträucher, obgleich sie uns 
wenig direeten Nutzen geben. Sie sind sowohl auf dem Sande, als 
auch im steinigen Gebirge die Vorgänger der Wälder und bereiten 
den wohlthätigen Waldboden vor. Es ist sehr bemerkenswerth, dass 
auf den ungarischen Sandpuszten und dem steinigen Karstgebieto 
dieselben oder nahe verwandte Arten. derselben Gattung nützlich 
wirken. 

N 


= 


54 


Beiträge zur Kenntniss der Bergalgenflora Böhmens, 
Von Dr. Anton Hansgirg in Prag. 


(Fortsetzung.) 


Die Algenflora der Hügelregion Böhmens ist von mir am besten 
in der näheren und weiteren Umgebung von Prag durchgeforscht 
worden. Im Laufe der letzten drei Jahre habe ich die algologisch 
interessantesten Localitäten in diesem Gebiete von Davle bis gegen 
Kralup in der Moldau, von Radotin bis hinter Zbe@no an der Beraun 
meist wiederholt besucht, um ihre, von anderen Botanikern bisher 
vollständig vernachlässigte Algenflora näher zu untersuchen. 

Ausserdem habe ich auch von der begrenzten Verbreitung 
dieser, die wärmsten Lagen des Moldau- und Beraunthales charak- 
terisirenden Hügelalgenflora mich dadurch zu überzeugen gesucht, 
dass ich das angrenzende silurische Gebiet, insbesondere das Brdy- 
Gebirge von Königsaal an der Moldau bis gegen Dobris, Pribram, 
Breznic, Horowic, Königshof und Beraun, sowie das hügelige Terrain 
entlang die Buschtöhrader Eisenbahn von Prag bis Unhoscht, Svarov 
und Podkozi, der Prag-Duxer Bahn von Prag bis Kovar und Kole& 
und die ganze Landstrecke von Prag entlang die k. k. Franz Josephs- 
Bahn bis gegen PiSeli an der Sazawa und von da am Ufer dieses 
Flusses bis zur Stadt Sazawa in Bezug auf die Algen schon theil- 
weise durchgesucht habe. ') 

Die algologisch interessantesten Localitäten des silurischen 
Hügelterrains in der Prager und Berauner Umgebung, deren Algen- 
flora ich näher kennen gelernt habe, sind folgende: Feuchte Kalk- 
steinfelsen, Quellen und Bäche bei Hlubotep, bei St. Prokop („V 
Dalejich“), im Chote&-Thal bis gegen Radotin, Waldquelle und Teich 
oberhalb Kuchelbad, feuchte Felsen, Schluchten, Quellen, Bäche ete. 
an beiden Ufern der Moldau bei Podhor, Sele, Roztok, Brnky, 
Klecanky, Zalov, Podmorah, Lettek, Rez, Vetrusic, Dolan, Dolanky 
und Chwaterub, ebenso im oberen Moldauthale bei Zawist, Brezan, 
Wran, Zwol bis gesen Davle hin; desgleichen am Ufer der Beraun 
bei Cernosic, V3enor, Revnic, Budnan, Karlstein, St. Ivan, Tetin, 
im Suchomaster-Thal bei Königshof, bei Zbeöno und Pürglitz. 

An diesen soeben genannten Localitäten des silurischen Hügel- 
gebietes sind folgende seltene, dieser Region fast ausschliesslich 
eigene, blaugrüne Algen (Phycochromaceen) verbreitet. *) 


*) Die Algenflora des ganzen Brdy-Gebirges, insbesondere in höher 
gelegenen, den scharfen Nord- und Nordostwinden preisgegebenen Lagen, 
sowie an den bewaldeten Felsabhängen der weiteren Prager Umgebung ist 
verhältnissmässig arm; die interessantesten Vertreter der Hügelalgenflora der 
wärmeren Lagen des Moldau- und Beraunthales fehlen in höheren Lagen des 
Brdy-Gebirges gänzlich oder treten nur ausnahmsweise und in geringer Menge auf. 

?) Die im nachfolgenden Verzeichniss angeführten Algenarten sind alle, 
mit Ausnahme der bisher bloss auf dem Riesengebirge und zwar hart an der 
böhmischen Grenze von Rabenhorst, Kirchner, Schröter u. A. beobachteten 
mit * bezeichneten Algenformen vom Verfasser in Böhmen gesammelt, resp. 
für Böhmen als neu constatirt worden. 


ee 


39 


1. Stigonema Bouteillei (Breb. et Desmaz. nob. Sirosiphon Bou- 
teillei Breb. et Desmaz.), bisher bloss an feuchten Kalksinterblöcken 
nächst Kuchelbad mit Scytonema aerugineo-einereum Ktz. und ver- 
schiedenen seltenen Chroococcaceen. 

2. Scytonema myochrous Ag., an Felsen zwischen Selc bis 
Chvaterub nächst Kralup auf etwa 30 Standorten stellenweise massen- 
haft; kommt auch an silurischen Kalksteinfelsen bei Slichow, St. Prokop, 
im Chote&-Thale, bei Karlstein, St. Ivan, an den Felsen gegenüber 
Srbsko und bei Tetin nächst Beraun, im Suchomaster-Thal bei 
Königshof und am Urkalk bei Krummau, jedoch viel spärlicher als 
im Moldauthal vor; ist auch in der Berg- und Hochgebirgsregion 
Böhmens noch stellenweise, jedoch seltener als im Moldau- und 
Beraunthal verbreitet. 

3. Scytonema elavatum Ktz. und S. alatum (Berk.) Bzi (Artho- 
siphon alatus Rth. incl. A. Grevillei Ktz.) sind mit der vorigen 
Scytonema-Art, deren Varietäten sie sind, hie und da, z. B. an den 
Moldaufelsen gegenüber LibSic und Chvaterub vorzufinden; 8. clavatum 
Ktz. kommt auch bei Krummau vor. 

4. Sceytonema ocellatum Lyngb. bei Radotin und Karlstein im 
silurischen Gebiet; auch bei Sauerbrunn nächst Bilin. 

5. Calothriw parietina (Näg.) Thr. (Schizosiphon parietinus 
Näg. incl. S. rufescens Ktz.) im Moldauthale zwischen Wran bis 
Chwaterub an etwa 45 Standorten, ebenso an Kalksteinfelsen bei 
Hlubotep, St. Prokop, Karlstein, St. Ivan etc. Auch bei Pürglitz und 
Krummau. In den Grenzgebirgen als var. pluvialis (A. Br.) (Masti- 
gonema pluwviale A. Br.) bis in die höchsten Lagen hinaufsteigend. 

6. Inactis fluviatilis (Ktz.), Krch. (Euactis fluviatilis (Ktz.), 
Zonotrichia fluviatilis Rbh.), bisher blos auf feuchten silurischen 
Felsen bei Sele, gegenüber Libsit und bei Dolanky an der Moldau. 

7. Nostoc muscosum Ag. auf feuchten Felsen zwischen Sele 
bis Chwaterub stellenweise, z. B. gegenüber Lib$ie und bei Chwaterub 
reichlich. 

8. Nostoc rupestre (Ktz.) im ganzen oben bezeichneten silurischen 
Hügelterrain gemein; var. ß. linguaeforme nob. mit der typischen Form 
am Urkalk bei Krummau. Diese Nostoc-Art kommt nicht selten 
auch noch in den beiden höheren Regionen vor. 

9. Microcoleus monticola (Ktz.) nob. (Chthonoblastus monticola 
Ktz.) Auf feuchtem, kalkhältigem Lehmboden und an nassen Felsen- 
detritusablagerungen an und unter den Felsen im Moldau- und Be- 
raunthale ziemlich häufig verbreitet. 

10. Inactis tornata Ktz. em. Thr. und Inactis fascieulata Grun’ 
Auf Steinen und Felsen in klaren Gebirgsbächen und Waldquellen 
der silurischen Hügelregion, vorzüglich im Gebiete der Kalkstein- 
felsen, so bei Kuchelbad, Karlstein, auch in reinen, in die Moldau 
fliessenden Bächen von Sele bis Chwatörub nächst Kralup stellen- 
weise massenhaft. Auch noch in höheren Gebirgslagen, so z. B. ın 
Bergbächen bei Bakov, Eisenbrod und Weisswasser. 

11. Luyngbya foveolarum (Mout.) nob. (Leptothriw  foveolarum 


56 


Mont.) meist mit der sehr variablen Lyngbya caleicola (Ktz.) nob. 
(Leptothrix caleicola Ktz.) auf feuchten silurischen Kalksteinfelsen 
bei Hlubolep, St. Prokop, Karlstein ete. nicht selten. Beide sind aber 
auch auf kalkhältigen Felsen und Mauern fast im ganzen Lande 
zerstreut. 

12. Lyngbya lateritia (Ktz.) Kreh. (Hypheothrix lateritia (Ktz.) 
in verschiedenen Varietäten, insbesondere als var. rosea (Ktz.) Rbh. 
(Lephotriw rosea Ktz.), var. subtilis (Ktz.) Rbh. (Hypheothrie subtilis 
Ktz.), var. calearea (Näg.) Rbh. (Hypheothrie calcarea Näg.) auf 
feuchten kalkhältigen Felsen im Moldau- und Beraunthale etwa auf 
50 Standorten verbreitet und stellenweise (besonders als var. calcarea) 
weit ausgebreitete, tapetenartige Ueberzüge auf feuchten Felsen bildend. 

13. Lyngbya dubia (Näg.) nob. (Hypheothrie dubia Näg.) wie 
vorige, doch weniger häufig. 

14. Lyngbya Regeliana (Näg.) nob. (Hypheothrie Regeliana 
Näg.) bisher bloss auf feuchten, schattigen Kalksteinfelsen an der 
Beraun gegenüber Srbsko und wieder am Urkalk bei Krummau an 
beiden Orten auch als var. calotrichoides nob. 

15. Lyngbya nigrovaginata nob. Diese Lyngbya-Form, deren 
Scheiden im lebenden Zustande meist dunkelviolett, an getrockneten 
Exemplaren schwarzviolett oder braunschwarz gefärbt sind, kommt 
an feuchten kalkhältigen Felsen gegenüber LibSic und an Kalkstein- 
felsen an der Westbahn gegenüber Srbsko nächst Beraun vor. 

16. Lyngbya Joanniana (Ktz.) nob. (Phormidium Joannianum 
Ktz.) ist auf feuchtem, kalkhältigem Boden an und unter den siluri- 
schen Felsen im Moldau- und Beraunthale nicht selten, meist mit 
Microcoleus monticola; auch am Urkalk bei Krummau. Seltener an 
einigen anderen Stellen in der Hügel- und Bergregion Böhmens. 

17. Chamaesiphon Rostafinskü nob. Diese von Rostafinski 
als Sphaerogonium gracile beschriebene '), im Tatragebirge unter einem 
Wasserfall zuerst beobachtete Chamaesiphon-Art, deren Namen, 
weil schon früher von Rabenhorst ein Ohamaesiphon gracilis pu- 
blieirt wurde, ich in Ch. Rostafinskii umgeändert habe, fand ich auch 
in einer var. minor nob. in einem Felsenbrunnen bei St. Prokop 
auf untergetauchten Kalksteinen und auf den an diesen festsitzenden 
Cladophoren und Oedogonien. 

18. Allogonium Wolleanum nob. (Chroodactylon Wolleanum nob. 
— Asterocytis Wolleana [Hansg.] Lagrh.) ?*) Auf feuchten Felsen bei 

alow nächst Roztok, gegenüber LibSic und bei Chwaterub an der 
Moldau; auch noch bei Pürglitz an der Beraun. 

19. Chroothece rupestris nob. Meist mit der vorigen Alge, 

so bei Chwaterub und gegenüber Libsic, auch bei Kuchelbad. 


‘) Rozprawy akad. umiej. w Krakowie, 1883, p. 294. 

°) Mehr über die Gattung Allogonium Ktz. (Asteroeytis Gobi, Chroo- 
dactylon Hansg., Callonema Reinsch ex p., Goniotrichum Ktz. ex p., Hormo- 
spora Breb. ex p.) wird mit der Beschreibung einer neuen Allogonium-Form 
(A. halophilum nob.) an einem anderen Orte demnächst veröffentlicht werden. 


57 


Von anderen Chroococeaceen kommen im oben bezeichneten 
silurischen Hügelgebiete am häufigsten folgende submontane und 
montane Formen vor: 20. Aphanothece saxicola Näg., 21. Aphano- 
thece pallida (Ktz.) Rbh., 22. Gloeocapsa ambigua a) fuscolutea Näg. 
und b) violacea Näg., 23. Gloeocapsa nigrescens Näg., 24. @l. alpina 
Näg. auch als var. sawicola (Wartm.) Rbh. (@l. sawicola Wartm.), 
25. @l. janthina Näg.. 26. Gl. Kützingiana Näg., 27. GI. ocellata 
Rbh., 28. @l. aurata Stiz. var. alpicola Brügg., 29. @l. mierophthalma 
Ktz., 30. @l. coracina Ktz., 31. Gl. atrata Ktz., 32. @l. aeruginosa 
(Carm.) Ktz. und &. dermochroa Näg., 33. Aphanocapsa brunnea Näg., 
34. A. montana Cram. meist als var. micrococca Cram., 35. Chroococcus 
helveticus Näg. auch in den Formen var. aureofuscus nob. und var. au- 
rantiofuscescens nob., 36. Chr. pallidus Näg., 37. Ohr. twricensis (Näg.) 
(Ohr. rufescens |Breb.] Näg.), b) turicensis Näg., 38. Chr. auran- 
tiofuscus (Ktz.) Rbh. 

Viele von den soeben genannten Chroococcaceen, insbesondere 
Chroococeus aurantiofuscus, Chr. pallidus. Chr. helveticus, Aphano- 
capsa montana, Gloeocapsa coracina, Gl. aeruginosa, Gl. nigrescens, 
Gl. aurata, u. a. kommen jedoch meist in Gesellschaft der mit ihnen 
im genetischen Zusammenhange stehenden fadenförmigen Phyco- 
chromacseen-Formen, z. B. Nostoc rupestre, Calothriw parietina, 
Scytonema myochrous u. a. auch noch im übrigen Hügellande, in 
den Vorgebirgen und selbst noch in den höchsten Grenzgebirgen 
Böhmens stellenweise vor; nur einige wenige von diesen einzelligen 
Algen sind auch noch in tieferen Lagen (in der Ebene) Böhmens 
ausnahmsweise verbreitet. 


Von den chlorophyligrünen Algen sind in der wärmsten Hügel- 


‚region Böhmens bisher nur verhältnissmässig wenige von mir gesam- 


melt worden, welche ich nicht auch in den höher gelegenen Regionen 
Böhmens angetroffen hätte. Von diesen bisher ausschliesslich in der 
Region der Hügel gesammelten seltenen Chlorophyceen sind beson- 
ders folgende hervorzuheben: 1. Vaucheria de Baryana Wor. von 
Kuchelbad nächst Prag, 2. Oedogonium rufescens Wittr. f. von 
feuchten Felsen gegenüber Libic, 3. Mougeotia calcarea (Clev.) Wittr. 
auf feuchten kalkhältigen Felsen im Moldau- und Beraunthale, 4. Dys- 


 phynetium pusillum nob., und D. notabile (Breb.) nob. (Cosmarium 


notabile Breb.), 5. D. curtum (Breb.) Reinsch, (Cosmarium curtum 
(Breb.) Ralfs., auch als var. Regelianum (Rbh.) nob. ( Dysphynetium 
Regelianum Näg.) und var. ewiguum nob., 6. Cormarium holmiense 


Lund. auch als var. minus nob. und var. integrum Lund., 7. Cos. 


anisochondrum Nord. var. laeve nob., 8. Cos. protuberans Lund. 


Neben diesen Chlorophyeeen sind in der silurischen Hügelregion 
auch noch folgende interessante chlorophyligrüne Algenarten ver- 
breitot, welche ich jedoch theils auch in der Bergregion, theils in 
anderen Theilen des Hügelterrains von Böhmen mehrfach vorgefun- 
den habe: 9. Chlorotylium cataractarum Ktz. (inel. Ch. inerustans 
Reinsch.), 10. Oladophora sudetica Ktz., 11. ©. declinata Ktz., 12. €. 

+) 


Oesterr. botan, Zeitachrift. 2, Heft 1887, 


58 


glomerata (1,.) Ktz. in verschiedenen Formen, 13. Rrhizoclonium fon- 
tinale Ktz., 14. Oonferva fontinalis Berk., 15. Oocystis solitaria W ittr. 
var. rupestris (Kreh.) nob. (Oocystis rupestris Krch.) 

(Schluss folgt.) 


ET 7 N ERLEBEN 


Teratologisches, 
Von Dr. Ed. Formänek. 


Auf meiner vorjährigen Ferienreise fand ich in der Gegend von 
Ung.-Brod abnorm entwickelte Blüthen von Trifolium pratense L. 
und Campanula trachelium L., welche eine interessante Vergrünung 
der inneren Blüthentheile zeigten und die Rückbildung der einzelnen 
Blumenblattkreise in Blätter deutlich erkennen liessen. 

Aehnliche Wachsthumsverhältnisse treten mitunter bei den 
Rosaceen d. Z. 1883, pag. 178, und 1885, pag. 46, auf, dürften 
jedoch bei den oben angeführten Pflanzenfamilien nur in selteneren 
Fällen zu Stande kommen. Im Nachfolgenden die am Standorte von 
frischen Pflanzen abgelesenen Beschreibungen der einzelnen Fälle. 

Trifolium pratense L. Am Wege zur Lysä hora bei Ung.-Brod. 
Sämmtliche Blüthen gestielt, Blüthenstiele 6 Ctm. lang, Krone regel- 
mässig, Pistill in ein verkehrteiförmiges, spitzgezähntes, in eine kurze 
Granne auslaufendes Blatt, dessen Blattstiel 2°4 Ctm. beträgt, um- 
gewandelt. 

Campanula trachelium L. Im Walde unterhalb der Jaworina 
bei Strany. Blumenkrone regelmässig, die fünf Antheren tragen die 
Form von getrenntblätterigen Blumenblättern und sind einer Neben- 
krone, wie wir sie bei Narecissus poeticus L. sehen, jedoch mit dem 
Unterschiede, dass erstere unterbrochen ist, nicht unähnlich. 


— ii — 


Zur Flora von Pondichery. 
Von A. Heimerl. 


Vor einiger Zeit erhielt ich von Herrn Prof. Kornhuber eine 
Sammlung ziemlich gut erhaltener tropischer Pflanzen zur Bestim- 
mung, welche aus der Umgebung von Pondichery herstammen und 
im Jahre 1867 auf der Pariser Weltausstellung in der Ausstellung 
der Colonialprodukte figurirten, dann der Sammlung der k. k. tech- 
nischen Hochschule in Wien geschenkt wurden. 

Ich lasse nun in systematischer Reihenfolge die bestimmten 
Arten folgen und bemerke, dass in den meisten Fällen durch Ver- 
gleich mit den im Wiener Hof-Museum befindlichen, vom Museum 
in Kew ausgegebenen indischen Pflanzen die richtige Bestimmung 
gesichert werden konnte. 


59 


Filices: 
Ceratopteris thalietroides Brongn., Actinopteris radiata Link. 


Commelinaceae: 
Commelina communis L., Aneilema spiratum R. Br., Cyamopis 
awillaris Lm. 
Dioscoreae. 
Dioscores bulbifera L. und pentaphylla L. 


Piperaceae. 
Piper spec. 
Nycetagineae. 
Boerhavia repanda Willd. 


Amarantaceae. 
Aerva Monsoniana Mocq., Alternanthera sessilis R. Br. 


Compositae. 
Emilia sonchifolia DC., Blumea spec. 


Lobeliaceae. 
Lobelia trigona Roxb. 
Campanulaceae, 
Sphenoclea zeylanica Gärtn. 


Rubiaceae. 

Spermacoce hispida L., Canthium parviflorum Lam.; Hedyotis 
Burmanniana R.Br., Heynii W. A., racemosa W. A., articularis 
R. Br., umbellata Lam.; Oldenlandia dichotoma Koen., Stylocoryne 
Webera A. Rich. 

Oleaceae. 

Jasminum angustifolium \ahl. 


Apocyneae. 
Finca parviflora Roxb. und rosea L. 


Labiateae. 
Orthosiphon diffusus Benth. 


| Verbenaceae, 
Duranta Plumieri Jacq. (eult.), Symphorema involueratum Roxb. 


Boragineae. 
Heliotropium supinum L., Cordia spec. 


Convolvulaceae. 
Ipomoea pes tigridis L. 

Hydrophylleae. 
Hydrolea zeylanica Vahl. 


Scrophularineae, 
Stemodia viscosa Roxb., Limnophila gratioloides R. Br., Bon- 
naya brachiata Link et Otto, Striga lutea Lour. 
5* 


60 


Loganiaceae. 

Buddleia asiatiea Lour. 

Acanthaceae. 

Dipteracanthus patulus N. v. E., Blepharis boerhawiaefolia 
Pers., Crossandra axillaris N. v. E., Rostellaria difusa N. v. E., 
Spathodea spec. 

Myrsineae. 

Maesa indica Wall. 

Sapotaceae. 


Bassia longifolia L., Mimusops Elengi L. 
Styraceae. 
Symplocos spieata Roxb. 
Vaceinicae. 
Vaceinium Leschenaultii Wight. 


Umbelliferae. 
Bupleurum mucronatum W. A. 
Araliaceae. 


Aralia spec. 
Loranthaceae. 


Viscum orientale DC. und orbiculare Wight, Loranthus longi- 
forus Wight. 
Ranunculaceae. 


Thalictrum glyphocarpum W. A. 
Capparideae. 

Oleome monophylla L., Capparis sepiaria L. 
Droseraceae. 

Drosera Burmanni Vahl. und peltata Sm. 


Ficoideae. 


Trianthema erystallina Vahl, Glinus lotoides L., Mollugo Sper- 
gula L. und nudicaulis Lam. 


Portulaccaceae. 
Portwacca tuberosa Roxb. 


Caryophyleae. 
Polycarpaea corymbosa Lam. 


Malvaceae. 
Urena sinuata L., Hibiscus (vitifolius?) Sida humilis Willd. 
und cordifolia L. 
Sterculiaceae. 
Sterculia foetida L., Guazuma tomentosa Kth., Pterospermum 
suberifolium Lam. 


61 


Tiliaceae. 
Corchorus acutangularis Lam., Grewia laevigata Vahl und 
asiatica L., Elaeocarpus spec. 
Ternstroemiaceae. 
Gordonia obtusa Wall. 
Guttiferae. 
Calophyllum inophyllum L. 
Olacineae. 
Ola» scandens Roxb. 
Sapindaceae. 
Sapindus trifoliatus L. 
Celastriuneae. 
Gymnosporia emarginata Roth. 
Rhamneae. 
Scutia indica Brongn. 
Euphorbiaceae. 
Jatropha gossypüfolia L. und glandulifera Roxb., Ricinus in- 
ermis Jacq., Phyllanthus spec. 


Geraniaceae, 
Biophytum sensitivum DC. 
Combretaceae. 
Combretum ovalifolium Roxb. (?) 
Onagraceae. 
Laudwigia parviflora Roxb. 
Lythraceae. 
Ammania salieifolia Monti. 
Melastomaceae. 
Memecylon edule Roxb. 
Myrtaceae. 
Eugenia Jambolana Lam. 
Leguminosae. 


Orotalaria nana Burm., medicaginea Lam., biflora L., Willde- 
 nowiana DÜ.; Indigofera viscosa Lam. und enneaphylla L.; Tephro- 
 sia mazeima Pers., difusa W. A., villosa Pers.; Sesbania aegyptiaca 
- Pers., Zornia diphylla Pers., Stylosanthes mucronata Willd., Aeschy- 

nomene indica L., Desmodium biarticulatum Benth., Bleiotis sororia 
 DC., Alysicarpus monilifer DC. und vaginalis DO., Uyamopsis pso- 
 ralioides DC., Galactia tenuiflora W. A.; Phaseolus Wightii W. A., 
u he Jacq., Mungo L.; Vigna Catiang Endl., Dolichos Lablab 
L. und biflorus L., Cajanus indieus Sprengel, Pseudarthria viscida 
W. A., Rhynchosia nummularia DC., Pongamia glabra Vent., Pte- 
rocarpus Marsupium Boxb., Dalbergia spec., Poinciana elata L., 
Cassia siamea Lam, und auwriculata L., Dichrostachys einerea W. A., 
Acacia leucophlaea Willd, und ferruginea DC. 
Penzing bei Wien, December 1886. 


nn — 


Flora des Etna. 
Von Prof. P. Gabriel Strobl. 


(Fortsetzung.) 


1303. Medicago denticulata W.sp.pl.III1414, Guss. Syn. et Herh.! 
Rchb. D. Fl. 70 I, II!, hispida aa. microcarpa a. oligogyra y. denti- 
culata Urb. W. Lge. III 387. Genau wie vorige, aber Dornen der 
Aussennaht so lang, als der Radius der Mittelspire, divergirend an- 
gedrückt, sehr dünn und an der Spitze hakig; Nerven der Spiren 
weniger erhaben, Zwischenräume daher kaum grubig, Spirenbreite 
meist 5 Mm. oder weniger; Blüthenstiele meist 6blüthig. — Auf 
krautigen Fluren Siciliens selten; auch im Gebiete nur vereinzelt, 
z. B. an Eisenbahndämmen von Ognina, auf buschigen Uferabhängen 
des Simeto! April, Mai ©. 

1304. Med. lappaces Lam. Guss. *Syn. et Herb.!, hispida 
bb. macrocarpa Urb. a. trieycla Urb. W. Lge. III 386. Mit der vorigen 
fast durchaus identisch und mit ihr, sowie mit der folgenden durch 
zahlreiche Mittelformen verbunden, daher sie mit Recht von den 
Neueren zusammengezogen werden; ich sondere sie nur, um die An- 
häufung der Synonyma und Varietäten zu vermeiden. Von dentie. 
nur unterscheidbar durch ärmer- (1 —4) blüthige Blüthenstiele, 
mindestens 6 Mm. breite, weniger tief-, aber reichlicher genervte, 
jedoch ebenfalls 2—3spirige und breitere, als hohe Hülsen. Variirt 
mit Dornen, welche nicht einmal die halbe Länge des Durchmessers 
erreichen und dann oftmals nicht hakig sind = v. brevispina, bis 
zu Dornen, welche die Länge des Durchmessers fast erreichen, die 
Dicke der Hülse aber mehrmals übertreffen — var. ß. longispina Urb., 
ferner mit nur 1—2 Windungen (v. paucigyrosa Lam. Guss. Syn.) — 
Auf krautigen Abhängen und unter Saaten sehr gemein: Catania 
(Herb. Torn.!), in der Ebene des Simeto überall, auch im Meersande 
der Arena häufig, ebenso an Eisenbahndämmen vor ÖOgnina, von 
Catania bis über Nicolosi hinauf, um Bronte ete.! v. paucigyrosa 
um Catania (Cosentini in Guss. Syn.) und auf Lavaströmen um 
Bronte! April, Mai ©. 

1305. Med. nigra W., pentacycla DC. Cat., histriw Ten., Guss. 
*Syn. et *Herb.!, hispida bb. macrocarpa y. longeaculeata Urb. W. 
Lge. III 386. Von Zappacea nur verschieden durch circa gleich hohe 
und breite (7 Mm.), fast ceylindrische, mit fünf lockeren Windungen 
versehene Hülsen, die zuletzt oft schwarz werden; da sich öfters an 
demselben Exemplare auch Hülsen mit nur 3—4 Windungen befinden, 
so ist über die Zusammengehörigkeit mit Zapp. kein Zweifel. Unter 
Saaten und an Feldrändern mit der vorigen; Catania (Cosentini in 
Herb. Guss.!), auf Lavaströmen gegen die Ebene, am Wege nach 
Nicolosi, äusserst gemein aber in der Ebene des Simeto! April, Mai ©. 

1306. Med. terebellum W. Guss. *Syn. et *Herb.! Rehb. D. Fl. 
72 II?, hispida bb. macrocarpa b. pentacycla ß. breviaculeata Urb. 
W. Lge. III 387. Mit nigra vollkommen identisch in der Kahlheit, den 


j 
ü 
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: 


63 


Blättern, Nebenblättern, Blüthenstielen und Hülsen, nur sind letz- 
tere öfters 6spirig und dann sogar etwas höher als breit; die eben- 
falls hakigen Dornen sind aber stets mehrminder angedrückt und 
so kurz, dass sie die Breite der Aussennaht kaum überragen. — Unter 
Saaten und auf krautigen Abhängen Siciliens selten, ebenso im Ge- 
biete: Catania (Guss. Syn. et Herb.!), Gravina! April, Mai ©. 

+1307. Med. muricoleptis Tin. Guss. Syn. et Herb.! non DC. 
Scehliesst sich an die vorigen an durch Kahlheit, nicht verwachsene 
Spiren, beiderseits gefurchte Dornen; charakterisirt sich aber durch 
nur wimperig gezähnte Nebenblätter, 1—2blüthige, das Blatt über- 
ragende Blüthenstiele, viel breitere (10—12 Mm.), aber kaum 4—5 
Mm. hohe, 3—4spirige, nicht dicht, aber zierlich erhaben netznervige 
Hülsen und flache, beiderseits mit schief abstehenden, gebogenen, 
hakigen, borstenförmigen, etwa '/,— '/,; des Durchmessers errei- 
chenden Dornen versehene Aussennaht; die Dornen der obersten 
Windung oft spärlich oder fast fehlend; reife Früchte oft braun. — 
An Wegen, auf Saatfeldern und lehmigen Fluren ganz Siciliens 
nach Guss., wahrscheinlich auch im Gebiete; ich besitze sie nur 
aus den Nebroden und aus Reggio. April, Mai ©. 

1308. Med. De-Candollei Tin. Guss. Syn. et Herb.!, murico- 
leptis DC. Prodr. II 179, non Tin. Ganz wie vorige, aber Hülsen 
noch grösser (12—-14 Mm. breit, 5—8 Mm. hoch), mit 3—6 Win- 
dungen, beiderseits etwas convex, Dornen reichlicher und '/,—'/, der 
Hülsenbreite lang. Wie vorige in ganz Sicilien verbreitet; im 
Gebiete zahlreich um Nicolosi und Catania, besonders an Gra- 
Bemum neben dem Pulverthurme von mir gesammelt. April, 

al ©). 
71309. Med. diseiformis DC. Cat. Gr. Godr.1388!, W. Lge. III 
388, Reh. D. Fl. 69 I! Der vorigen etwas ähnlich und von Spr. damit 
confundirt, aber Unterschiede zahlreich: Die ganze Pflanze weichzot- 
tigflaumig, die oberen Blättchen verkehrt-eiförmig-keilig, die unteren 
verkehrt-eiförmig; Blüthenstiele J—2blüthig, bedeutend länger, als 
die Blätter; Hülsen beiderseits ganz flach und nervenlos, scheiben- 
förmig, glänzend gelbbraun, circa 7—9 Mm. breit, 3—4 Mm. hoch; 
Aussennähte mit zahlreichen, abstehenden, etwas nach abwärts ge- 
kehrten, beiderseits tief gefurchten, etwas gekrümmten und an der 
Spitze hakigen, eirca 5Mm. langen Dornen; die oberste Windung 
ganz wehrlos. Eine der schönsten Arten, aus Sieilien bisher unbe- 
kannt, von mir auf dem Trümmerfelde des alten Syracus häufig 
gesammelt. April 07 „AR (Fortsetzung folgt.) 


Literaturberichte. 


Botaniker-Kalender 1887. Herausgegeben von P, Sydow und C©, Mylius. 
In zwei Theilen. Zweiter Jahrgang. Berlin 1887. Verlag von Julius Springer. 
(X, 206 8.). In Brieftaschenform in Leinwand gebunden neu: 3 Reichs- 
mark, Zoll für den Einband und Stempel 20 Nkr., 


Der vorliegende zweite Jahrgang des Botaniker-Kalenders bil- 


64 


det eine recht erfreuliche Fortsetzung des im verwichenen Jahre 
glücklich begonnenen Unternehmens. Beide Abtheilungen desselben, 
welche beim ersten Jahrgange getrennt erschienen waren, sind jetzt 
zweckmässie zu einem für jeden Botaniker und Pflanzenfreund er- 
wünschten Vademecum vereinigt. Dasselbe enthält zunächst den 
astronomischen Kalender mit den gebräuchlichen Angaben, dann 
einen ausgedehnten, 54 Blätter enthaltenden Schreib- und Notiz- 
kalender, dem überdiess 12 earrirte freie Blätter zu wissenschaft- 
lichen Vormerkungen, kurzen, momentanen Aufzeichnungen von Be- 
obachtungen u. dergl. passend beigebunden sind. Der folgende Text 
bringt die wichtigsten General-Regeln für Pflanzensammler in Bezug 
auf Einsammlung, Präparation und Aufbewahrung von Gewächsen, 
sodann die Regeln der botanischen Nomenclatur nach den von dem 
internationalen Congress der Botaniker im Jahre 1867 zu Paris an- 
genommenen „Lois de la nomenclature botanique* und den Zusätzen 
und Abänderungen in A. de Candolle’s „Nouvelles remarques sur 
la nomenclature botanique*, ferner Verzeichnisse diverser in botani- 
schen Schriften üblicher Abkürzungen, dann deutscher Speecialfloren 
und kryptogamischer Exsiccatenwerke, Uebersichten der Blüthenstände, 
des Linne’schen Systems, der Vegetationsgebiete (Grisebach’s) und 
Florenreiche (Drude’s), Tabellen zur Eintragung phänologischer Be- 
obachtungen und solche über Mass- und Gewichtsverhältnisse. Der 
Monograph der Gattung Potentilla, Herr Prof. Alb. Zimmeter in 
Innsbruck, lieferte einen vortrefflichen Schlüssel zur Bestimmung der 
deutschen, österr.-ungarischen und schweizer Arten des genannten 
Genus. Der zweite Theil bringt als „botanisches Jahrbuch“ biogra- 
phische Notizen in der Zeit vom 1. April 1885 bis 31. März 1886 
gestorbener Botaniker Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz, 
dann Namen und Adressen der deutschen und in diesem Jahre zum 
ersten Male auch der österr.-ungar. und der schweizer Botaniker und 
der „erweiterten Commission für die Flora von Deutschland“, Ver- 
zeichnisse von pflanzentauschenden Persönlichkeiten, von Vereinen, bot. 
Gärten, lJand- und forstwirthschaftlichen Lehranstalten, Laboratorien, 
von Zeitschriften und botanischen Vorlesungen auf deutschen Univer- 
sitäten, sowie der deutschen botanischen Literatur 1885/1886. Es 
genügt wohl der einfache Hinweis auf den reichen Inhalt dieser für 
den Botaniker hochschätzbaren Abschnitte, um diesem II. Jahrgange 
eine gleich erfreuliche und allseitig willkommene Aufnahme vorher- 
zusagen, wie der I. Jahrgang nach der Aeusserung der Herausgeber 
sie gefunden hat. Wir sind überzeugt, dass der Botaniker-Kalender 
künftighin jedem Pflanzenfreunde ein unentbehrlicher Begleiter sein 
wird. Dr. K. 


Paul Sorauer, Handbuch der Pflanzenkrankheiten für Landwirthe, Gärt- 
ner, Forstleute und Botaniker. Zweiter Theil, die parasitären Krankheiten. 
II. neubearbeitete Auflage. Mit 18 lithographirten Tafeln und 21 Text- 
abbildungen. Paul Parey, Berlin 1886. XI und 456 Seiten. Preis 14 Mark, 


Was wir in unserem Referat über den ersten Theil des Hand- 


69 


buches der Pflanzenkrankheiten') in Bezug auf Bearbeitung der 
Krankheitsursachen und deren Therapie gesagt haben, lässt sich 
auch für den zweiten Theil in vollem Umfange aufrecht erhalten. 
Die volle Beherrschung des girantisch anschwellenden Materiales, 
die übersichtliche Gruppirung und gewisse leitende Ideen, oder besser 
ausgedrückt, Principien, unter deren Aegide Sorauer seinen Ar- 
beitsstoff stellt, geben ein glänzendes Zeugniss von dem Werthe des 
Buches. Eine solche leitende Idee ist die Annahme, „dass bei den 
parasitären Krankheiten die jedesmalige Beschaffenheit des Nähr- 
organismus, die augenblickliche Disposition, einen Ausschlag für die 
Erkrankungsfähigkeit gibt, und das Krankheitsbild erst vervollstän- 
diet, also ebenso eingehend wie die Entwicklungsgeschichte des Pa- 
rasiten beachtet werden muss“. Freilich ist gegenwärtig dieser jedes- 
malice Zustand des Wirthes, der einen Kampf mit den ihn überfallen- 
den Parasiten führen muss, von uns gänzlich unbekannten Agentien 
bedingt, die wohl allgemein als Ernährungs- und sonstige Vegetations- 
factoren bezeichnet werden, ohne dass damit ein wesentlicher Fort- 
schritt gegeben ist. Das Hauptverdienst des Verfassers besteht aber 
gerade darin, dass er das Vorhandensein der Prädisposition feststellt 
und somit den Weg andeutet, den die neue Forschung zu gehen 
hat. In unserem ersten Referate haben wir unserer subjectiven An- 
schauung Ausdruck gegeben, dass die von Galleninsecten verursach- 
ten Bildungen u. a. besser im II. Theile Platz gefunden hätten. 
Auch Verf. hat in dem Vorworte dieser Anschauung Rechnung ge- 
tragen, hält aber seine Gruppirung für die richtige; denn „mass- 
gebend für diese Eintheilung war die bei den Gallen nothwendige 
Behandlung auch solcher mit den Gallenerzeugern nächst verwandter 
Thiere, welche die Pflanzen nur gelegentlich durch Frassbeschädi- 
ung verderben. Damit ist aber das natürliche Bindeglied zu den- 
Jenigen von Thieren veranlassten Verletzungen gegeben, welche, wie 
das Schälen und Verbeissen des Wildes, unbedingt bei den Wunden 
im ersten Theile des Buches abgehandelt werden mussten“. — Ob 
diese Auffassung wirklich da massgebend ist, wo es sich um bedeu- 
tende morphologische Veränderungen und parasitäre Wucherungen 
handelt, ist wohl noch discutirbar. Der vorlierende Band enthält 
einen Abschnitt „Parasitismus“, der den facultativen und obligaten 
Parasitismus, die Saprophyten ete. behandelt. Capitel II und IH 
führen phanerogame und kryptosame Parasiten vor. Myxomyceten 
werden den Schizomyeeten vorangestellt; die Nass- und Trocken- 
fäule der Kartoffel, sowie das Ersaufen der Knollen sind eine 
und dieselbe Krankheit und gänzlich verschieden von der durch die 
Phytophthora erzeugten Kraut- und Knollentödtung; vorzüglich aus- 
gearbeitet sind Brand- und Rostpilze, freilich auch die beststudirten 
Parasiten. Die Exoascus-Deformation (Hungerzwetschken) ist auch 
nach Verf, (mit Luerssen, Frank) nur durch das Zurückschneiden 
des Baumes bis auf das ältere Holz zu beheben. Die Steindruckta- 
feln bringen in schöner Ausführung die Entwicklungsstadien hervor- 


Siehe diese Zeitschr. 1886, p. 203 ff, 


66 


racender Pilzparasiten; als besonders gelungen möchten wir Taf. XV 
(Fleckenkrankheit der Erdbeerblätter) hervorheben. — Einige Nach- 
tragsnotizen mit Referaten über neuestens erschienene einschlägige 
Arbeiten und ein sehr ausführliches Register mit alphabetischen Ver- 
zeichnissen der Nährpflanzen und der Parasiten schliessen die ver- 
dienstvolle Arbeit in würdiger Weise ab. Dr. T. F. Hanausek. 


J. B. Keller: Ueber die Bechstein’schen Rosen in Deutscher botan, Mo- 
natsschrift IV. Nr. 11 et 12, p. 172 (1886). 

Verfasser bespricht den Wortlaut der Bechstein’schen Descrip- 
tionen zu Grunde legend, die in „Forstbotanik* Edit. IV. enthaltenen 
Formen der Gattung Rosa. Von vorhinein kann von Geltendmachung 
irgend welcher Priorität bei einer vierten Auflage eines Werkes keine 
Rede sein. bevor man nicht die Formen kennt, welche in den frü- 
heren Auflagen enthalten sind. Ferner wäre es bei der Allgemeinheit 
der Beschreibungen, welche die genaue Präcisirung einer Form nach 
modernen Begriffen illusorisch machen, von unumgänglicher Wich- 
tigkeit gewesen, authentische Exemplare behufs Ergänzung der De- 
scription zu Rathe zu ziehen; allein Originalexemplare standen Ver- 
fasser auch nicht zu Gebote. Ich habe mit Ausnahme der Rosa 
obovata Bechstein auch nie authentische Exemplare zu Gesicht be- 
kommen, mich daher auch selbstverständlich nie über Bechstein’sche 
Formen ausgesprochen. Was die Priorität der Rosa aspera Schlei- 
cher betrifft, so möchte es hier geboten erscheinen, einige Worte 
beizufügen. Schleicher stand, wie aus Angaben der gleichzeitigen 
Literatur hervorgeht, betreffs Genauigkeit beim Vertheilen seiner 
Exsiecata nicht im besten Rufe. Auch die von mir eingesehenen - 
ebenfalls „zahlreichen“ Exsiccata bestätigen diesen Ruf vollinhaltlich; 
sie gehören theils der Gruppe Sepiacearum (R. sepium f. pubescens 
Rap.), theils der Gruppe Graveolentium an. Allein abgesehen von 
dem geht es nie und nimmer an, einen Nomen solum, der bis 
heutzutage noch niemals commentirt wurde, als leitende Type einer 
Gruppe voranzusetzen. Da könute ja Jedermann (ohne Botaniker zu 
sein) sich eine Liste von Namen drucken lassen, dieselbe mit Ex- 
siceaten belegen und hätte denselben Anspruch auf Berücksichtigung. 
Die Appellation an Rosa hybrida Schleicher und Rosa Gutenstei- 
nensis Jacq. fil. ist vergeblich. Rosa hybrida Schleicher als nomen 
solum! hat zu entfallen, da Villars in „Histoire de plantes de 
Dauphinde*“ p. 554 (1789), also viel früher eine Rose unter dem 
Namen „ZAosa hybrida* creirte und ausführlich beschrieb! welche 
zur Gruppe der Rosa alpina L. gehört. Rosa Gutensteinensis wurde 
von Jacgq. fil. im Jahre 1821 aufgestellt, unter ausdrücklichem Hin- 
weis ihrer Identität mit Rosa rubrifolia Jacq. pater in Fragmenta 
botan. pax. 70 et 71 t.106 (1809) non Villars, welch letztere Rose 
ausführlich beschrieben ist, und die überdiess eine prachtvolle Ab- 
bildung noch anschaulicher macht; von einem blossen Namen kann 
also auch bei letzterer Rose keine Rede sein! Bei Rosa, livida Host 
(1831) wäre überdiess noch die Rosa vestita Sternberg Flora 1826, 


67 


1. Beilage p. 77 et 78 in Erwägung zu ziehen gewesen. Schliesslich 
will ich erwähnen, dass die von Gandoger in seinen „Tabulae“ ın 
Bullet. de la Soc. des amis des sciences naturelles du Rouen (1882) 
p. 163 (Nr. 3267) angeführte Rosa aspera Schleicher oder vielmehr 
„Chabertia aspera“ (Schleicher) Gdg. dieselbe Rose darstellt, welche 
Keller an obenangeführter Stelle bespricht, und erwähne diese That- 
sache nur, weil Gandoger sonst vom Verf. mit besonderer Vorliebe 
eitirt wird. Braun. 
Borbäs Vincze, Clusius szedre (Rubus Clusii) Erdesz. Lap. 1885 p. 401—402. 
Rubus Clusii Borb. (R. Gremlii Haläcsy in Kern. Fl. exsice. 
Austro-Hung. 850 mit wenigem Zweifel dafür gehalten, non Focke) 
kann man weder nach Focke’s Synopsis Rubor. noch nach Gremli's 
Exeursionsflora für den wahren R. Gremlii halten. In Focke ]. e. 
bleibt man in den Adenophoris bei dem R. chlorothyrsus stehen, 
wenn man aber von der Inflorescenz absieht und in C) Gruppe diese 
Brombeerart sucht, so kommt man nicht zu R. Gremli, sondern zu 
R. Reichenbachiä. In Gremli ]. ec. Nr. 35 finden wir R. Clusii 
zwischen den mit bereiften Schösslingen versehenen Arten nicht, 
zwischen den mit unbereiften Schösslingen versehenen Arten bleiben 
wir wiederum bei R. teretiusculus stecken, welcher eigentlich zu den 
Vertitis gehört. R. Clusii ist von R. Gremlä durch die stumpf 
kantigen, reichdrüsigen und stark bestachelten Schösslinge, durch die 
ausgebreitete (nicht schmale und lange), bis an die Spitze beblätterte 
Inflorescenz, durch die mehrblüthigen Zweigchen der letzteren, welche 
auch oberwärts drei- bis vierblüthig bleiben (bei R. Gremlü ein- 
bis wenigblüthig), durch den grünlichen und glandulösen Kelch, so- 
wie durch die verkehrteiförmigen (nicht schmalen, wie bei R. Gremlüi) 
Petala verschieden. Ref. schreibt R. Clusii den Radulis zu. 
Borbäs. 


Vukotinoviö Ludwig, „Rosae Croaticae (excerptum) Rad. jugosl. akad. 
libr. 69 1884“. U Zagrebu 1886, p. 17. 

Hier werden einige Rosen neu beschrieben oder neu benannt, 
80 Rosa subrepens Borb. in sched. 1882, — R. Sestinensis Vuk., 
— R. Doljensis Borb. et Vuk. (R. subalbida Vuk.), — RK. Worma- 
slinyana Vuk. et Borb. (R. velutinaeflora Vuk. olim non Ds. et Oz.), 
— R. congesta Vuk. (R. vinealis Vuk. olim), — R. flavidifolia Vuk. 
(R. nitens Vuk., non Desv.), — R. Schlosseri Vuk. et Br. (R. spa- 
tulifolia Vuk.), — R. canina var. sphaerophylla Vuk., — .R. Vuko- 
tinovieii Borb. (RR. gallico-tomentosa? Kell. in lit.). — Die im Jahre 
1884 regelmässig benannte AR. corylifolia Vuk. erscheint hier unge- 
wöhnlicher Weise mit neuen Autoren (Vuk. et Kell.) und wird dazu 
R. cuneata Kell. ined. als Syn. eitirt. — Solche inedirten Synonyme 
zu eitiren, hält Ref. für unzweckmässig und überflüssig, denn so 
können wir passende Namen der Synonymie wegen nicht mehr ver- 
werthen. Im Interesse der Synonymik der Rosenunamen ist übrigens 
Vukotinovid's vorliegende Arbeit wichtig. Borbäs. 


68 

O. Beccari’s neuere Arbeiten über die myrmekophilen Pflanzen etc., be- 
sprochen von OÖ. Penzig. Separat-Abdruck aus „Botanische Jahrbücher“, 
MAL ;3. 

Ein Referat zu referiren verbietet sich von selbst. Es sei an 
dieser Stelle nur erwähnt, dass Penzig die sowohl für die Syste- 
matik, als namentlich für die Biologie hochwichtigen Arbeiten Bec- 
carı's dem deutschen Publikum in der vorliegenden Schrift auszüg- 
lich — und kritisch — zur Kenntniss bringt. Kronfeld. 


Blocki Bronislav: Einige Bemerkungen über Dr. A. Zimmeter’s Ab- 
handlung: „Die europäischen Arten der Gattung Potentilla*. Sep.- 
Abdruck aus der Deutschen botanischen Monatsschrift 1886, Nr. 4—6. 

Für das so schwierige Genus Potentilla ist in neuester Zeit 
eine wahre Sturm- und Drangperiode herangebrochen. In den Reihen 
der Botaniker, welche an der Entwirrung dieser polymorphen Pflan- 
zengattung ihre Kräfte erproben, kämpft auch mit viel Muth und 

Ueberzeugungstreue der als unermüdeter Forscher bekannte Verfasser 

obiger Abhandlung. Er tritt in seinen Bemerkungen, die in 25 

Punkte vertheilt sind, den Anschauungen Zimmeter’s und stellen- 

weise auch Dr. Kerner’s rückhaltlos entgegen, wobei er jedenfalls 

einen nicht zu unterschätzenden Fonds an Literaturkenntniss ent- 
faltet. -— Manche Anregung für Fachgenossen wird sich aus der vor- 
liegenden Arbeit gewiss ergeben, mancher neue Anhaltspunkt finden 
lassen, wenn auch damit das letzte Wort noch nicht; gesprochen ist. 
Moritz Prihoda. 


Seripta Botanica Horti Universitatis Imperialis Petropolitanae. II. 1886. 


Diese mit den Act. Horti Petrop. im Zusammenhange stehen- 
den Schriften repräsentiren das erste und einzige bisher bekannte 
Organ Russlands für die Publication der neuesten literarischen Pro- 
dukte auf dem Gebiete der Botanik (ohne Unterschied der Sprache 
und Nationalität). Der vorliegende Band bringt theils selbstständige 
Abhandlungen, theils Literaturberichte. Erstere sind folgende in rus- 
sischer Sprache geschriebene Arbeiten: Bekeloff A. Prof.: „Ueber 
die Flora des Gouvernements Jekaterinoslaw*. Durch einige sachliche 
Notizen pflanzengeographischen und phänologischen Inhaltes einge- 
leitet, folgt die im Koch’schen Sinne gehaltene Enumeration von 
1046 Arten Phanerogamen und Gefäss-Kryptogamen. Obwohl diese 
Anzahl im Hinblick auf den vom Autor angegebenen Flächenraum 
des behandelten Florengebietes von 66'623 Quadrat-Kilom. nicht un- 
bedeutend genannt werden darf, so lässt sich andererseits nach der 
stiefmütterlichen Behandlung mancher sehr arten- und formenreichen 
Gattungen auf eine erschöpfende, vollständige Durchforschung des 
Territoriums nicht schliessen. So sind z. B. die Gattungen Rosa 
und Rubus mit je einer Art, die Familie der Orchideen nur durch 
Orchis Morio vertreten. Diess ist um so auffälliger, als das ge- 
nannte Gouvernement zwar ein Steppenklima besitzt, aber als unter 


69 


dem 47—49° nördl. Br. gelegen, immerhin den gemässigten Vege- 
tationszonen angehört. — Gobi Chr. Prof.: „Ueber eine neue Rost- 
pilzform Cacoma Cassandrae“. Vom Autor auf nassen Torfmooren 
Finnlands, auf Andromeda (Cassandra) calyculata gefunden und im 
vorliegenden Aufsatze beschrieben. — Krassnoff A.: „Notizen über 
die Vegetation des Altai“. Grundlage der nicht nach systematischen 
Prineipien, sondern nach natürlichen Vegetationsgruppen, als: (Arte- 
misia-Steppen, Salinen, schwarzer Humusboden, im Frühjahre über- 
schwemmte Wiesen, Cedernwälder, Hochalpen) angeordneten Pflanzen- 
Aufzählung bildeten die Ergebnisse einer zweimonatlichen Excursion 
in die Alpen von Katoun, das Buchtarma-Thal und die Umgebungen 
des Belonka-Gebirges. — Unter den in der „Bibliographie“ re- 
censirten zahlreichen Werken ist besonders seiner Provenienz wegen 
bemerkenswerth: Plantae Boninsimae. Es sind diess in lateini- 
scher Sprache abgefasste Diagnosen für 69 neue von japanesischen 
Gelehrten in Ost-Asien gesammelte Pflanzen. Moritz Prihoda. 


— ii 


Correspondenz. 


Lemberg, am 5. Jänner 1887. 


Da die 15. und 16. Centurie der Fl. exsic. Austr.-Hung. bereits in 
den Händen mancher Theilnehmer an der Herausgabe derselben sich 
befindet und die Berichtigung eines in den Schedae, resp. Etiquetten 
sich vorfindenden Irrthums nur durch eine Zeitschrift möglich ist, 
so bitte ich um die gef. Aufnahme der nachfolgenden Zeilen in Ihr 
Blatt: Bei der Bearbeitung des Weidenmateriales für die Fl. exsic. 
habe ich die Notizen, resp. Beschreibungen für jede Weide auf ein 
besonderes Blatt geschrieben und die Blätter entweder nummerirt, 
oder sie in der mir geeignet erscheinenden Ordnung zusammengelegt. 
Durch ein Versehen ist nun die Salix Fr vor die S. lago- 
pina gestellt worden, was umgekehrt hätte geschehen sollen und ist 
dadurch die Diagnose für $. Ausserdorferi falsch geworden. Es muss 
dieselbe nunmehr lauten: Differt a sequente ete. — Bei dieser Ge- 
legenheit erlaube ich mir mit Rücksicht auf die in der Fl. exsie. 
Austr.-Hung. von Dr. Stapf bei Brunella bicolor gemachten Aus- 
führungen meine Bemerkungen hinanzufügen. Sowohl Dr. Beck als 
auch Dr. Stapf haben sich dahin ausgesprochen, dass beim Blatt- 
rande der Br. grandiflora bloss Schwankungen innerhalb der Grenzen 
einer Ausschweifung und einer gegen den Grund etwas tiefer ein- 
greifenden Sägezähnung sich zeigen. Das ist nicht richtig. Der Jano- 
wer Wald bei Lemberg, insbesondere die Localität, wo Brunella 
grandiflora wächst, wurde von anderen Botanikern und von mir 
sogar sehr oft besucht; ich habe auf das Vorkommen der Br. laci- 
niata mein besonderes Augenmerk gerichtet, sie wurde aber weder 
dort, noch in der näheren Umgebung, sondern erst zwei Meilen wei- 
ter bei Stary Jazöw spärlich von mir gesehen. S. Jazow ist über- 


70 


dies von der Janower Localität durch Culturen, Teiche, nasse Wie- 
sen, Bäche etc. getrennt. Unter solchen Verhältnissen kann man 
von einer Bastartirung der dort vorkommenden Br. laciniata mit 
der Janower Br. grandiflora unmöglich sprechen. Und doch besitze 
ich Exemplare von Br. grandiflora aus dem Janower Walde, welche 
neben ganzen Blättern auch solche aufweisen, wie sie meine Exem- 
plare der Br. variabilis besitzen, nach denen Dr. Beck seine Be- 
schreibung der Br. variabilis, die Dr. Stapf unter Br. bicolor sub- 
sumirt, entworfen hatte, und die sonst nichts zeigen, was auf eine 
Bastartirung hinweisen würde. Dr. Wotoszezak. 


Brünn, am 6. Jänner 1887. 


Als neu für die Flora Mährens, beziehungsweise Schlesien, sind 
folgende von mir gesammelte interessante Rubus-Arten zu verzeich- 
nen: Rubus silesiacus Weih. in Wimm. und Grab. FI. Siles., R. 
orthacanthus Wimm., R. silvaticus Weih. et Nees., R. Wahlbergü 
Arrh., R. caesius X candicans., R. chlorophyllus Greml., R. brachy- 
andrus Greml., R. nitidus Weih. et Nees.,, R. rivularis Müll. et 
Wirtg. var. prionophyllus Progel, R. longiramulus Sabr., R. ery- 
throcomus G. Br., R. serpens Weih., R. laetevirens Progl., R. inso- 
latus P. J. Müller., B. macrostemon Focke, R. moritanus Wirtg. 
Im Ganzen sechzehn interessante, von dem rühmlichst bekannten 
Batologen H. Sabransky gütigst determinirte Novitäten, auf die aus- 
führlicher zurückzukommen ich mir vorbehalte. Dr. Formänek. 


Lemberg, am 8. Jänner 1887. 


Ueber einen höchst interessanten Fund bin ich in der ange- 
nehmen Lage heute zu berichten. Es ist der bisher unbekannt ge- 
wesene Bastart Ranunculus repenti><bulbosus, welchen ich im vori- 
gen Sommer auf trockenen, grasigen Lehmtriften hart hinter dem 
„Kaiserwald“ nächst Lemberg in zwei blühenden Exemplaren ent- 
deckt habe. Dieser unzweifelhafte Mischling besitzt knollig verdickten 
Stengelgrund, wie Ran. bulbosus, an welchen er übrigens auch in der 
Form einiger Wurzelblätter und in der Grösse und Beschaffenheit 
der Kelche und Blumenblätter erinnert, während er durch die Ge- 
stalt der meisten Wurzel- und Stengelblätter, sowie durch das 
Vorhandensein kurzer Ausläufer an Ran. repens L. mahnt. 


Br. Btocki. 


Budapest, 12. Jänner 1887. 


Leucoium vernum L. kommt in Ost-Ungarn öfter mit zwei- 
blüthiger Inflorescenz vor, und ich habe diese Varietät im Jahre 
1878 in „Mathem. es Termeszettudomänyi Közlemenyek“ der ungar. 
Akademie, Bd. XV, pag. 360, als var. böflorum mihi benannt. Diese 
Varietät kommt in der Umgebung von Ungvär, Huszt (L. vernum 
var. Vagneri Stapf 1886), Vöröspatak und anderswo in Siebenbür- 
gen („planta nostra plerumque biflora“ Fuss Fl. Transs. excurs. 


71 


pag. 639), sowie im Biharer Comitate (Sink. Akad. Közl. XVI. 
pag. 139, — cfr. Botan. Centralbl. 1881, Bd. V. pag. 144) vor. 
Ich habe 1. ce. pag. 298 das in Ost-Ungarn wachsende Laserpitium 
alpinum W. Kit. und das croatische L. marginatum W. Kit. speci- 
fisch getrennt, danach ist ZL. alpinum var. nemorosum Stapf eher 
das L. marginatum W. Kit. Ich erwähne ]. ce. zwischen den speei- 
fischen Merkmalen des L. marginatum auch „radii umbellarum 
etiam maiorum pauciores (eirca 10)* und Dr. Stapf sagt auch 
„umbella plerumque pauciradiata“. Rosa Skofitziana Btocki 
habe ich zwar nicht gesehen, aber wenn es mein Freund H. Braun 
sagt, glaube ich, dass sie mit der R. uncinella var. eiliata Borb. 
identisch ist (Oe. B. Z. 1886, pag. 429). Wenn doch Freund BYocki 
einen constanten Farbenunterschied der Blüthe für R. Skofitziana 
behauptet, muss ich bemerken, dass er kaum weiss, was für 
eine Blüthenfarbe meine var. ciliata hat, denn ich habe sie nach 
getrocknetem Materiale beschrieben und die Blüthenfarbe nicht an- 
gegeben. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass auch meine Varietät 
weisse Blüthen hat und so mit der Blocki’schen „Art“ identisch ist. 
Andere Merkmale hat Blocki nicht angeführt und meine Varietät 
wächst gegen Nord-Ungarn, also nicht gar so weit von Galizien. 
Borbäs. 


Gnezda (Kniesen) 15. Jänner 1887. 
Es wird Sie interessiren, dass ich bei Aufarbeitung meiner Du- 
biosen gefunden habe, dass die Primula carpatica Fuss auch in 
Krain vorkommt! Ich sammelte selbe in den ersten Junitacen 1883 
von Mostrana aus in Kot und in dem Kermathale (nicht wie Sco- 
poli phantasirt, am Kerma-Berge, der nie existirte) in beiläufiger 
Seehöhe von 900 bis 1200 Meter. Sie unterscheidet sich von den 
siebenbürgischen ÖOriginalexemplaren nur durch etwas stärker be- 

haarte Kelche. Ullepitsch. 


Kopenhagen, im December 1886. 


Da ich seit nahezu 25 Jahren die volksthümlichen Namen von 
phanerogamen und kryptogamen Pflanzen nicht nur in den ältesten 
und neuesten ÖOriginaltexten, sondern auch mit Hilfe zahlreicher 
Correspondenten aus allen europäischen, nicht slavischen Ländern 
esammelt habe, und nachdem sie in den Jahren 1867—1871 auf 

osten „der königlich dänischen Gesellschaft der Wissenschaften“ 
und der „botanischen Gesellschaft zu Kopenhagen“ unter dem 
Titel „Noms nordique des plantes“ (von Island, Föräer, Norwegen, 
Schweden und Dänemark) publieirt wurden, bin ich jetzt daran, aus- 
zuarbeiten „Pflanzennamen in germanischen und romanischen Spra- 
chen“. Indessen, um dieser Arbeit die grösstmöglichste Vollkommen- 
heit, oder besser gesagt, die geringste Mangelhaftigkeit zu geben, 
welche bei einem solchen Unternehmen möglich ist, nehme ich mir 
die Freiheit, an die Philologen und Hortologen Europas die Bitte 
zu richten, mir hierauf bezügliche Mittheilungen gütigst zukommen 


72 


lassen zu wollen, besonders über volksthümliche Namen, begleitet 
mit der Angabe des Ortes (der Stadt oder der Geeend), wo sie ge- 
mein sind und ihrer landläufigen Aussprache. Die immer wachsende 
Ausbreitung der Cultur und die Fortschritte des botanischen Unter- 
richtes an fast allen Schulen haben schon eine grosse Zahl dieser 
volksthümlichen Namen verschwinden gemacht, wovon viele ein 
sprachliches oder culturelles Interesse haben. Wenn man daher jene 
retten will, welche noch übrig bleiben, so darf man nicht zögern. 
Das Zweckdienlichste nach meiner Meinung wäre daher: 1. Wenn 
mein Ansuchen in den wissenschaftlichen Publicationen, besonders 
in den botanischen und horticolen Fachschriften veröffentlicht werden 
möchte, und 2. wenn die Sammlungen, die in oben bemerktem Sinne 
gemacht worden sind, mir zur Verfügung gestellt und die Titel jener 
Werke bekannt gegeben würden, die derartiges enthalten. Bitte 
etwaige Zuschriften an mich unter der Adresse: „Monsieur Carl 
Hansen, professeur & l’Academie Royale superieure d’Agrieulture 
et d’Horticulture & Copenhague. V.* abzusenden. 


H. Jenssen-Tusch, Oberst. 


— 


Personalnotizen. 


— Dr. Alois Pokorny, k. k. Regierungsrath und Director 
des Comm. Real- und Ober-Gymnasiums in der Leopoldstadt zu 
Wien ist 61 Jahre alt, am 29. December v. J. in Innsbruck, wo er 
sich zum Besuche seiner Tochter und seines Schwiegersohnes, des 
Universitäts-Professors Dr. Juraschek befand, an einem Schlag- 
flusse plötzlich gestorben. Die Oesterr. botan. Zeitsch. brachte schon 
im J. 1863 dessen Porträt und Biographie. 

— Don Francisco Loscos y Bernal, Apotheker in Castel- 
seras in Araconien, einer der besten Kenner der spanischen Flora, 
ist am 23. November v. J., 63 Jahre alt, gestorben. 

— Dr. Otto Penzig, Professor in Modena, ist zum Professor 
der Botanik und zum Director des botanischen Gartens an der Uni- 
versität Genua ernannt worden. 

— J. Freyn, Civil-Ingenieur in Prag, ist zum fürstl. Collo- 
redo-Mannsfeld’schen Baurathe ernannt worden. 

— Prof. Dr. J. Wiesner in Wien wurde von der kgl. schwe- 
dischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Upsala zum ausw. wirkl. 
Mitgliede gewählt. 

— Professor Dr. A. Engler und B. Stein, Inspector des 
bot. Gartens in Breslau, sind zu corr. Mitgliedern der Royal Horti- 
cultural Society in London gewählt worden. 

— Dr. Karl Goebel in Rostock ist zum ordentl. Professor 
und Director des botan. Gartens an der Universität Marburg er- 
nannt worden. 


73 


— Dr. Paul Morthier ist anfangs December v. J., 63 Jahre 
alt, in Corcelles bei Neufchatel gestorben. 

— Dr. Alexander Zahlbruckner ist zum wissenschaftlichen 
Hilfsarbeiter an der botanischen Abtheilung des k.k. naturhist. Hof- 
museums ernannt worden. 

— Adolf Oborny, Professor an der Landes-Oberrealschule in 
Znaim wurde zum Bezirks-Schulinspector für den Znaimer Stadt- 
schulbezirk ernannt. 

— Thomas Moore ist am 1. Jänner, 66 Jahre alt, in Lon- 
don gestorben. 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- 
schaften in Wien, am 2. December 1886 übersandte Regierungs- 
rath Prof. Dr. Constantin Freiherr v. Ettingshausen eine in sei- 
nem Institute ausgearbeitete Abhandlung: „Ueber regressive Form- 
erscheinungen bei @uercus sessiliflora Sm.“ von Herrn Franz 
KraSan, Professor am II. Staatsgymnasium in Graz. Der Verfasser 
hat fünf wesentlich verschiedene Blattformen an ein und demselben 
Baume der Quercus sessiliflora beobachtet. Der Baum befindet sich 
in der Nähe der Stadt Graz und war infolge des empfindlichen Fro- 
stes am 8. Mai d. J. mehrere Tage ganz entlaubt. Er hatte in den 
folgenden 14 Tagen aus den Knospen, welche der Frost verschont 
hatte und die bis zum 8. Mai noch nicht aufgegangen waren, all- 
mälig von neuem getrieben und lieferte an den aus diesem Trieb 
entstandenen Sprossen das gewöhnliche oder normale Blatt, theil- 
weise aber auch eine Form, welche unverkennbar an @. infectoria 
Oliv. erinnert. Im Laufe des Sommers gingen neue Sprosse, und 
zwar aus Adventivknospen, hervor. An diesen erschienen zu unterst 
schmale, ungebuchtete ganzrandige, weiter oben verkehrt eiförmige 
ungetheilte, weiter gegen die Spitze lappige und ganz an der Spitze 
des Sprosses fiederspaltige Blätter. Auf Grund mannigfacher Ver- 
gleichungen constatirt der Verfasser den genetischen Zusammenhang 
zwischen diesen Blattformen einerseits und gewissen noch lebenden 
nordamerikanischen Eichenarten (@. virens Ait., @. aquatica Walt, 
und @. Prinus L.) und den fossilen @. Daphnes Ung. (resp. @. 
elaena Ung. und @. chlorophylla Ung.) und @. tephrodes Ung. aus 
dem Myocen, indem er die Gründe anführt, welche die Vielgestal- 
tigkeit des Blattes am obigen Baume als eine regressive Form- 
erscheinung, das ist als einen „Rückschlag“ erkennen lassen, wobei 
er auch auf die an der Keimpflanze auftretenden Blattformen hin- 
weist. 

Dr. Moriz Kronfeld in Wien überreichte eine Abhandlung: 
„Ueber den Blüthenstand der Rohrkolben“. In der Einleitung 
| der vorliegenden Arbeit werden in Kürze die morphologischen Fra- 
gen vorgeführt, welche an das Genus Typha anknüpfen. Verfasser 
| Oster. botan. Zeitschrift, 2, Hoft 1887, 6 


74 


wendet sich im Speciellen der Untersuchung des Blüthenstandes zu. 
Es wird vorerst ein historischer Ueberblick, eine Geschichte 
und Kritik der Ansichten über den Blüthenstand von Typha gege- 
ben. In dem folgenden Abschnitte: Bildungsabweichungen, wer- 
den teratologische Fälle zusammengestellt und beschrieben. Daraus 
ergeben sich Kriterien für die anher aufgestellten Theorien. Nament- 
lich werden für die durch Schur vorbereitete, von Gelakovsky 
ausgearbeitete Sparganium-Theorie wesentliche Stützen heischitueht 
Demnächst werden aus der Untersuchung der Teratologie Excurse 
über die Morphologie und Biologie der Rohrkolben abgeleitet. 

Dr. Richard R. v. Wettstein überreichte eine Abhandlung, 
betitelt: „Fungi novi Austriaci“, Ser. I. Die Abhandlung ent- 
hält die Beschreibungen von dreizehn neuen Pilzen, sowie Resultate 
morphologischer und entwicklungsgeschichtlicher Untersuchungen an 
denselben. Die beschriebenen Pilze gehören den Gattungen Irpew, 
Selerotinia, Micropeziza, Lycoperdon, Agaricus, Marasmius, Cantha- 
rellus, T’rametes und Hydnum an. 


— Monats-Versammlung der k. k. zoologisch-botanischen 
Gesellschaft in Wien am 5. Jänner 1887. Vorsitzender: Herr 
Prof. J. Mick. Botanische Gegenstände wurden besprochen von den 
Herren: Dr. M. Kronfeld: Ueber die Beziehungen der Nebenblätter 
(Stipulae) zu ihrem Hauptblatt. Der Vortragende erbrachte den Nach- 
weis, dass die Neben- oder After-Blätter keine selbstständigen Or- 
gane sui generis, sondern eine Ausgliederung basaler Lappen des 
Hauptblattes darstellen und demonstrirte an Exsiceaten die von ihm 
semachte Wahrnehmung, dass eine Öbliteration oder aber Exstirpa- 
tion der Blattspreite eine abnorme Entwicklung der Stipellen zur 
Folge hat. Beispiele hievon an Pyrus Malus, Pisum sativum und 
Lathyrus Aphaca. — H. Zukal: Ueber mehrere von ihm neu ent- 
deckte Ascomyceten. — Höffer Franz: Ueber sechs in Niederöster- 
reich vorhandene grössere Herbarien, theils aus früherer Zeit (1. das 
gräfl. Harrach’sche in Bruck a. d. Leitha vom Jahre 1781 ange- 
fangen, 7000 Exemplare; 2. Herbar nach Prof. Sales. Schreiber in 
Klosterneuburg, 50.000 Exemplare; 3. ein von Sr. k. Hoheit weiland 
Erzherzog Rainer zum Gebrauche für Schulen hinterlassenes Herbar 
von 3000 Exemplaren), theils aus der Gegenwart (4. Herbar des 
Pfarrers A. Matz in Angern, 3000 Arten; 5. Herbar nach dem vor 
Kurzem verstorbenen Lehrer Glatz in Waidhofen a. d. Ybbs, und 
6. Herrn Carl Aust’s in Hainburg Herbar im besten insektenfreien 
Zustande; Dank dessen Aufbewahrung in wohlverschlossenen Kästen 
aus Zirbenholz). Derselbe Vortragende sprach ferner über die Vul- 
gar-Namen verschiedener Pflanzen im Waldviertel. — Dr. 
R. v. Wettstein constatirte auf Grund seiner an Coprinus-Arten 
gewonnenen Erfahrungen die Anwendbarkeit der Syste- 
matik beim Studium der Hymenomyceten, wobei er die Bedeutung 
der Cystiden als Schutzmittel der Sporen näher erörterte. 


Moritz Prihoda. 


A u A U 


75 


— Die Wiener pädagogische Gesellschaft hat an den Gemeinde- 
rath ein Gesuch um Errichtung eines botanischen Gartens für 
Unterrichtszwecke auf Gemeindekosten gerichtet. Die Proponenten 
meinen, diese Communal-Anstalt hätte Pflanzen für die Schulen un- 
entgeltlich abzugeben, die Lehrer könnten den Garten mit ihren 
Schülern besuchen, Gebildeten aller Stände soll derselbe zugänglich 
sein, botanische Vorträge und Demonstrationen wären daselbst abzu- 
halten u. s. w. Es wird auf Berlin hingewiesen, wo ähnliche An- 
stalten im Humboldthain, Friedrichshain und Treptow bestehen, 
welche sich bestens bewähren. Die Gemeinde Berlin habe den bota- 
nischen Garten auf einem eigens angekauften Grundstücke schon vor 
18 Jahren errichtet und die nöthigen Baulichkeiten geschaffen und 
besolde das Personale. Die Gesellschaft meint, dass die Area des 
ehemaligen Thiergartens im Prater sich zu dem angeregten Zwecke 
besonders eignen würde. 


Botanischer Tauschverein in Wien. 


Sendungen sind eingelangt: Von Herrn P. Dicht] mit Pflan- 
zen aus Niederösterreich. — Von Herm Frank mit Pflanzen aus 
Oberösterreich. — Von Herrn Runge mit Pflanzen aus Westfalen. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren Btocki und 
Callier. 


Aus Schlesien eingesendet von Felsmann: Alectorolophus ma- 


jor, A. minor, Cicer arietinum, Corylus tubulosa f. atropurpurea, 


Örepis paludosa, Galeopsis speciosa, Hypochoeris maculata, Madia 
sativa, Melandrium album, M. rubrum, Phalaris picta, Plantago 
microstachya, Pyrola secunda, Ranunculus acer, R. polyanthemos, 
Saliv purpurea X viminalis, Thalietrum minus, Valeriana sambuci- 
folia, Veronica triphyllos, Viola arvensis, V. hirta, V. Riviniana, V. 
silvatica. 

Aus Galizien eingesendet von Wodloszezak: Oytisus ruthenicus. 

Aus Dalmatien eingesendet von Adamovic: Aspidium palli- 
dm, Asplenium acutum, Dianthus racemosus, Galium aureum, Li- 
naria dalmatica, Teuerium scordioides. 

Aus Ungarn eingesendet von Borbäs: Aster punctatus, Dian- 
thus Armeriastrum, Jquisetum ramosissimum, Lapsana cancellata, 
Linum glabrescens, Lolium linicolum, Medicago elongata, Plantago 
altissima, Pulmonaria mollissima, Quercus conferta, Rosa hunga- 
rica, R. petrophila, Saliw amgustifolia, Scirpus Michelianus, Syrenia 
angustifolia, Syringa Josikaea, Trifolium procerum, Trif. resu- 
pinatum. | 

Aus Niederösterreich eingesendet von L. Keller: Aconitum 
Anthora, Androsace obtusifolia, Campanula alpina, Carex capillaris, 

07 


76 


Ö©. ferruginea, Castanea sativa, Centaurea vochinensis, Epilobium 
tetragonum, Fumaria rostellata, Gentiana pumila, Hedysarum ob- 
scurum, Jasione montana, Juncus Jacquini, Medicago falcata var. 
glandulosa, M. fale. var. pubescens, M. falcato X sativa, M. sativa, 
Nigritella nigra, Ononis repens, Oxytropis montana, Papaver alpi- 
num var. album, P. Argemone, P. Rhoeas, Pedicularis rostrata, 
Phaca frigida, Phleum Micheliü, Ranunculus alpestris, R. platani- 
folius, Rubus Beckü, R. Gloggnitzensis, R. Gremlü, R. Halaesyi, 
R. megathamnos, R. rosulentus, Saxifraga stellaris, Soldanella mi- 
nima, Statice alpina, T’hlaspi rotundifolium, Trifolium gracile, Vul- 
pia myuros. 

Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 


Inserate. 


Verlag von Arthur Felix in Leipzig. 
un Das Chlorophylikorn 


über Kr 
Protoplasma -Mechanik | chemischer, morphologischer 
“und 
va biologischer Beziehung. 
Dr. G. Berthold, Ein Beitrag 


a. o. Professor der Botanik und Director | zur Kenntniss des Chlorophylikornes der 
des pflanzenphysiologischen Institutes | Angiospermen und seiner Metamorphosen 


der Universität Göttingen. von 
Mit 7 Tafeln. Arthur Meyer. 
In gr. 8. XII, #36 Seiten. 1886. brosch. | Mit 3 Tafeln in Farbendr. In gr.4. 1883, 
Preis: 14 M. brosch. Preis: 9 M. 


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Vollständige Naturgeschichte 
der forstlichen 


Culturpflanzen Deutschlands. 


Bearbeitet von 
Dr. Theodor Hartig, 


herzogl. Braunschweig’scher Forstrath und Professor etc. 


Neue wohlfeile Ausgabe. 
Mit 120 colorirten Kupfertafeln und Holzschnitten. 
In gr. 4. XVII. 580 Seiten. brosch. Preis: 50 M. 


Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Bohn. 
C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. 


r 


i 


Oesterreichische 


Botanische Zeitschrift, 


Die österreichische Exemplare 
botanische Zeitschrift Organ die frei durch die Post be- 
erscheint zogen werden sollen, sind 
den Ersten jeden Monats. f blos bei der Redaction 
Man pränumerirtauf selbe ar (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1) 
mit 8 fl, öst. W. zu pränumeriren. 


(6. R. 2a) „ Botanik und Botaniker. „m. Wege 


ganzjährig. oder mit Buchhandels übernimmt 


4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Fr Pränumeration 
halbjährig. Ns €. Gerold’s Sohn 
Inserate in Wien, 
die ganze Petitzeile N: 3 sowie alle übrigen 
15 kr. öst. W. EN 5 Buchhandlungen. 
XXXVII Jahrgang. WIEN. März 1887. 


INHALT: Nachruf. Von Dr. Burgerstein. — Campanula farinulenta. Von Dr. Kerner und 
Dr. Wettstein. — Pinguieula bicolor. Von Dr. Woloszezak. — Zur Batographie Niederöster- 
reichs. Von Sabransky. — Galeobdolon Tatrae. Von Ullepitsch. — Verwachsung von Stäm- 
men, Von Voss. — Zur Flora von Bielitz. Von Baier. — Ursachen der Haarbildung. Von KraSan. 


— Bergalgenflora Böhmens. Von Dr. Hansgirg. — Flora des Etna. Von Strobl. —- Literatur- 
berichte. — Correspondenz. Von Keller, Formänek, Borbäs. — Personalnotizen. — Vereine, 
Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserate. 
Nach er 
an 


Dr. Alois Pokorny. 


Wie eigenthümlich doch das Schicksal waltet! Am 22. Decem- 
ber des vorigen Jahres versammelte sich der Lehrkörper des Leo- 
poldstädter Communal-Real- und Obergymnasiums, um dem Director 
der Anstalt, Regierungsrath Dr. Alois Pokorny, in treuer Anhäng- 
lichkeit und aufrichtiger Verehrung ein glückliches Neujahr zu wün- 
schen — und am Neujahrstage versammelte sich derselbe Lehrkörper 
abermals, aber sein Chef war nicht mehr unter den Lebenden; er 
war am 29. December ferne von der Heimath und seinem Wirkungs- 
kreise eines plötzlichen Todes verschieden. Desshalb versammelte sich 
auch das Professoren-Collegium, um über die Bestattungsmodalitäten 
zu conferiren. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel erschien die 
Todesnachricht in den Tagesblättern und allgemein war die Trauer 
der zahlreichen Schüler, Fachgenossen und Freunde dieses ausgezeich- 
neten Mannes. 


Pokorny wurde am 23. Mai 1826 zu Iglau in Mähren ge- 
boren. Nach Absolvirung des Gymnasiums studirte er 1844—1848 
Jurisprudenz in Wien; im folgenden Jahre kam er als Supplent an 
das hiesige k. k. akademische Gymnasium und nach Ablegung der 
Gymnasial-Lehramtsprüfung aus Naturgeschichte und Physik wurde 
er 1852 zum wirklichen Lehrer an der genannten Unterrichtsanstalt 
ernannt. Im Jahre 1855 erhielt Pokorny von der Universität Göt- 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 8, Heft 1887, 7 


78 


tingen das Diplom eines Doctors der Philosophie und nach bald 
darauf erfolgter Nostrification habilitirte er sich an der » Wiener 
Universität für allgemeine Pflanzengeographie, die er bis zum Jahre 
1868 docirte. Eine wichtige Periode im Wirkungskreise Pokorny's 
berann im Jahre 1864. Der Gemeinderath von Wien hatte in seiner 
Sitzung vom 18. Februar 1864 die Errichtung zweier Realgymna- 
sien und einer vollständigen Realschule beschlossen. Nachdem dieser 
denkwürdige Beschluss von dem Staatsminister Excellenz R.v. Schmer- 
ling die Genehmigung erhalten hatte, wurde Dr. Alois Pokorny 
laut Gemeinderathsbeschluss vom 26. October zum Director des 
städtischen Realgymnasiums im zweiten Bezirke ernannt; die Anstalt 
selbst wurde am 11. October des genannten Jahres von dem dama- 
ligen Bürgermeister Dr. Andreas Zelinka in feierlicher Weise er- 
öffnet. Pokorny verblieb in dieser seiner neuen Stellung bis zu 
seinem Tode. Er leitete die ihm anvertraute Lehranstalt, die succes- 
sive zu einem vollständigen Real- und ÖObergymnasium erweitert 
wurde, in musterhafter Weise und setzte stets seine volle und beste 
Kraft ein für das Gedeihen und den Aufschwung derselben. Zu wieder- 
holtenmalen wurde in massgebenden Kreisen die Frage ventilirt, ob 
die Real-Gymnasien — bekanntlich eine Schöpfung der neueren Zeit 
— in ihrer bisherigen Organisation fortbestehen oder in sog. reine 
Gymnasien verwandelt werden sollen. Pokorny setzte sich stets auf 
das kräftigste für die Real-Gymnasien ein; in mehreren mit grosser 
Sachkenutniss und Objeectivität geschriebenen, zumeist in den Jahres- 
berichten der Anstalt veröffentlichten Aufsätzen suchte er den Nach- 
weis zu liefern, dass die Bedenken, welche von verschiedenen Seiten 
gegen den Fortbestand der Real-Gymnasien erhoben wurden, theils 
unbegründet sind, theils auf ein sehr geringes Mass sich reduciren, 
und zeigte, dass die österreichischen Real-Gymnasien als im fort- 
schrittlichen Geiste entwickelte Gymnasien sind, welche gegenwärtig 
unbedingt den Vorzug vor den sog. reinen Gymnasien verdienen. 
Pokorny’s Musse war fast ausschliesslich literarischer Thätig- 
keit gewidmet. Schon als Gymnasiast zeigte er ein lebhaftes Inter- 
esse für die Naturwissenschaften im allgemeinen und für die Bota- 
nik ganz besonders. Durch eine Reihe hervorragender österreichischer 
Botaniker (Endlicher, Fenzl, Reissek, Kotschy u. A.) in die 
scientia amabilis eingeführt, trat er bald mit selbständigen Arbeiten 
in die Oeffentlichkeit. Wir können hier nicht auf eine Enumeratio 
seiner zahlreichen Publicationen, die namentlich Themen aus der 
Bryologie, Phänologie, Localfloristik und Blattmorphologie behandel- 
ten, geben.') Hervorheben müssen wir aber seine gründlichen und 
umfassenden Untersuchungen der ungarischen Torfmoore, seine „Plantae 
lignosae imperii austriaci* (mit 1645 Blattabdrücken auf 80 Tafeln) 
und die in Gemeinschaft mit Prof. C. v. Ettingshausen heraus- 
gegebene „Physiotypia plantarum austriacarum“, ein Werk in fünf 


f '‘) Eine Zusammenstellung seiner Arbeiten bis zum Jahre 1863 enthält 
die ausführliche Biographie Pokorny’s im XIII. Jahrgange dieser Zeitschrift. 


19 


Foliobänden mit 500 Tafeln, wofür jeder der beiden Verfasser von 
Sr. Majestät dem Kaiser mit einem Brillantring ausgezeichnet wurde. 
Die sich von Jahr zu Jahr mehrenden Amtsgeschäfte, sowie die fast 
unausgesetzte, zeitraubende Redaction seiner Lehrbücher hinderten 
ihn immer mehr an der Ausführung wissenschaftlicher Unter- 
suchungen. Seine letzten grösseren Arbeiten waren: „Ueber phyllo- 
metrische Werthe als Mittel zur Charakteristik der Pflanzenblätter* 
(Sitzungsber. der k. Akademie der Wissensch. Wien 1875) und „Die 
Blättermasse österreichischer Holzpflanzen“ (Verh. der k.k. zoolog.- 
botan. Gesellschaft 1877). Unter den verschiedenen Lehrbüchern, die 
Pokorny herausgab, erfreute sich insbesondere die illustrirte Natur- 
geschichte des Thierreiches, Pflanzenreiches und Mineralreiches für 
die unteren Classen der Mittelschulen einer ganz ausserordentlichen 
Verbreitung. Die Bücher erschienen in den Fünfziger-Jahren und er- 
lebten zahlreiche Auflagen. Seit Jahren sind die Pokorny’schen 
Lehrtexte in alle Sprachen der Monarchie übersetzt und fast an 
sämmtlichen österreichischen und. ungarischen Mittelschulen einge- 
führt. Die Zahl der von der Verlagsbuchhandlung bisher ausgegebenen 
Exemplare beträgt viele Hunderttausende. 

Pokorny war Ehrenmitglied, correspondirendes und wirkliches 
Mitglied, Vicepräsident und Ausschussmitglied zahlreicher wissen- 
schaftlicher Corporationen des In- und Auslandes. 

Seine Vielseitigkeit des Strebens und seine Verdienste in päda- 
gogisch-didactischer und wissenschaftlicher Richtung wurden mehr- 
fach anerkannt. Von Sr. Majestät dem Kaiser wurde ihm, wie schon 
bemerkt, ein Brillantring, ferner mit Allerhöchster Entschliessung 
vom 24. Juni 1872 „in Anerkennung vieljährigen und ausgezeichneten 
Wirkens im Lehramte“ der Titel und Charakter eines Regierungs- 
rathes verliehen. Bald darauf erhielt er den k. russischen St. Annen- 
Orden III. Classe. Anlässlich des zurückgelegten dreissigsten Dienst- 
jahres wurde ihm taxfrei das Bürgerrecht der Stadt Wien zuerkannt. 

Vor den letzten Weihnachten nahm Pokorny einen kurzen 
Urlaub, den ersten und einzigen zugleich während der langen Lauf- 
bahn ununterbrochener Thätigkeit und Pflichterfüllung und begab 
sich in Begleitung seiner Gattin nach Innsbruck zum Besuche seiner 


- Tochter und seines Schwiegersohnes, des Universitätsprofessors Dr. 
Franz R. v. Juraschek. Nach Neujahr sollte er zurückkehren zur 
Wiederaufnahme seiner Thätigkeit; — aber nur die entseelte Hülle 


_ war es, welcher sich die Pforten des Gymnasiums zum letztenmal 
zu einem tiefergreifenden Einzug und nur für wenige Stunden öffne- 


f 


ten. Der Lehrkörper trauert tief und aufrichtig über den Verlust 


eines edlen und bedeutenden Mannes, auf dessen Führung derselbe 


stolz sein konnte, an dessen leuchtendem Vorbild er sich erheben 
und auf dessen wahre Freundschaft er zu jeder Zeit rechnen konnte. 
Die Schüler, welche den Dahingeschiedenen wegen seiner Gerechtig- 


keit und seines Wohlwollens verehrten und hoch schätzten, haben 


einen wahrhaft väterlichen Freund verloren. Die Wissenschaft beklagt 


in Pokorny den Verlust eines begabten kenntnissreichen Mannes, 
ki 


80 


eines thätieen unparteiischen Schriftstellers, eines gewissenhaften For- 
schers. Durch seine Verdienste um die Wissenschaft und den Unter- 
richt, durch sein edles, alles Gute und Schöne gerne förderndes Stre- 
ben, durch sein urbanes, feinfühlendes und wahrhaft gütiges Naturell 
hat er sich selbst ein Denkmal geschaffen, das ihm für alle Zeiten 
die Anerkennung, Hochachtung und Liebe sichert in den Herzen 
aller Jener, welche ihm in irgend einer Richtung im Leben näher 
gestanden sind. 


Wien, im Februar 1887. Dr. A. Burgerstein. 


— in —— 


Campanula farinulenta. 
Auctoribus A. Kerner et Wettstein. 


Rhizoma tenue, ramosum, caules complures edens. Caulis erec- 
tus vel ascendens, gracilis, indivisus vel parce ramosus, foliis sparsis, 
subangnlatus, glaber, 10—20 Ctm. longus. Folia glabra nitida, in 
apice rhizomatis rosulas parvas steriles formantia; ea rosularum ob- 
cordato-rotundata, subserrata, obtusa, longe petiolata; caulinorum 
basalia obcordata, apiculata, parce serrata, serrae basin folii versus 
elongatae (itaque folia nonnunquam subsagittata), longe petiolata, 
sensim in lanceolata, brevissime petiolata, acuta, serrata, in utroque 
latere serris 3—8 praedita abeuntia; summa linearia, acuta, integra, 
sessilia. Folia rosularum sterilium et inferiora cca. 10—20 Mm. 
diametro, petiolo 30—50 Mm. longo; intermedia cum petiolo 20—30 
Mm. longa, 3—5 Mm. lata; summa 13—25 Mm. longa, 1—2 Mm. 
lata. Flores solitares vel in racemis laxis 2—7 floris, longe pedun- 
culati, nutantes. Calyx lobis longe acuminatis, angustis, 4—6 Mm. 
longis, ad basin cea. 05 Mm. latis, initio rectis, mox erecto-paten- 
tibus, glabris. Tubus calyeis 10-costatus, costis glabris obtusis, inter 
costas papillis albis obtusis farinulento-puberulus. Corolla tubuloso- 
campanulata, superne ampliata, coerulea, glabra, 15—18 Mm. longa, 
lobis triangularibus, subacutis, 3—5 Mm. longis, tenuiter retieulatim 
nervosis. Stylus corolla aequilongus, in parte superiore papillosus, 
inferne disperso-hirsutus. Capsula (junior) obconica, costis modice 
prominentibus, indumento farinulento persistente, nutans, basi 
dehiscens. 

Dalmatia. In glareosis et rupestribus montis Biokovo. Legit 
Th. Pichler Junio 1870 et Julio 1880. 


Pinguicula bicolor. 
Von Dr. Woloszczak. 


Acaulis, vulgo biscapa, tota glandulis brevistipitatis sparsis in- 
structa; radice fibrosa; folüs rosulatis, oblongis vel oblongo-lanceo- 
latis, obtusis, basi attenuata sessilibus ;. calix campanulatus bilabiatus, 


a 4 2 ra 2 


8l 


labio inferiore bilobo, superiore trifido, lacinüs obtusis; corolla in 
calcar subulato-conicum rectum dimidio brevius subito contracta, 
bilabiata ; labio superiore, paulum breviore bi-, inferiore trifido, la- 
cinia labis inferioris intermedia lateralibus duplo longiore calcaris 
longitudinem aequante ; laciniis omnibus albis, caetera corolla viola- 
cea. Scapus ad 20 cm. altus, calcar 5 mm. long. 

In pratis turfosis ad pagum Podmanasterz in agro Leopolitano 
sat copiose. 

P. bicolor unterscheidet sich von P. vulgaris L. durch kleinere 
Blüthen, deren Krone sich plötzlich in den Spora verschmälert, fer- 
ner durch weisse Kronzipfel. Sie dürfte in Galizien eine weitere Ver- 
breitung haben. 


„Ueber das gelbblühende Melampyrum Herbichii m., welches 
von M. saxosum und silvatieum durch eiförmige Kelchzipfel auf- 
fallend sich unterscheidet, so wie andere ostkarpatische Pflanzen 
werde ich später Mittheilungen bringen. 


Lemberg, am 9. Februar 1887. 


Zur Batographie Niederösterreichs, 
Von H. Sabransky. 


Folgende Zeilen sollen sich als bescheidener Beitrag an die 
Exposition der Rubi in Haläcsy und Braun’s Nachträgen zur 
Flora Niederösterreichs (1882) anschliessen. Einige fürs Gebiet neue 
Formen habe ich desshalb mit Beschreibung versehen. Anlass bot 
mir selbstgesammeltes Materiale sowohl, als mehreres, das mir von 
befreundeten Botanikern zur Bestimmung vorgelegt wurde. 

FR. megathamnos A. Kern. (RR. bifrons > tomentosus). Zwischen 
Seebenstein und Pitten (nächst Aspang), an einem Waldrande gegen- 
über der Papierfabrik (C. Aust). Auch R. bifrons Vest. erhielt ich 
von dort in schönen Exemplaren. 

R. epipsilos Focke. Die in den „Nachträgen ete.* gegebene 
Diagnose der Wiener Pflanze stimmt so wenig zur Focke’schen Be- 
schreibung, dass Herr v. Haläcsy selbst die Identification mit 
einem Fragezeichen versah. Ich habe diese Pflanze noch nicht ge- 
sehen, doch steht der Bau der Inflorescenz, die Form des Endblätt- 
chens und das tiefrosenrothe Colorit der Blüthen mit der Original- 
diagnose nicht im Einklange. — An Bergabhängen zwischen Stein- 


bach (Gasthof) und Weidlingau habe ich eine Brombeere ange- 


troffen, die sowohl der Focke’schen Beschreibung gut entspricht, als 
auch mit bayrischen, von Dr. Progel mir mitgetheilten Exemplaren 
prächtig übereinstimmt. Besteht ein Unterschied, so ist es höchstens 
der, dass die Blüthenstielchen der Wiener Pflanze viel weniger dicht 
behaart sind, als die der Waldmünchener Exemplare. Von AR. Ra- 


82 


dula Whe. und R. Caflischii F. unterscheidet sich diese Form durch 
viel schwächere Bewehrung der Rispe, unterseits sehr dünnfilzige, 
also fast concolore Blätter und unbehaarte Schösslingsaxen. 

R. Guentheri Whe. et N., Focke Syn. Rub. Germ. p. 375. 
In den erwähnten „Nachträgen ete.“ S. 337 (nach .R. hirtus W.K.) 
folgender Weise einzufügen: 

Schössling aus niedrig bogigem Grunde liegend oder klet- 
ternd, rund, unbereift (selten blaubereift: f. pruinosa Utsch'), dicht, 
fast zottig behaart, mit ungleichen dünnen Stacheln und un- 
gleich langen Stieldrüsen besetzt. Blätter fussförmig, 5-zählig, 
selten 3-zählig, mit deutlich gestielten Seitenblättchen. Blätt- 
chen scharf, ziemlich gleichmässig gesägt, beiderseits behaart, mitt- 
leres eiförmig oder elliptisch, mit ziemlich langer Spitze. 
Blüthenzweige wollig behaart, dunkelroth-drüsig, mit 3-zäh- 
ligen Blättern besetzt, kurz ungerade bestachelt. Rispe meist kurz, 
fast. traubig, nur die untersten Aeste mehrblüthig. Kelchzipfel 
dicht duukeldrüsig, zuletzt aufrecht. Kronblätter weiss. Staub- 
gefässe einreihig roth, halb so lang als die purpurnen 
Griffel. Fruchtknoten behaart. 

An Waldrändern an der Tullnerstrasse und auf der Sophien- 
alpe nicht selten. Mitte Juli. 

Von R. hirtus W. K. unterscheidet sich diese Art durch die 
zottigbehaarten Axen, die kurzen, wie bei R. Idaeus nur eincycli- 
schen rothen Staubblätter. Z. Bayeri F. ist durch unbehaarte Schöss- 
linge, längs zugespitzte Blätter, auch ganz einreihige längere Staub- 
gefässe und grüne Griffel verschieden. Das Merkmal der rothen 
Griffel ist nicht beständig, so erhielt ich aus den bayrischen Thei- 
len des Böhmerwaldes eine Reihe grüngriffliger Formen des R. 
Guentheri. Charakteristisch aber ist die typische Tracht des R. hir- 
tus bei Kürze und Einreihigkeit der Staubgefässe. 

Am Plateau der Sophienalpe und am Wege von hier nach 
Hütteldorf sammelte ich Formen, die habituell sehr abweichen, aber 
doch hieher gehören dürfen; sie seien erwähnt als R. [Guwentheri 
W. N. var.] chlorosericeus m.: Schösslinge blau bereift, sehr 
dicht behaart; Bestachelung derber, die grösseren Stacheln aus 
breiter Basis etwas gekrümmt, ziemlich rigid; Blätter immer 
fussförmig, 5-zählig, Blättchen beiderseits grün, dicklich, oben 
dunkel, lederig, unten von kurzen, dicht abstehenden 
Haaren weich sammtig anzufühlen, das mittlere aus seicht 
herzförmigem Grunde verkehrt eiförmig oder breitelliptisch, 
mit langer Spitze. Blüthenstand lang und sehr schmal; sonst 
wie typischer R. Guentheri Whe. N. Syn.: R. malacophyllus m. ad 
amicos. 

R. eurythyrsos Sabr. et H. Braun n. sp. 

Verworren kletternder Strauch mit klimmenden Schösslin- 


'‘) Diese Form fand ich ein halbes Monat später in den kleinen Kar- 
paten bei Pressburg (an waldigen Bergabhängen nächst dem Eisenbrünnel). 


83 


gen. Diese 4—3 Mm. im Durchmesser, fünfkantig, mit streifigen 
unbehaarten Flächen, mit zahlreichen, ziemlich langen Stieldrü- 
sen, massenhaften kurzen Borsten und längeren (2:5 Mm.) unter 
sich ziemlich gleichen Stacheln besetzt; letztere aus rother, 
verbreiterter Basis schmal, dünn, aber rigid, gerade und zurück- 
geneigt, strohgelb, ziemlich zahlreich (etwa 30 im Interfolium). 
Blätter des Schössling fussförmig, 5-zählig. Blattstiele oben flach, 
unbehaart, mit gekrümmten Stacheln und sehr copiosen Drüsen 
bewehrt. Nebenblätter fadenförmig, hoch angeheftet. Theil- 
blättchen beiderseits grün, vorn zerstreut behaart, unterseits 
von einem dünnen, durchscheinend schimmernden Filz 
überzogen, das mittlere aus nur schwach herzförmigem Grunde 
breitelliptisch, mit fast parallelen Seitenrändern oder rundlich, 
mit kurzer, fast aufgesetzter Spitze, langgestielt (Stielchen halb 
so lang als der Blattstiel und das Centralblättchen). Blüthenzweig 
mit kleineren, 3-zähligen Blättern versehen; Rispe sehr lang (20 
bis 30 Ctm.), umfangreich, hochdurchblättert, bis zur 
Spitze aus mindestens dreiblüthigen, traubigen Aest- 
chen zusammengesetzt, die unteren vier- bis sechsblüthig, 
verlängert abstehend; Spindel der Inflorescenz, wie Blüthen- 
stielchen angedrückt verwoben filzig, mit dünnen Stachel- 
nadeln und langen Stieldrüsen dicht besetzt. Kelche filzig, aussen 
drüsig benadelt. Kronblätter sehr schmal, länglich, fast 
genagelt, tief ausgerandet, grünlich-weiss. Staubgefässe 
die grünen Griffel überragend. Fruchtknoten kahl. 

Wiener Umgebung: In Gesträuchen am Fusse des Exelber- 
ges bei Neuwaldegg; an der Tullnerstrasse gegen die Sophien- 
alpe (in der Nähe eines Steinbruches). Juli. 

Eine Glandulose von so auffallendem Gepräge, dass ihre Neu- 
beschreibung geboten erscheint. Der bekannte bayrische Batologe 
Herr Dr. Progel schreibt mir über sie: „Eine ganz eigenthümliche 
Pflanze, die ich vorläufig mit keiner anderen Form vergleichen 
möchte.“ Von den in Haläcsy und Braun’s Nachträgen beschrie- 
benen Glandulosen unterscheidet sich diese Art sofort durch die 
umfangreiche, verzweigte Inflorescenz, die langgestielten, relativ 
kleinen Mittelblättehen, die schmalen grünlichen, tief ausgerandeten 
Petalen und durch den starren, mehr den Radulis ähnlichen Be- 
stachelungstypus. Ueberhaupt erinnert die Pflanze beim ersten An- 
blick vielleicht mehr an R. rudis, Whe. et W., als etwa an KR. 
hirtus W. K., die langen Stieldrüsen und Anderes aber weisen s0- 
fort auf die Focke’schen Glandulosi, in deren Serpens-Gruppe R. 
eurythyrsos zu stellen ist. Der Verdacht einer hybriden Abstammung 
liegt nicht nahe, denn die Bastarde von R. hirtus mit R. tomen- 
tosus, R. bifrons, R. macrostemon (nur diese Arten wachsen in der 
Nähe) sind unserer Art nicht zu vergleichen. 

R. carpatieus Borb. et Sabr. in Verh. d. k. k. zool.-botan. 
Gesellsch. Wien XXXVI, pag. 92. Rehgraben bei Gloggnitz (Dr. ©. 
Richter Rub. exsiec. u: 28)! Eine - unbedeutende; Motlification der 


84 


von mir beschriebenen Pflanze, die vielleicht durch schwache Behaa- 
rung des Schösslings und etwas längere Inflorescenz abweicht; ganz 
genau dieselbe Form fand ich in den Eichenwäldern des Steurer- 
grundes bei Pressburg, vielleicht ist diese Form der Typus und 
meine Beschreibung einer drüsenreicheren Abänderung entnommen. 

R. oreogeton Focke. Schösslinge rundlich oder stumpfkan- 
tig, unbereift, seltener schwach bläulich bereift, unbehaart, dicht 
und sehr ungleich bestachelt, die grösseren Stacheln oft bis 
6—8 Mm. lang, strohgelb, dünn, rechtwinklig abstehend, die 
kleineren borstig, massenhaft, mit zahlreichen langgestielten Bor- 
stendrüsen besetzt. Blätter meist 3-zählig, oder fussförmig, 5-zäh- 
lig, dann das äusserste Blättchen ungestielt, sitzend, 
Blattstiel rinnig; Nebenblätter lanzettlich oder breitlineal, 
Centralblättchen aus gerundeter, oder seicht herzförmiger Basis 
oval rhombisch, bespitzt, beiderseits hellgrün und behaart. Blüthen- 
stand aus axillären Corymben bestehend, meist verlängert mit 
langen Blüthenstielen, diese verwoben behaart, lang und dicht be- 
wehrt, mit sehr langen Drüsen besetzt. Blüthen gross, weiss 
oder röthlich (var. ruber Maass). Staubfäden die Griffel über- 
ragend. Kelchzipfel reich drüsig benadelt, nach der Anthese auf- 
gerichtet. '). 

Rehgraben bei Glogenitz (Dr. C. Richter). Juni. 

Unterscheidet sich von AR. dumetorum Whe., Hal. Braun. 
sofort durch das reiche Drüsenkleid und die heteracanthe Beweh- 
rung; von .R. pseudopsis Hal. Verh. d. k. k. zool.-bot. Gesellsch. 
XXXV, pag. 668 vix Gremli und dem R. Heimerlü Hal.]. c. durch 
die dichten geraden Stacheln, die grossen Blüthen und ganz sitzen- 
den Endblättchen, von letzterer schöner Art ausserdem durch con- 
colore Blätter. Der dänische R. Jensenii Lge., für welchen Herr Dr. 
Richter diese Art nahm, ist schwächer bestachelt, sein Endblätt- 
chen tiefer herzförmig, seine Kelche aussen grün, wie bei den 
Suberectis. 

Pressburg, am 7. Jänner 1887. 


Galeobdolton luteumr Huds. 7 Zetrae mihi. 
Von J. Ullepitsch, 


Planta debilis 6—10 pollicaris, flewuosa. Radix truncata multi- 
fibrosa solummodo I—2 raro plures caules agens. Caulis quadri- 
gonus ad acies dense pilis albis deflewis obtectus. Folia inferiora (et 
caulorum sterilium) late rotundata, nunquam acuminata, longissime 
petiolata, late crenata, crenaturae aderescentes; superiora: (ab inflo- 
rescentia apicem versus) in lanceolato-cordatam formam sensim trans- 


t) Beschreibung nach mährischen Exemplaren ergänzt. 


85 


eunt, brevius petiolata, obtuse simpliciter raro biserrata; omni«a alter- 
natim opposita, opacca, corrugatula, hispidula, subtus nervosa. Petioli 
basi amplezicaules, pilis albis praeeipue ad margines dense tecti, ca- 
naliculati. Inflorescentia racaemulus ex 1—2 raro 3 verticillis tri- 
floris compositus. Calix hirtus, Önervosus ad medium Öfidus ; fissurae 
subulatae albo-acuminatae, hirtae et longioribus setis intermixtis eiliatae, 
statim patentes. Involucrum minimum 3—Jfoliatum. Corolla lutea, 
extrorsum pilosa, interdum 1—3 venis saturate purpureis longitudi- 
naliter picta; lıbium superius elongatum cochleare, margine subere- 
nulato-subundulatum; labium inferius aequaliter tridentatum, dentes 
obtusi. Filamenta unacum antheris nuda, atropurpurea. Carpellum 
triquetrum trunculatum. Semen ovale nitidum. 

Floret planta haec mense Junio in silvaticis ad pedem Tatrae 
solo granitico et calcareo, nec non in rupibus Magurae. 

Schon der generische Charakter für Galeobdolon ist gering- 
fügig, sonst wäre diese Pflanze von gründlichen Floristen nicht 
schon zu Lamium, Leonurus und Galeopsis gezählt worden. Liest 
man die Beschreibung der Pflanze bei neueren Floristen nach, so 
findet man erhebliche Abweichungen, hat es also mit einer wandel- 
baren Pflanze zu thun. 

Nur Person stellte bis nun die ß. montanum-Form auf, die 
eigentlich nur auf der Jange nach vorne gezogenen Gestaltung der Blatt- 
zähne beruht und leicht erkenntlich ist. Obbenannte Form ist zwar 
noch leichter erkenntlich, allein bei dem Umstande, dass sie hier 
stellenweise mit der typischen Form gemeinsam vorkommt und durch 
Bastartirung (?) Uebergänge hervorbringt, veranlassen mich zu dem 
Ersuchen, nicht jedes Galeobdolon aus hiesiger Gegend für die Tatra- 
form anzunehmen. 


Kniesen, Zips, Ungarn, 30. December 1886. 


— 


Merkwürdige Verwachsungen von Stämmen der Roth- 
buche (Fagus sylvatica L.). 


Von Wilhelm Voss, 


Als ich während des Sommers 1885 mehrere Wochen zu Lees 
in Öberkrain zubrachte, um die mykologischen Verhältnisse der Quer- 
thäler des oberen Savegebietes, welche theils in die julischen Alpen, 
theils in die Karawankenkette tief einschneiden, genauer kennen zu 
lernen, kam ich auch öfter nach dem naheliegenden Städtchen Rad- 
mannsdorf. Im dortigen gräfl. Thurn’schen Schlossgarten beobach- 
tete ich einige sehr merkwürdige Baumverwachsungen an Roth- 
buchen, welchs zu einer Allee ziemlich enge gepflanzt wurden und, 
_ da sie längs einer Mauer stehen, vor Sturm gut geschützt sind. 
Nach einiger Zeit erhielt ich von meinem hochgeehrten Corre- 
spondenten, Prof. Dr. P. Magnus in Berlin, eine Nummer aus dem 


86 


dritten Jahrgange (1884) der von Dr. L. Wittmack herausgege- 
benen „Garten-Zeitung“, worin auf Seite 253—256 der von Magnus 
in der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin gehaltene 
Vortrag „Verwachsungen verschiedener Stämme und Aeste“ in Wort 
und Bild wiedergegeben ist. Diese interessanten Beobachtungen be- 
ziehen sich auf Linden, eine bei Tegel nächst Berlin, die andere in 
dem alten Parke bei Schlackenwerth in der Nähe von Carlsbad in 
Böhmen; die übrigen Ausführungen besprechen Astverwachsungen 
verschiedener Laub- und Nadelhölzer. Auch R. Caspary hat in 
einem Aufsatze „Ueber zweibeinige Bäume“ in den Schriften der 
physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg (XXIII. Bd., 
1882) und Moquin-Tandon in seiner „Pflanzen-Teratologie* ähn- 
liche Naturspiele beschrieben. Als besonders bemerkenswerthe Bil- 
dung wird bei Frank (Pflanzenkrankheiten pag. 135) die Eiche in 
den Ardennen und ein Kastanienbaum auf dem Aetna (Castagno di 
cento cavalli) genannt. 

Auf dieses hin glaube ich es nicht unterlassen zu sollen, auch 
der Radmannsdorfer Buchen in Kürze zu gedenken. 


‘ Zunächst mögen zwei‘ Doppelbäume Erwähnung finden. Der 
eine (Fig. I) zeigt unten‘ zwei senkrechte‘ Stämmö, 20 und :32- Ctm.. 


87 


im Umfange, die bis auf 150 Ctm. ziemlich parallel erwachsen 
sind. Das schwächere Individuum näherte sich hierauf dem stärkeren 
Baume und verwuchs mit diesem; die Wipfel beider aber sind selbst- 
ständig weitergewachsen. An der vereinigten, 60 Ctm. langen Stelle 
beträgt der Umfang des gemeinschaftlichen Stammes 51 Ütm. 


Der zweite Baum (Fig. II) hat sich aus zwei Stämmen ge- 
bildet, die anfänglich bis auf 150 Ctm. getrennt aufwuchsen. Der 
jüngere Baum hat sich sodann schief geneigt, ist dem benachbarten 
älteren Baume entgegen gewachsen und mit ihm der ganzen Länge 
nach verwachsen. Am Grunde beider Buchen ist auf diese Art ein 
nahezu rechteckiges Thor entstanden. 


Ein weiterer, zweifüssiger Baum (Fig. III) zeigt deutlich eine 
Verwachsung auf 180 Ctm. Länge. Dadurch entstand am Grunde 
ein 55 Ctm. hohes, dreieckiges Thor. Der Umfang des einen Baumes 
beträgt vor der Vereinigung 47, nach derselben 38 —- der des an- 
deren Baumes anfänglich 31, hierauf aber 37 Ctm., er hat somit an 
Dicke zugenommen. 

Die beiden noch zur Sprache kommenden Verwachsungen schei- 
nen mir noch weit bemerkenswerther, da sie sich auf drei Bäume 
erstrecken. 


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Der erste „dreifüssige Baum“ (Fig. IV) ist aus verschieden 
starken Stämmen entstanden. Der linke Stamm, 39 Ctm. im Umfang 
messend, hat sich mit dem in der Mitte stehenden kräftigsten Baume 
in einer Höhe: von 150 Ctm. auf kurze Strecke verbunden. Die 
jüngste, rechts dargestellte Buche ist in einer Höhe von 85 Ctm. 
auf eine längere Entfernung mit ihrem Nachbar zusammengewach- 
sen. Der gemeinsame Stamm hat als weitesten Umfang nahe an 
110 Ctm. 

Im letzten Bilde (Fig. V) sind es abermals drei Stämme, die 
in höchst eigenthümlicher Weise untereinander verwachsen sind. Bei 
den beiden linken Bäumen muss die Vereinigung schon frühzeitig 
stattgefunden haben, da nur ein niedriges, dreieckiges Thor beide 
am Grunde trennt. Nach erfolgter Verbindung wuchs der Wipfel 
eines Baumes, ein Knie bildend, seitwärts und strebte hierauf in die 
Höhe. Erwähnenswerth ist noch die Brücke zwischen diesen Stämmen, 
entstanden durch einen Seitenast, der auf dem nebenstehenden Baume 
zuwachsend, mit diesem verschmolz, wodurch ein dreieckiges, mit der 
Spitze nach abwärts gekehrtes Fenster entstanden ist. — Der dritte, 
rechts gezeichnete Stamm ist durch ein grosses Thor von den neben- 
stehenden getrennt. Die Verwachsung lässt sich auf eine grosse Strecke 
verfolgen, doch haben auch hier die Wipfel verschiedene Richtungen 
im Weiterwachsen einzehalten. 

Die hier beschriebenen Abnormitäten sind sämmtlich echte 
Verwachsungen, welche bekanntlich dann erfolgen, wenn die sich 
berührenden Stämme oder Aeste aufeinander einen Druck ausüben 
und durch gegenseitige Reibung, wie sie der Wind hervorrufen kann, 
die Rinde verschwindet, worauf die beiderseitigen Cambiumschichten 
sich vereinigen. Sodann legt sich alljährlich ein gemeinschaftlicher 
Holzring um beide Stämme. Bedingung ist, dass die Bäume geschützt 
stehen, so dass sie der Sturm nicht auseinander reissen kann. Da- 
durch unterscheiden sich diese Bildungen von der blossen Stamm- 
berührung, welche bei nahestehenden Bäumen öfter erfolgt. Ein 
schönes Beispiel einer solcher kann man auf dem Wege von Tos- 
koselo nach St. Catherina in der Nähe von Laibach sehen. Da steht 
eine mächtige Fichte, welche den Stamm einer Rothbuche zu zwei 
Drittheilen umwachsen hat. Fallen diese Bäume nicht der Axt an- 
heim, so wird in einigen Jahren die Buche ganz umschlossen sein, 
so dass alsdann ein Laubbaum, scheinbar aus dem Nadelbaume her- 
vorwachsend, die Bewunderung des Naturfreundes erweckt. 

Laibach, am 22. December 1886. 


—i 


Zur Flora der Umgebung von Bielitz und Biala. 


Von Anton Baier, 


k. k. Professor an der Staats-Oberrealschule zu Bielitz. 


Auf meinen mehrjährigen und zahlreichen Excursionen in die 
Umgebung der Schwesterstädte Bielitz und Biala hatte ich hinrei- 


89 


chend Gelegenheit zu beobachten, dass seit der Herausgabe der 
„Vorarbeiten zu einer Flora von Teschen und Bielitz“ von Professor 
Karl Kolbenheyer') sich in der Flora von Bielitz und Biala einiges 
vollständig geändert hat und anderes einer Ergänzung, rücksichtlich 
Berichtigung bedarf. Besagte Schrift lag auch (die Standorte von 
Bielitz betreffend) der Abfassung von Fick’s „Flora von Schlesien“ 
zu Grunde und haben sich desshalb manche veraltete oder unvoll- 
ständige und theilweise unrichtige Angaben auch hier eingeschlichen. 
In dem Nachfolgenden will ich nun meine diessbezüglichen Wahrneh- 
mungen wiedergeben und aus der in der Kolbenheyer’schen Schrift 
eingehaltenen Reihenfolge der Phanerogamen-Pflanzen jene heraus- 
heben, über deren Vorkommnisse bedeutende Abweichungen anzuge- 
ben sind. *) Es betrifft diess besonders folgende Arten: 

Veratrum Lobelianum Bernh. Kommt auf sumpfigen Wald- 
stellen nicht nur „auf der Kamitzer Platte“, sondern auch zwischen 
feuchten Gebüschen in dem tiefer gelegenen Orte Nickelsdorf, und 
zwar blühend vor. 

Colchicum autumnale L. Ist mir „bei Bielitz* gänzlich un- 
bekannt. 

Lilium Martagon L. Findet sich zwar nicht „auf der Kamitzer 
Platte“, wohl aber auf den Ernsdorfer Gebirgswiesen, ferner in 
Lobnitz, Öberohlisch, Bistrai, am Auflusse in dem oberen Theile 
von Lipnik, in Leszezyni und Strazonka. 

Muscari comosum (L.) Mill. Ist für das Gebiet neu, eben- 
so auch 

Allium oleraceum L. Von beiden Arten habe ich seit 1880 
einige Exemplare auf den Lipniker Steinbrüchen gefunden. 

Polygonatum verticillatum (L.) All. Kommt ausser „auf der 
Kamitzer Platte und Magura“, auch am Gemsstein und Ziegen- 
bock, im Zigeunerwalde, in Nickelsdorf, Ernsdorf, Bistrai, ferner im 
Ritterschaftsthale, Auflussthale und am Hanslik vor. 

Convallaria majalis L. Konnte ich „am Trotschenberge* nicht 
finden, wohl aber massenhaft in Nickelsdorf, Altbielitz und Alzen. 

Galanthus nivalis L. Findet sich zwar noch an mehreren 
Stellen häufig, ist aber in Folge des Umstandes, als Unberufene 
geradezu barbarisch mit dieser ansprechenden Frühlingsblume um- 
gehen, in der unmittelbaren Nähe von Bielitz und Biala im Aus- 
sterben begriffen. 

Microstylis monophylla (L.) Lindl. „Am Dnnaczy, an der Ska- 
lita und Jaworzynka“ und an der Magura. 

Coralliorrhiza innata R. Br. Ist zerstreut an feuchten Waldes- 
stellen „im Bielitzer Gebirge“, u. zw. in Oberohlisch, im Zigeuner- 
walde, in Strazonka, Bistrai und Ernsdorf zu finden. 


') Als Separatabdruck aus den Schriften der k. k. zool.-botan. Gesell- 
schaft in Wien. Vorgelegt in der Sitzung vom 7. Mai 1862. 

*) Die von Kolbenheyer angegebenen Standplätze sind von mir stets 
unter Anführungszeichen gesetzt. 


0 


Orchis globosa L. Findet sich ausser auf den von Prof. Kol- 
benheyer angegebenen Standorten häufig auch in Strazonka, am 
Josefsberge, Hanslik, im Louisenthale, in Kamitz und Bistrai. 

Gymnadenia conopsea (L.) R. Br. Wird von Kolbenheyer um 
Bielitz als „häufig“ angeführt, welcher Ansicht ich aber nicht bei- 
pflichten kann, da ich nur einzelne Exemplare am Klimezok wieder- 
finden konnte. 

Gymn. albida (L.) Rich. Habe ich 1881 in drei Exemplaren 
auf der Kamitzer Platte gefunden; wäre demnach als neu für das 
Gebiet anzuführen. 

Neottia Nidus avis (L.) Rich. Kommt im Bielitz-Bialaer Ge- 
birge und zwar zerstreut, aber nicht selten vor. 

Listera ovata (L.) R. Br. Findet sich nicht bloss „am Skalita 
bei Bielitz“, sondern auch gar nicht selten in den Gebüschen von 
Lipnik, Straczonka, Altbielitz, Bielitz, Ohlisch, Nickelsdorf, Kamitz 
und Lobnitz. 

Spiranthes autumnalis Rich. Ist neu für das Gebiet, und fand 
ich seit 1880 immer wieder mehrere Exemplare auf einer grasigen 
Berglehne auf der Bistraier Seite am Ziegenbock. 

Epipactis palustris (L.) Crmtz. Kommt nicht nur „in Bucz- 
kowie, am Skalita“, sondern auch nicht selten an fast allen nassen 
Waldesstellen im Bielitzer, Bialaer und Ernsdorfer Gebirge vor. 

Arum maculatum L. Wenn das eine Exemplar, welches ich 
1882 in Nickelsdorf vorfand, massgebend sein würde, so wäre diese 
Pflanze für das Gebiet auch als neu anzuführen. 

Larix decidua Mill. Häufig in „Bistrai“, im Zigeunerwalde, 
sporadisch, wieder häufiger am Josefsberg und Hanslik. 

Juglans regia L. Ist von Kolbenheyer übersehen worden, 
da dieser aus dem Oriente stammende Baum hier häufig angepflanzt 
wird und vortrefflich gedeiht. 

Morus alba und M. nigra L. Finden sich häufig an Strassen 
und Anlagen angepflanzt, sind aber von Kolbenheyer gleichfalls 
übersehen worden. Dasselbe ist der Fall mit 

Populus italica Mnch., welcher Baum in männlichen Exem- 
plaren auch hier an Strassen und bei Maierhöfen angepflanzt ist. 
aber wie anderwärts, so auch hier schon seit Jahren ein auffälliges 
Absterben seiner Krone kundgibt. 

Atriplex nitans Schk. Ist wieder neu für das Gebiet und wurde 
von mir an Acker- und Zaunland längs der Bialka von Bielitz ab- 
wärts mehrmals in einigen Exemplaren gefunden. 

Fagopyrum esculentum Mnch. Wird von Kolbenheyer als 
hier allgemein angebaut angegeben, welche Angabe ich nicht bestä- 
tigen kann, da die für dessen Gedeihen nothwendigen Sandäcker 
hier im Grossen und Ganzen fehlen. 

Daphne Mezereum L. Ist im Abnehmen begriffen, da von den 
Kräutersammlern besagte Pflanzen mit Strunk und Stiel massenhaft 
ausgerissen und geeignetenorts verkauft werden. 

Valeriana dioica L. Kommt nicht nur „in Bueczkowie bei 


u. hä u ne 


91 


Bielitz“, sondern auch an anderen Orten, z. B. im Zigeunerwalde 
unterhalb der Jägerhütte, in Nickelsdorf und Straczonka vor. 

Dipsacus silvestre Mill. Ist wieder übersehen worden, denn es 
kommt diese Karde an steinigen Bach- und Grabenrändern, an der 
Bahnstrecke u. a. O0. um Bielitz-Biala gar nicht selten vor. 

Eupatorium cannabinum L. Ist nicht allein „in Kamitz“, son- 
dern auch in Lobnitz, Altbielitz, Oberohlisch und am Lerchenfelde 
zu finden. Ebenso findet sich 

Petasites albus Gärtn. nicht bloss „im Bistraithale“, sondern 
auch am Lerchenfelde, auf der Schreiberwiese, am Josefsberge, in 
Ernsdorf u. s. w. vor. 

Aster Amellus L. Ist neu für das Gebiet, und wurden von mir 
auf den Lipniker Steinbrüchen mehrere Exemplare nach einander 
und einmal zwei Stück am Josefsberge beobachtet. Auch ist neu 

Xanthium strumarium L., welche ich an wüsten Plätzen am 
Bilzbach in der Nähe des Bahndammes vorfand. 

Xanth. spinosum L. Wird von Kolbenheyer als „am Kir- 
chenplatz in Bielitz“ vorkommend angeführt, was in den sechziger 
Jahren der Fall war; bei der Unbeständigkeit dieser aus dem süd- 
lichen Europa bei uns durch Wolle u. dgl. eingeschleppten Pflanze 
ist es kein Wunder, wenn sie heute am besagten Platze und meines 
Wissens auch anderwärts hier nicht zu finden ist. 

Centaurea Phrygia L. Ist nicht allein „in Buczkowic“, sondern 
häufig auch in Ernsdorf, Kamitz, Lipnik und Kozy zu finden. 

Cirsium rivulare (Jacq.) Lk. Ist von Kolbenheyer für Bielitz 
gar nicht angeführt, obwohl sie an feuchten Wiesen und Niederungen 
hier nicht gar selten ist. 

Prenanthes purpurea L. Ist ausser „am Dunaczy und auf der 
Kamitzer Platte“ auch am Salzberg, Ziegenbock, Hanslik, Josefs- 
berg und im Ernsdorfer Gebirge ziemlich häufig. 

Phyteuma spicatum L. Kommt häufiger vor, als Kolben- 
heyer angibt; ausserhalb der von ihm angeführten Plätze seien auch 
Öberohlisch, Ernsdorf, Bistrai, Straszonka, der Josefsberg, Hanslik 
und das Louisenthal erwähnt. 

Campanula Cervicaria L. Kommt auch in Alzen u. zw. da- 
selbst massenhaft vor; ferner 

Camp. glomerata L. ausser „in Rybarzowic“ auch in Barzdorf. 

Lonicera Xylosteum L. Findet sich nicht nur „bei Bielitz an 
der Bilzbach“, sondern auch an vielen anderen Stellen, besonders 
aber im Bielitzer, Bialaer und Ernsdorfer Gebirge. Von 

Lon. nigra L. führt Kolbenheyer gar keinen Standort bei 
Bielitz an, obwohl dieser Strauch in den hiesigen Wäldern gar nicht 
selten anzutreffen ist. Auch 

Sambueus Ebulus L. ist auf Feldern und Waldwiesen im 
Bistraithale und Grodzisker Thale bei Bielitz zu finden; besonders 
aber findet sich \ 

Samb. racemosa L. in den hierortigen Wäldern und Gebüschen 
ziemlich häufig und keineswegs bloss in „Szezyrk bei Bielitz“. 


Gentiana cerueinata L. Ist zerstreut auf den Lipniker und 
Bialaer Steinbrüchen. 

Erythraea ramosissima (Vill.) Pers. Nicht bloss „in Altbielitz 
und Buczkowic“, sondern auch in Ernsdorf, Lipnik und im hiesigen 
Gebirge zu finden. 

Sahria glutinosa L. Ist an den von Kolbenheyer angeführ- 
ten Standplätzen, häufig aber auch im hiesigen (ebirge, in Altbielitz 
und Straczonka. 

Salv. pratensis L. Ist neu für das Gebiet, und findet sich längs 
des Bahndammes von Bielitz abwärts. 

Origanum vulgare L. Findet sich zerstreut „in Bistrai* im 
Bett der Biala unterhalb Bielitz, in Nickelsdorf bei der städtischen 
Brettsäge und in Lobnitz. 

Lamium Galeobdolon (L.) Crntz. Kommt mitunter haufenweise 
keineswegs nur „in Lobnitz“, sondern auch im Schiesshausgarten in 
Bielitz, im Otterwäldchen, am Mühlberge, sowie in Niederungen 
der umliegenden Gebüsche, ferner noch in Öhlisch, Alzen, Lipnik 
und Straczonka vor. 

Galeopsis Ladanum L. (z. Th.) Auf Kalkboden bei Bielitz- 
Biala und Umgebung fast gemein. 


Gal. speciosa Mill. Ist im hiesigen Gebirge und in feuchten 
Gebüschen nicht selten. 

Gal. pubescens Bess. Wird von Kolbenheyer bei Bielitz gar 
nicht angeführt, während Aecker, Wege, Gräben und Waldschläge 
häufig damit wie besäet sind. Ein für das Gebiet ganz neuer Lippen- 
blüthler ist 

Teuerium Scorodonia L. Seit 1877 fand ich alljährlich auf 
steinigen Waldesstellen geradezu viele Exemplare in Bistrai, am 
Ziegenbock, Salzberg und Kolowrat. 

Verbena officinalis L. Ist sporadisch um Bielitz-Biala und 
Umgebung. 

Cynoglossum offieinale L. Erhält sich in wenigen Exemplaren 
auf galizischer Seite unterhalb des ersten Wehres bei Bielitz. 

Cuscuta Epithymum (L.) Murr. Ist neu für das Gebiet, schma- 
rotzt auf Kleefeldern u. dgl. in Ernsdorf, Lipnik, Altbielitz, Matzdorf 
und Kozy. Dagegen wieder sind von Kolbenheyer 

Datura Stramonium L. und Hyoscyamus niger L. unter den 
Pflanzen angeführt, welche auch in dem hiesigen Gebiete überall 
vorkommen sollen, was ich heute jedoch entschieden negiren muss, 
da weder die eine noch die andere, trotz eifrigen Suchens, wild zu 
finden mir möglich war. 

(Schluss folgt.) 


— do 


95 


Ueber die Ursachen der Haarbildung im Pflanzenreiche. 
Von Franz Krasan. 


(Schluss.) 


Am 8. Mai hatte, wie schon bemerkt worden, in Steiermark 
ein empfindlicher Frost die Wälder, Weinberge, Obstgärten und 
Feldfluren heimgesucht. Manche Bäume wurden gänzlich ihres ersten 
Laubes beraubt, so insbesondere Eiche und Rothbuche. Der Wein- 
stock hat in den meisten Gegenden argen Schaden gelitten. Andere 
Lignosen schienen weniger empfindlich gegen den Frost, z. B. die 
Espe, Populus tremula. Allein es zeigte sich bald, dass auch bei 
dieser Pflanze Wirkungen eintraten, die, wenn auch nicht zerstören- 
der Natur, doch als Folgen des Frostes zu betrachten sind, nur 
dass sich noch ein anderer Factor daran betheiligte; denn als vom 
11. Mai an die Temperatur rasch zu steigen begann, erschienen alle 
Stocktriebe und Wurzelloden, die von da an während der sehr em- 
pfindliehen Hitze bis zum Ende des Monates sich entwickelt hatten, 
behaart, diejenigen aber, deren Entwicklung bereits anfangs Mai 
(also vor dem Eintritte des Frostes) begonnen hatte, kahl. In der 
zweiten Hälfte des Juli folgte eine zweite Hitzeperiode, und siehe 
da, der Zuwachs der Sprosse während derselben zeigte wieder an 
Blättern und Achsentheilen Behaarung, dagegen waren jene "Theile 
des Sprosses, welche in den verhältnissmässig kühlen Tagen von 
Mitte Juni bis Mitte Juli zugewachsen sind, ohne Behaarung. Die 
Aufeinanderfolge von kahlen und behaarten Theilen der Sprosse ent- 
sprach in unverkennbarer Weise dem Gange der Temperatur und 
Bewölkung des Himmels. Am reichlichsten war die Behaarung an 
denjenigen Strecken der Stocktriebe, welche gleich bei Beginn der 
heissen Tage des Mai, 4—7 Tage nach dem Froste, sich zu ent- 
wickeln begonnen hatten. 

Ich möchte es kaum bezweifeln, dass der durch den fast plötz- 
lichen Wechsel von Kalt und Warm bedingte intensive Reiz den 
Hauptantheil an dieser Erscheinung hatte. Dafür spricht auch der 
Umstand, dass die Alternation von kahlen und behaarten Theilen 
an einem und demselben Spross am auffälligsten dort sich einge- 
stellt hat, wo die Pflanze im Frühjahre dem Froste, im Sommer 
aber der Hitze und Trockniss am meisten ausgesetzt war. Im 
Dickicht und sonst an schattigen Stellen ist die Erscheinung aus- 
geblieben. 

Im Ganzen gleicht letztere gar sehr dem bei Rubus suberectus 
beobachteten Phyllerium, nur dass hier kahle und behaarte Blüthen- 
zweige am selben Stamme gewöhnlich abwechseln, bei Populus tre- 
mula aber kahle und behaarte Strecken auf demselben Zweige en 
Damit hängt wohl die Entstehung einer pubescenten Varietät 
der Espe (P. tremula var. pubescens) zusammen, jedoch keineswegs 
so dass ein und dasselbe asian durch mehrmals sich wiedor- 
holende Temperaturwechsel allmälig an Behaarung zunehmen müsste: 

8 


Osstarr. botan, Zeitschrift, 3. Heft, 1887, 


04 


die neue Varietät geht an solchen Localitäten, wo ein plötzlicher 
Wechsel von Warm und Kalt, Licht und Dunkel öfters stattfindet, 
wie ich nun annehmen darf, aus Samen hervor, und die Behaarung 
nimmt mit jeder aus Samen entsprossenen (Generation zu, wenn jene 
klimatischen Factoren stetig fortwirken. 

Unter ähnlichen Umständen tritt das Phyllerium an den Blät- 
tern von Potentilla opaca L. (P. verna Autor. plur.) und P. arenaria 
Borkh. auf, ferner auch bei Campanula caespitosa Seop. Letzteres 
beobachtete ich im Sommer 1885 an einem felsigen Bergabhang bei 
Lengenfeld an der Save in Oberkrain, und zwar an vielen Exemplaren 
dieser zierlichen Campanula. Die Blätter sind mehr oder weniger 
der Länge nach eingerollt und stellenweise gleichmässig mit kurzem 
ziemlich dichtem Haar bekleidet, dazwischen war aber keine Spur 
eines Phytoptus oder eines anderen parasitischen Wesens zu finden. 
An manchen Exemplaren zeigten sich auch Stengel, Blüthenstiele 
und Kelche mit gleichmässigem, aber mehr zerstreutem Haar besetzt. 

In der Umgebung von Graz (und auch sonst) kommt eine kurz- 
haarige Varietät der Oampanula persicifolia L. vor.‘) Man trifft sie 
an trockenen, von Vegetation fast entblössten Stellen häufig an, wo 
die Sonne ungehindert einwirkt und die wenigen dort kümmerlich 
wachsenden Pflanzen im Winter keinen Schutz vor dem trockenen, 
rauhen Lufthauch finden, an schattigen, geschützten Localitäten dagegen 
nur ausnahmsweise. *) Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese Varietät 
ursprünglich von jenen ersteren Oertlichkeiten ausgegangen ist und 
sich allmälig von dort weiter im Lande verbreitet hat, nachdem 
die Fähigkeit Haare zu erzeugen, bei der Pflanze erblich geworden 
ist. Aber ein Phyllerium, d. i. eine ungleichförmige Behaarung in 
Form von Filzrasen oder Sammtflecken habe ich noch nicht gefunden. 
Zeigte sich ursprünglich die Trichombildung als Phyllerium, oder 
trat die Behaarung unmittelbar an den aus Samen an obigen Locali- 
täten hervorgegangenen Pflanzen auf? Diese Frage lässt sich derzeit 
noch nicht beantworten. 


‘) Die Behaarung fällt hauptsächlich am Stengel auf und dann zunächst 
an der Unterseite der Blätter, ist aber auch oberseits an diesen oft mit freiem 
Auge leicht bemerkbar. Oberseits ist dieselbe weniger augenfällig (als auf der 
Unterseite und am Stengel) wegen der geringeren Entwicklung der einzelnen 
Haare, deren nur wenige vollkommen ausgewachsen sind. In ihrer Mehrheit 
repräsentiren diese mangelhaft, mitunter abnorm ausgebildete Trichome, indem 
sie zunächst als eigenthümliche Zellwandpfropfen (etwa in der Mitte der Aus- 
senwand der Epidermiszellen) auftreten und von da an sich in allmähligen 
Abstufungen der Normalform der Pflanzenhaare nähern. 

”) E. Heinricher: Ein reduciertes Organ bei Campanula persieifolia 
und einigen anderen Campanula-Arten. Berichte der Deutschen Botanischen 
Ges: Ilschaft, III. Jahrg. 4. Heft 1885. — Der Autor bringt hier die morpho- 
logischen und anatomischen Eigenthümlichkeiten solcher Haargebilde durch 
Wort und Bild zur Anschauung, und es wäre zu wünschen, dass auch die 
Trichome der wirklichen Phyllerien und Cecidien eine ähnliche ebenso gründ- 
liche Bearbeitung finden möchten, weil sich alsdann durch mehrseitige Verglei- 
chung mit gewissen normalen Trichomen in manchen Fällen der Ursprung der 
Behaarung genauer ermitteln liesse, 


95 


| Bei Verfolgung solcher morphologischer Erscheinungen an Pflan- 

zen kommt man nach genauerer Prüfung der den einzelnon Stand- 
orten zukommenden Eigenthümlichkeiten schliesslich auf klimatische 
Factoren, von denen augenscheinlich die Anregung zur Trichombil- 
dung ausgeht: Boden und Atmosphäre sind hiebei betheiligt; es 
wäre aber ein arger Fehler, darin die einzige und letzte Ursache 
derselben zu erblicken. 

Nicht alle Arten sind für dieselben Reize gleich empfänglich. 
Während aus der kahlen Camp. persicifolia an sterilen sonnigfreien 
Standorten eine haarige Varietät entsteht, bleiben daselbst z. B. G«- 
lium lueidum, Polygala Chamaeburus, Campanula rotundifolia u. a. 
beständig kahl. Schon darin vermögen wir einen Fingerzeig zu er- 
blicken, wie sehr die Wirkung jener klimatischen Agentien von der 
inneren, nicht genauer definirbaren Natur der Pflanze abhängig ist, 
was wir mit den Worten anzudeuten pflegen: die Pflanzen verhalten 
sich in Bezug auf die Fähigkeit, Behaarung anzunehmen, verschieden 
je nach Gattung und Art. 

Die durch intensiveres Licht, Frost, anhaltende Nässe, excessive 
Trockenheit, überhaupt durch plötzliche oder ungewöhnliche Aen- 
derungen der Lebensverhältnisse bedingten Reize bewirken, bevor 
sie in den Missbildungen oder im Auftreten abnormer Behaarung 
symptomatisch sich ankündigen, eine Modification der Assi- 
milationsprodukte. Ist einmal die Pflanze oder ein Theil derselben 
solcherart afficirt, so lässt sich nicht mehr sagen, dass die in den 
betreffenden Organen enthaltenen Stoffe dieselben substantiellen Eigen- 
schaften haben wie früher, und es ist einfach eine Thatsache der 
gewöhnlichsten Erfahrung, wie sehr gerade die kränkelnden Pflan- 
zen, resp. Organe und Organtheile, von parasitischen Thieren und 
Pilzen befallen zu sein pflegen. Es muss doch die veränderte Qua- 
lität der Pflanzensäfte sein, was die Schmarotzer anzieht. Aus 
meinen eigenen Beobachtungen sind mir folgende Fälle bekannt: 

1. Eichen, welche an solchen Localitäten wachsen, wo sie häufig 
im Frühjahr Frösten ausgesetzt sind, also an Waldrändern, an freien 
Bergabhängen, wo zugleich der rascheste Wechsel von Licht und 
‚Schatten, Warm und Kalt stattfindet, werden am meisten von Raupen 
und Maikäfern heimgesucht, die Früchte werden fast sämmtlich 
von dem Nussbohrer (Balaninus) angestochen. 2. Die Rothbuche 
(Fagus) fand ich, so oft das Laub durch einen Maifrost versengt 
‚oder irgendwie empfindlich beschädigt wurde, derart von der Gall- 
mücke (Ceridomyia fagi) befallen, dass jedes Blatt mit 1 bis 4 Gallen 
besetzt war. Man bemerkte an den gallentragenden Blättern gelbe 
Flecks und Kräuselung, auch sonstige Verkrümmungen der Lamina. 
jene Blätter aber, welche vom Froste nicht beschädigt waren, er- 
schienen gleichmässig grün und glatt, trugen auch nur ausnahms- 
ise da und dort eine Galle, 3. Bei der gemeinen Esche (Frasinus 
@wcelsior) bewirkt der Frost sehr häufig eine Verkrümmung und zu- 
gleich Verdickung der Blattachse; wenn man den entstellten Theil 

srselben der Läuge nach öffnet, findet man regelmässig darin Ceci- 
gr 


domyien-Larven. 4. Eine der häufigsten Wirkungen des Spätfrostos 
zeiet sich beim Kirschbaum, bei der Esche, Ulme, dem Hollunder, 
Goldribes, Weissdorn ete. in einer Verkrümmung und Randrollung 
des Blattes, aber die eingerollte Unterseite desselben beherbergt ge- 
wöhnlich Myriaden von Blattläusen. 

Würde man auch nicht durch den Augenschein sich überzeugen, 
dass es der Frost ist, der solehe Missbildungen veranlasst, so würde 
schon die so oft gemachte Wahrnehmung, an den verschiedensten 
Bäumen ähnliche Blattläuse in Menge gesehen zu haben, ohne dass 
eine Verkrümmung oder Randrollung eingetreten wäre, genügen den 
Glauben zu erschüttern, als ob die Deformation des Blattes in 
solchen Fällen von Parasiten aussehen müsste. 

An Verbascum orientale Koch. fand ich unzählige Male bla- 
sige Auftreibung (Aufblähung) des Blüthenkelches mit vermehrtem 
Haarfilz, aber bei Lotus corniculatus L. begegnete ich an mehreren 
Stellen derselben Missbildung des Kelches, doch ohne Behaarung; 
und gleichwohl traf ich kleine Fliegenlarven in dem deformirten 
Kelche der letzteren Pflanze ebenso gut wie bei Verbascum. Es lässt 
sich also mit grosser Wahrscheinlichkeit behaupten, dass bei diesem 
vermehrte Behaarung an dem afficirten Organe entsteht, weil sich 
schon überhaupt bei Verbaszum die Disposition Haare zu bilden, 
vorfindet; bei Lotus corniculatus fehlt es der Pflanze an Fähigkeit 
Haarfilz hervorzubringen. Würde die Verletzung durch parasitische 
Insecten im Stande sein, dem betreffenden Organ diese Fähickeit zu 
ertheilen (wobei wir uns die Verletzung als einen Impuls oder als 
eine Anregung zu denken hätten), so würde im vorliegenden Falle 
auch der aufgeblähete Kelch bei Lotus filzig behaart sein. 

Analog wird es sich mit dem Phytoptocecidium von Thymus 
verhalten. Das Auftreten des Haarfilzes ist nur von symptom ati- 
scher Bedeutung: es zeigt an, dass die Pflanze unter klimatischen | 


Verhältnissen lebt, unter denen sie sich die Fähigkeit der Haarbildung 
angeeignet hat, und es genügt nur ein schwacher Impuls (der durch 
die Verletzungen des Phytoptus ausgeübte Reiz) die Trichombildung 
thatsächlich zum Vorschein kommen zu lassen. Man denke sich nur 
dieselben klimatischen Einflüsse von dauernderer und intensiverer 
Wirkung, und die Behaarung würde auch olıne Intervention des Pa- 
rasiten, und zwar gleichmässig (nicht als Phyllerium) an den näch- 
sten aus Samen sich entwickelnden Generationen hervortreten: es 
würde eine varietas hirsuta s. lanuginosa entstehen. Die primär 
Ursache der Haarbildung ist also unter allen Umständen im vorlies 
genden und in zahlreichen anderen Fällen ausserhalb des durch den 
Parasiten ausgeübten Reizes zu suchen; sie ist als eine Folge theils 
momentan, theils stetig wirkender Potenzen zu betrachten, die aus‘ 
klimatischen Verhältnissen entspringen; auch ist sie mit einer 
gleichzeitigen Veränderung der Säfte des pflanzlichen Organismus 
aufs innigste verknüpft; letztere aber bedingt die Ansiedlung der ent- 
sprechenden Parasiten an den affieirten Theilen desselben, welche 
ihrerseits dem Forscher einen Fingerzeig geben, ob sich die Pflanze 


97 


als Individuum, „Form“ oder Species im Zustande einer auf Tricho- 
“ manie beruhenden Umbildung befindet oder nicht. 

Nicht jedes Erineum oder Phyllerium muss daher von Parasiten 
erzeugt sein, und selbst ein solches, in dem wir Gallmilben finden, 
kann mitunter aus ganz anderen Ursachen (als durch die Infection, 
bewirkt durch Schmarotzer) entstanden sein. Anders verhält es sich 
mit der Neigung mancher Pflanzen Behaarung anzunehmen (Tricho- 
manie), wenn wir die Erscheinung an Topfpflanzen oder an Bäumen 
und Sträuchern in den Gärten beobachten. So pflegt z. B. der Berg- 
ahorn (Acer Pseudoplatanus) in den Alleen und Parkanlagen der 
Städte unterseits behaarte Blätter zu haben und mit Legionen von 
Blattläusen (die gleichfalls unterseits daran saugen) behaftet zu 
sein. ' 

oder das Auftreten der Blattläuse, noch die Fähigkeit der 
Pflanze Trichome an der Unterseite der Blätter zu bilden, lässt sich 
hier durch klimatische Ursachen erklären. Meines Erachtens hängt 
diese Erscheinung mit denjenigen Reizursachen zusammen, welche 
auf einer Uebersättigung des Organismus mit ammoniakalischen 
Stoffen und phosphorsauren Salzen beruhen und daher als Folge 
einer Degeneration der Pflanzensäfte zu betrachten sind. Die Blatt- 
läuse finden daran ein geeignetes Substrat, aber es ist sehr zweifel- 
haft, dass sie bei der Erzeugung der Pubescenz anders mitwirken als 
der Phytoptus oder die Cecidomyiden-Larven, wenn überhaupt ein 
Impuls zur Haarbildung von ihren Stichen und Verletzungen aus- 
gehen sollte. 

Graz, den 31. October 1886. 


—— 


Beiträge zur Kenntniss der Bergalgenlora Böhmens, 
Von Dr. Anton Hansgirg in Prag. 


(Schluss.) 


f Die Algenflora der Sandsteinfelsen der Kreide-, Steinkohlen-, 
_ Dyas- und Tertiärformation in Böhmen ist wegen ihrer grösseren 
- Einförmigkeit und ihres geringeren Reichthums an seltenen Algen- 
formen für die Algologen weniger anziehend, als die im silurischen 
BE elsengebiste stellenweise viel reichlicher und mannigfaltiger ent- 
 wickelte Algenvegetation. Von selteneren, fast ausschliesslich an 
feuchten Sandsteinfelsen, insbesondere in höheren Lagen in der eigent- 
lichen Bergregion vorkommenden blaugrünen Algen seien hier bloss 
folgende namentlich angeführt: Calothriw sabulicola (A. Br.) Kreh. 
Schizosiphon sabulicola A. Br.), 2. Microcoleus hyalinus (Ktz.) Krch. 
Schizotriv hyalina Ktz.), 3. Lyngbya rufescens (Ktz.) Kreh. var. 


1 *) Im Gebirge und in den Wäldern, fern von den menschlichen Ansied- 
lungen habe ich weder Behaarung noch Blattläuse daran gefunden. 


98 


Leveilleana (Ktz.) nob. (IIypheothrie Leveilleana Ktz.), 4. Gloeocapsa 
sabulosa (Menegh.) Rich. mit Chroococeus sabulosus (Menegh.) nob., 
5. Gl. montana Ktz. var. flavoaurantia Ktz. Die zuletzt genannte 
Gloeocapsa-Art kommt jedoch, wie auch die folgenden, an feuchten 
Sandsteinfelsen vorzugsweise verbreiteten Phycochromaceen: Gloeocapsa 
quaternata (Breb.) Ktz., Gloeocapsa Paroliniana Breb. auch als var. 
grumosa Breb., Gl. magma (Breb.) Ktz. in verschiedenen Varietäten, 
@l. sanguinea (Ag.) Ktz., Stigonema erustaceum (Ag.) Kreh. (Siro- 
siphon erustaceus (Ag.) Rbh. und mehrere andere auch noch im 
Urgebirge an feuchten Felsen etc. vor. 

Von chlorophyligrünen Algen, welche ausschliesslich an feuch- 
ten Sandsteinfelsen verbreitet sind, habe ich in Böhmen bisher bloss 
Acanthococeus acieuliferus Lagsh. var. pulcher nob. und Cosmarium 
botrytis (Bory) Menegh. var. emarginatum nob. kennen gelernt. 

Wenn wir aus der Region der Hügel in die Region der Berge 
und des Hochgebirges übergehen, so finden wir, dass in solchen Ge- 
genden, in welchen der Uebergang allmälig erfolgt, scharfe Grenzen 
zwischen den Algenfloren einzelner Regionen nicht existiren und dass 
einzelne charakteristische Vertreter der einen oder der anderen Re- 
gion sich nicht selten in die angrenzende Region verpflanzen. 

Diejenigen Algenarten, welche die Berg- und Hochgebirgsregion 
vor allen anderen bevorzugen, sind meist auf feuchten Felsen, in 
Bergbächen, Quellen, Seen und in verschiedenen anderen stehenden 
und fliessenden Gewässern, vorzüglich an deren Rande oder auf im 
Wasser untergetauchten Steinen und anderen festen Gegenständen, 
auf der Rinde alter Waldbäume, auf feuchten Felsblöcken etc. vor- 
zufinden. 

An solchen Standorten kommen von den Rhodophyceen folgende 
Seltenheiten der Bergregion Böhmens vor: 1. Lemanea fluviatilis (L.) 
Ag., 2. L. annulata (Ktz.) Sirod., 3. L. torulosa (Roth) Sirod., 
4. Batrachospermum moniliferum Roth, zumal als var. pulcherrimum 
Bory und var. confusum (Hass.) Rbh. (B. confusum Hass.) sowie 
var. atrum (Dillv.) Rbh., 5. B. vagum (Roth) Ag., meist als var. 
keratophytum (Bory) Sirod. (B. suevorum Ktz.), 6. Chantransia cha- 
Iybea Fries in verschiedenen Varietäten, 7. Oh. Hermanni (Roth) 
Desv., 8. Ch. pygmaea Ktz., 9. Ch. violacea Ktz., 10. Hildenbrandtia 
rivularis Ag. 

Um Wiederholungen zu vermeiden, bemerke ich schon an dieser 
Stelle, dass die meisten hier angeführten Rhodophyceen auch noch 
in die Region des Hochgebirges hinaufsteigen, was, nebenbei gesagt, 
auch von den meisten weiter unten angeführten braunen, blau- und 
chlorophyligrünen Bergalgen gilt. 

Von den Phaeophyceen sind für diese Region besonders Litho- 
derma flwviatile Aresch. und Hydrurus foetidus (Vill,) Kreh., wel- 
cher daselbst in verschiedenen Varietäten vorkommt, bezeichnend. 

Was die Chlorophyceen und Cyanophyceen (Phycochromaceen) 
betrifft, so wäre es uns ohne detaillirte Beschreibung der beiden, 
in den höchsten Gebirgen nicht scharf von einander abgegrenzten 


99 


Alsenfloren schwer möglich, hauptsächlich wegen der noch sehr 
mangelhaften Kenntniss von der Verbreitung der einzelnen Algen- 
arten in der Berg- und Hochgebirgsregion die einzelnen Repräsentan- 
ten dieser beiden Nachbarregionen von einander zu trennen, wesshalb 
wir auch auf eine Zweitheilung derselben hier lieber verzichten. 

Die Hauptvertreter der chlorophyligrünen Algen in der Berg- und 
Hochgebirgs-Algenflora sind folgende: 1. Prasiola erispa (Lightf.) 
Menegh. var. sudetica nob., 2. Ulothrix tenuis Ktz., 3. U. mirabilis 
nob., 4. Stigeoclonium Falklandicum Ktz. var. longearticulatum nob., 
5. Conferva amoena Ktz., 6. Rhizoclonium fluitans Ktz., 7. Clado- 
phora declinata Ktz., 8. Trentepohlia uncinata (Gobi) nob. (Chroo- 
lepus uneinatum Gobi), 9. Tr. abietina (Flot.) Wille., 10. Tr. polithus 
(L.) Wille., auch als var. bovina (Flot.) Rbh. (Chroolepus bovinum 
Flot.), 11. Stephanosphaera pluvialis Cohn, 12. Sphaerella pluvialis 
(Flot.) Wille., 13. Cylindromonas fontinalis nob., 14. Gloeocystis 
rupestris (Lyngb.) Rbh., 15. Palmella mucosa Ktz., 16. Inoderma 
majus nob., 17. Stichococcus bacillaris Näg. var. mawimus nob., 
18. Urococcus insignis (Hass.) Ktz., 19. Acanthococeus hirtus (Reinsch) 
Lagrh., 20. Mesotaenium violascens De By., 21. M. Braun De By., 
22.M. chlamıdosporum De By., 23. M. Endlicherianum Näg.. 24. Öy- 
lindroeystis Brebissonii Menegh., auch als var. Jenneri (Ralf.) Krch. 
(P. Jenneri Ralls). 25. Penium oblongum De By., 26. P. interrup- 
tum Breb., 27. Spirotaenia condensata Breb., 28. Closterium obtusum 
Breb., 29. ©. strigosum Breb., 30. Disphynetium Ralfsii (Ktz.) nob. 
Caloeylindrus Ralfsii (Ktz.) Kreh., 31. D. minutum (Cleve) nob. 
(Penium minutum Cleve), 32. D. palangula (Breb.) nob. (Calocylin- 
drus palangula (Breb.) De By., 33. Tetmemorus granulatus (Breb.) 
Ralfs, 34. T. minutus De By., 35. Cosmarium ovale Ralfs, 36. C. 

 punctulatum Breb., 37. ©. notabile Breb., 38. ©. pusilum Breb., 39. ©. 

 pulcherrimum Nordst., 40. ©. Brebissonii Menegh., 41. Arthrodesmus 

| octocornis Ehrb., 42. A. incus (Breb.) Hass., 43. Micrasterias pa- 

_ pillifera (Ktz.) Ralfs, 44. Staurastrum margaritaceum (Ehrb.) Menegh., 

45. 8. laeve Ralfs, 46. S. pygmaeum Breb., 47. S. hirsutum (Ehrb.) 
Breb., 48. S. pungens Breb. 49. S. pseudofureigerum Reinsch, 50. 8. 
crenulatum (Näg.) Delp., 51. 8. polymorphum Breb. 

Viele von den hier verzeichneten meist in der Bergregion ver- 
breiteten Chlorophyceen, zu welchen sich noch viele andere, hier 
nicht angeführte, weniger seltene gesellen, steigen jedoch von ihren 
Regionen nicht selten in die angrenzende submontane Region herab. 

Von den blaugrünen Algen kommen in der Berg- und in der 
Hocligebirgsregion folgende Arten fast ausschliesslich vor: 1. Stigo- 

 nema panniforme (Ktz.) Bzi (Sirosiphon panniformis Ktz., 2. 8. 
compactum (Ktz.) Bzi (Sirosiphon compactus Ktz.), 3. 8. erustaceum 
_ (Ag.) Bzi auch als var. brewis (Ktz.) Rbh. (Sirosiphon hrevis Ktz.) 
und var. rhizoides (Breb.) nob. (5. rhizoides Breb.), 4. 8. ocellatum 
(Dillw.) Thr. 5. S. mamillosum Ag., auch als var. atrovirens (Dillw.) nob. 
5. atrovirens (Dillw.) Ag., 6. *S. hormoides Ktz. nob. (Sirosiphon hor- 
moides Ktz.), 7. Scytonema cineinnatum (Ktz.) Thr., 8. Tolypothriw 


100 


Wimmeri (Hilse) Kreh., 9. Plectonema mirabile (Dillw.) Thr., 10. P. 
phormidioides nob., 11. Desmonema Dilwynü Berk et 'Thwait. 
Coleodesmium Wrangelü (Ag.) Bzi, 12. Calothrie Orsiniuna (Ktz.), 
Thr., 13. *C, intertexta (Grun.), Kreh. 14. ©. parietina (Näg.) Thr. var. 
pluvialis (A. Br.) Thr.? (Mastichonema pluviale A. Br.), 15. Miero- 
chaete tenera Thr. (Coleospermum Goeppertianum Kreh.), 16. Nostoc 
verrucosum Vauch., 17. * Mierocoleus aurantiacus (Ktz.), nob. (Schizo- 
thrie aurantiaca Ktz.), auch als var. variecolor Rbh., (Schizothriw 
variecolor Rbh.), 18. Inactis lacustris (A. Br.) nob. (Hydrocoleum 
lacustre A. Br.) 19. I. heterotricha (Ktz.) Krch., 20. Symploca minuta 
(Ag.) Rbh., 21. S!melanocephula Ktz., 22. S. Flotowiana Ktz., 23. 8. 
Friesii (Ag.) Rbh., 24. Lyngbya purpurascens (Ktz.) nob. (Leptothrix 
purpurascens Ktz.), 25. L. sudetica (Nave) Krch., 26. L. variegata 
(Näg.) (Hypheothrie variegata Näg.), 27. L. cataractarum (Rbh.) 
nob., (Phormidium cataractarum Rbh.), 28. L. Boryana (Ktz.) Kreh. 
(Phormidium Boryanum Kreh.), 29. L. fonticola (Ktz.) Kreh., 30. L. 
Meneghiniana (Ktz.) nob. (Phormidium Meneghinianum Ktz.) auch 
als var. erassiuscula (Ktz.) Rbh. (Ph. erassiusculum Ktz.), 31. L. 
subfusca (Vauch.) nob. (Oscillaria subfusca Vauch.), 32. L. rupestris 
(Ag.) nob. (Oseillaria rupestris Ag.), 33. L. nigra (Vauch.) nob. 
(Oseillaria nigra Vauch.), 34. *L. Schröteri (Schröt.) nob. (Oseillaria 
brevis Schröt. '), 35. Synechococcus aeruginosus Näg., 36. S. brunneolus 
Rbh., 57. *S. major Schröt., 38. Chamaesiphon polonicum (Rostaf.), 
nob. (Sphaerogonium polonicum Rostaf.), 39. Aphanothece pallida (Ktz.) 
Rbh., 40. Oncobyrsa rivularis (Menegh.) Rbh., 41. Aenocsoceus Ker- 
neri?) nob., 42. Gloeocapsa nigrescens Näg., 43. @l. livida (Carm.) 
Ktz., 44. Gl. nigra (Menegh.) Grun., 45. Chroococeus montanus nob., 
46. Chr. fuscoater (Ktz.) Rbh. 

Nur verhältuissmässig wenige von diesen bis in die höchsten 
Gebirgslagen hinaufsteigenden Cyanophyceen und Chlorophyceen treten 
auch noch ausnahmsweise in tieferen Regionen auf, so z. B. Micro- 
chaete tenera, Aphanothece pallida, Palmella mucosa, Stichococcus 
bacillaris, var. mawimus, Inoderma majus, Olosterium obtusum, Tet- 
memorus Brebissonii U. a. 

Folgende Algenarten sind bisher bloss in höheren und höchsten 
Lagen des Riesengebirges beobachtet worden°®): *Lemanea sudetica, 


') Da schon früher von Kützing eine andere Oseillaria brevis (Lyngbya 
brevis [Ktz.] nob.) beschrieben wurde, so habe ich den Namen der von Schröter 
im Riesengebirge viel später entdeckten Oseillaria brevis in Lyngbya (Oseil- 
laria) Schröteri umgewandelt. 

*) Diese zu Ehren des Herrn Hofrathes Prof. Dr. R. v. Kerner in Wien 
benannte neue blaugrüne Alge wird mit einigen anderen neuen Algenarten etc. 
vom Verf. bald in einer grösseren Schrift beschrieben und abgebildet werden. 

») Die Algenflora dieser Region ist weniger durch das Auftreten von 
besonderen Algenformen als vielmehr durch das Fehlen der meisten in der 
Ebene und im Hügelterrain verbreiteten Algen charakterisirt. Die Vertreter 
der Allerwelts-Algenflora kommen in höheren Lagen des Riesengebirges bloss 
in der nächsten Nähe der Menschenwohnungen und zwar nur in beschränkter 
Artenanzahl vor. 


101 


Stigonema alpinum (Ktz.) Kreh., *Nostoc collinum Ktz. (inel. N. 
sudeticum Ktz.), *Calothrix intertexta, * Lyngbya Schröteri, *Syne- 
chocoecus major, *Gloeocapsa purpurea Ktz., *Cosmarium smolan- 
dieum Lund. var. angulosum Kreh., *C. venustum Rbh., *C. erena- 
tum Ralfs., ©. margaritiferum (Turp.) Menecgh. var. ineisum Kreh., 
C. caelatum Breb., *Staurastrum muricatum Breb., *S. pileolatum, 
Breb., *S. dejectum Breb. var. sudeticum Kıch., * Mierasterias Jen- 
neri Ralfs. 

Ausser diesen dem Riesengebirge, wie es scheint, ausschliesslich 
eigenen Algenarten, von welchen ich die mit * bisher selbst noch 
nicht gesammelt habe, sind auch Ulothrie mirabilis und Prasiola 
crispa var. sudetica bisher bloss innerhalb des Riesengebirges ver- 
breitet von mir angetroffen worden. 

Doch möchte ich auf Grund meiner sonstigen algologischen 
Beobachtungen selbst diese Algenformen, welche von Kirchner‘) 
und Schröter *) nebst einigen anderen Algenarten, welche ich auch 
ausserhalb des Riesengebirges in Böhmen aufgefunden habe, als dem 
Riesengebirge (Hochgebirge) ausschliesslich eigen declarirt werden, nicht 
für ausschliesslich sudetisch erklären. Ob in dem Hochgebirge (Riesen- 
gebirge) Böhmens auch endemische Algenarten oder eingewanderte 
das sudetische Gebiet jedoch nicht überschreitende Algen, vorkommen 
(was ich für unwahrscheinlich halte) oder nicht, darüber werden uns 
erst weitere algologische Forschungen in diesem von den Algologen 
noch ziemlich vernachlässigten Theile Böhmens belehren. 


m — - 


Flora des Etna. 
Von Prof. P. Gabriel Strobl. 


(Fortsetzung.) 


1310. Medicago arabica (L.) Al. fl. ped. 1315 maculata W. Guss. 
_ *Syn. et Herb.!, Rchb. D. Fl. 67 I! Pflanze schlaff, Stengel, Blatt- 
| und Blüthenstiele spärlich abstehend spinnwebig-flaumig (= var. 
| pilosiuscula Lev.), selten fast kahl; Blätter sehr lang gestielt, Blätt- 
chen gross, verkehrt-herz- oder eiförmig, in der Blattmitte oft mit 
einem schwarzen Flecke; Nebenblätter breit, halbpfeilförmig, tief 
ezähnt; Blüthenstiele 2 — 4blüthig, viel kürzer, als die Blätter, 
ülsen ähnlich denen der luppacea, aber auf den Flächen weisslich und 

fast nervenlos; die grünen Dornen der Aussennaht fast so lang, als 
der Querdurchmesser der Hülsen, gekrümmt und wirr durcheinander 
geflochten; dadurch erinnert sie an tentacuwata, von der sie sich 
durch beiderseits tief gefurchte, niemals verdickte Dornen, breitere, 
als hohe, ganz kahle Hülsen ete. leicht unterscheidet. Auf krautigen 


*) „Kryptogamen-Flora von Schlesien: Algen“, 1878 p. AA. 
*) „Neue Beiträge zur Algenkunde Schlesiens“, Jahresber. der schles. 
Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 1883 p. 188. 


102 


Plätzen und unter Saaten Sieiliens stellenweise, auch um Catania 
(Cosentini in Guss. Syn. et Herb.!). April, Mai ©. 

1311. Med. recta (Desf. fl. atl. II 212 als polymorpha H. recta) 
Guss. Syn. et Herb.!, minima b) mollissima W. Lge. III 388, vix 
Koch, mollissima und graeca Presl fl. sie., hirsuta *Raf.I, non All., 
denn diese ist —= minima (L.) Lam. Unterscheidet sich von der nächst 
verwandten minima sehr leicht durch bedeutend grössere Hülsen 
und Stacheln, die den Durchmesser übertreffen, ferner durch die 
kurzen, niemals Blattlänge erreichenden, meist 1-, selten 2blüthigen 
Blüthenstiele (die von minima sind meist 4blüthig und überragen 
die Blätter bedeutend); auch die Behaarung der recta ist gewöhn- 
lich viel dichter wollig seidig. Durch die genannten Eigenschaften 
der Blüthenstiele, sowie durch die Fruchtgrösse (sammt den Sta- 
cheln = 8—11 Mm. Durchmesser) ist sie auch von minima ß. lon- 
giseta DC., W. Lge., deren Durchmesser höchstens 6 Mm. erreicht, 
constant verschieden. Am besten als südliche Parallelform der 
minima aufzufassen, denn in Sicilien scheint ausschliesslich recta 
vorzukommen; auch in Algier, Griechenland und Südspanien (leg. 
Fritze!) findet sie sich; minima reicht nur bis Neapel, wo beide 
Verbreitungsbezirke sich berühren! Eine eigenthümliche Varietät, 
die ich recta var. angustifolia nenne, sammelten Porta und 
Rigo am Monte Gargano in Apulien; Blüthenstiele und Frucht- 
grösse wie bei der Normalform, aber die Blättchen sehr schmal, 
linealkeilig, bei 7 Mm. Länge höchstens 2Mm. breit, nur an der 
Spitze 3—4zähnig; Behaarung grösstentheils abstehend dicht drüsig- 
zottig, auf den Blattseiten und Hauptstengeln aber angedrückt- 
seidigflaumig. — An Mauern, Wegrändern, auf Lavaströmen und stei- 
nigen Abhängen bis 4000‘ häufig: Um Catania, Nicolosi(!, Herb. Torn.!), 
in der Ebene des Simeto bis zum Meere überall zerstreut, um Aderno, 
Bronte, gegen den Bosco Maletto hinauf etc. März — Mai ©. 

1312. Med. Tenoreana DC. Pr. II 180, Guss. Syn. et *Herb.! 
Kurz und ziemlich spärlich zottigflaumig; Blätter kurzgestielt, un- 
tere Blättchen verkehrt-herz-, obere rhombisch verkehrt-eiförmig; 
Nebenblätter eiförmig-lanzettlich, fast ganzrandig; Blüthenstiele 1—2- 
blüthig, etwas kürzer, als die Blätter; Hülsen kurz cylindrisch, eirca 
6—7 Mm. hoch, 6 Mm. breit, glänzend grünbraun mit 4—5 lockeren 
Spiren, beiderseits flach, sparsam nervig; Aussennaht ganz fiach, 
furchenlos, beiderseits mit etwa 2 Mm. langen, tief zweifurchigen, 
zweireihig angedrückten, borstenartigen Dornen, welche die Zwischen- 
räume der Aussennähte zierlich gitterartig überdecken; schon dadurch 
von allen verwandten leicht unterscheidbar. — Auf sonnigen, krautigen 
Hügeln der Nebroden, um Palermo etc.! ziemlich häufig, um Catania 
bisher nur von Cosentini (Herb. Guss.!) gesammelt. April, Mai ©. 

1313. Med. eiliaris (L. sp. pl. 1099) W., Guss. Syn. et Herb.! 
Rehb. D. Fl. 66 III!, intertexta *Raf. I, globosa Presl del. prag., 
Sehr ausgezeichnet durch kugelig ovale, beiderseits convexe, 15 Mm. 
und darüber hohe, über 10 Mm. breite, von gegliederten, meist 
drüsigen Haaren zottige und auf der Aussennaht mit 2 Reihen 


a Zu 


103 


gerader, 2—3 Mm. langer, zweifurchiger, abstehender oder ange- 
drückter Stacheln besetzte Hülsen; Pflanze sonst fast kahl, Blätter 
mit ziemlich lang gestielten Mittelblättchen, Nebenblätter kammförmig 
gewimpert, Blüthenstiele kaum von Blattlänge, 1—4blüthig, Blüthen 
ziemlich gross, Samen länglich. — Auf krautigen Abhängen, sumpfi- 
gen Fluren und in Saatfeldern der Ebene des Simeto überall sehr 
gemein, seltener um Catania und Nicolosi bis 2600°! April—Juni ©. 


1314. Med. intertewxta (L) Grtn., Echinus DC., Guss. Syn. et 
Herb.! “Raf. I. Ganz wie vorige in Wuchs, Kahlheit, Blättern, 
Nebenblättern und Grösse der Hülsen; aber letztere sind ganz kahl, 
die Dornen gekrümmt, über 4 Mm. lang, angedrückt und wirr durch- 
einander geflochten; die Samen fast nierenförmig; intertexta W. sp. 
pl. III 1401 besitzt flaumige Dornen und gehört daher wohl eher zu 
eiliaris. Unter Saaten und auf krautigen Abhängen Siciliens nicht 
selten, aus dem Gebiete jedoch bisher nur von Raf. angegeben. 
April—Juni ©. 

1315. Melilotus italica Dsr. diet., Guss. Syn. et Herb.! Rehb. 
D. Fl. 58 IV, V! Annuell, kahl, Stengel robust, aufrecht, mit auf- 
rechten oder aufsteigenden Aesten; Blättchen gross, verkehrtei- oder 
fast kreisförmig, ganzrandig oder an der Spitze gezähnelt; Traube 
länger als das Blatt, Blüthen goldgelb, 6—8 Mm. lang; Hülsen 
35—4 Mm. im Durchmesser, verkehrteiförmigkugelie, stumpf, hän- 
gend, kahl, unregelmässig tief grubig runzelig. Neapolitana Ten. 
unterscheidet sich leicht durch schlanken Habitus, bedeutend kleinere 
und schmälere Blätter, kleinere (4—5 Mm.), bleichere Blüthen, lockere 
Trauben, viel schwächer und sparsamer grubig runzelige, in den 
Griffel zugespitzte, endlich aufrechte, bedeutend kleinere, kugelige 
Früchte. Beide Arten wurden in der Nähe unseres Gebietes mehr- 
fach beobachtet, so z. B. von mir sogar um Taormina, dürften daher 
demselben nicht fremd sein. April, Mai. ©. 


1316. M. parviflora Dsf. Fl. at). II, 192, *Bert. Fl. it., *Guss. 
Syn. et *Herb.! Rchb. D. Fl. Taf. 76! Ebenfalls annuell mit schlan- 
kem Habitus, schmalen, länglich linearen, oberen Blättern, grubig 
runzeligen Hülsen, aber von neap. verschieden durch ziemlich dicht- 
und reichblüthige Aehrentrauben, höchstens 2 Mm. lange Blüthen 
und Hülsen, letztere oval oder verkehrteiförmig, stets hängend, sehr 
seicht gerunzelt und an der Spitze abgerundet. Auf feuchten, krau- 
tigen Stellen nahe dem Meere nicht selten: Aus Catania von Co- 
sentini erhalten (Bert., Guss. 1. c.), Villarascosa (Herb. Torn. et 
Tornab. in Herb. Guss.!), um Catania überall, Acicastello (Herb. 
Torn.!), in der Arena! April, Mai. ©. 

1317. M. sulcata Desf, Fl. atl. II, 193, *Bert. Fl. it., Guss. 
Syn. et Herb.!, Rehb. D. Fl. 74 III! Annuell, aufrecht oder auf- 
steigend, etwas flaumig; Blättchen scharf gesägt, unterseits seegrün, 
die unteren verkehrteiförmig, die oberen keilig bis fast linear; Trau- 
ben über blattlang, reich- abor ziemlich lockerblüthig; Hülsen kalıl, 
kugelig-verkehrteiförmig, abgerundet, hängend, etwas von einander 


104 


entfernt, regelmässig erhaben bogenstreifig, Streifen schmäler als die 
Zwischenräume; Durchmesser der Hülsen = 3 Mm. In Saatfeldern, 
auf trockenen, krautigen Hügeln und wüsten Plätzen bis 2000°: Aus 
Catania von Cosentini erhalten (Bert.), in der Ebene des Simeto 
äusserst gemein (!, Herb. Reyer!), um Ognina, Misterbianco, S. Ana- 
stasia, Bronte! März—Mai. ©. 

1318. M. compacta Salzm. Guss. *Syn. et Herb.!, Tod. Fl. sie. 
exsicc. Nr. 1255!, sulcata var. major Camb. Fl. Bal., W. Lge. III, 
375. Von sulcata nur verschieden durch breitere, verkehrteiförmige 
oder verkehrteiförmigkeilige (niemals lineare oder linearkeilige) obere 
Blätter, geschindelte Blüthen- und Fruchttrauben; Blüthen und 
Früchte gewöhnlich etwas grösser (bis 4 Mm.). Auf feuchten, krau- 
tigen Stellen nahe dem Meere mit der vorigen, aber viel seltener: 
Um Catania (Guss. Syn., Herb. Tornab.!), an Gräben in der Ebene 
des Simeto! April, Mai. ©. 

1319. MM. infesta Guss. Syn. et *Herb.!, Tod. Fl. sie. exsice. 
Nr. 247! Von den zwei vorigen leicht unterscheidbar durch robu- 
steren, höheren, röhrigen Stengel, grössere Blätter, reichere, längere, 
ziemlich lockere Trauben, nochmals so grosse Blüthen (6—8 Mm.), 
dickere, bedeutend grössere (ca. 5 Mm. lange, 4 Mm. breite) Hülsen 
mit ziemlich unregelmässigen und von einander weiter entfernten, 
sehr erhabenen Bogenleisten. Erinnert habituell stark an italica. — 
In Gärten, Saatfeldern und auf krautigen Hügeln häufig: Catania 
(!, Herb. Torn.!, Tornab. in Herb. Guss.!), in der Ebene des Si- 
meto weit verbreitet! April, Mai. ©. 

1320. M. messanensis (L.) Desf. Fl. atl. II, 192, Presl Fl. sic., 
*Raf. I, *Bert. Fl. it., Guss. *Syn. et *Herb.! Tod. Fl. sie. exsice., 
Reichb. D. Fl. 74, I, II! Ausgezeichnet durch robusten Wuchs, fast 
sitzende, meist 5—12blüthige Trauben, ca. 5—6 Mm. lange, 4 Mm. 
breite, hängende oder horizontal abstehende, schief ovale, beiderseits 
spitze, sehr dicht und erhaben bogenleistige Hülsen. — Auf feuchten 
Strandwiesen Siciliens an vielen Orten, auch im Gebiete: Aus Ca- 
tania von Cosentini erhalten (Bert., Guss. ]. e.), sehr gemein auf 
feuchten, lehmigen Fluren der Ebene des Simeto und besonders auf 
grasigen Abhängen gegen das Meer zu stellenweise wie eultivirt! 
März—Mai. 9. 

1321. Trifolium pratense L. Guss. *Syn. et *Herb.!, *Cat. Cosent. 
Varlirtt @. genwinum: Ziemlich kahl und hoch, Stengel aufrecht oder 
aufstrebend, Blüthen rosenroth. ß. semipurpureum m. — var. flavi- 
cans Guss. Syn. et Herb.!, Tod. Fl. sic. exsiec. Nr. 393!, non DC. 
‘ Prodr. II, 195 (denn die Pflanze DC.’s ist eine zottige, grossköpfige 
Alpenvarietät mit gelblichen Blüthen und dürfte daher — T. nivale 
Sieb., prat. var. nivale Reichb. D. Fl. 83 III sein). Stengel nieder- 
liegend, rasig, niedrig, sammt den Blattstielen stark abstehend flau- 
mig rauhhaarig, Köpfchen und Blätter kleiner; Blüthen gelblich, an 
der Spitze intensiv purpurn, selten ganz gelblich. Hochgebirgsvarie- 
tät Siciliens. Auf Weideplätzen, steinig-krautigen Abhängen und in 


105 


lichten Wäldern (2500—7000°), die Normalform ziemlich selten: 
Wälder des Etna (Guss. Syn.) im Valle del Trifoglietto (Biv. in 
Herb. Guss.!), Monte Zio (Herb. Torn.!); die Varietät wiegt weitaus 
vor, z. B. durch die ganze Waldregion oberhalb Nicolosi und San 
Nicola, im Valle Calanna und Val del Bove, im Bosco Maletto ober- 
halb Bronte! Mai—Juli. %. 

1322. Trif. flavescens Tin. pug. (1817), Guss. Syn. et *Herb.!, 
Tod. Fl. sic. exsiec. Nr. 389!, pallidum Presl Fl. sie., *Bert. Fl. it., 
p. p., non W. K. Lässt sich von meinen Banater Exemplaren und 
der Abbildung Reichb.'s D. Fl. 83 III des pallidum W. K. mit 
Mühe durch etwas längere (4—5 Mm., nicht 3 Mm.), schmälere, 
nicht durchaus kurzgewimperte, sondern am Grunde meist fast kahle 
und deutlicher fünfnervige, an der Spitze aber langgewimperte Kelch- 
zähne von doppelter Länge der Kelchröhre unterscheiden; sonst ganz 
identisch. Nach Guss. Syn. unterscheidet sich pall. durch kurzge- 
stielte Köpfchen, zweisamige Hülsen und inwendig hervorspringenden 
Kelchsaum; allein ich sehe bei beiden die Köpfchen gleich sitzend, 
den callösen, behaarten, inneren Kelchsaum, sowie Hülsen und Ha- 
bitus gleich gestaltet; venetianische Exemplare vermitteln den Ueber- 
gang auch in der Länge und Behaarung der Kelchzähne, daher av. 
nur als Race des pallid. betrachtet werden kann. Von prat. sind 
beide verschieden durch stets gestielte oberste Blätter, stets einzelne 
Köpfchen, durch Kelchzähne, welche einander ziemlich gleich lang, 
1'/,—2mal länger, als die Röhre und zur Fruchtzeit an der Basis 
deutlich fünfnervig sind, durch Kelche, welche die Hälfte der Krone 
etwas überragen, weisse Kronen und lange, abstehende Behaarung 
der Stengel und Blattstiele. — In Hainen, Waldlichtungen und an 
grasigen Bergabhängen zerstreut: Aus Catania von Cosentini er- 
halten (Bert.), S. Giovanni bei Giarre, in den Klausen bei Ognina 
(Herb. Guss.!), in der Waldregion oberhalb Nieolosi! Mai, Juni. © 
und ©). 

1323. Trif. Cherleri L. *Raf. I, Guss. Syn. et *Herb.!, *Torn. 
geogr. Am Meerstrande, auf Feldern, Weiden, sandiggrasigen Ab- 
hängen bis 2500° sehr häufig: Am Meere bei Catania (Biv. in Herb. 
Guss.!, Herb. Torn.!), Zaflarana (Herb. Tormn.!), Misterbianco, Torre- 
grifo, Acicastello, in der Ebene des Simeto, von Nicolosi zur Serra- 
pizzuta! März—Mai. ©). 

1324. Trif. stellatum L. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et Herb.! 
Auf Lavaströmen, buschiggrasigen Abhängen, trockenen Feldern und 
Weideplätzen bis 3500‘ sehr verbreitet: Aus Catania von Cosentini 
erhalten (Bert.), um Catania überall, Zaffarana, Nicolosi (!, Herb. 
Torn.!), gegen Ognina und Acicastello (Herb. Reyer!), von Catania bis 
in die Wälder oberhalb Nicolosi, z. B. im Bosco Rinazzi, auf der 
Serrapizzuta! April, Mai. ©. 


(Fortsetzung folgt ) 


rohr _— 


106 


Literaturberichte. 


Beck Dr. G. Versuch einer Gliederung des Formenkreises der Caltha 
palustris L. Sep.-Abdr. aus den Verh. der k.k. zool.-botan. Gesellsch. 
Band XXXVL pag. 347. 6 pag. 

Die vorliegende Zusammenstellung enthält eine übersichtliche 
Gruppirung der bisher beschriebenen unter dem Collectivnamen Caltha 
palustris L. zusammengefassten Species, ohne den Zweck zu verfol- 
gen, die einzelnen derselben kritisch zu prüfen. Nach dem Verf. zer- 
fällt die Gattung Caltha in zwei Gruppen, deren erste die Arten 
mit lang- und allmälig geschnäbelten, letztere jene mit plötzlich in 
einen kurzen Schnabel übergehenden Balgkapseln umfasst. In die 
erste Gruppe gehört C©. cornuta S. N. K., zu der Verf. ©. latifolia 
S. N. K. als Varietät stellt und ©. longirostris Beck („Folliculi in 
rostrum longissimum [5 Mm. lg.] attenuati........ “). Zur zwei- 
ten Gruppe zählt ©. Zaeta S. N. K. mit den Varietäten truncata 
Beck und alpestris S. N. K., ferner ©. alba Jaeq., endlich ©. palu- 
stris L. (em). Als €. palustris L. fasst Verf. jene Art auf, die in 
Europa weit verbreitet, auch in Niederösterreich in der Ebene und 
Bergregion häufig ist und mit ©. vulgaris S. N. K., €. intermedia 
S. N. K., ©. ficariaeformis Schm. etc. übereinstimmt. Zur ©. pa- 
lustris werden folgende Formen als Varietäten gezogen: €. integer- 
rima Pusch., ©. parnassifolia Raf., ©. minor Miller, €. asarifolia 
D. C., ©. membranacea Tuıcz., ©. radieans Forst. Den Schluss bil- 
det eine Aufzählung von wenig bekannten oder auszuscheidenden 
Arten. Wettstein. 


Schiffner Dr. V. Ueber Verbaseum-Hybriden und einige neue Bastarde 
des Verbascum pyramidatum. — Bibliotheca botanica, herausgege- 
ben von Dr. Oscar Uhlworm und Dr. F. H. Haenlein. Heft. III. Cassel 
1881, 16 pag. 2 Tafeln. 4°. 

Verf. beschreibt in vorliegender Abhandlung einige neue im 
botanischen Garten der Prager Universität spontan entstandene Ver- 
bascum-Bastarde; es sind dies V. pyramidatum X phoeniceum, V. py- 
ramidatum x nigrum, V. phlomoides X perpyramidatum. V. pyrami- 
datum X perphlomoides. Des Vergleiches halber werden auch ausführ- 
liche Diagnosen des V. pyramidatum M. B., V. phoeniceum L., V. 
nigrum L. und V. phlomoides L. gegeben. Die Auffindung dieser 
neuen Bastarde bestätigt neuerdings dis Thatsache, dass gerade die 
Arten der Gattung Verbascum zur Hybridation neigen und vermehrt 
die grosse Zahl der aus dieser Gattung bekannten (cca. 100) Ba- 
starde. Alle diese Hybriden sind schon desshalb interessant, da ihre 
Stammeltern ganz verschiedenen Seetionen der Gattung Verbascum 
angehören. Sie sind stets steril, mit Ausnahme des V. pyramidatum 
x phoöniceum, welche reife Kapseln entwickelte. Die zwei Tafeln 
(nebenbei bemerkt, wie alle Tafeln der „Bibliotheca botanica* in 
musterhafter Ausführung) stellen Theile der beschriebenen Pflan- 
zen dar. Wettstein. 


- L. (Wagner u. a.) darste 


107 


Reeueil des M&moires et des travaux publ. p. 1. Societe botanique du 
Grand Duche de Luxembourg. Nr. XI. 1885—86. Luxemburg 1886. 132 
pag. 29 Taf. 1 Photogr. 

Dieser neueste Band der Schriften der botanischen Gesellschaft 
für das Grossherzogthum Luxemburg enthält eine Reihe botanischer 
Aufsätze. Zunächst einen Bericht über im Jahre 1884—85 ausge- 
führte Gesellschaftsexceursionen, als deren wichtigstes Resultat sich 
die Auffindung folgender für das Gebiet neuer Pflanzen herausstellt: 
Cicuta wirosa L., Muscari Botryoides Mill., Thesium intermedium 
Schrad., Utrieularia minor L., Salix spec. nov., Epiobium umbro- 
sum Wagn. (spec. nov.), Plantago arenaria W. K., Cyperus fuscus 
L., Caren ventricosa Curt. — Hieran schliesst sich eine Biographie 
G. Weckbecker’s mit einer Photographie. — Den grössten Theil 
des Bandes nimmt eine Bearbeitung der Farne des Grossherzog- 
thums Luxemburg von M. Thill ein. Diese monographische Bearbei- 
tung umfasst einen allgemeinen, der Anatomie und Morphologie der 
Farne gewidmeten Theil und einen speciellen mit französischen Dia- 
gnosen. Für den localen Gebrauch dürfte diese Bearbeitung gewiss 
von Werth sein, wesentlich neues enthält sie nicht. Die beigegebenen 
29 Tafeln stellen die besprochenen Arten dar, viele der Abbildungen 
sind sehr gut, manche jedoch auch verfehlt, als solche nenne ich 
Taf. VII (Ceterach), Taf. XIX (Cystopteris) u. a. — Der nächste 
Aufsatz von E. Fischer: „Plantes phanerog. nouvelles ou rares de 
la flore Luxembourgeoise“ enthält eine Besprechung der in früheren 
Jahren (Rec. 1880—82, pag. 116) als neu für das Gebiet aufgefun- 
denen Pflanzen, bildet daher einen Nachtrag zur Flora des Gross- 
herzogthums. — L. S. C. Fontaine behandelt in einer weiteren 
Abhandlung die Frage, ob Asplenium Germanicum Weis eine selbst- 
ständige Art oder ein Bastard aus A. septentrionale Sw. und A. Tri- 
chomanes L. (Crepin, vn oder eine Varietät von A. Ruta Muraria 

lt. Auf Grund zahlreicher Beobachtungen 
und theoretischer Erwägungen entscheidet sich der Verf. für die 
erste dieser Anschauungen. Was er hiebei über die Artrechte des 
4A. Seelosii Legb. und A. viride Huds. sagt, entbehrt wohl jeder 

Berechtigung. — Von demselben Verfasser stammt ein Aufsatz: 

Notice sur les fougöres de la flore de Luxembourge. Derselbe ent- 

bält eine Aufzählung der von M. Reisen in den Ardennen gesam- 

melten Farne. — Schliesslich mag noch ein Aufsatz von F. und H. 

Wirtgen über die Auffindung der Carex ventricosa Curt. in der 


- Rheinprovinz hervorgehoben werden. ©. v. fand sich bei Echternach, 


nunmehr dem zweiten Standorte in Deutschland (Kastenwald bei 
Neu-Breisach). Wettstein. 


Dietz A. Dr. Die Blüthen- und Fruchtentwicklung bei der Gattung 
Typha und Sparganium. Vorl. Mitth. Sep.-Abdr. aus Termeszetrajzi 
füzetek. Vol. X. P. 2. p. 254—261. (1886.) 

In gedrängter Kürze werden die Resultate einer grösseren, vom 

Verf. für die Schriften der k. ung. naturw. Gesellschaft in Budapest 

bestimmten Abhandlung über den genannten Gegenstand angegeben. 


108 


Untersucht wurde die Entwicklungsgeschichte der Blüthen von Typha 
latifolia und angustifolia einerseits, von Sparganium ramosum ander- 
seits und ergaben sich hiebei zwischen den beiden Gattungen grosse 
Unterschiede. Die Mittheilung ist so kurz gehalten, dass es nicht 
möglich ist, im Rahmen eines Referates aus ihr das wesentlichste 
herauszugreifen, übrigens gedenkt Ref. nach dem Erscheinen der 
Gesammtabhandlung darauf eingehend zurückzukommen. Aus den 
Untersuchungen des Verfassers ergibt sich als Endresultat, dass die 
Blüthen von Typha und Sparganium entwicklungsgeschichtlich so 
sehr von einander abweichen, dass die Einreihung der beiden Gat- 
tungen in zwei verschiedene Familien angezeigt erschiene. Wettstein. 


Florule Bryologique ou @&uide du Botaniste au Mont-Blane. — 2” Partie 
des Cryptogames ou Muscindes des Alpes Pennines par Venance Payot. 
Gen&ve. Henry Trembley. 1886. 

Der Verfasser dieser Enumeratio hat sich die Erforschung des 
Mont-Blane und der Penninischen Alpen zu seiner Lebensaufgabe 
gesetzt und verfolgt dieselbe seit mehr als 40 Jahren mit unge- 
brochener Kraft. Es ist auch bereits eine ganze Reihe von Arbeiten 
erschienen, welche für die Gründlichkeit und Vielseitigkeit Payot's 
ein glänzendes Zeugniss abgeben. Derselbe hat nämlich nicht nur 
die botanischen, sondern auch die geologischen, meteorologischen und 
glacialen Verhältnisse der Mont-Blanc-Gruppe in den Kreis seiner 
Untersuchungen gezogen. Was speciell den botanischen Theil seiner 
Arbeiten anbelangt, so untersuchte er zuerst die Phanerogamen, dann 
die Gefässkryptogamen, nebenbei auch Lichenen und Diatomeen. 
Gegenwärtig liegt uns eine Aufzählung der von ihm aufgefundenen 
Laubmoose vor. Dieselbe umfasst — die Varietäten nicht mitgerech- 
net — 425 Species; dazu kommen noch 8 sp. Andrea, 10. Syha- 
gnen und 12 diverse als Nachtrag. Man wird über diese grosse 
Anzahl der Laubmoose, namentlich in Anbetracht des engen Gebie- 
tes, nicht wenig erstaunt sein. Denn die genannte Ziffer steht hinter 
der Totalsumme der in Deutschland überhaupt vorkommenden Laub- 
moose nur wenig zurück. Dieses Erstaunen wird sich jedoch vermin- 
dern, wenn man bedenkt, dass die Moose im Allgemeinen weniger 
streng an gewisse Bodenhöhen gebunden sind und dass namentlich 
die Moorbewohner ebenso gut auf den Hochmooren der Alpen, wie 
in den Tiefmooren Norddeutschlands gedeihen. Auch besteht wahr- 
scheinlich der grösste Theil der deutschen Moosflora aus Fremdlingen, 
welche zur Eiszeit von Norden her zu uns eingewandert sind. Wenn diese 
Annahme richtig ist, dann können wir auch leicht verstehen, dass 
die Gletschercomplexe des Mont-Blanc für die Entwicklung der Moos- 
flora ein besonders günstiges Terrain abgeben. In Bezug auf das 
oben Gesagte ist auch eine Beobachtung Payot’s im hohen Grade 
interessant. Er fand nämlich, dass viele Moose, welche sonst nur 
äusserst selten mit Früchten gefunden werden, wie z. B. die Di- 
eranella squarrosa auf dem Mont-Blanec sehr reichlich fructifieiren, 
aber immer nur unter dem Schnee. Sämmtliche von Payot 


109 


gesammelten Moose wurden von W. P. Schimper controlirt, der 
auch den Monographen des Mont-Blanc dadurch ehrte, dass er nach 
ihm ein Bryum Br. Payotii nannte. Die Controle Schimper’s er- 
höht den Werth der besprochenen Enumeratio bedeutend und macht 
dieselbe zu einer wichtigen Quelle für die Kenntniss der geographi- 
schen Verbreitung der Moose überhaupt. Hugo Zukal. 


Herbarium für Schüler. Zusammengestellt von Prof. Jos, Mik. Verlag von 
A. Pichler’s Witwe & Sohn in Wien. Preis fl. 180. 

Da ein zweckmässig eingerichtetes Herbarium den botanischen 
Unterricht nicht nur wesentlich unterstützt, sondern das Erlernte 
auch zum bleibenden Wissen macht, müssen wir Mik’s „Herbarium 
für Schüler“ als vorzüglichsten Unterrichtsbehelf willkommen heissen. 
Je mehr sich der Schüler aber bei der Anlegung einer Pflanzen- 
sammlung selbst bethätigt, desto grösser und bleibender sind auch 
die Erfahrungen auf floristischem Gebiete. Um ihm hiebei die Mühe 
zu erleichtern und die Möglichkeit zu bieten, die Einordnung der 
gesammelten und sorgfältig präparirten Pflanzen nach dem „natür- 
lichen System“ selbst vornehmen zu können, ist jede der beigege- 
benen gedruckten Etiquetten mit einer Nummer versehen, die mit 
der Nummer jenes Einlagsbogens correspondirt, welcher bestimmt 
ist, die auf Halbbogen mit Papierstreifehen befestigten Pflanzen der- 
selben Ordnung aufzunehmen. Bei sorgfältiger, verständiger Behand- 
lung seitens des Schülers wird das angestrebte Ziel leicht erreicht 
werden, wodurch die grossen Vorzüge dieses wichtigen Lehrmittels 
am besten zur Geltung kommen. J. 


Bibliothek der gesammten Naturwissenschaften, herausgegeben von Dr. 
Otto Dammer. Lieferung ll. Verlag von Otto Weisert in Stuttgart. 
Die uns soeben zugekommene zweite Lieferung dieses treff- 
lichen und zeitgemässen Werkes erfüllt im vollsten Masse die Er- 
wartungen, welche die erste Lieferung in uns erweckte. Jedenfalls 
müssen wir ein Unternehmen, das des lebhaftesten Entgegenkommens 
von Seiten des Publikums vollkommen werth ist, freudig begrüssen, 
und uns vorbehalten, den später zur Behandlung kommenden bota- 
nischen Theil einer eingehenden Besprechung zu unterziehen. J. 


Der Schulgarten. Ilustrirte Zeitschrift für das gesammte Schulgartenwesen, 
herausgegeben unter der Redaction von Franz ea ang! Bürgerschul- 
er II. Jahrgang. Wien 1887. Verlag von A. Pichler's Witwe & Sohn 
ın 1en, 

Der „Schulgarten“, der in jeder Beziehung bestrebt ist, die 
Errichtung und Pflege der Schulgärten durch geeignete Rathschläge 
zu fördern und auf den hohen Werth derselben für die gesammte 
Erziehung des Landvolkes aufmerksam zu machen, hat sich in sei- 
nem zweiten Jahrgange zur Aufgabe gemacht, der Errichtung der 
landwirthschaftlichen Fortbildungsschulen Bahn zu brechen. Da ein 
zweckentsprechender Unterricht in denselben ohne einen Schulgarten 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 3. Heft 1897. 9 


110 


kaum gedacht werden kann, so ergeht desshalb auch die Bitte um 
thatkräftigste Unterstützung an alle landwirthschaftlichen Vereini- 
gungen, in deren Interesse es ja liegt, dass eine auch für den land- 
wirthschaftlichen Fortschritt empfängliche Generation herangezogen 
werde. In erster Linie hiezu berufen ist die, die Schulgärten leitende 
Lehrerschaft, unter welcher wir dem „Schulgarten“ die weiteste Ver- 
breitung wünschen zum Wohle unserer Boden- und Gartencultur 
treibenden Landbevölkerung. 


Zeitschrift für Naturwissenschaften. Halle a. d. S. 1886. 4. Folge. 5. Band. 
3. Heft. 


Die Botanik ist in diesem Hefte durch nachstehende Abhand- 
lung würdig vertreten: Windisch Paul, „Beiträge zur Kenntniss 
der Tertiär-Flora von Island“. Als Materiale zu den in dieser Arbeit 
veröffentlichten Beobachtungen diente dem Verf. eine Anzahl im 
Besitze des Leipziger botanischen Museums befindlicher fossiler 
Pflanzenreste, die Dr. ©. W. Schmidt auf seiner mitDr. Keilhak im 
Jahre 1883 nach Island unternommenen geologischen Reise gesammelt 
hatte. Aus der vorangeschickten historischen Skizze der bisher be- 
kannt gewordenen Literatur über die fossile Flora Islands entneh- 
men wir, dass letztere schon zu einer Zeit, wo Geologie und Paläon- 
tologie noch zu den jüngsten unter den Wissenschaften zählten, das 
Interesse der Naturforscher erweckte. Denn als die erste Nachricht 
über die pflanzlichen Fossilien Islands eitirt der Autor das Werk 
Eggert Olafsen’s: „Reise durch Island“ (Kopenhagen 1774), welche 
Reise im Auftrage der dänischen Regierung von den Isländern Olaf- 
sen und Biarne Boelsen in den Jahren 1752—57 unternommen 
wurde. Die Reihe der von P. Windisch aufgeführten Verfasser 
grösserer Arbeiten über diesen Gegenstand schliesst mit Heer, wel- 
cher die Resultate seiner diessbezüglichen Beobachtungen in der Flora 
fossilis arctica, Band I, bekannt gemacht hat. Hieran knüpft die 
vorliegende Abhandlung in commentirender und nach Massgabe der 
neuesten Forschungen ergänzender Weise an. Es ergibt sich daraus, 
wie verschieden die Tertiär-Flora Islands von der heutigen ist, in- 
dem bei letzterer eine Wald-Vegetation gänzlich mangelt, während 
man von dort bis jetzt 25 fossile Holzgewächse kennt, sowie dass 
der herrschende Charakter der isländischen Tertiär-Flora dem nord- 
amerikanischen Typus entspricht. M'oritz Prihoda. 


—— 


Correspondenz. 


Wien, am 10. Februar 1887. 
In kurzen auf durchschnittlich ca. 10—12 Zeilen beschränkten 
Mittheilungen lässt sich nicht Alles sagen — und so kommt es, 
dass man dann Gegenbemerkungen geduldig hinnehmen muss, die 
man selbst sehr wohl gewusst oder gar selbst ohnehin gethan hatte. 
Herr Braun bemerkt in Nr. 2 p. 66 dieser Zeitschrift ganz richtig, 


it 


dass ich in meiner Auslegung der Bechstein’schen Rosea in der 
„Deutsch. bot. Monatsschrift 1886“, p. 172 Gandoger et Stern- 
berg zu eitiren unterlassen habe. Diess veranlasst mich, zu consta- 
tiren, dass Gandoger die Rosa aspera Schleicher’s nicht bloss an 
der bezogenen Stelle, sondern schon in seinem „Essai* 1876, p. 37 
angeführt — und nach der Einsicht der Schleicher’schen Origi- 
nale, deren ich an obengenannter Stelle gedacht — selbe systema- 
tisch auch ganz richtig eingereiht hatte; woraus aber folgt: 1. dass 
auch ihm Exemplare der echten — nun aus dritter Autopsie mit 
meiner Deutung übereinstimmenden (!) — zu den „Graveolentes 
Crep.* gehörenden aspera Schleich. vorgelegen; 2. dass dieselbe die 
ältest benannte Repräsentantin der Graveolentium Crepin’s nicht 
im Herbare eines „Einzelnen“, sondern in allen Herbarien der da- 
maligen Zeit gewesen; und 3. dass Gandoger nicht — wie gerade 
Herr Braun behauptete — alle Rosen fremder Autoren falsch com- 
mentirte! — R. vestita Sternbg. vom Jahre 1826 kann doch mit 
den Bechstein’schen Rosen vom Jahre 1821 (und früher) in keine 
Prioritätsbetrachtung gezogen werden und ist überdiess eine schlecht- 
gewählte Benennung für eine kahle Rose aus der Verwandtschaft der 
R. rubrifolia! Ueber das 4. — was ich aus dieser Veranlassung 
ebenfalls nachtragen will — die Hinfälligkeit der Benennung: „obo- 
vata Bechst.“ spreche ich zuletzt und übergehe hier gleich auf die 
Anwendbarkeit der Schleicher’schen Benennungen. Freilich wäre das, 
was Herr Braun als allgemein bekannte und auch befolgte Regel 
anführt, richtig, wenn es sich im Besonderen auf Schleicher ohne- 
weiters anwenden liesse. Schleicher war aber Botaniker, und hat 
für seine Zeit der Floristik durch seine weit verbreiteten Exsiccaten 
nicht geringere Dienste‘) geleistet, als Andere gegenwärtig! — zu 
seiner Zeit... wo für die Förderung der Pflanzenkenntniss die da- 
_ maligen dürftigen Diagnosen und kurzen Descriptionen ohne Exsiccaten 
- fast keinen oder weit weniger praktischen Werth haben konnten, als 
 Exsiccaten ohne solchen Diagnosen. Welchen Werth die damaligen 


 Publicationen hatten — ist ja gleich an der von Herrn Braun — 
leider „vergeblich“ — ins Treffen geführten Villars’schen R. hy- 
 brida am schönsten zu sehen. — Schleicher hat freilich seine 


Pflanzen, z. B. die R. hybrida bloss benannt — aber seine Zeitge- 
nossen haben gleichzeitig dieselben in ihren floristischen Publicationen 
stematisch eingereiht! Den Anfang machte Niemand weniger, als 
e Candolle selbst in Catal. plant. horti bot. Monspel. 1813, wo 
er die Sect. Synstylae zuerst erörterte, hierauf Seringe in „M&- 
langes botaniques“ 1818 sub Nr. 34 und in „Museum helv.“ 1818 
. 3, in DC. Prodr. II, p. 603 und überdiess noch in seinen „Roses 
sechees* sub Nr. 34; — Gaudin 1828; Godet in supplem. 
; — Grenier 1865; ja auch Lindley und Boreau u. 8. f. 


') Man vergl. nur Seringe’s „Dryadeae in Musde helvetique*, 5. Heft, 

820, wo zur Basis seiner monograpbischen Studien fast ausschliesslich nur 

chleicher's und Thomas’ Exsiccata citirt erscheinen ete,! Keller. 
x 


112 


bis auf incl. Christ: „Allgemeine Ergebnisse“ p. 26 (Extr.) 1884. 
Da man in ihr (gleich der jüngeren 7. spectabilis Rap.) eine zuver- 
lässige Repräsentantin hybrider Abstammung erkannte, so acceptirte 
man den Namen als überdiess vortrefflichst bezeichnenden und wird 
ihn auch fortan behalten. Die R. hybrida Vill. aber — die Herr 
Braun nach Gandog. Tab. Rhod. p. 88 Nr. 854 für eine Alpina- 
Form auslegt, Gandoger aber — wie gewöhnlich — zu eitiren 
unterlässt — wird schon aus der eigenen Auslegung und überdiess 
aus den Gründen: da dieselbe seither nicht gefunden, auch nicht 
(wie die Schleicher’schen) in den europäischen Herbarien vorliegt, 
also teste Verlot’s Catalog eine nicht existirende Rose ist — nur 
in Rücksicht der von Villars stammenden, leider nicht „ausführ- 
lichen Diagnose“ — die aber teste Tratt. Observ. in Rosac. mon. 
p. 35: „ut jus specificum determinatur reposcitur uberior descriptio 
et praecipuo fructus!* — total räthselhaft ist — höchstens als R. 
Villarsii Tratt.? eine geschichtliche Notiz verbleiben, die Herrn 
Braun entgangen ist. Regel eitirt sie daher mit ? und Desegl. 
et Örepin ignoriren sie gänzlich, was bei Villars’ Auctorität nur 
in Obgedachtem seinen Grund hatte. Schleicher’ Aybrida kann und 
wird also nie und nimmer vor der Villars’schen Priorität weichen. 
Nun gehe ich zur R. aspera Schl. über. Hier trage ich gleich die 
Ergänzung zu meiner Publ. in der Deutsch. botan. Monatschr. 1886, 
pag. 172 et ff. nach: dass überdiess Rafinesque in seinem: „Pro- 
drome d’une Monographie des Rosiers de l’Amerique septentrionale* 
p. 217 bereits im Jahre 1820 (also um 1 Jahr früher!) eine Rosa 
obovata e Sectione Cinnamomearum beschrieben hat — was Herr 
Braun auch nicht erwähnt hatte! Wenn nun — wie ich es aus 
einem neuen Grunde soeben gezeigt — die Bechstein’sche Benennung 
„obovata“ hinfällig ist — und die Rosa elliptica Tausch eine mehr 
kleinblätterige und nicht bloss nach der Bezeichnung, sondern über- 
einstimmend auch nach dem in meinem eigenen Herbare befindlichen 
Tausch’schen Originale (das ich, nebenbei bemerkt, nebst anderen 
meiner böhmischen Originalien schon mehrere Jahre vor 1886 Cre- 
pin vorgelegt und in litt. auch an Dr. v. Celakovsky gedeutet 
hatte) in foliol. et recept. mehr elliptisch geformte Rose... kurz: 
nicht die obovata Bechst. ist, so frage ich, wie wird Herr Braun 
die ziemlich verbreitete grössere Form der graveolens foliolis obo- 
vatis, obovato-oblongis saepe majusculis ete. von schlankem Wuchse, 
mit verlängerten Zweigen, anderen Griffeln, Sepalen ete. (z. B. die 
Jordani, Lugdunensis, Cheriensis etc.) und die in Deutschland, so- 
wie auch in Mähren und bei Rappoltenkirchen in Niederösterreich 
wachsende Formen unterbringen, in strenger Befolgung des Priori- 
tätsrechtes benennen? Er müsste ganz unnöthiger und unvortheil- 
hafter Weise einen neuen Namen einführen — wo ein solcher durch 
Schleicher’s übereinstimmende, seit über 70 Jahren in europäischen 
Herbarien bekannt gewordene Rosenart und deren Benennung ganz 
unnöthig ist! Es bleibt also bei der AR. aspera Schleicher. 
J. B. Keller. 


DEE 


115 


Brünn, am 6. Februar 1887. 
Nach dem umfassenden Schlüssel der Gattung Potentilla von 
Prof. Alb. Zimmeter in Innsbruck gehört die in meinem „Beitrage 
zur Flora des mittleren und südlichen Mährens“ pag. 101 angeführte 
und sonst unter dem Namen Potentilla cinerea (wohl Koch et al. 
auct.) von mir ausgegebene Pflanze zur Potentilla arenaria Borkh., 
nach demselben Schlüssel ist P. eönerea Chaix. eine alpine Art und 
kommt in den südlichen Kalkalpen, im Bellunesischen und Süd- 
tiroler Grenzgebiet vor. Botaniker-Kalender von P. Sydow und 
C. Mylius, pag. 76. — Epilobium adnatum Griesb. fand ich 1883 
in schönen und typischen Exemplaren bei Ceitsch, Theresiendorf und 
Kobyli. Die Pflanzen von diesen Standorten decken sich ganz mit 
der in Prof. Hausknecht’s Monographie der Gattung Epilobium 
pag. 97 über diese Art enthaltenen Beschreibung und weisen die 
meisten Merkmale auf, wie sie in dem „Oesterr. botan. Wochen- 
blatte* 1852, pag. 276, 277, 284, 285 schon Dr. Knaf von Epi- 
lobium tetragonum L. in seiner beachtenswerthen Abhandlung „Ueber 
Epilobium obscurum Schreb. und seine nächsten Verwandten“ ange- 
führt hat. Dr. Formänek. 


Budapest, 40. Februar 1887. 


In Mähren findet man noch immer südost-europäische Pflanzen. 
So hat Schilberszky Quercus hiemalis Stev. (Qu. pedunculata var. 
australis Heuff., non Link; Qu. filipendula Janka, Vukot.), sowie 
auch Rosa terebinthinaces Besser von Neuschloss mitgebracht. — 
Auch Rosa leopoliensis Blocki ist, wie mir Freund H. Braun schreibt, 
mit R. frutetorum Bess. identisch, wie auch ich mich durch die 
Vergleichung überzeugen konnte, und die galizische Pflanze soll noch 
mehr typisch sein, als jene vom Bisamberge; sie hat keine sub- 
foliaren Drüsen. Sie kommt auch bei Haphendorf vor (Ludw. Rich- 
ter!), während die R. corifolia Fr. bei Dölsach in Tirol (leg. L. 
Richter). Wenn nach der Meinung Freund Blocki’s Galium aspe- 
rulaeflorum grammatisch nicht richtig wäre, warum schreibt man 
gegen seinen Wunsch KEragrostis poaeoides, Centaurea triniaefolia, 
Örataegus rosaeformis? — Typha Shutleworthii Koch et Sond. (cfr, 
Oesterr. Bot. Zeitschr. 1886, pag. 82) ist im südlicheren Theile 
Europas eine viel weiter verbreitete Pflanze, als man bisher glaubte. 
Bei Ujvidek (Neusatz) sah ich sie am 10. Juni 1886 ganz verblüht, 
mit nackter Axe der weiblichen Inflorescenz; sie kommt bei Szekely- 
Udvarhely, Orsova, bei dem eisernen Thore in der Walachei (Juni 
1885), sowie bei Travnik in Bosnien (T. latif. Brand.), T. angu- 
stifolia aber bei Grebenätz, Deliblat, Jassenova und bei Temesvär 
vor. Mit Leucojum vernum L. var. biflorum wäre noch L. curpati- 
cum Herbert zu vergleichen. In den ungarischen floristischen Wer- 
ken finde ich diese Art nicht, nur in v. Janka’s „Amaryllideae“* 
(Termeszetrajzi füzetek 1886, pag. 46—47) finde ich diese Pflanze 
von L. vernum, wie folgt, unterschieden: Perigonii phyllorum ma- 
ceula apicalis viridis—= L. vernum L. — Phyllorum macula lutea — 


114 


L. carpathieum Herbert. — Die „Flores 1—2“ sollen nach Herrm 
“v. Janka den beiden Leucojum gemeinschaftlich sein. Indess ist die 
„Macula apicalis“ auch bei dem einblüthigen L. vernum von Steyr 
gelb, welches in Fl. exs. Austro-Hung. Nr. 1479 ausgegeben wurde, 
— Die ungarischen Rumänen nennen bei den Herkulesbädern das 
Scolopendrium Limba vischinyi (ny =nj), die Aconitum-Arten an 
der Grenze von Krassö-Szöreny und Hunyader Comitate Jarba r&, 
und verwenden diese als Gift, und das Geranium maerorrhizum L. 
bei Plugova und Herkulesbädern nach dem wohlriechenden Rhizome 
Pribu). v. Borbäs. 


—— öl 


Personalnotizen. 


— Dr. T. A. Baldini ist zum Assistenten und Dr. A. Ter- 
racciano zum Üonservator am botanischen Institute in Rom er- 
nannt worden. - 


— Ludwig Fekete, Forstrath und Professor in Selmeczbänya, 
erhielt für seine Abhandlung „Die Eiche und ihre Cultur“ den von 
der ungarischen forstwissenschaftlichen Gesellschaft ausgesetzten Preis 
von 100 Dukaten. 


— Dr. Günther Beck, Leiter der botanischen Abtheilung 
des naturhist. Hofmuseums erhielt den Titel und Charakter eines 
Custos. 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- 
schaften in Wien am 16. December 1886 überreichte Professor 
J. Wiesner eine im pflanzenphysiologischen Institute der Wiener 
Universität ausgeführte Arbeit von Herrn Fridolin Krasser: „Unter- 
suchungen über das pflanzliche Vorkommen von Eiweiss 
in der pflanzlichen Zellhaut“. Diese Arbeit schliesst sich an 
Wiesner’s Untersuchungen über die Organisation der vegetabilischen 
Zellhaut an, denen zufolge die wachsende Zellwand stets lebendes 
Protoplasma enthält, und nicht Cellulose, sondern Albuminate das 
Material bilden, aus welchem die übrigen in der Wand auftretenden 
Körper entstehen. Wiesner hat diese Auffassung des Chemismus 
der Zellwand bereits durch einige Thatsachen gestützt. Der Verfasser 
unterwarf die Pflanzengewebe bezüglich des Auftretens der Eiweiss- 
. körper in der Zellwand einer umfassenden systematischen Prüfung 
und erhielt fast durchaus positive Resultate. Die mikroskopische 
Nachweisung der Eiweisskörper geschah auf folgende Weise. Es kam 
nämlich das Millon’sche Reagens, welches bekanntlich nur die ein- 
fach hydroxilirten aromatischen Gruppen im Eiweiss anzeigt, erst 
zur Verwendung, nachdem etwa neben den Eiweisskörpern auftre- 
tende, einfach hydroxilirte aromatische Körper (z. B. Vanillin) oder 


| 
| 
| 


115 


nicht eiweissartige Verbindungen der letzteren (z. B. Tyrosin) aus- 
geschlossen worden waren. Zudem wurde noch jene Fettkörpergruppe 
im Eiweiss, und zwar durch Alloxan ersichtlich gemacht, welche bei 
der Zersetzung der Eiweisskörper in der Asparaginsäure und bei der 
in der Pflanze stattfindenden Zerlegung der Eiweisskörper im Aspa- 
ragin zum Vorschein kommt. Alloxan, unter gewissen Vorsichten 
angewendet, färbt sowohl die Eiweisskörper als Aspagarin und Aspa- 
garinsäure purpurn. Zum Nachweis des Eiweiss wurde das Alloxan 
erst nach Entfernung etwa vorhandenen Asparagins herangezogen. 
Durch Combination der Millon’schen und der Alloxanreaction konnte 
das Eiweiss mikroskopisch sicherer als dies bisher möglich war, nach- 
gewiesen werden. 


— Monats-Versammlung der k. k. zoologisch-botanischen 
Gesellschaft in Wien am 9. Februar. Botanische Gegenstände 
besprachen die Herren: G. Sennholz, Stadtgärtner in Wien. „Ueber 
die Resultate seiner im Juli 1886 unternommenen botanischen Ex- 
cursionen nach Odessa.“ Nach Skizzirung der geographischen und 
klimatischen Verhältnisse Odessas besprach und demonstrirte Senn- 
holz die wesentlichsten der in jenem Gebiete gesammelten, zumeist 
der pontischen Flora angehörenden Pflanzen. — Dr. O. Stapf ent- 
warf ein anziehendes „Bild der natürlichen Baumvegetation Persiens, 
wie der dortigen Baumeultur“, wo namentlich bei den Obstarten Pa- 
rallelen zwischen den europäischen und den persischen Produkten 
gezogen wurden. Bezüglich der Aepfel, Birnen und Kirschen ergab 
sich ein für die europäische Pomologie überwiegend günstiges Re- 
sultat, wogegen in Betreff der Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen und 
Feigen Persien die Palme gebührt. Dieses Land ist auch der süd- 
lichste Punkt für die Cultur des Nussbaums. Schliesslich führte der 
Vortragende die dort gebräuchlichsten Gartenbäume auf. — Dr. R. 
v. Wettstein legte seine Arbeit: „Ueber einige bisher wenig be- 
kannte Ascomyceten* vor, und erläutert zwei derselben, nämlich: 
Peziza aquatica und Hypomyces trichoderma in eingehender Weise. 


Moritz Prihoda. 


Botanischer Tauschverein in Wien. 


Sendungen sind abgegangen an die Herren Banning, Keller, 
Kochmeister, Dufft. 

Aus Ober-Oesterreich eingesendet von Steininger: Anemone 
narcissiflora, Campanula pusilla var. pubescens, Cirsium spinosissi- 
mum, KEuphorbia austriaca, Galeopsis speciosa, Gentiana angulosa, 
@G. Olusii, Hieracium austriacum, Pedicularis foliosa, P. incarnata, 
Primula variabilis, Tozzia alpina, Valeriana angustifolia. 

Vom Hochschwab in Obersteiermark einges. von Steininger: 
Armeria alpina, Örepis chondrilloides, ©. Terglouensis, Gentiana ni- 
valis, Geum montanum, Scabiosa lucida, Sedum atralum. 


116 


Aus Niederösterreich eingesendet von Keller: Alsine fascieu- 
lata, Campanula thyrsoidea, Cirsium Erisithales X rivulare, Dian- 
thus prolifer, Euphrasia strieta, Goodyera repens, Iris sibirica, Me- 
lampyrum grandiflorum, Orchis fusca, ©. sambucina, ©. variegota, 
Passerina annua, Primula elatior, Trigonella monspeliaca, Viola 
Riviniana, Neranthemum annuum. 

Aus Kärnten eingesendet von Preissmann: Blechnum Spi- 
cant, Cicuta virosa, Equisetum pratense, Linum tenuifolium, Liyco- 
podium complanatum, Medicago carstiensis, Morus alba, Rudbeckia 
laciniata, Rosa Cheriensis, Silene rupestris, Stachys alpina. 

Aus Steiermark einges. von Preissmann: Arabis arenosa, 
A. Halleri, Alsine setacea, Astragalus Cicer, Betula verrucosa, Ca- 
lamintha Nepeta, ©. silvatica, Cardamine impatiens, Care digitata, 
C. vesicaria, Oentaurea rhenana, Cirsium Erysithales, Dianthus al- 
pinus, D. deltoides, Doronicum austriacum, Euphorbia exigua, Fi- 
lago arvensis, Galinsoga parviflora, Impatiens parviflora, Isopyrum 
thalictroides, Lamium Orvala, Myosotis sparsijlora, Ostrya carpini- 
folia, Owalis strieta, Petasites offieinalis, Phytolacca decandra, Pin- 
quieula alyina, Pyrola secundu, Banunculus paucistamineus, Rosa 
tomentosa, Pubus dumetorum, R. plicatus, Sarolhamnus scoparius, 
Sisymbrium strietissimum, Sorbus Aria, Telekia speciosa, Ulmus 
efusa, Valeriana tripteris, Valerianella dentata, V. olitoria, Vieia 
grandiflora, V. lathyroides. 

Öbige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 


Inserate. 


Gratis und franco versenden wir unsern soeben erschienenen Antiqua» 
rischen Katalog Nr. 186 


Bibliotheca Botanica 
(SROO Werke). 
LIST & FRANCKE, Buchhändler in Leipzig. 


Ich gedenke zum Frühjahr Nordwest-Canada und die colum- 
bische Rocky mountains botanisch und zoologisch durchforschen 
zu lassen und bitte mein Unternehmen durch Subscriptionen und Auf- 
träge unterstützen zu wollen. Sammler in jeder Richtung leistungsfähig. 


Rittergut et Baumschulen ZÖSCHEN bei Merseburg. 
Dr. 6. Dieck. 


Th  — | |,T,—— 
Redaeteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn. 
C. Ueberreuter’'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. 


Oesterreichische 


Botanische Zeitschrift. 


Die österreichische = Exemplare 
botanische Zeitschrift Organ die frei durch die Post be- 
erscheint zogen werden sollen, sind 
den Ersten jeden Monats. f blos bei der Redaetion 
Man pränumerirtauf selbe ür (IV. Bez, Mühlgasse Nr. 1) 


mit 8 fl. öst. W. zu pränumeriren. 


(2 vor) .„ Botanik und Botaniker. „„m\e;gs 


ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt 


4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Pränumeration 
eg: : C an Sohn 
nserate in Wien. 
die ganze Petitzeile N: A sowie alle übrigen 
15 kr. öst. W. vs _ Buchhandlungen. 


I L  L ULLI 
XXXVII. Jahrgang. WIEN. April 1887. 


ET TE EEE "TEE EEE TE Ten EEE TEE Te me DEE ET Te ra 

INHALT: Utriularia brewicornis. Von Dr. Celakovsky — Neue Algen. Von Dr.Hansgirg. — 
Zygomorpher Blüthenbau. Von Dr. Focke. — Rubus-Formen. Von Formänek. — Zur Flora 
von Galizien. Von Btiocki. — Zur Flora von Bielitz. Von Baier. — Epipogium Gmelini. Von 
Ullepitsch. — Flora des Etna. Von Strobl. -- Literaturberichte. — Correspondenz. Von 
Braun, Huter, Voss, Ascherson, Formänek, Blocki, Borbäs. — Personalnotizen. 
— Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserate. 


Nochmals Urietaria brevieornis. 
Von L. Celakovsky. 


Sehr bald nach dem Erscheinen meines Artikels über die Utri- 

eularia breviecornis in dieser Zeitschrift hat Prof. Ascherson in 
dem letzterschienenen 27. Jahrg. der Verhandl. des botan. Vereins 
der Provinz Brandenburg den Nachweis geliefert, dass die von mir 
neu aufgestellte Art mit der skandinavischen U. ochroleuca R. Hartm. 
identisch ist. Ich habe seither Hartmann’sche Originalpflanzen aus 
Stockholm (durch die Güte von Prof. Wittrock) und aus dem Ber- 
liner Herbarium (durch Prof. Ascherson’s Vermittelung) zum Ver- 
gleiche gehabt und kann allerdings auch, soviel das getrocknete Ma- 
terial sehen lässt, die Uebereinstimmung derselben mit meiner U. 
brewicornis eonstatiren. Ebenso harmoniren auch, von einigen gering- 
fügigeren Punkten abgesehen, die von Hartman und von mir für 
dieselben hervorgehobenen Merkmale mit einander. 

Als ich die U. brevicornis aufstellte, hatte ich wirklich keinen 
Verdacht auf die mir nur dem Namen nach bekannte (im Prager 
Museumsherbar fehlende) nordische U. ochroleuca. Schon dieser Name, 
der auf die lebende böhmische Pflanze sehr schlecht passt, liess einen 
solchen Verdacht in mir nicht aufkommen, hauptsächlich aber war 

r mich die Meinung massgebend, dass die bereits im Jahre 1859 
von Baenitz bei Sommerfeld in der Provinz Brandenburg gesam- 
elte Pflanze, wenn sie einer bereits beschriebenen Art angehörte, 
von den deutschen Botanikern, insbesondere aber vom meinem pflan- 
Oesterr. botan. Zeitschrift, 4. Heft. 1887. 10 


118 


zenkundigen Freunde Ascherson, dem ausgezeichneten Floristen 
Brandenburgs, längst als solche erkannt worden wäre (sie wird je- 
doch in der Flora von Brandenburg mit! unter U. intermedia auf- 
geführt), dass es sich also nur um eine bisher von Niemandem 
(ausser Koch) von der UT. intermedia wunterschiedene Art handeln 
könne. Diess zur Aufklärung, wesshalb die U. ochroleuca Hartm. von 
mir unbeachtet geblieben ist. 

Die Hartman’sche Art scheint übrigens selbst in Schweden 
nicht allgemein gekannt zu sein, denn im Herbar von Freyn salı 
ich eine von Areschoug ausgegebene „U. ochroleuca“, die gar nicht 
in die Gruppe der U. intermedia, sondern in die Gruppe der U. 
vulgaris (dem Ansehen nach und ohne nähere Untersuchung zu U. 
neglecta Lehm.) gehört. 

Zu meinem ersten Aufsatze in Oesterr. bot. Zeitschr. habe ich 
jetzt, nach dem Erscheinen der Arbeit Ascherson’s, und nachdem 
ich auch noch mehr Material sowohl von U. intermedia, als von U. 
ochroleuca gesehen habe, einige Zusätze zu machen. Die auffallendste 
Differenz in den von Hartman und den von mir angegebenen 
Merkmalen betrifft dem Wortlaute nach die Blüthbenfarbe. Hart- 
man nennt die Blüthenfarbe der schwedischen Pflauze blassgelb 
oder schmutzig weisslichgelb (pallide flavus, ochroleucus, daher der 
Speciesname), ich bezeichnete die Blume der böhmischen Pflanze als 
einfarbig eitronengelb. Zwischen ochroleucus (nach G. W. Bischoff = 
weisslich ockergelb, ein sehr blasses, schmutziges Gelb) und eitrinus 
(nach Bischoff und auch in dem von mir verstandenen Sinne ein 
reines, helles Gelb ohne Glanz) scheint ein beträchtlicher Unterschied 
zu bestehen. Nachdem aber die Blüthenfarbe der Utrieularien eine 
sehr constante zu sein pflegt, so möchte ich einen solchen Unter- 
schied der schwedischen und böhmischen, sonst identischen Pflanze 
bezweifeln und eher annehmen, dass der Ausdruck ochroleucus 
(pallide Navus passt schon besser auf die böhmische Pflanze) von 
Hartman minder glücklich gewählt worden ist. Nun unterscheidet 
dieser Autor seine var. microceras ausser durch den kürzeren Sporn 
auch durch eine andere, nämlich feuergelbe (brandgelbe) Blüthenfarbe. 
Was diess betrifft, dürfte aber wohl Uechtritz das Richtige getroffen 
baben, da er mir schrieb: „die brandgelben Blumen sind vielleicht 
nur ein Produkt des Trocknens, da die Farbe des Wittingauer Exem- 
plares von Velenovsky gegenwärtig wirklich dieser Angabe ent- 
spricht. Diese Varietät ist zudem nur von einem schwedischen Stand- 
orte bekannt und hat vermuthlich dem Autor nicht in frischem Zu- 
stande vorgelegen.“ 

Eine neuerliche Untersuchung der schwedischen U, ochroleuca 
und ihrer var. microceras im lebenden Zustande dürfte es bestätigen, 
dass deren Blüthen weder ochroleuk, noch „brandgelb“ sind, sondern 
mit der böhmischen in dem reinen, hellen, nur wenig blassen Gelb 
übereinstimmen. 

Hartman gibt auch den Sporn der U. ochroleuca als roth- 
braun an im Gegensatze zur U. intermedia mit gleichfarbigem Sporne, 


119 


und Ascherson bemerkt beistimmend, dass auch an den Baenitz’- 
schen Exemplaren der Sporn viel dunkler gefärbt war als der Rest 
der Blumenkrone. Ueber diese schon so alten Exemplare will ich in 
Betreff der Farbe nicht urtheilen, es mag sich ja so verhalten; von 
der böhmischen Pflanze kann ich aber bestimmt behaupten, und 
mehrere von mir sorgfältig einzeln getrocknete und ausgezeichnet 
erhaltene Blüthen bezeugen es noch jetzt, dass der Sporn ebenso 
hellgelb ist, wie die übrige Blumenkrone. Ferner soll die Oberlippe 
der U. ochroleuca nach Hartman gestreift sein, die der böhmi- 
schen Pflanze war es bestimmt nicht. 

Die gewöhnlich rothbraune Färbung des Schaftes und der Kel- 
che bei der U. brevicornis, die mehr grüne bei U. intermedia kann 
ich bestätigen, ohne gerade viel Gewicht darauf zu legen, und ohne 
dass es mich wundern würde, wenn es dann und wann anders wäre. 
Aehnlich verhält es sich mit der Farbe der Schläuche, wiewohl ich 
sie bei der ochroleuca noch nicht so dunkel fand, wie meistens bei 
U. intermedia. Aber von Bedeutung ist die weit geringere Grösse 
der Schläuche, wie auch der Kelche und Deckblätter bei der ochro- 
leuca, wie überhaupt deren viel grössere Feinheit in allen Theilen. 

Was die Zahl der sterilen Schuppen am Schafte betrifft, so ist 
die Mehrzahl (2—3, ja 4) bei ochroleuca gewiss typisch, vielleicht 
auch constant'), während die Einzahl bei U. intermedia nicht ohne 
Ausnahmen ist, wie ich das ja auch mit dem Worte „meist“ bereits 
zugestanden habe. 

In Betreff der Oberlippe der Corolle habe ich angegeben, dass 
sie bei der U. brewicornis leicht ausgerandet ist (und eine meiner 
gut getrockneten Blüthen zeigt es sehr deutlich), während die Ober- 
lippe der U. intermedia im Gegensatze zur U. minor mit ebenfalls 
ausgerandeter Oberlippe von den Autoren allgemein „ungetheilt“ 
genannt wird. Ascherson meint nun, es sei weiterhin zu prüfen, 
ob nicht die schwedische Pflanze (und wohl auch UT. intermedia?) eine 
leicht ausgerandete Oberlippe besitze. Hierauf kann ich, was die Ü. 
intermedia betrifft, schon jetzt Antwort geben; ich fand nachträglich 
im Alle. Herbar des böhmischen Museums an einem Exemplare der 

U. Grafiana von Klagenfurt an einer gut aufgelegten Corolle die 
Öberlippe nicht nur leicht, sondern ziemlich tief ausgerandet. Es ist 
somit die Angabe der Floren über die Oberlippe der U. intermedia 
wenigstens nicht allgemein richtig. 


Die Unterlippe der U. brevicornis habe ich flach gefunden und 
auch so angereben; Hartman fand diess offenbar auch, da er in 
dieser Hinsicht keinen Unterschied von U. intermedia angibt; da- 
eren hat Ascherson früher in dem Schema der sechs europäischen 
Dirieularia-Arten, welches er in den Verh. des Bot. Ver. von Bran- 


') Ascherson sagt zwar, dass manche Exemplare der U. ochroleuca 
Dänemark (von Lyngby) anch nur eine sterileSchuppe am Schafte tragen; 
it dieser dänischen „ochroleuca“ hat es jedoch eine eigene weiterhin noch zu 
rechende Bewandtniss, 

10* 


120 


denburge 1861 gereben, der U. ochroleuca eine umgeschlagene Unter- 
lippe gleich der U. vulgaris und minor zugeschrieben. Nachdem aber 
Prof. Ascherson brieflich selbst diese Angabe als irrig bekannt hat, 
so genügt es, diess zur Vermeidung einer weiteren Beirrung einfach 
zu registriren. 

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal beider Arten bleibt der 
Sporn. Er ist bei U, ochroleuca kurz, kegelförmig, etwa so lang als 
die halbe Unterlippe oder noch kürzer; bei U. intermedia ist er fast 
so lang als die Unterlippe und walzenförmig oder lang kegelförmig. 
Richtig ist Ascherson’s Bemerkung, dass die Länge bei beiden 
Arten einigermassen varjirt; jedoch ist diess nicht in dem Masse der 
Fall, dass hierin die Grenze beider Arten je verwischt würde, d.h. 
der längste Sporn der U. brevicornis ist relativ und absolut noch 
viel kürzer und überhaupt kleiner als der kürzeste der U. inter- 
media. Die schon erwähnte Varietät microceras Hartm., die bisher 
nur bei Wrigstad in Schweden gefunden wurde, unterscheidet sich 
aber nach Hartman von der typischen U. ochroleuca durch einen 
noch doppelt kürzeren Sporn. Obzwar ich diese Varietät in originali 
nicht gesehen habe, so zweifle ich doch nicht, dass ich sie jetzt auch 
aus Mitteleuropa kenne, nachdem ich die typische U. ochroleuca aus 
Helsingland (R. Hartman!), mit welcher die Pflanze von Sommer- 
feld und Wittingau im Sporne übereinstimmt, zum Massstab für die 
var. mieroceras nehmen kann. Für diese halte ich nämlich unbedingt 
die Form, die mir Herr Fiek gefälligst mitgetheilt hat, und die 
von ihm in der Ober-Lausitz bei Rietschen und zwar im Torfstiche 
zwischen Daubitz und Tränke gesammelt worden, dann jene mit ihr 
im Sporn übereinstimmende U. ochroleuca (als U. intermedia aus- 
gegeben) vom Lac de Longemer pres Gerardmer (leg. Perrin!) aus 
dem Herb. norm. von F. Schultz. Diese Form hat nämlich wirk- 
lich einen noch doppelt kürzeren Sporn als die genannte typische 
Form, derselbe kommt also schon dem von U. minor nahe, ist je- 
doch bedeutend schlanker und spitziger als bei dieser, was durch 
eine ausgeschweifte obere Contour zu Stande kommt. Hartman 
nennt zwar den Sporn von D. ochroleuca stumpf, während ich ihn 
spitz genannt habe. Diese Differenz ist aber belanglos; denn an 
der Hartman’schen Pflanze ist der Sporn allerdings stumpflich (ge- 
radezu stumpf möchte ich ihn aber nicht nennen), bei der böhmi- 
schen spitzer, bei der kleinspornigen Varietät noch spitziger. 

Am wenigsten constant habe ich in letzter Zeit die Unter- 
schiede in den Blättern, nämlich die Beschaffenheit der Blattzipfel 
bei der U. intermedia gefunden, und habe mich überzeugt, dass 
diese Art nicht immer stumpfliche, mit aufgesetzter Stachelspitze 
versehene Blattzipfel besitzt, wie ich angab, sondern dass sie auch 
mit spitzigen und zur Spitze verschmälerten Zipfeln abändert, welche 
in diesem Falle von denen der U. ochroleuca nicht so sehr verschie- 
den sind, um so mehr, als auch die Zahl und Entfernung der Rand- 
wimpern varürt, erstere einzeln sogar bis auf 4 und 3 auf einer 
Seite des dann kürzeren Zipfels herabsinken kann. Doch sind die 


121 


Blätter und Blattabschnitte der U. ochroleuca stets feiner und zar- 
ter, letztere constant höchstens nur mit drei Wimperzähnen auf je 
einer Seite versehen. Uebrigens sei noch auf die nachfolgende Be- 
sprechung der dänischen und pfälzer Utricularia verwiesen. 

Hartman hat noch eine Differenz in den Winterknospen 
hervorgehoben, welche bei U. ochroleuca kugelrund, so gross als bei 
U. minor, bei U. intermedia meist länglich oval, '/, Zoll lang ge- 
nannt werden. Ascherson gibt dieser Differenz das Zeugniss, dass 
der taxonomische Werth des Merkmals der länglichen Winterkno- 
spen der U.intermedia, gegenüber den runden der ochroleuca gewiss 
von Hartman nicht überschätzt worden ist, nur lasse es an Her- 
barexemplaren leider in der Regel im Stich, weil diese Organe erst 
im Spätsommer ihre Ausbildung erlangen, zu einer Zeit, in der man 
die Pflanze nicht mehr für das Herbar zu sammeln pflegt. 

Ich kann weder die Constanz der Form der Winterknospen, 
noch deren regelmässig so späte Bildung bestätigen. An den von Ve- 
lenovsky Mitte Juni bereits gesammelten Exemplaren sind nämlich 
schon häufig Winterknospen ausgebildet und nicht kugelrund, wie an 
den Hartman’schen Exemplaren, sondern von oval-länglicher Form, 
auch viel grösser. Diess der Grund, wesshalb ich in den Winterkno- 
spen kein Merkmal der beiden Arten angeben konnte. Auch sehe 
ich an manchen anderen blühenden Herbarexemplaren beider Arten 
bereits Winterknospen gebildet, so an der noch zu erwähnenden dä- 
nischen Pflanze von Lyngby. Eher scheint mir der Behaarungsgrad 
dieser Knospen zur Unterscheidung verwerthbar; die Blätter der Win- 
terknospen von U. intermedia sind nämlich an den Zipfelenden sehr 
dicht und lang pinselartig bewimpert, daher die Knospen dicht rauh- 
haarig-zottig aussehen. Bei U. ochroleuca aus Böhmen, wie aus 
Schweden sind die Knospen viel spärlicher und kürzer behaart. 


(Schluss folgt.) 


 Algarum aquae dulecis species novae. 


’ Auctore Dr. A. Hansgirg. 
P 1. Plectonema phormidioides nob. P. strato plus minus expanso, 


 submembranaceo, sordide aeruginoso vel atroaerugineo; trichomatibus 


_ subintricatis, parce pseudoramosis, arcte vaginatis, ad 8—9 u crassis, 


h 


 distinete articulatis; pseudoramulis adscendentibus simplieibus vel 
- geminis, trichomate parum tenuioribus; articulis subdublo triplove 
revioribus; plasmate aerugineo vel obscure violaceofuscescente, va- 
ginis achrois, laevissimis. 

Hab. in saxis perpetuo inundatis in margine rivulorum ad Sieh- 
dichfür prope Neuwelt, Bohemiae. a 

2. Leptochaete nidulans nob. L. thallo minutissimo in massa- 
gelatinosa Clathrocystidis aerugineae (Ktz.) Henf. et Polyeystidis flos- 


122 


agquae Witb. nidulante; trichomatibus substrietis vel parum curvatis, 
subparallelis, caespitosocongregatis, raro solitariis, brevibus, basi ad 
2—45 u crassis, 15-45 w longis, apice subhyalino subulatis, indi- 
stinete articulatis; articulis basal. diametro subaequalibus, pallide 
aerugineis; vaginis arctissimis, luteis vel aureofuscescentibus, tricho- 
matum longitudinem non aequantibus.') 

Hab. in lacubus, superficie aquae quietae natans ad Bystric 
prope Beneschau, Bohemiae. 

3. Dactylococcus rhaphidioides nob. D. cellulis rectis vel varie 
curvatis, fusiformibus, sigmoideis, sublunatis, semilunaribus vel irre- 
gulariter contortis, apices versus sensim, attenuatis, solitariis, medio 
ad 2—2°5 „ crassis, diametro 6—11-plo longioribus (ad 15—36 u 
longis), in stratum irregulariter expansum, lubricum, viride, conso- 
tiatis; plasmate in medio cellularum pallide viridi, utroque polo 
subhyalino; eytiodermate tenui, laevi. (Cellulae plerumque asymme- 
tricae, altero apice longiori, altero breviori. 

Hab. in rupibus madidis in consortio Palmellae et Gloeocystidis 
ad Harrachsdorf, Bohemiae. 

4. Inoderma majus nob. J. thallo effuso, mucoso, molli, laete 
viridi; cellulis oblongis vel subeylindrieis, utroque polo late rotun- 
datis, singulis, ad 6—8 u crassis, 1—2-plo longioribus, gelatina molli 
laxe in stratum irregulare connectis; chromatophoris (chlorophoris) 
[in quaque cellula 1] parietalibus, laminaeformibus, pyrenoides glo- 
bosas includentibus. 

Hab. in lignis vetustis, perpetuo inundatis, praecipue in aquae- 
duetorum ligneorum parietibus regionis submontanae ad Eisenbrod et 
Harrachsdorf, Bohemiae. 

5. Protococeus variabilis nob. P. cellulis singulis, magnitudine 
variis, oblongis, elliptieis vel subeylindrieis, plerumque leviter cur- 
vatis, ad polos rotundatis, nonnunguam subsphaericis, ad 6—15 u 
erassis, 1—2-plo longioribus (10—26 u longis) in stratum flavo 
aureum luteosubaurantiacum, tenue, submucosum (aöre humido) vel 
subpulvereum aggregatis, nudis (cytiodermate tenuissimo, non distincto); 
plasmate oleoso aureoflavescente vel flavorubello, locello rubro ad 
3 «u lato excentrice locato praedito.*) 

Hab. ad parietes caldariorum horti com. Kinsky, Pragae. 


‘) Diese neue L.-Art steht der an Stengeln von Potamogeton cerispus 
vorkommenden L. parasitica Bzi. am nächsten. 

*) Diese schön gefärbte neue P.-Art wird in den nächsten Fascikeln der 
„Algae exs.“ Prof. Dr. Wittrock's und Dr. Nordstedt's mitgetheilt werden. 


ee  . ( 


Nie Entstehung des zygomorphen Blüthenbaues. 
Von W. O. Focke. 


Während das Streben der Forscher auf dem Gebiete der orga- 
nischen Naturwissenschaften bis vor kurzer Zeit fast ausschliesslich 
auf die Sammlung von Thatsachen gerichtet war, hat sich der Er- 
kenntnisstrieb neuerdings einen wesentlichen Schritt weiter vorwärts 
gewagt, indem er versucht, die Ursachen der Erscheinungen zu ver- 
stehen. Die Zoologie und Botanik treten dadurch in ihren For- 
schungszielen der Physik und Chemie an die Seite, aber die orga- 
nischen Naturwissenschaften verfügen noch nicht über gleich sichere 
und bewährte Methoden der Untersuchung, wie sie sich in jenen 
andern Fächern bereits vollständig eingebürgert haben. Es ist also 
gleichsam die Technik der „Forschung nach den Ursachen“, welche 
wir auf dem Gebiete der Botanik und Zoologie weiter auszubilden 
und zum Theil noch zu schaffen haben. 

In Streitfragen über die Ursachen einer Erscheinung im Thier- 
oder Pflanzenreiche übte bis vor kurzem noch ein seltsames Argu- 
ment eine gewisse Wirkung aus, nämlich die Behauptung, es könne 
von zwei oder mehreren Erklärungen für dieselbe Thatsache höch- 
stens eine richtig sein. Diese Meinung ging hervor aus einer voll- 
ständigen Verkennung der Vielseitigkeit aller Einwirkungen, denen 
jedes lebende Wesen in jedem Augenblicke ausgesetzt ist. Es ist 
leieht möglich, eine Pflanze oder ein Thier durch eine einzige Ur- 
sache zu tödten, indem man eine der nothwendigen Lebensbedin- 
gungen aufhebt, aber es ist unmöglich, bei Fortbestand des Lebens 
durch eine einzige Ursache eine dauernde Aenderung hervorzurufen, 
wenn nicht gleichzeitig eine Reihe von anderen Voraussetzungen für 
das Zustandekommen der Aenderung erfüllt sind. Die Richtigkeit 
dieser Auffassung wird durch die Erfahrung überall bestätigt. Weder 
Düngung, noch Regen, noch Sonnenschein und Wärme vermögen an 
und für sich eine gute Ernte hervorzubringen; die günstigen Ein- 
flüsse müssen vielmehr in der richtigen Weise zusammenwirken. Man 
darf sich aber nicht dadurch täuschen lassen, dass unter Umständen, 
wenn alle übrigen Bedingungen regelmässig erfüllt sind, scheinbar 
nur eine einzige für den Erfolg entscheidet. In Aegypten hängt die 
Ernte so gut wie allein vom Wasserstande des Nil ab, der den 
Pflanzen gleichzeitig die erforderliche Feuchtigkeit und Düngung lie- 
forn muss; an Wärme und Sonnenschein fehlt es in jenem Lande 
niemals; Regen, der in anderen Gegenden zu Zeiten nützlich, zu 
Zeiten schädlich wirkt, gibt es dort überhaupt nicht. 

Wollen wir eine Erscheinung in der Thier- oder Pflanzenwelt 
verstehen, so werden wir zunächst jedesmal drei verschiedene Sei- 
ten des Lebens ins Auge fassen müssen, die morphologische, die 
physiologische und die biologische. Bei jeder Aenderung in der 
Gestalt und im Bau handelt es sich zugleich um deren Einfluss auf 
die physiologischen Vorgänge, insbesondere den Stoffwechsel im 


124 


Organismus selbst, und auf die biologischen Beziehungen, also 
die Widerstandsfähigkeit gegen die Einwirkungen der Aussenwelt 
einerseits, die Fähigkeit zur Ernährung und Fortpflanzung anderseils. 

So lange diese Anschauungen nicht allgemein als selbstver- 
ständlich anerkannt sind, wird es nützlich sein, sich ihrer zu erin- 
nern, wenn man an eine Untersuchung über die Ursachen einer 
Erscheinung in der organischen Welt herantritt. 

Die Blumen der höheren Pflanzen bestehen aus verschiedenen 
Kreisen oder Wirteln, deren jeder aus einer Anzahl gleichwerthiger 
und häufig auch gleichgestalteter Organe zusammengesetzt ist. In 
vielen Fällen sind aber die einzelnen Glieder eines Wirtels nicht 
von gleicher Gestalt; die Blumen lassen sich dann in der Regel 
in zwei gleiche Hälften theilen, welche einander wie rechts und links 
entsprechen. Ohne Zweifel sind diese halbseitig symmetrischen oder 
zygomorphen Blumen aus den strahlig symmetrischen oder aktino- 
morphen hervorgegangen. Die Frage, welche hier näher ins Auge 
gefasst werden soll, ist nun die, durch welche Ursachen der Ueber- 
gang von dem strahligen zum halbseitigen Blüthenbau bewirkt 
sein mag. 

Mit vollem Rechte hält mm im allgemeinen die Insecten- 
thätigkeit für die wesentliche Ursache der Zygomorphie. Wenn diese 
Ansicht richtig ist, so werden wir annehmen müssen, dass die Samen- 
anlagen in zygomorphen Blumen durchschnittlich mehr Aussicht haben, 
von Pollen eines andern Pflanzenstockes befruchtet zu werden, als 
dies unter ähnlichen Umständen in aktinomorplien der Fall sein 
würde. 

Die Richtigkeit dieser Voraussetzung lässt sich sehr schwer 
direct beweisen, zumal da eine ganze Reihe besonderer Umstände 
in Rechnung zu ziehen ist. Vor allen Dingen ist zu erwägen, dass 
die Zygomorphie die Selbstbestäubung nicht unmöglich macht. Dikli- 
nie und Unempfindlichkeit gegen den eigenen Pollen sind sichere 
Mittel, um engste Inzucht bei der Fortpflanzung der Gewächse zu 
verhüten, aber die Existenz der Arten ist dann unbedingt von der 
Wirksamkeit der Kreuzungsvermittler abhängig. Bei diklinischen 
und bei ausschliesslich auf Windbestäubung angzewiesenen Arten 
würde Zygomorphie keinen Werth für die Zeugung einer kräftigen 
Nachkommenschaft haben. Es ist aber denkbar, dass der Vortheil 
einer Nothbefruchtung durch eigenen Pollen für eine Pflanzenart, bei 
der die Kreuzung völlig gesichert ist, werthlos wird. In diesem Falle 
könnte sich auch bei einer zygomorphen Art nachträglich Diklinie 
entwickeln. Es scheint z. B., als ob die Gattungen Thymus und 
Mentha sich in einem Uebergangsstadium zur Diklinie befänden. 
Gleichzeitig scheint sich bei ihnen aber auch die Zygomorphie zu 
verlieren. 

Es würde zu weit führen, die Frage nach den Vortheilen der 
Zygomorphie nach allen Seiten zu eröitern; es mag hier nur ange- 
führt werden, dass die Erfahrung der theoretischen Auffassung von 
ihrem Nutzen nicht widerspricht. Vor der Diklinie und der Andıo- 


125 


diöcie, deren biologische Bedeutung eine ähnliche ist, wie die der 
Zygomorphie, hat diese letzte den Vorzug voraus, dass alle Indivi- 
duen samentragend sind. 

Die Ausbildung der Zygomorphie hat man sich demnach in 
folgender Weise vorzustellen. Der zygomorphe Bau der Blume lockt 
Kreuzungsvermittler an und schliesst unnütze Honigräuber aus. Es 
werden mehr Samen durch Kreuzung erzeugt und die daraus hervor- 
gerangenen Pflanzen zeigen sich widerstandsfähiger und lebenskräf- 
tiger, als die durch Inzucht entstandenen. Je besser sich der Blüthen- 
bau den Kreuzungsvermittlern anpasst, um so mehr kräftiger Nach- 
wuchs wird erzeugt, der die Eigenschaften der bestangepassten In- 
dividuen auf die ferneren Nachkommen übertragen wird. 

Man könnte sich vorstellen, dass der erste Anstoss zur Zygomor- 
pbie in ganz zufälligen regellosen individuellen Variationen gegeben sei. 
Die einzelnen Kronblätter z. B. einer Anemone oder Sawifraga sind 
nieht immer genau gleich gross. Es ist nun aber nicht einzusehen, 
wie eine solche Unregelmässigkeit die Kreuzung begünstigen könnte. 
Dagegen scheint die folgende Betrachtung mehr Aufschluss zu 
liefern. 

Die Blattkreise der Blumen entsprechen Laubblattwirteln. Es 
fragt sich nun zunächst, ob nicht vielleicht auch Laubblattwirtel 
zygomorph werden können. Ein Blick auf die 3- bis 4gliedrigen 
Laubblattwirtel bei Arten von Zysimachia, Lythrum, Elatine u. S. W., 
so wie auf die vielgliedrigen von Hippuris und Myriophyllum lehrt 
uns, dass in diesen Fällen von einer irgend wesentlichen Ungleich- 
. heit der einzelnen Blätter nicht die Rede sein kann. Wendet man 
sich aber zu einer Catalpa, so sieht man sofort, dass die einzelnen 
Glieder jedes Blattkreises unter einander sehr ungleich sind. Catalpa 
syringaefolia besitzt alternirende dreigliedrige Blattwirtel, in denen 
das am freissten nach aussen liegende Blatt, welches also am meisten 
Lieht und Luft erhält, bei weitem am grössten ist. Sucht man sich 
einen Zweig, der nicht von Nachbarzweigen beschattet ist, so wird 
in dem einen Wirtel das der Hauptachse, also dem Stamme, zuge- 
wandte Blatt das kleinste sein, während die beiden anderen, schräg 
nach aussen gerichteten gleich gross sind. In dem folgenden Wirtel 
müssen dann zwei schräg nach innen gerichtete Blätter wiederum 
gleich gross seir, während nun aber das unpaarige Blatt nach aussen 
gewendet ist und daher die beiden anderen an Grösse übertrifft. 

Man könnte versucht sein, das so gegebene Schema sofort an 
einer Blüthe mit zygomorphem 6gliedrigen Perigon zu prüfen, aber 
es zeigt sich gleich bei der ersten Familie, an die man denken wird, 
bei den Orchideen, dass etwaige Drehungen die Verhältnisse voll- 
ständig ändern müssen. So liefert uns denn die Betrachtung der 
Catalpa-Blätter nur die allgemeine Regel, dass das von der Haupt- 
achse abgewendete Blatt eines Wirtels das geförderte ist. 
Wo die Wirtel an der Hauptachse selbst stehen, wie bei Lysima- 
chia, Hippuris u.s. w., da sind alle Blätter dem Lichte und der 
Luft gleichmässig ausgesetzt, so dass ein Unterschied nicht zu er- 


126 


warten ist. Dagegen zeigt z. B. Nerium die nämlichen Verhältnisse 
wie Catalpa, nur nicht in so auffälligem Grade, 

Nach diesen Analogien würden geförderte Blumenblätter vor- 
züglich in botrytischen Blüthenständen zu erwarten sein, in 
denen die Blumen seitlich an einer Hauptachse stehen. In eymösen 
Blüthenständen mit terminalen Blüthen wird in der Regel kein ein- 
zelnes Blumenblatt als das geförderte aufgefasst werden dürfen. In 
gedrängten Blüthenständen, Köpfchen, Dolden oder Scheindolden wer- 
den dagegen nach dem aufgestellten Grundsatze die äusseren Blumen- 
blätter der Randblüthen gefördert werden, so dass Blüthenstände 
mit aktinomorphen Mittelblumen und zy omorphen Randblumen ent- 
stehen (Compositae, Dipsaceae, Plumbagineae, Umbelliferae, Capri- 
foliaceae, /beris u. s. w.) Es ist in diesem Falle gleichgiltig, ob der 
ursprüngliche Bauplan der Inflorescenz botıytisch oder cymös ist. 

(Schluss folgt.) 


—i 


Mährische und schlesische Rubus-Formen. 
Von Dr. Ed. Formänek. 


Der gütigen Verwendung des Herrn Heinr. Braun, der einen 
Theil meiner Rubus-Arten zu determiniren die Güte hatte, verdanke 
ich, dass der rühmlichst bekannte Batolog Herr Heinr. Sabransky 
den grössten Theil meiner Rubussammlung zur gütigen Determina- 
tion und Revision übernahm; ich fühle mich aus diesem Anlasse 
verpflichtet, meinen Dank beiden Forschern für die mir in der lie- 
benswürdigsten Weise ertheilte Auskunft über die betreffenden Arten 
auszusprechen. Im Nachfolgenden die Aufzählung der Standorte der 
einzelnen Aubus-Formen: 


Rubus suberectus Andersson. Holzschlag pod tremi kameny bei Rot- 
talowitz, Roznau, Neutitschein. 

— plicatus Weih. et Nees. Zelezny, Rohozetz, Kvitnice u. a. O. bei 
Tischnowitz, Punkwathal bei Blansko, Jedownitz, Holstein, Sloup, 
Boskowitz, Schönberg, Strany, Val.-Klobouk, Mähr. -Ostrau, Przno, 
Lubna, Krasnä, Morawka, Lomna, Gräfenberg, Nieder-Thomasdorf. 

— Thyrsoideus Wimm. Zaruba bei Gurein, Obora bei Lomnitz, 
Punkwathal bei Blansko (f. umbrosa), Skalka bei Bysterz, Jele- 
nowa bei Strany (f. umbrosa). 

— 2) candicans Weihe. Zaruba bei Gurein, Sokoli bei Sentitz (hier 
auch die f. euodes &. Br.), Rohozetz nächst Tischnowitz, Obora 
bei Lomnitz (f. gracilis virens), Adamsthal, Hora bei Mähr.-Bud- 
witz, Bohonitz, Wald bei Althammer. 

— b) thyr santhus Focke. Sternberg. 

— bifrons Vest. Holzschläge am „Pansky kopec“ bei Roznau, Ko- 
pankow unterhalb des Ondrejnik, Gr.-Kuntschitz, Kozinee bei 
Roznau, Trojanowitz, Frankstadt, Malenowitz, 


| 


127 


Rubus macrophyllus Weih. et Nees. Boguschowitz. 
— villicaulis Köhler. Zwischen der ersten und zweiten Mühle bei 


Pernstein (eine an R. rhombifolius erinnernde Form), Hügel Ka- 
meny bei Strana, Lhotka bei Bystritz a. H., Hostein, Metylowska 
hürka bei Friedland, Ostrawitz, Przno, Lubna, andere Standorte 
d. Z. 1884, pag. 362. 

tomentosus Borkh. Schimitz, Medlänko, Ewanowitz, Rejholee bei 
Tischnowitz, Hürel bei Parfuss, Komein, die in d. Z. 1884, 
pag. 362 unter diesem Namen angeführten Standorte gehören zu 
R. caesius L. f. versus glandulosa Focke subvar. hirsuta. 
silesiacus Weihe, in Wimm. und Gr. Fl. Sil., Focke Synops. etc. 
Punkwathal bei Blansko. 

hirtus W. Kit. Rosicky bei Teltsch (opulente Form), Hradisko 
bei Lhota nächst Teltsch, K1.-Lhota, Jaworice, Ochoza bei Neu- 
stadtl, Bratranowski bei Lhotka, Beberek und Neudeck nächst 
Saar, Jawornik, Philippsthal, Neu-Lhota, Kotary am Wege zur 
Jawofina, Vapenky bei Val.-Klobouk, Jaworniky, Gr.-Karlowitz, 
Gawalöansky- Revier nächst der Salajka, Cäb, DuZna, Roznau, 
Putyrky, Säfranice bei Mähr.-Weisskirchen, UrbaSka bei Slawita, 
Jägerndorf, andere Standorte d. Z. 1884—1886. 

Gremlii Focke, Halacsy, Butosonka unterhalb der Lysä hora. 
orthacanthus Wimm. Punkwathal bei Blansko, Rosicky bei Teltsch, 
Wolschy, Neustadtl, Marschowitz, Rokytna, Pohledetz. 
corylofolius Smith. Medlanko, Mähr.-Kynitz, Obora bei Lomnitz, 
Bejkowitz, Gr.-Pawlowitz, Potylky bei Strilek, (Bukowina bei 
Wrbowetz), Kobela bei Küzelau, Ung.-Brod, Hawritz, Val.-Klo- 
bouk, Ostrawitz: so Wasathal und a. O. 
corylifolius > candicans. Weinberge bei Hawritz, Vapenky bei 
Val.-Klobouk. 

sylvaticus Weih. et Nees. Zwischen der ersten und zweiten Mühle 
bei Pernstein, 

Wahlbergii Arrh. Radislawitz. 

caesius L. a) glandulosus Focke. Hradisko bei Lhota nächst 
Teltsch, b) foliis ineisis Pohansko bei Lundenburg. c) armat« 
Focke. Rubensko bei Ung.-Brod. 

caesius > tomentosus. Weinberge bei Schimitz, Hädyberg bei der 
Klajdowka, Mordovna, Bergl und Markrabstvi bei Medlanko, Rej- 
holetz bei Tischnowitz. 

caesius x candicans. Spalenisko bei Tischnowitz, Philippsthal bei 
Jawornik, Val. Klobouk. 

chlorophyllus Gremli. Punkwathal bei Blansko, Obora bei Lom- 
nitz, Chudobin bei Bystritz a. P., Neustadtl, Gemeindewald bei 
Saar, an Waldesrändern und Lehnen bei Kohoutowitz, Bohonitz. 
oreogeton Focke (= R. chlorophyllus Gremli?). Wald nächst des 
‚Jägerhauses bei Sobieschitz, Schellenberg und Schiessstätte bei 
Tischnowitz, Punkwathal bei Blansko, Obora bei Lomnitz, ‚Bos- 
kowitz, Rosiöky bei Teltsch, Wald bei den Kalkbrüchen und Cerny 
les bei Saar, Pathenwald bei Goldenstein, Bohonitz, Hürka bei 


128 


Ung. Brod (sehr robuste Form). — Focke gibt diese Art aus dem 
schlesischen Gebirge an (Wimmer, Schwarzer), daher dieser mäh- 
rische Befund sehr natürlich. H. Sabransky. 

Rubus brachiandrus Gremli. Wald bei den Kalksteinbrüchen bei Saar, 
Jaworina. 

— nitidus Weihe et Nees. Kräsnä, mit Pflanzen der norddeutschen 
Tiefebene gut übereinstimmend. 

— rivularis Müll. et Wirtg. var. prionophyllus Progel im VIII. 
Band der bot. Verh. zu Landshut, Potylky bei Strilek. 

— longiramulus Sabr. Neustadtl. 

— fossicola Holuby, Klucanina bei Tischnowitz (typisch), Rosieky 
bei Teltsch, diesem sehr nahe verwandt und nur durch längere 
Stieldrüsen und unbestachelte Kelche verschieden, H. Sabransky. 
Typus adhuc tantum e comitatu Treneinensi (Hungaria) et e 
regione Znaymensi leg. Oborny et Prosnitzensi leg. Spitzner eita- 
tus, idem. 

— erythrocomus G. Br. Neustadtl. 

-— serpens Weih. Wald beim Silnicker Teiche bei Gr.-Bitesch. 

— Guentheri Weih et Vees. Hostein. 

— laetevirens Progel. Wald beim Silnicker Teiche bei Gr.-Bitesch. 

— insolatus P. J. Müller. Hora unterhalb Wolschy. 

— macrostemon Focke. Skalka bei Bysterz. 

— moritanus Wirtg. Zubstein bei Bystritz a. P. 


Ein weiterer Beitrag zur Flora Ostgaliziens. 
Von Br. Blocki. 


Hiermit möge das Verzeichniss interessanterer Pflanzen folgen, 
welche ich am 26., 27. und 28. Juni v. J. im südlichen, bewaldeten 
Theil des ostgalizischen Miodoboryerzuges bei Gelegenheit 
der wissenschaftlichen Excursion der Lemberger Forstschule gesam- 
melt habe. Es sind nachstehende Pflanzen: 

Acer campestre in Pustulöwka: 

Agrimonia odorata in Pustulöwka und Rasztowce; 

4A. pilosa Led. in Rasztowce; 

Anthrisceus nitida in Pustulöwka, Rasztowce und Horodnica; 

Arum orientale in Wolica und Pustulöwka; 

Allium ursinum in Wolica und Pustutöwka; 

4A. Scorodoprassum in Rasztowce; 

Chaerophyllum bulbosum in Pustulöwka; 

Ch. aromaticum in Horodnica und Pustutowka; 

Ch. temulum iu Horodniea; 

Örepis biennis f. laciniata in Pustulöwka und Rasztowce; 

Centaurea stenolepis in Pustulöwka und Rasztowce; 

ÜÖlematis erecta in Rasztowce; 


129 


Campanula sibirica in Horodnica und Rasztowce; 

Cirsium Evrisithales in Rasztowce; 

Convallaria latifolia in Pustutöwka und Horodnica; 

C. latifolia f. angustifolia mihi in Horodnica; 

Dentaria bulbifera in Pustutöwka, Wolica und Horodnica; 

D. glandulosa in Wolica und Pustulöwka; 

Digitalis ambigua in Rasztowce; 

Eryngium campestre in Horodnica, Pustutöwka und Rasztowce; 

Elymus europaeus in Pustulöwka und Horodnica; 

Echinops commutatus Jurtzka in Pustulöwka; 

Erysimum strietum in Rasztowce; 

Frawinus oxyphylla M. B. in Pustutöwka, Rasztowce und Ho- 
rodnica (differt a F\ ewcelsiori praecipue foliolis foliorum coriaceis, 
lanceolatis vel lineari-lanceolatis, longe acuminatis); 

Geum strietum in Pustulöwka und Rasztowce; 

@. strieto X urbanum in Pustulöwka und Rasztowce; 

Hieracium polonicum m. in Pustulöwka und Rasztowce; 

Inula Helenium in Pustutöwka und Rasztowce; 

Lappa nemorosa in Pustulöwka und Rasztowce; 

Lilium Martagon in Rasztowce; 

Lonicera Xylosteum in Rasztowce; 

Laserpitium latifolium f. glabra und f. scabra in Rasztowce; 

Melandryum rubrum in Pustutöwka und Rasztowce; 

Myosotis sparsiflora in Rasztowce; 

Melica uniflora in Pustulöwka; 

Omphalodes scorpioides in Horodnica; 

Onobrychis sativa in Horodnica; 

Pulmonaria mollissima in Pustuföwka; 

Polypodium vulgare in Rasztowce; 

Physalis Alkekengi in Rasztowce; 

Pimpinella magna in Pustulöwka; 

Ranunculus Stevenii überall gemein; 

R. cassubicus in Pustutöwka; 

R. auricomus in Wolica und Rasztowce; 

Rubus Idaeus in Pustutöwka und Rasztowce; 

Rumes obtusifolius in Pustulöwka; 

R. obtusifolio < erispus in Pustulöwka; 

R. confertus W. in Pustutöwka und Rasztowce; 

Salvia sylvestris Koch in Liezkowce; 

S. glutinosa in Pustutöwka und Rasztowce; 

Scopolina atropoides in Pustulöwka; 

Senecio vernalis in Rasztowce; 

Silene injlata f. umbrosa M. in Rasztowce; 

Seutellaria altissima in Rasztowce und Horodnica; 

Torilis Anthriscus in Pustulöwka; 

Tragoposyon orientalis in Rasztowce; 

Tanacetum corymbosum in Rasztowce; 

Thymus Marschallianus in Pustulöwka und Rasztowce; 


130 


Trifolium rubens in Rasztowce; 

Triticum caninum in Horodnica; 

Teucrium Chamaedrys in Horodnica; 

Ulmus glabra Mill. in Pustutöwka; (U. glabra f. suberosa—= U. 
suberosa Ehrh. habe ich in dieser Gegend nicht beobachtet, wohl 
aber in Welesniow bei Monasterzyska und am „kleinen Sandberg* 
in Lemberg); 

Ulmus scabra Kern. in Pustulöwka; 

Ulm. pseudosuberosa mihi (U. suberosa mihi in „Oesterr. bot. 
Ztschr.“ 1886. XIL, non Ehrh.) in Pustutöwka; auch in Bileze in 
Südost-Galizien; ab UT. scabra differt ramis suberosis, foliis minori- 
bus, angustioribusque nunquam trilobatis, ab U. glabra f. sube- 
rosa autem foliis non coriaceis, etiam adultis scaberrimis; 

Viburnum Lantana in Rasztowce, Horodnica und Liezkowce; 

Vicia tenuifolia in Pustulöwka und Rasztowce; 

V. silvatica in Pustutöwka und Rasztowce; 

V. pisiformis in Rasztowce; 

Veronica teuerium in Pustulöwka und Rasztowce; 

Viola mirabilis in Pustutöwka, Rasztowce und Horodnica; endlich 

Vincetomicum officinale in Rasztowce. 


—i — 


Zur Flora der Umgebung von Bielitz und Biala. 


Von Anton Baier, 
k. k. Professor an der Staats-Oberrealschule zu Bielitz. 


(Schluss.) 


Verbascum Thapsus L. fand ich nicht nur „in Brenna und 
Mückendorf bei Bielitz“, sondern auch beim zweiten Wehre unter- 
halb Bielitz und in Straczonka. Von 

Verb. phlomoides L. fand ich einmal ein abgerissenes, frisches 
Exemplar in Kamitz, ohne jedoch den Standort ausfindig machen zu 
können; vielleicht war es auch nur eine entartete var. thapsiforme 
Schrad. — Mit Sicherheit aber kommt wieder 

Linaria spuria (L.) Mill. als neu für das Gebiet im Flussbett 
in Lobnitz und Straczonka, ferner auch in den Kalksteinbrüchen in 
Bielitz und Lipnik vor. 

Lin. Cymbalaria (L.) Mill. konnte ich begreiflicherweise „am 
Schlossthurme in Bielitz“ nicht wiederfinden. 

Digitalis purpurea L. findet sich nicht nur mit rother, sondern 
häufig auch mit weisslicher Blumenkrone am „Klimezok“, in Szezyrk, 
am Kotarz und auf der Magura, aber auch am Kolowrat und Salz- 
berg bei Bielitz und am Josefsberg und Hanslik bei Biala.. — Als 
für das Gebiet ganz neu zu verzeichnen ist wieder 

Mimulus luteus L. Diese aus dem westlichen Nordamerika 
stammende Pflanze kommt hier verwildert und völlig eingebürgert 


131 


im Bett des Lobnitzbaches und an quellisen Stellen in Lobnitz und 
Kurzwald vor. 

Veronica montana L. traf ich nach einander am Salzberg und 
in Bistrai bei Bielitz an. 

Lathraea Squamaria L. Findet sich zerstreut in den Laubwäl- 
dern und Gebüschen, z. B. am Mühlberg, im Ritterschaftsthal, in 
Lipnik, Leszezyny, Alt-Bielitz u. s. w. 

Trientalis europaea L. Ausser „am Skrzyezna“ auch, jedoch 
seltener, auf der Magura bei Bielitz. 

Vaecinium Vitis idaea L. kommt dünn gesäet in Ernsdorf, Lob- 
nitz und im Solathale vor. 

Pyrola minor L. Ist als neu für das Gebiet im Gebüsch von 
Nickelsdorf unterhalb der Bielitzer Jägerhütte und in den Wäldern 
von Alzen. Auch 

Pyr. uniflora L. kommt hier häufiger vor, als es Kolben- 
heyer angibt, und zwar nicht nur „in Ernsdorf und unter dem Jo- 
hannisstein“, sondern auch im Louisenthale, im Zigeunerwalde, am 
Gemsstein, in Bistrai und Straczonka. Desseleichen findet sich 

Monotropa Hwypopitis L. nicht vereinzelt, sondern fast häufig 
um Bielitz-Biala und Umgebung in schattigen Wäldern zwischen 
modernden Blättern und Nadeln; z. B. im Zigeunerwalde, am Wil- 
helmshof, in Ernsdorf, Bistrai, Straczonka und Alzen. — Von 

Astrantia major L. sind hier als einziger Standort ein Gras- 
platz in Niederahlisch und ein Garten in Alzen anzusehen. Nach 
eingezogenen Erkundigungen wurde diese Pflanze ursprünglich an 
diesen Plätzen als Arzneipflanze für die Hausthiere angepflanzt und 
erhält sich daselbst, ohne jedoch in dem umliegenden Gebiete sich 
auszubreiten. — Geradezu unbegreiflich ist es, dass 

Sanicula europaea L. von Kolbenheyer für Bielitz übersehen 
werden konnte, da diese Pflanze in den hiesigen Wäldern und Ge- 
büschen überall sehr gemein ist. Auch 

Pimpinella magna L. findet sich zerstreut in der hiesigen Ge- 
gend; ebenso ist 

Conioselinum tatarieum Fischer, obzwar sparsam, am Bahn- 
damme unterhalb Bielitz bei den Rost’schen Ziegeleien in Biala, in 
Barzdorf, Alt-Bielitz, Niekelsdorf und Komorowie anzutreffen. 

ÜUhaerophyllum aromaticum L. Wird hier augebaut und flüchtet 
sich bisweilen aus den Gärten. 

Adora Moschatellina L. Ist bei Kolbenheyer als an der 
(Quelle der Biala bei Bielitz vorkommend angeführt; dortselbst konnte 
ich dieses Pflänzehen nicht wiederfinden, wohl aber im Bielitzer und 
im Bialaer Schlossgarten, im Zigeunerwalde, am Trotschenberge, in 
Altbielitz, Kamitz und Lobnitz, ferner zu beiden Seiten des Biala- 
flusses, in Gebüschen von Parzdorf und an den Ausflussufern ober- 
halb Lipnik. 

Cornus mas 1. Wird hier häufig inGärten und an öffentlichen 
Plätzen mit Erfolg angepflanzt. 

Sempervivum soboliferum Sims. Findet sich zwischen Steinge- 


132 


rölle und auf alten Baumstöcken in Bistrai, auf Steinwällen der 
Blattna und in Ernsdorf. 

Thalictrum aquilegifolium L. „Auf der Kamitzer Platte“ und 
im Louisenthale. — Neu für das Gebiet ist wieder 

Anemone ranunculoides L. Im Zigeunerwald, am Trotschenberg, 
in Leszezyny, im Ritterschaftsthale und in Dziedzitz meist zahlreich 
vorzufinden. 

Hepatica triloba Gil. Kommt nicht bloss „in Bistrai“, sondern 
auch in Altbielitz, Ohlisch, Ernsdorf, am Trotschenberge, im Ritter- 
schaftsthale und in Lipnik vor. 

Ranunculus aquatilis L. Kann nur im Bialaflusse oberhalb Bie- 
litz gedeihen, kommt ausserdem auch in Ernsdorf, Lobnitz, Czecho- 
witz, Kurzwald und Kozy vor. 

Ran. aconitifolius L. Findet sich hier nicht allein „auf der 
Kamitzer Platte“, sondern auch in Lobnitz, auf der Magura, am 
Mittagsberg und Salzberg; ebenso 

Ran. Lingua L. ausser „in Nickelsdorf und Bistrai* auch an 
dem Wege nach dem Wilhelmshof, auf Sumpfwiesen in Oberohlisch 
und am Johannesstein. — Als neu für das Gebiet ist wieder 

Isopyrum thalictroides L. zu verzeichnen, von der ich bisher 
zwei Standorte anzugeben habe, nämlich Oberohlisch und das Ritter- 
schaftsthal. 

Aquilegia vulgaris L. Findet sich hier mit violetter, weisser 
und rosafärbiger Blumenkrone nicht selten in Laubwäldern, auf Wald- 
wiesen und an Flussufern vielenorts. — Uebersehen wurde für die 
hiesige Umgebung auch 


Actea spicata L., welche Pflanze vereinzelt am Mühlberge, im 
Louisenthale, am Annaberge, im Leszezyny und in den Niederungen 
des hiesigen Gebirges vorkommt. — Obiges gilt auch für 

Fumaria Vaillantii Loisl. Findet sich auf den Kalkäckern von 
Kamitz, Lipnik und Barzdorf. 

Cardamine hirsuta L. Ist „häufig am Dunaczy bei Bielitz“ und 
unterhalb des Ziegenbock in Öberohlisch. 

Dentaria glandulosa W. et Kit. Ist nicht nur „in Bistrai“, 
sondern überhaupt in dem hiesigen Gebirge häufig. Ebenso Dent. 
bulbifera. 

Alyssum calycinum L. Kommt hier auf den Lipniker Stein- 
brüchen und in Barzdorf vor. 


Berteroa incana (L.) DC. Ist von Kolbenheyer für die hie- 
sige Gegend als gemein angeführt, was ich nicht bestätigen kann, 
da ich diese Pflanze nur am Bahndamme unterhalb Bielitz und auf 
einem Acker in Bistrai angetroffen habe; ‘jedenfalls gehört sie hier 
nur zu den eingeschleppten Pflanzen. 

Lunaria rediviva L. hingegen ist hier wieder viel häufiger, als 
Kolbenheyer meint, denn es sind ausser der „Kamitzer Platte“ 
auch Ernsdorf, das Louisenthal, Ober- und Niederohlisch, Bistrai, 
Straezonka, der Hanslik und Kozy als Standorte anzuführen. 


133 


Hesperis matronalis L. Kann hier auch angeführt werden, da 
diese Pflanze nicht selten auf Feldern, Schutt- und Düngerhaufen, 
an Flussufern und in Grasgärten verwildert angetroffen wird. 

Lepidium Draba L. und L. campestre (L.) R. Br. Können als 
neu angeführt werden. Erstere fand ich immer wieder in der Nähe 
des Otterwäldchens bei Bielitz, letztere auf den Lipniker Steinbrüchen 
und beim ersten Wehre unterhalb Bielitz. 

Cochlearia Armoracia L. Findet sich verwildert und eingebür- 
gert in Grasgärten von Altbielitz, Ernsdorf, Barzdorf, Czechowitz und 
an den Ufern der Bialka. 

Stellaria nemorum L. Ist hier häufig in feuchten Gebüschen 
und Waldschluchten zu finden; ebenso ist 

Stell. uliginosa Murr. an quelligen Plätzen der Straczonkaer 
Berge und unterhalb der Kamitzer Platte anzutreffen. 

Qucubalus baceifer L. Neu für das Gebiet; findet sich in Strauch- 
werk unterhalb Bielitz, ferner in Altbielitz, Lipnik und Alzen. — 
Obiges kann auch von 

Hypericum hirsutum L. gesagt werden, welche Pflanze zer- 
streut in (Gebüschen, besonders an den Ufern der Bialka oberhalb 
Bielitz angetroffeu wird. 

Acer Pseudoplatanus L. Ist nicht nur in den Bergwäldern von 
„Ernsdorf bei Bielitz“, sondern in dem hiesigen Gebirge überhaupt 
nicht selten anzutreffen. — Sehr häufig finden sich überall hier in 
Gebüschen, auf Wiesen, Grasplätzen u. dergl. 

Geranium phaeum L., @. pratense L. und @. palustre L. — 
Wenn hingegen von Kolbenheyer angegeben wird, dass 

Linum usitatissimum L. und L. catharticum L. hier vielfach 
‚angebaut werden, rücksichtlich auf Wiesen, Triften, Grasplätzen und 
‚dergl. gemein sind, so müssen beide Angaben heute wenigstens da- 
hin corrigirt werden, dass L. usitatissimum hier äusserst selten und 
auch L. catharticum nur hin und wieder anzutreffen sind. 

Epiüobium hirsutum L. (z. Th.) Kommt hier ausser „in Ka- 
mitz und an der Bistrai* auch am Bahndamme unterhalb Bielitz, in 
Özechowitz, an der Straczonka und in Lobnitz vor. Ebenso 
Epil. parviflorum Schreb. nicht nur „in Buczkowitz“, sondern 
auch au der Bialka, in Straczonka, Lobnitz, Ernsdorf, Kurzwald und 
Czechowitz. -- Neu für das Gebiet ist wieder 
A Epil. palustre L. auf den sumpfigen Torfwiesen in Oberohlisch 
‚anzuführen, und bei 

Epil. Dodonaei Vill. (z. Th.) beizufügen, dass diese Pflanze 
auch auf deu Lipniker Steinbrüchen vorfindlich ist. — Vom Hexen- 

raut gibt Kolbenheyer für Bielitz nur 
Circaea lutetiana” L. an, während doch auch ©. intermedia 
rh. und ©. alpina L. in humösen bergigen Laubwäldern, an quel- 
on Stellen in den Niederungen und auf feuchtem Torfboden in den 
adelwäldern hier überall zu finden sind. 

Rosa alpina L. Ist selten „am Skalita“, Hanslik und Josefs- 
® anzutreffen, dafür aber 
— Öesterr. botan. Zeitschrift. 4. Heft 1887. 7 


Rubus Idaeus L. auf Waldschlägen in dem hiesigen Gebirge sehr 
häufig, was Kolbenheyer merkwürdigerweise übersehen hat. Auch 

Sanguisorba minor Scop. ist für Bielitz-Biala unberücksichtigt 
geblieben (kommt im Louisenthale, auf den Kamitzer und Lipniker 
Steinbrüchen vor), während wieder 

Sang. ofieinalis L. als gemein bezeichnet ist, was entschieden 
in Abrede gestellt werden muss, da diese Pflanze höchstens auf 
fruchtbaren, mässig feuchten Wiesen um Üzechowitz sich vorfindet. 

Ononis spinosa L. Ist von Kolbenheyer als „bei Bielitz* 
vorkommend angeführt, während ich und ebenso auch Ändere diese 
Art hier nirgends finden konnten. Dagegen findet sich 

On. hircina Jacgq. hier häufig. — Ebenso häufig ist 

Sarothamnus scoparius (L.) Koch in der Umgebung von Bie- 
litz-Biala zu finden, u. zw. ausser an den von Kolbenheyer ange- 
führten Standorten auch am Seniorberge, in Kamitz, am Hanslik, 
Josefsberg und im Solathale. 

Genista tinctoria L. Fand ich im Gebüsche von Altbielitz und 
Kurzwald, 

Anthyllis Vulneraria L. auf dem Wege hinter dem Wilhelms- 
hof und in Straczonka. 

Melilotus ofieinalis (L.) Desr. Ist von Kolbenheyer bloss 
für Teschen als häufig angeführt, während doch diese Art auch um 
Bielitz-Biala gar nicht selten ist. Von 

Lathyrus silvester L. kann, wenigstens für jetzt, als einziger 
Standort das Gebüsch von Alzen von mir angeführt werden. 

Die vorstehend angeführten Arten von Blüthenpflanzen mögen 
den Freunden der Botanik, welche sich für die Flora von Bielitz- 
Biala und Umgebung interessiren, als Ergänzung, rücksichtlich als 
Berichtigung der eingangs erwähnten Pflanzenenumeration dienen, 
zugleich aber auch bei einer etwaigen neuen Bearbeitung von Wim- 
mer's, resp. Fiek’s „Flora von Schlesien“ vertrauensvolle Borückei 
siehtigung finden! 


ar 
ER E 


Epipogium Gmelini Rich. 
Von Josef Ullepitsch. 


an he 


’ 


Obgleich diese Pflanze schon längst beschrieben ist, dürften“ 
doch nur wenige Floristen die Gelegenheit gehabt haben, selbe u 
lebendem Zustande zu beobachten. 

Was wir von selber in Sammlungen finden, sind leider Mu- 
mien, aus welchen man sich schwerlich ein richtiges Bild von der 
lebenden Pflanze verschaffen wird. Und doch ist die Pflanze viel- 
seitig merkwürdig — dass, hiesse sie nicht bereits E. Gmelini, sie 
mit Recht den Namen Z. paradoxum zu tragen verdienen würde. 

Da mir hier Gelegenheit wurde, diese Pflanze am östlichen 


135 


Fusse der Zipser Kalkalpen vielfach zu beobachten, so erlaube ich 
mir, hier Einiges mitzutheilen. 

Betritt man in der Höhe von 1000 bis 1300 Meter Seehöhe 
einen sehr alten dichten Nadelholzwald, so wird mit einemmale die 
Nase von einem der Bananenfrucht ähnlichem Geruche angenehm 
überrascht. Man hält Umschau nach der Ursache, und erblickt einige 
Schritte entfernt eine zarte licht gefärbte Pflanze. Monotropa ist es 
nicht, die ist zu steif und plump! Neottia ist es auch keine, denn 
auch die ist steif, Orobanche ähnlich und mehr minder braun. Un- 
sere Pflanze hingegen ist durchscheinend, ja fast stellenweise durch- 
sichtig. Am meisten gleicht sie wegen der Form der Blüthe einer 
Ophrys — doch ist sie gelblich etwas rosa gefleckt, und hat weder 
Blätter, noch sonst eine Spur von Chlorophyll. Es ist das Epipo- 
gium Gmelini. Nachstehend eine kurze Beschreibung: 


Der Wurzelstock ist scheibenartig, mit wagrechtem Durch- 
messer bis zu 40 mm und verticalem bis 20 mm. Selber besteht aus 
centrisch gestellten unregelmässig gefingerten, fleischigen, plattge- 
drückten Aestchen (bis zu 10 Stück), die von einem gemeinsamen 
Punkte auszehend, sich strahlenförmig überlagern. Selbe erinnern, 
einzeln beobachtet, lebhaft an die Bildung der Distichoporen, doch 
sind sie braun, und nur an den äusseren Spitzen gelblich. Der ge- 
samımnte Wurzelstock ist frei in modernde Tannennadeln eingebettet. 
Ein Zusammenhang mit irgend einem anderen Körper ist nicht 
wahrnehmbar, und ein so grosser, gewichtiger, gewiss mehrere Jahre 
ausdauernder Wurzelstock, kann unmöglich das Schmarotzerprodukt 
weniger Tannennadeln sein! Darum bezweifle ich, dass E. @. eine 
Schmarotzerpflanze sei, uud ich werde diessbezügliche directe Ver- 
suche anstellen und darüber seiner Zeit berichten. Vielleicht gelingt 
es, diese Pflanze wie Achimenes oder Gloxinien zu züchten. 

Aus der Spitze der einzelnen fingerförmigen plattgedrückten, 
‚vorne etwas verdickten Wurzelstockzweige spriesst zuerst eine nach 
aufwärts sich becherförmig erweiternde Scheide, der eine zweite bis 
vierte jede noch mehr sich erweiternde folgt, worauf die folgenden 
wieder dünner dafür immer länger werden. Zieht man vorsichtig 
den Stengel, so löst er sich zwischen der ersten und zweiten Scheide 
ab, und zeigt somit am unteren Ende eine birnförmige, hohle Ver- 
dickung. 

Der ganze durchscheinende Stengel ist gebrechlich wie Glas, 
nimmt nach aufwärts an Durchmesser und Farbe ab, und wird 
glasglänzend, kaum gelblich und fadenförmig. 

Nur init Scheiden (olıne alle Blätter) bekleidet, trägt der 
Stengel zu oberst eine I—5blüthige sehr lockere Traube, deren bis 
20 mm grosse Blüthen auf kurzen dünnen Stielen hängen. Die ein- 
zelnen Blüthen haben einen kurzen dicken carmingestreiften Sporn, 
welcher wohl das halbe Gewicht der Blüthe haben dürfte, und so 
die Veranlassung gibt, dass die Blumen beim leisesten Luftzuge 
erzittarn. iöge 

1 


136 


Die Blüthen sind blassgelb, und die grosse, aufrecht stehende, 
etwas ausgehöhlte Lippe hat erhabene violette Flecken, die sich 
ausnahmsweise auch auf den seitlichen Kronenblättern vorfinden. 

Die Staubbeutel sind sehr kurz gestielt gipfelständig. 

Ob der enormen Gebrechlichkeit der Pflanze findet man äusserst 
selten Früchte! 

Ich sah nur ein Exemplar mit solchen, selbe sind länglich- 
ovale etwas zusammengedrückte runzliche Kapseln. 

Die Vegetationsentfaltung beginnt und endet in hiesiger Ge- 
gend innerhalb des Monates August. 


Kniesen, Ungarn, im Jänner 1887. 


— — 


Flora des Etna. 
Von Prof. P. Gabriel Strobl. 


(Fortsetzung.) 


1325. Trifolium incarnatum L. Spee. plant. 1083, *Raf. II, 
*Biv. II var. Molinieri Balb. Cat. 1813, Guss. Syn. et *Herb.!, stra- 
mineum Presl Fl. sie. 1826. Die Varietät unterscheidet sich von der 
nur eultivirten blutrothen Normalform durch weissliche oder fleisch- 
rothe Blüthen. — Auf Wiesen und trockenen krautigen Hügeln bis 
3000° Auf schattigen, sandigen Orten des Etna bei S. Nicola dell’ 
arena (Biv. II), auf Weiden des Etna und an feuchten Meerorten 
bei Catania sehr häufig (Biv. in Herb. Guss. nebst einer kahlen, als 
var. ß. glabrum bezeichneten Form!), um Milo, Nicolosi, im Vallone 
di Linara (Herb. Tornab.!), unter Kastanien des Serrapizzutawaldes 
und auf buschigen Abhängen eines nahe gelegenen Kraters häufig! 
April, Mai. ©. | 

NB. T. alewandrinum L., von Raf. in der Tiefregion angege- 
ben, fehlt in Sieilien. 

1326. T. intermedium Guss. *Syn. et Herh.!, Reichb. D. Fl. 
DE W. Lge. Auf sandigen Fluren um Catania (Guss. 1. e.). April, 

al. C). 

1327. T. angustifolium L. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et Herb.!, 
Reichb. D. Fl. 93 I! Auf trockenen Hügeln und Weideplätzen bis 
2000° nicht selten: Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert.), 
Armisi bei Catania (Herb. Torn.!), in der Ebene des Simeto vom 
Meere bis Bronte hinauf! April, Mai. ©. 

1328. T. lappaceum L. *Biv. II, *Bert. Fl. it., *Cat. Cosent., 
Guss. Syn. et *Herb.! Am Meerstrande, unter Saaten, auf Fluren - 
und grasigen Rainen bis 2000° häufig: Aus Catania von Cosentini 
erhalten (Bert.), um Catania unter Saaten und im Meersande häufig 
(Biv. II, Biv. in Herb. Guss.!), Acicastello (Herb. Torn.!), ‘in der 


137 


Arena di Catania und in der Ebene des Simeto bis hinauf nach 
Aderno und Bronte! April, Mai. ©. 

1329. T. panormitanum Presl Fl. sie, Reichb. D. Fl. 88 IL! 
squarrosum DC., Guss. Syn. et Herb.! non L. Annuell, aufrecht, 
Stengel, Blätter, Blattstiele und Zipfel der Nebenblätter sparsam 
abstehend faumig-zottig; Blättchen länglich oder oval, 1:5—2 Cm. 
lang, 6—9 Mm. breit, an der Spitze abgestutzt oder ausgerandet, 
die obersten mit Stachelspitze, alle gestielt; Nebenblätter mit sehr 
langem, linealborstigem Ende; Köpfehen ziemlich lang gestielt, ein- 
zeln, eiförmig, zur Fruchtzeit eiförmig länglich; Kelchröhre 10nervig, 
kurz rauhhaarig, Zähne lanzettlichlinear, dreinervig, zugespitzt stachel- 
spitzig, ungefähr von der Länge der Röhre, der untere jedoch breiter 
und länger, etwa von Schiffchenlänge, endlich zurückgeschlagen; Krone 
weiss oder gelblich. — Auf feuchten Weiden und cultivirten Plätzen 
ganz Siciliens nach Guss., daher wahrscheinlich auch im Gebiete; 
ich besitze es von Palermo, Polizzi ete. April, Mai. ©. 

1330. T. maritimum Huds. *Raf. I, *Biv. II, *Bert. Fl. ital., 
Guss. Syn. et Herb.! rigidum Savi *Raf. II. Von vorigem constant 
verschieden durch schlankeren, niederliegenden Wuchs, länglich ver- 
kehrteiförmige, um die Hälfte kleinere Blätter, lineallanzettliche, 
2—3mal kürzere Zipfel der Nebenblätter, kurzgestielto Köpfchen, 
kahle oder fast kahle Kelchröhre, welche die dreieckiglanzettlichen, 
kürzer zugespitzten, steiferen, endlich sternförmig ausgebreiteten 
Kelchzähne an Länge übertrifft; varürt selten ganz kahl = T. gla- 
bellum Presl Fl. sic. Auf Weiden, Fluren und an sumpfigen Stellen 
nahe dem Meere: Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert.), in 
Meersümpfen bei Catania a Turri d’addegra (Biv. II), Catania, Ognina 
Harn Torn.!), zwischen Seirpus Holoschoenus in der Arena! April, 

ai. O. 
1331. T. ligusticum Balb. Guss. *Syn. et Herb.!, Rehb. D. Fl. 
102, I! In Hainen und Wäldern des Etna (Guss. Syn., fehlt aber 
von da im Herb.). April— Juni. ©. 

1332. T. phleoides Pourr. Guss. *Syn. et *Herb.!, Tod. Fl. sic. 
exsicc. Nr. 289! Gleich Zigust. und arv. ausgezeichnet durch Kelch- 
zähne, welche die Krone überragen, deutlich gestielte, axilläre und 
endständige, langkonische Köpfchen; aber lg. ist abstehend zottig- 
behaart mit verkehrtei- oder verkehrtherzförmigen Blättchen, die 
abstehend langhaarigen, borstenförmigen Kelchzähne sind bedeutend 
länger als die Kelchröhre; phleoid, ist angedrückt sparsam flaumig 
mit länglichkeiligen oder fast linearen Blättchen, sparsam kurzhaa- 
rigen, starken, abstehenden Kelchzähnen von der Länge der Kelch- 
röhre; auch ist der Wuchs viel niedriger. Variirt: ß. prostratum 
Jan. mit dicht abstehend zottigen Kelchen. — Auf Weiden und 
krautigen Bergabhängen der Nebroden ziemlich häufig, aus dem Geo- 
biete jedoch nur von Guss. angegeben und zwar die Normalform 
von Bronte und Maletto, die Varietät aber von Wäldern oberhalb 
Bronte und Maletto, sowie von der Casa degli Inglesi (leg. Jan., 
Guss. Syn. et Herb.!). Mai, Juni. ©. 


138 


1333. T. arvense L. Guss. *Syn. et *Herb! Variirt im Gebiete: 
@. genuinum Gren. Godr. I, 410, T. arvense Reichb. D. Fl. 95, I! 
Stengel aufrecht, ziemlich hoch und robust; Aeste aufrecht abstehend, 
spärlich; Blüthenstiele fadenförmig; Kelchzähne doppelt so lang, als 
Kelch und Krone. ß. aetnense Guss. Stengel niedrig und schlank, 
reich verzweigt, untere Zweige abstehend oder niederliegend; Neben- 
blätter kürzer geschwänzt: Kelehzähne nur wenig länger als Kelch 
und Krone. T. arvense ß. gracile (Thuill.) DC., Gr. Godr., I, 410, 
Reichb. D. Fl. 95, III unterscheidet sich von var. aetn. durch sehr 
sparsam und kurz behaarte, den kurzbehaarten Kelch und die Krone 
um einmal überragende Kelchzähne, aufrecht abstehende Aeste, län- 
gere Nebenblätter und die ziemliche Kahlheit der ganzen Pflanze. — 
Auf Hügeln, sandigen Feldern, Weiden und Bergabhängen (0 bis 
6500’) äusserst gemein, in höheren Lagen aber fast ausschliesslich 
var. ß., an der Grenze mit zahlreichen Uebergängen in die Normal- 
form: Catania, Mascalucia, Pedara (!, Torn. in Herb. Guss. v. «.), 
in Hainen bei Bronte und Maletto (!, Guss. Syn. et Herb., var. £.!), 
überall um Nicolosi und Zaffarana (!, Herb. Torn.!), von da durch 
die Wälder bis in die Hochregion, längs der ganzen Ostküste ete.! 
April — Juni. ©. 


1334. T. Bocconei Savi Guss. *Syn. add. et *Herb.!, Reichb. 
D. Fl. 98, I! Auf sonnigen, krautigen Hügeln Siciliens nicht selten, 
aus dem Gebiete bisher nur von den Klausen bei Ognina (Herb. 
Torn.!, Tornab. in Guss. 1. ec.) und von Armisi (Herb. Torn.!) be- 
kannt. April—Juni. ©. 


1335. T. scabrum L. *Biv. II. Auf Lavafeldern, grasigen Rai- 
nen, trockenen, sandigen oder buschigen Abhängen (0—3500°) häufig: 
Auf sandisen Feldern des Etna (Biv. Il), um Nicolosi (!, Herb. 
Torn.!), auf Lavaströmen um Catania gemein, von da in die Ebene 
des Simeto und bis jn die Waldregion oberhalb Nicolosi, um Adernd, 
Bronte ete.! April, Mai. ©. 


(Fortsetzung folgt.) 


— 0 — 


Literaturberichte. 


Franz R. v. Höhnel. Die Mikroskopie der technisch verwendeten Faser- 
stoffe. "Ein Lehr- und Handbuch der mikroskopischen Untersuchung der 
Faserstoffe, Gewebe und Papiere. Mit 69 in den Text gedruckten Holz- 
schnitten. A. Hartleben's Verlag, en, Pest, Leipzig 1887, 8°, VIII und 
163 Seiten. Geheftet fl. 2:50. Gbdn. fl. 


Dem Material entsprechend ist a vorliesende Arbeit in drei 
Capitel: 1. Pflanzenfasern, 2. Thierwolle und “Haare und 3. Seide 
gegliedert. Nach mehreren einleitenden Bemerkungen werden die Mor- 
phologie der Faser, die Mikrochemje, die Mikrophysik ete. und die 
mikroskopischen Beschreibungen von zahlreichen Fasern gegeben. Der 


139 


‚Abschnitt Mikrophysik bespricht physikalische Eigenschaften der Fasern, 

zu deren Studium das Mikroskop besser als ein anderes Instrument 
geeignet ist. Verf. meint die Quellungs- und Polarisationserschei- 
nungen, denen er in schon früher erschienenen Arbeiten eingehende 
Betrachtung gewidmet hatte. Die Epidermisfasern werden als Baum- 
wolle, Pflanzendunen, Pflanzenseiden und einheimische Wollhaare 
beschrieben. Die Eintheilung der übrigen Fasern lehnt sich an die 
von Wiesner gerebene, wie denn überhaupt die Arbeiten dieses 
Forschers gerade für die technische Mikroskopie der Spinnfasern als 
die grundlegenden anzusehen sind. 

Die analytischen Tabellen zur Bestimmung der Pflanzenfasern, 
deren das Buch drei enthält, sind vom praktischen Gesichtspunkte 
aus abgefasst und werden als gut brauchbar befunden werden, wahr- 
scheinlich am häufigsten auch in Anwendung kommen. 

In dem Absatze „Mikroskopische Untersuchung des Papieres*“ 
baben wir nicht viel Neues gefunden; das meiste ist schon vor zwan- 
zig Jahren von Wiesner bekannt gemacht worden. 

Sehr ausführlich sind die thierischen Faserstoffe, die Haare 
und die Seide bearbeitet. Ueber letztere namentlich enthält das Buch 
zahlreiche neue, schätzenswerthe Daten, die sowohl in rein wissen- 
schaftlicher Beziehung von hohem Interesse sind, als auch für die 
Praxis, d. h. in diesem Falle für die Unterscheidung und Erkennung 
der einzelnen Seide-Arten besondere Beachtung verdienen. 

Wie der Verfasser richtig bemerkt, ist bis jetzt eine specielle 
Bearbeitung der Mikroskopie der Spinnfasern — für sich als Buch — 
noch nicht im Verkehre vorhanden gewesen, und dass ein solches ein 
Bedürfniss war, darf nicht geläugnet werden. Wir müssen daher die 
Herausgabe einer solchen Arbeit, insbesondere wenn sie sich durch 
die wissenschaftliche Correctheit und durch Brauchbarkeit für die 
Praxis so vortheilhaft, wie die vorliegende, einführt, dem Verfasser 
als ein grosses Verdienst anrechnen; die Literatur der technischen 
Mikroskopie hat durch das Höhnel’sche Buch eine werthvolle Berei- 
cherung erfahren. 

Nur möchte ich einige Bemerkungen nicht unterdrücken, denen 
ich sowohl im Interesse unserer Wissenschaft, als auch in dem des 
Verfassers und aller Derjenigen, die das Buch gebrauchen, mit weni- 
gen Worten Ausdruck zu geben mir erlauben. 

Abgesehen von einigen Härten des Styles, die freilich in der 
Beschreibung eines mikroskopischen Bildes oder einer Präparations- 
methode oft kaum zu vermeiden sind, wie z. B. folgende Proben 
‚beweisen: „Bei der Untersuchung schneidet man sich .. . . herab“ 
(pag- 105); „wenn man sich von einem Bündel ..... Stückchen 
‚herabschneidet“ (pag. 17); „die Serieinhülle ..... . erscheint dann 
| rn hyalin, selbst dann, wenn sie vorher wegen ihrer zu grossen 
Dünne unsichtbar war“ (ein Satz, der zu Missverständnissen An- 
lass ron könnte) — also abgesehen von‘ diesen übrigens bedeu- 
tungslosen Mängeln, ist es der das ganze Buch durchwehende Ton, 
‚der nach unserem Dafürhalten einen etwas eigenthümlichen Eindruck 


{ 
7 
1 
| 


Ei 


140 


hervorrufen muss. Verf. sieht „die technische Mikroskopie weniger als 
eine breit und behaglich beschreibende Wissenschaft, als vielmehr 
als eine sich eng an die analytische Chemie anschliessende an“, er 
meint, man habe „bislang die praktische Mikroskopie mehr als eine 
beschreibende, als eine vergleichende Wissenschaft aufgefasst“ 
und man müsse eine analytische Bestimmungstabelle herstellen, mit 
deren Hilfe man die Faser ebenso bestimmen könne, wie eine Pflanze. 
In diesem letztgenannten Punkte wird nun Jedermann dem Verfasser 
Recht geben müssen, aber es ist uns nicht bekannt, dass man die 
technische Mikroskopie nur als eine beschreibende Wissenschaft auf- 
gefasst habe. Dem Verf. als Botaniker wird es nicht unbekannt sein, 
dass in der Artenkunde des Pflanzenreiches zuerst recht breite und 
ausführliche Beschreibungen gemacht wurden und noch werden, die 
dann die Grundlagen für die analytische Bearbeitung abgeben. Auch 
der Pflanzenbestimmer kehrt von der analytischen Tabelle, die ihm 
die Art angezeigt, doch wieder zu der breiten Beschreibung zurück, 
um alle Punkte vergleichen zu können mit seinem Objectbefunde. 
Die analytische Tabelle ist doch nur ein Auszugsact der physio- 
graphischen Geschichte dieser Körper, und die Vorwürfe, die in die- 
sen Sätzen gegen andere Arbeiter auf dem gleichen Gebiete enthal- 
ten sind, halte ich nicht für gerechtfertigt. Ich gedenke dabei in 
erster Linie eines Mannes, dem unsere Wissenschaft so viel ver- 
dankt, des Professors Wiesner. Das, was Wiesner gearbeitet in 
der Kunde der Fasern, hat kein Forscher vor ihm geleistet, er ist 
ja doch eigentlich der Begründer der technischen Mikrosko- 
pie — des Begriffes sowohl, als auch selbst des Wortes — und 
es ist tausendmal leichter, einen schon vorhandenen Pfad wieder zu 
betreten, zu verbessern und zu erweitern, als einen neuen zu 
schaffen. 

Ich möchte schliesslich den Wunsch aussprechen, dass eine so 
tüchtige, anregende, wissenschaftlich correcte und für die Praxis hoch- 
werthvolle Leistung unsere Freude an ihr nicht durch Herabsetzung 
anderer verdienstvoller Männer und durch den Ton der Unfehlbar- 
keit verkümmere. Dr. T. F. Hanausek. 


Berthold G.: Studien über Protoplasmamechanik. Leipzig (Arthur Felix) 
1886. 322 pp. 7 Taf. Mark 14. 


Gestützt auf die wichtigen Untersuchungen von Plateau, 
Quinke u. A.hat es der Verfasser versucht, die Resultate dieser For- 
schungen über die Flüssigkeiten mit den Lebenserscheinungen und 
Eigenschaften des Protoplasmas in Parallele zu bringen und im Ein- 
zelnen festzustellen, in wie weit hier Uebereinstimmung herrscht. 
Das allgemeine Ergebniss ist, „dass der Plasmakörper aufzufassen ist 
als eine höchst complieirte Emulsion von je nach den Einzelnfällen 
sehr wechselnder Consistenz. Unter Berücksichtigung des in ihm 
statthabenden Chemismus und des Stoffaustausches, der zwischen ihm 
und der Aussenwelt, sowie zwischen seinen einzelnen morphologischen 
Bestandtheilen untereinander stattfindet, lassen sich auf dieser Grund- 


141 


lage die verschiedenen Thatsachen seiner Organisation, sowie seiner 
Gestaltbildung als mit bekannten physikalischen Gesetzen im Wesent- 
lichen in Uebereinstimmung erweisen“. Die Molecularkräfte, welche 
im Protoplasma den Zusammenhang zwischen Stoff und Form, zwi- 
schen Stoffwechsel und Formwechsel vermitteln, sind die Adhäsion 
und die Cohäsion. Verf. begründet durch zahlreiche Beispiele aus der 
Literatur die von ihm vertretene Auffassung. Der Raum gestattet 
uns nicht, auf den Ideengang, die Deductionen und kritischen Be- 
merkungen des Verfassers näher einzugehen, und wir begnügen uns 
daher, die Capitelüberschriften zu reprodueiren: 1. Der geschichtete 
Bau des Zellkörpers. 2. Feinerer Bau, physikalische Natur und Or- 
ganisation des Zellkörpers. 3. Die Formbildung und Ortsbewegung 
membranloser Plasmakörper. Innenbewegungen des Protoplasma. 4. 
Die Symmetrieverhältnisse in der Zelle. 5. Die Gestalt der morpholo- 
gischen Bestandtheile der Zelle. Vermehrung derselben. 6. Zell- und 
Kerntheilung. 7. Theilungsriehtungen und Theilungsfolge. Definitive 
Ausgestaltung des Zellnetzes. 8. Innere Wandsculpturen. Mechanik 
der Formbildung behäuteter Zellen. 9. Freie Zellbildung. Auf sieben 
nett ausgeführten, lithographirten Tafeln werden zahlreiche im Texte 
besprochene Erscheinungen durch mehr als 90 Figuren veranschau- 
licht. Auf das Detail des inhaltsreichen Buches kann, wie schon be- 
merkt, nicht näher eingegangen werden. Indess wird Jeder, der sich 
mit der Morphologie und Physiologie des Protoplasmas eingehender 
beschäftigen will, nicht umhin können, sich vorher mit dem ganzen 
Inhalte des Werkes vertraut zu machen, welches wohl in keinem 
botanischen Institute fehlen dürfte. A. B. 
Oborny A.: Flora von Mähren und österr. Schlesien. IV. Theil (Schluss), 
herausgeg. vom naturforschenden Vereine in Brünn. (1886) 8. 889—1258 
sammt Index. 

Dem unermüdlichen Eifer des rühmlichst bekannten Verfassers 
und den rührigen Bestrebungen des naturforschenden Vereines in 
Brünn verdanken wir vor Allem, dass die doch mit bedeutenden 
Kosten verbundene Drucklegung der Flora von Mähren in so rascher 
Zeit erledigt wurde. Bedenkt man, dass gerade in dem letzten Bande 
sehr schwierige und formenreiche Gattungen, wie z. B. Rosa, Rubus, 
ihre Bearbeitung finden mussten, so wird man ob der Arbeitskraft 
des Verfassers nur Staunen hegen und sich gewiss der Hoffnung 
hingeben, dass wir von solcher Seite noch Weiteres und Schöneres 
erwarten können. Die Bearbeitung des vorliegenden Theiles schliesst 
sich in Art und Weise dem bereits erschienenen an; in derselben 
verdienen die Gattungen Rosa und Rubus alle Anerkennung. Was 
an dem nun vollendeten Werke vermisst wird, ist, wie schon er- 
wähnt wurde, der Mangel von Citaten, die für eine „Flora“ unbe- 
dingt erforderlich sind und im vorliegenden Werke auf Kosten der 
allzuweit ausgesponnenen Standortsangaben ohne Vergrösserung des 
Volumens leicht Platz gefunden hätten. Auch bedauern wir die Ausser- 
achtlassung der eitirten synonymen Namen im Inhaltsverzeichnisse. 

Beck. 


142 


Rabenhorst's Kryptogamenflora von Deutschland, Oesterreich und der 
Schweiz. Leipzig, E. Kummer, 1886. 

Wir hatten an dieser Stelle schon oft Gelegenheit, die neue 
Auflage der Kryptogamenflora Deutschlands als eine für das Stu- 
dium dieser so hochinteressanten Gruppe des Pflanzenreiches bahn- 
brechende Erscheinung unserer Literatur zu bezeichnen, die mit 
Sicherheit ob des gediegenen Inhaltes neue Jünger der Kryptoga- 
menkunde zuführen wird. Dass das grossartige Unternehmen erfreu- 
lich fortschreitet, bezeugen die folgend angeführten neuen Lieferungen: 
I. Band, II. Abth.: Pilze von Dr. G. Winter. 23. und 24. Lieferung, 
S. 593-736 enthält in jener oft hervorgehobenen meisterhaften Be- 
arbeitung die Valseae. III. Band. Die Farnpflanzen von Dr. Ch. 
Luerssen. 8. Lieferung S. 449—512 enthält den Schluss von Oy- 
stopteris bis Woodsia in einer Ausführlichkeit und Gründlichkeit be- 
handelt, welche wohl kaum ihres gleichen zählt. IV. Band. Die 
Laubmoose von K. G. Limpricht. 3.-—4. Lieferung, p. 129—256. 
Wir haben uns über den hohen Werth der Neubearbeitung der 
Moose Deutschlands schon im Vorjahre (pag. 135) eingehend ausge- 
sprochen und wollen dem bereits Gesagten nur Weniges über das 
Neu hinzugekommene hinzufügen. Die vorliegenden Hefte enthalten 
die Bearbeitung der Sphagnaceae (Schluss), Andraeaceae, Archidia- 
ceae, Bryinae (Cleistocarpae und den Anfang der Stegocarpae). Die 
Bearbeitung ist in jeder Beziehung vollkommen und überreich mit 
instructiven Holzschnitten geschmückt; die Synonymik hat ausrei- 
chende Berücksichtigung erfahren, die Beschreibungen stechen durch 
Ausführlichkeit hervor, und auch die Standortsangaben und Bemer- 
kungen erfreuen sich einer gewissen Vorliebe des Verfassers. Mit 
Freude sehen wir einer raschen Fortsetzung des so verdienstvollen 
Werkes entgegen. Beck. 
Dr. G. H. v. Schubert’s Naturgeschichte des Pflanzenreiches nach dem 

Linn&'schen System. Vierte vermehrte Auflage. Lieferung 4—5. Neu be- 
bearbeitet von Dr. Moritz Willkomm, Universitäts-Professor in Prag. 
Verlag von J. F. Schreiber, Esslingen bei Stuttgart. 

Die uns vorliegenden Lieferungen der beginnenden vierten 
Auflage dieser Naturgeschichte des Pflanzenreiches erfüllen bei dem 
Umstande, als Professor Willkomm’'s bewährte Feder den Text 
hiezu liefert, im vollsten Masse die Erwartungen, die man an den 
Namen des Autors zu knüpfen berechtigt ist. Nach einer schemati- 
schen Darstellung sowohl des Linne’schen, als auch des natürlichen 
Systems von Endlicher enthält der Text möglichst kurz und klar 
das nothwendigste über jede einzelne Pflanze und gibt Aufschluss 
über deren Entwicklung, Vorkommen, Standort und Blüthezeit. Die 
Abbildungen auf Doppelfoliotafeln, deren jede Lieferung 4—5 solcher 
Tafeln enthält, zählen, sowohl was Zeichnung als Colorit betrifft, 
zu den besten derartigen Werken. Sie enthalten auf Tafel I-XXH 
die wichtigsten Vertreter der ersten zehn Classen des Linne’schen 
Systems, bei deren Auswahl der Verfasser darauf bedacht war, die 
heimische Flora in möglichster Vollständigkeit zur Anschauung zu 


Busen VO ERBE EDER" 


145 


bringen, ohne dabei die ausländischen Gewächse hintanzusetzen. Das 
Werk wird in 13 Lieferungen & 1 Mark vollständig erscheinen. Für 
die hübsche Ausstattung können wir der Verlagshandlung nur ge- 
wohntes Lob spenden. J. 


Borbäs Vince. Ouercus Szechenyiana (On. conferta x lanuginosa) 
Borb. in „Erdeszeti Lapok“ 1886. pag. 993— 94. 

Die im Titel bezeichnete Eiche kommt zwischen Menes und 
Kladova im Arader Comitate bei dem Flossstege vor, sie ist ein 
niedriger, aber genügend fructifieirender und gesunder Baum. Was 
die Blätter und die dicht behaarten Zweigchen betrifft, stimmt sie 
mit jenen der Qu. lanuginosa Lam. überein, die Früchte, die Schup- 
pen der Cupula und die verlängerten Griffel sind aber jenen der 
Qu. conferta ähnlich. Von der letzteren ist Qu. Szechenyiana durch 
die langgestielten, kleineren und mit wenigen Lappen charakterisir- 
ten Blätter, dicht behaarte Zweige, sowie etwas kleinere Schuppen 
der Cupula, von den Formen der @u. conferta sessiliflora') durch 
die beständige und dichte Behaarung der Zweigchen, durch die Blät- 
ter, welche jenen der Qu. lanuginosa mehr ähnlich, kleiner und mehr 
behaart sind. Borbäs. 
Rosicky F. Flora bohemica, moravica et silesiaca. 


Es ist diess eine vom naturwissenschaftlichen Club in Prag im. 
Jahre 1883 in ezechischer Sprache herausgegebene, zum Gebrauche 
der Studirenden an Mittelschulen dienende Aufzählung der in Böh- 
men, Mähren und Schlesien wildwachsenden oder als Nutzgewächse 
eultivirten Pflanzen (Phanerogamen, Equisetaceen, Farne, Lycopodia- 
ceen und Rhizocarpeen). Ihre Zahl beträgt 2106. Als Grundlage bei 
der Anordnung dient Dr. Celakovsky’s Prodromus kveteny teske. 
Da der Hauptzweck dieser Brochure darin besteht, den jungen Pflan- 
zenfreunden bei Exeursionen als Leitfaden hinsichtlich der Verbrei- 
tung und der natürlichen Standorte der einzelnen Pflanzen zu die- 
nen, so wurde auf Erzielung einer möglichst compendiösen Form 
Bedacht genommen, und sind zu diesem Behufe für die verschie- 
denen Arten des Vorkommens gewisse, höchst einfache conventionelle 
Zeichen gewählt worden (als: * Engerer Prager Florenbezirk, } Cul- 
tivirte oder verwilderte Pflanze ete.). Dagegen musste auf Diagnose, 
Synonymik und nähere Standorts-Bezeichnung gänzlich verzichtet 
werden. Das Büchlein bildet ein recht praktisches Vademecum. 

M. Prihoda. 


nn — 


Correspondenz. 


Wien, am 3. März 1887. 


In Erwiederung der Ausführungen des Herın J. B. Keller in 
Oest. bot. Zeit. 1887 p. 110 habe ich in aller Kürze Folgendes zu 


') Im Texte ist „lanuginosa“ statt sessiliflora zu lesen. 


144 


bemerken. Herr Keller behauptet, ich hätte die Rosa hybrida Vill. 
nach Gandoger Tab. Rhod. p. 88 Nr. 854 für eine Form aus der 
Gruppe der R. alpina L. erklärt, olıne aber den Autor (!) zu eitiren, 
ich erkläre diese Aeusserung für eine Erfindung des Herrn Keller, 
sie beruht auf völliger Unkenntniss der Original- Diagnose Villars’ 
in Hist. des plantes de Dauphine p. 554, wo nach der völlig be- 
friedigenden Diagnose ausdrücklich auf die vorhergegangenen For- 
men R. alpina L., R. lagenaria Vill.,, R. pimpinellifolia L. hinge- 
wiesen, und die Aehnlichkeit mit diesen Formen hervorgehoben wird. 
Dass nach Trattinnick’s und Regel’s Autorität! auch von Herrn 
J. B. Keller diese Form als dubios erklärt wird, beweist wieder 
von neuem, dass Herr J. B. Keller diese Form einfach nicht stu- 
dirt hat, darüber aber etwas schreibt. Rosa ylabrata Vest, R. Wul- 
fenii Tratt. ete. waren nicht minder dubios wie R. hybrida Vill., 
und wie erstere aufgeklärt wurden, dürfte auch in Kürze letztere 
Form aufgeklärt werden. Was R. hybrida Schleich. und R. aspera 
Schleich. betrifft, so haben diese Namen absolut zu entfallen, denn 
ausser dem bei R. aspera Schleicher angeführten Beispiele darf man 
nur einmal die verschiedenen Herbarien durchgehen, und man wird 
sich überzeugen, dass nicht zwei Exemplare der R. hybrida Schl. 
übereinstimmen. Ja, auf dem Bogen im k. k. Hofmuseal-Herbare, 
welcher die Originalexemplare der R. hybrida Schleich. trägt, liegen 
Rosen aus verschiedenen Gruppen auf, dazu noch keine Original- 
Diagnose! Die Behauptung, dass ich Gandoger nicht citire, hat 
seines volle Richtigkeit, und es ist nur lebhaft zu bedauern, dass 
sich überhaupt noch Leute finden, die diese Autorität (!) eitiren. 
Rosa vestita Sternb. habe ich einfach darum eitirt, weil Herr J. B. 
Keller als sogenanntes Beispiel die R. livida Host eitirt, ob der 
Name (der sich auf die wolligen Griffel bezieht) passend oder unpas- 
send ist, gehört gar nicht zur Sache. Schleicher war ausser als 
„Botaniker“ auch als Pflanzenhändler bekannt, der soviel wie mög- 
lich Pflanzen auf den Markt zu bringen suchte, es ist die Pflicht 
jedes wissenschaftlich gebildeten Menschen, dass er Gründe angibt, 
warum er neue Formen creirt, unterlässt er diess, so verliert er 
alles Recht auf Berücksichtigung (De Candolle, Drude ete.!). Mir 
sind überhaupt nur immer die Pflanzen und die Original-Diagnosen 
in erster Linie von Wichtigkeit, was Andere sagen und commen- 
tiren, kommt erst in zweiter Linie und oft gar nicht in Betracht. 
R. obovata Raf. ist schon in Steudel zu lesen, was diese Rose mit 
der ohnehin aller Priorität entbehrenden A. obovata Bechst. zu thun 
haben soll, ist mir unklar. Gandoger hat Alles aufgeklärt (!) und 
dabei die Rosen fast aller älteren Autoren falsch commentirt, da sie 
ihm nicht vorlagen, er aber doch darüber schrieb, ein Vorgang, der 
in neuester Zeit getreue Nachahmung gefunden hat. Rosa hybrida 
Schleich. und R. aspera Schleich. sind also aus der Liste unbedingt 
zu streichen, will man das Princip der wissenschaftlichen Prio- 
rität überhaupt aufrechterhalten. Es ist übrigens zu bedauern, dass 
Herr J. B. Keller, der durch die — trotz ihrer Fehler — gute 


145 


Bearbeitung der niederösterreichischen Rosen in den Nachträgen zur 
Flora von Niederösterreich sich ein bleibendes Verdienst erworben 
hat, immer wieder auf unmöglich gewordene Autoritäten zurück- 
kommt, und statt dem Principe zu huldigen, dass sich die Forscher 
gegenseitig unterstützen, nicht bekämpfen sollen, ein Prineip, wel- 
ches A. v. Kerner so schön in neuester Zeit wieder ausgesprochen 
hat, durch Nergeleien aller Art die Botaniker zu energischer Ab- 
wehr zwingt. Braun. 


Sterzing (Tirol), 16. Februar 1887. 


Ich bin nun in der Lage, unsere Verzeichnisse verkäuflicher 
Pflanzen versenden zu können, die diessmal umfangreicher erscheinen, 
als je in den früheren Jahren. Die Ursache dieser Reichhaltigkeit, 
eirca 4000 Nummern, liegt in der Uebernahme der ganzen Samm- 
lung des Herrn Buchinger in Strassburg a/R., der durch vierzig 
Jahre einen ausgebreiteten Tauschverein leitete und mit circa 120 
der namhaftesten Botaniker in Verbindung war, so dass Exsiccaten 
aus allen fünf Welttheilen angeboten werden können, und zwar in 
Exemplaren, die für jedes Herbar anständig sind, indem ich durch 
sechs Monate auf das gewissenhafteste alles ausschied, was durch 
Ungunst der Zeit oder Insekten gelitten oder schon durch ursprüng- 
liche Präparation als minder schön befunden wurde, und bin bereit, 
auf ernstgemeinte Wünsche Abzüge, insoweit sie langen, zur Einsicht 
vorzulegen. — Anfangs August vorigen Jahres machte ich mit Pich- 
ler von Lienz eine kurze Excursion nach Raibl (Kärnthen), um 
einige Arten für die Flora exsic. Austr.-Hung. aufzubringen, und es 
ist gelungen, die werthvollsten einzuheimsen, als: Sawifraga Carnio- 
liea Hut. 1875, eine der schönsten Formen von S. moschata Wulf., 
mit doppelt grösseren Blumenblättern als an allen übrigen Varie- 
täten der S. moschata, so dass ein ähnliches Verhältniss eintritt, 
wie zwischen Sarifraga biflora All. und $. macropetala A. Kern. 
Sie kommt nicht besonders häufig am Wischberge, meistens rasig 
zwischen Steinblöcken vor, und zwar besonders gegen die Spitze bei 
circa 2700 Meter s. m. Ebenda findet man auch zerstreut: Alyssum 
Ovirense A. Kern. und Eritrichium nanum Schrad. Am Fusse des 
Wischberges, in der „Ober-Kanitza“ blühten noch Ranunculus Traun- 
ellneri Hop. an Lawinenstrichen, dann Gentiana pumila Jacg. und 
nur mehr sehr einzeln Paederota Churchillii Hut. (1873) (P. Ageria 
> Bonarota). — An der „Canedul-Scharte“ der Wischbachalpe, einem 

er reizendsten mir bekannten botanischen Punkte, sammelten wir 
Sarifraga Beyeri Hut. (1875) [S. sedoides x tenella], die meistens 
nau die Mitte zwischen den Stammältern hält und nicht schwer 
ich zu erkennen gibt durch die Farbe des Laubes und die kleinern 
hmälern zugespitzten, mehr gelblich-grünen Blumenblätter als bei 
. tenella Wulf., und die in zwar wenigen Stellen, aber in einigen 
tübschen Rasen vorkommt. Ebendaselbst finden sich in den Moos- 
Istern eingebettet: Cerastium subtriflorum Rehb. var. in einer 
htvollen Form, ferner Trifolium Noricum Wulf., und an grasi- 


146 


gen Orten Fieracium oaydon Fries. var. hymenophyllum. Auf den 
Bergwiesen, theilweise „Bärnlohner“ genannt, beobachtete ich das 
erstemal die prachtvolle Silene pelidna Rehb., eine gewiss verkannte 
ausgezeichnete Art! Allium ochroleueum W. K. war noch nicht in 
Blüthe. Serratula Vulpii Fisch. Ost. fing gerade an zu blühen. Cen- 
taurea strieta W. K. Festuca alpestris Host. mischen sich mit einer 
grossen Anzahl anderer alpiner Pflanzen, z. B. O.rytropis carinthiaca 
Fisch. Ost. und der ziemlich seltenen Saussurea pygmaea Spreng.— 
Im Thale hinter dem See zum Wischbach ist auch an trockenen 
schotterigen waldigen Orten sehr häufig Euphrasia Carniolica A. 
Kern. und hie und da Euphorbia Kerneri Hut. Ausser dem Dorfe 
Raibl am Fusse des „Königsberges“ kommt noch Rhinantus serotinus 
A. Kern. (in lit.) vor, der aber am 5. August noch wenige Blüthen ent- 
wickelte, dann noch Asperw'a longiflora W. K. (var. versicolor 
mihi) nebst Carduus glaueus Bmgt. Rupert Huter. 


Laibach, am 16. Februar 1887. 


Ich erlaube mir die sich mit Mycologie beschäftigenden Be- 
sitzer der von Director A. Kerner herausgegebenen Flora exsic- 
cata Austro-Hungarica darauf aufmerksam zu machen, dass auf 
den welken Theilen von Genista sagittalis L. meines Exemplares 
(gesammelt von Stapf bei Adelsberg in Krain und ausgegeben unter 
1235, III.) ein sehr schöner Pyrenomycet vorkommt. Dr. H. Rehm 
in Regensburg hatte die Güte, denselben genau zu untersuchen, und 
erkannte ihn als neue, sehr gut zu unterscheidende Art. Er wird als 
Mussarina gigantospora Rehm in Nr. 5 meiner „Materialien zur 
Pilzkunde Krains“ in Kürze ausführlich beschrieben werden. Sicher- 
lich findet sich dieser Pilz auch in anderen Exemplaren dieses wirk- 
lich prächtigen Herbariums vor. Voss. 


Tarvis, 28. Februar 1887. 


Hierdurch benachrichtige ich Sie, dass ich am 24. d. M. meine 
vierte Reise nach Aegypten angetreten habe, welche auf drei Monate 
Dauer berechnet ist. Ich werde diessmal die Mittelmeerküste von 


Rosette an östlich bis gegen die Grenze von Palästina untersuchen. 


P. Ascherson. 


Brünn, am 6. März i887. 
Anfangs August 1885 fand ich am Babi vrch bei Moravka und 
auf sumpfigen Wiesen „u Lhotü“ nächst Slavita in Oesterreichisch- 
Schlesien mehrere zur Senecio-Gruppe gehörige Pflanzen, die bei 
flüchtiger Betrachtung eine, wenn auch nur sehr entfernte Aehnlich- 


keit mit einer stark verkablten Form des S$. crispatus DC. zeig- 


ten, bei detaillirter und genauer Beobachtung aber folgende Diagnose 
ergaben: „Blätter breitherzförmig, wenig länger als breit, unter- 
seits auf den Adern kurzhaarig, die oberen fast ungetheilt mit breit- 
geflügelten Blattstielen, die unteren lang gestielt mit unterwärts 
verbreitertem, halbumfassendem Blattstiele, der Blüthenstand wenig- 


Fr 


er Dr 


köpfig, der Stengel im oberen Theile schwach spinnwebig flockig“; | 


147 


auf Grundlage dieser Diagnose trug ich keine Bedenken, dieselben 
als S, subalpinus Koch. zu deuten, welcher Ansicht sich auch Dr. 
Lad. Celakovsky, an den ich ein auf Wiesen „u Lhotü“ nächst 
Slavita eingesammeltes Exemplar zur geneigten Begutachtung über- 
sendete, anschloss. Somit hat die Flora Schlesiens zwei neue Stand- 
orte dieser seltenen und bisher nur auf die Beskiden beschränkten 
Art zu verzeichnen. Dr. Formänek. 


Lemberg, am 9. März 1887. 


In Folge der in der „Oesterr. botan. Zeitschr.“ von Dr. v. 
Borbäs letzthin gemachten Aeusserung, wonach meine Rosa leopo- 
liensis keine subfoliaren Drüsen besitze, finde ich mich bewogen, auf 
das entschiedenste zu erklären, dass die Blätter dieser prächtigen 
Rose im Gegentheil mit sehr zahlreichen, meist röthlichen Drü- 
sen unterseits besetzt sind, dass demnach dieselbe mit R. frutetorum 
Bess. nichts zu thun hat. In der ganzen Umgebung von Lemberg 
kommt Rosa leopoliensis m. ziemlich zahlreich vor, und ich habe 
jedes von mir angetroffene Exemplar auf das obige Merkmal geprüft, 
ich habe jedoch keines gefunden, deren Blätter auf der Unterseite 
sehr zahlreiche Drüsen nicht besitzen würden. Dr. Wofoszczak, 
welcher im vorigen Jahre in meiner Gesellschaft diese Rose in 
lebenden Exemplaren zu untersuchen Gelegenheit hatte, bemerkte 
mir gegenüber ganz ausdrücklich, dass Herr H. Braun ganz unrich- 
tig die Rosa leopoliensis m. mit R. frutetorum Bess. identifieirt hat, 
eben wegen des Vorhandenseins der Drüsen auf der Unterseite der 
Blätter bei R. leopoliensis. — Ich habe nicht behauptet, meine Rosa 
Skofitziana sei nicht identisch mit R. uncinella var. ciliata Borb., 
wohl aber habe ich meiner Ansicht Ausdruck gegeben, dass R. Sko- 
fitziana m. eine selbständige Art ist und mit AR. uneinella Bess. 
nicht vereinigt werden darf. Br. Btocki. 

Budapest, 10. März 1887. 


Ich habe jene Varietät der Tilia Ulmifolia Scop. im Herb. des 
ungarischen Nationalmuseums untersucht, welche Bayer in seiner 
Monographie dieser Gattung pag. 22 (24) von der Oravitzaer Tilia 
erwähnt, und welche einen Namen (var. trichoneura) verdient. Ich 
notirte mir folgende kurze Diagnose: folia minima, ambitu sub- 
rotunda,‘ basi.fere truncata vel cordata, longe acuminata, acumine 
lineari-elongato, quam foliorum lamina triplo breviore, subtus, pal- 
lida vel glaucescentia, nervis pilosis, in axillis venarum rubicundo- 
barbatis; eymis 4-floris, foliis paulo brevioribus. Bracteae vix 2 Ctm. 
longae basi pedunculatae. — Bei Kärolyväros fand ich eine solche 
Schwesterform der Tilia corallina, welche, was die grösseren Zähne 
der Blätter betrifft, dem Formenkreise der 7. platyphyllos Scop., 
bracteis sessilibus, der T. corylifolia oder T'. vitifolia Host. ent- 
spricht (var. subangulata); aber solche formae subvitifoliae kommen 
auch an fomentosa Moench. vor, sowohl: in Ungarn, als bei Boizen- 
burg. Ob aber auf einem Baume alle so rebenähnliche Blätter oder 
mit normalen gemischt vorkommen, weiss ich noch nicht. 7. Euro- 


148 


paea L. (T. intermedia Hayn. et Sw., DC.) scheint im Süden con- 
stant mit dreiblüthiger Inflorescenz vorzukommen (var. ternijlora m.); 
sie kommt auch am Monte Sirente Abrutiorum vor (Groves!) — 
T. corylifolia Host. kommt bei Schemnitz vor. — Rubus bifrons 
Vest. fand L. Richter bei Pressburg (Batzenhäusel), „Haphendorf* 
in „Oesterr. botan. Zeitschr.“ 1887, pag. 113 — Haschendorf. — 
Quercus Bedöi „Erd. Lap.“ 1837, pag. 39 (non Borb. 1886) — 
Quercus dacica mihi. — Die Frühlings-Safranarten werden von den 
Rumänen des Krass6-Szörenyer Comitates Brinduscha, in Süd- 
Croatien BrenduSa genannt. — Tilia Ulmifolia Scop. (vom Autor 
mit grossem U geschrieben) ist für 7". parvifolia Ehrh. kein unpas- 
sender Name, wenn man die südlichen Ulmus-Arten kennt. So 
habe ich in Leopoldifeld bei Ofen Abänderungen der Ulmus glabra 
Mill. gefunden, in welchen die Blätter denjenigen der Linde nicht 
unähnlich sind foliis subrotundis mit subrotundo - ovatis, basi 
oblique cordatis, brevioribus et latioribus ac in T. glabra, minus 
acuminatis. Auch in der Umgebung des Litorale findet man solche 
Formen von Ulmus-Arten, deren Blätter einer Linde mehr minder 
ähnlich sind. v. Borbäs. 


— 


Personalnotizen. 


— Dr. H. Wawra Ritter v. Fernsee, k. k. Marine-Stabsarzt 
in Wien, wurde von der k. k. Gartenbau-Gesellschaft in Wien zum 
Vicepräsidenten gewählt; ferners wurden zu correspondirenden Mit- 
gliedern ernannt: Dr. Julius Wiesner, Universitäts- Professor und 
Director des pflanzenphysiologischen Instituts in Wien; Dr. Josef 
Böhm, Professor an der Universität und Hochschule für Bodeneul- 
tur in Wien; Dr. Günther Beck, Privatdocent an der Universität 
und Custos am k. k. Hof-Museum in Wien; Dr. Alfred Burger- 
stein, Gymnasial-Professor in Wien; Franz Maly, k. k. Hofgarten- 
Inspeetor in Wien. 

— Baron Ferdinand v. Müller in Melbourne erhielt das 
Grossherzogl. Oldenburgische Ehren-Ritterkreuz I. Classe. 

— Dr. A. W. Eichler, Professor an der Universität, Director 
des botanischen Gartens und botanischen Museums in Berlin, ist am 
2. März, 48 Jahre alt, gestorben. 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- 
schaften in Wien am 7. Jänner 1887 übersandte Regierungsrath 
Prof. Dr. Constantin Freiherr v. Ettingshausen eine Abhandlung, 
betitelt: „Beiträge zur Kenntniss der fossilen Flora Neu- 


149 


seelands“. In einer Abhandlung über die „genetische Gliederung 
der Flora von Neuseeland“ (Sitzungsber., 58. Bd., 1. Abth., S. 953) 
versuchte der Verfasser auf indireetem Wege aus der Beschaffenheit 
der endemischen Flora nachzuweisen, dass dieselbe aus einer Flora 
hervorgegangen ist, welche ausser dem Hauptelement, dem das Haupt- 
glied der lebenden Flora seinen Ursprung verdankt, auch noch andere 
Elemente enthalten haben musste, denn die Ueberreste solcher las- 
sen sich in der lebenden Flora deutlich erkennen. Hiemit in vollem 
Einklanse stehen die wichtigsten Ergebnisse der vorgelegten Ab- 
handlung: 1. In Neuseeland ist ein Zusammenhang seiner Tertiär- 
mit seiner Jetztflora nachweisbar. 2. In der Tertiärflora Neuseelands 
sind die Elemente verschiedener Floren enthalten. 3. Die Tertiär- 
flora Neuseelands bildet einen Theil derselben universellen Flora, 
von welcher sämmtliche Floren der Jetztwelt abstammen. 4. In Neu- 
seeland ist nur ein Theil der Gattungen seiner Tertiärflora in die 
jetzige Flora übergegangen, der andere aber ausgestorben. 

Die Kreideflora Neuseelands ist bis jetzt aus vier Locali- 
täten zum Vorschein gekommen. Eine Reihe von Arten dersel- 
ben sind die Vorläufer von Arten der Tertiärflora. 

Zahlreiche Pflanzenreste aus älteren mesozoischen Lagerstätten 
müssen sämmtlich der Triasformation zugewiesen werden, da die 
Arten am meisten denen der Triasflora entsprechen und eine 
Altersverschiedenheit dieser Localitäten durch die gemeinsamen Arten 
ausgeschlossen erscheint. 

Dr. Richard v. Wettstein in Wien überreichte eine Abhand- 
lung, betitelt: „Zur Morphologie und Biologie der Cystiden‘. 
Die wichtigsten Ergebnisse der vom Verfasser an der Hymenomy- 
ceten-Gattung Coprinus ausgeführten Untersuchung sind: 1. Die 
Cystiden sind morpholoeisch gleichwertbig den Basidien (Brefeld). 
2. Unter der grossen Zahl mannigfacher Formen lassen sich zwei 
Typen unterscheiden: a) freie Cystiden, dienur auf einer Seite mit der 
Lamelle, auf der sie entstanden sind, im Zusammenhange stehen. 

-b) Cystiden, die mit ihrem anfangs freien Ende in die Trama der 
überhegenien Lamelle sich einkeilen oder mit den Elementen 
erselben in mannigfacher Weise verwachsen. 3. Die Aufgabe der 
freien Öystiden besteht zuerst darin, die in der Jugend enge anein- 
anderliegenden Lamellen auseinander zu drängen, um den Sporen 
Raum zur Entwicklung zu geben (Brefeld), später, das Zusammen- 
hlagen der Lamellen zu verhindern. 4. Den sich in die gegenüber- 
liegende Lamelle eindrängenden oder an sie anwachsenden Cystiden 
kommt ausser der sub 3 genannten Aufgabe noch die weitere zu, 
das zu weite Auseinanderdrücken der Lamellen und das Zerreissen 
r Hüte zu verhindern. 5. Nach den verschiedenen Functionen wir- 
die Öystiden bestimmend auf die äussere Form der Hüte. 6. Die 
utung der Cystiden für die systematische Unterscheidung der 
inus-Arten ist gering. 
— In der Monats-Versammlung der k. k. zoologisch-bota- 
ischen Gesellschaft in Wien am 2. März hielten Vorträge 
12 


Oesterr. botan, Zeitschrift. 4, Heft 1897, 


150 


über botanische Gegenstände die Herren: @. Sennholz „Ueber 
Amorphophallus“. Der Vortragende erläuterte an einem lebenden 
cultivirten Exemplar die morphologischen Verhältnisse dieser nichts 
weniger als schönen, dabei aber auch noch höchst übelriechenden 
Aroidee. Dr. M. Kronfeld „Ueber den Blüthenstand der Gattung 
Typha“. In nahezu einstündiger Rede wurden die wechselnden An- 
schauungen der Autoren über die morphologische Bedeutung der 
einzelnen Blüthenorgane und die Inflorescenz dieser Gattung, sowie 
ihrer nächsten Verwandten: Sparganium, kritisch beleuchtet, und 
schliesslich mehrere von Dr. Kronfeld beobachtete Fälle von Form- 
Anomalien (Gradationen der Distanzirung des männlichen und weib- 
lichen Blüthenstandes; Heterogamie; Theilung des Kolbens durch 
Spaltung der Spindel etc.) angeführt und an Exsiecaten demonstrirt. 
Dr. F. Palacky verwerthete die auf seinen vielfachen paleontologi- 
schen Forschungsreisen gewonnenen Erfahrungen in einer sehr in- 
structiven Darstellung der präglacialen Flora Mitteleuropas, 
unter Hindeutung auf deren Repräsentanten in der jetzigen Sumpf- 
und Alpenflora. Ferner besprach er zwei einschlägige Werke, näm- 
lich: „Die Flora des Bernsteins* von H. Conwenz, Danzig 1880, 
und „On the flora of the Croma Forest-bed“, by Clement Reid. 
Schliesslich legte Dr. ©. Richter ein für die Verhandlungsschriften 
bestimmtes Manuscript über von ihm in Niederösterreich neu auf- 
sefundene Pflanzen vor. Zwei davon stellt Herr Richter als novae 
species auf: Epipactis orbicularis, Standort: nördliche Abdachung des 
Semmering bis in die Atlitzgräben hinab; und Viola Wettsteinii, eine 
Mittelform (kein Bastard) zwischen V. sylvestris und Riviniana ; 
gleichfalls am Semmering beobachtet. Moritz Prihoda. 


— In einer Versammlung des Vereins „Mittelschule“ in Wien 
am 26. Februar hielt Professor E. Suess einen Nachruf für den 
verstorbenen Regierungsrath Dr. Alois Pokorny. Professor Suess, 
ein langjähriger Freund Pokorny’s, hob einleitend hervor, dass der 
verewigte Forscher in unserem Schulwesen eine Stellung und Bedeu- 
tung errungen, die keiner seiner Vorgänger aufzuweisen hatte. Denn 
das könne heute ruhig gesagt werden, dass vor Alois Pokorny Nie- 
mand mit demselben Eifer und gleichem Erfolge an der Verbesse- 
rung des naturgeschichtlichen Unterrichtes an den Mittelschulen 
unserer Monarchie thätig gewesen sei. Die Zahl der Exemplare sei- 
ner Bücher für Volks- und Mittelschulen, welche weit über die 
Grenzen ÖOesterreichs in acht Sprachen verbreitet sind, betrage mehr 
als eine Million. Pokorny widmete sich anfangs den juridischen Stu- 
dien, aus dem Juristen wurde aber bald ein Botaniker. Es sei be- 
zeichnend für die hohe Begabung in Oesterreich, dass zu einer Zeit, 
in welcher es fast gar keinen naturgeschichtlichen Unterricht gab, 
doch eine so grosse Anzahl von Autodidacten auf diesem Gebiete 
entstanden sei. Professor Suess skizzirte sodann den Lebenslauf 
Pokorny’'s, würdigte ihn als Menschen, Gelehrten und Familienvater 
und schloss mit den Worten, Pokorny gereiche seinem Stande zur 


151 


vollsten Ehre, er war ein vollkommener Charakter. Der Vorsitzende 
Lissner theilte hierauf mit, dass der Lehrkörper des Communal- 
Real- und Ober-Gymnasiums in der Leopoldstadt sich an den Verein 
„Mittelschule“ mit dem Ersuchen gewendet habe, daselbst gemein- 
schaftlich eine Gedenktafel für Dr. Alois Pokorny zu errichten. 


Botanischer Tauschverein in Wien. 


Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Scheppig mit Pflan- 
zen aus Deutschland. 


Sendungen sind abgegangen an die Herren: Dr. Richter, 
Runge, Forstinger und Fräulein Boresch. 


Aus Niederösterreich eingesendet von Keller: Achilles alpi- 
eola, Arenaria grandiflora, Carew aterrima, C©. brachystachys, Ö. ni- 
gra, ©. ornithopodioides, ©. rupestris, Carlina longifolia, Chaere- 
phullum aromaticum, Epilobium trigonum, Euphrasia minima, E. 
salisburgensis, E. versicolor, Festuca, rupicaprina, Gnaphalium Hop- 
peanum, Hieracium piliferum, Juncus Hostü, Leontodon Taraxaci, 
Lihbanotis montana, Pachypleurum simplex, Peucedanum verticillare, 
Ranunculus Breyninus, Rhododendron intermedium, Rosa Carioti, 
Saussurea discolor, S. pygmaea, Silene alpina. 

Aus Westfalen einges. von Runge: Anacamptis pyramidalis, 
Anagallis coerulea, Batrachium divaricatum, Botrychium Lunaria, 
Carex stellulata, Cerastium semidecandrum, Chenopodium fieifolium, 
Galeopsis ochroleuca, Galium sawatile, &. silvestre, &. uliginosum, 
Gentiana Amarella, Myosotis versicolor, Nasturtium oficinale, Seir- 
pus caespitosus, Spiranthes autumnalis, Tarawacum ofieinale var. 
laciniatum. 

Aus Oberösterreich einges. von Frank: Oalamintha nepetoides, 
Campanula glomerata, Cynosurus echinatus, Oentaurea rhenana, Epi- 
lobium Dodonaei, Geranium pusillum, @&. pyrenaicum, Hippocrepis 
comosa, Hripochoeris maculata, Orchis latifolia, Prumex scutatus, 
Sarifraga Aizoon, 8. rotundifolia, Scabiosa ochroleuca, Thesium 
tenuifolium. 

Aus Böhmen einges. von Fräulein Boresch: Agrostis spica 
venti, Aira flewuosa, Allium oleraceum, Bromus secalinus, B. tecto- 
rum, Care leporina, Caucalis daucoides, Ö. orientalis, Chenopodium 
Bonus Henricus, Ch. glaueum, Festuca elatior, Fumaria Vaillantii, 
Geranium columbinum, Helianthemum oelandieum, Panicum milia- 
ceum, Trifolium agrarium, Veronica praecow, V. prostrata. 

Aus Tirol eingesendet von Fräulein Boresch: Geranium molle, 
Goodyera repens, Hutchinsia alpina, Primula glutinosa, Tofieldia 
caliculata, Viola sawatilis. 

Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 


- oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 


152 


Inserate. 


Verlag von August Hirschwald in Berlin. 


Soeben erschien: 
Lehrbuch 
der 


Pharmakognosie. 


Mit besonderer Rücksicht auf die Pharmacop. Germ. ed. II, sowie als Anlei- 
tung zur naturhistorischen Untersuchung vegetabilischer Rohstoffe 


von 


Prof. Dr. Alb. Wigand. 
Vierte verm. Auflage. 4887. gr. 8. Mit 188 Holzschn. 10 M. 


Botanische Kataloge. 


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Nr. 194. Forstwissenschaft und Jagd. Garten- und Obstbau, Land- und Haus- 
wirthschaft. 
Nr. 198. Kryptogamen. 
Nr. 202. Phanerogamen. I. Anatomie. Physiologie. Pathologie. Morphologie. 
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Von Dr. L. Rabenhorst’s Kryptogamen-Flora von Deutschland, Oester- 
reich und der Schweiz erschien bis jetzt: 

Bd. I. Die Pilze, bearbeitet von Dr. G. Winter in Leipzig; erschienen 
sind 27 Lieferungen ä 2 M. 40 Pf. und ein Registerheft zur 1. Ab- 
theilung ä 2 M. 40 Pf. 

Bd. II. Die Meeresalgen, bearbeitet von Dr. F. Hauck in Triest; sind 
complet erschienen zum Preise von 28 M. 

Bd. UI. Die Gefässkryptogamen, bearbeitet von Prof. Dr. Ch. Luerssen 
in Eberswalde; erschienen sind 8 Lieferungen ä& 2 M. 40 Pf. 

3d. IV. Die Laubmoose, bearbeitet von K. G. Limpricht in Breslau; er- 
schienen sind 6 Lieferungen & 2 M. 40 Pf. 

Für rasches Erscheinen der Fortsetzungen wird die Verlagshandlung 

Sorge tragen. 

} Alle Buchhandlungen des In- und Auslandes nehmen Bestellungen hier- 
auf an. 


Leipzig. Ed. Kummer. 


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Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. - Verlag von ©. G@erold’s Sohn. 
€. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. i 


Oesterreichische 


Botanische Zeitschrift, 


Die österreichische Exemplare 
botanische Zeitschrift Organ die frei Kaas Postbe- 
erscheint zogen werden sollen, sind 
den Ersten jeden Monats. blos bei der Bedaetion 
Man pränumerirtauf selbe für (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1) 


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die ganze Petitzeile N: 5 sowie alle übrigen 
15 kr. öst. W. RE a Buchhandlungen. 
XXXVI. Jahrgang. WIEN. Mai 1887. 
INHALT. Centaurea carpatica. Von Dr Formänek. — Narthecium Reverchoni. Von Dr.. Ce- 
lakovsky. — Poa polonica. Von Btocki. — Zygomorpher Blüthenbau. Von Focke. — 
Zur Homafrage. Von Prof. Dr. Palacky. — Bildungsabweichungen. Von Voss. — Utrieularia 
brewicornis. Von Dr. Celakovsky. — Pflanzennamen. Von Dr. Kronfeld. — Prof. Eichler. 
Von Dr. Gareke. — Flora des Etna. Von Strobl. -- Literaturberichte. — Correspondenz. 
Von Keller, Braun, Beck, Steininger, Formänek, Borbäs. — Personalnotizen. — 
Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserat. 


Cenlaurea carpalica. 
Auctore Ed. Formänek. 


Rhizoma eylindrieum. Caulis arachnoideo-tomentosus, erectus, 
rarius subadscendens, simplex, capitulo uno, 030—0'40 m. altus. 
Folia 0 06—0'09 m. longa et 2:5 cm. lata, firma, ovato-lanceolata, 
superiora sessilia, basi semiamplewicauli, vie decurrente, inferior 
in brevem semiamplewicaulem petiolum attenuata, omnia folia integra 
vel non perspicue remoto-dentata, supra obscure viridia, tenuiter-, 
infra albido-cineres et dense arachnoideo-tomentosa. Phylla involu- 
cralia sine margine scarioso, ewxterivra ovalta integra wel lacerato- 
fimhriata, (fere) dimidio breviora interioribus, haecce lato-ovata basi 
lanceolata, apice scarioso, pecliniform2 fimbriata. Pedunculi sub 
capitulo incrassati. Pappus quinquies-septies brevior achenio. 

Habitat in monte Javornik apud Halenkov in Beskidis, loco 
uno, sed ibidem cereberrima. 

Initio mensis Augusti 1885 a me inventa. 

Diese interessante Pflanze fand ich Anfang August 1885, auf 
der Bukovina im Javornikgebirge nächst Hallenkau und zwar auf 
der mährischen Seite, nur an einer Stelle, hier aber massenhaft; 
selbe kommt, dem Anscheine nach, höchst selten und nur in den 
Karpathen vor, da ich, trotzdem ich fast die ganzen Beskiden zu 
Fuss bereiste, diese schon von weitem kenntliche und auf den ersten 
Blick von den nächsten Verwandten der Centaurea awillaris Willd. 
und der ©, montana L. verschiedene Art nirgends angetroffen habe, 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 6. Heft. 1887, 13 


154 


dürfte (?) jedoch auch auf der ungarischen Seite des Jawornik- 
gebirges und in den ungarischen Karpathen, wenn auch nur höchst 
selten, auftreten. 

Nachdem ich in der ganzen mir zu Gebote stehenden Literatur 
vergebens Umschau gehalten und diese scharf ausgeprägte und durch 
ihre auffallenden Eigenschaften von allen Verwandten verschiedene 
Form weder in meinem, noch in den Brünner Herbarien finden 
konnte, entschloss ich mich dieselbe zu benennen und eine getreue 
Beschreibung nach dem mir vorliegenden, leider geringen und zum 
Theile noch unvollständigen Materiale, zu entwerfen. 

Von Centaurea awillaris Willd. unterscheidet sich unsere Pflanze 
durch die sitzenden, den Stengel halbumfassenden, kaum herablau- 
fenden viel breiteren und kürzeren, in der Regel ganzrandigen Blätter, 
durch die am Rande nicht trockenhäutigen Hüllblätter und den viel 
kürzeren Pappus. 

Grundverschieden ist unsere Pflanze auch von Oentaurea mon- 
tana L., wie ich mich durch Vergleichung derselben mit sämmtlichen 
zu dieser Art gehörenden Pflanzen des Herbares des Brünner natur- 
forschenden Vereines überzeugt habe. In den ausgedehnten Samm- 
lungen dieses Vereines, fand ich diese Art von zehn verschiedenen 
(darunter zwei französische, ein croatischer und ein steiermärkischer) 
Standorten reichlich vertreten. Alle Exemplare dieser Sammlung 
zeichnen sich durch einen (mitunter breit-) geflügelten Stengel, durch 
lange und weiche, meist grasgrüne, ziemlich kahle oder dünn spinn- 
webig-wollige Blätter und durch die mit einem schwarzbraunen 
Rande versehenen Hüllblätter. 

Es unterscheidet sich daher unsere Pflanze von der Centaurea 
montana L. durch den nicht- oder kaum geflügelten Stengel, durch 
den fehlenden Hautrand der Hüllblätter, durch die auf der Ober- 
seite mattgrünen, auf der Unterseite weisslichgrauen, dicht spinn- 
BIENEN, viel kürzeren und derben Blätter und den sehr kurzen 

appus. 


Narthecium Reverchoni sp. n. 
Von Dr. L. Öelakovsky. 


Rhizomate longe repente ; caulibus basi foliosis, caeterum 
3—Ffoliis, foliis basilaribus („radicalibus“) 3—4 et illis turionum 
sterilium distachiis, equitantibus, lineari-ensiformibus, compresso-vagi- 
natis, vagina late scarioso-nitido-marginata, caulinis sensim de- 
erescentibus, a caule distantibus, supremis lamina brevissima 
acuminatis; bracteis complicatis, curvatis, acuminatis; brac- 
teola (prophyllo) plerumque infra medium pedunculi sita; 
racemo lawifloro, I0—I15-floro, forum peduneulis longiusculis, 
subarcuato-patentibus; filamentis minus dense villosis; pilis 


155 


eorum omnibus subaequilongis; ovario conico in stylum eras- 
siusculum sensim attenuato. 

Corsica: ad Bastelicam, locis humidis montis Monte-Renoso 
27. Jul. 1878 leg. Elisee Reverchon (nomine Narth. ossifragi 
Huds.) 

Narthecium ossifragum Huds.differt: caulibus abasi squa- 
moso-foliatis, squamis infimis minimis, sequentibus majoribus, 
superioribus decrescentibus adpressis, bracteis sguamiformibus, non 
complicatis, obtuse cucullatis, bracteola plerumque supra me- 
dium peduneuli sita, racemo densifloro, pedunculis erectis, 
strietis itaque floribus axi subadpressis, filamentis dense villosis, pilis 
a basi versus apicem fillamenti magis elongatis, ovario in stylum 
tenuem abrupte contracto. 

Diese schöne Art, von der mir fünf so schön, wie eben Re- 
verchon zu sammeln versteht, aufgelegte Exemplare vorliegen, ist 
sogleich habituell von dem gewöhnlichen nördlicheren N. ossifragum zu 
unterscheiden, namentlich durch die ganz verschiedene Phyllomorphose. 
Während beim N. ossifragum der Stengel bloss Niederblätter 
(Schuppenblätter) besitzt, von denen die untersten am kleinsten sind 
und von deren nachfolgenden selten eins oder das andere ein Sprei- 
tenrudiment trägt, so finden sich bei der Reverchon’schen Pflanze 
am Stengelgrunde wohl entwickelte schwertförmige Spreitenblätter, 
ähnlich denen der sterilen Triebe, darüber folgen dann wenige 
(3—4) durch längere Internodien getrennte Stengelblätter, die gleich 
den Bracteen zusammengefaltet und mit einer kurzen spitzen Spreite 
versehen sind. Die Blüthen sind merklich grösser als beim N. ossi- 
fragum, weit lockerer stehend und länger gestielt. Auffällig ist noch 
der weissglänzende Hautrand der Blattscheiden, der zwar beim N. 
ossifragum nicht fehlt, aber doch nicht so breit und auffällig er- 
scheint. Die Ausläufer des Rhizoms sind länger und dünner, als 
ich sie je beim N. ossifragum, von dem mir reichliches Material vor- 
liegt, gesehen habe. 

b das Narth. Reverchoni ausser auf Corsica noch sonst im 
Süden vorkommt, wird noch weiter auszuforschen sein. Die franzö- 
sische Pflanze, die wir im böhmischen Museumsherbar von Pontivy 
und aus den Centralpyrenäen (Endress Un. itin.) haben, ist nur 
N. ossifragum. Grenier gibt letzteres auch auf Corsica an (Monte 
.d’Oro ete.); ob damit das N. Reverchoni gemeint war, oder ob neben 
diesem auch das N. ossifragum auf Corsica wächst, bleibt auch noch 
auszumitteln. 
Ich vermuthe ferner, dass das orientalische „Narth. ossifragum“ 
vom Pontus Lazieus oberhalb Demil (Balansa), welches Boissier 
der Fl. Orient aufführt und dessen Standort er selbst eine „statio 
alde disjuneta et insignis“ nennt, vom N. ossifragum specifisch ver- 
ieden, möglicherweise mit dem corsischen N. Fleverchoni iden- 
ist. Einige Boissier'sche Angaben, die wohl der orientalischen 
nze entnommen sind, passen nämlich eher auf das letztere, als 
N. ossifragum. Es heisst dort: „foliis radiealibus caule bre- 
13* 


156 


vioribus, eaulinis 2—3 abbreviatis, pedicellis bası et saepe ad medium 
bracteolatis‘. Es wäre wünschenswerth, dass Diejenigen, denen die 
Pflanze Balansa’s zugänglich ist, dieselbe mit der corsischen Art 
vergleichen möchten. 


Poa polonica n. sp. 
Von Br. Blocki. 


Diagnose: Wurzel ohne Ausläufer, rasenförmig. Halme 
steif, dieklich, 0:20—025 M. hoch, wie die Blattscheiden 
und Blätter blaugrün und schärflich rauh, nur in der un- 
teren Hälfte beblättert, dreiblätterig. Blattscheiden länger als 
die Internodien, die Halmknoten gänzlich bedeckend. Blätter 
steif aufrecht-abstehend, 3 Mm. lang, linealisch-flach, kürzer 
als ihre Scheiden, gegen die Spitze plötzlich verschmälert und 
daselbst kappenförmig zusammengezogen. Blatthäutchen 3 Mm. lang, 
an der Spitze abgestutzt. Rispe eilanzettlich, deren Aeste stets aut- 
recht abstehend, sehr rauh, die unteren zu 3—5. Aehrchen eilan- 
zettlich, 4—5 blüthig, glänzend; die Deckspelzen am oberen Rande 
breithäutig, unter der Spitze violett gezeichnet. 

Bemerkungen: Diese ausgezeichnete Art steht bezüglich des 
Habitus der P. caesia Sm. und P. glaucescens A. Kern. am näch- 
sten, sie unterscheidet sich jedoch von beiden sehr erheblich durch 
viel längere Blatthäutchen, sowie durch sehr rauhe Halme, Blätter 
und Blattscheiden. Durch das letztgenannte Merkmal nähert sich P. 
polonica m. den osteuropäischen Arten: P. sterilis (auch hung. an 
L.?), P. pannonica A. Kern., P. podolica mihi und P. versicolor 
Bess., jedoch unterscheiden sich diese letzteren Arten von P. polo- 
nica m., abgesehen vom Habitus, auf den ersten Blick dadurch, 
dass sie nackte, d. h. von Blattscheiden unbedeckte Halmknoten 
besitzen. 

Standort: Sonnige Gypstriften bei Ostapie und Okno im ost- 
galizischen Miodoboryer Hügelzuge, nicht selten. Auch dürfte sie in 
Wolhynien und Russisch-Podolien zu Hause sein. In Südostgalizien 
habe ich .P. polonica m. nirgends beobachtet, wohl aber kommen 
es P. pannonica A. Kern., P. podolica mihi und P. versicolor 

ss. Vor. 


Lemberg, am 10. April 1887. 


157 


Die Entstehung des zygomorphen Blüthenbaues. 


Von W. ©. Focke. 
(Schluss.) 


Es wird nicht nöthig sein, als Beleg für die allgemeine Rich- 
tigkeit dieser Anschauungen Beispiele anzuführen, da es hinlänglich 
bekannt ist, dass im Grossen und Ganzen die Thatsachen zu der 
Theorie stimmen. Im Einzelnen hat freilich die Züchtung durch In- 
sektenthätigkeit unzählige Abweichungen und Besonderheiten hervor- 
gerufen. Bei den Schmetterlingsblumen z. B. ist die Fahne das best- 
entwickelte Kronblatt, während dies nach der Theorie nicht der Fall 
sein sollte. Beim Kelch der Schmetterlingsblume dagegen, der nur 
mittelbar durch die Züchtung beeinflusst wurde, ist das Verhalten 
ein ganz regelrechtes; ferner spricht auch die Vergleichung mit den 
Caesalpinieen dafür, dass die stärkere Entwicklung der Fahne erst 
einem späteren Stadium in der Ausbildung der Zygomorphie an- 
gehört. 

Bei den Caesalpinieen, z. B. bei Cussia, finden sich die leich- 
testen Anfänge der Zygomorphie, aber hier zeigt sich sofort, dass 
es nicht Kelch und Krone sind, an denen die ersten Ansätze zur 
Aenderung des Blüthenbaues sichtbar werden, sondern die inneren 
Blattkreise der Blüthen, die Staubblätter und Fruchtblätter. Ueber- 
haupt ist die Zahl der streng aktinomorphen Blumen weit kleiner 
als man gewöhnlich annimmt. Als ich einmal Nicotiana unter den 
Gattungen mit zygomorphen Blumen aufgezählt hatte, wurde mir 
dies von der Kritik als Fehler angerechnet, während ich, der ich 
Jange Nieotianen cultivirt und beobachtet hatte, es für selbstver- 
ständlich hielt, dass die Zygomorphie in dieser Gattung eine allbe- 
kannte Sache sei. Der Fruchtblattkreis ist bei Micotiana viergliedrig, 
der Kronblattkreis fünfgliedrig und der Staubblattkreis zeigt inso- 
fern eine Annäherung an die Tetramerie, als ein Staubfaden regel- 
mässig kürzer ist, als die andern. Die typischen Rosaceen-Blumen, 
z. B. Spiraeen, Potentillen, Rosen u. s. w. sind vollständig aktino- 
morph. Die einzelnen Fruchtblätter sind aber nicht symmetrisch ge- 
bildet, und wenn nun bei redueirten Formen von dem Fruchtblatt- 
kreise nur ein einziges Glied übrig bleibt, so findet sich in der 
übrigens strahligen Blume ein halbseitig symmetrisches Fruchtblatt. 
Es ist diess z. B. bei Alchemilla der Fall, deren Untergattung Apha- 
nes auch nur ein einziges Staubblatt besitzt, dessen Stellung dem- 
nach die einzige mögliche Halbirungsebene der Blume angibt. Bei 
den Chrysobalaneen hat sich in vielen Gattungen die Zygomorphie 
weiter ausgebildet, indem zunächst die Honigabsonderung sich auf 
die Griffelseite des Fruchtblattes beschränkte. Eine sackartige oder 
selbst spornartige Honiggrube und Aonderungen in Stellung und 
Zahl der Staubblätter sind dann als Folgen von Insektenzüchtung 
entstanden; die Umbildung der aktinomorphen in die zygomorphe 
Blüthenform lässt sich hier Schritt für Schritt verfolgen. 


Eine andere Störung der strahligen Anordnung im Staubblatt- 
und Fruchtblattkreise beobachten wir bei einigen Gentianaceen. In 
der Gattung Erythraes sind die Kronblätter unterwärts zu einer 
engen Röhre verwachsen, aus der nur die Staubbeutel und die Griffel- 
spitze hervorragen. So gering der Spielraum ist, welchen die enge 
Mündung der Krone bietet, so ist es doch leicht wahrzunehmen, dass 
Staubbeutel und Narbe sich zur Blüthezeit von einander abwenden; 
der Griffel legt sich der Kronröhre an der einen Seite an, die sämmt- 
lichen Staubblätter an der entgegengesetzten. Die Gattung Sabbatia, 
nahe verwandt mit Erythraes und Chlora, hat nicht die lange enge 
Kronröhre von Erythraea, so dass Griffel und Staubblätter sich 
freier bewegen können. Lester F. Ward hat beobachtet, dass sich 
bei der nordamerikanischen Sabb. angularis zur Zeit der Geschlechts- 
reife der Griffel nahezu in rechtem Winkel nach der den Staubblät- 
teın entgegengesetzten Seite biegt. Eine fast eben so beträchtliche 
Krümmung der Griffelspitze beobachtete ich gemeinsam mit Herrn 
H. Ross auch bei Erythraea grandiflora auf Sieilien. Offenbar ge- 
währt dies Auseinanderbiegen der Staubblätter und Narben einen 
guten Schutz gegen Selbstbestäubung durch Pollen der eigenen 
Blume. Die inneren Blüthenkreise sind wegen dieser Stellungsver- 
hältnisse bei Sabbatia und Erythraea nicht mehr aktinomorph. 

Eine fernere Art von beginnender Zygomorphie zeigt sich bei 
manchen Pflanzen mit nickenden Blumen, deren Griffel sich auf- 
wärts krümmen. Den Schlüssel zur Erklärung dieser Erscheinung 
liefert uns folgende Beobachtung. Stellt man eine grossblumige Lilie 
mit nickenden oder wagrecht abstehenden Blumen, also etwa L. 
auratum oder L. laneifolium, im Blumentopfe so an eine Zimmer- 
wand, dass das Licht nur von der Seite auf die Blume fällt, so 
biegt der Griffel sich nicht, wie gewöhnlich, aufwärts, sondern seit- 
wärts dem Lichte zu. Die Lilien aus der Verwandtschaft des Zi. 
bulbiferum haben aufrechte Blumen mit geraden Griffeln. Wenn man 
aber eine solche Blume vor dem Aufblühen künstlich in eine wag- 
rechte Stellung bringt oder wenn sie durch zu dichten Stand der 
Blumen gezwungen wird, eine derartige Stellung anzunehmen, so 
biegt der Griffel sich aufwärts und wendet seine Narbe dem Lichte 
zu, ebenso wie es die Arten mit normal nickenden Blumen regel- 
mässig thun (vgl. meine Mittheilungen in Kosmos VII, 1883, 8. 658). 
Stellt man eine Pflanze von Hymantophyllum (Clivia) so auf, dass 
die zahlreichen zu einer Dolde vereinigten Blumen das Licht nur 
von einer Seite erhalten, so können sich der Raumverhältnisse 
wegen nicht alle Blumen dem Lichte entgegenrichten, aber auch in 
den abewendeten Blumen krümmen sich die Griffel nach oben oder 
zur Seite, so dass ihre Narben dem Lichte zugekehrt sind. Aehnliche 
Biegungen zeigen lange Griffel auch bei anderen Amaryllidaceen, 
bei Malvaceen und wahrscheinlich bei manchen anderen Pflanzen. 

Durch die Krümmung der Griffel werden die Blumen streng 
genommen sofort zygomorph, denn es lässt sich bei ihnen nur eine 
einzige Halbirungsebene durch den Stempel legen. Wir können dann 


159 


aber, z.B. bei den Liliaceen und Amaryllidaceen an den verschie- 
denen Arten jede Stufe der weiteren Umbildung der Blume zum 
zygomorphen Blüthenbau beobachten. Zunächst folgen die Staub- 
blätter dem Griffel und krümmen sich in gleicher Weise. Für 
die Kreuzung ist es am nützlichsten, wenn die Staubbeutel in fast 
gleicher Höhe, aber noch etwas mehr nach innen von der Narbe 
stehen. Bei den Lilien liesen die Saftbehälter in den Kronblät- 
tern, aber bei anderen Blumen, bei denen der Honig vom 
Blüthengrunde abgesondert wird, bringt die veränderte Stellung 
der Staub- und Fruchtblätter eine Bevorzugung der oberhalb der 
Staubblätter gelegenen Gegend mit sich, so dass statt des. Honig- 
ringes an jener Stelle eine einzige Honiggrube gebildet wird, oder 
auch mehrere benachbarte. Die horizontale Stellung der Blüthen be- 
günstigt ferner die Förderung des unteren Blumenblattes, durch 
welche die Zygomorphie vollständig ausgeprägt wird. Horizontale 
Stellung der Blumen, Krümmung der Griffel, Krümmung der Staub- 
blätter, Entwickelung eines oberen Nectariums, Förderung des unte- 
ren Blumenblattes: das sind die Stufen, welche in diesen Fällen die 
Umwandlung der aktinomorphen Blume in die zygomorphe durch- 
zumachen pflegt. 

Es mag hier noch auf einen Punkt hingewiesen werden, der 
fernere Beachtung verdient. nämlich auf die Beziehung zwischen In- 
sektenthätigkeit und Honigabsonderung. Nägeli hat den Gedanken 
ausgesprochen, der durch krabbelnde Insekten ausgeübte Reiz bewirke 
im Laufe der Generationen ein Wachsthum der Kronblätter und 
führe zur Entstehung grosser Blumen. Die Thatsachen widerlegen 
diese Vorstellung schon bei oberflächlicher Prüfung. Viele der am 
reichlichsten von Insekten besuchten Blumen sind klein, stehen aber 
in grosser Zahl bei einander und werden dadurch augenfällig; man 
denke an Compositen, Kleearten, Weiden, Buchweizen, Calluna u.s.w. 
Die grossen Blumen schliessen dagegen meistens die kleineren In- 
sekten vom Honiggenusse aus; sie haben in der Regel nur einen 
spärlichen, aber um so wirksameren Besuch durch Schwärmer oder 
andere Falter und grosse Hummeln. Dagegen zeigt sich die Nägeli’sche 
Idee wahrscheinlich sehr fruchtbar für das Verständniss der Nekta- 
rienbildung. Wenn bestimmte Stellen der Blume stets von neuem 
durch Insektenrüssel gereizt werden, zumal wenn dabei das Gewebe 
angestochen wird, so kann vielleicht an dieser Stelle eine anfangs 
pathologische Saftabsonderung im Laufe der Generationen normal 
und physiologisch werden. Diese Auffassung verdient wenigstens eine 
nähere Prüfung, zumal da sie geeignet scheint, die Lage der Honig- 
gruben in manchen Fällen gut zu erklären. 

Auch ein anderer Einfluss der Insekten spielt vielleicht eine 
gewisse Rolle. Bei den traubig oder in irgend einer anderen Weise 
um eine Mittelachse gruppirten Blumen werden die Insekten immer 
in einer bestimmten Richtung anfliegen, nämlich von aussen her auf 
die Achse zu. Es lässt sich wohl deuken, dass in röhrigen Blumen 
durch das stets von derselben Seite erfolgende Hineinzwängen des 


160 


Insektenkörpers in die Röhre eine Erweiterung oder selbst Auf- 
schlitzung der Blumenmündung erfolgte, während gleichzeitig Griffel 
und Staubgefässe an die hintere Wand der Blume gedrängt wurden, 
wie bei den Labiaten. Wenn nun aber auch bei dem gegenwärtigen 
Stande unserer Kenntnisse eine unmittelbare Einwirkung der In- 
sektenthätigkeit auf den Blüthenbau nicht eben besonders wahr- 
scheinlich ist, so kann doch der auf das Gesetz der Erhaltung 
des Zweckmässigen begründete züchtende Einfluss der Insekten 
kaum zweifelhaft sein. 

Es mag hier noch bemerkt werden, dass die traubige Blüthen- 
stellung, welche zur Zygomorphie führt, nicht mit der morphologi- 
schen Blüthentraube gleichbedeutend ist. Bei den Cruciferen z. B. 
pflegen erst die Früchte wirklich traubig zu stehen, während die 
en in der Regel fast in einer Ebene oder gewölbten Fläche 
iegen. 

Es lassen sich nun einige Typen des zygomorphen Blüthen- 
baues unterscheiden, welche sich in den verschiedensten Pflanzen- 
familien wiederholen. Der erste derselben, den wir Leguminosen- 
Typus nennen wollen, nimmt seinen Ausgang von einer derartigen 
Krümmung des Griffels, dass die concave Seite nach oben gerichtet 
ist. Eine solche Krümmung kann, wie erwähnt, zunächst einfach 
Folge des Lichtreizes sein. Der Typus findet sich bei Blumen mit 
freien oder nur am Grunde verwachsenen Kronblättern. Amaryllida- 
ceen, Chrysobalaneen, Leguminosen und Geraniaceen sind sehr ver- 
schiedene Familien, in denen allen man aber sämmtliche Ueber- 
gangsstufen vom aktinomorphen zum zygomorphen Blüthenbau vor- 
findet. In der Stellung der Organe, der Anordnung und Bildung 
einer (oder weniger) Honiggrube oder Honigröhre u. s. w. zeigen sie 
die merkwürdigste Uebereinstimmung, die offenbar auf eine gleich- 
artige Entstehungsgeschichte hinweist. 

Es ist oben versucht worden, den Gang derselben kurz zu 
skizziren. Etwas anders gestalten sich die Verhältnisse, wenn der 
Honig fehlt oder wenn er nicht vom Blüthengrunde, sondern von 
Kronblättern oder Fruchtblättern abgesondert wird. Immerhin zei- 
gen die zygomorphen Blüthen bei Liliaceen (Paradisia, Hemerocal- 
lis), Ericaceen (Ithododondron, Pirola), Personaten (Verbascum), 
Capparidaceen (Capparis) und Sapindaceen (Aesculus) auffallende 
Analogien, wenn sie auch in einer oder der andern Beziehung 
abweichen. 

Der Labiaten-Typus findet sich vorzüglich bei Blumen mit 
entschieden sympetalen Kronen, bei Lobeliaceen, Caprifoliaceen, Bi- 
gnoniaceen, Personaten und Labiaten. Schon bei unvollkommener Aus- 
prägung zeigen Blumen aus ganz verschiedenen Familien oft eine 
überraschende Aehnlichkeit in der allgemeinen Blüthentracht, z. B. 
Linnaea, Echium, Wulfenia, Mentha, Gladiolus. Bei vollständiger 
Ausprägung des Typus pflegt die Krone zweilippig zu werden, der 
Staubblattkreis oft didynamisch; der Griffel liegt an der Rückwand 
unter der Öberlippe. Modifieirt ist dieser Typus bei den Labiati- 


161 


floren der Compositen und noch mehr bei den Ligulifloren. Ueber 
die Entstehungsgeschichte dieses Typus sind oben bereits einige Ver- 
muthungen ausgesprochen worden. 

Wesentlich schwieriger erscheint das Verständniss der Ent- 
stehung einiger anderen zygomorphen Blumen, bei denen wahrschein- 
lich die Züchtung durch Insekten in ganz eigenartiger Weise erfolgt 
ist; dahin gehören z. B. die Typen der Polygalaceen, Aristolochia- 
ceen, Canna, und ein Theil der Fumariaceen. In einer grossen Zahl 
von andern Fällen (Ranunculaceae, Violaceae, Resedaceae, Orchi- 
daceae) zeigen sich zwar mancherlei Eigenthümlichkeiten, aber doch 
keine allzu grossen Abweichungen von den bei den Leguminosen und 
Labiaten beobachteten Verhältnissen. 

So weit wir auch noch davon entfernt sind, die Entstehungs- 
geschichte der einzelnen zygomorphen Blüthenformen wirklich zu ken- 
nen, so dürften doch die vorstehenden Betrachtungen zeigen, dass 
ihre Entwicklung durch sehr verschiedene Factoren bedingt ist, von 
denen manche sich in ihrer Wirkungsweise bereits sehr wohl wür- 
digen und verstehen lassen. 

Die auf den vorstehenden Blättern niedergelegten Beobachtun- 
gen und Betrachtungen waren so weit abgeschlossen, als mir die 
neue Arbeit des Herrn Professor Vöchting über Zygomorphie und 
deren Ursachen (Pringsh. Jahrb. wiss. Bot. XVII, 1886) bekannt 
wurde. Es wird darin der Nachweis geführt, dass die Blüthen ge- 
wisser Pflanzen je nach ihrer aufrechten oder wagerechten Stellung 
aktinomorph oder zygomorph werden. Ich habe es vorgezogen, diese 
neuen Erfahrungen vorläufig von den obigen Betrachtungen auszu- 
schliessen, möchte aber nicht unterlassen, hier auf jene wichtige 
Arbeit hinzuweisen, zumal da weitere Mittheilungen über denselben 
Gegenstand in Aussicht gestellt sind. 


Bremen, am 13. December 1886. 


Ze 


Zur Homa- (Soma-) Frage. 
Von Prof. Dr. J. Palacky. 


Bekanntlich ist die heilige Pflanze der alten Arier, das gött- 


 Jiche Homa, ein Genussmittel gewesen, dessen Tradition sich nicht 


mehr erhalten hat. 

Die Annahme, es sei der Saft der Asclepiadee Asclepias acida 
(Roxburgh — aphylla Roxburgh et Hooker Fl. f. british India) Sar- 
costemma brevistigma Wigth gewesen, ist doppelt unwahrscheinlich. 

Erstens wächst diese nur im Dekan auf Felsen, wo die Arier 
zur Zeit des Somacultes noch nicht waren, am wenigsten die persi- 
schen Arier. Andererseits ist nicht anzunehmen, dass ein saurer 


_ Milchsaft in einem Lande, das so viele Früchte besass, göttliche 


162 


Ehren erhalten hätte, und z. B. in der Elwend’schen Keilschrift als 
erste Göttergabe vor dem Himmel und Menschen aufgeführt worden 
wäre. (Ritter VIII. 76.) 

Eine Notiz bei Aitchison Vegetation des Kurumthales (II, 
London. Linean Soc.) ist vielleicht geeignet, hier auf eine bessere 
Fährte zu führen. Es steht dort bei Olea cuspidata Wallich = ferrugi- 
nes koyle ex Fl. british India (wild und eultivirt dort) superstitiously 
venerated by the Afgans. Nun sind die heutigen Afghanen Nach- 
kommen der alten Arier und können ihre Traditionen bewahrt 
haben. Diese Spec. kommt im nordwestlichen Himalaya ob Caschmir 
in 2-—- 6000‘ Höhe vor. Olea glandulifera, sonst noch die einzige 
Specie des Himalaya, geht in derselben Höhe bis Nepal. Wenn man 
annehmen könnte, das Homa sei eine Olive gewesen, so würden 
sich manche Stellen besser erklären lassen als aus einem gifti- 
gen Milchsaft. Es würde erklärlicher sein, warum das Homa 
bei den Ariern in Vergessenheit gerieth, als sie in die tropische 
Niederung Indiens kamen, denn dort wächst keine Olea, erst im 
Dekan und in Bengalen kommt ©. dioica Roxburgh und auf den 
Nilgeries (die die Arier nicht erreichten) polygama Wigth vor, in 
drei weiteren Arten im Osten. Aber auch im kalten persischen Berg- 
lande ist das Aussterben dieser Pflanze dann begreiflich. 


Bildungsabweichungen an Getanthus nivalis L. 
Von Wilhelm Voss. 


Im Jahre 1885 habe ich dieser Zeitschrift Beobachtungen mit- 
getheilt, welche sich auf eigenthümliche Zwiebelbildungen bei Zeu- 
cojum vernum L. beziehen. Die aus der hiesigen Gegend stammen- 
den Pflanzen zeigten Verdoppelungen ihrer unterirdischen Stämme; 
einige der auffallendsten Formen wurden bildlich zur Darstellung 
gebracht. ') — In demselben Jahrgauge der Oesterr. botan. Zeitschrift 
(pag. 149) veröffentlichte mein hochgeschätzter früherer Lehrer, Prof. 
Dr. A. Kornhuber, den Aufsatz: „Zur Zwiebelbildung bei der Gat- 
tung Leucojum“*. Darin theilt uns Verfasser mit, dass er diese 
Bildungsform vor langer Zeit in den Umgebungen von Salzburg 
beobachtete, wo Leucojum vernum L. auf den Inseln und Werdern 
der Salzach, z. B. in der Josephsau, Lieferingerau und an anderen 
Orten zahlreich wächst. An Galanthus nivalis sei diese unregel- 
mässige Zwiebelbildung nicht beobachtet worden, jedoch gar nicht 
selten an Leucojum aestivum L. und zwar in den Umgebungen von 
Achau und Laxenburg, ein neuaufgefundener Standort des Leucojum 
aestivum im Florengebiete Wiens. 


!) Seite 22—85, mit 4 xylogr. Abbildungen. 


163 


Es sind daher zwei Arten aus der Familie der Amaryllideen, 
Leuceojum vernum und aestivum L. bekannt, bei welchen Doppel- 
zwiebel gefunden wurden. — Heute erlaube ich mir als dritte Art. 
Galanthus nivalis L. anzureihen. Da weder bei Irmisch (Zur 
Morphologie der monokotylischen Knollen- und Zwiebelgewächse) 
noch in der unlängst erschienenen deutschen und vermehrten Ueber- 
setzung von Master’s Pflanzenteratologie einer derartigen Bildungs- 
abweichung am Schneeglöckchen gedacht wurde, so soll hier näher 
darauf eingegangen werden. 


In den ersten Märztagen des laufenden Jahres brachte einer 
meiner Schüler zur Belebung des botanischen Unterrichtes Schnee- 
glöckchen von Kaltenbrunn bei Laibach. Bei Besichtigung dieser 
Pflanzen fiel mir eine auf, wo unter der Zwiebel noch ein Stengel- 
stück zu bemerken war. Ich ermunterte nun diesen Schüler, nochmals 
die Stelle zu besuchen, um Pflanzen auszugraben dabei aber mehr in 
die Tiefe zu gehen; es wäre möglich, dass er Schneeglöckchen fände, 
wo unter der oberen Zwiebel, noch eine zweite, tiefere sei. — In 
der That erhielt ich nach einigen Tagen das Gewünschte. 


Unter den 25 Exemplaren von Galanthus nivalis L., die alle 
schön und kräftig entwickelt waren, befand sich eines, wo zwei 
Zwiebeln übereinander stehen und von einander durch ein 2:5 Cm. 
langes, schwach gebogenes Stengelstück getrennt sind. Beide Zwiebeln 
waren reich bewurzelt. Von den, meinem oben erwähnten Aufsatze 
beigegebenen Abbildungen würde Fig. 2 am besten zu dem vorlie- 
genden Falle passen, nur mit dem Unterschiede, dass unser Galanthus 
nivalis in Blüthe stand. Das besprochene Exemplar befindet sich im 
Herbar der Staatsoberrealschule und steht zur Ansicht mit Vergnügen 
zur Verfügung. 


Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch einer Galanthus-Pflanze 
hiesiger Gegend erwähnen, die zwei Blüthenschäfte entwickelt batte. Von 
den beiden Blüthen war die eine nach der Drei-, die andere hingegen 
nach der Vierzahl gebaut. — Im äusseren Blattkreise stehen vier 
Kelchblätter, dann alternirend im zweiten Kreise vier Kronenblätter. 
Von den acht Staubfäden stehen vier so wie die äusseren, vier wie 

die inneren Blüthenblätter. Die vier Fruchtblätter liegen wie die 

_ Kelchblätter und haben sich zu einem vierfächerigen Fruchtknoten 
verbunden. Aeusserlich sind diese vier Fruchtfächer, durch ebenso 
viele scharfe Kanten des Fruchtknotens kenntlich. Endlich finden sich 
im inneren Winkel jedes Fruchtknotenfaches zwei Reihen von Samen- 
knospen, daher acht im Ganzen. Die Grösse und Form der Blüthen- 
organe, mit Ausnahme des Fruchtknoten, stimmt vollständig mit 
jener normal gebauter Blüthen überein. 

Blüthenformel: K.4..C.4.A.4+4.G.4. 

Diese Schneeglöckchenblüthe ist demnach ganz so gebaut wie 
die Blüthe von Paris er L., und ihr Diagramm würde genau 
80 aussehen, wie jenes von Gagea arvensis, welches Herr Carl Schil- 


164 


berszky auf der, seiner Abhandlung (diese Zeitschrift 1836, p. 264) 
beigegebenen Tafel unter Il gezeichnet hat, 


Laibach, im März 18837. 


—— 


Nochmals Utriceularia brevicornis. 


Von L. Celakovsky. 
(Fortsetzung.) 


Was die bisher bekannte geographische Verbreitung der Utrie. 
ochroleuca betrifit, so hat Ascherson eine bereits recht ansehnliche 
Liste von Standorten zusammengestellt. Danach kommt die Art, so- 
viel bekannt, vor: 1. in Schweden vielfach (nach Hartman), 2. 
in Norwegen an zwei Stellen nach Blytt, 3. in Dänemark im 
Moor bei Lyngby (Th. Holm als DUtricularia intermedia), 4. in 
Deutschland und zwar in Brandenburg, Oberlausitz, Schlesien, 
Rheinbaiern (Zweibrücken), 5. in Oesterreich-Ungarn: Böhmen; 
Tirel (etwas fraglich); 6. Frankreich: am See von Longemer in 
den Vogesen (Perrin). 

Zu der dänischen Pflanze von Lyngby bemerkt Ascherson: 
„dieselbe hat für Utr. ochroleuca ungewöhnlich grosse Corollen und 
lange Sporne, sowie verhältnissmässig lange Blattzipfel, an denen 
mitunter bis 4 Seitenzähne vorhanden sind. Die Exemplare der U. 
ochroleuca von Zweibrücken (F. Schultz) kommen in der Länge der 
Blattzipfel und des Sporns dieser dänischen Pflanze nahe; trotzdem 
zweifelt R. v. Uechtritz so wenig als ich daran, dass diese Form 
zu U. ochroleuca zu rechnen ist; der in (von?) der Unterlippe ab- 
stehende Sporn bewährt sich bei derselben als ein gutes Merkmal.“ 

Prof. Ascherson’s Güte verdanke ich die Zusendung sowohl 
der dänischen, als der pfälzer Pflanze von Koch und von F. Schultz. 
Diese Pflanzen weichen in der That von der typischen T. ochroleuca 
oder brevicornis bedeutend ab, so zwar, dass ich sie gar nicht als 
meine U. brevicornis anerkennen kann, sondern zur U. intermedia 
verweisen muss. Der ganze Habitus der dänischen und pfälzer Pflanze 
ist der der U. intermedia'), sie ist nämlich ebenso stattlich, ihre 
Blätter ebenso gross und langzipfelig, die Schläuche ebenfalls sehr 
gross und nur auf besonderen Zweigen sitzend, der Schaft und die 
Kelche grün, letztere nebst Deckblättern so gross, wie sonst bei U. 
intermedia, am Schafte öfter nur ein leeres Schuppenblatt, die Co- 
rolle gross und der lange Sporn so lang oder doch nicht viel kürzer 
als die Unterlippe, bald auch entschieden walzlich, bald freilich mehr 


1) Prof. Ascherson selbst schrieb mir: „Es ist anzuerkennen, dass 
Koch beide Pflanzen so sicher trennte, obwohl der Habitus und der Sporn 
der pfälzer Pflanze lange nicht so von U. intermedia abweichen, als von Ihrer 
und Hartman’s Pflanze.“ 


165 


walzig-kegelförmig, sehr allmälig verschmälert, die Winterknospen 
sind eilänglich, gross und dabei dicht rauhhaarig-zottig. — Alles 
das sind Merkmale der U. intermedia. 

Nur in den Blattzipfeln weicht die genannte Form von Dirie. 
intermedia ab und nähert sich mehr der U. ochroleuca‘), indem die 
Blätter spitz und in einen Mucro allmälig zugespitzt sind, auch die 
wimpertragenden Seitenzähnchen mehr vorgezogen sind, entfernter 
stehen und ihrer jederseits meist nur 3—4 vorhanden sind. Da ich 
diese Form früher nicht kannte, so glaubte ich allerdings, dass auch 
in den Blattzipfeln ein durchgreifender Unterschied zwischen Utric. 
brevicornis und intermedia besteht, was nun meiner Ansicht nach 
durch das Dasein der dänisch-pfälzer Form widerlegt wird. Denn, 
was die Deutung der letzteren betrifft, so müssen wir uns doch fra- 
gen, ob die einzige Uebereinstimmung mit der U. ochroleuca in den 
Blättern (die im Sporn ist nur theilweise und scheinbar) mehr wiegt, 
als alle anderen Merkmale (im Wesentlichen auch der Sporn), die 
der U. intermedia gehören, zusammengenommen? Ich habe darauf- 
hin die Blattzipfel aller mir zur Verfügung stehenden Exemplare re- 
vidirt und gefunden, dass allerdings eine scharfe Grenze zwischen 
beiden Formen der Blattzipfel nicht besteht, indem die Extreme in 
der Stumpfheit oder Spitzigkeit der Blattzipfel, der Zahl, Dichtig- 
keit und Deutlichkeit der Wimperzähnchen durch allmälige Ueber- 
gänge verbunden werden. Dieses Resultat stimmt mit dem systema- 
tischen Werthe des Laubes in den zwei anderen Gruppen der euro- 
päischen Utriceularien überein, indem auch U. vulgaris und neglecta, 
dann U. minor und Bremi in den Blättern (ausser einigermassen 
nach Grössenverhältnissen) kaum unterschieden werden können, und 
wo auch den Blüthen die specifischen Merkmale zukommen. 


Ich könnte mich hiebei auch noch auf den (leider letzten!) 
Brief von Uechtritz berufen, worin dieser bereits die schon von 
Koch und dann von mir hervorgehobenen Merkmale der Blattzipfel 
kritisirte, da „die Differenz in den Blattzipfeln, auf die schon Koch 
bedeutendes Gewicht legt, und die ja auch die beiden Species bereits 
im sterilen Zustande erkennen lässt, nicht in allen Fällen in gleich 
ausgezeichneter Weise hervortritt“. — „Die Gestalt und Zahl der 
Zähnchen ist,“ fährt er fort, „wenigstens bei der wahren U. inter- 
media entschieden etwas variabel, so finden sich auch weniger wie 
zehn jederseits, und den allerdings gewöhnlich kurzen sind bisweilen 
deutlicher VERADER Ne beigemengt. Ich glaube sogar gegabelte Bor- 
sten gesehen zu haben!“ — Letztere Bemerkung ist völlig zutreffend, 
solche gegabelte Borsten (eigentlich zu zwei dicht neben einander 


*) Ascherson beruft sich noch auf den von der Unterlippe abstehen- 
den Sporn als ein gutes Kriterion, Ich weiss nicht, ob man an getrockneten 
Blüthen die natürliche Richtung noch richtig beurtheilen kann. Ich möchte 
auch nur insofern diesem Merkmal Werth beilegen, als ein kurz kegelförmiger 
Sporn bei gleicher Richtung mehr abstehen wird, als ein langer, walzenför- 
miger Sporn. 


166 


auf einem Zähnchen stehende Borsten) sehe ich öfters sowohl bei 
der pfälzer Pflanze, wie bei der U. Grafiana. 

Wenn aber meine Auffassung der dänisch-pfälzischen Pflanze 
richtig ist, wie ich bestimmt glaube, so muss man von der TU. inter- 
media zwei Varietäten unterscheiden: die eine, wohl allgemeiner 
verbreitete, mehr breit- und stumpfzipfelige, mit zahlreicheren, mehr 
genäherten und meist auf wenig deutlichen Zähnchen sitzenden Wim- 
pern mag var. Grafiana (U. Grafiana Koch) heissen; die andere, 
wie es scheint, seltenere, bisher nur aus der Rheinpfalz und aus 
Dänemark bekannte, könnte als var. Kochiana bezeichnet werden. 

Meine aus der Koch’schen Beschreibung dedueirte Ansicht, dass 
Koch unter der DT. intermedia lediglich die U. brevicornis verstan- 
den habe, muss ich also dahin abändern, dass er ausser dieser auch 
die var. Kochiana im Sinne hatte, die er auf Grund der nahezu 
übereinstimmenden Blattbildung für ein und dieselbe Art hielt. Denn 
nur die oberlausitzer Pflanze Burghart’s von Rietschen ist nach 
Uechtritz wirklich T. ochroleuca, was auch die Fiek’sche, in der 
var. microceras mir vorliegende Pflanze von Daubitz bei Rietschen 
bezeugt. 

Somit müssen, wenn meine Auffassung der U. ochroleuca, rich- 
tig ist, aus dem bekannten Verbreitungsgebiete dieser Art Dänemark 
und die Rheinpfalz vorläufig ausgeschlossen werden. 


Nach dem Prioritätsprineipe müsste Hartman’s Name Dir. 
ochroleuca für die in Rede stehende Art vorangestellt werden, ob- 
gleich derselbe theilweise (z. B. die böhmische Pflanze betreffend) 
sicher und vielleicht überhaupt etwas Unrichtiges aussagt. Indessen 
glaube ich, dass ein noch älterer Name existirt, da mehrere An- 
zeichen dafür sprechen, dass die von @. Brückner im Archiv des 
Vereines der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg, 7. Heft 
1853, also vier Jahre vor der U. ochroleucu beschriebene U. macro- 
ptera auf dieselbe Art sich bezieht. ') | 

Ueber diese Brückner’sche Utric. macroptera hat Ascherson 
schon im ersten Jahrgange der Verhandl. des bot. Ver. v. Branden- 
burg 1861 eine Mittheilung gemacht, worin er schliesslich das Re- 
sultat aussprach, dass diese Pflanze „mit einer an Gewissheit gren- 
zenden Wahrscheinlichkeit nicht von Utrie. minor verschieden ist“. 
Mein Berliner Freund berichtet dort ferner, nachdem er die Identität 
der U. spectabilis Madauss mit U. neglecta Lehm. nachgewiesen: 
„Weniger befriedigend ist der Aufschluss, den ich über U. macro- 
ptera G. Brückn. erhalten konnte, insofern sich in Brückner’s Her- 
bar nichts mit diesem Namen bezeichnet gefunden hat. Dennoch 
glaube ich die Exemplare gesehen zu haben, welche ihn zur Auf- 
stellung der neuen Art bewogen haben. Es lag nämlich in einem 
Bogen mit U. intermedia zusammen, durch ein zusammengefaltetes 


‘) Die Vermuthung, dass die Brückner’'sche Art mit UT. brevicornis 
identisch sein könnte, hat mir zuerst Herr Emil Fiek brieflich ausgedrückt. 


167 


Etiquett markirt, ein Exemplar von TD. minor, an dem mehrere 
Aeste ganz der Schläuche entbehrten. Ferner fand sich ein Bogen 
voll U. minor vor, an denen die Blüthen mit besonderer Sorgfalt 
ausgebreitet getrocknet waren; im Laube stimmten sie theils mit 
dem erwähnten Exemplare überein, theils zeigten sie nichts Abnor- 
mes. Ich glaube kaum zu irren, wenn ich in dem bei U. intermedia 
liegenden Exemplare das von Schmidt im Weissen Moor gefundene 
Exemplar (der U. macroptera) zu erkennen glaube; die schlauch- 
losen Blätter geben dem Laube eine entfernte Aehnlichkeit mit U, 
intermedia. Von den in dem unbezeichneten Bogen enthaltenen Exem- 
plaren, die er dann vermuthlich im Weissen Moor sammelte, mag er 
dann später an Treviranus und Detharding einzeln geschickt 
haben. Wenn meine Vermuthung begründet ist, so stimmt Alles aufs 
schönste zusammen: die Vergleichung Brückner’s mit U. minor und 
intermedia, ferner der Umstand, dass Treviranus die Pflanze für 
U. minor hielt, Detharding sie später mit der Taf. 128 der Fl. 
Dan., die ebenfalls eine U. minor mit gegen den Schaft hin schlauch- 
losen Blättern darstellt, identificirte, dass endlich Schreiber am be- 
zeichneten Standorte nur U. minor fand“. 


Ich habe hier Ascherson’s Indieienbeweis (nur mit Weglassung 
einiger nicht streng dazugehöriger Zwischensätze) wörtlich aufge- 
führt, um dem Leser die Würdigung des pro und contra zu ermög- 
lichen. Für jene Zeit, wo an die kurz vorher aufgestellte nördliche 
U. ochroleuca nicht zu denken war, nimmt sich die Beweisführung 
recht plausibel aus; anders jedoch gestaltet sich die Sache, wenn wir 
nunmehr auch die U. ochroleuca in den Bereich der Möglichkeiten 
hineinziehen. 

(Schluss folgt.) 


—— 


Bemerkungen über volksthümliche Pflanzennamen. 
Von Dr. M. Kronfeld. 


IV.') Schwierigkeit der Deutung. 


So leicht erklärlich viele der volksthümlichen Pflanzennamen 
sind, da sie zumeist von hervorstechenden, sinnfälligen Eigenschaften 
 hergenommen werden — ich erinnere an Sauerampfer, Schnee- 
| ehren u. 8. f. — ebenso schwierig vermag sich in besonderen 
ällen die Deutung zu gestalten. 

Dass in Küchenschelle, Kühchen- oder Kuh-Schelle 
liegt, dass die zahlreichen eigenartigen Bezeichnungen der Waldrebe 
in Niederösterreich auf ein vorgessenes altdeutsches Wort zurück- 
führbar sind, habe ich, hier durch Prof, v. Kerner, dort durch 


') Vergl. Oesterr. botan. Zeitschr. 1886, Nr. 5, 8, 41. 


168 


Perger auf den richtigen Weg gewiesen, im I., beziehungsweise 
II. Stücke meiner „Bemerkungen“, mit Ausführlichkeit dargethan. 

An einem ausgewählten Beispiele soll im Folgenden gezeigt 
werden, welche Vorsicht bei der Deutung von Volksnamen beob- 
achtet werden muss, und wie leicht man mit einer solchen auf 
Abwege gerathen kann. 

Für die Quecke, T'riticum repens, findet sich in unserem Kronlande 
die Bezeichnung Baia oder Baier (Bai’'r). Sie ist aus der Vöslauer 
Gegend (Braun), aus Rappoltenkirchen (Wiedermann), vom Oetscher 
(Erdinger) mitgetheilt worden, und ich habe sie um Wien öfters 
gehört. Für Kärnten geben Pacher und Jabornegg') das nur 
lautlich verschiedene Payer an, bei Pritzel und Jessen”) sind 
die ähnlich klingenden Formen Bayer (Oesterreich) und Peyer 
(Kärnten) angeführt, Herr Prof. v. Kerner?) hat schliesslich Bai’r 
auch in Tirol vernommen. 

Baia klingt völlig wie der österreichische Name des Baiern, 
des im Baiernlande Einheimischen. Da in verschiedenen Epochen 
der Geschichte Eingewanderte aus Baiern sich bei unserem Volke 
missliebig machten, lag in erster Linie die Vermuthung nahe, dass 
die Bezeichnung des Volksstammes spottweise auf das zudringliche 
und unausrottbare Gras übertragen wurde. 

Zum eben nicht ehrenden Gedächtnisse wandernder jüdischer 
Handelsleute wird ja in Kritzendorf bei Wien, Allium ascalonicum 
Jud’nzwifl genannt*), und in Deutschland heisst irgendwo das 
überaus lästige Chrysanthemum segetum „Hohlebormner Hochmuth* 
mit dem ironischen Nebensinne: ja, die von Hohleborn sind gar üppig, 
die haben Blumen auf dem Acker anstatt der Aehren! Hieraus 
spricht noch immer ein gewisser Grad von Gutmüthigkeit, jenes 
Grundzuges im Gemüthe des Volkes, der selbst im schneidigsten 
„Schnadahüpfl“ unverkennbar ist. Bitterböse dagegen ist Lutter- 
staud'n (Luther-Staude) auf den Stifter des Protestantismus ge- 
münzt, und wird in Tirol, — dessen Bewohner mancherorten zu 
Johannis einen Strohpopanz als „Lotter* verbrennen °) — auf Alnus 
viridis, die durchaus nicht nutzbare Grünerle angewendet (Prof. v. 
Kerner mündlich). Auch Pritzel und Jessen (p. 22) geben Luter- 
staude aus Tirol (Brixen), ferner Luttastauden aus Kärnten 
(Kaschthal) an; Pacher und Jabornegg a. a. O. 1882 p. 10, ver- 
zeichnen: Jutternach, Lutternach, Luttachstaude. 

Mit der Vorstellung, dass Baia, die Bezeichnung der Nation, 
vom Volkswitze zum Namen eines Unkrautes gestempelt wurde, gab 
ich mich somit eine Weile zufrieden. 

Nun wollte es das Geschick, dass ich im militärischen Dienst- 


‘) Flora von Kärnten, Jahrbuch d. Land.-Mus. 1880, p. 157. 

») Volksnamen d. Pflanzen. Hannov. 1882, p. 412. 

°) Mündliche Mittheilung. 

*%) Vgl. meine: Pflanzennamen aus der Wiener Gegend. Oesterr. botan. 
Ztschr. 1884, Nr. 6. 

°) Vgl. Schöpf, tirol. Idiotikon. Innsbruck 1862, p. 405. 


169 


jahre mit Magyaren in innigere Berührung gebracht wurde. Von 
den Wörtern, die ich gelegentlich auffing, wollte mir, wie man 
begreiflich finden wird, baj —= Unglück, Unheil, nicht aus dem 
Kopfe. Wenngleich ich die sichere Nachricht, ob Tritieum repens 
im westlichen Ungarn baj genannt wird, nicht erhalten konnte, 
schien es mir möglich vorerst, und späterhin wahrscheinlich, dass 
das Wort über die Grenze nach Niederösterreich gebracht worden 
sei. Aus den nördlich anliegenden slavischen Gebieten sind min- 
destens nachweisbar Pflanzennamen in unser Kronland eingeführt 
worden. Auch ist es eine Eigenthümlichkeit volksthümlicher Benen- 
nungen, dass Abstracta, vorzüglich für widerliche Unkräuter, Bezeich- 
nungen abgeben. Beispielsweise gilt im Niederösterreichischen Aus- 
stand für Cuscuta, Pein für Holceus mollis und Lolium temulen- 
tum hat Namen wie Durst und Unsinni. 

Demnach sollte das österreichische Baia von dem ungarischen 
baj, Unheil herstammen; diess war die zweite Ansicht, zu der ich 
auf dem Wege der Deutung gelangte. 

Ihr folgte, nicht lange darauf, die dritte und letzte. Slavi- 
sche Elemente lassen sich in niederösterreichischen Pflanzennamen un- 
schwer erkennen (vgl. Schickgan — Zapfen, Malinaber — Him- 
beere u.s.f.). An anderer Stelle werde ich auf dieses Moment 
gelegentlich zurückkommen. Hier sei nur daran erinnert, dass fah- 
rende Gesellen der verschiedensten Beschäftigung fast fortwährend 
von Norden gegen Wien ziehen, und dass zur Zeit der Ernte sla- 
vische Feldarbeiter in Menge auf niederösterreichischem Gebiete Ver- 
wendung finden. 

Zumal im Üechischen Triticum repens payY (peyr) heisst (wovon 
vielleicht auch der Familienname Payer herkommt), bestimmt mich 
die eben ausgesprochene Erwägung zu der schliesslichen Annahme, 
dass die niederösterreichische Bezeichnung „Baier“ aus 
dem Slavischen entlehnt ist und im Volksmunde dem Namen 
der Bewohner Bavariens angelautet erscheint. Aus Niederösterreich 
Bus Baier später nach Kärnten und Tirol den Weg gefunden 

aben. 

Pritzel und Jessen (p. 412) stellen ihr Peyer zu pede = 
hinkriechend (vergl. Pfad und Padde — Kröte). Nach dem Gesagten 
erachte ich es für überflüssig, auf diese sehr gezwungene Erklä- 
rung näher einzugehen. 


Wien, im März 1887. 


Am 2. März d. J. starb zu Berlin Dr, August Wilhelm Eich- 
ler, ordentlicher Professor der Botanik und Director des königl. 
botanischen Gartens und Museums, im 48. Lebensjahre. Geboren 


| August Wilhelm Eichler. 
am 22. April 1839 zu Neukirchen im damaligen Kurfürstenthum 


Oesterr. botan. Zeitschrift, 5. Heft 1887, 14 


B 
a 


170 


Hessen als ältester Sohn des Lehrers Johann Adam Eichler, 
wuchs er in Eschwege, wohin sein Vater versetzt war, auf, besuchte 
dort von 1848—53 das Progymnasium und später zu Hersfeld 
(1853—57) das Gymnasium. Von 1857—60 studirte er in Marburg 
Mathematik und Naturwissenschaften, widmete sich aber unter Wi- 
gand’s bewährter Leitung vorzugsweise der Botanik. Er wählte 
desshalb auch nach Beendigung seiner Studien als Promotionsarbeit 
ein botanisches Thema, betitelt: „Zur Entwicklungsgeschichte des 
Blattes, mit besonderer Berücksichtigung der Nebenblattbildungen“, 
ein kleines, aber inhaltreiches Büchlein, welches später auch im 
Buchhandel erschien und mit dem er sich bei den Fachgenossen in 
rühmlichster Weise einführte. 


Da er sich dem Schulfache widmen wollte, trat er als Lehr- 
amtspraktikant an dem Gymnasium in Marburg ein, doch ging 
er noch 1861 auf Buchenau’s und Wigand’s Empfehlung als 
Privatassistent zu Martius nach München, um besonders bei der 
Herausgabe der „Flora brasiliensis* thätig zu sein. Als im Jahre 
1840 dieses grossartige Florenwerk ins Leben gerufen wurde, er- 
freute es sich zwar der Unterstützung des Kaisers Ferdinand 1. 
von Oesterreich und des Königs Ludwig I. von Bayern und die 
ersten Lieferungen folgten in verhältnissmässig kurzer Zeit auf- 
einander, dann aber trat ein Stillstaud ein, bis im Jahre 1852 
der Kaiser Don Pedro II. von Brasilien dem Unternehmen seine 
Fürsorge zuwandte, von welcher Zeit an auch reichliche Mittel 
zu Gebote standen. Auch in der Redaction des Werkes hatte be- 
reits ein Wechsel stattgefunden, denn von den beiden Begründern 
Martius und Endlicher war letzterer schon 1348 verstorben und 
für ihn sein Amtsnachfolger Ed. Fenzl eingetreten, doch blieb 
Martius immer die grösste Mühe und Last in der Herausgabe. Er 
hatte sich desshalb schon früher nach einem jungen Botaniker um- 
gesehen, aber ohne Erfolg, bis er durch Wigand’s Vermittlung 
seinen Wunsch erfüllt sah. Nach Martius’ Tode übernahm Eichler 
die Redaction allein; es waren damals 46 Lieferungen erschienen, 
während das Werk jetzt nahe an 100 Faseikel mit 2800 Foliotafeln 
Abbildungen umfasst. 


Eichler hatte sich bereits 1865 in München an der Univer- 
sität habilitirt, bekam aber schon anfangs 1871 einen Ruf als Pro- 
fessor der Botanik und Director des botanischen Gartens an das Jo- 
hanneum in Graz, wo er jedoch nur kürzere Zeit blieb, da er schon 
Ostern 1873 in gleicher Eigenschaft an die Universität Kiel und 
Ostern 1878 nach Berlin berufen wurde. Nach Alexander Braun’s 
Tode (29. März 1877) wurde die Stelle für Botanik an der Univer- 
sität in der Weise getheilt, dass für Systematik und Morphologie 
in Verbindung mit dem Directorat des botanischen Gartens und 
Museums Eichler ernannt wurde, während die Professur für Ana- 
tomie und Physiologie Schwendener erhielt, welchem man auch 
die Stelle eines Direetors des Universitätsgartens übertrug. Im 


171 


Jahre 1880 wurde Eichler auch zum Mitgliede der Akademie der 
Wissenschaften erwählt. 

Schon in Kiel hatte sich bei Eichler ein Augenleiden einge- 
stellt, welches im Frühjahr 1879 wieder in verstärktem Masse auf- 
trat, von dem er jedoch später ziemlich geheilt wurde, wenigstens 
hat er, nachdem Ostern 1880 das neue Gebäude des botanischen 
Museums bezogen wurde, in welchem er gleich den übrigen Beamten 
ein besonderes Arbeitszimmer besass, bis zum Ausbruch seiner 
Krankheit am 21. Mai vorigen Jahres auch nicht einen Tag wegen 
Unwohlseins ausgesetzt. Selbst das ärztliche Gutachten seines Bru- 
ders, des Dr. Georg Eichler in Weil in Württemberg, welcher die 
Krankheit zuerst erkannte, beunruhigte anfangs wenig, da Eichler 
noch das ganze Wintersemester 1885/86 nicht nur seine Vorlesungen 
ohne die geringste Unterbrechung hielt, sondern auch die vielen 
anderen Functionen seines Amtes in gewohnter Rüstigkeit besorgte. 
Die ersten bedenklichen Spuren zeigten sich in den Osterferien 
vorigen Jahres, doch nahm er für das Sommersemester Vorlesungen 
und Examination bis zum genannten Tage wieder auf. Jetzt trat 
aber die tückische Krankheit, die Leukämie, mit grosser Heftigkeit 
auf, doch erholte sich der Kranke im Sommer insoweit, dass er im 
botanischen Garten seine letzte Schöpfung, die eben fertig gewordenen 
Anlagen für Wasserpflanzen wiederholt in Augenschein nehmen 
konnte. Kurz vor seiner Abreise nach Kissingen besuchte er zum 
letzten Male das botanische Museum, doch war die Besserung nicht 
von Dauer; aus dem Bade kam er kränker zurück, als er hingereist 
war, prüfte jedoch ungeachtet seines krankhaften Zustandes während 
der Monate November und December die Candidaten der Pharmacie 
in der Botauik im Staatsexamen, aber der Winter war nicht geeig- 
net, seinen im höchsten Grade geschwächten Körper wieder zu 
kräftigen, obwohl er fast bis zum letzten Tage an dem Gange der 
Geschäfte der seiner Leitung anvertrauten Anstalten regen Antheil 
nahm. Er schien sogar den Schmerz über den am 18. Februar d.J. 
plötzlich eingetretenen Tod seines Bruders, welcher unter seiner Bei- 
hilte in Kiel Mediein studirt hatte, glücklich überwunden zu haben, 
als er einem Rückfalle am 2. März Morgens 6'/, Uhr erlag. Am 
5. März wurde er vom botanischen Museum aus, wo sein mit Pal- 
men und Kränzen überdeckter Sarg in dem in grossartigster Weise 
mit Blumen geschmückten vorderen Hauptsaale des zweiten Stockes 
aufgebahrt war, unter grosser Betheiligung zur Ruhe bestattet, zu 

_ welcher Feier ausser zahlreichen Fachgenossen auch der schwer 
geprüfte Vater und mehrere Geschwister aus weiter Ferne erschie- 
nen waren. 

Seit Eiehler’s Uebersiedlung nach München war er, wie be- 
reits bemerkt, vorzugsweise mit der Bearbeitung einzelner Familien 
für die „Flora brasiliensis“ beschäftigt, so erschienen von ihm im 
Jahre 1863: die Dilleniaceen, Oycadeen und Coniferen; 1864: die 
Magnoliaceen, Winteraeeen, Ranunculaceen, Menispermeen und Berberi- 
deen; 1865: Capparidoen, Cruciferen, Papaveraceen, Fumariacoon; 1867: 

14 
. 
’ 


% 


172 


Combretaceen; 1868: Loranthaceen, Oleaceen, Jasmineen; 1869: Ba- 
lanophoreen; 1871: Violaceen, Sauvagesiaceen, Bixaceen, Cistaceen, 
Canellaceen; 1872: Crassulaceen, Droseraceen. 

Ausserdem sammelte er schon in Kiel Material zur Bearbei- 
tung der Scitamineen für die „Flora brasiliensis“ und setzte diese 
Arbeit in Berlin bis zum Ausbruch der Krankheit fort. Als Vor- 
läufer erschienen bereits 1884 in den Abhandlungen der Akademie 
der Wissenschaften die Beiträge zur Morphologie und Systematik 
der Marantaceen und Vorarbeiten für den speciellen systematischen 
Theil liegen im Manuscript vor; leider konnte er aber diese Arbeit 
nicht zum Abschluss bringen. 

In Anerkennung seiner Verdienste um die „Flora brasiliensis* 
wurde ihm der brasilianische Rosenorden 3. Cl. mit dem Sterne 
verliehen. 

Sein Hauptwerk ist das unter dem bescheidenen Titel: 
„Blüthendiagramme“, Leipzig 1875 und 1873 erschienene zweibän- 
dige Werk, in welchem die Morphologie der Phanerogamen in so 
vortrefflicher Weise behandelt ist, dass ihm dafür von der Leopol- 
dinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher die goldene Me- 
daille zuerkannt wurde. Obwohl dieses Werk für den Forscher un- 
endlich wichtig ist, so ist doch, namentlich unter den Studirenden, 
ein kleineres Buch weit bekannter, nämlich sein Syllabus der Vor- 
lesungen über specielle und medicinisch-pharmaceutische Botanik, 
welches zuerst 1866 in Kiel als Syllabus der Vorlesungen über 
Phanerogamenkunde erschien, da darin die Kryptogamen keine Be- 
rücksichtigung gefunden hatten. Aber schon bei Herausgabe der 
zweiten Auflage fühlte er das Bedürfniss, auch diesen Theil des 
Pflanzenreichs mit in Betracht zu ziehen und diess um so mehr, da er in 
jedem Wintersemester über Kryptogamen las und seinen Zuhörern 
einen Leitfaden geben wollte. In der nur wenige Wochen vor dem Aus- 
bruche seiner Krankheit erschienenen vierten Auflage des Syllabus 
sind zwei Abschnitte hinzugekommen, eine kurze Einleitung in das 
System und eine Darstellung über die Verhältnisse der Blüthe und 
Frucht. Ein eigenliches System hat Eichler, streng genommen, nicht 
aufgestellt und beabsichtigte diess auch nicht, obwohl vielfach da- 
von die Rede ist. In der Vorrede zur ersten Auflage sagt er aus- 
drücklich, dass das angenommene System im Wesentlichen das 
Jussieu’sche in der Umgestaltung von A. Braun sei. Genauer wird 
diess in der vierten Auflage in der Weise auseinandergesetzt, dass das 
angenommene System sich am nächsten an das von Brongniart an- 
schliesse und als eine Fortsetzung desselben betrachtet werden könne. 
Als wesentliche Aenderung ist die von Fries vor länger als einem 
halben Jahrhundert vorgenommene Stellung der Sympetalen an das 
Ende des ganzen Pflanzenreichs zu betrachten, denn die Vereinigung 
der Apetalen mit den Polypetalen findet sich schon bei Brongniart, 
wenn auch sowohl von A. Braun, als von Eichler Umstellungen 
der Familien wiederholt vorgenommen wurden. Im Ganzen änderte 
Eichler die einmal angenommenen, auch von A. Braun gewählten 


173 


Namen der Hauptabtheilungen sehr ungern, wie ich aus wiederhol- 
ten Berathungen mit ihm vor Anfertigung jeder neuen Auflage weiss. 
Er trug sogar Bedenken, unpassende Namen auszumerzen, wenn sie 
von seinen Vorgängern adoptirt waren. So hielt er z. B. bis zur 
dritten Auflage an dem von A. Braun nur für die Gefässkryptoga- 
men und daher in diesem Sinne ganz ungeeigneten Namen Cormo- 
phyten statt Pteridophyten fest und erst in der vierten Auflage ent- 
schloss er sich, die Polygoneen von den Centrospermen abzutrennen, 
wobei freilich zu bemerken, dass die Vereinigung mit den Piperaceen, 
die Reihe der Polygoninae bildend, keine glückliche zu nennen ist. 
Noch in den letzten Wochen seines Lebens unterhielten wir uns 
über die Stellung der sogenannten Hysterophyten und war er fest 
entschlossen, bei einer späteren Auflage diese Gruppe einzuziehen 
und die betreffenden Familien in den vorhergehenden Reihen, so gut 
es gehen wolle, unterzubringen. 


Eichler’s Vorlesungen waren sehr besucht, was namentlich 
auch durch die seit Jahren fortwährend im Wachsen begriffene Zahl 
der Medicin- und Pharmacie-Studirenden bedingt war. Sein Vortrag 
zeichnete sich durch Einfachheit und Klarheit aus und verschmähte 
er es, denselben durch schöne Redensarten zu würzen. 


Seine Verdienste um den botanischen Garten sind zur Genüge 
bekannt, zahlreiche Veränderungen wurden unter seiner Direction 
vorgenommen, welche von dem Bestreben ausgingen, den Garten in 
noch umfangreicherem Masse, als bis dahin geschehen, zu einem 
anziehenden Bildungsmittel zu machen. Besonders hervorzuheben 
sind hier die Anlage des Alpinum, die Herstellung eines offieinellen 
und Nutzpflanzenstückes, die Aufstellung der Pflanzen nach geogra- 
phischen Gruppen, das neue Victoriahaus, eine Reihe von Bassins 
von Wasserpflanzen und die lang ersehnte Wasserleitung. Durch 

diese Verwaltungsangelegenheiten, sowie durch die Vorlesungen an 
der Universität, durch die Abnahme vieler Examina wurde Eichler’s 
' Thätigkeit in Berlin vollständig in Anspruch genommen, so dass 
ihm wenig Musse blieb für wissenschaftliche Arbeiten, von denen 
 dessenungeachtet einige in den Schriften der Akademie der Wis- 
senschaften, in verschiedenen Gesellschaftsschriften und in dem an 
Stelle der „Linnaea“ getretenen Jahrbuche des königl. botanischen 
Gartens und botan. Museums erschienen. Aus diesem segensreichen 
- Wirkungskreise wurde er in der Blüthe des Lebens abgerufen, be- 
- trauert von den Fachgenossen und einer Witwe mit sechs unmün- 
digen Kindern. A. Garcke. 


Flora des Etna. 
Von Prof. P. Gabriel Strobl. 


(Fortsetzung.) 


1336. Trifolium striatum L. Guss. *Syn. et Herb.!, Reichb. D. Fl. 
Icon. 100 I! Auf sonnigen, buschigen Abhängen und in lichten Wäl- 
dern (2500—4000°) häufig: Etna (Guss. 1. c.), oberhalb Nicolosi 
rings um den M. Zio, unter Kastanien der Serrapizzuta äusserst ge- 
mein, von Bronte gegen den Bosco Maletto hinauf häufig! April, 
Mai. ©. 

1337. T. tenuiflorum Ten. Guss. *Syn. et Herb.!, Tod. Fl. sie. 
exsiec. Nr. 394! Jedenfalls nur Varietät des striatum, von dem es 
sich nur unterscheidet durch längere Köpfchen und Kelchzähne, 
Unterschiede, die oft an demselben Standorte variiren: Bei siriatum 
sind die Köpfchen eiförmig, die Kelchzähne kürzer, als Kelchröhre 
und Krone; bei zZenwijl. die Köpfchen länglicheylindrisch, die Kelch- 
zähne mit Röhre und Krone gleichlang; tenwifolium Keichb. D. Fl. 
98 II ist verschieden von der Pflanze Tenore’s und scheint lucani- 
cum Gasp. — dalmaticum Vis. — Auf sonnigen Weiden und in 
lichten Wäldern des Etna mit der vorigen von mir nicht selten ge- 
sammelt, auch von Guss. in Wäldern bei Francavilla angegeben. 
April— Juni. ©. 

1338. T. glomeratum L. *Biv. I, Guss. et *Herb.! Auf Lava- 
strömen, Wiesen, Weiden, sandigen Küsten und sonnigen Abhängen 
(0—3000°) sehr häufig: Auf Etnaweiden (Biv. II), im Bosco Maletto 
häufig (Biv. in Herb. Guss.!), um Zaffarana, Nicolosi (Herb. Torn.!), 
in der Ebene des Simeto, von Catania bis in die Waldregion ober- 
halb Nicolosi gemein, um Bronte ete.! April, Mai. ©. 

1339. T. suffocatum L. *Biv. II, Guss. Syn. et *Herb.!, Rchb. 
D. Fl. 110, I—III! An Wegen und wüsten Stellen: Auf trockenen 
Etnaweiden (Biv. II), Etna, Catania (Biv. in Herb. Guss.!) sehr ge- 
mein zwischen Catania und Mascalucia! April, Mai. ©. 

1340. T. congestum Guss. Cat., *Syn. et *Herbh.!, *Bert. Fl. it. 
Dem vorigen äusserst ähnlich; ist aber nicht ganz kahl mit kahlen 
Köpfchen, die Krone weit überragenden, an der Spitze zurückge- 
krümmten, lanzettlichen Kelchzähnen und zweisamigen Hülsen, son- 
dern dicht flaumhaarig mit langzottigen Kelchen, fiederigzottigen, 
langen, pfriemlichen Kelchzähnen von Kronenlänge und einsamigen 
Hülsen. Aus der Ebene Catania’s von Guss. erhalten (Bert. 1. c.); 
liegt ebendaher auch im Herb. Guss. auf. April, Mai. ©. 

1341. T. subterraneum L. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herb.!, 
Reichb. D. Fl. Taf. 108! Auf Wegrändern, Grasplätzen, in Fluren 
und Baumgärten (0—4000°) sehr gemein: Aus Catania von Cosen- 
tini erhalten (Bert., Guss. l. c.), Catania (Herb. Reyer et Torn.!), 
überall in der Ebene des Simeto von Catania nach Acicastello, Ni- 
colosi und von da hoch in die Wälder empor! März—Mai. ©. 


175 


1342. T. fragiferum L. *Bert. Fl. it., *Cat. Cosent., Reichb. 
D. Fl. Taf. 106! Auf Grasplätzen, Feldern, feuchten Bach- und 
Wegrändern (0—2000°) häufig: Aus Catania von Cosent. erhalten 
(Bert. 1. c.), in der Ebene des Simeto bis Adernd hinauf, von Cata- 
nia zur Arena etc.! April— August. %. 

1343. T. resupinatum L. *Cat. Cosent., *Bert. Fl. it., Guss. 
Syn. et *Herb.! Varürt: «. majus Boiss. W. Lge. Stengel robuster, 
verlängert, Blüthenstiele länger, als die Blätter, Blüthen grösser, 
Fruchtkelch 9—10 Mm. lang — T. suaveolens Guss. Syn. et Herb.!, 
non Willd. Enum. — £. minus Boiss. W. Lge. Stengel zarter, kür- 
zer, Blättchen und Blüthenköpfchen kleiner, Blüthenstiele oft kürzer 
als die Blätter, Fruchtkelch und Zähne der Oberlippe desselben 
kleiner — T. resupinatum Guss. Syn. et Herb.!, suaveolens Willd. 
Enum., non Guss. — Auf Feldern, Wegrändern, krautigen Hügeln, 
feuchten sandigen Küstenstrichen beide Varietäten häufig: Aus Ca- 
tania von Cosentini erhalten (Bert. 1. c.), an der Riviera di Ca- 
tania (Cat. Cosent.), um Catania häufig (!, Cosent. in Herb. Guss. 
var. «.), Nicolosi (Herb. Tornab. var. £.!), in der Arena und in der 
Ebene des Simeto fast überall! April, Mai. ©. 

1344. T. tomentosum L. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herb.!, 
Rehb. D. Fl. Tfl. 107 I! — Auf Fluren, Lavaströmen, sandigen und 
krautigen Abhängen bis 2000° gemein: Aus Catania von Cosentini 
erhalten (Bert. 1. c.), überall um Catania (! Herb. Torn., Tornab. 
in Herb. Guss.!), um Nicolosi, im Vallone di Ulli (Herb. Torn.!), 
vom Meere bis Nicolosi, Paternd, Bronte ete.! April, Mai. ©. 

1345. T. strietum L., W. K., laevigatum Dsf. Guss. *Syn. et 
*Herb.!, Rchb. D. Fl. Tfl. 99! In der Ebene des Simeto (Calcara 
in Guss. Syn., Tornab. in Guss. Herb.!); bewohnt sonst nur Berg- 
wiesen. Mai, Juni. ©. 

1346. T. spumosum L. *Biv. II, Guss. *Syn. et *Herb.! Ist 
gleich mutabile Port. und vesiculosum Savi, eine ganz kahle Pflanze 
mit grossen, eiförmisen Fruchtköpfen und kahlen, gleichmässig auf- 
geblasenen Fruchtkelchen; ihre Unterschiede sind hauptsächlich fol- 
gende: Bei mutab. und wesie. sind die oberen Blätter länglich oder 
rhombischlanzettlich mit granniggesägten Rändern, die Fruchtkelche 
häutig mit geraden, endlich zurückgekrümmten Zähnen, welche die 
Länge der Krone nicht erreichen; bei mut. sind die Köpfchen mehr 
oval, die Fruchtkelche kugeligoval, längsnervig, bei vesic. die Köpf- 


- chen mehr eylindrisch und die Fruchtkelche stärker aufgeblasen ver- 


We 


kehrt-kugeligkonisch und zwischen den Längsnerven auch deutlich 
quernervig; spumosum endlich unterscheidet sich von beiden durch 
ausgebreitsten Wuchs, verkehrtherz- oder verkehrteiförmige, klein- 
(nicht grannig-) gesägte Blätter, eiförmige Köpfchen, stark ange- 
schwollene, zwischen den Längsnerven auch quernervige, eiförmige 
Fruchtkelche mit pfriemlichen, zurückgekrümmten Kelchzähnen von 
Kronenlängse und 3—4- (nicht 2-) samigen Hülsen. — Auf Feldern, 
Weiden und sonnigen Hügeln ziemlich selten: Auf Weiden des Eina 
(Biv. IL, Biv. in Herb. Guss.!), um Licatia (Herb. Torn.!), Catania 


Be 


176 


(Guss. Syn. et Cosentini in Herb. Guss.!), Aufstieg nach Nicolosi 
(Torn. m Guss. Syn. add. et Herb.!). April, Mai. ©. 

1347. T. mutabile Port. Guss. *Syn. et Herb.! Zwischen Ge- 
sträuch, auf sterilen Hügeln und in sandigen Wäldern: Um Giarre, 
Nicolosi, Milo (Guss. Syn.), Cavaleri (Herb. Tornab.!), an grasigen 
Uferabhängen des Simeto vereinzelt!, nach v. Janka’s Mittheilung 
sehr gemein längs der ganzen Eisenbahn bis Catania. Mai, Juni. ©. 

NB. Vesiculosum wurde im Gebiete noch nicht beobachtet. 

1348. T. repens L. *Cat. Cosent., *Biv. Il, Guss. Syn. et Herb. 
var. «. Auf Wiesen, Weiden, Wegrändern bis 3000 zerstreut: An 
bebauten Orten bei Catania (Biv. II), in der Ebene des Simeto (Cat. 
Cosent.), um Milo (Herb. Torn.!), in der Ebene von Nicolosi! April 
bis Juli. 2%. 

1349. T. Biasolettii Steud. Freyn: „Flora von Südistrien* in 
Zool.-botan. Ges. 1878 pag. 312 cum diagn., repens b. minus Guss. 
Syn. et *Herb.!, rep. ß. pusillum Bert. Fl. it. — Auf Bergweiden, 
grasigen Abhängen und Wegrändern (3—7000°) fast gemein: Etna 
(Herb. Guss.!), von der Ebene Nicolosi's durch die umliegenden 
Wälder bis in die Hochregion häufig, im Valle Calanna, im Val del 
Bove gemein, von Milo zum Cerritawalde, oberhalb Bronte gegen 
den Bosco Maletto! April—Juli. %. 

1350. T. nigrescens Viv. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herb.!, 
Rehb. D. Fl. 110, IV! Aybridum Biv. I, non L. — Auf Wiesen, 
Wegrändern, Lavaströmen (0—3200°) gemein: Aus Catania von Co- 
sentini erhalten (Bert. 1. c., Herb. Guss.!), um Catania überall, 
Zaffarana, Nicolosi (Herb. Torn.!), von Catania nach Ognina, Aci- 
castello und sogar bis in die Waldregion oberhalb Nieolosi! März 
— Mai. ©. 

1351. T. procumbens L., agrarium *Raf. I, *Biv. Il, cam- 
pestre Schreb. Guss. Syn. et Herb.! Variirt im Gebiete: «. minus 
Koch, Rehb. D. Fl. 122, II! = procumbens Schreb. Kerner Veget. 
Pflanze niederliegend, Köpfchenstiele von Blattlänge, Köpfchen klei- 
ner, schwefelgelb. $. majus Koch, Reichb. D. Fl. 121, I! = cam- 
pestre Schreb. Kerner Veget. Stengel aufrecht oder aufsteigend, 
Köpfchenstiele von mehr als Blattlänge, Köpfchen grösser, sattgelb. 
Auf Feldern, Aeckern, Wegrändern, sonnigen Abhängen (0—5000°), 
besonders ß. gemein: Häufig auf Weiden und Wiesen des Etna 
(Biv. II), Etna, Catania, Pedara (Herb. Tornab.!), Ognina (Herb. 
Reyer!), von Catania bis hoch in die Waldregion oberhalb Nicolosi, 
im Valle Calanna, in der Ebene des Simeto, von Bronte in den Bosco 
Maletto! April— Juni. ©. 

1352. T. filiforme L. Guss. *Syn. et *Herb.!, micranthum Viv. 
Rchb. D. Fl. 121 DT. Von minus Sın. — jiliforme Rehb. D. Fl. 
120 I! durch die noch dünneren, haarfeinen, schlaffen Blüthenstiele, 
die nur 2—6blüthigen, sehr lockeren, kleineren Köpfchen, ziemlich 
gleichlangen Kelchzähne etc. verschieden. — Auf feuchten Bergab- 
hängen Siciliens nicht selten, am Etna bisher nur von Bivona 
(Guss. 1. c.!) gesammelt. Mai—Juli. ©. 


.e 


177 


NB. Aus dem Gebiete werden noch irrig angegeben: 7’. Miche- 
lianum Savi (in der Waldregion nach Raf. II) und hispanicum L. 
(auf sandigen Hügeln des Etna, besonders bei Nicola dell’ arena 
nach Biv. II). 

1353. Lotus edulis L. *Cat. Cosent., *Bert. Fl. it., Rchb. D. Fl. 
133, I, II! Am Meerstrande, auf Feldern, Rainen, Lavaströmen, in 
Wein- und Olivengärten (0—2000°) sehr häufig: Aus Catania von 
Cosentini erhalten (Bert. 1. c.), Acquicedda bei Catania, Acicastello 
(Herb. Torn.!), Annunziata (Reyer in litt.), überall um Catania, von 
da nach Misterbianco, Ognina, Nicolosi, in die Arena, in die Ebene 
des Simeto! Februar— April. ©. 

1354. L. ornithopodioides L. Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herb.!, 
Rechb. D. Fl. 133, III, IV! Auf Feldern, Lavaströmen, sonnigen Hü- 
geln, in Gärten und Ölivenhainen der Tiefregion sehr häufig: Aus 
Catania von Cosentini erhalten (Bert., Herb. Guss.!), um Catania 
überall (!, Herb. Torn.!, Herb. Reyer!), Paternd (Herb. Torn.!), sehr 
gemein an Eisenbahndämmen bei Ognina, seltener um Misterbianco, 
Motta S. Anastasia, in der Ebene des Simeto! April, Mai. ©. 

1355. L. ceytisoides L. *Bert. Fl. it. Erscheint in Sieilien in 
folgenden, von Guss. als Arten beschriebenen Varietäten: 

a. prostratus (Desf.), L. prostr. Dsf. Fl. atl. II, 206 et Herb. 
teste Guss., Guss. Syn. et *Herb.!, Tod. Fl. sie. exsiece. Nr. 345 
(Palermo), non Lot. prostr. L. (denn dieser gehört jetzt zum Genus 
Lotononis), L. cytisoides DC. Prodr. I, 211, eyt. «. Linnaei W. Lge. 
III, 341! (denn die von Winkler um Gibraltar als Allionii gesam- 
melten und von W. Lge. ebenda als «. Linnaei angegebenen Exem- 
plare sind mit dieser Var. identisch), L. Allionii Dsv. Gren. Godr. 
I, 433, Rchb. D. Fl. 131, I, III!, glaucescens Presl del prag. et 
Fl. sie. Stengel zahlreich, kurz, niederliegend oder aufsteigend, ästig, 
an der Basis halbstrauchig, sparsam angedrückt flaumig; Blätter 
und Bracteen dreizählig, Blättchen fleischig, keiligspatelig, stumpf, 
seegrün mit ziemlich dichten, kurzen angedrückten Haaren, Neben- 
blätter länglicheiförmig, ungefähr so lang, als der nicht verbreiterte, 
4—6 Mm. lange Blattstiel; Blüthenstiele 2—6blüthig, bedeutend 
länger als die Blätter; Hülsen gerade, lang, fast stielrund, kahl; 
Blüthen auch getrocknet gelb. Zeichnet sich vor den folgenden Va- 
Seen besonders aus durch die langen Blattstiele und fleischigen 

ätter. 

ß. L. patens Presl del prag. et Fl. sie., Guss. Syn. et Herb.!, 
Tod. Fl. sie. exsicc. Nr. 344 (Trapani)! Von «. verschieden durch 
die langen, niedergestreckten und ausgebreiteten annuellen Aeste 
und die stärkere, meist aufrechtabstehende, selten fast angedrückte, 
flaumige Behaarung derselben, sowie der Blattstiele; auch sind die 
Blättchen grün, nicht fleischig, und die oberen schmäler, spitzer, 
meist länglichkeilig, die Blattstiele kürzer (nur bis 3 Mm.) und von 
den eiförmigen Nebenblättern überragt. 

(Fortsetzung folgt.) 
—s— 


178 


Literaturberichte. 


Dr. Joh. Palacky. Pflanzengeographische Studien. I. Erläuterungen zu 
Hooker und Bentham Genera Plantarum. II. Band. Fam. LVIHT—CLXVI 
und III. Band: Fam. CLXVII—CC., (Aus Abhandlungen der k. böhm. Ge- 
sellschaft der Wissenschaften. VI. Folge. 12. Band. Math.-naturw. Classe 
Nr. 2 und 14.) Prag. 1883 und 1884. Verlag, d. k. b. Ges. d. W. 

Die unter voranstehendem Titel uns vor nicht langer Zeit erst 
zugekommenen Abhandlungen bilden die Fortsetzung der im Jahre 
1864 in den Publicationen der kön. böhmischen Gesellschaft der 
Wissenschaften V. Folge 13. Band erschienenen ersten Erläuterungen 
zu Bd. I. Fam. I-LVII von Hooker und Bentham Genera Plan- 
tarum. Der Verfasser geht bei seinen Arbeiten von dem sehr aner- 
kennenswerthen Bestreben aus, wissenschaftliche Grundlagen für die 
Pflanzengeographie namentlich mit Rücksicht auf eine geologische 
Basis zu gewinnen. Die im Titel aufgezählten Pflanzenfamilien (nach 
Hooker und Bentham), welche den Schluss der Dicotyledonen und 
die Monokotylen umfassen, erörtert der Verf. nun, mit steter Be- 
ziehung auf das genannte Werk in der Weise, dass er die Verbrei- 
tung der Familien nach den Zonen der Erde, in deren östlichen und 
westlichen Hälfte, bespricht und die Länder und Gegenden hervor- 
hebt, in denen sie am reichsten oder im Maximum auftreten, sowie 
diejenigen, wo Glieder einer Familie gänzlich mangeln. Um die Ver- 
breitungsgesetze mehr zu begründen, werden, bei grösseren Familien, 
auch deren Unterabtheilungen nach ihrem vorherrschenden Auftreten 
gewürdigt, und es wird hiebei auf ihr geselliges Vorkommen, auf 
ihre xerophile, hygrophile oder halophyle Natur, auf ihren Charakter 
als Wüsten-, Ruderal- oder Segetalgewächse, verwilderte und Un- 
kräuter u. s. w. hingewiesen. Den polymorphen Gattungen, sowie 
denjenigen, welche sich durch grosse Anzahl ihrer Species auszeich- 
nen, insbesondere der artenreichsten oder durch andere Eigenthüm- 
lichkeiten sich auszeichnenden Gattung jeder Familie, wird bezüglich 
ihrer geographischen Vertheilung besondere Aufmerksamkeit ge- 
schenkt, namentlich gilt diess bezüglich der Monotypen oder unge- 
wöhnlicher Verbreitungsarten. In dieser Hinsicht enthalten die Ab- 
handlungen manche recht beherzigenswerthe Bemerkung, beispielsweise 
bei den Cyrtandraceen, deren südeuropäische Arten (Ramondia pyre- 
naica Lam., Haberlea rhodopensis Friv. und Heldreichii Boiss.) der 
Verf. mit Fug und Recht als aus alter Zeit in Europa übrig ge- 
bliebene Species erklärt und sich hiebei gegen die Theorie ausspricht, 
welche alle Pflanzen wandern lässt, wie man es eben braucht. Auch 
die Hinweise auf die Schwierigkeiten, welche manchen Fragen, wie 
der Entstehung der Wüstenpflanzen (angeregt bei den Chenopodia- 
ceen) oder der Ausbreitung der Cupuliferen von einem Schöpfungs- 
centrum aus u. dgl. sich entgegenstellen, werden gebührend betont. 
Bei den Arten sind auch die endemischen Formen ihrer Zahl nach 
berücksichtigt, sowie die Zweifel über die Bedeutung derselben, z. B. 
die drei Peperomia-Species auf den Inseln Juan Fernandez im grossen 
Ocean westlich von Chile, ob sie nämlich in dem Gebiete, welches 


179 


sie heute ausschliesslich bewohnen, nur mehr als Repräsentanten 
einer weiter verbreiteten Artenzahl ihre letzten übrig gebliebenen 
Standorte behaupten, oder aber, ob das beschränkte Gebiet ihres 
heutigen Vorkommens als die Bildungsstätte, als das Entstehungs- 
gebiet der betreffenden Gattung anzusehen sei. In Noten, welche 
den Besprechungen der einzelnen Familien gleichlaufen, gibt der Verf. 
eine ziffermässige Uebersicht der Vertheilung der Genera und der 
Species auf die verschiedenen bekannten Florengebiete, soweit diess 
heute nach der vorliegenden Literatur, Nymann fürEuropa, Bentham 
und Müller für Australien, nach De Candolle’s Prodromus u. s. w. 
und nach Katalogen der Sammlungen möglich war. Auf die Ver- 
hältnisszahl der Arten zu den Gattungen legt Palacky kein beson- 
deres Gewicht in pflanzengeographischer Hinsicht, so lange noch der 
Gattungsbegriff bei den verschiedenen Autoren so schwankend ist. 
Dagegen ist eine besondere Sorgfalt darauf gerichtet worden, An- 
deutungen über die Heimat der Familie oder über ihre Herkunft zu 
gewinnen und ihre geologische Entwickelung darlegen zu können. 
Leider liegen zur Stunde, ungeachtet vieler vortrefflicher Arbeiten 
Schimper’s (Traite de Palaeontologie vegetale), Laquereux’ u. a. 
und des ausgezeichneten Werkes von Engler (Versuch einer Ent- 
wicklungsgeschichte der Pflanzenwelt, insbesondere der Florengebiete 
seit der Tertiärperiode), noch keineswegs ausreichende Anhaltspunkte 
vor, um mit einiger Sicherheit über das Alter gewisser Familien 
und über ihre historische Entfaltung entscheiden zu können. Werden 
doch weit allgemeinere Fragen, wie die Ableitung einer bestimmten Ge- 
setzmässigkeit für die Umbildung der Floren noch höchst verschieden zu 
lösen gesucht, wiez.B.von Ettingshausen’s Theorie, welche unser 
Autor bei mehreren Familien gutheisst, doch bezüglich der An- 
schauung, dass die heutigen Florenreiche zur Tertiärzeit noch gar 
nicht erkennbar gewesen seien, wohl nicht ausreichend begründet 
ist. Schliesslich stellt der Verf. noch recht zweckmässig die Pflan- 
zenfamilien nach der heutigen Verbreitung in Kosmopoliten, tropische, 
antarktische, arktische und lokale, sowie in historischer Beziehung 
a) in xerophile, älteste (Kreide, Eozän), hygrophile miocäne und 
ce) gemässigte (pliocäne und quarternäre) zusammen. Wir wünschen 
dem geehrten Verfasser zu seinem beabsichtigten „Lehrbuch der 
Pflanzengeographie auf geologischer Basis“ den besten Erfolg. 
Dr. A. Kornhuber. 

Heinricher E. Histologische Differenzirung in der ‚pflauzlichen Ober- 

haut. (Mittheil. des naturwissenschaftl. Ver. für Steiermark. Jahrg. 1886. 

Graz 1887. Mit einer Tafel.) 

Die hier besprochene histologische Differenzirung der Oberhaut 
betrifft die Laubblätter der Cruciferen und besteht in einer ausser- 
ordentlichen Vergrösserung einzelner Zellen, die das Volum der 
Nachbarzellen um das zebn- bis hundertfache übertreffen. (Bei He- 
liophila pilosa wurden Epidermiszellen von 8 Mm. Länge gefunden!) 
Inhaltlich scheinen in der Regel diese Riesenzellen von den übrigen 
Öberhautzellen (die Schliesszellen der Spaktöffnungen natürlich aus- 


180 


geschlossen) nieht wesentlich verschieden zu sein. Plasma-Circulation 
ist in ihnen meist sehr schön zu sehen. Die Differenzirung gewinnt 
dadurch ein verschiedenes Aussehen, dass bei manchen Cruciferen 
(Isatis tinetoria, Senebiera Coronopus, Heliophila-Arten) die vergrös- 
serten Oberhautzellen isolirt liegen, während bei anderen sich mehrere 
unmittelbar an einander reihen. Eine solche Oberhaut bietet unter 
dem Mikroskope das Bild eines gegliederten Stromgeäders mit viel- 
facher Inselbildung. Die Strombahnen werden durch die grossen 
Zellen repräsentirt, während die kleinen Zellgruppen mit den Spalt- 
öffnungen; Inseln vergleichbar darin liegen. ( Eruca cappadoeica Beut., 
Diplotaxis tenuifolia D C., Moricandia arvensis DC.) Bei einzelnen 
Arten (Senebiera Coronopus, Hutchinsia petraea) erstreckt sich die 
Differenzirung auch auf die Oberhaut der Stengeltheile. — Aehnliche 
Epidermisbildungen fand Volkens an einer Reihe von Wüsten- 
pflanzen. Da letztere in die Ordnungen der Resedaceen, Sileneen, 
Chenopodeen und Portulacaceen gehören, so folgt, dass die in Rede 
stehende Differenzirung nicht an die systematische Stellung der 
Pflanzen geknüpft, sondern als eine physiologische Anpassung 
zu betrachten ist. Nach den Beobachtungen von Volkens an Mesem- 
bryanthemum erystallinum L. und den von Heinricher mit Tetragonia 
expansa Ait. angestellten Versuchen müssen diese grossen Epider- 
miszellen als Speicherungsstellen und Reservedepöts für Wasser ange- 
sehen werden. Diese Annahme findet unter andern auch darin eine 
Stütze, dass die erwähnte Differenzirung in der Oberhaut mit der 
Zunahme der Trockenheit des Standortes sich steigert. Burgerstein. 
Fungi novi Austriaci. Series I. Autore Dr. R. v. Wettstein. (Mit 2 Taf.) 

Aus dem XCIV. Bande der Sitzber. der kais. Akad. der Wiss. I. Abth. 

December-Heft, Jahrgang 1886. 

In dieser sehr sorgfältig gearbeiteten Abhandlung werden von 
dem Verfasser neun Hymenomyceten, ein Lycoperdon und zwei Pe- 
zizen als neu beschrieben und zwar: 1. Hydnum Ebneri, 2. Irpex 
anomalus, 3. Trametes carneus, 4. Cantharellus odorus, 5. Maras- 
mius tenerrimus, 6. Agaricus (Psalliota) caldarius, 7. Agaricus 
(Pleurotus) Kerneri, 8. Agaricus (Pholiota) gregarius, 9. Agarieus 
(Naucoria) chryseus, 10. Lycoperdon Rathaganum, 11. Peziza (Sele- 
rotinia) Kerneri, 12. Micropeziza Trollii. Von diesen werden ohne 
Zweifel zwei Arten, nämlich der Irpex anomalus und die Peziza 
(Sclerotinia) Kerneri auch die Aufmerksamkeit der Nichtmykologen 
erregen. Irpex anomalus Wettst. (Taf. I, Fig. 1—9) besitzt normal 
8sporige Basidien, „und es scheint sich in jenen Fällen, in denen 
weniger (5—7) vorkommen, um eine Verkümmerung einzelner zu 
handeln“. Unserer Ansicht nach hätte der Verfasser auf dieses höchst 
auffallende Merkmal hin getrost ein neues Genus schaffen können. 
Er hat diess aber unterlassen und spricht sich über diesen Punkt 
selbst in folgender Weise aus: „Wenn ich trotz dieses Umstandes 
(nämlich der 8sporigen Basidien) den Pilz zu Irpex stelle, so ge- 
schieht diess mehr aus dem Grunde, um nicht auf so geringes Be- 
obachtungsmateriale, wie mir vorliegt, eine neue Gattung zu gründen, 
andererseits, weil mir die Gattung Irpex auch in die Zahl jener zu 


u  LLULL LE 


181 


gehören scheint, in denen manche Formen vorläufig eine Stellung 
finden, die sie mit der Zeit noch ändern dürften“. Die Peziza (Sele- 
rotinia) Kerneri Wettst. (Taf. II, Fig. 11—15) vermehrt die inter- 
essante Untergattung Sclerotinia um eine nahezu ungestielte und auch 
sonst sehr auffallende Form. Das überaus zarte Mycel dieses Pilzes 
lebt (so viel bis jetzt bekannt) als streng obligater Parasit in den 
jüngeren Zweigen der Tanne. Die befallenen Zweigchen kennt man 
äusserlich zunächst an der sehr bedeutenden Vermehrung der männ- 
lichen Blüthenkätzchen, die so weit geht, dass fast in der Achsel 
eines jeden Blattes eine Blüthenknospe zur Entwickelung gelangt. 
Nach dem Abfallen der männlichen Blüthenkätzchen bleiben deren 
Hüllschuppen stehen und bilden schuppige Becher, während die 
Achsen unterhalb dieser Becher mehr oder minder anschwellen, und 
auch die benachbarten Blätter hie und da „callöse Polster“ zeigen. 
Durch das Zusammenwirken dieser Umstände erhalten die befallenen 
Aeste der Tanne wohl ein ganz abnormes Aussehen, doch scheint 
der Baum selbst im Ganzen und Grossen nur wenig zu leiden. Das 
Mycel des Pilzes erreicht seine grösste Entwickelung in den stehen- 
bleibenden Hüllschuppen der männlichen Kätzchen, und bildet hier 
auch halbeingesenkte schwärzliche, etwa 4—5 Mm. messende Scle- 
rotien. Cultivirt man die letzteren auf feuchtem Sand, so erhält 
man binnen 5—8 Tagen die Fruchtkörper der Peziza Kerneri. Diese 
Fruchtkörper wurden übrigens auch im Freien gefunden und zwar 
bei Mödling von Herrn P. T. Strasser und Rosenau von dem Ver- 
fasser. Wie schon eingangs erwähnt, zeigt die ganze Abhandlung 
eine sehr sorgfältige Benützung der einschlägigen Literatur und eine 
gewissenhafte Vergleichung der neuen Formen mit dem verwandten 
Material. Dass dieses letztere aber überhaupt vorhanden war und 
zwar in einer wissenschaftlich brauchbaren Form, ist ein unbestreit- 
bares Verdienst des Herrn Hofrathes Dr. A. Ritter v. Kerner. 
Durch die rastlose Initiative dieses Gelehrten vollzieht sich nämlich 
seit einer Reihe von Jahren, ganz in der Stille, eine totale Umwäl- 
zung des zu dem k. k. Universitätsgarten gehörigen botanischen Mu- 
seums. Dieses letztere wird jetzt wirklich das werden, was es seinem 
Namen nach längst hätte sein sollen, ein botanisches Museum. 
Schon sind viele Hunderte mit Alkohol gefüllte Cylindergefässe in 
einer ebenso übersichtlichen wie geschmackvollen Weise auf den Re- 
galen zur Schau gestellt, welche wahre Schätze solcher zarter Formen 
enthalten, die sich auf keine andere Weise conserviren lassen. Unter 
diesen auch eine stattliche Reihe wohlbestimmter Hymenomyceten. 
Nur wer die verschiedenen zeitraubenden und mühsamen Arbeiten 
kennt, welche das Einsammeln, Bestimmen und Conserviren dieser 
Formen erheischt, wird die Grösse der hier bereits aufgestapelten 
Arbeit annähernd richtig abzuschätzen wissen. Allerdings wird der 
Herr Hofrath v. Kerner bei dem schwierigen Werke der Reorgani- 
sation des k. k. Universitätsgartens und des botanischen Museums 
von seinen beiden Assistenten, den Herren Dr. Stapf und Dr. 
v. Wettstein auf das kräftigste unterstützt. Indem wir hiermit 


182 


auch weitere Kreise, besonders auf die Neugestaltung des botanischen 
Museums aufmerksam machen, wünschen wir diesem rasch aufblü- 
henden Institute ein ferneres Gedeihen und eine möglichst reich be- 
mossene Dotation. Zukal. 


Vukotinovic L. Opis ruzah okoline Zagrebatke. (Rosae in vieina Zagra- 
biensi et quaedam in Croatia maritima erescentes.) II. Separatabdruck aus 
dem LXXXIII. Bande der südslavischen Akademie zu Agram. 

Der unermüdliche und verdienstvolle Erforscher der Rosenflora 
Croatiens überrascht die Freunde dieser schönen Gattung wieder auf das 
angenehmste mit vorliegender Arbeit. In derselben sind die Resultate 
der Erforschung Croatiens hinsichtlich der Gattung Zosa, seit dem 
Jahre 1884 niedergelegt, eine stattliche Zahl neuer und schöner 
Formen, viele Berichtigungen und Zusätze sind in dieser wichtigen 
Arbeit enthalten. Neu aufgenommen sind die Arten und Formen: 
Rosa Haynaldiana Borbäs, R. Awmanni f. coriaces Borbäs, fossi- 
cola Vuk., mierotypos Borb. et Vuk., rupicola Braun, afabilis Vuk., 
semiinermis Borbäs, oligacantha Borbäs, oligacantha f. cuneifolia Vuk., 
cymelliflora Borb. et Vuk., conica Chabert, fruticulosa Borb. et Vuk., 
dimorphophylla Borbäs, megalacantha Borb., reversa WK.(?), Oroa- 
tica Kit., tenuiflora Borbäs, pyrenaica Koch (R. pendulina L.), 
pubescens Koch, Malyi A. Kern., submonspeliaca Borbäs, trichostylis 
(Borbäs), subeanina (Christ), subeollina Christ, livida Host, oligo- 
gynia Borb. et Vuk., subleiostylis (Borbäs), brachypetala Vuk., sub- 
sempervirens Borbäs, curticola Puget, Aavidifolia Vuk. (R. nitens 
Vuk. non Desv.), Hercolis Borb., Kitaibelii Borb., resinosa Sternb., 
resinosa f. umbratica Borb., mollissima Fries f. pyriformis Scheutz., 
Belgradensis Panic, semisepiumBorb. et Vuk., percuriosa Borb. et Vuk., 
sepium f. arvatica Puget, sepium f. robusta Christ, Szaboi Borb., semisca- 
bra Borb., graveolens Gr. God., Floriana Vuk., septicola Desegl., polya- 
cantha (Borbäs), leucopetala Borbäs. Von den zahlreichen Caninen 
will ich nur die neuen: R. placidula Vuk. et Borbäs, maerostylis 
Borbäs, Suberti Rip. (auch von Herrn Sandany am Zugange zum 
Krainer Schneeberg aufgefunden), rhodopetala Borb. et Vuk. erwäh- 
nen. Zugleich mit dieser Arbeit erschien ein kleiner Nachtrag zu 
den „Rosae Croaticae“* im 69. Bande der südsl. Akademie (1884), 
welche einige neue Zusätze und Neubenennung älterer von Vuko- 
tinovi6 creirter Formen enthält; diese Umänderung der Namen, 
so wie zahlreiche unrichtige Citate sind wohl zum ‘grossen Theile 
überflüssig. Im Uebrigen ist diese für die Flora Croatiens hoch- 
wichtige Arbeit der Aufmerksamkeit der Floristen bestens zu empfehlen. 

Braun. 

Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien. 
XXXVI. Band. IV. Quartal 1886. 

Von den in diesem Bande veröffentlichten Abhandlungen bota- 
nischen Inhaltes werden die nachstehenden zwei, nämlich: „Zur 
Pilzflora Oesterreichs“ IV., von Dr. Günther Beck und „Steirische 
Flechten“ von Dr. Alex. Zahlbrückner, an anderer Stelle ausführlich 


183 


besprochen werden; ferner wurde über Dr. ©. Stapf’s Arbeit: „Die 
Pflanzenreste des Hallstädter Heidengebirges“ das Wesentlichste im 
Novemberhefte der Oesterr. botan. Zeitschrift de 1886 unter den 
Vereinsnachrichten mitgetheilt. Ein Gleiches gilt von zwei kleineren 
Publicationen Dr. M. Kronfeld: a) „Ueber die Ausstreuung der 
Früchtchen von Scutellaria galericulata“ und b) „Ueber die niederöster- 
reichischen Volksnamen von Solanum tuberosum“, deren unter derselben 
Rubrik im Decemberhefte dieses Blattes Erwähnung geschieht. Aus 
letzterem Artikel sei hier noch als eine localhistorische Notiz ange- 
führt, dass Clusius als der Erste in Oesterreich citirt wird, der im 
J. 1588 die damals neue Knolle in Händen hatte. Er erhielt selbe 
von Philipp de Sivry, Vorstand der Stadt Mons in der Provinz 
Hennegau. — Es erübrigt nunmehr zur Besprechung der in den 
obigen Verhandlungen veröffentlichten Mittheilung von Aug. Wie- 
mann: „Ueber Primula Wettsteinüi (Pr. minimo X Clusiana)“, über- 
zugehen. Dieser Bastart steht der Primula minima näher als der 
Pr. Clusiana, er unterscheidet sich von Ersterer durch die etwas 
mehr abgerundeten, schwach behaarten Blätter, grössere Blüthen 
mit breiteren Lappen und kürzeren Involucralblätter. Fundort: 
Niederösterreich; auf dem Schneeberg, in einer Höhe von ca. 2000 M., 


und zwar unter den Stammeltern und Pr. intermedia Port. = Pr. 
Portenschlagü Beck. Moritz Prihoda. 
oo 
Correspondenz. 


Wien, am 25. März 1887. 
Aus der soeben geöffneten Sendung bosnischer 1886er Rosen- 
proben des Herrn Prof. Erich Grafen Brandis in Travnik will ich 
einstweilen nur die beiden Novitäten Rosa livida Host und R. ve- 
stita Godet — letztere in einer Uebergangsform zur R. tomentosa — 
mittheilen. Auch die schöne R. bosniaca Keller et Wiesb., Oesterr. 
botan. Zeitschr. 1883 — liegt abermals nur in Blüthen, aber vom 
neuen Standorte vor; während die Rosa gentilis Sternb. am 23. Juli 
1886 noch in der Blüthe zwischen Janica und Sjekira fast bei letz- 
terem Orte durchaus in der var. inermis eingesammelt, die indivi- 
duellen Modificationen: leio-, tricho-, adeno- und ditrichoneura von 
derselben Strecke enthält. Diese var. inermis — wie sie wiederholt 
sub Nr. 6 der Exsice. vorliegt — kann aber niemals mit der afinis 
Sternb. identifieirt werden, da letztere Sternberg selbst durch „ku- 
gelige und kahle Receptakel“ von unserer Rose, die ovoide hispide 

Receptakel hat, unterschieden hatte! (Vergl. Oe. b. Z. 1883, 101.) 

J. B. Keller. 


Wien, am 4. April 1887. 


Herr Br. Btocki hat in der Aprilnummer der Oesterr. botan. 
Zeitschrift behauptet, ich hätte seine Zlosa Leopoliensis „ganz un- 
richtig“ als Synonym zu Rosa frutetorum Besser gezogen. Die 


184 


authentischen Exemplare der R. Leopoliensis, welche sich in mei- 
nem Besitze befinden (mit der Etiquette des Herrn Bilocki ver- 
sehen), weisen keine Spur von Drüsen an der Unterseite der Blätt- 
chen (sogenannte „subfoliare* Drüsen!) auf, und zeigen, wie sich 
auch Dr. Wotoszczak seinerzeit in Wien überzeugte, nicht die mini- 
malste Differenz gegenüber den Originalexemplaren der R. fruteto- 
rum Besser. Ich habe also wenigstens die in meinem Besitze 
befindlichen Originalexemplare der R. Leopoliensis ganz richtig ge- 
deutet. Sollte sich um Lemberg eine Rose aus der Gruppe der R. 
coriifolia Fries mit Drüsen an der Unterseite der Blattlamina vor- 
finden, so wäre diess von grossem Interesse, indem dann zur Formen- 
reihe der Rosa incana Kitaibel, R. Kmetiana Borbäs und R. Gra- 
nensis Kmet eine parallele Reihe aus der Gruppe der R. corüfolia 
Fries, R. frutetorum Besser und R. Leopoliensis Blocki entdeckt 
wäre. Dass die echte Rosa frutetorum Besser nicht die Pflanze ist, 
welche viele sogenannte „Rhodologen* als „R. frutetorum“ bezeich- 
nen, wird eine Arbeit von mir, die bald erscheinen dürfte, nach- 
weisen. R. uncinella f. eiliata Borbäs ist gewiss von R. uncinella 
Besser f. typica verschieden, sonst hätte mein Freund, Prof. Borbäs, 
es gewiss nicht für nöthig befunden, die Bezeichnung „f. ciliata“ 
beizusetzen, ob man nun erstere Rose als Art, Varietät, Form etc. 
bezeichnet, ist durchaus Ansichtssache. Zum Schlusse sei der verdienst- 
volle Erforscher der Flora Galiziens freundlichst darauf aufmerksam ge- 
macht, dass unter den von Dr. Woloszczak gesammelten Thymus 
angustifolius Pers. aus der Gegend von Lemberg sich auch ein 
Exemplar des T. Serpyllum L. befindet, was ihn gewiss interessi- 
ren dürfte. 7. Serpyllum befindet sich übrigens noch in dem Herbar 
Opiz im böhmischen Museum zu Prag, wo er die Bezeichnung 
„T. apricus Opiz“ trägt. Braun. 


Wien, am 6. April 4887. 
Dr. O. Stapf hat in der letzten Auszabe der Flora exsice. 
Austro-Hung. unter Nr. 1480 eine zweiblüthige Varietät von Leu- 
cojum vernum L. aus der Marmaros als var. Yagneri neu beschrie- 
ben. Dieselbe ist nichts weniger als neu, denn sie wurde als 
Leucojum vernum ß. „carpathian spring snow-flake“ schon im Jahre 
1818 in Curti’s botan. Magaz. tab. 1993 abgebildet und von Her- 
bert in seinem Werke „Amaryllidaceae* p. 331 als Erixosma ver- 
num Var. carpathieum im Jahre 1837 beschrieben. Auch in einem 
dritten Hauptwerke für Amaryllideen, nämlich in Kunth’s Enum. 
plant., V. p. 474 wurde dieser aus den Karpathen zuerst bekannt 
gewordenen Varietät Erwähnung gethan. Sie hat daher nach der in 
den „Schedis“ angewendeten Nomenclatur den Namen carpaticum 

Herbert zu tragen. Dr. G. Beck. 


Reichraming (Oberösterreich), am 20. März 1887. 


Bei der Durchsicht und Einreihung meiner vorjährigen Pflan- 
zenausbeute fanden sich einige Pflanzen vor, deren Constatirung für 


185 


hiesige Gegend auch weitere Kreise interessiren dürfte. Es sind fol- 
gende: Chrysanthemum foliosum Willkomm pro var. Chr. Leucan- 
themum in „Führer in das Reich der Pflanzen“ II. Aufl. pag. 385. 
Diese nach Willkomm bisher nur aus der preussischen Rheinpro- 
vinz bekannte Pflanze sammelte ich in nur wenigen, aber sehr typi- 
schen Exemplaren an Ackerrainen und Schutthaufen in der Nähe 
von Reichraming. — Seneecio lyratus Koch non Rehb. In Oberöster- 
reich sehr selten. Ich sammelte die Pflanze auf einer Waldwiese 
auf den „Brunnthalermauern“ bei Reichraming ebenfalls in geringer 
Anzahl, hoffe aber, heuer eine grössere Anzahl zu erlangen. — Ra- 
nunculus anemomoides Zahlbr. Gemein auf begrasten, oft kaum zu- 
gänglichen Felswänden längs des „Grossen Weissenbaches“ bei Reich- 
raming, an dessen sehr selten betretenen Ufern Gentiana Clusii 
Perr. et Song., Daphne Oneorum, Dryas und andere alpine Ge- 
wächse in grosser Menge blühen. An Potentilla-Arten ist die hiesige 
Gegend sehr arm. Laut gütiger Revision durch Herrn Prof. Alb. 
Zimmeter wachsen hier folgende: Potentilla erecta (L.), P. stric- 
tissima Zimmet. Diese ziemlich häufig im Walde bei Weissenbach. 
Pot. reptans L., P. mierophylla Tratt., P. glandulifera KraSan. In 
hiesiger Gegend das zuerst blühende und gemeinste Fingerkraut. 
P. opaca L. scheint bis in die Gebirgsthäler nicht zu dringen und 
von der P. glandulifera vertreten zu werden. P. longifolia Borb., 
P. turicinensis Siegfr. An der Strasse von Reichraming nach Losen- 
stein in nur wenigen Stöcken. P. caulescens L. Allenthalben auf 
Felsen, selbst in einigen Stöcken neben der Messingfabrik. P. ste- 
rilis (L.). An Waldrändern sehr zerstreut. Erwähnen möchte ich 
noch, dass ich im August v. J. auf dem „Hochschwab“* in Ober- 
steiermark die Potentilla strieticaulis Gremli gefunden habe. 
Hans Steininger. 


Brünn, am 6. April 41887. 


Am 3. April d. J. fand ich am Hädyberg-Abhange in der 
Richtung gegen Obran zwei Exemplare abnorm entwickelter Schnee- 
glöckchen (Galanthus nivalis L.). Die erste Pflanze trug vier äussere, 
drei innere Perigonblätter und sieben Staubgefässe; die zweite nur 
zwei. äussere, zwei innere und vier! Staubgefässe. Diess als An- 
schluss an einen früheren Artikel „Ueber die Bildungsabweichungen 
am Schneeglöckchen“ der Zeitschr. 1885 pag. 345, als ein weiterer 
Beweis von der grossen Veränderlichkeit dieser Frühlingspflanze. 

Dr.- Formänek. 


Budapest, am 12. April 1887, 


Freund Btocki scheint zweierlei Rosa leopoliensis zu besitzen. 

Eine davon, ohne subfoliare Drüsen, vertheilt er unter die Rhodo- 

logen, eine andere aber behält er in Reserve. Da er seine Novitäten 

häufig nur als blosse Namen publicirt, so ist es ihm leicht, wenn 

die Novität seiner Exemplare bezweifelt» und zu einer älteren Art 
Oesterr. botan. Zeitschrift, 5. Heft 1887, 15 


186 


gezogen wird, die Reserveexemplare als wahre R. leopoliensis mit 
subfoliaren Drüsen zu vertheidigen. Ich muss aber meinen Freund 
Btocki fragen, warum sendet er mir und Herrn Braun, die wir 
uns etwas näher für die Rhodologie interessiren, die R. frutetorum 
Bess. ohne subfoliare Drüsen als Z. leopoliensis? — Wir müssen 
doch ein aus der Hand eines lebenden Botanikers rührendes Exem- 
plar, welches noch unbeschrieben ist, als wahr betrachten. Im Gegen- 
theile kann Niemand dieses Verfahren BYocki’s billigen, sowie auch 
das, dass er in Oest. Bot. Zeitschr. 1883 p. 273—74, also fast auf 
derselben Seite eines Heftes ein Hieracium zwei Herren dedicirt. 
Wohin kommen wir so in der Systematik? — Rosa brachypoda 
Desegl. et Rip. brachte L. Richter von Mäd mit. An einem Exem- 
plare war der untere Drittheil der Hagebutte mit einander ver- 
wachsen, während die oberen und grösseren Theile, also auch die 
Blüthen, ganz frei waren. An der Verwachsungsstelle bindet ein 
dünnes Gewebe die Zwillinge zusammen. Solche und verschiedene 
Verwachsungen sind an den Rosenfrüchten nicht nr - 
v. Borbäs. 


— in 


Personalnotizen. 


— (. Jetter hat eine mehrwöchentliche Excursion nach Dal- 
matien unternommen. 

— Dr. J. J. Kichx, Professor der Botanik und Director des 
botanischen Gartens an der Universität in Gent, ist am 27. März, 
45 Jahre alt, gestorben. 

— Dr.D.F. Didrichsen, Professor der Botanik an der Uni- 
versität Kopenhagen, ist am 19. März, 73 Jahre alt, gestorben. 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— Die am 6. April stattgefundene 36. Jahres-Versammlung 
der k. k. zoolog.-botanischen Gesellschaft in Wien erhielt 
einen besonders festlichen Charakter. Es handelte sich nämlich zu- 
gleich um zwei in diese Epoche fallende fünfundzwanzigjährige Jubi- 
läen, nämlich jenes des Protectorates: Sr. kaiserl. Hoheit des Herrn 
Erzherzogs Rainer und das der Präsidentschaft: Sr. Durchlaucht 
Fürsten Josef Colloredo-Mannsfeld, zu feiern. Zu diesem Zwecke 
hielt der Vice-Präsident, Herr Hofrath Brunner von Wattenwyl 
eine des Anlasses würdige Festrede, in welcher der Verdienste der 
hohen Jubilare um das Gedeihen der Gesellschaft in warmen Dankes- 
worten gedacht wurde. Hieran knüpfte der genannte Vorsitzende 
eine Rückschau auf das erfreuliche Wirken beider Zweige des Ver- 


187 


eines im abgelaufenen Vierteljahrhundert, und überging schliesslich 
zur Kundgebung seiner Anschauungen über die am meisten frucht- 
bringende Methode um die Ergebnisse fernerer Forschungen zur 
Geltung zu bringen, und zwar durch Bearbeitung von Special-Mono- 
graphien. Von hohem Interesse war sodann des Hofrath Prof. Ritter 
v. Kerner längerer Vortrag, betreffend das Phänomen der Explo- 
sion der Antheren bei dielirischen Pflanzen behufs Uebertragung 
des Pollen auf die Narben durch Luftströmungen, sowie überhaupt 
die Vorgänge, die bei diesem Acte beobachtet wurden. Der Vortra- 
gende führte zu seinen Ausführungen entsprechende Belege, nament- 
lich aus dem Leben der Urticaceen (Browssonetia und Pilea) an, 
und schloss mit der Aufzählung und zugleich eingehenden Erklärung 
der Haupttypen, nach denen die Mechanismen, — welche die Natur 
den Pflanzen zur Uebertragung des Blüthenstaubes und andererseits 
zum Schutze des letzteren gegen ungünstige Einflüsse der Atmosphä- 
rilien gegeben —, sich gruppiren lassen. Als Repräsentanten dieser 
Typen wurden bezeichnet: die Grasblüthe, die Coniferen, Cupuliferen; 
Potamogeton-Arten; Schizanthus; einige Papilionaceen (Sarothamnus 
und Spartium) und COrueianella stylosa. Moritz Prihoda. 


— Die I. Internationale Gartenbau-Ausstellung in 
Dresden, bei welcher zahlreiche Preise zur Vertheilung gelangen, 
wird am 7. Mai feierlich eröffnet und dauert bis zum 15. d.M. Am 
9. und 10. Mai finden Versammlungen des Vereins deutscher Rosen- 
freunde statt, und am 12. Mai halten die Coniferen-Züchter und 
Kenner eine Sitzung behufs Feststellung einer einheitlichen Benen- 
nung der Nadelhölzer ab. 


Botanischer Tauschverein in Wien. 


Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Aust mit Pflanzen aus 
Niederösterreich und Salzburg. — Von Herrn Pastor mit Pflanzen 
aus Böhmen. 


Sendungen sind abgegangen an Fräulein Boresch und die 
Herren: Stelzer, Frank, Keller, Ullepitsch. 


Vorräthig: (B.) = Böhmen, (Bd.) = Baden, (Br.) = Berlin, 
ar — Frankreich, a — Harz, (I.) = Istrien, (Kt.) = Kämten, 
M.) = Mähren, (NOe.) = Niederösterreich, (O0e.) —= Oberöster- 
reich, (P.) = Polen, (S.) = Salzburg, (Sl.) = Schlesien, (St.) = 
Steiermark, (T.) — Tirol, (Th.) = Thüringen, (U.) = Ungarn, (W.) 
= Westfalen. 

Laserpitium prutenieum (P.), Lathyrus Aphaca (l., St.), mon- 
tanus (B.), mont. var. tenuifolius (Br.), Nissolia (Bd.), palustris (U., 
Hessen), pratensis (OOe., St.), silvestris (U., Holstein), tuberosus (F., 
W.), atera thuringiaca (NOe., U.), Ledum palustre Br, 2); 


188 


Leersia orizoides (Mecklenburg), Lemna arrhiza (Br.), gibba (Br., 
W.), minor (U.), polyrrhiza (U., W.), trisulea (Br., Sl., U.), Leon- 
todon hastilis (Sl.), incanus (NOe., OOe.), Lepidium campestre (Br.), 
Draba (H., NOe.), ruderale (M., T.), sativum (S1.), Smithü (F.), 
Lepigonum marinum (W.), Leueojum vernum (M., NOe.), Libanotis 
montana (NOe., P.), Lilium bulbiferum (O0e.), Jankae (Siebenbür- 
gen), Martagon m... Limosella aquatica (O0e., S1.), Linaria al- 
pina (Kt., 00e., ‚ T.), Oymbalaria (S1.), Elatine (Sl, U., W.), 
minor (OOe., S1.), Fe ia (OOe., Sl.), stenotricha (F.), vulgaris (008, 

U.), Linnaea borealis (Br., H.). Linum catharticum (M., NOe., U.), 
flavum (NOe., St., U.), gallicum (I.), glabrescens (U.), humile (NOe.), 
tenuifolium (Kt., NOe., OOe., U.), Tommasinii (I.), viscosum (O0e., 

St.), Listera cordata (008,, T.), Lithospermum oficinale (Br.), pur- 
pureo-coeruleum (Th., U.), Litorella lacustris (W.), Lolium arvense 
{P.), italicum (O0e.), linicolum 2 ), speciosum (U.), temulentum (P., 

U.), Lonicera alpigena (NOe., O0e.), nigra (B., U.), ‚Periclymenum 
(Br.), Lotus cornieulatus (NOe,, "u tenuifolius (U.), Lumaria redi- 
viva (Kt., NOe.), Zuzula albida (NOe., OOe., U.), flavescens ($8.), 
Forsteri (I., Rheinprov.), maxima (Bd., T.), multiflora (B., SL., P.), 
pilosa (OVe., U.), Lychnis Viscaria (St., Bayern), Lycopus ewaltatus 
(U.), Lysimachia Linum stellatum (1.), nemorum (Br., Th.), Num- 
mularia (U.), punctata (OOe., Th., U.), thyrsiflora (M., NOe., S.), 
vulgaris (O0e., U.), Lythrum bibr "acteatum (U.), Salicaria (NOe., 

U.), virgatum (NOe., U.), Majanthemum bifolium (NOe., P., U.), 
Malachium aquaticum (S1.), Malawis paludosa (Br.), Malva Alcea 
(M., Sl.), moschata (Bd.), silvestris (P.), Marrubium peregrinum 
(U.). 


Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 


Inserat. 


Die fünfte durchgesehene und ergänzte Auflage des 


Botanischen Excursionsbuches 
für die dentsch-Österreichischen Länder und das angrenzende Gebiet 


von 


Dr. W. Lorinser, k. k. Sanitätsrath und Direstor des k. k, Kinn dee 
Wieden in Wien. 


Umfang 36 Bogen Klein-Octav, geh. Preis 3 fl. in Leinwandband 3 fl. 60 kr. 
ist in allen Buchhandlungen zu haben. 
Ze Verlag von Carl Gerold’s Sohn in Wien. ag 


Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von C. Gerold’s Sohn. 
€. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. Lee 


Oesterreichische 


Botanische Zeitschrift, 


Die österreichische Exemplare 
botanische Zeitschrift Org an die frei durch die Post be- 
erscheint zogen werden sollen, sind 
den Ersten jeden Monats. £ blos bei der Redaction 
Man pränumerirtauf selbe Ur (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1) 
mit 8 N, öst. W. zu pränumeriren. 


(16 R. Mark) Botanik und Botaniker. Im Wege des 


ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt 
4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Pränumeration 
halbjährig. Ba C. Gerold’s Sohn 
Inserate in Wien, 
die ganze Petitzeile N: 63 sowie alle übrigen 
15 kr. öst. W. > o Buchhandlungen. 
N — 
XXXVII. Jahrgang. WIEN. Juni 1887. 
INHALT. Galium polonicum. Von Blocki. — Symbiose. Von Tomaschek. — Utrieularia brewi- 
cornis. Von Dr. Celakovsky. — Quercus Csatöi. Von Dr. Borbäs, — Hieracien. Von Schnei- 
der. — Rubus-Formen. Von Dr Formänek.— Flächendrüsigkeit. Von Keller. — Flora des 
Etna. Von Strobl. -—- Literaturberichte. — Correspondenz. Von Burgerstein, Schilberszky, 
Blocki, Formänek, Woloszezak. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, Unterneh- 
mungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserat. 


Galium polonicum n. sp. 
Von Br. Blocki. 


Diagnose: Wurzelstock kriechende Ausläufer treibend. Stengel 
an der Basis geknickt, sonst ziemlich steif aufrecht, 0'6 bis 1 M. 
hoch, deutlich (besonders oberseits) vierkantig, glänzend. Blätter quirlig, 
zu 8 in jedem (Quirl, lanzettlich bis lineallanzettlich, in der Mitte 
oder im oberen Drittel am breitesten (2—3 mm. breit) und von da 
gleichmässig und allmälig in eine Spitze vorgezogen, 03 M. lang, 
beiderseits glänzend, oberseits dunkel-, unterseits blassgrün, an 
den Rändern mit kleinen, vorwärts gerichteten Zäckchen besetzt. Die 
Inflorescenz sehr reichblüthig, im Umrisse eilänglich nach oben 
zu allmälig verschmälert, deren Aeste unter einem Winkel von 50 
bis 45° aufrecht abstehend. Die Blüthenstiele zweiter Ordnung (eigent- 
liche Blüthenstiele) 4—5 mm. lang, dünn (jedoch nicht haardünn 
wie bei @. capillipes Rehbeh. oder bei @. pseudoaristatum Schur), 
während und nach der Anthese unter dem Winkel 45° aufrecht 
abstehend. Die Krone flach ausgebreitet, 2 mm. im Durchmesser, 
die Zipfel derselben eiförmig zugespitzt. Reife Früchte 1'/, mm. im 
Durchmesser messend, schwarzbraun, an der Fläche schwach gerun- 
zelt. (Synon.: G. aristatum auct. galie., non L., &. asperuliflorum 
mihi olim, non Borbäs.) 


Standort: Lichte Gebüsche in Ostgalizien an zahlreichen Orten, 


auf Kalkboden. Bisher habe ich diese Art an folgenden Orten beob- 


achtet: Jaryna bei Janöw (der westlichste Standort), Dubienko bei 
Monasterzyska, Okno und Kaczandwka bei Grzymalöw, endlich Bileze 
16 


Oesterr. botan. Zeitschrift. 6. Heft. 1897. > 


190 


und Cygany in Südostgalizien; an allen genannten Standorten ziem- 
lich «zahlreich. 

Bemerkungen: Von den systematisch nächst verwandten 
Arten unterscheidet sich @. polonieum m. folgendermassen: Von 
@. mollugo L. durch längere und allmälig zugespitzte, aufrecht 
oder fast wagrecht abstehende Blätter, steif aufrechten Stengel, 
durch unter einem spitzen Winkel abstehende Aeste der Inflorescenz 
und endlich durch dünnere, stets aufrecht abstehende Blüthen- 
stielchen. Von @. aristatum L. durch höheren Wuchs, längere In- 
ternodien, relativ kürzere, glänzende Blätter, viel reichlicheren 
Blüthenstand und etwas dickere Blüthenstielchen. Von @. Schultesii 
Vest. durch relativ schmälere und glänzende (niemals bereifte) 
Blätter. Von @. pseudoaristatum Schur (@. asperuliflorum Borb.) 
durch breitere, glänzende Blätter, viel reichlicheren Blüthenstand, 
sowie durch kürzere und dickere Blüthenstielchen. Von @. erectum 
auct. austr. endlich durch höheren Wuchs, längere und anders ge- 
staltete Blätter, viel breitere Inflorescenz und dünnere Blüthen- 
stielchen. Hier sei noch bemerkt, dass ich in Bilcze eine f. pilosa 
des @. polonicum m. mit behaarten Stengeln und Blättern in einigen 
wenigen Exemplaren unter der Grundform beobachtet habe. 


In der Diagnose der Poa polonica m. ist zu berichtigen: 


6. Zeile von oben, statt: „3 Mm. lang“, soll es heissen: „3 Mm. breit“, 
42. Zeile von unten, statt: „auch hung.“, soll es heissen: „auct. hung.“. 


Ueber Symbiose von Bacterien (in Zoogloea-Form) mit 
der Alge Gloeocapsa pelydermatica Ktz. 
Vorläufige Mittheilung. 

Von Prof. Anton Tomaschek. 


Im Monate April fand ich in einem halb unterirdisch angeleg- 
ten Warmhause (Augarten) in einer Abtheilung desselben, welche 
hauptsächlich der Vermehrung gewidmet wird, die Wände stellen- 
weise mit einem schleimig-gelatinösen Ueberzug bekleidet; die Farbe 
desselben war schmutzig violett oder chocoladebraun, die Consistenz 
die des Kleisters und die Höhe der Schichte betrug stellenweise bis 
2 Mm. Ins Wasser gebracht, fiel die Masse endlich flockig aus- 
einander und senkte sich zu Boden. 

Die Bedingungen, unter welchen diese Bildung zu Stande kam, 
lassen sich aus der Beschaffenheit des Fundortes ableiten: feuchte 
ruhige Luft, hohe Temperatur, wechselnde geringe Beleuchtung för- 
derten die Entwickelung. Beachtenswerth ist es ferner, dass die 
Hauptplätze dieses Vorkommens sich besonders in der Nähe des 
Einganges befanden, was insbesondere mit dem Einströmen von fri- 
scher Luft in Zusammenhang gebracht werden muss. 


191 


Die mikroskopische Untersuchung erwies, dass die gelatinöse 
Grundmasse hauptsächlich aus einem Stäbchenbacterium besteht, 
welches ich am liebsten mit Bacillus Megatherium vergleichen möchte.') 
Jedes dieser meist etwas gekrümmten Stäbchen ist von einem im 
Umrisse ovalen glänzend durchsichtigen Hof umgeben. Die gelati- 
nöse Beschaffenheit der Gesammtmasse ist somit durch diese eigen- 
thümliche Hülle, welche die Breite der Stäbchen hat, bedingt, da 
die letztere sammt ihrem Hof sich in allen Richtungen eng aneinan- 
der schmiegen. Meist wird diese aus freiliegenden Stäbchenbaeterien 
gebildete Grundmasse von einem feinen Geflechte dünner Bacterien- 
fäden durchzogen, welche jedoch durch Einwirkung von Jodtinctur 
sich in kurze Gliedmassen zerlegen. 


In dieser bacteriösen Grundmasse sind nun überall grössere 
oder kleinere Inseln von Gloeocapsa polydermatica eingebettet, welche 
auch dann in Theilung begriffen zu sein scheinen, wenn stellenweise 
die Zellen ihre blaugraue Färbung in eine trübgelbgrüne verändert 
haben oder gänzlich farblos geworden sind.?) 


Nur an manchen Stellen, insbesondere am Grunde der gelati- 
nösen Bacterienmasse oder am Rande derselben häufen sich die 
Gloeocapsa-Colonien in solcher Menge an, dass sie die Bacterien 
grösstentheils verdrängen. In letzterem Falle behalten die Zellen 
der Gloeocapsa ihre ursprüngliche blaugrüne Färbung bei, während 
sie, wenn sie am Grunde auftreten oder zerstreut in kleineren Colo- 
nien der Zoogloeamasse einlagern, sich verfärben oder verblassen. 
Kleinere Colonien der Alge sind übrigens überall in der Zoogloea 
gleichmässig vertheilt und jede noch so kleine Partie der letzteren 
unter das Mikroskop gebracht, wird einzelne kleinere Algencolonien 
aufweisen. Es muss hier auch noch Erwähnung finden, «dass hie und 
da mitten aus der Zoogloeamasse einzelne Moospflänzchen frei her- 
vortreten und daher auch hie und da in der schleimigen Masse 
Moosprotonemata oder sogar Farren-Prothalien sich vorfinden. 


Diese Association der Zoogloea mit den Algen, welche an die 
Vereinigung der flechtenbildenden Pilze mit Algen, beziehungsweise 
an die Collemaceen erinnern, ist offenbar keine zufällige blosse 
Wohnungsgemeinschaft. Dieses Zusammenleben ist vielmehr hervor- 
gerufen durch das Sauerstoffbedürfniss des Baecteriums. Zu dieser 
Anschauung werde ich hingedrängt, wenn ich erwäge, was Engel- 
mann (Bot. Ztg. 1884, pag. 441) rücksichtlich des Verhältnisses 

ärobiontischer Bacterien erwiesen hat.°) 


") Vergl. Morphologie und Biologie der Pilze von A. De Bary, pag. 500. 
?) Es ist auch nach Frank bei Lecanora pallida und anderen Flech- 
ten bekannt, dass die flechtenbewohnenden Algen, ohne anscheinend dabei ab- 
zusterben, den Chlorophyligehalt grüsstentheils oder ganz verlieren, De Bary, 
N 431. Gloeocapsa kommt als Gonidie in der Flechte Synalissa symphorea 
vor. 
», Vergl. auch Pfeffer. Verh. d. deutschen bot. Gesellschaft I. J. G. 
531. R 


16* 


Pag- 


192 


Engelmann hat experimental die Annäherung gewisser Bac- 
terien, das Hinbewegen derselben gegen Sauerstoff im Lichte aus- 
scheidender Algen beobachtet. Der von mir oben geschilderte Befund 
zeigt nun, dass diese auf das Sauerstoffbedürfniss mancher Baecterien 
gegründete Beziehung derselben zu Algen auch in der Natur zum 
Ausdruck kommt, wenn sich Bacterien mit Algen associeren. Dass 
sich also sauerstoffbedürftige Bacterien gewissen Algen nähern und 
mit denselben in Gemeinschaft zu günstiger Entwickelung gelangen. 
Da anderseits die Alge nicht abstirbt, sondern im Bacterienlager 
weiter wächst, so ist hier ein ähnliches Verhältniss anzunehmen, wie 
es zwischen Algen und flechtenbildenden Pilzen besteht. Die Alge 
wird von der Bacterie nicht parasitisch überfallen, sondern es besteht 
vielmehr zwischen beiden Organismen ein Mutualismus, welcher die 
günstige Entwickelung beider Organismen gestattet. 

Da ich eine grössere Menge von diesem beachtungswerthen 
Gebilde theils getrocknet, theils in Alkohol aufbewahrte, bin ich 
gerne bereit, Forschern, welche weitere Untersuchungen vornehmen 
wollen, Proben davon auf Verlangen mitzutheilen. 


Brünn, im April 1887. 


—— 


Nochmals Utriewlaria brevicornis. 
Von L. Celakovsky. 


(Schluss.) 


Prof. Ascherson war so gütig, mir die Originalbeschreibung 
Brückner’s aus dem mir nicht zur Verfügung stehenden obeitirten 
Werke zu excerpiren, welche ziemlich kurz also lautet: 

„ Ütrieularia macroptera &. Brückn. Grabow im weissen Moor 
(Schm.) Ludwigshut bei der Kreuzbrücke? (Betcke). U. nectario 
obtuso, labio superiori integro, palato duplo longiori, foliis tripartito- 
dichotomis, laciniis lineari-capillaribus, aequilongis, verrucoso-sca- 
briuseulis, subampulliferis. Fl. dan. tab. 128 teste Deth. in litt. — 
Differt ab U. intermedia: floribus dimidio fere minoribus et necta- 
rio obtuso, — ab U. minore: labio superiore palato duplo vel triplo 
longiore et foliorum laciniis lineari-capillaribus subaequilongis nec 
en planis, pinnatifidis, pinnis alternis, brevibus, apice bifidis, 
acutıs.“ 

Wenn wir zunächst die Diagnose ohne Rücksicht auf das ohne- 
hin keine sichere Auskunft gebende Herbar des Autors ins Auge 
fassen, so erhalten wir den Eindruck, dass es sich um eine zunächst 
mit U, intermedia verwandte Art handelt, die von U. minor durch 
mehrere deutliche Merkmale getrennt wird. Unter diesen ist zu- 
nächst die den Gaumen um das doppelte oder dreifache übertreffende 
Oberlippe der Corolle (daher wohl auch der Name macroptera), die 
allerdings bei T. intermedia und ochroleuca vorkommt, während sie 


193 


bei U. minor constant nur so lang ist, als der Gaumen. Brückner 
hebt diesen Unterschied seiner macroptera noch besonders gegen die 
U. minor hervor. Ferner werden die Blattzipfel der U. macroptera 
als ziemlich gleichlang, linealfädlich, „warzig-rauh“ beschrieben, da 
sie doch bei U. minor am Rande glatt und wimperlos sind. Brück- 
ner fand noch einen Unterschied in den Blättern von der U. minor, 
deren Lacinien er lineal, fiederspaltig, die Fiedern abwechselnd, kurz, 
an der Spitze zweispaltig, spitzig nennt; wogegen er die Lacinien der 
dreitheilig-gabelspaltigen Blätter der macroptera als lineal-haarförmig, 
ziemlich gleichlang bezeichnet. 


Es ist unschwer zu verstehen, was Brückner damit gemeint 
hat. Die dichotome Verzweigung der Blätter nimmt nämlich, was 
ganz richtig ist, bei U. minor häufig einen mehr monopodialen Cha- 
rakter an, indem die Zweige ungleich werden, der kräftigere und 
längere, mehr verzweigte die frühere Richtung des Hauptabschnittes 
fortsetzt, so dass dieser wirklich oft mehr fiederspaltig und seine 
Seitenzweige an der Spitze zweispaltig aussehen. Bei U. intermedia 
und brewicornis erscheint die Blattverzweigung reiner gabelig, und 
so weist denn auch diese Angabe die U. macroptera zur U. inter- 
media hin. Ich will nicht sagen, dass dieser Unterschied immer deut- 
lich auftritt, aber doch manchmal, und diess genügt, um den Sinn 
der Brückner’schen Angabe zu verstehen. Freilich auf die linealen 
Abschnitte bei U. minor und die lineal-haarförmigen bei macroptera 
ist nichts zu geben; die Breite und Länge der Zipfel ist auch bei 
U. minor sehr veränderlich, und meist sind sie bei ihr schmäler als 
bei U. brevicornis oder gar intermedia. 


Die Angaben Brückner’s, eines Beobachters von seltenem 
Scharfblick und Gewissenhaftigkeit, wie ihn Ascherson nennt, über 
U, macroptera lassen sich entschieden nicht mit der U. minor ver- 
einigen. Ascherson, von der Hypothese ausgehend, dass die er- 
wähnte U. minor mit zum Theile schlauchlosen Blättern im Herbare 
Brückner's die fragliche U. macroptera sei, sucht zwar diese Dis- 
erepanz, namentlich in Betreff der Blüthen, aufzuklären, indem er 
sagt: „Wahrscheinlich suchte Brückner nun auch in der Blüthe 
Unterschiede von U. minor und glaubte dieselben, da er wohl U. 
minor von anderen Standorten nicht frisch zur Verfügung hatte, in 
dem Verhältniss der Oberlippe zum Gaumen zu finden, obwohl diese 
Theile durchaus nicht von der normalen U. minor abweichen.* — 
Aber eben darum ist die so versuchte Erklärung nicht überzeugend. 
Wenn auch Brückner die U. minor von anderen Standorten nicht 
frisch vor sich gehabt hätte, so konnte er doch aus jedem beschrei- 
benden Werke wissen, dass U. minor die Oberlippe mit dem Gau- 
men gleich lang (und die intermedia doppelt länger) besitzt. Diess 
hat schon Hayne 1800 hervorgehoben, und schon die älteren Flo- 
risten nahmen Notiz davon, z. B. Pohl im Tent. Fl. bohem. 1809, 
dann Koch ı« s. w. Die 2—3mal längere Oberlippe bleibt mithin 
bei der Identification der U, macroptera mit minor als Stein des 


194 


Anstosses bestehen; die muss zumal ein so gerühmter Beobachter 
gesehen und nicht nur zu sehen geglaubt haben. 

Der Ausdruck laciniis verrucoso-scabriusculis ist ferner zwar 
keiner besonders glücklichen Terminologie entlehnt, es kann damit 
aber offenbar nur die feine Bewimperung, bei der ihm die kurzen 
Zähnchen gleichwie Wärzchen erschienen, gemeint sein. Wenn 
Ascherson sagt, dass die Blattzipfel jener U. minor, in der er die 
U. macroptera vermuthete, keineswegs verrucoso-scabriuseula, son- 
dern so glatt als bei minor sind, nur hier und da durch anhängen- 
den Algenschmutz etwas höckerig, — so bezeugt er eben etwas 
seiner eigenen Hypothese Ungünstiges; denn es ist doch einem 
scharfblickenden Beobachter nicht zuzumuthen, dass er anhängenden 
Algenschmutz für integrirende Theile des Blattes, resp. Blattrandes 
gehalten hätte. 

Daraus, dass weder die Oberlippe, noch die Blätter bei der 
hypothetischen U. minor-macroptera so sind, wie sie Brückner für 
seine macroptera zum Unterschiede von minor angibt, muss im 
Gegentheil geschlossen werden, dass also jene U. minor nicht die 
Brückner’sche U. macroptera sein könne. Darum scheint mir, dass 
Ascherson die diagnostischen Angaben Brückner’s zu wenig 
berücksichtigt und den immerhin unsicheren Indicien des Herbar- 
befundes und dergl. zu sehr nachgesetzt hat. Er spricht nur von 
den zum Theile schlauchlosen Blättern der als macroptera suppo- 
nirten U. minor des Herbars, wobei er sich an das Merkmal foliis 
subampulliferis hält, welches Brückner nicht besonders betont hat, 
und welches einen anderen Sinn haben kann und wohl auch haben 
wird, als ihm Ascherson zuschrieb. Ich meine nämlich, es sollte 
damit gesagt sein, dass die vegetativen Blätter der U. maeroptera 
hie und da, doch nicht reichlich, Schläuche bilden, im Gegensatze 
nicht zur minor, sondern zur intermedia, deren vegetative Blätter 
ohne Schläuche sind. Diese Auffassung scheint mir die richtige zu 
sein, nachdem auch die anderen Merkmale Brückner’s (Öberlippe 
und Blattzipfel) nicht auf U. minor, sondern auf U. intermedia oder 
eine dieser nächstverwandte Art hinweisen, welche eben nur die für 
Mitteleuropa neu nachgewiesene U. ochroleuca sein kann. Für diese 
sprechen denn ausser den foliis subampulliferis (nach meiner Deu- 
tung) auch die beinahe doppelt kleineren Blüthen als bei UT. inter- 
media und wohl auch der „stumpfe“ Sporn, durch den sich die D. 
macroptera von der U. intermedia, welcher damit stillschweigend 
ein spitziger Sporn beigelegt wird, unterscheiden soll. Zwar ist mit 
der Phrase calcare obtuso die Länge uud Gestalt des Sporns der T. 
ochroleuca nicht deutlich bezeichnet, allein wir haben gesehen, dass 
auch Hartman den Sporn der U. ochroleuca stumpf nennt, ent- 
gegen dem „pfriemlichen* Sporn der U. intermedia. 

Detharding hat (nach Beteke’s Mittheilung an Ascherson) 
in seinem Conspectus die U. macroptera Brückner sogar nur als U. 
intermedia aufgeführt. Das erscheint begreiflich, wenn er die D. 
ochroleuca von Brückner erhalten hatte; wie hätte er aber eine U. 


195 


minor so falsch bestimmen können? „Später scheint er diese An- 
sicht indessen geändert zu haben, sagt Ascherson, indem er sie 
mit der Fig. auf Taf. 128 Fl. dan. (die nach Ascherson eine Ü. 
minor darstellt) identificirte.“ Auch diess würde nur dafür sprechen, 
dass es sich bei der U. macroptera um eine in ihren Merkmalen 
und im Habitus zwischen UT. intermedia und minor stehende Art 
handelt, als welche in der That die U. ochroleuca sich darstellt. 

Es ist zu bedauern, dass Brückner’s Herbar, trotz der wieder- 
holten Bemühungen Prof. Ascherson's, wie mir dieser schrieb, nicht 
mehr aufzutreiben ist, vielleicht würde es von dem neu eröffneten 
Gesichtspunkte aus neue Anhaltspunkte darbieten. Vielleicht befan- 
den sich unter der U. minor oder U. intermedia dieses Herbars Exem- 
plare oder Frasmente der U. brevicornis, welche Freund Ascherson 
vor 25 Jahren übersehen oder missdeutet hat. Es wäre möglich, dass 
die „U. intermedia“ des Brückner’schen Herbars, die mit dem von 
Ascherson für U. macroptera angesprochenen Exemplar der U. mi- 
nor in demselben Herbarbogen lag, eben die U. ochroleuca war 
(welche damals Ascherson in praxi von der U. intermedia noch 
nicht unterschied), und dass somit diese und nicht die dabeiliegende 
U. minor von Brückner unter seiner macroptera gemeint war. 

Freilich soll an dem von Brückner angezeigten Standorte, in 
dem weissen Moor bei Grabow, von Schreiber und von Betcke 
nur U. minor gefunden worden sein. Ist aber dieses negative Zeug- 
niss hier, wo es sich um eine so kritische, theils mit U. intermedia, 
theils, wie es scheint, auch mit U. minor verwechselte Art handelt, 
wirklich beweisend? Ich bezweifle es. Die U. brewicornis wächst 
nicht selten mit U. minor zusammen, anderwärts wieder mit U. 
intermedia (in der Lausitz nach Fiek’s Mittheilung auch mit beiden). 
Es wäre somit möglich, dass auch im Weissen Moor neben U. minor 
die U. ochroleuca vorkommt oder vorkam, vielleicht seltener als mi- 
nor, und daher vielleicht nur von dem „scharfsichtigen* Brückner, 
nicht aber von den anderen Genannten als besondere Form wahrge- 
nommen und unterschieden wurde. ') 

Jedenfalls wäre es wünschenswerth, dass die mecklenburgischen 
Botaniker dem Weissen Moore bei Grabow erneute Aufmerksamkeit 
- zuwenden möchten, ob sich dort nicht die U. ochroleuca constatiren 

liesse. Freilich müsste die Untersuchung des Moores eventuell mit 

besonderer Vorsicht und Ausdauer stattfinden, da es bekannt ist, 
dass die Utrieularien an manchen Standorten nur selten blühen. So 
2. B. habe ich die U. neglecta in einem durch 12 Jahre alljährlich 
besuchten Teichsumpfe bei Chudenitz nur in einem Jahre und zwar 
reichlich blühend angetroffen, in anderen öfter nicht einmal die ste- 
rilen Stengel auffinden können. Man dürfte sich also durch ein ein- 


’) Wenn Ascherson’s Vermuthung richtig ist, dass jene mehrmals er- 

wähnte I. minor des Brückner’schen Herbars aus dem Weissen Moor stammte, 

- #0 dürfte wohl die im selben Bogen mit ihr zusammenliegende „U. intermedia“ 
(vielleicht — ochroleuca) auch dort gesammelt sein. 


id 


L 


196 


maliges negatives Ercebniss eventuell nicht abschrecken und nicht 
gleich zu einem verneinenden Urtheile verleiten lassen. 


Das Resultat unserer Betrachtung ist somit: 

Utricularia macroptera &. Brückner aus dem Weissen Moor 
bei Grabow ist den vom Autor angegebenen unzweideutigen Merk- 
malen nach, also mit einer an Gewissheit grenzenden Wahrschein- 
lichkeit dieselbe Art, welche von Hartman U. ochroleuca und von 
mir U. brevicornis genannt wurde. Der Brückner’sche Name hat aber 
Dt dem ohnehin schlecht bezeichnenden Hartman’schen Namen die 

riorität. 
— 


Ueber Quercus Csatöi Borb. 


in „Magyar Növenytani Lapok“ (redigirt von Prof. Dr. Kanitz), X. 1886, 
p. 133 — 134. 


Von Dr. Vince. v. Borbas. 


Diese Eiche, welche ich ]. e. lateinisch beschrieb und als eine 
Qu. decipiens Bechst. (eventuell Qu. aurea Wierzb.) x Robur L. 
(Qu. pedunculata Ehrh.) deutete, ist der Qu. sessilifora Salisb. ähn- 
licher, a Qu. Robore pedunculis brevibus pubescentibus, petiolis magis 
elongatis, foliis subtus puberulis et squamarum forma, a Qu. sessili- 
‚fora petiolis brevioribus, forma foliorum, peduneulis brevibus diversa. 
In die Combination nahm ich Qu. deeipiens oder Qu. aurea statt 
Qu. sessiliflora deswegen auf, weil jene Varietäten der Qu. sessiliflora 
mit gelben oder gelblichen Blattnerven sind, die Qu. decipiens mit 
ziemlich langem Fruchtstiele, die Qu. aurea aber fructibus sessilibus. 

Die Blattnerven sind aber bei Qu. Csatoi, welche ich dem be- 
kannten unermüdlichen Forscher der siebenbürgischen Flora und Orni- 
thologie, J. v. Csatö, königl. Rath und Vicegespan in Nagy-Enyed, 
widmete, auch meistens gelblich oder weisslich; während sie bei Qu. 
sessiliflora und bei ihrer Varietät Welandii Heuff.!, welehe im Hay- 
nald’schen Prachtherbar vorhanden ist, röthlich oder bräunlich sind. 
Meine Qu. Ösatoi, aus den Nagy-Enyeder Walde, Bükkös, ist übri- 
gens mit der Qu. sessiliflora näher verwandt, so dass ich mit vollem 
Rechte diese Combination andeuten musste. 

Dass ich in Frage gestellt habe, ob die Qu. decipiens fructu 
pedunculato oder die Qu. aurea fr. sessili die eine der Eltern sei, 
hat darin seinen Grund, dass eine der beiden Eltern, (wenn wir sie 
für wirklich hybrid halten), jedenfalls die stielfrüchtige Qu. Robur 
L. a. (Qu. pedunculata Ehrh.) ist, also könnte den ungefähr 1 Cm. 
langen Fruchtstiel Qu. Csatoi auch von der letzteren Art geerbt 
haben, ohne der Einwirkung der Qu. aurea. Diese sowie auch Qu. 
deeipiens sind aber in Siebenbürgen ziemlich verbreitet. Also, eine 
der Eltern konnte auch die Qu. decipiens sein, aber in diesem Falle 
kann man schwerlich sagen, ob von dieser oder von Qu. Robur die 


197 


Fruchtstiele der Qu. COsatoi geerbt wurden. Jedenfalls kann man 
eine Qu. sessiliflora (inelus. Qu. aurea) X Robur ohne Fruchtstiele 
kaum denken. 

Meine innigste Ueberzeugung ist es, dass Qu. Ösatoi am näch- 
sten zwischen die hier angedeuteten Arten und Varietäten fällt, sei 
sie als ein Bastard oder eine Mittelform aufgefasst. 

Umsomehr hat mich die in „Erdeszeti Lapok* 1887, p. 37, 41 
veröffentlichte Meinung von Simonkai (Simkovies) überrascht, 
dass meine Qu. Csatoi eine der Qu. lanuginosa näher bleibende 
Qu. lanuginosa x Robur sei. Er beruft sich darauf, dass er die 
Exemplare von v. Csatö bekommen hat. Ich kann über diese 
fragliche „Qu. lanuginosa > Robur“ nichts sagen; aber es ist sicher, 
dass von Qu. Osatoi diejenigen Exemplare die wahren sind, welche 
in meinem Herbare liegen und welche ich beschrieb. Herr Simonkai 
hat also die Csatö’schen Exemplare entweder falsch aufgefasst, 
oder es liegt ihm nicht meine Combination vor, sondern verwech- 
selte Exemplare. Ich habe meine Qu. Csatoi wiederholt untersucht, 
und finde so grosse Aehnlichkeit zu der Qu. sessiliflora oder zu 
jenen Varietäten mit gelblichen Blattnerven, dass die Qu. decipiens 
oder Qu. aurea aus der hybriden Combination der Qu. Osatoi über- 
haupt nicht ausgeschlossen ist; ja sogar, wenn wir auch die nähere 
Verwandtschaft dieser Combination andeuten wollen, so müssen wir 
Qu. Osatöi als eine Qu. super-decipiens oder Qu. super-aurea X 
Robur bezeichnen! 

Ich wollte hier diese Varietäten darum nicht vernachlässigen, 
weil sie, obwohl von Qu. sessiliflora nicht bedeutend verschieden, 
doch eine grössere Area geographica haben. Sie müssen auch in 
Deutschland vorkommen, denn Rolle ') will die Qu. sessiliflora von 
Qu. Robur durch die jungen gelblich-grünen Blätter unterscheiden, 
welche also eher auf die Qu. decipiens, die zuerst aus Thüringen ?) 
beschrieben wurde, oder auf die ungarische Qu. aurea hinweisen. 

Dass meine Qu. Osatoi eine „Qu. lanuginosa x Robur“ sei, 
trotzdem dass sie der Qu. laguninosa überhaupt unähnlich ist, könnte 
man wohl oberflächlich nach der Behaarung der Fruchtstiele und der 
Blätter der Qu. Csatoi denken, aber diese können wir auch von Qu. 
sessiliflora erklären. 

An den Mittelformen der Qu. lanuginosa Lam. (Qu. pubescens 
W.)>< Robur, wovon ich eine ganze Reihe besitze, sehe ich, dass 
die Nerven länger behaart sind (nervis magis lanuginosis) als das 
Parenchym der Blätter. Die Pubescenz der Unterfläche der Blätter 
der Qu. Üsatdi ist aber überall gleich kurz, wie jene der typi- 
schen Qu. sessiliflora. 

Die (u. Czatdi konnte also die gleichförmige subfoliare Pubescenz 
auch von Qu. sessiliflora (oder Qu. decipiens oder Qu. aurea) geerbt 

*») Verhandl. des botan. Vereines für Brandenb. 1877, p. 162, (Sitzungber.) 

®; Vergl. meine Abhandl. über die Bechstein’schen Eichen in „Deutsche 
Botan. Monatsschrift*, redig. von Leimbach. 1886, p. 116. 


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haben. Man schreibt zwar gewöhnlich, dass die Blätter der Qu. sessi- 
liflora kahl sind, aber Irmisch ') hat schon richtig erklärt, dass diese 
Blätter nur scheinlich kahl sind. In der That wird die Unterfläche 
der Blätter durch kurze Sternhaare bedeckt, doch sind diese so 
klein, dass sie mit freiem Auge kaum oder gar nicht sichtbar sind. 

In dieser richtigen Erklärung Irmisch’ kann ich nach Unter- 
suchung von zahlreichen Qu. sessiliflora und Qu. lanuginosa hinzu- 
fügen, dass diese kurzen Sternhaare viel beständiger sind, als die 
Lanugo der Qu. lanuginosa Lam. Fl. Franc. II., p. 209, 1778. (Qu. 
pubescens W. 1805.) — Sie fehlt nach meinen bisherigen Unter- 
suchungen nie, weshalb ich die Gruppe der Qu. sessiliflora mit einem 
Worte Asterobalanos nenne. Im Gegentheile wie die Blätter in 
der Gruppe der Qu. lanuginosa verkahlen, verweise ich auf Qu. tri- 
dactyla m. (Qu. pubescens var. glabrata Heuff., nicht Guss.), Qu. 
dasyclados m. in Fl. Budapest pro var. Qu. Budensis, 1879, p. 70 = 
Qu. glabrescens Kern., non Benth.), sowie auf die Exsiccaten von 
Vukotinovits, v. B. auf die Qu. susedana Vuk. — Qu. pinnatifida 
Gm! — Ich habe aus der Umgebung von Triest auch ganz kahl- 
blätterige Qu. lanuginosa gesehen, wo nur die Glaucedo der Unter- 
fläche der Blätter beweist, dass sie nicht zu Asterobalanos gehört. 
Eine ganz kahlblätterige Qu. sessilöflora besitze ich aus Ungarn nicht! 

Ferner sind die Zweige der Hybriden der @u. lanuginvsa mehr 
minder behaart, oder auch ganz dicht filzig. Die Zweige der Qu. 
Csatoi sind ganz kahl. 

Auch könnte man vielleicht, dass Qu. Csatoi Borb. eine Qu. 
super-lanuginosa > Robur sei, daraus glauben, weil die Fruchtstiele 
mehr minder behaart sind. Aber trotzdem dass Kerner ?) sagt, dass 
die Stiehleiche ganz kahl ist, findet man an ungarischen Exemplaren 
dieser Art nicht sogar selten vereinzelte Haare (pilos vagos), ja in 
demselben Aufsatze, in welchem ich die Qu. Ösatoi beschrieb, be- 
nannte ich und v. Csat6 eine Form der Stieleiche als pubipes Borb. 
et Csatö, weil der Fruchtstiel spärlich behaart ist. Aber der 
Fruchtstiel ist auch im dem Formenkreise der Asterobalanos 
nicht selten behaart, wie bei Qu. sessiliflora var. Welandii Heufl.!, 
var. Szovitsi D. 0. ete., und so kann auch der Fruchtstiel der zu 
Asterobalanos gehörigen Qu. Csatoi ohne Zuthun der Qu. lanu- 
ginosa behaart sein. 

Nach meiner Ansicht muss man also aus der Combination der 
Qu. Osatdi die Qu. lanuginosa ohne Zweifel ausschliessen. — Bisher 
hat man Qu. Badensis Borb. 1879. (Qu. ambigua Kit. non alior.) 
für Qu. lanuginosa = Robur gehalten, dann habe ich voriges Jahr 
bei Monor eine Qu. sublanuginosa in „Amagy homok-pusztak növe- 
nyviläga* p. 55 ?) (non Schur, also Qu. semilanuginosa) notirt. — 
Qu. pedunculata var. pilosa! möchte ich nicht dafür halten. 


'‘) Botan. Ztg. 1847. p. 577 ete. 
®) Oest. „B. Z.* 1876, p. 189. 
®) Oest. „B. Z.“ 1886, p. 425. 


199 


Ich babe schon einmal in Magy. Növ. Lap. 1883 gesagt, dass 
wenn auch die abweichenden Ansichten von Simonkai öfters keine 
alleemeine Giltigkeit erreichen können, wie es bei /nula hybrida 
Baumg. geschah, so ist doch eine abweichende Meinung zur Controlle 
unserer Untersuchungen immerhin nützlich. 

Endlich bemerke ich, dass es sehr auffallend ist, dass Qu. 
pedunculata Ehrh. arbor. Nr. 77 für die Bezeichnung der Qu. Robur 
L. a., welche eine sichere Priorität über @u. pedunculata hat, so 
häufig anerkannt wird; während @u. sessilis Ehrh. 1. c. Nr. 87 ver- 
gessen wurde, obgleich sie in Exs. eher erscheint, als die Qu. ses- 
siliflora Salisb. 1796, in Prodr. stirp.... Chapel etec. 


nd a —— 


Mittheilungen über die Hieracien des Riesengebirges. 


Von Gustav Schneider, 
Bergverwalter in Schmiedeberg im Riesengebirge'). 


II. 


Im Januarheft dieser Zeitschrift pro 1886 p. 21-25, theilte 
ich Einiges über die Zleracia Aurella Sect. Alpina Fr. des Riesen- 
gebirges mit. Im Jahre 1886 habe ich die viele dienstfreie Zeit, 
welche mir in Folge Zurückgehens des hiesigen Bergbaues verblieb, 
auf eingehenderes Studium der westsudetischen Archieracia verwen- 
det. Die dabei gemachten Beobachtungen veranlassen mich, meine 
vorjährigen Mittheilungen mehrfach zu modifieiren und über eine 
Gruppe der Alpestria in Kürze zu berichten. 

Die in den vorjährigen Mittheilungen versprochene ausführliche 
Arbeit hatte ich, was die Archieracia betrifft, grösstentheils schon 
druckfertig, als ich mich auf Wunsch des österreichischen Riesen- 
gebirgsvereines bewogen fühlte, auch die Piloselloiden zu bearbeiten, 
also eine Monographie der westsudetischen Hieracien zu liefern. Der 

- oben genannte Verein unterstützt in nachahmenswerther Weise ausser 
den bei solchen Vereinen üblichen touristischen Zwecken auch wissen- 
- schaftliche Arbeiten, die sein Arbeitsfeld betreffen, in honettester Weise. 
- In seinem Vereinsorgan wird also genannte Monographie, wo mög- 
| lich von Abbildungen begleitet erscheinen.) Ich füge diessmal in 


*) Jetzt in Cannersdorf bei Hirschberg in Pr.-Schlesien. 

*) Eine gleiche Unterstützung ist mir in Betreff meiner in den vorjäh- 
Tigen Mittkeilungen erwälnten Tatraflora nicht geworden and bleibt dieselbe 
daher unedirt, obgleich sie für den reisenden Botaniker die bequemste Anlei- 
fung zur Aufsuchung der reichen Pflanzenschätze jenes herrlichen Gebirges 
enthält. Es sind in derselben nicht nur alle, in verschiedenen Zeitschriften 
zerstreuten botanischen Reiseberichte, sondern auch viele eigene und fremde 
Beobachtungen, die nicht publieirt wurden, zusammengetragen, das Unrichtige 
und Zweifelhafte kritisirt und berichtigt, worin mich mein nunmehr verstor- 
er ee R. v. Uechtritz, mit seinem reichen Wissen redlich unter- 

tzt hat, k 


200 


kurzgefasster Weise eine Charakteristik der von mir innerhalb der 
Alpinen unterschiedenen Gruppen, die ich um eine vermehren 
musste, bei. 


Hieracia Aurella Alpina Fr. der Wostsudeten. 


In die Systematik der alpinen Hieracien klare Ordnung zu 
bringen, ist unendlich schwierig, schon desshalb, weil es überaus 
schwer fällt, zu constatiren, welche Formen schon benannt sind, 
resp. welche Namen sie schon von anderen Beobachtern erhalten 
haben. So verbreitete Typen haben natürlich neben vielen localen 
Modifieationen auch mehr oder weniger gewissen Gebirgen gemeinsame 
Formen, deren Entstehungsweise nicht immer genau dieselbe zu sein 
braucht. Was davon in einem Gebirge gemein ist, kommt in ande- 
ren, viel ausgedehnteren selten vor; manches ist auch wohl sehr 
ähnlich, aber nicht identisch und hierin namentlich liegt ein schwer 
zu überwindendes Hinderniss. — Unter anderem habe ich erst kürz- 
lich viel ostsudetisches Material gesehen, diess brachte mir viele, 
mir noch unbekannte Formen zu Gesicht (namentlich aus der Gruppe 
H. decipiens Tausch und H. eximum Backh.), welche gleichsam 
Zwischenglieder zwischen bei uns ganz distincten Formen vorstellen. 
Ich beschränke mich daher im Nachstehenden der Hauptsache nach 
auf die westsudetischen Formen, welche ich in den letzten sechs 
Sommern fleissig studirt habe. 


1. Gruppe: Alpina subfoliosa mihi. 

Stengel aufrecht, selten aufsteigend, hin- und hergebogen, zu- 
weilen fast schaftartig, ungestreift, dicht und langzottig behaart, 
am Obertheile von eraulich- weissen "Sternhaaren (Flocken) dichtfilzig, 
mit eingemengten sehr feinen, nur bei starker Vergrösserung erkenn- 
baren Drüsenhaaren, nach unten drüsenlos, mit abnehmender, zuletzt 
fast verschwindender Flockenbekleidung; einköpfig (sehr selten — bei 
H. tubulosum Tsch. -— mebrköpfig, zuweilen mit monströsen Doppel- 
köpfen, die meist + ') zusammengewachsen sind), wenig- (1—3, 
sehr selten mehr-) blättrig, zuweilen blattlos. — Blätter dünnhäutig, 
grasgrün, dicht behaart, in Folge der dichten Behaarung in vivo 
grauschimmernd. Grundblätter zur Blüthezeit + zahlreich vorhan- 
den; die äusseren rundlich-spatelförmig mit breitgeflügeltem, kurzem 
(die Länge der Blattplatte kaum erreichendem) Blattstiel; innere 
spatelförmig oder länglich-lanzettlich mit breitgeflügeltem, langem 
Blattstiel, in diesen allmälie verschmälert, ganzrandig, gezähnelt, 
oder gezähnt, oft mucronat (d. h. mit aufgesetzten Spitzchen), stumpf 
oder zugespitzt; stengelständige, wenn vorhanden, lineal-lanzettlich, 
seltener den grundständigen ähnlich; das oberste immer, die darunter 
stehenden häufig oder auch sämmtliche bracteenförmig. — Kopfhüllen 
dicht und langzottig behaart, drüsenlos. Hüllschuppen breitlich bis 


') + = plus minus = mehr oder weniger, eine von Nägeli Peter 
eingeführte, für die vielgestaltigen Hieracien sehr praktische Bezeichnungs- 
weise. 


201 


breit, äussere abstehend, stumpf, häufig blattartig oder bracteen- 
förmig, innere etwas zugespitzt, + angedrückt, sämmtliche schwärz- 
liehgrün. Ligularsaum und Zähne mit langen feinen, weissen Seiden- 
haaren stark behaart. 

1. Hieracium alpinum Auct. plur. L. ex p. 

Die in meinen vorjährigen Mittheilungen unterschiedenen, durch 
die Gestalt der Köpfe charakterisirten Varietäten sind nach meinen 
weiteren Beobachtungen unverändert aufrecht zu erhalten. Sicher 
sind es keine Standortsvarietäten, da sie heerdenweise zusammen 
vorkommen; speeifisch sind sie aber auch nicht zu trennen und zwar 
der nicht all zu selten mit vorkommenden Uebergangsformen wegen. 
Ich fand im Jahre 1886 ein Individuum, dessen eine Rosette einen 
Genuinum-, die andere einen Melanocephalum-Kopf producirt hatte. 
Dagegen können die übrigen, als Varietäten genannten Formen als 
solche nicht aufrecht erhalten werden, sie müssen vielmehr als bei 
beiden obengenannten Varietäten vorkommende Parallelformen (mit 
Ausschluss der Form grande, welche nur bei Varietät 8. vorkommt) 
angesehen werden. Demzufolge unterscheide ich nunmehr: 

@. var. genuinum Wimm. ex p. — H. alpinum sensu Tau- 
schiano. 

Köpfe —+ kreiselföürmig (stets gegen die Basis verjüngt), Ligulae 
relativ gegen die Hüllschuppen lang, wenig zahlreich, aufgeblüht 
eine flache Scheibe darstellend. Blätter fast immer ganzrandig. Da- 
bei sind folgende Formen zu unterscheiden: 

1. normale, mit grauweisser, schwarzfüssiger Zottenbekleidung, hin- 
und hergebogenem Stengel und — wenn vorhanden — lanzettli- 
chem unterem Stengelblatt. 

2. albovillosum Froel. = H. holosericeum Backh. (als Species) mit 
weissseidiger, dunkelfüssiger Bekleidung, ebenfalls hin- und her- 
gebogenem Stengel und lanzettlichem Stengelblatt. 

3. nigrosetosum wihi; mit in die Bekleidung eingemengten zahlrei- 
chen, tiefschwarzen Borstenhaaren, meist schaftartigem, + steif 
aufrechtem Stengel, spatelförmigen, zuweilen mit einem oder meh- 
reren grossen Zähnen versehenen, in einen langen, geflügelten 
Stiel verschmälerten unteren Stengelblättern. (Gleichsam einen 
Uebergang zu var. spathulifolium mihi unter den foliosen Alpi- 
nen darstellend.) 

4. nivale Velenovsky ex p. Verkahlte Form mit hin- und hergebo- 
enem Stengel und fast nur auf kurze steife Borsten reducirter 
ekleidung. 

5. stylosum W. Gr. exp. Form mit verkümmerten Ligulis und da- 
her weit hervorragenden Griffeln. Aeusserst selten. Vergl. Be- 
merkung über die stylosen Formen weiter unten. 

ß. var. melanocephalum Tausch non Wimm. (cujus planta = 
decipiens Tausch.) 

Köpfe bauchig oder halbkugelig, zuweilen an der Basis durch 
die abstehenden Hüllschuppen fast wie gestutzt erscheinend. Ligulae 
relativ gegen die Hüllschuppen kürzer als bei var. «., bedeutend zahl- 


202 


reicher; von aussen nach innen an Länge etwas abnehmend, daher 
bei der geöffneten Blüthe einen flachen Trichter darstellend. Im 
Vergleiche zu var. «. ist die ganze Pflanze in der Regel robuster, 
die Köpfe sind grösser, die Blätter breiter, die Blattplatte gegen 
den Stiel + deutlicher abgesondert; Blätter zahlreicher, alle oder 
einzelne fast immer + gezälınelt oder gezähnt. Dabei folgende Formen: 

1. normale, mit grauweisser, schwarzfüssiger Zotten- und zahlreicher 
schwarzer Borstenbekleidung, hin- und hergebogenem, zuweilen 
schaftartigem Stengel; in letzterem Falle Uebergänge zur Form 
grande darstellend. 

2. sericeum mihi. Parallelform zu Nr. 2 bei var. «. (albovillosum 
Froel.) mit weissseidiger, dunkelfüssiger Bekleidung. 

3. aterrimum m. Parallelform zu Nr. 3 bei var. «. (nigrosetosum 
m.) mit derselben Bekleidung, ebensolchen Stengeln und Stengel- 
blättern, aber mit melanocephalum-Köpfen. 

4. setulosum m. — H. nivale Velen. p. parte majore. Parallelform 
zu Nr. 4 bei var. «. mit kurzborstiger Bekleidung. 

9. stylosum W. G. ex part. Sehr seltene Form mit verkümmerten 
Ligulis und weit hervorragenden Griffeln. Vergl. weiter unten. 

6. grande Wimm. (als var.) — Robusteste Form der var. melano- 
cephalum mit bis 30 Cm. hohem, schaftartigem oder hin- und 
hergebogenem, zuweilen etwas aufsteigendem, 2—4- (ausnahms- 
weise bis 7-) blätterigem Stengel, welcher ausser der normalen 
Zottenbekleidung, namentlich am Obertheile mit zahlreichen 
schwarzen, am Grunde stark verdickten Borstenhaaren besetzt 
ist. Köpfe sehr gross (bis 3 Cm. im Durchmesser), denen des 
H. calenduliflorum Backh. an Grösse kaum nachstehend (durch 
die Form der Hüllschuppen und Blätter aber leicht zu unter- 
scheiden). Grundblätter zahlreich, bis 15 Cm. lang, zungenförmig, 
länglich-lanzettlich oder spatelförmig, stumpf oder zugespitzt, 
gezähnelt oder gezähnt, zuweilen mit einzelnen sehr grossen 
Zähnen, seltener ganzrandig. Stengelblätter meist sämmtlich 
blattartig, nur das oberste, selten mehrere, bracteenförmig. Hier- 
bei als Unterformen : 

a. normale mit grauweissem Indument. 
ß. sericeum mit weissseidiger Bekleidung. 


Zwischen allen vorstehend genannten Formen des H. alpinum 
kommen Uebergangs- und Zwischenformen vor, deren Plaeirung oft 
recht schwierig wird, namentlich, wenn gleichzeitig ein Uebergang 
von var. «. zu ß. damit verbunden ist. 

Aus den Ostsudeten sah ich bisher ausser den normalen For- 
men der beiden Varietäten (diese auch aus der hohen Tatra) nur 
die weissseidigen. Schon Oborny in seiner Flora von Mähren und 
Öesterr. Schlesien p. 584 erwähnt, dass die Backhouse’sche Diagnose 
zu dessen JH. holosericeum nicht auf die grossköpfigen Exemplare 
der Ostsudeten mit bauchigen Hüllen passe. — Aus den Alpen sind 
mir nur die normalen Formen der var. genuinum bekannt. 


203 


Dass die forma grande lediglich gutgenährte Individuen des 
normalen melanocephalum Tausch vorstellt, konnte ich am 31. Juli 
1886 am Nordfusse des Brunnenberges auf der weissen Wiese beob- 
achten. Daselbst standen um die noch deutlich erkennbaren Excre- 
mente eines Rindviehes herum vier Individuen der normalen Form 
von var. melanocephalum Tausch; mitten aus den, allerdings schon 
fast verwesten Excrementen überragte aber ein stattliches Individuum 
der forma grande seine weniger gut genährten Geschwister. 

Die weissseidigen Formen scheinen, ebenso wie die zotten- 
losen, ihre Existenz äusseren Einflüssen zu verdanken.') Die ersteren 
fand ich an denselben Plätzen, wo ich sie einmal gefunden, nicht 
immer im nächsten Jahre wieder, und in 18386 am Oberrande des Aupa- 
kessels an einer mir wohlbekannten Stelle, von der ich seit 1882 
alljährlich normale alpinum geholt habe, lauter weissseidige Formen 
mit allen möglichen Uebergängen zum Typus. Ebenso unbeständig 
treten die verkahlten Formen (7. nivale Velen.) auf. Nur in beiden 
Schneegruben sind die weissseidigen Formen alljährlich + zahlreich 
und die verkahlten auf dem steinigen Plateau am Öberrande der 
grossen Schneegrube in der Regel, aber nicht alljährlich, z. B. nicht 
im Jahre 1884, zu finden gewesen. Auffällig ist ausserdem, dass 
auch H. tubulosum Tsch. zuweilen + weissseidiges Indument zeigt, 
und dass auf dem Standorte des HZ. nivale Velen. auch verkahlte 
Formen anderer Alpinen vorkommen. 


Die schwarzborstigen Formen nigrosetosum und aterrimum 
habe ich bisher nur an feuchten, quelligen, meist mit Moosen be- 
wachsenen Stellen, daselbst aber auch ähnlich bekleidete Individuen 
von H. tubulosum Tsch. beobachtet. 


Vorstehend erwähnte Beobachtungen decken sich mit den Re- 
sultaten der Culturversuche im botanischen Garten zu München 
(Nägeli und Peter, Monographie der Piloselloiden, p. 35), wo- 
nach Länge und Farbe des Induments bei den Hieracien zu den 
constanten Merkmalen nicht gehören und von äusseren Einflüssen ab- 
hängig sind. 

| Unaufgeklärt sind bis jetzt die Ursachen, welche die Stylosität 
bei den Hieracien bedingen; ich habe darüber weder irgend etwas 
 Aufklärendes erfahren, noch ist es mir selbst möglich gewesen, in 
dieser Beziehung aufklärende Beobachtungen zu mächen. So viel 
steht fest, dass die Stylosität der Blüthen mit abnormen Wachs- 
thumsverhältnissen der Hieracien zusammenhängt, denn Abweichun- 
gen im Indument und in der Blattsubstanz finden sich immer damit 
verbunden. Ich stehe meiner letztjährigen zahlreichen Sammlung von 
etwa 500 stylosen Individuen, von denen ich die grössere Hälfte, 
namentlich der serotinen, nicht mit Sicherheit zu deuten vermag, 
rathlos gegenüber. 


') Vergl. die vortrefflichen Beobachtungen des Herrn Prof. Dr. Krasan 
in dieser Zeitschrift Nr. 4, 2 und 3. 


_ 
% 


204 


2. Hier. tubulosum Tausch = H. alpinum hebetatum Wimm. 
ex p. gehört der in der Regel wenigblätterigen, dicht und langzottig 
behaarten Stengel, grasgrünen, starkbehaarten, grauschimmernden 
Blätter, sehr dicht- und langzottigen Kopfhüllen, ungleich gestalte- 
ten, oft hlattigen Hüllschuppen und starkbekleideten Ligulae wegen 
in die erste Gruppe und nicht zu den foliosen Alpinen, wo ich sie 
in der vorjährigen Beschreibung untergebracht hatte. 


Als Formen lassen sich unterscheiden: 


1. normale. 

2. villosissimum Sagorski in sched. 
3. subvillosum. 

4. stylosum W. Gr. p. parte minore. 


In der Cultur — im freien Lande — rollen sich die Ligulae 
sehr häufig auf, was in der freien Natur sehr selten vorkommt; 
bei meinen Topfculturen habe ich diese Erscheinung noch nicht be- 
obachtet. 

An dieser Stelle wollte ich noch erwähnen, dass ich unter dem 
mir von Herrn Fiek zu Studienzwecken freundlichst geliehenen ost- 
sudetischen Material ein ganz normales F. tubulosum Tausch vor- 
gefunden habe, welches derselbe Mitte August 1884 am Glatzer 
Schneeberge sammelte. Das Vorkommen dieser Species ist also auch 
für die Ostsudeten nachgewiesen und wird weiterer Beobachtung 
empfohlen. 

Von ausserhalb der Sudeten vorkommenden Hieracienspecies 
dürften zu den subfoliosen Alpinen noch HM. glanduliferum Hoppe - 
und H. piliferum ejd. zu rechnen und zwischen H. alpinum und 
tubulosum zu stellen sein. Hätte H. piliferum Hoppe nicht deutlich 
glauceseirende Blätter, so würde ich dasselbe für eine den Alpen 
eigenthümliche Modification des weissseidig behaarten H. alpinum 
halten. Die Kahlheit des Ligularsaumes erscheint mir ebensowenig 
für Aufstellung neuer Species massgebend zu sein, wie die Verkürzung 
des Induments bei dem Velenovsky'schen nivale. — Naegeli und 
Peter (die Hieracien Mitteleuropas, II. Band. Monographie der 
Archieracien, 2. Heft, 1886) haben beide genannten Hieracien, welche 
Fries zu den villosen Aurellen stellte, bei Bearbeitung der Villosina 
bereits ausgelassen, obgleich sie im Text genannt, also als besondere 
Formen anerkannt werden. 

(Fortsetzung folgt.; 


Mährische Rubusformen, 
Von Dr. Ed. Formänek. 


Im Anschlusse an einen früheren Artikel theile ich im Nach- 
folgenden einige neue Standorte mehrerer von dem rühmlichst be- 
kannten Batologen H. Sabransky gütigst determinirter und revi- 


205 


dirter Rubusformen mit, wofür ich ihm meinen Dank auszusprechen 
mich verpflichtet fühle. 

Rubus suberectus Anderson. Horka bei Cinzendorf, Holzschlag 
„u Sadnika“, Kolomaznä pec und Liliovä Hora bei Lultsch, Bradl- 
steine bei Deutsch-Liebau, Badegrund und Schlossgarten bei Gross- 
Ullersdorf (für Gross-Ullersdorf schon Oborny), Zöptau, Neudorf. 
Klein-Mohrau, Perschl und a. OÖ. bei Römerstadt, Irmsdorf. 

R. plicatus Weihe et Nees. Horka und Osträ. hora bei Cinzen- 
dorf, Kiriteiner Wald und Wald Podsousov bei Ruditz, Wald Rej- 
holec nächst Lomnitka, häufig bei Lultsch (Wald bei Klutenice 
Wald bei Kolomaznä pec, Wald hinter Mansko in einer f. umbrosa, 
Holzschlag „u Sadnika“ ete.), Deutsch-Liebau, Badegrund bei Gross- 
Ullersdorf, Philippsthal, Ludwigsthal bei Gross-Ullersdorf, Klein- 
Mohrau, Hochwald bei Janowitz, Perschl und a. O. bei Römerstadt 
Viehwald bei Bautsch (für Gr.-Ullersdorf schon Oborny). 

R. thyrsoideus Wimm. a. thyrsanthus Focke. Wald Rejholec 
nächst Lomnitka; b. candicans Whe. et Nees. Schluchten bei Billo- 
witz, Adamsthal, Wald Rejholee nächst Lomnitka, häufig bei Lultsch 
(Gemeindewald, beim Forsthause, Liliova hora etc.), Bradlsteine bei 
Deutsch-Liebau, Wald bei Blauda. 

R. villicaulis Köhler. Punkvathal bei Blansko, Voitsdorf. 

R. tomentosus Borkh. Schluchten bei Vomitz, Tischnowitz. 

R. corylifolius Sm. Wald bei Kohoutowitz, Kozi hora bei Ko- 
mein, Bott. 

R. caesius L. f. arvalis Rehb. Cacowitz, Hädyberz bei Obr: 
Gelber und Rother Berg bei Brünn. f. glandulosus nike, Ryonickı 
bei Karthaus. f. aguatilis Whe. et Nees. Wald bei Lautschitz, Po- 
hansko bei Lundenburg. f. armata Focke. Rother und Gelber "Berg 
bei Brünn. 

R. caesius < tomentosus. Schluchten bei Vomitz, Tischnowitz. 

Bevor ich zu R. oreogeton übergehe, führe ich an dieser Stelle 
eine wichtige Bemerkung über diese Art an, die mir Herr Heinr. 
Sabransky brieflich mitzutheilen die Gewogenheit hatte, Herr H. 
Sabransky schreibt wörtlich: 

„in Oborny’s Fl. v. Mähren und Oesterr. Schles. p. 974 wird 
bei R. fossicola Hol. einer Corylifolie mit kurzgestielten Aussen- 
blättchen gedacht, von welcher der Herr Verfasser nicht weiss, ob 

er sie zu MR. Ebneri Kern. oder zu dem jüngst von Formänek 
 neuentdeckten R. chlorophyllos Gremli ziehen solle. Da die letztere 
Bestimmung von mir (d.i. von Hrn. Sabransky) herrührt, möchte 
"ich kurz Folgendes bemerken. Die Herrn Oborny vorliegende Brom- 
- beere gehört sicherlich nicht zu meinem mährischen Ze. chlorophyllos 
da alle Exemplare des letzteren, die ich gesehen, vollkommen sitzende 
- Aussenblättchen besassen. Ich hatte die mährische Brombeere mit 
Exemplaren des R. chlorophyllos verglichen, welche Focke in seinem 
Öslebshausener Garten aus Gremli’schen Samen gezogen hatte, und 
konnte nicht den geringsten Unterschied auffinden. Inzwischen aber 
hatte ich Gelegenheit, den von Focke aus Schlesien beschriebenen 
Oesterr. botan. Zeitschrift, 6, Heft 1887, j 17 
j 


206 


R. oreogeton genauer kennen zu lernen. Ich besitze Exemplare dieser 
typischen Art aus den verschiedensten Gegenden und finde, dass 
zwischen ihnen und dem schweizerischen Z. chlorophyllos Gremli nicht 
der geringste erhebliche Unterschied bestehe. 

Die charakteristische Inflorescenz, die langen, an Glandulosen er- 
innernden Stieldrüsen u. s. w. sind dem Schaffhausener Rubus ebenso 
eigen, als der böhmisch-mährischen Form. Nach meiner Ansicht ist also 
R. oreogeton Focke mit R. chlorophyllos Gremli synonym. Letzterer 
Name besitzt zwar die Priorität, doch ziehe ich es vor, mich der 
Focke’schen Benennung zu bedienen, da die Diagnose der Synopsis 
wohl mehr Licht auf diese weit verbreitete Art geworfen hat, als 
irgend eine andere. 

Da die chorographische Verbreitung des R. oreogeton Focke 
eine grössere ist, und der Formenkreis dieser Art ziemlich reich ge- 
gliedert erscheint, möchte ich in Folgendem eine Zusammenstellung 
der mir vorliegenden Typen geben. 

1. R. oreogeton Focke Syn.!, R. chlorophyllos Gremli, R. ne- 
morosus B., montanus Wimm. — Schössling meist ganz unbehaart, 
mit langen, geraden, rechtwinkelig-abstehenden Stacheln, massen- 
haften Borsten und sehr langen Drüsen dicht besetzt. Blätter gross, 
meist dünn, beiderseits grün und mässig behaart. Blüthenstielchen 
sehr lang- und reichdrüsig. In Mähren und Schlesien weit verbreitet 
(Günther, Wimmer, Schwarzer, Focke, Formänek ete.), in 
Böhmen (Opotno: leg. Freyn als R. nemorosus a) glaber Garcke), 
Nordostbayern (Waldmünchen: leg. Progel), Thüringen (Naumburg 
a. S. lee. Sagorski als R. chlorophyllos). 

2. R. myriacanthos Focke, R. diversifolius Lindl., Warren, 
Bab. non Tineo. — Schösslinge mit zahlreichen, robusten, am Grunde 
sehr verbreiterten Stacheln dicht besetzt, behaart, langdrüsig. Blätter 
und Inflorescenz ganz wie beim vorigen, letztere aber derber und 
dichter, Drüsen der Blüthenstielchen länger als der Durchmesser 
derselben. England, Norddeutschland. 

3. R. oreogeton Focke f. thuringiaca Sabr. (Duft) = R. Den- 
senüi Lge. var. thuringiaca Duft in G. Braun Herb. Rub. Germ. 
Nr. 115. — Vom Typus abweichend durch behaarte Schösslinge, 
grosse, dünne, herzeiförmige, uuterseits weichschimmernde Blättchen, 
kurze, zusammengezogene Inflorescenz und kurze, den Haarfilz des 
Stielehens nicht überragende Drüsen. Rudolstadt in Thüringen: leg. 
Duft. 

4. R. littoralis Borb. in sched.! — R. macrogymius Borb. in 
sched.! — Unterscheidet sich, soweit ich aus meinen sehr schlechten 
Exemplaren ersehen kann, von R. oreogeton F. bloss durch die gy- 
nodynamischen Blüthen und vielleicht die stielrunden Schösslinge. 
Croatisches Litorale: „inter Drenkova et Lopaca* (Borbäs). 

5. R. Fossicola Hol. Schösslinge ähnlich wie bei R. oreogeton, 
aber derber und dichter bewehrt, unbehaart, Blätter meist dreizählig, 
dieklich, lederig, unten graufilzig, die der Blüthenzweige unten meist 
graufilzig, sonst oben mässig striegelhaarig. Drüsen der Blüthenstiel- 


207 


chen kurz, das Haarkleid nicht überragend. Nordwestliches Ungarn 
(Holuby), Mähren (Oborny, Formänek, Spitzner). 

6. Holubyanus Sabr. in sched. Syn. R. mollis Hol.! nec Whe., 
nec Presl. — Schösslinge dicht behaart, wie AR. fossicola bestachelt. 
Blätter meist dreizählig, beiderseits gleichfärbig, oben sehr dicht 
weich striegelhaarig, unten dicht und schimmernd weich- 
haarig. Stieldrüsen den Haarfilz der Blüthenästchen nicht überragend. 
Nordwest-Ungarmn: Nemes-Podhrägy (Holuby). Eine unmittelbar an 
R. fossicola sich anschliessende durch diehte Behaarung aller Theile 
ausgezeichnete Form. 

7. R. Sendtneri Progel. VIII. Jahresber. des botan. Ver. zu 
Landshut. — Dem R. Fossicola ähnlich; Schössling deutlich be- 
haart, genau wie bei R. fossicola bewehrt, Blätter meist fünfzählig- 
fussförmig, lederig, dicklich, unten grün und schimmernd-weichhaarig, 
oben mässig striegelhaarig, das mittlere sehr lang zugespitzt. Drüsen 
schwarzroth, die der Blüthenstielchen sehr dicht, den Haarfilz über- 
ragend. Bayerischer Böhmerwald: Waldmünchen (Progel). 

8. R. Vrabelyianus A. Kern.! — Schössling oft starrend von 
zahlreichen, geraden, derberen Stacheln und Stachelhöckern, oder 
weniger bewehrt und behaart. Blätter unten graufilzig bis kreide- 
weiss, oberseits sternhaarig, die des Blüthenzweiges mit keilförmig 
verschmälerter Basis, oben meist sammtig-sternfilzig. Drüsen den 
Haarfilz der Blüthenstielchen überragend. Bekleidung und Gesammt- 
bild sehr an R. oreogeton gemahnend. Mittelungarmn: Mätra (Vra- 
belyi). Wegen des Sternfilzes höchst wahrscheinlich ein von R. to- 
mentosus abstammender Bastard (etwa oreogeton X Bloydianus?)*“. 

R. oreogeton Focke. Teufelsschlucht und Wald bei Kohouto- 
witz, Schluchten bei Billowitz, Adamsthal, Medlänko, Hora und 
Horka bei Cinzendorf, Planava bei Doubravnik, Neustadtl, Rother 
und Höfler-Berg bei Gross-Ullersdorf, Stollenhau und eine verwandte 
Form bei Kl.-Mohrau. 

. Bayerii Focke. Reigersdorf. 

. nigrescens Focke. Wald bei der Ruine Neuhaus. 

. serpens Whe. Brandwald bei Deutsch-Märzdorf. 

. Gremlii Focke. Forsthaus bei Lultsch. 

. Vestii Focke. Adamsthal, Horka, Liliova hora und Wald 
bei der Kolomaznä pec bei Lultsch. 


ee ne 20 SE 


SSISUON 


Ueber die Flächendrüsigkeit als systematisches Merk- 
mal und deren Anomalien bei einzelnen Rosenarten. 
Von J. B. Keller. 


Im strittigen Sachverhalte der Rosa leopoliensis BYocki (vide 
BE; 113 und 147 dieser Zeitschrift) wollte ich mir ein eigenes 
heil bilden und diess führte mich zu nachfolgenden Untersuchungen 
und Ergebnissen von allgemeinoem Interesse, 
17* 


208 


ÖObzwar ich mich genau erinnerte, bei der vorjährigen Unter- 
suchung meiner A. Weeberi et brunoniana an meinen Originalen der 
R.leopoliensis drüsige Blätter bemerkt zu haben, unterliess ich es ab- 
sichtlich, hierüber die Wahrheit sofort zu constatiren, um nicht als 
voreiliger Widersacher zu erscheinen. Gestern kam mir der betref- 
fende Fascikel gelegentlich wieder zur Hand und nun thue ich es, 
wie folgt. Der grosse 18blätterige sterile Trieb hat in der oberen 
Hälfte durchaus foliola subtus tota in lamina glandulis inspersa, an 
einem Blüthenzweige fand ich die sepala hine inde dorso glandulosa. 
Da mir aber bei weiterer flüchtiger Besichtigung die unteren Blätter 
des sterilen Triebes, sowie die sämmtlichen Blätter des Blüthen- 
zweiges unterseits keine Drüsen wiesen, war ich bereits der gegen- 
theiligen Ansicht der Herren Borbäs und Braun, alsich die Frucht- 
zweige, an welchen ich nach der Erfahrung um so weniger nach 
Drüsen suchen zu sollen glaubte, als ich die Stipula insgesammt 
subtus drüsenlos gefunden, besichtigte und mit freiem Auge in der 
dünneren Behaarung der Fruchtzweige die zerstreuten vielen dünnen, 
meist wenig abstehenden Drüsenhaare bemerkte. Mit vieler Mühe 
gelang mir, die Richtigkeit dieses Verhaltens der Flächendrüsigkeit 
an den nochmals zur Hand genommenen Blüthenzweigen an einem 
umgebogenen von dickeren Zweigen geschützt gebliebenen Blättchen 
ebenfalls zu constatiren, deren seegrüne Unterfläche sogar dicht mit 
diesen an gelblichen Stielchen hier mehr schwarze glänzende äusserst 
kleine Drüsen tragenden Härchen bedeckt ist, die wirkliche Drüsen 
und keinerlei Schimmelart sind! Es ist nicht unmöglich, sogar wahr- 
scheinlich, dass auch an der authentischen Pflanze der R. frutetorum 
Besser die obersten zarten Foliolen der jungen Triebe diese Art 
feindrüsiger Nervatur oder wenigstens drüsige Venen besitzen, wie 
diess bei vielen Rosen der Fall ist, die sonst drüsenlose Laubtheile 
bei dichter Behaarung besitzen. Von einer subfoliaren Drüsigkeit der 
übrigen Laubtheile des Strauches — die doch Besser ebenso wenig 
als Herın Btocki entgehen konnte — ist aber in der Original- 
Description der RR. frutetorum Besser keine Spur zu finden, und 
diess ist und bleibt auch für den Ausnahmsfall massgebend, wenn 
nun wieder von gegnerischer Seite nach dieser Andeutung erst die 
Besser’schen Originalien genauer untersucht und auch an einzelnen 
enter derselben subfoliare Drüsen entdeckt werden 
sollten. 

Dieses Verhalten ist aber noch mehrseitig von ganz besonderem 
und bedeutendem Interesse! Hier möge nur das Hierhergehörende 
erwähnt sein. Bei Untersuchung der Rosen ist nach meiner — ich 
kann sagen, bei „viel tausend“ Fällen erprobten — Erfahrung der 
Blick nach der unterseitigen Drüsigkeit der Stipulen meist auch für 
die fragliche gleiche Drüsigkeit der Foliolen massgebend. Ausnahmen 
sind freilich auch da, und sind als solche meist die Klippen, an 
welchen manches Voreilige scheitert.') —..Ein solcher Fall ist der 


terminal tabennigtdyem ps Aa sjıdiit susih bus veblıd lan 
“ *) Ja noch mehr! und diess. betreffend, ist,es meine Pflicht, auf.den wun- 


209 


vorliegende; Stipulen und Serratur drüsenlos, und dennoch sind die 
Foliolen theils reichlich bis schwach flächendrüsig, theils drüsenlos, 
welche feine Drüsigkeit zur Blüthezeit in der dichteren bis zottigen 
Behaarung nur verdeckt ist, später aber aus dem Grunde, da die 
sehr kleinen schwärzlichen Drüsenköpfchen bei dieser Rose von 
den Stielchen leicht abgestreift werden und die gelbgrünen Stielchen 
in der langen Behaarung unauffällig bleiben -—— übersehen wird! 
Von diesem sonderbaren Ausnahmsverhalten ‘der Stipulen vis-a-vis 
der Foliolen führe ich als Beispiel an: die R. coräüfolia var. Erl- 
bergensis Bn., die einer ärmlich behaarten .R. leopoliensis entsprechen 
müsste, dann aber die R. conjuncta Crep. und eine Gruppe schwie- 
riger Rosenformen der Subs. Scabratarum Crep., wo ich mein Bei- 
spiel (rücksichtlich der Drüsigkeit) an der jedem österreichischen 
Rosenfreund bereits aus den Kmet’schen Exsiecaten bekannten von 
Nemeti bis Bozök im Honther Comitate Oberungarns verbreiteten 
Form delitescens Kmet der nitidula Besser etc. illustrire. Ob auch 
unter den von Max Schulze in „Jenas wilden Rosen“ pag. 41 an- 
geführten zahlreichen Formen der corüfolia und frutetorum sich 
flächendrüsige, und zwar dieser Art befinden, wäre zu wissen sehr 
erwünscht, um nur annähernd beurtheilen zu können, ob unsere R. 
frutetorum f. leopoliensis eine vorwiegend für Podolien und Ost- 
galizien charakteristische Rose ist — oder nicht. Aus Mähren und 
dem böhmisch-sächsischen Erzgebirge liegt sie mir — so weit das 
grosse Materiale bisher sorgfältigst untersucht werden konnte — 
nicht vor, doch ist das Vorkommen derselben mit Rücksicht auf 
die dortigen von mir zuerst nachgewiesenen flächendrüsigen Formen 
sehr wahrscheinlich. 


Alles in Allem gebührt also Herrn Blocki die vollste 
Genugthuung! — insbesondere falls sich die obbesagte Eigen- 
schaft seiner f. leopoliensis (stipulae subtus serratura margine eglan- 
dulosa; foliola tamen subtus tota in lamina glandulis demumeva- 
nidis inspersa, utringue pubescentia subsimplieiterque serrata) auch 
fernerhin für constant erweisen sollte! 


Einen zweiten Fall anormaler Blättchendrüsigkeit bei der 
coriifolia beobachtete ich an der f. Hunskinensis albiflora Kell. und 
Wiesb. des böhmischen Erzgebirges, wo an den kurz nach der Blüthe 
(7. VII. 1884) gesammelten Zweigen nur spärliche (2—3) Drüsen 
an den Petiolen und gar keine oder nur staubfeine und äusserst 
leicht obliterirende Körnchen an den kaum sichtbaren kleinen Se- 
eundärzähnchen zu finden waren — während der Strauch an ein- 

zelnen (am 6. IX. 1884 gesammelten) zuverlässig demselben Stocke 
_ angehörenden Fruchtzweigen eine so dichte imponirende Drüsigkeit 


derbaren Einklang der Negation pag. 113, Zeile 20 von unten in dieser Zeit- 
schrift und der „Beschreibung“ eines Analogons in „Verhandl. der k. k. 
2001.-bot. Gesellschaft“ 1885, pag. 106 — mit der pag. 145, Zeile 5—8 von 
oben in dieser Zeitschrift abgedruckten Belehrung aufmerksam m ee 
eller. 


210 


an den diehtzottigen in jungen Trieben weissfilzigen bestachelten 
Petiolen und insbesondere um den ganzen Blattrand in der Serratur 
zeigte, dass man glauben musste: es liegen hier zwei verschiedene 
Rosen vor, eine corifolia, und eine drüsige Tomentella oder Abie- 
tina. Diese Art verspäteter theilweiser Drüsenbekleidung bei unver- 
änderter Dichte des übrigen Tomentums kann man wohl nichts 
anderem mehr als dem Einflusse plötzlicher Temperatur- und 
Insolationsvermehrung in der Zeit eines Regenmaximums (im August) 
auf den exponirten Theil des Strauches zuschreiben, demnach: als 
eine blosse vorübergehende Erscheinung (luxurianter Entwicklung) 
erklären, und wird die bereits fortgesetzte Beobachtung solcher For- 
men nicht bloss wegen der Beschaffung identischen Tauschvorrathes, 
sondern wegen der Erforschung der schon von Christ angedeuteten 
Verkettung der Gruppe: Abietinae Christ mit unseren böhmischen 
Coriifoliis Complicatis Chr. u. dgl. weit vortheilhafter für ein ratio- 
nelles, wenngleich langsameres Studium der systematischen Verwandt- 
schaft unserer Rosen werden, als ein voreiliges Neubenennen von 
Rosenformen. 

Ob der Flächendrüsigkeit als „unterscheidendes Merkmal“ die 
Rhodologen bereits den entsprechenden systematischen Werth bei- 
legen, finden wir in deren Schriften (vergl. Christ: „Allgemeine 
Ergebnisse* 1884 und Waldner: Rosentypen, p. 13—14) weniger als 
erwünscht auseinandergesetzt. Ich knüpfe aber, auch in diesem Falle, 
vorläufig nur an das, was bisher aus Culturversuchen bekannt ist, 
an, und constatire, dass sowohl die reichliche Flächendrüsigkeit der 
von mir in der Cultur beobachteten Ros« subolida Desegl., R. Malyi 
Kern. und R. bosniaca Kell. und Wiesb. ete., als nach Christ (l. e. 
par. 6, Zeile 32 von oben) die einzelnen Subfoliardrüsen der wilden 
Pflanze der R. Pouzini Tratt. var. Escurialensis von Escurial in der 
Cultur selbst in klimatisch verschiedenen Localitäten unverändert 
blieben! 

Sie gehört also zu den systematischen Merkmalen der Art und 
der Varietät, möge sie nur schwach (Pouzini) oder gar nur in 
Spuren (Jenensis und rubig. var. decipiens Sag., pag. 26) auftreten; 
demzufolge ist auch Blocki’'s Zeopoliensis an und für sich weder 
eine Standortsmodificaticn, noch das, was man „Specificirung des 
Individuums“ (Christ, ]. c. p. 2) etc. nennt, sondern eine vicari- 
rende Varietät zu jener Gruppe drüsiger Coriifolien, die in Mittel- 
europa (Schweiz, Thüringen, Böhmen etc.) in der f. cinerea Christ 
und Weeberi Keller und in zahlreichen anderen Formen (vide 
Schulz’ „Jenas Rosen“) vorkommen, und demzufolge im Formen- 
kreise der coriifolia und incana (gleich den drüsigen Tomentosen) 
zumindest als Varietäten aufzuzählen kommen. 

Diess und Aehnliches haben mich veranlasst, die Bedeutung der 
Flächendrüsigkeit ete. bei dem Genus Rosa seit jeher, in letzterer Zeit 
von eingehender Seite, zu würdigen und mich für die Annahme neue- 
rer massenhafter Aufsammlungen insolange abwehrend zu verhalten, 
bis die unendliche Mühewaltung der so zeitraubenden Bestimmung 


Be 


211 


mit den Vorräthen und den sonstigen beklemmenden Umständen in 
ein zusagenderes Verhältniss getreten sein wird. 
Wien, am 27. April 1887. 


— ii — 


Flora des Etna. 
Von Prof. P. Gabriel Strobl. 


(Fortsetzung.) 


Lotus cytisoides y. eytisoides = Lot. eyt. L. Presl Fl. sie., Guss, 
Syn. et *Herb.! Mit patens in fast allen Merkmalen identisch, kaum 
unterscheidbar durch die äusserst kurz-, angedrückt seidig-grau- 
haarigen, endlich kahl werdenden Blätter und Stengel; geht auch 
vielfach in ß. über. 

ö. coronillaefolius Guss. Syn. et Herb.!, var. microphyllus Presl?. 
Unterscheidet sich von y. durch kleinere (bis 4 Mm. lange, 2 Mm. 
breite), dickliche Blätter, schlankeren Wuchs und ein- bis zweiblü- 
thige Blüthenstiele; ich fand am Burgfelsen von Cefalü mit Herbar- 
exemplaren Gussone's vollkommen übereinstimmende Exemplare, 
ebendaselbst und um Finale aber auch Uebergangsformen zu y. mit 
zwar ebenso kleinen Blättchen, wie 6. besitzt, aber 3—5-blüthigen 
Blüthenstielen. — Auch pusillus Viv. Fl. Iyb. ist mit d. in Wuchs, 
Kleinheit der Blätter, ein- bis zweiblüthigen Stielen fast identisch, 
unterscheidet sich aber durch Annuellität, rauhere Behaarung, auf- 
rechte, an der Spitze etwas gekrümmte Hülsen. 

NB. An diese Reihe schliessen sich unter den Arten Siciliens 
zunächst an L. creticus L. Spec. plant. 1091, Presl Fl. sie., Guss. 
Syn. et Herb., Reichb. D. Fl. 134, IV, V! und commutatus Guss. 
Syn. et Herb.!, Tod. Fl. exsicc.!, cret. var. $. Bert. Fl. it. (aus Tra- 
pani), unterscheiden sich aber leicht durch dichte, silberweissseidige 
Behaarung und dicke, genau cylindiische, zwischen den Samen hie 
und da etwas eingeschnürte Hülsen; commut. ist in allen Theilen 
(Stengeln, Blättern, Blüthen und Hülsen) viel grösser und robuster, 
als cret., sonst aber demselben äusserst ähnlich. — An sandigen und 
felsigen Küsten, auf krautigen Hügeln und Bachrändern sehr ver- 
breitet. Var. «. auf Lavafelsen am Meere bei Catania, Ognina, Aci- 
eastello, besonders an letzteren Orten, äusserst gemein; eine grössere 
Form mit stärkeren Stengeln, stumpferen und ganz grünen Blättern 
= f. major Guss. Syn. liegt auch im Herb. Guss. aus Catania auf!; 
var. ß. patens am Bache Amenanus vor Misterbianco, an einem Gra- 
ben unterhalb Motta S. Anastasia vereinzelt, häufig längs des Si- 
meto!; var. y. cytisoides: Aus Catania von Cosent. erhalten (Bert. 
Fl. it.), um Catania, besonders an lehmigen Stellen bei Acquicedda 
(Herb. Torn., Tornab. in Herb. Guss.!), von mir und Reyer nur 
ausserhalb der Nordgrenze bei Taorınina beobachtet; var. ö., ebenso 
cret. und commut. wurden im Gebiete noch nicht beobachtet, doch 


dürfte eret., bei Messina und Syracus von mir gesammelt, vor- 
kommen. April—Juni. %. 

1356. L. pusillus Viv. Fl. Iyb., Guss. *Syn. et *Herb.!, eyti- 
soides y. uniflorus DC. Prodr. I, 211. Im Meersande bei Catania 
von Philippi gesammelt (Guss. 1. e.!). März, April. ©. 

1357. L. decumbens Poir. diet. DC. Prodr. II. 212, Guss. Syn. 
et *Herb.!, Bert. Fl. it. (Sie.), Tod. Fl. sie. exsiee. Nr. 243 (Pa- 
lermo!) Gr. Godr. I, 431. Habituell äusserst ähnlich einer hohen, 
üppigen Normalform des corniculatus L., ebenfalls perenn, vielsten- 
gelig und ziemlich kahl mit getrocknet grün werdenden Blüthen; 
auch in den Blättern kaum eine Differenz, nur sind die oberen Blätt- 
chen und Nebenblätter schmäler und spitzer; Blüthenstiele ebenfalls 
verlängert, 3—4blüthig mit dreizähligen Bracteen; aber die Kelch- 
zähne sind bei cornie. aus breit dreieckiger Basis lanzettlichlineal, 
an der Spitze stumpflich (mit Grannenhaar) und etwas kürzer als 
die Röhre; bei decumbens aber aus schmaler dreieckiger Basis lang 
lanzettlichlinear, an der Spitze deutlich verschmälert, etwas länger 
als der Kelch, die Bracteen oft vom Kelche entfernt, die Flügel an 
der Spitze abgerundet, am unteren Rande nicht gekrümmt (bei cor- 
nieulatus an der Spitze schief abgestutzt, am unteren Rande stark 
gekrümmt); die Hülsen gerade, endlich horizontal abstehend und 
schwarz, 3—3°5 Cm. lang, fast 3 Mm. dick, Samen kugeligeiförmig, 
15 Mm. lang, über 1 Mm. breit, dunkelbraun, glatt. Varüirt «. pu- 
bescens (schwach flaumig) und ß. glaber Guss. Syn. et *Herb.!, Preslii 
Ten. (ganz kahl). — Auf feuchten Fluren nahe dem Meere: Um 
Catania beide Varietäten (Cosent. in Herb. Guss.!, Herb. Reyer!). 
April, Mai. %. 

1358. L. tenuifolius (L.) Led. *Presl del prag., Rehb. D. Fl. 
130, III, IV!, W. Lge. III, 344, tenwis Kit. *Bert. Fl. it, Guss. 
*Syn. et *Herb.!, Gren. Godr. I, 432, decumbens Engl., non Poir., 
cornieulatus *Cat. Cosent., non L. Von vorigem verschieden durch 
gänzliche Kahlheit, schlanken Wuchs, viel schmälere, verkehrteiför- 
mig-keilige untere, linearlanzettliche obere Blätter, lanzettlichlineare, 
spitze Nebenblätter, meist nur 1—3blüthige, sehr verlängerte Blü- 
thenstiele, meistens ein-, selten zweiblätterige, linearlanzettliche 
Bracteen, aufrechtabstehende, schmälere Hülsen. Jedenfalls eine gute 
Art. — Auf feuchten Weiden nahe dem Meere: Bei Catania (Presl 
l. e., Cosentini in Bert. et Guss. 1. c.!), zwischen Catania und der 
Arena im Lavastrome am Rande einer Lache zwischen Halimus port. 
häufig! Mai, Juni. 2%. 

1359. L. versicolor Tin. 1846, Bert. Fl. it. „Auf sonnigen 
Bergorten: San Fratello, Fuss des Montesoro am Wege nach Ran- 
dazzo. Juni, Juli. 24“. Tineo 1. ce. Der Standort scheint mir für das 
Gebiet fraglich; ich sammelte diese Art häufig am Aspromonte in 
Calabrien. 

1360. L. hispidus Dsf. Guss. *Syn. et Herb.!, Rchb. D. Fl. 
132, II, IV! Sehr nahe verwandt mit parviflorus Desf. Guss. Syn. 
et Herb.! Tod. Fl. sic. exsicc. Nr. 244!; beide annuell, dicht ab- 


213 


stehend weichzottig mit beim Trocknen grün werdenden Blüthen; 
aber bei parvifl. sind die Bracteen meist einblätterig, schmal lan- 
zettlichlinear, die Kelchzähne bedeutend länger als die Röhre, und 
fast so lang, als die Krone; die Hülsen überragen den Kelch nicht. 
Bei hisp. sind die Bracteen dreizählig mit breitlanzettlichen Theilen, 
die Kelchzähne überragen die Kelchröhre wenig und erreichen die 
Spitze der Krone nicht, die bis 16 Mm. langen Hülsen überragen 
den Kelch weit; varürt «. genuinus (Blüthenstiele von 2—3facher 
Blattlänge, Nebenblätter stumpf; ß. intermedius Guss. (Blüthenstiele 
kaum über blattlang, Nebenblätter spitzlich; bildet den Uebergang 
zu angustissimus L.). Auf sandigen krautigen Fluren und Hügeln 
der Tiefregion Sieiliens sowohl parvifl., als auch hisp. nicht selten; 
im Gebiete wurde bisher nur hisp. gefunden: Bei Milo (Guss. 1. c.). 
April, Mai. ©. 
(Fortsetzung folgt.) 
—iöbe 


Literaturberichte. 


Enumeration of all the plants known from China proper, Formosa, Hai- 
nan, Corea, Luchu archipelago and Hongkong. Forbes y Hemsley. 
London 4886. Mit einer Karte. I. Heft Ranuncul. — Legum. (162 $.) 

Diese Aufzählung wird eine sehr empfindliche Lücke ausfüllen, 
wenn sie beendet sein wird. Es ist die Literatur über China so zer- 
streut, dass factisch wohl Niemand die Materialien alle übersehen 
wird. In Folge dessen ist die Ungewissheit über den Charakter der 
chinesischen Flora selbst bei Grisebach entstanden, dessen chine- 
sisch-japanisches Florenreich eben nur ein Nothbehelf war. Es stossen 
hier die palearktische Vegetation Mongoliens und des Nordhimalaya’s 
mit der paleotropischen derart zusammen, dass erstere die westlichen 

Berge, letztere die östliche Tiefebene am Meere einnimmt, wie es 

auch schon z. B. Drude in seiner Florenkarte von Asien (Berg- 

haus Physik. Atlas) angibt. Eine Uebergangszone selbstständiger 

Art gibt es nicht in der Art, wie z. B. im Mittelmeer — obwohl 

China eine Reihe von Mittelmeertypen nicht fehlt, immergrüne Eichen, 

Kastanie, Diospyros, Liquidambar ete. Wenn man nach der Species- 

zahl urtheilen sollte, so ist die palearktische Flora reicher als die 

paleotropische — allerdings ist der äusserste Süden weniger bekannt. 

Man urtheile selbst: 109 Ranunculaceen (20 Europäer) 1 Dilleniacee, 

Calycanthus, 10 Magnolieae (incl. Schizandraceen), bloss 6 Anonaceen, 

10 Menispermen, 22 Berberideen (1 Europ.), 4 Nympheaceen, 9 Pa- 

paveraceen (3), 24 Fumariaceen (1), 61 Cruciferen (27 E.), 8 Cappa- 

rideen, 21 Violarineen (6), 3 Bixineen, 4 Pittosporeen, 75 Polyga- 
leen, 48 Caryophylleen (wenigstens 17), 2 Portulaceen (1), 1 Elatine, 

12 Hyperieineen (1), 4 Guttiferen, 40 Ternströmiaceen (der Thee ist 

als einheimisch wild östlich von Assam und Cachar zweifelhaft! 

S. 83), 26 Malvaceen (4), 15 Stereuliaceen, 22 Tiliaceen, 6 Lineeen 

(1), 2 Malpighiaceen, 5 Zygophylleen (1), 30 Geraniaceen (4), 38 Ru- 

taceen (1), 5 Simarubeen, 2 Burseraceen, 6 Meliaceen, 1 Chailectia 


214 


(Hainan), 4 Olacineen, 20 Ilex, 34 Celastrineen (1), 23 Rhamneen 
(4), 24 Vitis (1), 29 Sapindaceen (2), 11 Sabiaceen, 11 Anacardia- 
ceen (1), 2 Coriaria, 2 Connaraceen — also 96 europäische Species 
unter 732! von denen nicht mehr als ca. ®/. als paleotropisch ange- 
sehen werden können. Dr. J. Palacky. 


Plantae Davidianae. (Nouv. Annales du Mus6de) par Franchet. 


Diese Sammlung von Pflanzen, meist aus Nordwestchina, ent- 
hält 1116 Phanerogamen und 60 Farren (inel. der Nachträge). Sie 
hat dementsprechend meist nordischen Charakter, wie es aus den 
unten mitgetheilten Novitäten von selbst Jedem auffallen muss — 
die, nebenbei gesagt, die für eine nicht ganz unbekannte Gegend 
hohe Ziffer von 5 Percent betragen. Es hat diese Form eine grosse 
Aehnlichkeit mit der des Amurtbales. Auch der nordöstliche Hima- 
laya — den wir ja noch so wenig kennen, dürfte viel Aehnliches 
besitzen. Die Aehnlichkeit mit Japan ist nicht so gross, als man sie 
gewöhnlich annimmt (mehr im Osten [Kiangjsi]). -— Dem Geogra- 
phen sind die Bäume Mittelchinas am interessantesten. — Es ist 
Abies Truga Sieb., dominirend mit einer Spee. in 3000 M. und 4. 
al-oquiana Veitst. Juniperus recurva erreicht 4000 Meter, ebenso 
Eichen (theilweise durch die Menschenhand zu Büschen verkrüppelt) 
Qu. phillyreoides, chinensis (2080 Met., immergrün) und z. B. Salix 
caprea. Die Vegetationsschilderungen, sowie die einzelnen Zonen 
können wir hier nur erwähnen. Dr. J. Palacky. 


Heinricher E. Die Eiweissschläuche der Crueiferen und verwandte 
Elemente in der Rhoeadinen-Reihe. (Mitth. d. botan. Inst. zu Graz, 
herausg. v. Prof. Le:tgeb. I. Bd. 92 pp. Drei Doppeltafeln.) 

Verf. bespricht in der vorliegenden Abhandlung eigenthümliche, 
bei den Crueiferen allgemein verbreitete, bisher jedoch noch uner- 
kannt gebliebene idioblastische Gewebeelemente, die er als Eiweiss- 
schläuche bezeichnet. Von sämmtlichen 21 Tribus der Cruciferen, 
welche diessbezüglich untersucht wurden (das Detail muss in der 
Originalschrift nachgelesen werden), konnten diese Eiweiss führenden 
Schläuche nur bei drei Tribus, und zwar wegen Mangels an geeig- 
netem Material, bisher nicht aufgefunden werden. Sie können in allen 
Organen und, die Epidermis ausgenommen, auch in allen Gewebe- 
arten vorkommen. Betreffs ihrer Vertheilunge in den Blättern und 
Stengeltheilen ist zu bemerken, dass sich da eine gewisse Ueber- 
einstimmung zeigt, insoferne als bei derselben Pflanze die Schläuche 
z. B. im Verlauf der Gefässbündel — oder im Grundgewebe zerstreut 
auftreten. Bei allen Pflanzen, welche in den vegetativen Organen 
Eiweissschläuche besitzen, sind solche auch in den Blüthen (nament- 
lich in den Carpell- und Kelchblättern) vorhanden. — Alkohol, so- 
wie siedendes Wasser bewirkt Gerinnung des Inhaltes in sehr 
wechselnder Weise. Derselbe ist im Wasser unlöslich und zeigt mit 
dem Millon’schen Reagens die charakteristische Färbung. Das Vor- 
kommen von Phosphaten muss als wahrscheinlich angenommen 


215 


werden; Gerbstoffe und Zucker konnten niemals, Stärke nur in einem 
Falle (Arabis sagittata) nachgewiesen werden. Auf Grund verschie- 
dener Thatsachen: der feste Verband der Eiweissschläuche mit den 
Mesophylizellen, der häufige Anschluss ersterer an die Leitungs- 
bahnen, die quantitative Vertheilung des Inhalts in verschiedenen 
Theilen belichteter, resp. unter Lichtabschluss gebaltener Pflanzen, 
das Vorkommen in den überwinternden Organen mehrjähriger Cru- 
ciferen ete. — kommt Verf. zu dem Schlusse, dass die Eiweiss- 
schläuche gleichsam disloeirte Proviantdepöts repräsentiren, welche 
im Bedarfsfalle, z. B. bei verhinderter Assimilation oder bei raschem 
Wachsthum auf kurzem Wege den Bezug der nöthigen Eiweiss- 
menge sicher stellen. — Im Anschlusse an die Cruciferen wurden 
die Eiweissschläuche bei mehreren Arten der Gattung Capparis, 
ferner die Schlauchzellen bei Escholtzia californica, Adlumia cirrhosa, 
Corydalis rosea und Ü©. capnoides morphologisch und histochemisch 
untersucht, wobei sich ein phylogenetischer Zusammenhang dieser 
speeifischen Gewebeelemente in der ganzen Reihe der Rhoeadinen 
erkennen liess. Den Ausgangspunkt bilden die milchenden Papa- 
veraceen. Von den Milchröhren derselben führt eine Reihe zu den 
Schlauchzellen der Fumariaceen, an die sich die Eiweissschläuche 
der Cruciferen anreihen; diesen endlich schliessen sich die Eiweiss 
führenden Schlauchzellen der Capparideen an, welche Familie auch 
in den morphologischen Charakteren den Cruciferen sehr nahe steht. 
Drei Doppeltafeln (darunter eine colorirte) erleichtern wesentlich die 
richtige Vorstellung der im Texte besprochenen anatomischen Ver- 
hältnisse. Burgerstein. 


Vierhapper Fr., Prodromus einer Flora des Innkreises von Ober- 
Oesterreich. II. Theil. (XV. Jalıresbericht des k. k. Staatsgymnasiums 
in Ried.) Ried 1886. pag. 35. 

Die vorliegende Aufzählung bildet die Fortsetzung der vom 
Verfasser am gleichen Orte im Jahre 1885 begonnenen Arbeit und 
enthält die Gymnospermen und von den Angiospermen einen grossen 
Theil der Sympetalen. In der systematischen Anordnung schliesst 
sich die Abhandlung enge an die Flora von Ober-Oesterreich von 
Dufftschmied, zu der sie zahlreiche interessante Ergänzungen ent- 
hält. So werden zahlreiche in dem genannten Florenwerke gar nicht 
oder nur von vereinzelten Standorten anceführte Arten erwähnt; ich 
hebe hervor: Callitriche hamulata Ktz., Atriplex oblongifolium Nk., 
Chenopodium fieifolium Sm., opulifolium Schrad., Erigeron droe- 
bachiensis Müll., Centaurea Rhenana Bor., Crepis rhoeadifolia M.B. 
u. v. a. Auffallend ist die grosse Anzahl von Arten, deren einzige 
Standorte Bahnhöfe und deren Umgebung sind und die bei Berück- 
sichtigung ihrer Heimat als eingeschleppt betrachtet werden können. 
Im Nachtrage zu der im Vorjahre veröffentlichten Zusammenstellung 
wird das Vorkommen folgender für das Gebiet neuen Arten erwähnt: 
Equisetum hiemale L., E. Telmateja Ehrh. v. serotinum, Lycopodium 
complanatum L., Caren virens Lmk., Seirpus triqueter L., Muscari 


216 


comosum Mill., Ornithogalum chloranthum Saut., Allium fallas 
Schult. Wettstein. 


Notarisia, Commentarium phycologieum, Rivista trimestrale consacrata 
allo studio delle Alghe. Edit. G. B. de Toni et Dav. Levi. Venezia 1886. 
Mit dem vorliegenden vierten Hefte ist der erste Jahrgang 
dieser Zeitschrift abgeschlossen und es ist jetzt bereits möglich, einen 
Ueberblick über die Richtung und die Erfolge derselben zu erlangen. 
Dabei muss vor allem constatirt werden, dass diese neue botanische 
Zeitung bisher wirklich das ist, was sie nach dem seinerzeit ent- 
worfenen Programme werden sollte, nämlich ein Repertorium der 
gesammten phykologischen Literatur, das zugleich auch für die Pu- 
blication kleinerer Original-Aufsätze geeignet ist. Zum Beweise des 
Gesagten führe ich den Inhalt des letzten (4.) Heftes an. Dasselbe 
enthält: eine Zusammenstellung der bisher in Italien und den benach- 
barten Gebieten beobachteten Diatomaceen von Toni und Levi. (Fort- 
setzung.) — Diagnosen aller in neuester Zeit beschriebenen Arten. 
— Ein Verzeichniss der neuesten phykologischen Literatur mit Re- 
feraten. — Ein Verzeichniss der in neueren Algen-Exsiccaten aus- 
gegebenen Arten. — Eine Mittheilung von Paoletti über neue Dia- 
tomaceen aus Venetien. — Auszüge aus den in neuerer Zeit erschienenen 
Werken über die Algen-Flora ausser-italischer Länder. — Kleinere 
Mittheilungen und schliesslich die Fortsetzung von De Toni et 
Dav. Levi: „Schemata generum Floridearum“, enthaltend die Gat- 
tungen: Dudresnaya, Spyridia, Phylocladia, Lomentaria, Fauchea 
mit 3 sehr schönen photolithographischen Tafeln. Wettstein. 


Chr. Luerssen: Kritische Bemerkungen über neue Funde seltener deut- 
scher Farne. Separatabdruck aus den Berichten der deutschen Botanischen 
Gesellschaft 1886. Bd. IV. Heft 10. 

Die erste Nummer der Abhandlung bezieht sich auf ein Ma- 
terial, welches von Hrn. Apotheker Woynar in Rattenberg (Tyrol) 
und zwar in der Umgebung Rattenbergs gesammelt worden ist. Eine 
sorgfältige Untersuchung der Blattstiellängen, der Spreuschuppenbe- 
kleidung, der Theilung der Spreite, der Segmentzähue und vor Allem 
der Sporen ergab mit Evidenz die Thatsache, dass Herr Apotheker 
Woynar das Aspidium remotum A. Br. aufgefunden hat, welches 
allgemein für einen Bastard zwischen A. Filix mas und A. spinu- 
losum gilt. Luerssen lenkt nun die Aufmerksamkeit der Floristen 
auf diesen seltenen Bastard und spricht die Hoffnung aus, dass dieser 
auch noch an anderen Orten aufgefunden werden dürfte. Die zweite 
Nummer behandelt einen von demselben Herrn Apotheker Woynar 
bei Zell im Zillerthal gemachten Fund des Asplenium Heujleri Reich., 
das bekanntlich für einen Bastard von A. Trichomanes und A. ger- 
manicum gilt. Da aber das A. germanicum selbst von Luerssen 
und Anderen auch wieder als ein Bastard zwischen A. Trichomanes 
und A. septentrionale angesehen wird, so wäre das A. Heujleri Reich. 
eigentlich der Bastard eines Bastardes. Nach Luerssen wäre es aber 
auch möglich, dass sowohl A. Heujleri, als auch das A. germanicum 


ı 2 


217 


Bastarde zwischen A. Trichomanes und A. septentrionale seien, etwa 
so: A. Trichomanes S X A. septentrionale E und A. septentrio- 
nale $ X 4. Trichomanes £. Zur Entscheidung dieser Fragen 
schlägt Luerssen Culturversuche vor. Die dritte Nummer bezieht 
sich auf einen von Herrn Lehrer W. Krieger bei Königstein in 
Sachsen gemachten Fund des seltenen Pohypodium vulgare var. ser- 
rata Willd. Luerssen bemerkt, dass die Untersuchung des von 
diesem Fundorte stammenden Materials seine Ausicht von der grossen 
Variabilität des. P. vulgare und von dem Vorhandensein allmäliger 
Uebergänge zwischen den Varietäten und Formen dieses Farnes nur 
bestätigt habe. Zukal. 


Neue Beiträge zur systematischen Stellung des Soorpilzes in der Bota- 
nik. Von Dr. Hugo Carl Plaut. Leipzig. Verlag von Hugo Voigt. 


In dieser Abhandlung sucht der Verfasser den Beweis zu lie- 
fern, dass der bei Thieren und Menschen auf der Schleimhaut des 
Mundes und an anderen Orten auftretende Soorpilz identisch ist 
mit der auf Holz lebenden Torulaceae Monilia candida Bon. 
Da es ihm gelungen ist, auf den Schleimhäuten von (mit Monilia 
candida geimpften) Versuchsthieren Pilzwucherungen zu erzeugen, 
welche vom „Soor“ nicht unterschieden werden konnten, so halten 
wir den Beweis für erbracht. Auch hat sich Plaut durch weitläu- 
fige nach der Koch’schen Methode durchgeführte Reinculturen bei- 
der Pilze vor Täuschungen und Verwechslungen sichergestellt. 

Zukal. 


Journal de Botanique. Directeur: M. Louis Morot. Redaction et Admini- 
stration: Paris, Rue Tournefort 28. 


Unter diesem Titel wird von nun an in Paris am 1. und 15. 
jeden Monats eine neue botanische Zeitschrift erscheinen. Das vom 
15. Februar 1887 datirte Probeheft liegt uns vor. Der erste Aufsatz 
ist von M. G. Bonnier: „La Constitution des Lichens“. In dem- 
selben theilt der Verfasser nur ganz im Allgemeinen mit, dass es 
ihm gelungen ist, den Thallus vieler Flechten auf synthetischem 
Wege — also durch das Zusammenbringen bestimmter Algen und 
Pilze — künstlich zu erzeugen. Einige dieser Flechten brachte Bon- 
nier in sogenannten Pasteur’schen Flaschen (oder deren Modifica- 
tionen) bis zur Fructification. Da es aber der Autor unterlässt, die 
künstlich erzeugten Flechten zu nennen oder zu beschreiben, so muss 
der ganze Aufsatz als „eine vorläufige Mittheilung“ betrachtet wer- 
den. Dann folgt eine Arbeit von M. S. Constantin: „Observations 
sur la Flore du Littorale“, welche rein floristischen Inhaltes ist und 
in den nächsten Nummern fortgesetzt werden wird. Im dritten Auf- 
satze: „Deux nouvelles espöces de Piychogaster“ beschreibt M. Bou- 
dier zwei neue Ptyehogaster-Arten und illustrirt dieselben sehr 
deutlich. Die erste Art eisst Ptych. eitrinus und gehört nach den 
Beobachtungen Boudier’s als Conidienform zu Polyporus amorphus 


218 


Fr. Die zweite Art nennt er Ptychogaster rubescens und behauptet 
deren unzweifelhaften genetischen Zusammenhang mit Polyporus va- 
porarius Fr. Sodann folgt ein mit F. Hesincq unterzeichneter Ar- 
tikel über die Cultur der Nepenthen in den Gewächshäusern. Zuletzt 
eine Mittheilung über eine neue Präparationsmethode der Herbar- 
pflanzen. In derselben wird zum Pressen und Trocknen der Pflanzen 
nicht Löschpapier, sondern das Strohpapier (Dütenpapier der Krämer) 
empfohlen. Als Anhang Mittheilungen über gelehrte Gesellschaften, 
Personalien ete. Zukal. 


Repetitorium der medieinischen Hilfswissenschaften. Theil III. Botanik. 
Bearbeitet von Dr. Georg Kassner. Breslau 1887. 


Verfasser sucht in dem vorliegenden Buche der nicht eben 
leichten Aufgabe gerecht zu werden, das für Medieiner, Pharmaceu- 
ten ete. Wissenswerthe aus der gesammten Botanik im knappsten Raume 
(auf 100 Seiten!) zusammenzustellen. Der „allgemeinen Botanik“ 
sind p. 1—25 gewidmet. (rerade die Anatomie und Morphologie ver- 
tragen aber kaum eine so überaus compresse Behandlung, und Un- 
genauigkeiten, die selbst als Irrthümer aufgefasst werden könnten, 
begegnen uns mehrmals in den ersten Capiteln. So beispielsweise 
p. 3: „Mitunter enthalten die Intercellularräume verschiedene 
unorganische Pflanzenstoffe, wie z. B. Harz, Gummi; sie 
werden dann als schizogene Secretbehälter bezeichnet“'), 
erkennt man etwa die Natur des Intercellularganges bloss an dem 
Inhalte? P. 10 unterscheidet Verfasser „Keimblätter (Kotyledonen), 
Wurzel- und Stammblätter“; gleich darauf (p. 11) findet sich die 
Aeusserung: „Einen besonderen Fall der Blattstellung bilden die 
gegenständigen oder decussirten Blätter“. Weit besser ist der „spe- 
eielle Theil“ bearbeitet; ihrer Natur nach fügt sich eben die Auf- 
zählung der Ordnungen, die Charakteristik derselben und Anführung 
der pharmaceutisch oder ökonomisch wichtigeren Arten leichter in 
einen engen Rahmen. Verfasser nimmt dabei auf die Pharmacopoea 
(germ.) gebührende Rücksicht. Rathsam wäre es auch gewesen, die 
Verhältnisse des Blüthenbaues durch die geläufigen „Formeln“ zum 
Ausdrucke zu bringen. Das Buch wäre dann um einige Seiten ärmer 
geworden und hätte durch diesen Umstand als „Repetitorium“ nur 
gewonnen. Dr. M. Kronfeld. 


— a — 


Correspondenz. 


Wien, am 12. Mai 1887. 
In der letzten (5.) Nummer der „Oesterr. botan. Zeitschrift“ 
(p. 162) theilt Prof. Voss mit, dass ihm heuer von einem Schüler 
ein Galanthus nivalis (von Kaltenbrunn bei Laibach) gebracht wurde, 


'!) Die Sperrung rührt hier, wie in den nächstfolgenden Zeilen vom Re- 
ferenten her. 


ps 


219 


bei dem „unter der Zwiebel noch ein Stengelstück zu bemerken war“, 
und dem es auch gelang, ein Exemplar zu erhalten, an welchem 
zwei reich bewurzelte Zwiebeln in einer Entfernung von 2'5 Cm. 
übereinander standen. Anschliessend daran will ich erwähnen, dass 
gerade auch heuer mir von Schülern mehrere Schneeglöckchen gebracht 
wurden, bei denen sich die Zwiebel nach unten in ein 1—2 Cm. 
langes Caulom fortsetzte. Ich habe die Erscheinung in der Schule 
demonstrirt, daran einige Bemerkungen über die morphologische Natur 
der Zwiebel geknüpft, weiter jedoch die Sache nicht verfolet. Im 
vorigen Jahre erhielt ich auch ein Exemplar, welches in den Blüthen- 
theilen den tetrameren Typus zeigte, wie ihn Prof. Voss beschreibt. 


A. Burgerstein. 


Budapest, am 24. April 1887. 

In der Nähe von Budapest, am Gr.-Schwabenbere, steht in 
einem Garten ein mittelalter kräftiger Mandelbaum. Der Garten- 
eigenthümer theilte mir gestern über diesen Baum Folgendes mit: 
derselbe blühte aus unbekannten Gründen sechs Jahre hindurch kein 
einziges Mal, war aber sonst gesund und jedesmal regelmässig be- 
laubt. Gelegentlich einer im Herbste des Jahres 1885 vollführten 
Renovirung einer Parcelle dieses Gartens, worauf auch dieser Baum 
stand, wurde der kalksteinige, ziemlich schwache Boden tief aufge- 
graben. Als man in die Nähe des Mandelbaumes kam, liess man 
einen Kreis von beiläufig 1'/, Meter im Diameter unaufgegraben, 
um die Wurzeln nicht zu beschädigen. Trotz dieser Vorsicht wur- 
den mehrere starke Wurzeläste losgelöst. Um die günstige Gelegen- 
heit zu benützen, wurde Düngersaft den Wurzeln in reichlicher 
Menge dargeboten. Nächsten Tag gab man noch Kuhdünger mit 
Erde vermengt hinzu. Im nächstfolgenden Frühjahre fing der Baum 
an zu blühen und im Herbste 1886 erhielt der Baumbesitzer bei 
der Lese zwei Liter ausgelöste Mandelkerne. Gestern zeigte er mir 
diesen Baum, welcher diessmal in vollster Blüthe prangte. Ausser 
Zweifel ınuss der beigebrachte Dünger die beschriebene Wirkung 
hervorgerufen haben. K. Schilberszky. 


Lemberg, 5. Mai 1887. 

Ich gebe hiemit bekannt, dass ich im vorigen Jahre zwei für 
die galizische Flora neue Fpilobium-Bastarde entdeckt habe, und 
zwar beide in Dubienko bei Monasterzyska, nämlich: E. obscuro 
> montanum und E. parviflorum X obseurum. Die erste Pflanze ist 
ganz conform mit den mir vorliegenden Exemplaren aus Thüringen. 

Bei dieser Gelegenheit mögen dahier nachstehende Berichti- 
gungen Platz finden: 

1. Mein Cytisus austriacus aus Werenezanka in der Buko- 
wina ist gar nicht identisch mit der Art Jaequins gleichen Namens, 
welche ich in letzterer Zeit aus Nieder-Oesterreich kennen gelernt 
habe, sondern entspricht dem ebenfalls sitrdosteuropäischen © wires- 


220 


cens Koväts, der sich von ©. austriaeus durch breitere dunkelgrüne 
Laubblätter, durch mit kurzen, starren und wagrecht abstehenden 
Haaren dicht besetzten Stengel, sowie durch grössere und dunkler 
gefärbte (goldgelbe) Kronen unterscheidet. Exemplare des ©. vörescens 
Kov. aus der Bukowina stimmen gänzlich überein mit den unga- 
rischen Exemplaren, die ich der Güte meines sehr geehrten Freundes 
v. Borbäs verdanke. 

2. Die im vorigen Jahre durch „Linnaea* ausgegebene und 
von deren Sammler, Szepigletti, für Sala dumetorum Andr. ge- 
deutete Pflanze aus der Flora von Budapest ist durchaus nicht die 
Art Andrzejowski’'s gleichen Namens, sondern nur S. pratensis L. 
f. parviflora m. 

3. Alles, was ich bis jetzt aus der Flora von Prag unter der 
Bezeichnung Potentilla collina Wib. und P. silesiaca Uechtr. zu Ge- 
sicht bekommen habe, gehört ausschliesslich zu P. Lindackeri Tausch 
(P. collina var. virescens Celak., P. silesiaca Zimmet. pro parte), 
welche ebenso von der echten P. collina Wib. (in F. Schltz. Herb. 
norm.), wie auch von der mir in Originalexemplaren vorliegenden 
P. silesiaca Uechtr. toto coelo verschieden ist. 

4. Die von Herrn J. Bubela in den Sudeten gesammelte und 
durch „Linnaea“ unter dem Namen Festuca supina Schur heraus- 
gegebene Art ist ganz identisch mit Originalexemplaren der Fest. 
rupicaprina Hackel, welche ausgezeichnete Art auch in den Öst- 
karpathen (legit Dr. Woloszezak) vorkommt. 

5. Pulmonaria saccharata Schur aus Siebenbürgen ist nach 
eingesehenen Originalexemplaren Schur’s mit P. rubra Schott und 
nicht mit der südwesteuropäischen P. saccharata Mill. identisch. 


Br. Btocki. 


Brünn, am 6. Mai 1887. 


Von befreundeter Seite erfahre ich soeben, dass schon Genersich 
im Elenchus florae scepusiensis 1798 in Leutschau in Ungarn eine 
Centaurea aus dem Formenkreise der ©. montana L. mit dem Attri- 
bute carpatica bezeichnet hatte, welche Neilreich in seinen „Auf- 
zählungen der in Ungarn und Slavonien beobachteten Gefässpflanzen“ 
zur ©. montana L. ß minor = (. strieta W. et Kit. Pl. rar. 
Hung. — (©. awillaris Willd. gezogen und es hat daher meine Pflanze 
mit der Genersich’schen nichts Gemeinsames. Um jedoch Missver- 
ständnissen vorzubeugen, sehe ich mich veranlasst, die in d, Z. 1887, 
p. 153 publicirte Centaurea carpatica mihi in Centaurea Javorni- 
kiensis mihi umzutaufen. Dr. Formänek. 


Lemberg, am 12. Mai 1887. 


Seit ein paar Monaten wird zwischen Herrn Blocki einerseits 
und den Herren Braun und Borbäs anderseits über das Vorhanden- 
sein von Drüsen auf der Unterseite der Blätter der Rosa leopolien- 
sis Bl.—= R. frutetorum Bess. var. leopolitana Br. gestritten. Bei 


221 
dem Umstande, dass auch meine Herrn Braun mitgetheilten Rosen 
in diesen Streit einbezogen erscheinen, glaube ich in demselben in- 
terveniren zu müssen, um ihn seiner endgiltigen Lösung zuzuführen. 


In der Nähe des ehemaligen St. Adalbertkirchleins bei Lemberg habe 


| 


| 


ich unter anderen Rosen zwei gefunden, welche mir durch die röth- 
lichen Drüsen auf der Unterseite ihrer Blätter aufgefallen waren. 
Von der einen derselben nahm ich am 16. Juni 1885 einen blühen- 
den Zweig und einen Schössling, von der anderen am 11. Juli d. J. 
einen Fruchtzweig und einen Schössling. Knapp vor meiner Abreise 
nach Wien im selben Jahre bezeichnete ich die Zweige der erst- 
genannten Rose mit Nr. 5, die der zweitgenannten mit Nr. 44, 
trennte von derselben Theile ab, bezeichnete sie mit den correspon- 
direnden Nummern und übergab sie persönlich Herrn Braun mit 
der Bemerkung, dass Herr Blocki diese Rosenform als R. leopo- 
liensis ausgegeben habe und dass sie im frischen Zustande röthliche 
Drüsen auf der Unterseite der Blätter zeige. Vor meiner Abreise 
aus Wien übergab mir Herr Braun das meine Rosen betreffende 
Manuscript mit den von mir auf die für ihn bestimmten Etiquetten 
geschriebenen Nummern versehen, nach welchen ich die von mir 
behaltenen Stücke der Rosen Nr. 5 und 44 als R. frutetorum Bess. 
var. leopolitana Br. bestimmt habe. Ich erkläre hier, dass jedwede 
Verwechslung bei der Nummerirung der Rosen mit der grössten 
Sorgfalt von mir vermieden wurde. Während ich diese Zeilen schreibe, 
habe ich die Rosen Nr. 5 und 44 vor mir liegen. Bei der Rose 
Nr. 44 bemerke ich auf der Unterseite der Blätter blassbraune 
Drüsen; die Rose Nr. 5 machte mich anfangs stutzig, denn im ersten 
Augenblicke sah ich die Drüsen nicht, ich nahm eine Loupe mit 
20maliger Vergrösserung und sah sie nun ganz deutlich, nur dass 
ihre Färbung mit der des Blattes ganz übereinstimmte, was die 
Ursache gewesen, dass sie mir nicht gleich auffallen wollten. Welche 
Stücke die Herren Braun und Borbäs im Sinne hatten, als sie 


ihre Ansichten aussprachen, weiss ich nicht; ich vermuthe, dass es 


jene blassdrüsigen waren, deren Drüsen ihnen wie auch mir heute 
nicht gleich aufgefallen waren. Sollte das nicht der Fall sein, dann 
hat irgend eine Verwechslung stattgefunden, an der ich absolut keine 
Schuld mir zuschreiben kann. Zweifellos ist es, dass die zwei Sträu- 
cher, denen die Nummern 5 und 44 entnommen sind, die strittigen 
röthlichen Drüsen besitzen. Ich glaube, diese Erklärung ist voll- 
kommen hinreichend und macht meine weiteren Erklärungen in die- 
ser Angelegenheit vollkommen überflüssig. Dr. Woloszezak. 


— Anm 


Personalnotizen. 


— Dr. Eduard Ritt. von Janczewski ist zum ordentl. Pro- 
fessor der Anatomie und Physiologie der Pflanzen an der Universität 


Krakau ernannt worden. 


Oesterr. botan, Zeitschrift. 6, Heft 1897, & 18 


222 


— Dragutin Hire, bisher Lehrer in Buccari, ist als solcher 
in Lepoglava bei Warasdin in Croatien angestellt worden. 


— Dr. Friedrich W. Lorinser, Sanitätsrath und Director 
des Krankenhauses Wieden in Wien wurde durch Verleihung des 
Ordens der Eisernen Krone III. Classe ausgezeichnet. 

— Gustav Schneider, bisher Bergverwalter in Schmiedeberg, 
ist in gleicher Eigenschaft nach Cunnersdorf bei Hirschberg in Pr.- 
Schlesien übersiedelt. 

— Dr. P. Falkenberg, bisher a. o. Professor der Botanik an 
der Universität Göttingen, ist zum ord. Professor und Director des 
botanischen Gartens an der Universität Rostock ernannt worden. 

— Dr. August Schenk, Professor der Botanik und Director 
des botanischen Gartens und des bot. Instituts in Leipzig, hat sein 
Amt niedergelegt. 


— Graf Solms-Laubach, Professor der Botanik in Göttin- 
gen, wurde von der Linnean Society in London zum Ehrenmitgliede 
gewählt. 


— Dr. Asa Gray, Professor an der Universität in Newcam- 
bridge, weilte v. M. in Wien. Am 18. Mai besuchte der 77 Jahre 
alte Gelehrte eine Vorlesung des Hofrathes Dr. Kerner v. Mari- 
laun und wurde bei dieser Gelegenheit von den Anwesenden demon- 
strativ empfangen. 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— In einer Sitzung der k.k. Akademie der Wissenschaften 
in Wien am 31. März überreichte Dr. Karl Fritsch eine im pflan- 
zenphysiologischen Institute der k. k. Universität zu Wien ausge- 
führte Arbeit unter dem Titel: „Anatomisch-systematische Stu- 
dien über die Gattung Rubus. In derselben wird eine Uebersicht 
des anatomischen Baues der oberirdischen Vegetationsorgane bei Ru- 
bus gegeben, gestützt auf die Untersuchung von 31 Arten aus ver- 
schiedenen Sectionen der Gattung. Ausführlicher behandelt werden 
diejenigen Merkmale, die für die Unterscheidung der Untergattungen 
und Artengruppen, theilweise auch einzelner Arten, verwerthbar er- 
schienen. Als solche erwiesen sich: der Verlauf der Fibrovasalstränge 
in den Blattstielen; der Bau des Markes je nach der Vertheilung 
der inhaltführenden („activen“) Zellen desselben; die secundären Ver- 
änderungen der Rinde; Bau und Anordnung der Trichome; endlich 
das Vorkommen des oxalsauren Kalkes, welcher bei manchen Arten 
nur in Form von Drusen, bei anderen dagegen vorwiegend in ein- 
zelnen Krystallen abgelagert erscheint. Im Allgemeinen stellt sich 
heraus, dass die von Focke aufgestellten Sectionen der Gattung sich 
auch anatomisch von einander trennen lassen, wie diess aus der Ta- 
belle am Schlusse der Abhandlung zu entnehmen ist. 


en 


223 


— Monats- Versammlung der k. k. Zoolog.-botan. Gesell- 
schaft in Wien am 4. Mai. Prof. Dr. Burgerstein widmete dem 
Andenken des verewigten Gymnasial-Directors Reg.-Rathes Dr. Alois 
Pokorny einen warm empfundenen Nachruf in Form eines Nekro- 
loges. — Dr. Otto Stapf hielt — aus dem reichen Materiale seiner 
persischen Ausbeute schöpfend — einen Vortrag „über die Stachel- 
pflanzen der iranischen Steppen* und demonstrirte die typischen 
Charaktere dieser Pflanzengruppe. — Dr. Moriz Kronfeld sprach 
„über die geographische Verbreitung der Typha Shuttleworthü;, so- 
dann über die Eigenthümlichkeiten des Keimungsprocesses beim Ge- 
nus T'ypha. — Hierauf folgte Dr. F. Östermeyer, welcher bei der 
übernommenen Sichtung des von Georg Spreizenhofer testamen- 
tarisch der zool.-botan. Gesellschaft hinterlassenen Herbars die auf 
der letzten Reise des eben genannten Botanikers nach dem griechi- 
schen Archipel gemachten Pflanzenfunde in einer Enumeration unter 
dem Titel: „Beitrag zur Flora der jonischen Inseln“ zusam- 
mengestellt hat und nun das betreffende Manuscript vorlegte. — 
Herr F. Höfer ceitirte aus dem Herbar des Baron Salis, welches 
der Vortragende durchzusehen Gelegenheit hatte, eine ansehnliche 
Reihe von bisher nicht bekannten Standorten mehr oder weniger 
seltener Kryptogamen. — Dr. R. v. Wettstein constatirte das Vor- 
kommen von vier Formen der Gattung Sesleria im Gebiete der nieder- 
österreichischen Flora. 


Moriz Prihoda. 


Botanischer Tauschverein in Wien. 
Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Dr. Richter mit Pflan- 


zen aus Niederösterreich. — Von Herrn Steininger mit Pflanzen 
aus Öberösterreich. — Von Herrn v. Degen mit Pflanzen aus 
Ungarn. 


Sendungen sind abgegangen an die Herren Churchill, Pastor. 

Vorräthig: (B.) = Böhmen, (Bd.) —= Baden, (By.) = Bayern, 
(Cr.) = Croatien, (F.) = Frankreich, (6) — Galizien, (H.) = Harz, 
(1.) = Istrien, (Kt.) — Kärnten, (M.) = Mähren, ER = Nieder- 
österreich, (OOe.) — Oberösterreich, (P.) = Polen, (Rp.) = Rhein- 
provinzen), (S1.) = Schlesien, (St.) = Steiermark, (Sw.) = Schwe- 
den, (T.) = Tirol, (U.) —= Ungarn, (W.) = Westfalen. 


Matricaria Ohamomilla (P.), discoidea (S1., Berlin), Mattia um- 
bellata (U.), Medicago carstiensis (Kt.), falcata (NOe., ‚O0e., P.), lu- 
pulina (P.), maculata (England), marina (T.), media (NOe.), minima 
(Or., M., NOe., U.), orbieularis (Cr.), prostrata (U.), sativa (NOe., 
O0e.), tribuloides Pr varia (Cr.), Melampyrum arvense (&., NOe.), 
cristatum (NOe., Sl., U.), eristatum var. pallens (Sw.), grandiflorum 
(NOe.), nemorosum (NOe., O0e.), pratense.(B., M., O0e.), silvaticum 


224 
(H., NOe., Sl., W.), Melandrium pratense (B., Sl.), silvestre (OOe., 
S1.), Melica altissima (U.), nebrodensis (Bd.), pieta (G.), Melilotus 
albus (By.), altissimus (M.), coeruleus (U.), ofieinalis (B.), paluster 
(U.), Melissa altissima (F.), Melittis Melissophuyllum (NOe., U.), Men- 
tha aquatica (NOe., U.), arvensis (NOe.), Haynaldiana (U.), pube- 
scens var. viridis (U.), Pulegium (M., U.), purpurea (U.), verticillata 
(U.), Menyanthes trifoliata (NOe., OOe., P.), Mercurialis annua 
(W.), perennis (NOe., Sl., U.), Mespilus germanica (NOe.), Micropus 
erectus (NOe., U.), Milium efusum (P.), Moehringia muscosa (By., 
NOe., O0e.), polygonoides (T.), Ponae (St.), Tommasinii (l.), tri- 
nervia (P.), Moenchia erecta (H.), Molinia coerulea (M., OOe.), se- 
rotina (Cr., I, NOe.), Monotropa Hypopitys (NOe.), Montia minor 
(W.), rivularis (O0e., W.), Morus alba (Kt.), Mulgedium alpinum 
(NOe., S1.), Muscari botryoides (By., Cr., 1.), commutatum (1.), Ker- 
neri (1.), racemosum (VU.), tenuwijlorum (NOe.), Myosotis alpestris 
(O0e., T.), hispida (B.), intermedia (S].), palustris (O0e.), silvatica 
(NOe., U.), sparsiflora (P., St.), stenantha (F.), versicolor (Cr., W.), 
Myosurus minimus (S1., U.), Myrica Gale (Luckau), Myriophyllum 
alterniflorum (W.), spicatum (OOe.), vertieillatum (M., W.), Myrrhis 
odorata (Sl.), Najasmajor (U.), minor (U.), Narecissus poetieus (OOe,, 
St), radiflorus (Cr., 1), Nardurus Lachenalü (F.), Nardus strieta 
(B., P., Rp.), Narthecium ossifragum (Rp., Sw.), Nasturtium anceps 
(Bd.), Kerneri (U.), oficinale (NOe., W.), pyrenaicum (Bd.), sil- 
vestre (NOe.). 


Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 


Inserat. 


In Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung in Heidelberg 
ist soeben erschienen: 


Entwurf einer natürlichen Anordnung der Orchideen. 
Von Dr. Ernst Pfitzer, o. Professor der Botanik in Heidelberg. Lex.- 


8°, brosch. 4 M. 

Diese Schrift erscheint im Anschluss an des Verfassers „Grund- 
züge einer vergleichenden Morphologie der Orchideen“ (40 M.) und die 
im vorigen Jahr erschienenen „Morphologischen Studien über die Orchi- 
deenblüthe“* (4 M. 40). 


Diesem Hefte liegt bei ein Prospect „Conspeetus plan- 
tarum vascularium“ der Gebr. Borntraeger in Berlin. 


Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von C. Gerold’s Sohn. 
C. Ueberreuster'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. 


Oesterreichische 


Botanische Zeitschrift, 


Die österreichische Exemplare 
botanische Zeitschrift Organ die frei durch die Post be- 
erscheint zogen werden sollen, sind 
den Ersten jeden Monats. f blos bei der Redaction 
Man pränumerirtauf selbe ür (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1) 
mit 8 fl. öst. W, zu pränumeriren. 


Cor. Mar) .„ Botanik und Botaniker. „„mNeyis 


ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt 


4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Pränumeration 
halbjährig. E €. Gerold’s Sohn 
Inserate in Wien, 
die ganze Petitzeile N: 7 sowie alle übrigen 
15 kr. öst. W. .r ” Buchhandlungen. 
XXXVIH. Jahrgang. WIEN. Juli 1887. 
INHALT. Rhamnus orbieulata. Von Bornmüller — Galium Jarynae. Von Dr. Woloszezak. — 
Hieracium eiliatum. Von Blocki’ — Autobiographie. Von Vechtritz. — Rubusflora Bosniens. Von 
Sabransky.-- Flora von Nord-Mähren. Von Dr. Formänek. — Hieracien. Von Schneider. — 
Flora des Etna. Von Strobl]. -- Literaturberichte, — Correspondenz. Von Kronfeld, Braun, 
Vägner, Formänek. Degen, Woloszezak, Borbäs, Ullepitsch. — Personalnotizen. — 
Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserat. 


Rhamnus orbiculata Bınnllr. n. sp. 


Von J. Bornmüiller. 


Rhamnus orbiculata: ramis patulis squarrosis ramulosis, ra- 
mulis suboppositis tandem spinescentibus; foliis parvis longissime pe- 
tiolatis, erenulatis, orbiculatis vel rarius ovatis, basi rotundata vel 
subcordata rarius paulo cuneata, apice obtusissima rotunda saepius 
parum emarginata et mucronata; petiolo foliorum latitudinem aequante 
neque raro ea sesquilongiore, puberulo; foliis utrimque 3—4F nervis 
convergentibus instructis, glabris subtus ad nervarım awillas pube- 
scentibus; floribus awillaribus, 1—9 fasciculatis, longe ((—12 mm.) 
pedunculatis; calyeis laciniis triangulari-lanceolatis, petalis oblongis 
lanceolatis; drupa ... 

Diese neue durch die langen Blattstiele und die fast kreis- 
runde Blattfläche ausgezeichnete Rhamnus-Art aus der Gruppe der 
Catharticae bildet einen interessanten Zuwachs in der Reihe der 
kleinblätterigen Rhamnaceen, indem er sich unmittelbar an die ver- 
wandten Rhamnus tinctoria W. K., Rh. infectoria L. und Rh. 
intermedia Steud. et Hochst. anschliesst und hinsichtlich der Blatt- 
breite im Verein mit der Stiellänge gleichsam das Endglied dieser 
Reihe bildet. — Ich entdeckte ibn im südlichen Dalmatien an bu- 

| schigen Abhängen in der Zuppa di Cattaro, woselbst er äusserst 

dicht verzweigte dornige Sträucher bildet, die kaum die Höhe von 

1 Meter überschreiten. Zwei andere Rhamnus-Arten, Paliurus acu- 

leatus Lam. und Rhamnus rupestris Scop. (Rh. pumilus Wulf.) thei- 

len mit ihm diesen Standort, während ieh Rh. infecetorius L. und 
Oestorr. botan. Zeitschrift. 7. Heft. IART 19 


226 


Rh. intermedius Steud. et Hochst. nur nordwärts, wenn schon 
in nächster Nähe der Stadt Cattaro antraf. Direct über diesen 
Kalkwänden bei etwa 900—1000 Meter gesellte sich ihnen noch 
Rhamnus alpina L. und Rh. sawatilis L. zu, und um die Artenzahl 
des Küstenlandes zu vervollständigen, sei noch erwähnt, dass ich im 
Karst in Menge Rh. pumila L. in nächster Gesellschaft mit Zh. 
carniolica A. Kern. vorfand; Zh. cathartica L. und Rh. frangula L. 
sind mir weder auf meiner Reise durch Dalmatien, noch in Monte- 
negro und in der Hercegovina unter die Augen ge ‚kommen. 

Das nackte nur in den Winkeln der Nerven unterseits flaumig- 
behaarte Blatt besitzt den normalen Längsdurchmesser von 14 Mm. 
(12—18), der grösste Querdurchmesser, der kaum nur einige Milli- 
meter kleiner ist, befindet sich in der Mitte des Blattes; nur bei 
einzelnen grossen Blättern rückt er nach vorne dicht unter die Blatt- 
spitze; das Blatt spitzt sich dann plötzlich zu, ist ganz abgeflacht 
oder verläuft mit einer ganz seichten Ausrandung in eine besondere 
Spitze aus. Gewöhnlich besitzt der Mittelnerv nur drei deutliche 
Seitennervenpaare und nur in aussergewöhnlichen Fällen gesellt sich 
ein viertes Paar dazu. Der Blattrand ist stumpf gezähnt, wobei ein 
jeder Zahn mit einer besonderen, nach vorne gerichteten, etwas ein- 
gekrümmten Stachelspitze versehen ist. — Die Blüthen befinden sich 
am mehrjährigen Holze an sehr verkürzten Aestchen meist in ge- 
ringer Anzahl zu 1—3, seltener zahlreich in scheinbar quirlständigen 
Büscheln zu 6—10 in Begleitung von 3—5 Blättern. Treibt die 
Terminalknospe dieser verkürzten Blüthenzweige aus, so verholzen 
häufig die unteren schlafenden Augen, und die blattlosen Blüthen- 
büschel erscheinen noch dichter gedrängt. Die dreieckig-lanzettlich 
zugespitzten Kelchzipfel sind fast doppelt so lang als die schmalen, 
länglich-ovalen, zugespitzten Blätter der Corolla, die wie die des 
Kelches von gelblichgrüner Färbung sind. Ueber die Gestaltung der 
Frucht vermag ich leider noch nichts zu sagen, da ich die Pflanze 
Ende Mai sammelte und zur Zeit noch keine Spur von Fruchtbildung 
zu sehen war. 

Zum Vergleiche mit den nächststehenden Rhamnus-Arten wäre 
nur Rh. intermedius Steud. et Hochst. zu erwähnen. Ah. infectoria 
L. und Rh. tinetoria W. K. besitzen beide Blattstiele, die meist 
4—5 mal kürzer als das eiförmige oder eilängliche Blatt sind. In 
gleicher Hinsicht ist Rh. prunifolia Sibth. ausceschlossen, während 
sich Rh. intermedius Steud. et Hochst. durch die Blattform unserer 
Pflanze am meisten nähert, sich aber durch den relativ weit kürze- 
ren Blattstiel (= '/, der Blattspreite) durch die häufig untermisch- 
ten länglich-ovalen aber nie kreisrunden, sondern stets kurz zuge- 
spitzten Blätter, durch die langgestielten und zahlreicheren Blüthen, 
dureh die Form der Corolla sofort von der Rh. orbieulata unter- 
scheiden lässt. — Noch wäre Rh. petiolaris Boiss. des Orients (Sy- 
rien, Kleinasien) aufzuführen, von welcher ich leider nur die stark 
behaarte Varietät „velutina“ Boiss. gesehen habe; und mit welcher 
sie in keiner Weise übereinstimmte. Boissier (Fl. ovient. p. 1) be- 


227 


zeichnet wohl die Blätter: „foliis petiolo eis subaequilonro vel pa- 
rum breviore“ und „a basi cuneata vel rarius rotundata vel subcor- 
data“, was Beides auf eine Anzahl der mehr oder weniger varliren- 
den Blattformen passen könnte, aber das folgende „foliis oblongis 
acutis vel acuminatis* schliesst auch diese Möglichkeit aus, ebenso 
wie in geographischer Hinsicht diese Annahme sehr wenig Wahr- 
scheinliches für sich hat. 
Belgrad, im Mai 1837. 


Era 


Galiwn Jarynae (6. Mollugo X polonicum). 
Von Dr. E. Woloszezak. 


Difert a @. Mollugine: caule stricto inferne minus mani- 
feste angulato; ramis inflorescentiae, longioribus et apicem versus 
angustioribus foliis et gracilioribus pedunculis plus minusve erectis 
nec unquam deflewis; a @. polonico: folüs brevioribus et obtusio- 
ribus, ramis inflorescentiae et crassioribus pedunculis magis distan- 
tibus. In Galicia, in caedibus silvae Janoviensis prope Jarynam inter 
parentes. 

— a — 


Hieracium eiliatum n. sp. 
Von Br. Blocki. 


Diagnose. Rhizom schief, oberirdische Stolonen treibend. 
Stolonen röthlich, dünn, sehr verlängert (bis 5 Dem. lang), peitschen- 
förmig, blüthentragend, eine kurze Strecke niederliegend, dann bogig 
in die Höhe aufsteigend, mit decrescirenden Blättern besetzt, von 
denen die unteren mit den untersten Stengelblättern und die oberen 
mit den oberen Stengelblättern conform sind. Stengel im unteren 
Theile röthlich, steif aufrecht, 2—5 Dem. hoch, an der Basis 3 bis 
4 Mm. dick, innen hohl, fein längsgestreift. Blüthensiand dolden- 
rispig, vor dem Aufblühen geknänelt, dann mehr oder weniger locker, 
15- bis 30köpfig. Blätter intensiv blau bereift, fast hechtblau, 
steiflich, im getrockneten Zustande papierdünn. Grundständige 
Blätter 8—10 Cm. lang, länglich-lanzettlich, im oberen Drit- 
tel am breitesten (1'5—2 Cm., selten 3 Cm. breit), gegen den Grund 
hin allmälig verschmälert, spitzlich, an der Spitze etwas zusammen- 
Ben (nur die zwei untersten abgerundet stumpf), an den Rän- 

ern entfernt gezähnelt, mit meist röthlichem, deutlich hervor- 

- tretendem Mittelnerv. Stengel mit 5—7 decrescirenden Blättern be- 
setzt, von denen die drei unteren nahe bei einander inserirt sind 
und in der Gestalt mit den Wurzelblättern übereinstimmen; obere 
Stengelblätter von einander ziemlich weit entferut, eilänglich, 
allmälig zugespitzt, sitzend, das oberste lineal, ein 2 bis 
19 


223 

3 Köpfchen tragendes Aestchen stützend. Blühendes Köpfchen 7 Mm. 
lang (ohne ligulae), 5 Mm. breit, in der Mitte etwas eingeschnürt, 
mit gerundeter Basis; Hüllschuppen lineal, in eine stumpfliche 
Spitze allmälig verschmälert, 1 Mm. breit, an den Rändern weisslich- 
grün. Blätter beiderseits gegen die Ränder hin, sowie der Blatt- 
rand und der Mittelnerv unterseits mit langen (3—4 Mm.), 
an der Basis zwiebelartig verdickten, wagrecht abstehenden, 
steiflichen Haaren ziemlich dicht besetzt; sonst ist die beiderseitige 
Blattfläche, insbesondere gegen die Blattspitze hin ganz kahl. 
Ueberdiess tragen die Blätter auf der Unterseite eine ziemlich 
dichte Flockenbekleidung (Sternhaare), welche jedoch später fast 
gänzlich verschwindet. Der ganze Stengel, sowie die Kopfstiele 
und der Mittelstreif der Kopfhüllblättchen sind mit 3—4 Mm. langen 
(einige sogar 5 Mm. lang), wagrecht abstehenden, steiflichen, an 
der Basis zwiebelartig verdickten, weisslichen Haaren dicht beklei- 
det (besonders dicht an der Spitze und der Basis des Stengels); 
die Haare an der Spitze des Stengels und innerhalb des Blüthen- 
standes sind in ihrer unteren Hälfte schwärzlich. Die Flocken- 
bekleidung des Stengels nimmt nach unten an Dichtigkeit all- 
mälig ab, so dass der untere Stengeltheil fast flockenlos erscheint; 
gegen den Blüthenstand hin bedecken die Sternhaare den Stengel 
und ebenso die Kopfstiele und den Mittelstreif der äusseren Hüll- 
blättchen sehr dicht. Der oberste Theil des Stengels (besonders 
dicht unter dem Blüthenstande), die Kopfstiele und die Hüllblättchen 
besitzen ausserdem eine ziemlich reichliche (minder reichlich als 
z. B. bei H. Auricula L.) Bekleidung, bestehend aus sehr kurzen, 
drüsentragenden Haaren. Blüthenfarbe blassgelb, einige Rand- 
blüthen unterseits röthlich gestreift. Blüthezeit beginnt in der ersten 
Hälfte des Juni. 

Standort. Auf Holzschlägen und trockenen Wiesen in der 
ganzen Umgegend von Lemberg nicht selten. Bisher von mir beob- 
achtet in Holosko, Kleparöw, Lesienice und Zubrza. In Kleparöw und 
Zubrza wächst diese jedenfalls sehr distinete Art in Gesellschaft mit 
H. pratense Tausch, H. polonicum m., H. leopoliense m. und H. Au- 
rieula L., mit welch letzterem es in Lesienice einen eclatanten 
Mischling bildet. 


— tn — 


Mein wissenschaftliches Streben und Schaffen. 
Eine Autobiographie von Rudolf v. Uechtritz. 


Yorwort. 
... Der ich gelebet sonder Wanken... 
Die Lücke, die der botanischen Welt durch den unerwarteten 


Hingang unseres Freundes Rudolf v. Uechtritz erwachsen ist, wird 
nicht allein in Schlesien, sondern auch an anderen Orten tief empfunden 


229 


werden. Denn was den Dahingeschiedenen neben seiner ausserordent- 
lichen Befähigung als Naturhistoriker ganz besonders auszeichnete. 
das war eine unverbrüchlich geübte Selbstlosigkeit, eine übergrosse 
Mittheilsamkeit und eine rastlose Freudigkeit im Untersuchen und 
Forschen. Darüber, so meine ich, herrscht nur eine Stimme. Daher 
geschah es, dass der Zudrang seines Urtheils über botanische Dinge 
tbeilhaftig zu werden, im Laufe der Zeit sich ungemein mäch- 
tig gestaltete, da er, als treuer Helfershelfer in allen strittigen 
Fragen, nie müde wurde, den Anfänger wie den Erfahrenen that- 
kräftig zu unterstützen und gleichsam mit Mittheilungen zu über- 
schütten. Der „Mann mit den langen Briefen“ machte das wissen- 
schaftliche Arbeiten leicht und bequem. Man hat ibn gesehen mit 
der grössten Aufopferung von Zeit eine sehr ausgebreitete Corre- 
spondenz unterhalten und gewisse Wünsche seiner Correspondenten 
mit allem Eifer verwirklichen, denn er hielt die Sache des Anderen 
für seine eigene. Und diess war nicht anders möglich. 

Er als Optimist glaubte vor allem an den Ausbau und die 
Reife seiner Wissenschaft, der er so hingebend diente und kannte 
keine Nebenzwecke, noch jene „goldenen“ Ziele, denen man heutzu- 
tage nur allzuoft nachrennt. Wie strahlte sein Auge, wenn man der 
alten Botaniker gedachte, die, kümmerlich nach aussen, um der Sache 
selbst, ihre Welt und ihre Befriedigung unter Pflanzen fanden! 

Seine Excursionen glichen wahrhaftigen Kräuterfahrten im vollen 
Sinne des Wortes; nichts wurde auf diesen Wanderungen für gering 
erachtet und selbst dem gewöhnlichsten Kraute eine neue Seite der 
Betrachtung abgewonnen. Der botanischen Freunde gedachte er 
besonders bei solchen Gelegenheiten. Da wurden die Funde sorgfältig 
gebucht und sichergestellt, ein Verfahren, dem Gedächtnisse zu Hilfe 
zu kommen. Ihn selbst durchdrang dabei jene hohe Freude, die alles 
andere vergessen liess. „Wenn ich eine mich interessirende Pflanze, 
die ich noch nicht kannte, zu sehen bekam, so fühlte ich mich gesund, 
obgleich ich krank, und zwar sehr krank war“, gesteht er in einem 
seiner Briefe. Allein „die Guten sterben jung“. Und so ist er dahin- 
gegangen in der Vollkraft seiner Jahre, ohne die unzähligen Unter- 
suchungen und Beobachtungen zum vollen Abschluss gebracht zu 
haben, aber er bleibt unvergessen und lebt fort im Gedächtnisse 
seiner Fachgenossen. 

Nach wissenschaftlichem Brauche tragen Arten und Hybriden 
in den Gattungen Brassica, Delphinium, Euphrasia, Prangos, Or- 
chis, Epilobium, Hieracium seinen Namen als Zeichen der Anerken- 
nung und selbst ein blühendes Zweiglein des Hieracium burbatum 
Tausch, das einem Trauerkranze verborgen beigefügt wurde, konnte 
auch als sinnige Andeutung und Erinnerung an sein Lieblingsstu- 
dium gelten. 

Da viele Aufsätze des Dahingegangenen in der „Oesterreichischen 
botanischen Zeitschrift“ (der erste im Jahre 1857) veröffentlicht 
worden sind, so erschien es gerechtfertigt nach dem Wunsche seiner 
Mutter, der Frau Baronin v. Uechtritz, auch in dieser Zeitschrift 


sein Leben, von ihm selbst im Jahre 1883 geschrieben und in seinem 
Nachlasse vorgefunden, unter der Aufschrift: „Mein wissenschaftliches 
Streben und Schaffen“ unverändert zum Abdrucke eelangen zu lassen. 
Möge dieser objeetive Rechenschaftsbericht seines Wirkens jene Wür- 
dieung finden, die wir von einer nachsichtigen Mitwelt gewohnt sind! 


Ernst Junger in Breslau. 


R. v. Uechtritz, nach einer photograph Moment-Aufnahme vom J. 1886, 


Ich, Rudolf Friedrich Carl v. Uechtritz, Sohn des früheren 
Rittmeisters, späteren Privatiers Max F. S. v. Uechtritz und seiner 
noch jetzt lebenden Ehefrau Johanna, geb. Siemon, protestantischer 
Confession, bin am 31. December 1838 zu Breslau geboren. Meine 
Seliulbildung habe ich zunächst auf der Vorschule des hiesigen Gym- 


— 


231 


nasiums zu Maria Mazdalena, später — von 1849 bis 1857 — an 
diesem selbst genossen. Seit Beeinn des Jahres 1858 besuchte ich 
das hiesige k. katholische Gymnasium. welches ich im August des- 
selben Jahres mit dem Zeuenisse der Reife verliess, um mich an der 
Breslauer Universität dem Studium der Naturwissenschaften zu wid- 
men. Von Michaelis 1858 bis Ostern 1863 hörte ich Vorlesungen bei 
den Herren Professoren: Goeppert, F. Cohn, Körber, Grube, 
Römer, Löwig, Marbach, Braniss und Röpell, wurde indessen 
durch ein im Frühjahr 1862 ausgebrochenes rheumatisches Leiden, 
welches secundär die Brustorgane, speciell das Herz afticirte, verhin- 
dert, mich in geordneter Weise zu einem Staatsexamen vorzubereiten, 
da mir zeitweise jede angestrengtere Thätiekeit ärztliclı untersagt war. 

Da mein Vater als Freund naturwissenschaftlicher Studien und 
im Gebiete der beschreibenden Botanik und Entomologie in früheren 
Zeiten selbst schriftstellerisch wirkend im Besitze grösserer Samm- 
lungen war, so hatte diess die Folge, dass das Interesse für Natur- 
gegenstände schon in frühem Kindesalter bei mir erwachte. Dieser 
Neigung, welche bis zu dem im Jahre 1851 erfolgten Tode meines 
Vaters von seiner Seite einem liebevollen, zugleich von einer geregelten 
Ueberwachung begleiteten Verständnisse begegnete, bin ich bis zum 
heutigen Tage zu keiner Zeit untreu geworden und ihr habe ich es 
wesentlich zu danken, dass in Zeiten schweren körperlichen Leidens, 
an denen mein späteres Leben leider nur zu reich gewesen ist, meine 
geistige Widerstandsfähigkeit stets die Oberhand behielt. 

Anfangs mehr der Entomologie, namentlich der Coleopterologie 
ergeben, mit welcher Disciplin sich mein Vater in seinen späteren 
Lebensjahren fast ausschliesslich beschäftigt hatte, widmete ich seit 
seinem Tode meine freie Zeit vorherrschend der Botanik, da ich bald 
gewahr wurde, dass eine Zersplitterung der Kräfte sich mit meiner 
Stellung als Schüler nicht wohl vertrug. 

Dass nichtsdestoweniger meine Neigung später mehrfach mit 


‘ den Forderungen der Schule in Collision gerieth, war theils eigene 


Schuld, theils aber trug dazu auch der Umstand bei, dass gerade in 
jener Zeit die Pflege der Naturwissenschaften auf den preussischen 
Gymnasien eine äusserst beschränkte war. 

In dem anregenden Umgange mit einem Theile der Breslauer 
wissenschaftlichen Coryphäen, von denen mehrere später meine ver- 
ehrten akademischen Lehrer werden sollten, hatte ich bereits wäh- 
rend meiner Gymnasialzeit die günstigste Gelegenheit, meine Kennt- 
nisse zu erweitern und ich beschloss schon damals, mich ganz dem 
Studium der Naturwissenschaften, speciell demjenigen der Botanik, 
zu widmen. Dereinst eine Flora meiner Heimat zu verfassen, schwebte 
mir namentlich als erstrebenswerthes Ziel vor und zu diesem Zwecke 
unternahm ich, soweit es irgend meine Zeit erlaubte, zahlreiche Ex- 
cursionen, namentlich auch nach den damals noch weniger durch- 
forsehten Landestheilen. In der bald gewonnenen Erkenntniss, dass 
eine ausreichende Uebersicht der Flora eines grösseren Gebietes nur 
durch die Berücksichtigung der Vegetationsverhältnisse der Nachbar- 


232 


länder zu erlangen sei, besuchte ich ausserdem, sowohl als Schüler, 
wie später als Student, und zwar grossentheils zu Fuss, Mähren 
(1855), Westgalizien und das nordwestliche Ungarn mit der hohen 
Tatra (1856), Oberbaiern, Nord-, West- und Südtirol mit angrenzen- 
den Theilen Bündtens, dann Venetien und das Triestiner Gebiet 
(1858), Thüringen und Franken (1860), die Gegend von Leipzig und 
Halle (1861), endlich einen Theil der Provinz Brandenburg, beson- 
ders die Umgebung von Frankfurt an der Oder und Berlin (1862). 

Durch meine im letzteren Jahre beginnende Kränklichkeit wurde 
ich später leider gezwungen, diese Ausflüge auf meine Hejmatsprovinz 
zu beschränken und während der Jahre 1868 bis 1875 musste ich 
überhaupt auf Excursionen gänzlich verzichten. Immerhin aber sind 
mir die auf jenen Reisen gesammelten Eıfahrungen für die Folgezeit 
von Wichtigkeit gewesen und kommen mir noch heute oft genug 
zu Gute. 

Schon frühzeitig suchte ich Verbindungen mit auswärtigen Fach- 
genossen anzuknüpfen, nicht allein um meine Sammlungen zu ver- 
vollständigen, sondern auch um meine Gesichtspunkte zu erweitern. 
Unter der Zahl meiner Correspondenten, die im Laufe der Zeit das 
dritte Hundert bereits überschritten hat, finden sich nicht wenig 
Namen, die in der wissenschaftlichen Welt einen anerkannten Ruf 
besitzen; ich erwähne von Verstorbenen u.a.: Auerswald, Th. Bie- 
nert, Boreau, Alexander Braun, Buchinger, Christener, Fenz], 
Elias Fries, Grisebach, Hausmann, Juratzka, Lagger, Milde, 
Neilreich, E. Purkyn&, L. Reichenbach, Ritschl, Sanguinetti, 
Scheidweiler, ©. H. Schultz Bip., F. W. Schultz, Schur, 
Sonder, A. Thielens, Tommasini, Wilms; von Lebenden: O.D. 
Allen, Bail, J. @. Baker, Barbey, Beckhaus, Arthur Bennett, 
Alfred Bennett, Blocki, A. Blytt, Boissier, ') Borbäs, Buchenau, 
Christ, Crepin, Deseglise, Drude, Duval-Jouve, Emin-Bey, 
W. 0. Focke, Freyn, Garcke, Grecescu, E. Hackel, Hauss- 
knecht, Haynald, Heidenreich, Huter, Kanitz, A. Kerner, 
Klinggräf, Knapp, Kny, Koernicke, M. Lamotte, J. Lange, 
Levier, ©. J. Lindeberg, Löw, Magnus, Maximowicz, F. W. 
Moore, Mortensen, Naegeli, Nicholson, Nitschke, Norrlin, 
Nyman, Oborny, Paira, Patze, Penzig, A. Peter, Pirotta, 
Rehmann, G. Reichenbach, Roeper, Rostafinski, G. Rouy, 
Sadebeck, Scheutz, Schweinfürth, Gf.Solms-Laubach, Staub, 
Strobl, Todaro, Urban, Van Heurck, Willkomm, Winslow, 
Wittrock. Einen besonders regen Verkehr unterhalte ich seit Jah- 
ren mit Ascherson, Celakovsky, Janka und Pan£ie, deren Stu- 
dien sich vielfach mit den meinigen eng berühren, so dass ein häufi- 
ger Ideenaustausch erforderlich geworden ist. 


(Schluss folgt.) 
‘) Da dieser Abriss im Jahre 1883 niedergeschrieben wurde, so befinden 
sich in dieser Liste einige inzwischen Verstorbene. J. 


_—>- —— 


ID 
us 
s%] 


‚Zur Rubusflora Bosniens, 
Von H. Sabransky. 


Unlängst erhielt ich von Herrn Prof. E. Brandis S. J. aus 
Travnik eine Suite Brombeeren zur Begutachtung eingesendet. Ab- 
gesehen von einer bestimmt neuen Art aus der Focke’schen Reihe 
der Adenophori, von der aber Schösslinge leider nicht vorliegen, fand 
ich keine Novität darunter. Doch dürften immerbin die Standorte 
für den Batographen nicht uninteressant sein, wesshalb ich sie hier 
mittheile: 


1. Rubus hirtus W. et K. Verbreitet in der Bergregion um 
Travnik und ebenso formenreich wie in Ungarn, Niederösterreich, 
Deutschland etc.; auf Hochwaldblössen bei Ilidjie, beim Dorfe Jan- 
kovici (Brandis Exs.n. 11), Zlotici (Exs. n. 2), Grlonica (Exs. n. 9). 


2. R. macrophyllus Whe et N., Focke Syn. p. 215. Mit der 
österreichisch-deutschen Pflanze völlig übereinstimmend: in schattigen 
Waldungen beim Militärspital in Pirota nächst Travnik (Exs. n. 16). 
— Wohl bisher der südöstlichste Standort für diese nette Wald- 
brombeere. 


3. R. sulcatus Vest. Focke Syn. p. 119. Pirota, schattige Stellen 
beim Bache (Exs. n. 17). Durch die grossen, leuchtenden Blüthen 
ebenso ausgezeichnet und unverkennbar, wie der Typus aus Oester- 
reich-Ungarn, Deutschland ete. 


4. R. candicans Whe. (R.thyrsoideus Aut.) Waldgegend zwischen 
Tojniea und Bosovata; die Form R. thyrsanthus Focke var. euodes 
G. Br. bei Grahovik (Exs. n. 5). 


5. R. tomentosus Borkh. Scheint um Travnik sehr gemein zu 
sein: im Kalkgerölle bei Castell Travnik (Exs. n. 10), beim Pirota- 
spital (n. 3), am Vlasie bei Catici (n. 8). an Feldrändern bei Gra- 
hovik eine Form mit dichtbehaarten Schösslingsaxen (n. 4). 


6. R. idaeus L. Am Vlaßic: in subalpinen Wäldern bei Catici 
(Exs. n. 7). 


7. R. saxatilis L. Am Plateau des VlaSic, ebenso an der Süd- 
seite dieses Berges (Exs. n. 12 und n. 14). 


8. R. caesius L. Die gewöhnliche Alluvialform am Defilee bei 
Travnik, bei Rama (n. 13) u. s. w. 


Wien, am 12. Mai 1897. 


_— Hrn 


234 


Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des 
Hochgesenkes, 


Von Dr. Ed. Formänek, 


k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn. 


Am 1. August des vorigen Jahres verliess ich Brünn und nahm 
einen längeren (einmonatlichen) Aufenthalt in Gross-Ullersdorf, be- 
suchte von hier aus die Gegend von Deutsch-Liebau, die Bradlsteine, 
Rabenseifen, Buchelsdorf, Wüst-Seibersdörf, Blauda, Böhm.-Märzdorf, 
Nikles, Grumberg, Kl.-Mohrau, den Rothen Berg, Keilig, Gr. See- 
bere, Bärenkamm, Schweizerei, Altvater, die Schäferei, Peterstein, 
Hohe Haide, Gr. Kessel, Saugraben, Bärmuttergraben, Franzens-Jard- 
haus, Kriech, Kiesgraben, Kleppel, Berggeist, Hörndlsteine, Hofberg, 
Backofensteine, Schieferheide, Gr. Hirschkamm, besuchte ferner Rö- 
merstadt, Bautsch, Wigstadtl, Odrau, Söhle mit zwei- bis dreitägi- 
gem Aufenthalte in einem jeden der zum Schlusse angeführten Orte 
und kam am 14. September in Brünn an. 

Charakteristisch für das nördliche Mähren sind folgende Pflan- 
zen: Equisetum nemorosum, silvaticum, palustre, Polypodium phego- 
pteris, dryopteris, Pteris aquilina, Asplenium septentrionale, tricho- 
manes, Aspidium spinulosum, lobatum, Cystopteris fragilis, Lycopo- 
dium annotinum, clavalum, Danthonia decumbens, Melica uniflora, 
Brachypodium silvaticum, Lolium remotum, Nardus strieta, Carex 
leporina, echinata, remota, Goodenoughrüi, panicea, pallescens, silvatica, 
flava, Oederi, Luzula albida, multiflora, Allium oleraceum, Polygo- 
natum verticillatum, Paris quadrifolia, Orchis maculata, Epipactis 
latifolia, Euphorbia duleis, Mercurialis perennis, Daphne Mezereum, 
Phyteuma spicatum, Campanula rotundifolium, trachelium, Orepis 
succisaefolia, paludosa, Hieracium tridentatum, boreale, Prenanthws 
purpurea, Hypochoeris radicata, Chrysanthemum parthenium, Sene- 
cio Fuchsiü, Centaurea decipiens, Cirsium canum, rivulare, olera- 
ceum, Carlina acaulis, Valeriana oficinalis, Valerianella Morisonit, 
Asperula odorata, Lonicera wylosteum, nigra, Pulmonaria obscura, 
Verbascum thapsus, Digitalis ambigua, Veronica Tournefortü, Ori- 
ganum vulgare, Stachys silvatica, Lysimachia nemorum, Vaceinium 
vitis idaea, Ramischia secundiflora, Pirola minor, Monesis grandi- 
flora, Thalietrum aquilegifolium, Ranunculus Flammula, lanugi- 
nosus, Actaea spicata, Turritis glabra, Erysimum  cheiranthoides, 
Drosera rotundifolia, Parnassia palustris, Viola palustris, silvestris, 
Moehringia trinervia, Stellaria graminea, Dianthus deltoides, Silene 
gallica, Melandryum rubrum, Hypericum quadrangulum, hirsutum, 
Impatiens noli tangere, Epilobium collinum, obscurum, palustre, Chae- 
rophyllum aromaticum, hirsutum, Hibes grossularia, Sedum mawi- 
mum, Sanguisorba ofieinalis, Rubus plicatus, Vicia hirsuta, Lathy- 
rus silvestris. 

Meinen Dank spreche ich aus dem Herrn Postexpeditor Ferd. 
Kaueı und dem Herrn Gerichtsadjuncten J. Marek, ersterem für 


235 


” Begleitung in der Gr.-Ullersdorfer, Letzterem in der Römerstädter 
erend. 
? Nach genauer Einsicht in die die bereisten Gegenden betreffende 
Literatur constatire ich, dass von den hier citirten Standorten keiner 
° bisher im Drucke erschienen ist!) und dass nur aus Versehen ein 
- bereits veröffentlichter Standort hier Aufnahme finden konnte. 

Im Nachfolgenden die Aufzählung der Standorte, welche ich in 

dieser Jahreszeit zu ermitteln Gelegenheit hatte. 

Equisetum arvense L. Gemein. a. nemorosum Al. Br. Gr.-Ullersdorf, 
Neudorf, Buchelsdorf, Pföhlwies, Nikles, Römerstadt, Irmsdorf, 

| Deutsch-Liebau, Bautsch, Wigstadtl, Lautsch, Odrau. 

— limosum L. a. Linneanum Döll. Oborny’s Fl. v.M. u. ö. Schl. 
p. 84. Gr.-Ullersdorf, Blauda, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Wiestadtl, 
b. verticillatum Döll. Römerstadt, Odrau. 

— silvaticum L. a. praecox Milde 1. c. Bradlsteine bei Deutsch- 
Liebau. Gr.-Ullersdorf, Marschendorf, Neudorf, Deutsch-März- 
dorf, Beckengrund, Wüst.-Seibersdorf, Ludwigsthal, Reigersdorf, 
Altvater-Wald, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Wermsdorf, Irmsdorf, 
Bautsch, Wigstadtl; b. capillare Hoffm. 1. e. Berggeist, in der 
Kriech, Dämmbaude, Hochwald bei Janowitz, Nikleser Wald. 

— palustre L. a. wertieillatum Milde 1. c. Gr.-Ullersdorf, Zöptau, 
Rahenseifen, Neudorf, Beckengrund, Buchelsdorf, Ludwigsthal, 
Stolleuhau, Aspendorf, Grumberg, Römerstadt, Janowitz. b. nu- 
dum Duby 1. e. Po’ätky bei Krummwasser. c. tenue Döl. 1. c. 
Deutsch-Liebau, Petersdorf. 

Polypodium vulgare L. Bradlsteine bei Deutsch-Liebau, Reigersdorf, 
Öbrenberg bei Buchelsdorf, Gundersdorf, Viehwald u. a. OÖ. bei 
Bautsch, Hirnich bei Neudörfl, Heide u. a. OÖ. bei Werdenberg, 
häufig bei Odrau (Scheuergrund, Galgenbusch, Wesidler Wald 
ete.), Pohor. 

— phegopteris L. Trausnitz bei Petersdorf,. häufig bei Gr.-Ullers- 
| dorf (Rother Berg, bei der Tess ete.), Buchelsdorf, Märzdorf, 
| Wüst-Seibersdorf, Pföhlwies, Nikles, Altvater-Wald, Goldenfluss, 
Kl.-Mohrau, Blaschke, Kleppel, Wermsdorf, Kiesgraben, Rother 
| Berg, Hochwald bei Janowitz, häufig bei Römerstadt (Grund- 
| wald, Schlossberg ete.), Irmsdorf, Lautsch, Scheuergrund u. a. 0. 

bei Odran. 

— dryopteris L. Petersdorf, Zöptau, Marschendorf, Buchelsdorf, 
Gross-Ullersdorf, Neudorf, Deutsch-Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, 
Ludwigsthal, Pföhlwies, Nikles, Altvater-Wald, Goldenfluss, Kl. 
Mohrau, Blaschke, Wermsdorf, Kiesgraben, Kleppel, Berggeist, 
Gr. Hirschkamm, Hirschbrunn, Dämmbaude, Janowitz, Kömer- 
stadt, Irmsdorf, Bautsch, Wigstadtl, Odrau. 


’) Mit sorgfältiger Genauigkeit habe ich besonders Adolf Oborny’s 
Flora von Mälırın und österr, Seitlesien, von welcher im November 1886 der 
vierte, die Gattungen von Rosı Mayeri bis Schluss behändelnde Band er- 
schien, durchgeschen. 2 


236 


Pteris aquwilina L. Rother Berg und Höflerberg bei Gross-Ullersdorf, 


Neudorf, Stollenhau, Nikles, Altvater-Wald, Wigstadtl. 


Asplenium serpentini Tausch. Massenhaft auf Felsen im Nikleser 


Walde. 

septentrionale Hoffm. Kleppel, Kl. Mohrau, Krondörfl. 
trichomanes L. Hutberg, Karlsberg und Schwarzer Stein bei 
Gr.-Ullersdorf, Kleppel, Wermsdorf, Marschendorf, Buchelsdorf, 
Neudorf, Beckengrund, Deutsch-Märzdorf, Reigersdorf, Pföhlwies, 
Böhm.-Märzdorf, Nikles, Altvater-Wald, Kl. Mohrau, Pohorer 
Wald und Scheuergrund bei Odrau, Lautsch. 

adulterinum Huds. Altvater-Wald. 

viride Huds. Altvater-Wald. 


Athyrium filix femina Roth. a. dentatum Döll. Ob. Fl. v. M. und 


ö. Schl. p. 71. Gross-Ullersdorf (Oborny), Buchelsdorf, Becken- 
grund, Kl. Mohrau. b. jissidens Döll. 1. c. Kleppel, Winkelsdorf, 
c. multidentatum Döll. ]. ec. Odrau. 

alpestre Nyl. Backofensteine, Schieferheide, Gr. Hirschkamm, 
Peterstein etc. 


Aspidium spinulosum Swartz. a. genuinum Celak. Prodr. Fl. B. p. 10. 


Bradlsteine bei Deutsch-Liebau, Gross-Ullersdorf, Reigersdorf, 
Nikles, Kl. Mohrau, Uhustein, Römerstadt, Gundersdorf, Bautsch, 
Wigstadtl, Lautsch, Scheuergrund bei Odrau. b. dilatatum Sm. 
1. e. Petersdorf, Pohorer Wald bei Odrau. 

lobatum Sw. Wermsdorf, Kiesgraben, Kriech, Wald bei der Ruine 
Neuhaus, Lautenhübl bei Nikles. 


— filie mas Sw. a. genwinum Milde. Deutsch-Liebau, Petersdorf, 


Böhm.-Märzdorf. b. crenatum Milde, häufig bei Gr.-Ullersdorf, 
Marschendorf, Stollenhau, Reigersdorf, Pföhlwies, Blauda, Nikles, 
Altvaterwald, Kl. Mohrau, Kriech, Gr. Hirschkamm, Römerstadt, 
Bautsch, Odrau. 


Cystopteris fragilis Bernh. Bradlsteine bei Deutsch-Liebau, Peters- 


dorf, häufig bei Gr.-Ullersdorf (Kreuzberg, Badegrund, Hutberg, 
Schwarzer Stein ete.), Rabenseifen, Buchelsdorf, Neudorf, Becken- 
grund, Brandwald und Brünnel bei Deutsch-Märzdorf, Wüst- 
Seibersdorf, Reigersdorf, Aspendorf, Pföhlwies, Blauda, Strän bei 
Böhm.-Märzdorf, Nikles, Altvater-Wald, Kl. Mohrau, Krondörfl, 
Blaschke, Marschendorf, Wermsdorf, Kleppel, Berggeist, Hof- 
berg, Schlössel, Kriech, Römerstadt, Bautsch, Wigstadtl, häufig 
bei Odrau. 


Lycopodium selago L. Dämmbaude, Saugraben, Kriech. 


annotinum L. Reigersdorf, Aspendorf, Winkelsdorf, Kleppel, Berg- 
geist, Kriech, Keilig, Rother Berg. 

clavatum L. Gr.-Ullersdorf, Ludwigsthal, Stollenhau, Geppersdorf, 
Reisersdorf, Römerstadt, Gundersdorf, Viehwald bei Bautsch, 
Wigstadtl, Lautsch, Odrau. 


Juniperus communis L. Verbreitet im b. @. In Buchelsdorf traf ich 


einige 15 Meter hohe Bäumchen. 


237 


Juniperusnana Willd. Schieferhaide (Oborny)! Backofensteine, Hirsch- 
brunn, Gr. Hirschkamm, Hohe Heide. 

Abies larix L. Deutsch-Liebau, Petersdorf, Gross-Ullersdorf, Blauda, 
B. Märzdorf, Römerstadt, Bautsch, Odrau. 

Sparganium ramosum Huds. Gross-Ullersdorf, D. Märzdorf, Römer- 
stadt, Irmsdorf, Odrau etc. 

Setaria viridis Beauv. Gr.-Ullersdorf, Neudorf, Beckengrund, Bautsch, 
Odrau. 

Milium effusum L. Altvater, Saugraben, Bärmuttergraben, Franzens- 
Jagdbaus, Hochwald bei Janowitz, Grundwald bei Römerstadt. 

Calamagrostis epigeios Roth. D. Liebau, Liebesdort, Petersdorf, Raben- 
seifen, Gr.-Ullersdorf, Ludwigsthal, Römerstadt, Bautsch, Wig- 
stadt], Odrau. k 

— lanceolata Celak. Prodr. Fl. B. p. 37 a. riparia Celak. Wig- 
stadtl. b. montana Celak. 1. c. Backofensteine, Schieferheide, 
Grosser Hirschkamm, Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben, 
Schlössel, Kriech. 

Alopecurus geniculatus L. Petersdorf, Gross-Ullersdorf, Ludwigsthal, 
Blauda. 

Phleum alpinum L. Peterstein, Janowitzer Haide etc. (Oborny), Gr. 
Hirschkamm, Dämmbaude, Auerhahnbaude, Saugraben, Schlössel, 
Franzens Jagdhaus, Kriech. 

Anthoxanthum odoratum 1. Gr. Hirschkamm. 

Arrhenatherum elatius M. et K. Noch bei Janowitz und Römerstadt. 

Aira flexuosa L. In tieferen Lagen noch bei Wermsdorf und Kleppel. 

Deschampsia caespitosa Beauv. Noch am Altvater, Bärenkamm, Pe- 
terstein etc. 

Koeleria cristata Pers. Verbreitet im b. @., in höheren Lagen im 
Beckengrund und bei Janowitz. 

Molinia coerulea Mönch. a. urundinacea Schrank. Mähr.-Schönberg, 
Gross-Ullersdorf (Oborny), Neudorf, D. Märzdorf, Philippsthal, 
Wiesenberg. 

Danthonia decumbens DC. Rabenseifen, Petersdorf, Zöptau, Mar- 
schendorf, Wiesenberg, Gross - Ullersdorf, Neudorf, Buchels- 
dorf, Stollenhau, Geppersdorf, Kleppel, Janowitz, Römerstadt, 
Irmsdorf. 

Milica uniflora Retz. D. Liebau, Petersdorf, Gr.-Ullersdorf, Nikles, 
Kl. Mohrau, Römerstadt, Odrau. 

— eiliata L. Bautsch, Odrau. 

Dactylis glomerata L. "Gemein, var, violacea m. Blüthenährchen vio- 
lett angelaufen, Rispe in der Regel länger als beim Typus. 
Nicht selten in den höheren Lagen der Sudeten, so Altvater, 
hier fast nur in dieser Form, bei der Tess in Gross-Ullersdorf, 
Marschendorf, Beckengrund, Kl. Mohrau. 

Glyceria fluitans R. Br. D. Liebau, Petorsdorf, B. Märzdorf, Bautsch, 
Wigstadtl, Odrau. 

— plieata Fr. Gross-Ullersdorf ete. (v. Nioss]), Neudorf, D. März- 
dorf, Blauda. 


238 


Brachypodium silvatieum P. Beauv. Bradlsteine bei Deutsch-Lieban, 
Trausnitz bei Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Gross-Ullersdorf, 
Pföhlwies, Nikles, Wermsdorf, Kriech!, Römerstadt, Bautsch, 
Odrau. 

Festuca gigantea Vill. Buchelsdorf, Kleppel, Janowitz. 

— silvatica Vill. Rother Berg im Gesenke. 

Lolium remotum Schrank. Reitendorf, Gr.-Ullersdorf, Marschendorf, 
Neudorf, Beckengrund, Wüst-Seibersdorf, Reigersdorf, Klein- 
Mohrau. 

Jardus strieta L. Bradlsteine bei D.-Liebau, Gr.-Ullersdorf, Ludwigs- 
thal, Stollenhau, D.-Märzdorf, Blaschke, Woitzdorf, Kl. Mohrau, 
Grumberg, Janowitz, Römerstadt, Gundersdorf, Bautsch, Wigstadtl, 
Odrau. 


(Fortsetzung folgt.) 


ee 


Mittheilungen über die Hieracien des Riesengebirges. 


Von Gustav Schneider, 


Bergverwalter in Schmiedeberg im Riesengebirge !). 
(Fortsetzung.) 


2. Gruppe. Alpina foliosa Tausch ex p. (als Varietät?). 


Stengel aufrecht, etwas hin und her gebogen, am Öbertheile 
zuweilen undeutlich, längsstreifig, weniger dicht und kürzer behaart 
als bei voriger Gruppe, am Öbertheile weniger dichtfilzig, zuweilen 
nur mittelmässig sternhaarig von —+ dunkleren Sternhaaren; eben- 
daselbst mit deutlich erkennbaren feinen, kurzen Drüsenhaaren besetzt, 
die sich nach abwärts allmählich verlieren, wärend die Sternhaare — 
zuletzt sehr vereinzelt — bis zur Stengelbasis hinab vorkommen; 
drei- bis achtblättrig, ein- bis zehnköpfig. Bei den mehrköpfigen ent- 
springen die mit Sternhaaren + dichtfilzie und mit feinen kurzen 
Drüsenhaaren, auch mit schwarzen Borsten und grauweissen Zotten- 
haaren bekleideten Kopfstiele stets aus den Blattachseln-Blätter + 
mit einem Stich ins Blaugrüne; mit Ausnahme der stylosen Formen, 
welche häufig dünnhäutige, mehr graugrüne Bebhlätterung zeigen, 
ziemlich derb, bei kräftigen Exemplaren fast lederartig, zerstreut 
behaart. Die stylosen, weichbläitrigen Formen sind gewöhnlich stark 
behaart. Grundblätter zur Blüthezeit in der Regel vertrocknet, selten 
einzelne oder mehrere und in diesem Falle gewöhnlich in einer oder 
mehreren Nebenrosetten, die sich aus überwinterten, ruhenden Knospen 
. entwickelt haben, vorhanden; sehr verschieden gestaltet (eiförmig, 


‘) Jetzt in Cannersdorf bei Hirschberg in Pr.-Schlesien. 

®) Das Citat H. alpinum foliosum Wimmer ist unrichtig. Tausch be- 
zeichnete unsere Pflanze bereits 1828 mit diesem Namen. Regensburger Flora. 
XI. Jahrgang. 1. Band. Ergäuzungsbl. pag. 63. 


u AT u a ce 


y 


239 


spatelförmig, breit, oder länglich, lanzettlich, stumpf oder zugespitzt, 
zuweilen mucronat, ganzrandig. gezähnelt oder gezähnt). Stengelblätter 
lanzettlieh, länglich, bis liueal-lanzettlich, seltener den Grundblättern 
ähnlich, stets von unten nach oben an Grösse, meist allmählich ab- 
nehmend (die obersten selır selten bracteenförmig), stumpf bis spitz, 
selten ganzrandig, meist gezähnelt oder gezähnt, oft mit sehr grossen 
Zähnen. Kopthüllen weniger dicht, vorherrschend kurzhaarig, zuweilen 
mit spärlich eingemengten, sehr feinen Drüsenhaaren. Hüllschuppen 
schwärzlichgrün, nur die wenigen äussersten kurz, breitlich, stumpflich, 
sehr selten blatt- oder bracteenartig, die übrigen fast gleich- 
gestaltet, lineallanzettlich, + zugespitzt, nur bei FH. calenduliflorum 
Backh. bis 3Mm. breit, stumpflich. Ligularsaum und Zähnchen nur 
bei eben genannter Form reichlich, sonst kürzer und zerstreuter be- 
haart mit feinen weissen, seidenartigen Haaren. 

3. H. calenduliflorum Backh. = H. alpinum var. 3. H. Halleri 
ß. spathulatum Wiram. (sec. R. v. Uechtritz). 

Bei Abfassung meiner vorjährigen Mittheilungen über die Hieracia 
des Riesengebirges, stand ich noch unter dem Einflusse der früheren 
Uechtritz’schen Ansicht, die auch in die Fiek’sche Flora von Schlesien 
übergegangen ist, dass H. calenduliflorum Bakh. eine Varietät des 
H. ewimium desselben Autors sei. Durch die Gefälliskeit der Herren 
Fiek und Öborny (von Letzterem namentlich erhielt ich sehr zahl- 
reiches frisches Material), hatte ich Gelegenheit grössere Mengen 
von ostsudetischen Alpinen kennen zu lernen, resp. zu studiren — 
darauf kommt es ja bei so variablen Pflanzen, wie diess die Hieracien 
sind, ganz wesentlich an — und bin zu der Ueberzeugung gelangt, 
dass H. calenduliflorum Backh. und H. eximium ejd. speeifisch ver- 
schieden (was Uechtritz in litt. auch zugegeben hat), ja einander 
nicht einmal ähnlich sind und dass meine, durch eine Bemerkung 
meines Freundes R. v. Uechtritz auf der betreffenden Etiquette ver- 
anlasste Angabe in den vorjährigen Mittheilungen über die Auffindung 
eines, zu dem typischen FH. eximium Backh. gehörigen Exemplars 
am Grossen Teich des Riesengebirges eine unrichtige war. Ich ver- 
suche, das H. calenduliflorum Backh. nach dem mir aus den Ost- und 
Westsudeten, namentlich von letzteren, in grosser Anzahl (weit über 
100 Exemplare) vorliegenden Materiale nachstehend zu beschreiben, 
wobei ich meine Verwunderung darüber nicht unterdrücken kann, 
dass eine so stattliche und grossköpfige Pflanze, die im Riesengebirge 
durchaus nicht selten ist, von den neueren Floristen (Fiek und 
Winkler) in den Westsudoten übersehen werden konnte. — Zuerst 
erkannt wurde sie von Dr. Ferd. Pax auf einer in meiner Begleitung 
unternommenen Exeursion im September 1881 am Gehänge. Ich habe 
sie dann später auf den Wiesen an der Kleinen Lomnitz über dem 
Melzergrunde, in der Pantsche über dem Kleinen Teich, an den 
oberen Teichrändern, am Brunnenberge unterhalb der Kapelle, auf 
der Weissen Wiese, am Oberrand des Aupakessels, auf dem Koppen- 

lan unweit der Riesenbaude, am Kleinen Teich und am Kiesberg 
spärlich, auch ein styloses Exemplar), ‘Professor Sagorski aus 


240 


Pforta im Juli 1886 zahlreich auf Wiesenflächen bei der Rennerbaude 
gesammelt. 

Stengel 15 — 35 Cm. hoch, längsgestreift, aufrecht, oder bei 
sehr hohen Individuen etwas aufsteigend, hin und her gebogen, ein- 
köpfig, + reichlich beblättert, mit über 5 Mm. langen, schwarz- 
füssigen, graulichweissen Zottenhaaren mässig behaart; am Obertheile 
ziemlich reichlich, nach unten mehr zerstreut mit schwarzen Borsten- 
haaren besetzt, unter dem Kopfe dichtfilzig von graulichweissen 
Sternhaaren, welche weiter nach unten immer zerstreuter auftreten 
und über der Basis nur vereinzelt vorkommen. Drüseneinmengung 
unter dem Kopfe + reichlich, weiter nach unten und in der unteren 
Stengelhälfte zerstreut, gegen die Basis ganz verschwindend. Blätter 
dunkelgrün, etwas glauceseirend, beiderseits und am Rande reichlich 
behaart mit kurzen, weichen, weisslichen Haaren. Grundblätter zur 
Blüthezeit + vorhanden oder doch in einer oder mehreren Neben- 
rosetten noch grün; äussere (breit- oder schmal-) spatelförmig, ganz- 
randig, mueronat, zuweilen am Rande mit zerstreuten, kleinen Drüsen 
besetzt, wodurch sie gezähnelt erscheinen; innere länglich-lanzettlich, 
zuweilen nach oben spatelförmig verbreitert, in den langen, breit- 
geflügelten Blattstiel allmählich verschmälert, mit gefalteter Spitze, 
unregelmässig grob bis buchtig gezähnt, oft mit eingeschalteten 
kleineren Zähnchen; die Zähne stehen nicht selten im rechten Winkel 
gegen den Mittelnerv, bei allen der breite, weisse Mittelnerv fast 
immer deutlich hervortretend. Stengelblätter von unten nach oben 
an Grösse sehr schnell abnehmend, 4—8 am ganzen Stengel; untere 
den Grundblättern + ähnlich, jedoch weniger tief gezähnt; mittlere 
länglich-lanzettlich, zuweilen gezähnelt, gewöhnlich aber, wie die 
oberen, lineal- lanzettlichen ganzrandig. Die dicht unter dem Kopfe 
stehenden bracteenförmig, grün. Kopfhüllen halbkugelie, zuweilen 
am Grunde gestutzt, mittel- bis ansehnlich gross (bis reichlich 3 Cm. 
im Durchmesser). Hüllschuppen breit (bis 3 Mm.) stumpf, bis 15 Mm. 
lang, schwarzgrün, mit am Grunde schwarzen, grauweissen, langen 
Zottenhaaren und dichtstehenden kurzen, schwarzen Borsten reichlich 
bekleidet. Ligulae tiefselb, sowie die Zähne mit langen, feinen Seiden- 
haaren ziemlich reichlich behaart. Griffel in vivo gelb oder bräunlich, 
beim Trocknen dunkler oder schwarz werdend. Man kann zwei Formen 
unterscheiden: 

a) normale, mit vollkommen ausgebildeten Ligulis; 

b) stylosum, mit verkümmertem Ligularsaum und weit hervor- 
ragenden Griffeln. 

Den Köpfen und dem Indument nach steht unsere Pflanze den 
subfoliosen Alpinen, in der Beblätterung den foliosen näher, wir stellen 
sie daher zwischen FH. tubulosum und H. polymorphum. 

4. H. polymorphum n. sp. = H. montanum wihi olim = AH. 
alpinum foliosum Tausch pro parte. 

Dass die Tausch- und Wimmer’sche Bezeichnung H. alpinum 
foliosum als Speciesname nicht aufrecht erhalten werden kann, wird 
‚Jedem, der sich einigermassen mit alpinen Hieracien beschäftigt hat, 


ln 


241 


klar sein; ebensowenig kann dieselbe als Bezeichnung einer Varietät 
oder Subspecies des Z. alpinum L. im Sinne der meisten neueren Auto- 
ren Verwendung finden. Wimmer verstand unter seinem FH. alpinum 
foliosum sowohl mein jetziges H. polymorphum mit seinen ver- 
schiedenartigen Gestalten, wie auch das total von diesem verschiedene 
H. tubulosum Tausch und sämmtliche stylose Formen (Wimm. Fl. 
von Schles. ed. III 1857 pag. 306). Zu ZH. alpinum L. rechnete er 
auch das ZH. decipiens Tausch als Varietät unter dem Namen me- 
lanocephalum, gab aber in den Erläuterungen zu den Diagnosen 
bereits zu, dass sowohl dieses, wie sein als Varietät ausgegebenes 
H. alpinum foliosum besondere Arten sein könnten. 

Den von mir zuerst gewählten Namen „JZ. montanum“ haben 
die Herren Nägeli und Peter bereits vor mir einem Piloselloid 
beigelegt. Obgleich diese Herren in der Wahl von bereits für 
Archieracien verbrauchten Namen nicht eben sehr scrupulös bei 
Benennung ihrer zahlreichen neuen Species und Subspecies unter 
den Piloselloiden vorgegangen sind (ich habe diess beim Studium der 
Nägeli-Peter’schen Monographie der Piloselloiden in mehr als 30 Fällen 
bemerkt; am meisten mussten Jordan’sche, Lindeberg- und Froe- 
lich’sche Bezeichnungen herhalten), eassire ich hiermit die Benennung 
„montanum“ und wähle dafür die weit passendere „polymorphum“, 
welche vor ihrer Publication im Jahresberichte der Schles. Ges. £. 
vaterl. Cult. pro 1885 noch nicht verbraucht war. 

Specielle Diagnose wird in der angekündigten Monographie der 
Westsudetischen Hieracien gegeben werden. 

Ich unterscheide nunmehr folgende Varietäten: 

a. var. Fritzei F. Schultz (erweitert) = H. alpinum foliosum 
Wimm. ex p. 

Stengel ein- bis mehrköpfig (letztere Form ist Fler. alpinum 


foliosum var. pleiocephalum Uechtr. pro parte minore), kurzhaarig, 


Stengelblätter lineal-lanzettlich, zugespitzt oder stumpf, ganzrandig 
oder gezähnelt, resp. gezähnt. Köpfe verschieden gestaltet: bauchig, 
halbkugelig, selten kreiselförmig, Griffel dunkel.') Fehlt, wie es 
scheint, in den Ostsudeten; in den Westsudeten häufig. Nach Fritze 
und Ilse auch in der hohen Tatra. Dabei sind folgende Formen zu 
unterscheiden: 

l. angustius = H. Fritzei F. Schultz. 

2. latius. 

ß. var. pseudopersonatum mihi. Vergl. Diagnose in dieser Zeit- 
schrift 1886, p. 23. Die mehrköpfigen sind die var. plejocephalum 
Uechtr. pro parte majore. In meinem Herbar befindet sich ein Indi- 
viduum mit zwei Trieben, von denen der eine einköpfig, der andere 
vielköpfig ist. Die Uechtritz’sche Bezeichnung dürfte zu -cassiren sein, 
wenn man dieselbe nicht etwa für ein folioses Alpinum reserviren 


') Die Griffelfarbe ist bei Exsiecaten als diagnostisches Merkmal nicht zu 
brauchen, weil auch ganz goldgelbe Griffel beim Trocknen nicht selten schwarz 
werden. x 

Oesterr, botan, Zeitschrift, 7, Heft 1887, 20 


242 


will, das ich seit fünf Jahren am grossen Rade beobachte, und wel- 
ches sich das besondere Vergnügen macht, alljährlich in anderer Ge- 
stalt zu erscheinen. Im Jahre 1881 erhielt ich es von Dr. F. Pax 
zweiköpfig mit stark bekleidetem Stengel und Köpfen, der var. M. 
Fritzei F. Schultz in Beblätterung und Habitus nahe kommend; 
1832 bis 1886 beobachtete, respective sammelte ich es selbst; 
1882 waren am 27. August nur niedrige einköpfige Individuen zu 
finden; 1883 sammelte ich am 16. September ganz von denselben 
Stöcken bis 25 Cm. hohe vierköpfige Individuen, zum Theil mit 
16 Cm. langen Grund- und 10 Cm. langen unteren Stengelblättern, 
welche bis 2:5 Cm. breit, entfernt wellenförmig gezähnt, länglich- 
lanzettlich, in den breiten, breitgeflügelten Blattstiel ganz allmählich 
verschmälert waren, Indument wie in 1881. Am 14. September 1884 
traf ich dieselben Pflanzen ein- bis vierköpfig mit etwas schwächerer 
Bekleidung; die Grundblätter bei 2 Cm. grösster Breite nur 7 Cm. 
lang, breit-lanzettlich, scharf gesägt; unterstes Stengelblatt lanzett- 
lich, 1'6 Cm. breit, 5 Cm. lang, ungestielt, sowie das darüber ste- 
hende, den untersten Kopfstiel stützende, mit breitem Grunde sitzend, 
gezähnelt. Ganze Pflanze höchstens bis 16 Cm. hoch. Am 1. Sept. 
1885 habe ich diese Pflanzen in einer Ueppigkeit wieder gesammelt, 
wie ich sie vorher und auch im vorigen Jahre nicht gesehen. Grösste 
Höhe 33 Cm., grösste Kopfzahl 10, Stengel und Kopfhüllen mit 
kurzen, dicken, schwarzen Borsten besetzt, nur der untere Stengel- 
theil bis zu dem, den untersten Kopfstiel stützenden Stengelblatte 
zerstreut behaart, der übıige Stengeltheil, die Kopfstiele und Hüllen 
sehr schwach und kurz behaart oder haarlos. Grundblätter 9 Cm. 
lang, breit-lanzettlich, im obersten Drittheil am breitesten (15 Cm.), 
in den im unteren Drittel sehr verschmälerten, zuletzt sehr schmal 
geflügelten Blattstiel verschmälert, seicht gezähnt, aber mit einzel- 
nen schärferen, in eine kurzgestielte Drüse endigenden Zähnen ver- 
sehen, Stengelblätter lanzettlich, bis 6 Cm. lang bei ca. 1—1'3 Cm. 
Breite, an der Basis stielartig verschmälert, sitzend, gezähnelt bis 
scharf gezähnt. Am 13. August 1886 besuchte ich diese Pflanzen 
wieder. Wenn ich diesen Standort nicht so genau kennen würde, wie 
diess der Fall ist, hätte ich an eine Verwechslung glauben müssen, 
denn alle Stöcke, denen ich nie mehr als einen Trieb entnehme, 
hatten wieder ähnliche Tıiebe produeirt, wie ich sie 1882 gesehen 
und 1881 von F. Pax erhielt; Stengel und Kopfhüllen zeigten wieder 
reichliche Behaarung'); Beblätterung und Habitus waren wieder der 
var. Fritzei ähnlich; unter einigen 20 Trieben befanden sich nur 
zwei zweiköpfige, alle übrigen waren einköpfig. Hier können nur 
mehrjährige Culturversuche Klarheit in die Verhältnisse bringen. Ich 
beobachte nun schon viele Jahre lang Hieracien an ein und dem- 
selben Standorte, aber eine solche Veränderlichkeit bei denselben 
Individuen ist mir noch nicht vorgekommen. Uebrigens ist es nicht 


'!) Man vergl. das pag. 203 d. Zeitschr. über das veränderliche Indument 
bei den subfoliosen Alpinen Gesagte. 


243 


ganz unmöglich, dass die var. pseudopersonatum mit dem Fries'- 
schen H. personatum (Epier. Hier. p. 45 als Species) identisch ist, 
da bekanntlich dessen Beschreibungen nicht immer mit den von ihm 
ausgegebenen Pflanzen übereinstimmen. Ich besitze Exemplare des 
pseudopersonatum mihi, zu denen Uechtritz (in sched.) bemerkte: 
„Aehnlich sah, meines Wissens, die Pflanze aus, welche mir Fries 
vor Jahren als H. personatum Fr. bestimmte!“ Auch fand ich im 
Jahre 1886 auf dem Koppenplan hierher gehörige Pflanzen mit grün 
gebliebener Blattrosette, mehr lanzettlichen Grundblättern und ange- 
drückten äusseren Hüllschuppen. 

Ausser in den Westsudeten kommt unsere Pflanze auch in den 
Ostsudeten am Glatzer Schneeberge (Oborny! Fiek!), nach For- 
mänek daselbst an der Dürren Koppe, und falls das Rehmann’sche 
H. alpinum 2. debile, wie zu vermuthen, hieher gehört, auch in der 


Hohen Tatra vor. 
(Fortsetzung folgt.) 


— — 


Flora des Etna. 
Von Prof. P. Gabriel Strobl. 


(Fortsetzung.) 


1361. Lotus angustissimus L. Guss. *Syn. et * Herb.!, Rehb. D. 
Fl. 136 I!, graeilis W *Raf. I. Meist niederliegend; schlank, reich- 
ästig, zerstreut abstehend zottig; Blättchen verkehrt eiförmigkeilig, 
Nebenblätter eilanzettlich; Bracteen ebenso oder zwei- bis dreizählig 
mit schmäleren Blättchen; Blüthenstiele ein —zweiblüthig, etwas über 
blattlang; Kelch sammt den lanzettlich-linearen, die Röhre an Länge 
um die Hälfte übertreffenden Zähnen sehr lang rauhhaarig; Krone 
den Kelch überragend, 5— 6 Mm. lang, hochgelb, auch getrocknet 
gelb; Hülsen gerade, 15—2°5 Cm. lang, 1 Mm. breit. ZL. Levieri 
Heldr. ji. litt. aus Lucca (l. Levier!) kann ich davon nicht unter- 
scheiden. Auf feuchten Wiesen bei Catania (Guss. Syn.) und Milo 
(Herb. Torn!, Torn. in Herb. Guss!). April, Mai ©. 

1362. Tetragonolobus purpureus Much. Lotus Tetrag. L. *Raf. I, 


- *Cat. Cosent., *Bert. fl. it. Guss. Syn. et *Herb.! Auf krautigen 
- Fluren, Feldrändern und Lavaströmen der Tiefregion häufig: Aus 


Catania von Cosentini erhalten (Bert., Herb. Guss!), um Acicastello 
(Herb. Torn!), um Catania und von da nach Ognina (Herb. Reyer!), 
in der Ebene des Simeto! März, April ©. 

1363. T. biflorus (Dsr.) DC, Lot., bifl. Dsr. *Raf. I, Guss. Syn. 
et Herb.!, L. maritimus *Cat. Cosent. Auf krautigen Fluren und in 
Culturen Siziliens häufig, aus der Tiefregion des Gebietes jedoch 
nur von Raf. und Cosent. angegeben. April, Mai ©. 

1364. Bonjeania recta (L.) Rchb. fl. germ. exe. et D. Fl. 135 
I, II!, * Bert, fl. it., Lotus rectus L. Guss. Syn. et *Herb.! An Flüssen, 

20 * 


244 


Wasserleitungen und zwischen feuchtem Gebüsch bis 2000°: Ans 
Catania von Cosentini erhalten (Bert., Herb. Guss!), am Simeto und 
seinen Einflüssen unterhalb Adernd sehr gemein, seltener unterhalb 
Bronte! April— Juni %. 

1365. Physanthyllis tetraphylla (L.) Boiss. Voy., Rehb. D. Fl. 
128 II, III!, Vulneraria tetr. Guss. Syn. et *Herb!, Anthyllis tetr. 
L. *Bert. fl. it. Auf trockenen, krautiren Rainen, in Wein- und 
Olivengärten Siziliens sehr gemein, im Gebiete jedoch ziemlich selten: 
Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert., Herb. Guss!), um Acica- 
stello (Herb. Torn!), Misterbianco! März, April ©. 

1366. Psoralea bituminosa L. Guss. Syn. et *Herb.!, Rchb. D. 
Fl. Tfl. 139! Auf Lavaströmen, Mauern, Felsen, buschigen Abhängen 
sehr gemein, meist v. ß angustifolia Guss. (mit schmal eilanzett- 
lichen, ziemlich kahlen, intensiv grünen Blättern und sehr langen 
Blüthenstielen): Ueberall um Catania (!, Cosent. in Herb. Guss!, 
Herb. Torn!), Acicastello (!, Herb. Torn.!, Herb. Reyer!), Mister- 
bianco, Mascalucia, Gravina, Ognina, längs der Eisenbahn bis Taor- 
mina, besonders bei Acireale, in der Ebene des Simeto bis Adernd! 
März — August 2%. 

1367. Glyeyrrhiza glabra L. *Cat. Cosent. Auf lehmigen Fel- 
dern und an Eisenbahndämmen der Tiefregion, besonders in der Ebene 
des Simeto und des Alcantara, äusserst gemein, auch auf Meersand 
der Arena an Weingärtenrändern häufig! Juni— August %. 


1368. Robinia Pseudacacia L. In der Tiefregion, besonders an 
der Ostküste, z. B. bei Acireale, sehr häufig cultivirt und verwildert! 
NB. Die von Cat. Cosent. in der Ebene des Simeto angegebene Phacu 
prostrata ist mir unbekannt, auch die von Raf. aus der Tiefregion 
angeführte Galega offieinalis L. fehlt in Sizilien. 


1369. Astragalus Epiglottis L. *Raf. I, Guss. Syn. et Herb.! 
Auf trockenen, steinigen Kalkhügeln Siziliens nach Guss. überall, 
aus dem Gebiete bisher nur von Raf. angegeben. März, April ©. 


1370. A. hamosus L. *Cat. Cosent., *Bert. fl. it., Guss. Syn. 
et Herb.! Auf Rainen und Feldern der Tiefregion: Aus Catania von 
Cosentini erhalten (Bert. 1. e.), um Catania (Herb. Torn!), in 
Weingärten bei Annunziata (Herb. Reyer!), an Eisenbahndämmen 
gegen Ognina sehr häufig, noch häufiger in der Ebene des Simeto! 
April, Mai ©. 

1371. A. boeticus L. *Raf. I, Guss. Syn. et Herb.! Bisher nur 
von Raf. aus der Tiefregion des Gebietes angegeben und von mir in 
Weingärten, sowie an grasigen Felsrändern der Ebene des Simeto 
gegen das Meer hin häufig gesammelt. März, April ©. 


1372. A. monspessulanus L. Guss. *Syn. et Herb! Auf lehmig- 
kalkigen Hügeln um Bronte (Guss. 1. c.); ich sammelte die Art 
häufig in den Nebroden und zwar die Normalform mit ziemlich 
kahlen, unterseits angedrückt kurzpflaumigen Blättern und ungefleckten 


245 


Hülsen, ganz übereinstimmend mit Exemplaren Südfrankreichs und 
des Gardasee's. April, Mai %. 


1373. A. caprinus L. Guss. Syn. et Herb!, *Cat. Cosent., 
excapus *Raf,. I, non L. Auf trockenen Lehmhügeln und Kalkbergen 
Siziliens nicht selten, auch aus der Tiefregion des Gebietes von Raf. 
und aus der Ebene des Simeto von Cosent. angegeben. März—Maäi %. 


1374. A. siculus Biv. *Raf. Car., *Raf. II, III, *Presl A. sie., 

* Brunner, * Bert. fl. it., * Philippi, *Gemellaro, *Guss. Syn. et *Herb.!, 
*Torn. cart., *Torn. geogr., siculus « aetnensis * Heldr. Cat. Unter- 
scheidet sich von dem äusserst ähnlichen nebrodensis (Guss.) mihi 
— siculus b. nebrodensis Guss. Syn. et Herb.!, der in den Nebroden 
seine Stelle vertritt, durch länger stachelspitzige, in der Jugend kurz 
zottigseidige, graugrüne, erwachsen jedoch ziemlich kahle, stets be- 
deutend kleinere und nur 3—6paarige Blättchen. deren Endpaar fast 
immer vom Stachel des Blattstieles überragt wird; ferner besitzt der 
Kelch eine 5 Mm. lange, krautige Röhre (bei xebr. fehlt sie fast) 
und 4 Mm. lange, grüne, kaum stachelspitzige, bedeutend schwächer 
wolligzottige Zähne (bei nebr. sind sie 5—6 Mm. lang, weisslich- 
häutig, äusserst dicht schneeweiss zottigwollig, und mit kurzer, kahler 
Stachelspitze und reichen fast bis zum Kelchgrunde), und fleisch- 
rothe Blüthen (nebr. besitzt weisse Blüthen mit rothlinirter Fahne). 
— Im schwarzen Lavasande der Hochregion (7— 8000) ausser- 
ordentlich gemein und hier die hervorragendste Etnapflanze, aus 
deren Polstern die meisten der hier noch vorkommenden Pflanzen 
hervorsprossen; daher von allen Etnabesuchern erwähnt; steigt aber 
auch, allerdings allmälig seltener werdend, durch die ganze Wald- 
region bis in die obere Tiefregion herab; ich fand ihn am gewöhn- 
lichen Aufstiege über Nicolosi vom Beginne der Wälder (3000) bis 
fast zur Grenze des Pflanzenwuchses überall, ferner ebenso gemein, 
ja grosse Strecken hindurch überhaupt als einzigen Vertreter der 
Pflanzenwelt, im Val del Bove, ebenso vom Cerritawalde aufwärts, 
viel seltener an der Westseite vom Bosco Maletto an. Von den 
älteren Angaben hebe ich folgende heraus: „Zwischen 6000 und 7500°* 
Presl), „vom Etna oberhalb Nicolosi durch Cosentini, Schouw., 
ranger, Brunner und Gussone erhalten“ (Bert.), „gegen das 
obere Ende der Waldregion, zwar schon bei der casa de Rinazzi 
(3291), aber erst bei 4800° häufig; in der offenen Region vor- 
herrschend, die Stelle der Alpenrosen vertretend, dichte vollkommen 
 halbkugelige Rasen bildend, die 2—2'5‘ hoch sind und höchstens 
_4— 5° Durchmesser haben, ganz mit dem Ansehen einer Ruhebank, 
aber den Arglosen mit den stachelspitzigen Blattstielen jämmerlich 
stechend; ich traf ihn nicht über 7500 (Philippi); „steigt über 
8200“ (Brunner); „von 7500° bis zur Timpa del Barile, 7948°* 
(Gemellaro); „348—7948°“ (Torn. Cart.); am Etna bei Niecolosi und 
im Giessbache von Caltabiano (Guss. Syn.), im Valle del Trifoglietto 
Cosent. in Herb. Guss.!), Bosco Rinazzı, Gervasi, Monti Scavo (Herb. 
orn.!). Mai—Juli ©. ö 


246 


NB. A. arenarius L. und Cicer L. von Cat. Cosent. aus der 
Ebene des Simeto angegeben, fehlen in Sizilien. 


1375. Biserrula Pelecinus L. *Raf. I, *Biv. cent. II, *Bert,. 
fl. it., Guss. Syn. et *Herb.! An dürren Stellen des Etna (Biv. II, 
Biv. in Herb. Guss.!), aus Catania von Cosentini erhalten (Bert. 
l. c., Herb. Guss.!), um Catania (Herb. Torn., Torn. in Herb. Guss!), 
an Eisenbahndämmen zwischen Ognina und Acicastello stellenweise 
häufig! April, Mai ©. 


1376. Scorpiurus subvillosa L. muricata *Cat. Cosent. Variirt 
in Sizilien: « genuina Gr. Godr. (Blüthenstiele 2—4blüthig, Aussen- 
rippen der Gliederhülsen mit langen, kahlen, etwas hakigen Stacheln 
dicht besetzt); ß eriocarpa Guss. (wie «, aber Stacheln noch länger 
und fein rauhhaarig); acutifolia Viv. unterscheidet sich davon durch 
kurzstachelige Früchte und spitze, die Blüthenstiele überragende 
Blätter. Auf sonnigen, krautigen Hügeln, auf Fluren, in Saaten, Wein- 
und Olivengärten bis 2000° beide Varietäten gemein: Catania (!, Herb. 
Torn. « und £!), um Annunziata gemein (Herb. Reyer « und £!) 
überall in der Ebene des Simeto (« und £!), um Adernd, Bronte!’ 
April, Mai ©. 


1377. Coronilla valentina L. Auf Kalkfelsen in Süd- und West- 
Sizilien (Guss. Syn. et Herb.!), von Raf. II und Tratt. Scuderi auch 
in der Waldregion des Etna, aber wohl irrig, angegeben; vielleicht 
Verwechslung mit Emerus L., die in Sizilien häufig, aber für unser 
Gebiet noch ausständig ist. 


1378. Cor. scorpioides (L.) Koch *Bert. fl. it. Guss. Syn. et 
Herb.! In Saatfeldern, Wein- und ÖOlivengärten bis 2000° gemein: 
Um Catania, Acicastello (!, Herb. Torn.!), aus Catania von Cosentini 
erhalten (Bert. 1. c.), um Misterbianco, überall in der Ebene des 
Simeto bis hinauf nach Bronte! April— Juli ©. 


1379. Ornithopus compressus L. *Bert. fl. it., Guss. Syn. et 
Herb.! Auf sonnigen Abhängen, in Feldern und Gärten der Tief- 
region, sowie im schwarzen Lavasande der Waldregion bis 5000° 
gemein: Aus Catania von Consentini erhalten (Bert. 1. c.), um 
Catania, Milo, am Monte Pd (Herb. Torn.!), Acicastello (Herb. Reyer!), 
Ognina, vom Meere bis in die Wälder oberhalb Nicolosi überall, 
besonders in der Ebene hinter Nicolosi oft wie angebaut, im Valle 
Calanna, im Serrapizzutawalde etc.! März— Mai 9. 


1380. Hippocrepis unisiliguosa L. *Cat. Cosent., *Bert. Fl. it., 
Guss. Syn. et *Herb.!, *Philippi, unis. var. biflora *Raf. I, III (also 
in der Tief- und irrig auch in der Hochregion angegeben). Auf 
sonnigen, krautigen Hügeln, in Saat- und Brachfeldern häufig: Aus 
Catania von Cosentini erhalten (Bert., Herb. Guss.!), in der Ebene 
des Simeto an vielen Orten angetroffen (!, Cat. Cosent., Philippi). 
März, April. ©. 


247 


1381. H. multisiliquosa L. Guss. *Syn. Add. et *Herb.! An kran- 
tigen Orten der Laven bei Catania (Torn. in Guss. ]. c.!), um Cata- 
nia überall an krautigen Orten (Herb. Tornab.!), häufig in Feldern 
und zwischen Weingärten der Ebene des Simeto nahe dem Meere! 
April, Mai. ©. 

1382. Hedysarım coronarium L. *Cat. Cosent., Cosent. Mem., 
*Bert. Fl. it., Guss. Syn. et Herb.! Auf Fluren, Feldern, an grasi- 
gen Flussrändern bis 2000° sehr häufig: Aus Catania von Cosen- 
tini erhalten (Bertol. 1. e.), in immenser Zahl am Ufer des Simeto 
(Cosent. Memor.), besonders wichtig als Viehfutter in der Arena 
(Cat. Cosent.), in Weingärten bei Annunziata (Herb. Reyer!), über- 
all in der Ebene des Simeto bis Paternd hinauf (!, Herb. Reyer!, 
Herb. Torn.!), um Misterbianco und selbst noch um Bronte! April, 
Mai. ©. 

1383. H. capitatum Dsf. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herh.!, 
spinosissimum Presl Fl. sie., non L. Variirt mit bleichen, weisslichen 
Blüthen — H. pallidum *Raf. Il, *Biv. cent. II, non Desf. Capitat. 
unterscheidet sich von spinosissimum L. W. Lge. III, 262 aus Spa- 
nien nach W. Lge. und meinen spanischen Exemplaren nur durch 
doppelt so grosse (12—17 Mm.), intensiv rosen- oder purpurrothe 
Blüthen, deren Fahne das Schiffehen meist überragt, dichter zottige 
und länger weichstachelige, meist zweigliederige Hülsen, reicherblü- 
thige Dolden, spitzere, längere, schmälere Fiederchen. Bei Randazzo 
von Parolini gesammelt (Bert. ]. e.), um Catania (Cosent. in Herb. 
Guss.!), in Lavagründen links von der Strasse durch Ognina (Herb. 
Reyer!), äusserst gemein auf sandigen Fluren längs des Simeto unter- 
halb Paternd! Var. pallidum: Auf Hügeln bei Catania in der Con- 
trada di Pintudattilo (Biv. cent. II). April, Mai. ©. 


1384. Onobrychis caput galli (L.) Lam. *Bert. Fl. it., Guss. 
Syn. et *Herb.! Hedysarum ce. g. L. *Raf. II. Ein- oder zweijährig, 
Kelch von Kronenlänge, Hülse flaumig, grubig, überall bestachelt; 
die Stacheln des Kammes lang, aus flacher, dreieckiger Basis schnell 
dornig verschmälert, an der Spitze gerade oder hakig; die der Scheibe 
etwas kürzer und konisch, an der Basis weder flach, noch bedeutend 
verbreitert. Auf trockenen Hügeln und Feldern Siziliens sehr häufig, 
im Gebiete jedoch ziemlich selten: Aus Catania von Cosentini er- 
halten (Bert. 1. e.), auf Hügeln bei Bronte (Herb. Guss.!). April, 
Mai. ©, ©). 

1385. On. aequidentata (S. Sm.) D’Urv. Guss. Syn. et Herh.!, 
foweolata DC. Prodr. Von voriger verschieden durch den Kelch über- 
ragende Kronen und die Stacheln der Hülsen: die des Kammes sind 

n, dreieckig, nur doppelt so lang, als am Grunde breit, gegen 
ie Ränder an Grösse abnehmend, ihre Dornspitze kurz, gelb; die 
der Scheibe sind sehr kurz, konisch; stimmt genau mit dalmat. und 
türkischen Exemplaren; foveolata DC. ist nur eine Varietät derselben 
mit niedrigem Stengel, etwas breiteren, stärker behaarten Blättern, 


248 


stärker grauzottigen Hülsen und kahlen Gruben derselben. — Auf 
dürren Hügeln und Feldern, am sandigen Meerstrande Siziliens sehr 
häufig, daher im Gebiete gewiss nur übersehen. März—Mai. ©. 


1386. Oicer arietinum L. Häufig eultivirt und auch manchmal 
verwildert in der ganzen Tiefregion bis Bronte und sogar noch gegen 
den Bosco Maletto hinauf (ca. 3000). Mai ©. 


(Fortsetzung folgt.) 


—i 


Literaturberichte. 


Engler A. und Prantl K., Die natürlichen Pflanzenfamilien nebst ihren 
Gattungen und wichtigeren Arten, insbesondere den Nutzpflanzen, unter 
Mitwirkung zahlreicher hervorragender Fachgelehrten. Leipzig, W. Engel- 
mann, 1887. Lieferung 1—5, gr.-8°, 15 Bogen, mit zahlreichen Holzschnitten. 


Jeder Naturfreund, der sich mit systematischer Botanik be- 
schäftigt und sein Wissen nicht allein auf die Erkenntniss der ihn 
umgebenden heimischen Flora beschränkt, sondern auch sein Augen- 
merk den herrlichen Blumenschätzen der Tropenwelt zuwendet oder 
sich überhaupt Kenntniss erwerben will über den Pflanzenwuchs irgend 
eines fernen Landes, hat in seinen Studien sehr bald empfunden, dass 
unsere botanische Literatur in dieser Beziehung gar kein allgemein 
verständliches und zu gleicher Zeit den wissenschaftlichen Anforde- 
rungen genügendes Hilfsbuch aufzuweisen hat. Es herrscht eben ein 
entschiedener, namentlich von Botanikern in fernen Ländern sehr 
gefühlter Mangel eines Handbuches der systematischen Botanik oder 
überhaupt eines Werkes, welches im Stande wäre, sowohl den Fach- 
botaniker, als den Laien mit den für sie wichtigen und interessanten 
Pflanzen bekannt zu machen. Nur in grösseren Museen und Fach- 
bibliotheken waren dem Wissbegierigen die aus vielen umfangreichen 
Folianten und kostbaren Bänden bestehenden Hilfsquellen zugänglich, 
welche nur in fremder Sprache, oft auch ohne Zugabe der den Text 
belebenden Abbildungen zum Ziele führen sollten. Wer jedoch z. B. 
nach dem berühmten Werke Genera plantarum von Bentham und 
Hooker oder nach dem jetzt veralteten Endlicher’schen Werke 
gleichen Namens sich bis zur Bestimmung der Gattung einer ihm 
interessant erscheinenden tropischen Pflanze durchgearbeitet hatte, 
war sich dessen wohl bewusst, dass er ein schweres Stück Arbeit 
mühselig überwunden, da eben diese, doch anerkannt besten, in latei- 
nischer Sprache geschriebenen Werke nicht für Pflanzenliebhaber 
bestimmt sind, demnach dem Anfänger grosse Schwierigkeiten bereiten 
und auch der Abbildungen entbehren. Letzteren Mangel behob wohl 
ein noch immer brauchbares französisches Hilfsbuch für Systematik, 
nämlich Le Maout und Decaisne’s „Traite general de botanique“, 
in glänzender Weise, aber eine ausführliche Behandlung der Pflanzen- 


249 


gattungen wurde uns durch dieses Buch nicht gegeben, da es seinem 
Plane nicht entsprach. Wir haben jedoch bisher keine besseren Hand- 
bücher und andere ebenfalls in fremder Sprache verfasste leisten den 
vielen Anforderungen, welche an dieselben gestellt werden, noch 
weniger Genüge; es fehlt aber überhaupt an einem umfassenden 
Werke, welches nach wissenschaftlichen Grundsätzen ein Gesammt- 
bild der Pflanzenwelt in systematischer und doch dabei allgemeiner 
verständlicher Weise zur Darstellung zu bringen suchte. Bei den 
enormen Schwierigkeiten, die sich an das Zustandekommen eines 
derartigen Werkes knüpfen, müssen wir den dahin abzielenden nun 
realisirten Entschluss, welchen sich die zwei rühmlichst bekannten 
Systematiker und Pflanzengeographen Prof. A. Engler und K. Prantl 
im Vereine mit anderen hervorragenden Botanikern, wie: Prof. A. 
Eichler, OÖ. Drude, E. Warning, Ch. Luerssen, F. v. Mueller, 
E. Pfitzer, E. Hackel, P. Ascherson und zahlreicher anderer 
Forscher gestellt haben, geradezu bewundern, denn er gibt Zeugniss 
von dem unermüdlichen Eifer, welchen die Deutschen von jeher 
gerade in der Bewältigung der schwierigsten wissenschaftlichen Pro- 
bleme und Aufgaben an den Tag gelegt haben. Dass dieses Unter- 
nehmen aber auch in so vollkommen zweckentsprechender Weise ver- 
wirklicht wurde, ist ein neues Verdienst der bekannten Verlagsfirma 
Engelmann in Leipzig.’ Das grossartig angelegte, auf etwa 350 Druck- 
bogen berechnete und mit vielen tausend Abbildungen zu schmückende 
Werk: „Die natürlichen Pflanzenfamilien“, von dem uns bisher fünf 
Lieferungen (jede zu dem billigen Preise von 1'/, Mark) vorliegen, 
erfüllt in glänzender und vollkommenster Weise, entsprechend dem 
vorhin genannten Bedürfnisse, seinen Zweck, d.i. in allgemeiner ver- 
ständlicher Form ein in deutscher Sprache geschriebenes, 
grösseres, wissenschaftliches Handbuch für systematische 
Botanik zu werden. Es bietet eine Fülle von Anregung und Be- 
lehrung, und entsprechend den vielfachen Bedürfnissen nimmt die 
Behandlung des Stoffes auch Rücksicht auf anatomische Merkmale, 
biologische Thatsachen, auf die geographische Verbreitung und Nutz- 
anwendung sämmtlicher (auch fossiler) Gattungen und wichtigsten 
Arten und gliedert sich demnach bei jeder Familie in folgende Ab- 
schnitte: 1. Wichtigste Literaturangaben. — 2. Merkmale in knapper 


Form und allgemein verständlicher Darstellung. — 3. Vegetations- 
organe (mit Rücksicht auf die Existenzbedingungen). — 4. Anato- 
mische Verhältnisse. — 5. Blüthenverhältnisse (mit Rücksicht auf 


Entwicklung und Bestäubungseinrichtungen). — 6. Frucht und Samen 
(mit Rücksicht auf Entwicklung und namentlich auf Verbreitungs- 


mittel). — 7. Geographische Verbreitung. — 8. Verwandtschaftliche 
Beziehungen der Familie. — 9. Eintheilung der Familie in Unter- 
familien und Gruppen. — 10. Charakterisirung der Gruppen und 


Schlüssel zur Bestimmung der Gattungen. — 11. Anführung aller 
bekannten Gattungen, zwar ohne ausführliche Diagnosen, aber mit 
kurzer Angabe der wirklich unterscheidenden Merkmale, sowie des 
Vorkommens und der Artenzahl. — 12. Anführung der Arten, welche 


250 


an der Vegetationsdecke der Erde hervorragenden Antheil nehmen, 
sowie namentlich der Nutzpflanzen, ihrer Producte und der schäd- 
lichen Arten im Zusammenhange mit der systematischen Gruppirung 
der Gattung. — Eine grosse Anzahl mit ganz besonderer Sorgfalt 
ausgewählter Figuren dient zur Erläuterung und Ergänzung des 
Textes. Dieselben beschränken sich jedoch nicht allein auf die Wie- 
dergabe morphologischer und anatomischer Merkmale, sondern bieten 
auch Habitusbilder oder stellen einzelne, wichtigere Arten dar. Da 
die Bearbeitung auch die Kryptogamen umfassen wird, so kann man 
schon jetzt behaupten, dass „Dienatürlichen Pflanzenfamilien* 
als das beste Handbuch für systematische Botanik ein un- 
entbehrliches Hand- und Nachschlagebuch für jeden Bo- 
taniker zu werden verspricht. Selbstverständlich erforderte der 
Umfang des Werkes eine Gliederung des Inhaltes, der in 4 grössere 
Theile und diese wieder in mehrere Abtheilungen zerfällt wurde. Dem 
natürlichen Systeme entsprechend, enthält der1. Theil die Kryptogamen, 
der 2. die «ymnospermen und Monocotyledoneae, der 3. die chori- 
petalen und der 4. die gamopetalen Dicotyledoneae. In zweckmässiger, 
das regelmässige Erscheinen der Lieferungen fördernden Weise werden 
die Abtheilungen nebeneinander veröffentlicht, wie es die 5 Liefe- 
rungen darlegen, in welchen OÖ. Drude die Palmen und Cyeclan- 
thaceae, F. Buchenau die Juncaceen, A. Engler die Stemonaceae 
und Liliaceae und im Vereine mit A. Eichler und A. Prantl die 
Cycadeen und Coniferae in vorzüglichster, der oben angeführten Glie- 
derung des Stoffes genau entsprechender Weise monographisch bear- 
beiteten. Wir hoffen noch wiederholt auf den gediegenen Inhalt dieses 
allen Botanikern zu empfehlenden Werkes zurückzukommen und wollen 
nur noch erwähnen, dass die Verlagsfirma jenen Abonnenten, die ge- 
ringere botanische Vorkenntnisse genossen haben, ein Heftchen kosten- 
frei überlassen wird, welches eine für Jedermann verständliche Er- 
klärung der botanischen Kunstausdrücke enthalten wird, um diesem 
verdienstvollen Werke die grösste Verbreitung zu sichern. Beck. 


The Survey of Western Palestine. By the Rev. Tristram. 


In diesem von Palestine Explor. Fund herausgegebenen Pracht- 
werke ist eine Flora Palästinas (Gefässpflanzen 3002 Species) er- 
schienen. Es ist keine neue Pflanze aufgezählt, nur einige von Paine 
in Moab gesammelte Species, die er in der Pal. Explor. Soc. Rev. 3 
beschrieben, dürften dem grossen botanischen Publikum selbst dem 
Namen nach unbekannt sein, wesshalb wir sie hier anführen: Tri- 
gonella minima, Trifolium velivolum (Gilead), (Ervum lens is cer- 
tainly wild in Moab, Punica granatum apparently indigenous), Ce- 
phalaria tenella (Gilead), Trachelanthos foliosa (Asperifol. — Gilead), 
Phelipea gossypina (Baker msc. in herb. Kew ex collect. Paine — 
Hesbon), incana (Moab), Salvia paratica (Gilead), Plantago phaeo- 
pus (Moab), Allium lachnophyllum, Bromus argyphaeus (Gilead, 
Nadelwälder), — ungezählt die für Palästina neuen Vorkommnisse, 


251 


wie Rheum ribesin Moab. Tristram zählt 161 äthiopische und 27 
nordindische Pflanzen in Palästina neben 251 endemischen. Aller- 
dings ist diess nach den Gegenden verschieden. Die Gegend um das 
Todte Meer (250 Species) hat entschiedenen Wüstencharakter. Von 
160 Spee., die Tristram im Wadi Zuweirah sammelte, sind 27 
europäisch und nordindisch, 135 afrikanisch (von denen 37 nach In- 
dien reichen, 23 nach den Canaren — 17 nach Aden!). Das Jordan- 
thal scheidet sich scharf ab von den östlichen und westlichen Ber- 
gen. Diese Wüstenpflanzen sind nicht etwa spät eingewandert, son- 
dern nach Analogie der Fische und Vögel alte tropische Remanenzen, 
die Tristram in die Eocenzeit zurückverlegt. Es stossen somit in 
Palästina drei Floren zusammen — die Nordeuropas (Libanon, Berge 
von Galiläa; Wälder von Peräa), die Mediterranflora (Küste) und 
Wüstenflora (Jordanthal und Gegend um das Todte Meer). 


Dr. J. Palacky. 


Ascherson-Schweinfurth, Illustration de la Flore d’Egypte. Kairo 10. Fe- 
bruar 1887. 

Diese Flora, die einem wahren Bedürfnisse entspricht, speciell 
seit den Entdeckungen von Letourneux, schliesst ab mit 1257 Pha- 
nerogamen, einem Farren (Adiantum capillus veneris (im Nilthal, 
der kleinen Oase und der nordöstlichen Küste) und zwei Marsilea- 
Arten (davon diffusa Leprieur in der kleinen Oase). Sie zählt 56 
Species als endemisch in Egypten auf, ein gewaltiger Unterschied 
gegen Delile. Doch dürfte man noch einzelne Species in Arabien 
und der Sahara wiederfinden. Neu beschrieben werden Helianthemum 
Antoni Schweinf. (Galala), Silene apetala var. alewandrina Aschers., 
Spergularia salina var. alexandrina Aschers. (Zygophyllum beren- 
cense Schwfth. ined. nom. sol.), Phagnalon barbeyanum Asch., (nord- 
östliche Wüste), Attractylis mernepthae Asch., Schw. Suez-Adjernd), 
Carthamus tinctorius v. inermis Asch., Verbascum Letourneuai (spi- 
nosum Asch., marmaricum Letourn.), Haloxylon Schweinfurthi Asch. 
(— Anabasis articulata), Salsola velkenii (Saleje), Najas pectinata 
Magnus (Caulinia Presl, horrida A. Br.) — abgerechnet die von 
Körnieke beschriebenen Weizenspielarten etc. Es zeigt sich, dass 
der Nordwesten (von Marmarika zum Nil) rein mediterran ist und 
ca. 200 Species nicht weiter nach Egypten gehen, dass das Nilthal 
so einförmig und arm bleibt, wie es bisher geschildert wurde, dass 
aber die östliche Wüste (die sogenannte arabische, wovon hier der 
Nordosten als isthmische Wüste abgetrennt wird), viel reicher ist 
als die arme westliche oder libysche, dass im Gebirge einzelne süd- 
lichere Formen, die an den Sinai und Abyssinien mahnen, auftreten, 
und dass bis jetzt Egypten eine stattliche Zahl von Endemismen 
in der Wüste besitzt, die allerdings vielleicht noch in Arabien ge- 
funden werden dürften; schwerlich wohl in der Sahara, deren Ar- 
muth wieder durch die Collect. Flatters bestätigt worden ist. 


; Dr. J. Palacky. 


252 


Heimerl Ant. Beiträge zur Anatomie der Nyetagineen. I. Zur Kenntniss 
des Blüthenbaues und der Fruchtentwicklung einiger Nyetagineen: Mira- 
bilis Jalapa L. M. longiflora L. Orybaphus nyctagineus Sweet, (Denkschr. 
d. NR Cl. der k. Akad. der Wissensch. Wien, LII. Bd. 1887. 
3 Tfln. 

Die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung sind: 1. Die 
Samenknospe der untersuchten Nyctagineen stellt eine Mittelform 
des campylotropen und anatropen Ovulums dar und füllt die Frucht- 
knotenhöhle völlig aus. 2. Es existirt ein Leitapparat der Pollenschläuche 
in vollendeter Ausbildung. 3. Die zu Dreien vorhandenen Antipoden- 
zellen sind schon vor der Befruchtung mit Membranen umgeben 
und bleiben auch nach derselben noch länger erhalten. 4. Die Endo- 
spermbildung ist nur unbedeutend und vorübergehend, Perisperm- 
bildung findet dagegen massenhaft statt. 5. Die reife Frucht wird 
von einer sehr dünnen, braunen Haut umkleidet, welche entwicklungs- 
geschichtlich aus zwei Lagen besteht: die äussere wird von der col- 
labirten Aussenepidermis des Fruchtknotens gebildet, die innere, rela- 
tiv stärkere Lage stellt dis Testa des Samens dar. 6. Die Wand des 
reifen Fruchtperigons zeigt einen complieirten Bau, doch lässt sich 
am Querschnitte immer ein mittleres Sklerenchym, dann ein äusseres 
und inneres gerbstoffführendes Parenchym, endlich Epidermen beider 
Seiten nachweisen. 7. Rhaphidenschläuche finden sich: reichlich in 
der kurzen Verlängerung der Blüthenaxe, an welcher der Frucht- 
knoten sitzt; im unteren Perigonabschnitt (welcher sich zu einer 
harten Hülle um die Frucht ausbildet); in geringer Menge auch in 
der Fruchtknotenwandung. Dem Gewebe der Samenknospe fehlen sie. 
— Die anatomischen Details dieser gründlichen Untersuchung sind 
durch zahlreiche, vom Autor gezeichnete Figuren auf drei Steintafeln 
in Quart in einer ebenso eleganten als naturgetreuen Ausführung 
illustrirt. Burgerstein. 


Willkomm Dr. Moriz: Forstliche Flora von Deutschland und Oester- 
reich, oder forstbotanische und pflanzengeographische Beschreibung 
aller im Deutschen Reiche und österreichischen Kaiserstaate heimi- 
schen und im Freien angebauten oder anbauungswürdigen Holzge- 
wächse. 2. Auflage. 82 Holzschn. 968 pag. Leipzig, Winter’sche Verlags- 
handlung. 

Schon bei Erscheinen der ersten Lieferungen der nunmehr voll- 
ständig vorliegenden zweiten Auflage bot sich Gelegenheit, auf die 
wesentlichen Vorzüge derselben hinzuweisen (vergl. Oest. bot. Ztschr. 
1886, p. 206) und das schon damals Gesagte kann mit Bezug auf 
die späteren Lieferungen nur wiederholt werden. Dem Umfange nach 
weist die zweite Auflage gegenüber der ersten einen Zuwachs von 
fünf Bogen Text und acht Figuren auf; der Inhalt ist vielfach um- 
gearbeitet und erweitert. Die ausführliche Besprechung von 34 Arten 
wurde neu aufgenommen und entsprechend den heute allgemein ge- 
brauchten Systemen die Anordnung der Arten gänzlich geändert. 
Theilweise Neubearbeitung oder beträchtliche Erweiterung haben die 
Coniferen, die Gattungen Ulmus, Fraxinus, Acer, Juglans U. a. er- 


ze) 


fahren. Die Aenderungen ergaben sich theilweise in Folge monogra- 
phischer Bearbeitungen, zum Theile durch Benützung und Zusammen- 
fassung der zerstreuten forstbotanischen Literatur. Die Eintheilung des 
Stoffes ist im Grossen und Ganzen ungeändert geblieben. Die Einleitung 
umfasst eine Darstellung der Morphologie der Holzgewächse, eine 
Besprechung der allgemeinen Bedingungen des Vorkommens und der 
Verbreitung der Holzpflanzen, der pflanzengeographischen Zonen und 
Regionen des Florengebietes, ferner eine Uebersicht des Systemes 
(Modifieation nach Endlicher und Unger) und der vorzugsweise 
benützten Quellenwerke. Den grössten Theil des Werkes umfasst die 
systematische und pflanzengeographische Schilderung der Holzge- 
wächse Deutschlands und Oesterreichs mit ausführlichen Beschrei- 
bungen, Synonymenverzeichnissen, Literaturnachweisen, Darstellungen 
der Verbreitung, der forstwirthschaftlichen Bedeutung ete. Diesem 
Theile sind auch die zahlreichen schönen Abbildungen beigegeben. 
Als Anhang ist dem Werke eine Uebersicht der Unkräuter und 
Standortspflanzen des Waldes und des Waldbodens Mitteleuropas 
nach ihrem Vorkommen beigezeben, und vertritt dieselbe das in der 
ersten Auflage enthaltene alphabetische Verzeichniss forstlicher Un- 
kräuter. Die äussere Ausstattung, sowie der Druck des Werkes macht 
der Verlagshandlung alle Ehre. Wettstein. 


Kirchner Dr. O.: Neue Beobachtungen über die Bestäubungs-Einrich- 
tungen einheimischer Pflanzen. Stuttgart 1886. 66 pag. 

Die Abhandlung enthält die vom Verfasser im Sommer des 
Jahres 1886 gemachten Beobachtungen über die Bestäubungseinrich- 
tungen von 144 einheimischen, den verschiedensten Familien ange- 
hörigen Pflanzen. Nur bei einer relativ kleinen Anzahl schildert der 
Verfasser den Verlauf der Befruchtung und beschränkt sich bei der 
Mehrzahl der geschilderten Fälle darauf, das Verhalten der Ge- 
schleehtsorgane während des Aufblühens, ihre Stellung, die an ihnen 
im Verlaufe der Blüthezeit vorkommenden Veränderungen und Be- 
wezungen auf Grund sorgfältiger Beobachtungen zu beschreiben. Eine 
Deutung und Erklärung der beobachteten Verhältnisse war schon 
desshalb nicht möglich, da keinerlei Beobachtungen über den Einfluss 
des Insectenbesuches oder anderer die Kreuzbefruchtung vermitteln- 
der Vorgänge gemacht wurden. Die Arbeit enthält daher ein immer- 
hin schätzbares Material, das jedoch erst durch weitere in der ange- 
deuteten Richtung auszuführende Beobachtung volle Verwerthung 
finden kann. Wottstein. 


Botanisches Taschenbuch, enthaltend die in Deutschland, Deutsch-Oesterreich 
und der Schweiz wild wachsenden und im Freien eultivirten Gefässpflanzen, 
nach dem natürlichen Systeme geordnet und zum Bestimmen einge- 
richtet von Dr. Friedrich Kruse, Professor am königl. Wilhelms-Gym- 
nasium in Berlin. 8° XVIII, 469 Seiten. Broschirt 4 Mark, geb. 5 Mark. 
Verlag von Hermann Paetel, Berlin 1887. 


Während in den bisher erschienenen. Bestimmungsbüchern nach 


254 


dem Linn@'schen Systeme zwei besondere Tabellen aufgestellt sind, 
welche zur Bestimmung der Familien und der Gattungen dienen, wo- 
durch eine Uebersicht des bei der Untersuchung zurückgelegten Weges 
unmöglich wird, ist es ein grosser Vorzug des vorliegenden Taschen- 
buches, dass es mittelst einer einzigen Anordnung für die Familien 
und Gattungen nach dem natürlichen Systeme die Pflanzen bestim- 
men lehrt und dabei stets einen klaren Ueberblick des Ganges der 
Untersuchung gewährt. Alle diesem Florenreiche angehörenden offi- 
cinellen Gewächse sind nach der neuesten Ausgabe der Pharmacopoea 
germanica als solche bezeichnet. So grosse Vorzüge das Taschenbuch 
einerseits für den Pflanzenfreund hat, so können wir doch anderer- 
seits eben im Interesse des Werkes nicht zu bemerken unterlassen, 
dass wir beispielsweise in den Gattungen Viola, Thymus, Rosa, Ru- 
bus ete. manche alte, streng geschiedene Art vergebens suchen, ein 
Mangel, der bei einer nächsten Auflage dieses sonst so zweckdien- 
lichen Führers auf botanischen Excursionen leicht vermieden werden 
könnte. J. 


Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien. 
Jahrgang 1887, I. Quartal. 


Auch in diesem Vierteljahrshefte ist der vorwiegend grössere 
Theil der Botanik eingeräumt, welche daselbst durch die nachstehen- 
den Abhandlungen vertreten ist: Arnold, Dr. F., „Lichenologische 
Ausflüge in Tirol“. Die vorliegende XXIII. Serie der diesfälligen 
Mittheilungen bringt die Resultate der vom Autor in den Jahren 
1878 bis 1886 im Fassa- und oberen Fleimserthale unternommenen 
Excursionen, an denen sich im Juli und August 1884 Prof. Lojka 
aus Budapest betheiligt hat. Bei der Gruppirung der aufgeführten 
Flechtenarten wurde die Ausscheidung derselben nach dem Substrate 
— als die bewährteste — beibehalten. — Harring F.. „Floristische 
Funde aus der Umgebung von Stockerau in Niederösterreich“. Der 
Verfasser, welcher seit mehreren Jahren dieses bei den Botanikern 
Wiens als floristisch uninteressant bisher gemiedene Terrain näher 
durchforscht und auch bereits in der „Oesterr. botan. Zeitschrift“, 
Jahrg. 1835, p. 369 und p. 388—692, einige der bemerkenswerthesten 
Funde bekannt gemacht hat, geht im Vorliegenden mehr ins Detail 
und behandelt besonders die Gattungen Salix und Rosa eingehender. 
— Haszlinski F. A., „Einige neue oder wenig bekannte Discomi- 
ceten*. (Mit einer Tafel.) Bezugnehmend auf die letzten Arbeiten des 
Autors über ungarische Discomyceten, welche derselbe als Vorarbeit 
zu einer ungarischen Pilzflora betrachtet, bringt er nun die Ergeb- 
nisse seiner neueren Beobachtungen in einer kritisch gehaltenen Zu- 
sammenstellung von 81 Pilzarten, die sämmtlich in seinem Vater- 
lande vorkommen. — Kronfeld, Dr. M., „Ueber die Beziehungen 
der Nebenblätter zu ihrem Hauptblatte“. (Mit einer Tafel, getreue 
Abbildungen von Lathyrus Aphaca enthaltend.) Der gelungenen Aus- 


255 


führungen K.'s über diesen Gegenstand wurde bereits in diesem 
Blatte, Februar-Heft, unter den „Vereins-Nachrichten“ gedacht. — 
Kunze, Dr. Otto, „Nachträge zur Clematis-Monographie“. Den An- 
lass zu dieser Publication gab Herrn Dr. Carl Richter’s in den Ver- 
handlungen d. z.-b. @., Bd. XXXVI, p. 215, erschienener Artikel: 
„Was ist Atragene Wenderothüö?“ — Wettstein, Dr. R. v., „Ueber 
zwei wenig bekannte Ascomyceten“. Es sind dies: Peziza aquatica 
Lam. et D. Cand. Flor. frang. und Hypomyces Trichoderma Hoffm. G., 
deren ausführliche Diagnosen gebracht und näher erläutert werden. 
— Zukal Hugo, „Ueber einige neue Ascomyceten“. Als neue Genera 
werden Baculospora und Gymnodiscus aufgestellt und nebst den 
Species B. pellucida und @. neglectus beschrieben. Ferner werden noch 
einige neue Arten vorgeführt. Von sämmtlichen genannten Pilzen sind 


auf einer Tafel instructive Abbildungen vorhanden. M. Prihoda. 


AO — 


Correspondenz. 


Wien, am 4. Juni 1887. 


Gestern habe ich auf einem Spaziergange in die Kriau des 
Wiener Praters, etwa in der Mitte derselben, Ölematis integrifolia L. 
in zwei blühenden Stöcken angetroffen. Diese schöne Pflanze ist meines 
Wissens neu für die Praterflora.. — Lepidium perfoliatum L. fand 
ich im Umkreise einer alten Schwarzpappel ebenfalls in der Kriau; 
es fällt daselbst durch sein massenhaftes Vorkommen in hohem 
Grade auf. Kronfeld. 


Wien, am 5. Juni 4887. 


Dass die Drüsen, welche die Unterseite der Blättehen beklei” 
den, für die Sonderung der Formen der Arten, ja für die Umgren- 
zung gewisser Gruppen innerhalb der Gattung Rosa von grossem 
Belange sind, ist längst bekannt, und es bedarf weder gelehrt sein 
sollender Abhandlungen, noch langer Erläuterungen und Belehrungen, 
um diese Thatsache in ein klares Licht zu setzen. Selbstverständlich 
begleiten obenerwähnte Eigenschaft noch andere Charakteristica, denn 
ohne die letzteren würde es in vielen Fällen sehr schlimm mit der 
Umgrenzung selbst einer Form, ja eines Individuums nur nach dem 
alleinigen Merkmale der Drüsen an der Unterseite der Blattlamina 
stehen. Dass die Drüsen an der Unterseite der Blättchen selbst 
innerhalb des Individuums ohne die begleitenden anderen Charakte- 
ristica kein verlässliches und sicheres Merkmal sind, um diesen 
Nachweis zu führen, braucht man Materialien nicht so weit herzu- 
holen wie etwa aus Spanien, wir haben in Niederösterreich deren 
genug. So besitze ich eine Rosa micrantha var, permiwta (Desegl.) 
aus der Gegend von Gloggnitz in Niederösterreich, bei welcher am 
selben Stamme der eine Zweig ziemlich dieht drüsige, der andere 
völlig drüsenloso Unterseiten der Blättchen. zeigt, die anderen Merk- 


256 


male sind aber an beiden Zweigen ganz congruent, so Pedunkeln, 
Scheinfrüchte, Bestachelung, Griffel, Sepalen ete.; wir hätten also 
am selben Individuum Zweige (nach einer neuen Theorie —!) zu 
beobachten, von welchen die einen sich offenbar eines Regenmaxi- 
mums zu erfreuen hatten, während die anderen unter dem gewiss 
traurigen Einflusse eines Minimums standen (!). Was die Voreilig- 
keit in Creirung neuer Formen betrifft, so unterschreibe ich völlie 
und ganz die beherzigungswerthen Ausführungen des Herrn J. B. 
Keller, und wünsche nur, dass sich in erster Linie gewisse Leute 
daran halten sollten, welche aus einem Umkreise weniger Stunden 
gleich auf einmal dutzendweise neue Formen beschreiben, und Arten 
nur nach drei oder vier Blüthenexemplaren creiren, ich halte dies 
gewiss für eine grosse Voreiligkeit, und betrachte es ebenso als meine 
Pflicht, darauf aufmerksam zu machen. Eine grosse Voreiligkeit 
ist es ferner, was von Seite des Herrn Keller über die Rosa Leo- 
poliensis Blocki alles geschrieben wird. Obwohl ich vor einem 18- 
blättrigen Zweige alle Achtung besitze, die so einem Zweige gebührt, 
so kann ich doch nicht umhin, hier die Bemerkung einzuschalten, 
dass auch andere, wenn auch nicht gerade - 18blättrige Zweige der 
R. Leopoliensis Blocki in der botanischen Tauschwelt eursiren, welche 
von der Original-Etiquette des Herın Blocki begleitet sind, und 
von welchen ich eines zu besitzen das Unglück habe, welches selbst 
unter dem Mikroskope keine Spur von Drüsen an der Unterseite der 
Blättchen zeigt, wie auch die echte Rosa frutetorum Besser keine 
Spur solcher Drüsen aufzuweisen hat. Letzteres wird Herrn J. B. 
Keller gewiss zur Beruhigung dienen, sowie die Versicherung, dass 
andere Leute mindestens ebenso genau die Pflanzen untersuchen wie 
ebenerwähnter Herr, wenn sie auch zu anderen Resultaten kommen 
sollten. Dass Rosa coriifolia var. Erlbergensis H. Br. nichts mit 
R. Leopoliensis Bl. zu thun hat, wie voreiliger Weise behauptet 
wird, brauche ich hier nur anzudeuten. Ich bin weit entfernt, Herın 
Btocki irgend ein Unrecht zuzufügen, trete auch nicht als Verthei- 
diger dieses Herın auf, da er sich gewiss am besten selbst und 
jedenfalls besser vertheidigt, als dies voreiliger Weise die Leute 
für ihn thun, gebe auch zu, dass die R. Leopoliensis, die er im Auge 
hat, Drüsen an der Unterseite der Blättchen hat, sowie die unter 
den Nummern 5 und 44 von Herın Dr. Woloszezak ins Gefecht 
geführten Exemplare, die mit der Sache eigentlich gar nichts zu thun 
haben, besitzen, muss mich aber nachdrücklichst verwahren, dass 
eine Pflanze, die bisher nicht beschrieben wurde, und von welcher 
ich authentische Belegstücke in Händen habe, welche die Eigen- 
schaften nicht zeigen, die ihr nachträglich zugeschrieben werden, 
dazu benützt wird, um in ebenso voreiliger als animoser Weise 
ein Urtheil zu fällen, dem jede Berechtigung abgesprochen werden 
muss. Neuerdings liefert diese Thatsache den vollen Beweis, dass 
eben Nomina sola unter gar keiner Bedingung respectirt werden 
dürfen. Trotz der Verwahrung voreiliger Gegnerschaft, welche gleich 
zu Beginn des Aufsatzes über „Flächendrüsigkeit ete.* mit der Ver- 


257 


sicherung eine Sache von allgemeinem Interesse zu besprechen, Hand 
in Hand geht, tritt eben das persönliche Moment in jeder Zeile her- 
vor und macht die ganze Angelegenheit zu einem Schlag ins Was- 
ser. Zum Schlusse will ich noch bemerken, dass in Registrirung von 
Thatsachen gewiss nie und nimmer den guten Arbeiten Anderer die 
Anerkennung versagt werden und persönliche Gegnerschaft überhaupt 
nicht, wenigstens meinerseits, in Betracht kommen darf. Braun. 


Huszt, am 24. Mai 1887. 


Mein seit achtzehn Monaten kranker, 73 Jahre alter Gatte 
Ludwig Vägner wurde in jüngster Zeit auch noch von einem Augen- 
leiden befallen und musste sich in Budapest einer Operation unter- 
ziehen. Gegenwärtig ist er so geschwächt, dass er weder lesen noch 
schreiben, viel weniger botanisch sich beschäftigen kann. In Folge 
dessen ersuche ich alle seine geehrten Correspondenten ihre etwaigen 
Zuschriften und Sendungen vorläufig zu sistiren. 

Karoline Vägner. 


Brünn, am 6. Juni 1887. 


Der Besuch der Lultscher Gegend führte mich auf die Liliovä 
hora bei Lultsch, ich fand hier: Oytisus capitatus, Vieia pisiformis, 
Genista germanica, Sedum maximum Suter, Silene nutans, Turritis 
glabra, Linaria genistaefolia, Vincetowicum officinale, Galium ver- 
num, Asplenium septentrionale, A. viride. Auf dem Kolben bei Auer- 
schitz fand ich ausser den schon bereits in d. Zeitschr. 1836, p. 286 
angeführten Arten noch Crambe tataria und Owytropis pilosa. 

Dr. Formänek. 


Orsova, am 7. Juni 1887. 


Ich bereise heuer zum zweiten Male das Banat. Die Vegetation 
steht jetzt hier in vollster Entwicklung. Die Flora dieses gottgeseg- 
neten Winkels ist bekanntlich die reichste Ungarns; ein Botaniker 
muss wohl beim Anblicke so eines sonnigen Bergabhanges an der 
Donau in Extase kommen und findet reichlich den Lohn seiner Mühe. 
Auf Bergen um Orsova blüht jetzt Orchis papilionacea L. und corio- 
phora L., Trifolium incarnatum var; speciell auf dem Allionberge 
Stachys nitens Jka., Achilles compacta W., crithmifolia W.K., Si- 
lene Armeria L. (auch an der Eisenbahn gegen Toplecz zu häufig), 
an einer Stelle gegen Vodieza die mannshohe Ferulago monticola 
B. H., Convolrulus sylwatieus W. K., Campanula lingulata W. K., 
Moenchia mantica Bartl., Scabiosa banatica W. K. Am 2. Juni 
unternahm ich von Herkulesbad einen 13stündigen Ausflug über die 

- Prolazschlucht auf den Domugled. Im Prolazthale ist Lathyrus Hal- 
_ lersteinii Baumg. und Asparagus sylvaticus W. K. häufig, auf Felsen 
_ prangt Cerastium banaticum Koch, Dianthus petraeus W. K., Silene 
petraea W. K., Calamintha rotundifolia Benth., Campanula diver- 
gens W., Athamanta Matthioli Heufl, /satis praecow Kit, Sesleria rigida 
| Ossterr. botan. Zeitschrift, 7, Heft 1887, 21 


. 
} 


© 


258 


Heuff, Jurinea maerocalathia C. Koch mit der herrlichen Centaurea 
atropurpurea W.K., eine wahre Zierde der Banater Flora, Aethionema 
sawatile R. Br., am Fusse der Felsen macht sich im Schatten Moeh- 
ringia pendula Fenzl breit, hoch oben am senkrechten Felsen machte 
mir Hieracium Heuffelii Jka grosse Freude, es ist aber ebenso wie 
der schöne Edrajanthus graminifolius A.D.C. nur mit Lebensgefahr 
zu erreichen. Weiter oben in der Waldregion traf ich Cynoglossum 
montanum Lam., Peltaria alliacea L., Orchis speciosa Host, Are- 
monia agrimonoides Neck, Potentilla sp., Geranium bohemicum L. 
Den Gipfel zieren tausende Blüthenköpfchen der Asperula capitata 
Kit. und taurina W., in ihrer Gesellschaft findet sich T’hlaspi bana- 
ticum Uechtr., Cineraria Clusiana Host, Pedicularis comosa L., 
Thymus acieularis W.K., Blätter des Colchieum pannonieum G. $., 
Arabis procurrens W. K., Draba lasiocarpa Roch, Syringa vul- 
garis L., Ferulago silvatica Rb., die Rosetten des Sempervivum assi- 
mile Schott und patens Grsb., welche ich v. J. im August in Blüthe 
sammelte. Unterhalb des Gipfels steht ein Wäldchen Pinus Pinaster 
Roch?. Beim Abstieg durch das Zerelehthal nahm ich Geranium 
macrorrhizon L. mit, auch wächst dort Linum flavum L. var. uni- 
nerve Roch, Pedicularis comosa L., Centaurea atropurpurea W. K., 
Scutellaria altissima L. und eine herrliche Jurinea sp.; ebendort traf 
ich im Monate August v. J. Asperula eiliata Roch und taurina W., 
Galium Kitaibelianum R. S., Peucedanum longifolium W. K. und 
Seseli gracile W.K. Im Üernathale kommt obige Pinus häufiger vor, 
Arabis procurrens W.K. ist an allen Mauern häufig. Bei der „Räuber- 
höhle“ fand ich Hypericum Rochelianum G. S., Delphinium fissum 
W. K., Siler trilobum Sep., Physocaulus nodosus Tsh., Peltaria. 
Limodorum abortivum Sw., Campanula spathulata W. K., Silene 
petraea W. K. und Dianthus petraeus W. K. Am 5. Juni fuhr ich 
zum eisernen Thore. Die Vegetation ist dort geradezu entzückend; 
gleich bei Verciorova auf Felsen ist Oytisus Heufelii Wierzb. mit 
der Tunica illyrica, weiter thalabwärts an Abhängen gegen die 
Donau: Scutellaria albida L. neben Geranium purpureum Vill. und 
Viola macedonica B. H., Alsine cataractarum Jka, Stachys nitens Jka, 
Achilles compacta W., Dianthus giganteus d’Urv. etc. etc. Gegen 
das rumänische Doıf Guravoye ist Saponaria glutinosa M. B., Milium 
holeiforme M. B., Cerastium banaticum Roch, Silene Armeria L., 
Onobrychis alba Desv., Centaurea atropurpurea W.K. ete. Unendliche 
Freude bereitete mir das Auffinden des von H. v. Janka entdeckten 
Standplatzes von Dianthus pinifolius S. S. Herr v. Janka theilte 
mir die Vermuthung mit, dass der Standort wohl durch den Bahnbau 
in Verlust gerathen sein möge; diess bestätigt sich aber zum Glücke 
nicht. Er kommt gegenüber dem serbischen Dorfe Sip auf Felsen in 
eirca 80—90 grossen Stöcken vor. — Mit all diesen Schätzen beladen, 
wollte ich den Heimweg nach Orsova antreten, doch hatte ich noch 
grosse Schwierigkeiten an der rumänischen Grenze zu bestehen, Der 
ungarische Zollwächter wollte mich um keinen Preis mit den Pflan- 
zen hereinlassen, ich musste mich auf Pontius und Pilatus berufen, 


259 


um durchzukommen; endlich, da er keine Vitis in meiner Mappe 
fand, liess er mich passiren. A. v. Degen. 


Lemberg, am 9. Juni 1887. 
Vor zwei Jahren entdeckte ich an der Bahn zwischen $. Wisznia 
und Rodatyceze bei Lemberg einen Bastard zwischen Salix aurita und 
S. silesiaca, was mir sehr sonderbar erschienen, da S$. silesiaca aus 
der Umgebung von Lemberg unbekannt gewesen war. Durch das Auf- 
finden eines weiblichen Individuums von S. silesiaca bei Zubrza nächst 
Lemberg wurde die Sache aufgeklärt. Man konnte nun sogar anneh- 
men, dass diese Weide eine weitere Verbreitung hier haben könne. 
Und in der That fand ich sie heuer auch bei Basiowka, eine Meile 
südwestlich von Lemberg, in grösserer Anzahl von Individuen in 
beiden Geschlechtern in Gesellschaft von Hybriden aus ihr und der 
S. aurita. Die bisherige sehr ungünstige Witterung gestattete nicht, 
neue Funde dieser Weide zu constatiren, doch zweifle ich nicht, dass 
die Weide an zahlreichen Stellen sporadisch um Lemberg vorkommt. 

Ob auch im Janower Wald, ist mir zweifelhaft. 
Dr. Woloszezak. 


Budapest, am 10. Juni 1887. 
Die Erklärung Dr. Wofoszezak’s über die Flächendrüsigkeit 
der Rosa leopoliensis Blocki = R. frutetorum Bess. gilt nicht für 
die R. leopoliensis, welcheich aus den Händen BYocki’s besitze, denn 
Dr. Woloszezak spricht über zwei Lemberger Rosen, meine Exem- 
plare aber hat Btocki bei Bileze in Südostgalizien gesammelt. Die 
subfoliaren Drüsen suche ich immer mit dem Objective Nr. 4 des 
Hartnack’schen Mikroskopes, und ich kann jedem Systematiker, 
wenn er mit der Loupe im Zweifel bleibt, diese Objective empfehlen. 
Desswegen habe ich mehrere Formen aus der Scabratis unterschei- 
den können. Dass die subfoliaren Drüsen verschwinden können, habe 
ich in meiner Monogr. Rosar. erwähnt, sie bleiben aber bei den Sca- 
bratis auf den kleineren unteren Blättchen öfters beständiger. Uebri- 
ens möchte ich eine „Rosa frutetorum“ mit subfoliaren Drüsen den 
sepiaceis orthosepalis oder den Tomentellis einreihen. Eine solche 
R. frutetorum, welche Braun für den Typus dieser Art behauptet, 
erwähne auch ich in meiner Monogr. Rosar., p. 438, aus dem Herbare 
Haynald; aber wenn wir uns auch wörtlich an die Beschreibung 
des Autors halten, so glaube ich, ist Z. frutetorum immer ein Cen- 
_ trum vieler Formen, welche von einander nur wenig verschieden sind. 
Daraus kann man auch die verschiedenen, mehr minder abweichenden 
' Exemplare der R. frutetorum aus der Hand von Besser erklären. 
- Dass auf einem Strauche 1—2 Peduneuli oder Receptacula 1—2 Glan- 
dulas tragen, diese 1—2 Drüsen kaun man wohl schwerlich für ein 
- charakteristisches Merkmal nehmen. Solche fand Cr&pin auf R. sol- 
stitialis (Prim. Monogr. Rosar. V. p. 241) und hat Simkovies (Si- 
monkai) wahrscheinlich diese bei Paulis gefunden (var. rariglanda 
Simk. Term. rajzi füz. IX. p. 42). Auch ich bemer te diese Glan- 


260 


dulas raras auf R. hemitricha Rip. (Monogr. Ros. „Bekes värmegye 
flöräja“, p. 98), aber ich kann hier behaupten, dass an verschiedenen 
Stöcken dieser Art; bei Vesztö fand ich nur einmal wenige Drüsen 
an dem Pedunkel unter ganz kahlen Fruchtstielen derselben Inflore- 
scenz. — Dass Salvia dumetorum Andrz. bei Budapest vorkommt, hat 
schon längst Hofrath Professor A. v. Kerner constatirt. Aber auch 
S. pratensis kommt hier vor, bald allein, bald mit $. dumetorum 
zusammen und jedenfalls sind viele Uebergänge oder Mittelformen 
zwischen beiden zu finden, welche bald der ersteren, bald der zweiten 
näher kommen. Es ist also die Möglichkeit gegeben, dass BFocki 
(Oesterr. Botan. Zeitschr. 1887, p. 220) eine Zwischenform vor Auge 
hatte, welche noch der S. pratensis näher steht, und diese hat er 
f. parviflora genannt. Eine S. pratensis var. parviflora hat aber zu- 
erst nicht Bfocki, sondern Willkomm aufgestellt. v. Borbäs. 


Gnezda, am 19. Juni 1887. 


Der Wahrheit die Ehre! — Ich habe im Frühling 1886 die von 
mir später als Galeobdolon luteum v. tatrae beschriebene Pflanze an 
drei entlegenen Fundorten gesammelt, und als ich darüber mit mir 
im Reinen war, diese Form als Gegenextrem zum @. ß. montanum 
zu publieiren, sammelte ich noch im Herbste davon an zwei weiteren 
Fundorten. Wohl an 100 Stück gingen dabei durch meine Hände, 
allein ich sah dabei keinen einzigen Ausläufer und habe daher auch 
bei meiner Beschreibung dieses Punktes nicht Erwähnung gethan. 
Dieses Jahr, in welchem Jupiter pluvius hier vollständig herrscht, 
überraschte mich die Thatsache, dass man fast keine Pflanze des 
Galeobdolon der Tatraform ohne Ausläufer findet. Als ich die erste 
Pflanze ausriss, glaubte ich, es sei ein Ausläufer von Glechoma he- 
deracea daran hängen geblieben, bis ich mich überzeugte, dass selber 
ein Theil der Pflanze selbst sei. Diese Ausläufer sind der Form nach 
zweierlei, entweder mit rundlich nierenförmigen oder mit kurz schwach 
herzförmigen Blättern paarweise besetzt, welche gestielt sind. Die 
Ausläufer finden sich bis '/, Meter Länge, wurzeln bis jetzt, Mitte 
Juni, noch nicht, wohl aber sind manche am Ende mit 1—2 Blüthen- 
quirlen besetzt. Wie es sich mit diesen Ausläufern weiter verhält zu 
erforschen, werde ich mir sehr angelegen sein lassen. Kommen selbe 
nur in periodischen Jahrgängen vor? Denn unerklärlich bleibt es mir, 
warum ich voriges Jahr keinen fand (Uebersehen ausgeschlossen) und 
dieses Jahr trägt jede Pflanze fast mindestens einen. Ullepitsch. 


ze 


Personalnotizen. 


 — Dr. Hubert Leitgeb, Professor der Botanik an der Uni- 
versität Graz, wurde von der kais. Akademie der Wissenschaften in 
Wien zum wirklichen Mitgliede gewählt. 


261 


— Dr. J. E. Areschoug, emer. Universitäts-Professor der 
Botanik, ist am 7. Mai, 76 Jahre alt, in Stockholm gestorben. 


— Dr. Heinrich Wawra Ritter v. Fernsee, k. k. Marine- 
Stabsarzt a. D. ist am 24. Mai, 57 Jahre alt, in Baden bei Wien 
gestorben. Die Oesterr. botan. Zeitschr. brachte sein Porträt nebst 
einer biographischen Skizze schon im Jahre 1867. 

— Dr. W. Zopf ist zum a. o. Professor an der Universität 
Halle ernannt worden. 

— Dr. T. F. Hanausek, Professor in Wien, hat das Referat 
über pharmaceutische und technische Botanik in Just’s Jahresbericht 
übernommen. 

— Dr. Ed. v. Regel in Petersburg wurde seiner Ver- 
dienste um den russischen Gartenbau wegen zum geheimen Rath 
ernannt. 

— Dr. V. F. Brotherus und Dr. Kihlmann begleiten als 
Botaniker die Expedition zur Erforschung des Inneren der Halb- 
insel Kola. 

— J. I. Kiekx, Professor der Botanik und Director des botani- 
nischen Gartens an der Universität in Gent ist, 45 Jahre alt, ge- 
storben. 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- 
schaften in Wien am 5. Mai überreichte Dr. Hans Molisch, 
Privatdocent an der Wiener Universität, eine im pflanzenphysiologi- 
schen Institute ausgeführte Arbeit: „Ueber einige Beziehungen zwi- 
schen anorganischen Stickstoffsalzen und der Pflanze“. Die wichti- 
geren Resultate derselben sind: 1. Nitrate sind im Pflanzenreiche 
allgemein verbreitet; in krautigen Gewächsen findet sich in der 
Regel auffallend mehr davon vor als bei Holzgewächsen. 2. Nitrite 
konnten, trotzdem dieselben im Boden häufig vorkommen, in keiner 
einzigen der untersuchten (etwa 100) Pflanzen aufgefunden werden. 
Die bisherigen Angaben über das angebliche Vorkommen von Nitri- 
ten in verschiedenen Gewächsen beruhen auf Täuschung und unrich- 
tiger Interpretation. Die Pflanze besitzt das Vermögen, Nitrite bei 
ihrer Aufnahme mit überraschender Schnelligkeit zu reduciren und 
dies ist offenbar auch der Grund, warım man dieselben in der 
Pflanze stets vermisst. Nitrate können hingegen auffallend lange, 
Wochen, ja Monate lang innerhalb der Pflanzenzelle verweilen, bevor 
sie zerstört werden. 3. Nitrite wirken im (Gegensatze zu Nitraten 
schon in verhältnissmässig verdünnten Lösungen (0'1—0'01 Procent 
auf verschiedene Gewächse schädigend. 4. Pflanzen, denen Sticksto 
nicht in Form von Nitraten, sondern nur in Form von Nitriten oder 


ar 
202 


Ammoniak geboten wird, enthalten niemals Nitrate. Daraus geht 
aber hervor, dass weder die salpetrige Säure, noch das Ammoniak 
in der Pflanze eine Oxydation zu Salpetersäure erfahren. Die Pflanze 
hat, vielleicht mit Ausnahme der Bacterien, entgegen der Ansicht 
von Berthelot und Andre, nicht die Fähigkeit, aus Stickstoff- 
verbindungen Nitrate zu erzeugen. Alles Nitrat der Pflanze stammt 
von Aussen, und wenn sie mehr davon enthält als ihr Substrat, so 
ist der Ueberschuss einfach durch Speicherung zu erklären. 5. Diphe- 
nylamin, in Schwefelsäure gelöst, eignet sich vortrefflich zum Nach- 
weis von Nitraten unter dem Mikroskope. Es ist jedoch hiebei zu 
beachten, dass da, wo bei Einwirkung der Schwefelsäure rasch 
Huminkörper entstehen, wie diess bei verholzten Geweben in beson- 
derem Grade der Fall ist, die Reaction hiedurch mehr oder minder 
behindert wird. 6. Die Arbeit enthält ferner einige Beobachtungen 
über das localisirte Auftreten von solchen Substanzen, welche Guajak- 
emulsion und gleichzeitig Jodkaliumstärkekleister bläuen. 


— Monats-Sitzung der k. k. zoolog.-botan. Gesellschaft 
am 1. Juni 1887. Botanische Vorträge: Dr. M. Kronfeld lieferte 
einen interessanten „Beitrag zur Biologie der Blüthen der Orchideen“ 
auf Grund wiederholter Versuche über den Einfluss der Befruchtung 
der Narben durch Insekten. Der Vortragende wies unter gleichzei- 
tiger Demonstration an zwei lebenden Exemplaren von Orchis Morio 
nach, dass bei belegten Pflanzen die Veränderung nicht auf die An- 
schwellung des Fruchtknotens beschränkt bleibt, sondern ein kräfti- 
geres Wachsthum der ganzen Pflanze und eine im Vergleich zu 
unbelegten Exemplaren, welche nach dem Verblühen einschrumpfen, 
beträchtliche Verlängerung der Internodien entsteht; ferner sprach 
Derselbe: „Ueber das Keimen der Mistel“ und die bei diesem Genus 
beobachtete Poly-Embryonie. — Prof. Dr. Burgerstein machte 
Mittheilung von einem Werke, an dem er seit mehreren Jahren 
arbeitet, nämlich eine „Monographie der Beobachtungen über die 
Transspiration der Pflanzen“. Der 1. Theil, eine Uebersicht der 
gesammten dem Autor bekannt gewordenen Literatur, ist bereits 
vollendet. — Dr. O. Stapf berichtete über die von der zoolog.-botan. 
(iesellschaft im Mai d. J. unternommene Excursion in das illyrische 
Litorale und nach dem Quarnero, deren äusserst günstiges Ergebniss 
alle Erwartungen übertrifft. Prihoda. 


— Das botanische Museum und Laboratorium zu Ham- 
burg ist durch Beschluss des Senates und der Bürgerschaft zu einem 
wissenschaftlichen akademischen Staatsinstitut erweitert und mit 
demselben ein botanisches Laboratorium für Waarenkunde verbun- 
den worden. Zum etatsmässigen Director des Gesammtinstitutes ist 
der Begründer und bisherige Leiter des botanischen Museums Pro- 
fessor Dr. Sadebeck ernannt worden. Derselbe wird im Sommer- 
semester Morphologie und Entwickelungsgeschichte der Blüthen- 
pflanzen lesen und ausserdem das botanische, resp. mikroskopische 
Practicum, sowie die Exeursionen leiten. Die anderen analogen natur- 


| 


m.» 


263 


wissenschaftlichen Institute in Hamburg sind das zoologische und 
mineralogische Museum (Prof. Pageustecher und Gottsche jun.), 
der botan. Garten (Prof. Reichenbach), die Sternwarte (Rümcker), 
das physikalische und das chemische Staatslaboratorium (Voller 
und Wibel). 


— Ein „Thüringischer botanischer Tauschverein“ wurde von 
Professor E. Sagorski in Pforta bei Naumburg a. S. gegründet, 
die Statuten desselben werden auf Verlangen zugesendet. 


— Aus der photographischen Druckerei von Stengel und Mar- 
kert in Dresden (Grosse Plauen’sche Strasse) ist soeben eine Erinne- 
rungsgabe im Form eines elegant ausgestatteten Albums „1. Inter- 
nationale Gartenausstellung zu Dresden, Mai 1887“ betitelt, in 
Schwarz- und Golddruck ausgeführt, hervorgegangen, welches eine 
Serie von zwölf gelungenen photographischen Aufnahmen der Aus- 
stellung nach der Natur darbietet. Nicht bloss die Aussteller, son- 
dern Alle, welche die Ausstellung zu bewundern Gelegenheit hatten, 
werden diese Erinnerungsblätter als werthvolles und freundliches 
Andenken begrüssen. Jede Mappe enthält eine Reihe äusserer und 
innerer Ansichten der Haupthalle, des Königs- und Literatur-Pavil- 
lons, der Hanisch’schen und Seidel’schen Halle, verschiedener ein- 
zelner Partien des Ausstellungsterrains, der Ehrenpreise, der bedeu- 
tendsten und schönsten Blumengruppen etc. in Kabinetsgrösse aus- 
geführt. Der mässige Preis (3 Mk., nach auswärts portofrei 3:50 
Mk.) dürfte dem Album die weiteste Verbreitung sichern. 


Botanischer Tauschverein in Wien. 


Sendungen sind abgegangen an die Herren Steininger, Schep- 
pig, Roth. 

Aus Niederösterreich eingesendet von Prof. Dichtl: Anthyllis 
Jacquini, A. polyphylla, Arabis hirsuta, A. hispida, A. parviflora, 
A. Turrita v. puberula, Artemisia scoparia, Carex Halleriana, 
Hieracium austriacum, H. maculatum. H. saxatile, H. sciaphilum, 
Melampyrum augustissimum, M. commutatum, M. subalpinum, Se- 
necio barbareaefolius, Teuerium Scordium, Valerianella mixta, Vera- 
trum nigrum, Veronica orchidea. 

Von Scheppig eingesendet von Berlin: Alisma natans, Aspe- 
rugo procumbens, Aspidium Oreopteris, Atriplew nitens, Onidium ve- 
nosum, Corydalis fabacca, Ouscuta lupuliformis, Galinsoga parviflora, 
HHieracium pratense, Lepidium sativum v. erispum, Melica unijlora, 
Orchis coriophora, Polygala comosa, Potamogeton natans, ‚Potentilla 
intermedia, P, mirta, Rubus Bellardii, R. villicaulis, Scheuchzeria 
palustris, Silene conica, Sisymbrium Loeseli, Sparganium minimum, 
Thalictrum flewuosum, Veronica latifolia, Vieia pisiformäs; aus 'Thü- 
ringen: Androsace elongata, Polygala austriaca; aus der Lausitz: 


264 


Carea tomentosa; Festuca Myurus; von Rügen: Eryngiwn maritimum, 
Radiola linoides. 

Aus Salzburg eingesendet von Aust: Brachypodium silvaticum, 
Carex canescens, Ö©. firma, CO. limosa, Cerastium latifolium, Chaero- 
phyllum hirsutum, Chrysanthemum alpinum, Crocus albiflorus, ©. 
vernus, QCuscuta Trifolii, Epilobium palustre, Equisetum palustre, 
Erigeron droebachensis, Euphrasia pumila, Festuca alpina, F.rubra 
f. fallax, Galium scabrum, G. uliginosum, Geranium palustre, Hie- 
racium pratense, H. vulgatum, Hutchinsia brevicaulis, Hypericum 
humifusum, Juneus trifidus, Lepidium perfoliatum, Luzula mawima, 
Mentha sativa, Meum mutellina, Potentilla aurea, Ranunculus mon- 
tanus, Rhododendron ferrugineum, Rosa dumalis, Pt. pseudocuspidata, 
R. trichoneura f. Steiniana, Rubus hirtus, Salix daphnoides, Sesleria 
disticha, 8. tenella, Silene alpina, 8. quadrifida, Spergularia rubra, 
Utrieularia minor. 

Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 


Inserat. 


In unserem Commissionsverlage erschien: 


The Species of Fieus 


of the Indo-Malayan and Chinese Countries 
by ö 
G. King 


Superintendent of the Royal Botanice Garden. Calcutta, 


Part. I. Palaeomorphe and Urortigma, 
In Fol. XIII and 66 pag. with 86 plates. 
Preis 26 Mark. 


Von demselben Verfasser erschienen: 
On some new species of Ficus from New-Guinea. 8. 1887. 20 pag. M. 1,20. 
On the fertilization of Ficus hispida. 8. 1887. 6 pag. with plate M. 1,50. 
On three new Himalayan Primulas. 8. 1886. 4 pag. with 3 plates M. 1,50. 
On 2% new species of Ilex from the Eastern Himalaya. 8. 1886. 4 pag. with 
2% plates M. 1,— 
BERLIN. N. W., Carlstrasse 11. 


R. Friedländer & Sohn. 


Diesem Hefte liegt bei ein Prospect „&artenkunst 
und Gärten“ von Paul Parey in Berlin. 


Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn. 


C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. 


Oesterreichische 


Botanische Zeitschrift, 


Die österreichische e Exemplare 
botanische Zeitschrift Org arn die frei durch die Postbe- 
erscheint zogen werden sollen, sind 
den Ersten jeden Monats. £ blos bei der Bedaction 
ür (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1) 


Man pränumerirtauf selbe 
mit 8 fl. öst. W. zu pränumeriren. 


002. “09 . Botanik und Botaniker. „san 


ganzjährig, oder mit 


4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Pränumeration 
halbjährig. ee €. Gerold’s Sohn 
Inserate in Wien, 
die ganze Petitzeile N: & sowie alle übrigen 
15 kr. öst. W. = = Buchhandlungen. 
XXXTVII. Jahrgang. WIEN. August 1887. 
INHALT. Neue Pflanzenarten. Von Dr. Celakovsky.— Rosa leopoliensis. Von Blocki. — Pflanzen 


aus Dalmatien. Von Bornmüller. — Hieracien. Von Schneider. — Zur Flora von Galizien. 
Von Dr. Woloszezak. — Flora von Nord-Mähren. Von Dr. Formänek. -—- Autobiographie. Von 
Uechtritz. — Flora des Etna. Von Strobl. - Literaturberichte. — Correspondenz. Von Keller, 
Rassmann, Blocki, Dichtl, Formänek, Richter, v. Borbäs. — Personalnotizen. — Ver- 
eine, Anstalten, Unternehmungen. — Sammlungen. — Botanischer 'Tauschverein. — Inserat. 


Ueber einige neue orientalische Pflanzenarten. 
Von Dr. L. Öelakovsky. 


I. Gattung Thymus L. 


Thymus pulvinatus n. sp. Caespitoso-pulvinatus, caudiculis 
liqnosis, crassis, decorticatis, prostratis, ramis novellis arcuato- 
ascendentibus, brevissimis, dense foliatis, floriferis c. 3—4 cm. longis, 
hirtis, awilliis inferioribus fascieuliferis. Foliis angustis, linearibus, 
uninervis, marginibus usque ad nervum medium validum albidum valde 
revolutis, propterea subulatis. faleiformi-curvatis (c. 15 mm. 
longis), glauco-viridibus, densissime wvelutino-pubescenti- 
bus, pilis longis validis pectinato-ciliatis, crebre glanduliferis, glan- 
dulis parvis, guttiformibus, incoloratis; folüs floralibus (bracteis) 
saepe rubentibus, basi latioribus ibidemque non revolutis, penniner vüis, 
parte superiore lineari-subulato-revolutis, calyces valde superamtibus. 
Capitulis densis subglobosis; floribus subsessilibus, bracteolis lineari- 
subulatis suffultis. Calycis pauce hirsuti ad medium bilabiati labio 
superiore lalto, apice 3dentato, dentibus ejus brevibus subulatis; den- 
tibus labii inferioris labio superiori subaequalibus, subulatis, ciliatis. 
Corollae purpureae tubo elongato, calyce sesquilongiore. 

Mons Ida Troadis: in monte Capu-Dagh (leg. P. Sintenis: 
Iter trojanum 1883, 12 Julio florens, nomine „Thymus hirsutus 
MB.“ determ. P. Ascherson. 

Die Art sieht wohl habituell dem 7’h. hirsutus MB. ähnlich, 
ist aber durchaus und bedeutend verschieden; denn unter Anderem 

Ossterr, botan. Zeitschrift, 8, Heft. 1887 2 


2606 


hat der 7’h. hörsutus M B. (der mir vom Mons Taurus von Kotschy 
vorliegt) feinere, dünne, fast fädliche, nicht so polsterartige Stengel, 
ganz anders behaarte, nämlich von kurzen und etwas längeren Haaren 
nicht sehr dicht rauhhaarige, aber keineswegs so sammtartie behaarte 
Blätter ohne bemerkbare Drüsen, viel lockerere Köpfe, gestielte Blü- 
then. Ausserdem sind seine blüthenstützenden Blätter‘ schmäler, 
nur einfach einnervig wie die Stengelblätter, die Kelche kleiner, 
deren Oberlippe kürzer ist als die Zähne der Unterlippe und bis 
über die Mitte tief dreispaltig, die Corollen klein mit im Kelche 
ganz eingeschlossener Röhre. 

Wie man sieht, ist der T’h. pulvinatus durch viele Merkmale 
vom Th. hirsutus zu unterscheiden; seine sammtartige Behaarung 
erinnert an den T’hymus holoserieus Gel. (Th. striatus Boiss. p. p.) 
von der Insel Cephalonia, der freilich sonst besonders in den Blättern 
und Deckblättern weit verschieden ist. 

Thymus humillimus n.sp.Caespitoso-pulvinatus, caudieulispro- 
cumbentibus, foliis annorum prolapsorum longe conservatis densissimis 
diu obtectis, ramulis novellis brevissimis (floriferis I—1'/, em. longis), 
dense foliatis; fascieulis awillaribus approximatis. Folia viridia, 
linearia, obtusa, margine bullato-revoluta, brevia (ce. 6 mm. 
longa), pilis brevissimis hirtula et pilis longioribus ciliata, floralia 
vix latiora, uninervia, calyces parum superantia, glandulis (etiam 
sub lente) minus conspicuis. Capitula parva, paueiflora; floribus 
subsessilibus. Calycis ad medium vel ultra bilabiati, rubentis, parce 
hirsuti labium superius ad '/, vel ultra 3-fidum; dentes labii infe- 
riores illo aequilongi, subulati, eiliati. Corollae purpureae tubus vix 
dentes calycinos superans. 

Mons Ida Troadis: in jugo (leg. P. Sintenis: Iter trojanum 
1883 Julio, determ. Aschers. nom.: „Thymus hirsutus MB. 
forma alpina“.) 

Auch dieser T’hymus ist vom Th. hörsutus sicher mehr wie 
als Form oder Varietät verschieden durch den dichten kurzzwei- 
gigen, zwergigen Wuchs, die dicht beblätterten Stämmchen und Zweige, 
durch die lang erhalten bleibenden, ganz anders behaarten Blätter, 
die ungestielten Blüthen und eine ganz andere Kelchoberlippe. Ebenso- 
wenig lässt er sich mit dem 7%. pulvinatus vereinigen; er unterscheidet 
sich sofort schon durch die grasgrüne (nicht graugrüne) Farbe der 
durch die Umrollung wie aufgeblasen aussehenden Blätter, durch 
die fast ebenso dicht sammtige aber gröbere Behaarung, auch da- 
durch, dass von den vorjährigen Blättern die Haare abgefallen sind 
und diese Blätter wie höckerig-punktirt (chagrinirt) erscheinen. Die 
Blätter des T’h. humillimus sind auch viel kürzer und stumpf, die 
schmäleren Blüthendeckblätter haben nur einen hervortretenden, 
mittleren Nerven, der Kelch ist ebenfalls abweichend und die Krone 
weit kleiner und besonders auch kurzröhriger. 

Thymus sedoides n. sp. Decumbens; ramis veterioribus 
liqnosis, duris, decorticatis, ramulosis, ramulis sterilibus partim 
elongatis, härtis, remote foliosis, apice rosulatis, ramulis novellis 


267 


brevissimis imbricato-rosulatis, caulieulis jloriferis brevissimis, 
arcte imbricato-foliatis, in ramulis elongatis terminalibus et awil- 
laribus, omnibus brevissime retrorsum hirtulis. Fola parva rigida, 
ovalia, obtusa, basi angustata et pilis rigidis ciliata, insuper saepius 
ad medium usque pilis brevibus ciliolata, superficie primo aspectu 
glabra, sub lente flutem brevissime papilloso-pilosiuscula, supra im- 
punctata, subtus glanduloso-punctata, subtus nervis cerassis ele- 
vatis 5— 7 margine arcuato-conjunctis marginata, quadri- 
farie imbricata, supra concava. JBacemi brevissimi, capituliformes, 
pauciflori, floribus in awillis foliorum floralium caulinis confor- 
mium singulis breviter pedunculatis, bracteolis duabus setaceis 
instructis. Calyces campanulati, nervosi, sparse puberuli, ad medium 
usque bilabiati, dentibus labü superioris vix ad '/, partem fissi bre- 
vibus, triangulari-lanceolatis, asperulis nec eiliatis, labii inferioris ilis 
aequilongis, brevissime ciliatis. 

Mons Ida Trojanus: in nemor. montan. Szu-Szus- Dagh (leg. 
Sintenis Julio 1883. „Thym. Serpyllum L. var. squarrosus Boiss.“ 
determ. Ascherson). 

Eine im Habitus und in den Merkmalen ausgezeichnete Art. 
Sie bildet ausgebreitete, holzige Stämmchen mit verlängerten 
Internodien, an denen theils sehr kurze, wenige mm. lange sterile 
Blattrosetten und etwas längere (1 —2 cm. lange) Blüthensprossen 
zerstreut stehen. Dieselben bestehen aus ganz verkürzten Internodien, 
daher die Blätter an ihnen dicht vierreihig dachziegelig gestellt 
sind, so dass diese Rosetten und Stengelchen denen einer Crassulacee, 
z.B. eines Sedum, etwas ähnlich sehen (daher der Name). Die Blät- 
ter sind nur 2—3 mm. lang, dicklich, abstehend, die oberen stark 
oberseits concav; auch ihre Nervatur ist ausgezeichnet, und würde 
hiernach die Art zu den Marginaten Kerner’s zu rechnen sein. Die 
Corollen sind klein, mit eingeschlossener Röhre (an den vorliegen- 
den Exemplaren weiss). 

Ich gebe zu, dass der Thymus rigidus Schott et Kotschy Anal. 
bot. III (vom Bulgar-Dagh in Cilicien, Kotschy! mir vorliegend), 
der nach Boissier synonym ist mit Th. squarrosus Fisch. et Mey. 
und mit Sipyleus Boiss. Diagn. [., mit obigem Th. sedoides näher 
verwandt ist, doch ergeben sich beim Vergleiche ganz bedeutende 
Verschiedenheiten. 

Schon der Habitus des T'h. rigidus ist ein anderer, da die aus 
niedergestreckten Stämmchen aufsteigenden sterilen und blühenden 
Zweige verlängert, 8—10 cm. lang sind, ihre Stengelglieder durch- 
_ wegs verlängert, daher die Blattpaare von einander entfernt und 
- durchaus nicht dachziegelig sind. Die Stengelblätter sind weit grösser, 
bis 7 mm. lang, bogig zurückgekrümmt, länglich, zur Basis in einen 
längeren, steifen, breiten Blattstiel verschmälert , die untersten viel 
kleineren aber breit oval bis fast rundlich, sehr stumpf. Auf der 
Blattoberseite finden sich ebenfalls, wiewohl weniger zahlreiche, Drüsen. 
Dis Bakleidung mit sehr kurzen papillenartigon Haarspitzen auf den 


Blättarn isi aber sbanfalls vorhanden, und “abenso ist die Nervatur 
22” 


268 


ähnlich, nur sind die bogigen Seitennerven zum Rande mehr ver- 
dünnt, daher der durch ihr Aneinanderlegen entstehende Randnerv 
nicht so gleichmässig dick wie beim 7%. sedoides. Die ebenfalls 
kurzen, rundlichen Blüthenköpfehen sind viel reichblüthiger und aus 
dreiblüthigen axillären Cymen (nicht aus einzelnen Achselblüthen 
wie beim Th. sedoides) zusammengesetzt. Der Kelch ist rauhhaarig, 
dessen Oberlippe bis zur Hälfte in drei lanzettliche, pfriemlich zuge- 
spitzte, stachelspitzige Zähne gespalten, die Zähne der Unterlippe lang, 
kämmig-gewimpert. 

Dass hiernach die hier proponirte Art vom Th. rigidus oder 
squarrosus deutlich und gut verschieden ist, kann keinem Zweifel 
unterliegen. Ich hatte anfangs nur den Zweifel, ob nicht der Th. 
squarrosus Fisch. et Mey. oder der Th. Sipyleus Boissier mit dem 
Th. sedoides identisch ist, da Boissier bei seiner stark zusammen- 
ziehenden Methode in der Synonymik nicht immer verlässlich ist. 
Allein die Originalbeschreibungen der Autoren stimmen keineswegs 
zum Th. sedoides, passen vielmehr sehr gut auf den Kotschy’schen 
Th. rigidus, daher Boissier’s Zusammenstellung der Synonyma in 
diesem Falle gerechtfertigt erscheint. 

Ungerechtfertigt ist aber die Zusammenziehung des T'h. rigidus 
als Varietät mit dem T’hymus serpyllum, schon wegen der margi- 
naten Blattnervation und der fast sitzenden Blüthen der orientali- 
schen Art. 

Thymus Sintenisii n. sp. Radix et rhizoma crassum, 
lignosum, ramis elongatis tenuibus, diffusis, procumbentibus (vel ar- 
cuato-adscendentibus?), obsolete tetragonis, brevissime puberulis, sub 
nodis hirtis. Folia spathulato-lineari-oblonga, obtusa, ad basim 
cuneato-angustata, plana (non revoluta), erassiuscula, glanduloso- 
punctata; nervo medio subtus paullum eminente, lateralibus conspicuis 
nullis, glabra, basi ad plus quam tertiam partem ceiliata et supra 
saepe pilis rigidis rarissimis instructa; in awillis fasciculos foliorum 
minorum sepius stipitatos foventia. Cymae in capitulum ovale con- 
gestae, —Öflorae ; floribus pedicellatis. Calya infra medium bilabiatus, 
ewtus hirsutus, labio superiore intus hirsuto, breviter 3dentato, den- 
tibus ejus triangulari-lanceolatis ; dentibus labüi inferioris labio superiori 
aequilongis, subulatis, ciliatis. 

In Chersoneso prope Maitos legit Sintenis 1883, 29./8., edit. 
nomine „Th. heterotrichus Griseb.“ 

Dieser T’hymus wurde von H. Sintenis, laut Datum im Herbst, 
nach der Blüthezeit gesammelt, so dass mir nur die sterile Pflanze 
und ein trockenes Stengelfragment mit der abgeblühten Inflorescenz 
vorliegt, daher ich über die (bereits abgefallenen) Bracteen und die 
Corollen nichts aussagen kann. Nach der in Boissier’s Fl. Orient. 
herrschenden Anschauung und Darstellung würde er zu T’h. serpyllum 
n. angustifolius Boiss. gehören. Aber dieses ist, wie schon Kerner 
bemerkt hat, ein Gemenge verschiedener Formen (so ist z. B. Th. 
argaeus Boiss et Bal.. vom Mons Argaeus in Cappadocien, leg. 
Kotschy, gewiss eine eigenthümliche Art), und die vorliegende 


269 


Pflanze vom Chersonesos ist auch gewiss verschieden vom Th. angu- 
stifolius Pers, des mittleren Europa, der im Gebiete der Flora 
- Orientalis schwerlich noch gefunden wird (s. auch Kerner’'s Sche- 
dae ]). 

Der Th. heterotrichus Griseb. hat wohl einige Aehnlichkeit mit 
der Pflanze von Sintenis, in der Consistenz der Blätter, auch in 
der Bildung gestielter axillärer Blattbüschel, unterscheidet sich aber 
offenbar durch den nicht derartig niederliegenden Wuchs, weit grös- 
sere zum Grunde länger gestielte ‘Blätter (diese in dem verlän- 
gerten Haupttriebe bis 2 cm. lang, beim Th. Sintenisii höchstens 
lcm.), die nur am Grunde gewimpert, oberseits stets kahl, unter- 
seits, so wenigstens an den Haupttrieben, mit deutlichen Seitennerven 
versehen sind. Ferner ist die Kelchröhre weiter und kürzer, die 
Kelchoberlippe tiefer dreispaltig, innen kahl. 

Obzwar ich nun den Th. Sintenisii wegen mangelnder frischer 
Blüthentrauben nicht vollkommen kennen gelernt habe, so bin ich 
doch selbst nach dem Vergleiche der vegetativen Theile überzeugt, 
dass er nicht zum 7’h. heterotrichus Gris., als welcher er ausgege- 
ben wurde, gehören kann, noch zu einer anderen der mir bekannten 
oder sonst beschriebenen Arten. Denn auch der 7’h. parvifolius C. Koch 
und Th. rariflorus C. Koch (bei Boissier Synonyma des Th. ser- 
pyll. n. angustifolius) sind, wenn die Beschreibungen (die ich aus 
Walpers kenne) exact sind, ebenfalls in mehreren Stücken ver- 
schieden. 

Als Thymus cimicinus Blume, der nach Ledebour bisher 
nur bei Astrachan (Eichwald) angegeben, habe ich einen von Becker 
bei Sarepta gesammelten und als Th. odoratissimus latifolius bezeich- 
neten, aber vom T’h. odoratissimus M B. („var. angustifolia“ Becker) 
weit verschiedenen, aus dem Herbarium horti Petropolitani stam- 
menden T’hymus bestimmt. Die Beschreibung des Th. ceimieinus in 
Ledeb. F]. ross. passt ganz gut; noch sei hinzugefügt, dass die 
Kelchoberlippe immer über dem Haarkranz durchaus dicht behaart 
ist und die Blüthen sehr bald und stark herabgeschlagen erscheinen. 
Nahe verwandt ist ihm (jedoch wohl verschieden) der Thymus dumu- 
losus Boiss. n. sp. in Peronin’s Plantes de Cilicie. 


Rosa leopoliensis n. sp. 
Von Br. Blocki. 


Diagnose: Strauch mittelgross bis gross, von dunkelgrüner 
Farbe. Stacheln röthlich, derb, schwach sichelförmig gekrümmt, an 
der Basis breit, an den Zweigen zu 3—4 unter jedem Blattstiel ge- 
häuft, an den sterilen heurigen Trieben sehr dicht aufgetragen, un- 
gleich. Blattstiele dicht behaart, mit wenigen kurzen Stachelchen 
und zahlreichen kurzen Drüsen besetzt, Blättchen mittelgross, 


270 


zu 7, nur an den Blüthenzweigen zu 5, fast lederig, genähert, ober- 
seits dunkelgrün, unterseits graugrün, elliptisch, kurz zugespitzt, 
bis zur eiförmigen Basis gesägt; das Endblättchen mit schwach- 
herzförmiger Basis; das unterste Blättchenpaar zweimal kleiner 
als das nächstfolgende. Die Blätter beiderseits dicht anliegend be- 
haart, unterseits zwischen den stark hervortretenden Nerven + 
dicht mit sehr kurzen meist röthlichen Drüsen besetzt. 
Sägezähne nach der Spitze der Blättchen hin an Grösse zunehmend, 
ziemlich abstehend, kurz dreieckig spitz, davon viele mit einem kür- 
zeren drüsig bespitzten Zähnchen versehen. Nebenblättchen länglich, 
unterseits an den Nerven und an den Rändern behaart, sonst kahl, 
an den Rändern überdiess dicht drüsig, mit abstehenden, spitzen 
Oehrchen. Nebenblättchen der blüthenständigen Blätter stets grösser 
und breiter (bis 2 Cm. lang und 1 Cm. breit) mit vorgestreck- 
ten, zugespitzten Oehrchen. Blüthen einzeln, resp. zu dreien ge- 
büschelt; Blüthenstiele 1 Cm. lang, kürzer als die sie stützenden 
Deckblättchen, dicht unter der Frucht mit 2--5 ziemlich kurz- 
gestielten Drüsen besetzt. Receptakeln kugeligeiförmig, nach 
oben etwas verschmälert, ganz kahl. Kelchzipfel fiederspaltig, 
mit langem und schmalem, linealkeulenförmigem Endlappen ver- 
sehen, unterseits mit kurzen röthlichen Drüsen dicht be- 
kleidet, nach der Anthese ausgebreitet, dann aufgerichtet, 
bis zur Fruchtreife bleibend. Blumenkrone mittelgross, dunkel- 
rosenroth. Griffelköpfehen gross, erhaben, dicht behaart. Schein- 
frucht gross, eikugelig, 2mal länger als ihr Stiel, dunkelroth. 

Standort: In der Umgebung von Lemberg an folgenden 
Standorten: Am „kleinen Sandberg“, zwischen Zniesienie und dem 
„Kaiserwäldehen“ und endlich in Hofosko an zwei Stellen. Sonst nur 
in Bileze in Südostgalizien von mir beobachtet. 

Bemerkungen: Von der systematisch nächstverwandten R. 
frutetorum Bess. (in „Enum. pl. Volh. ete.“*) und Borbäs (Monogr. 
rosar. pag. 450) unterscheidet sich R. leopoliensis m. sehr erheblich 
durch die drüsige Behaarung, welche am Rücken der Kelchzipfel, 
sowie auf der Unterseite der Laubblättchen + dicht aufgetragen ist'). 
Getrocknete, ganz instructive Exemplare dieser ausgezeichneten Art 
von Zniesienie (von Dr. Wotoszczak in meiner Gesellschaft gesam- 
melt) haben Herrn H. Braun vorgelegen gelegentlich der Bearbei- 
tung dessen „Rosae agri leopoliensis a Dr. Woloszezak lec- 
tae* (in Spraw. kom. fizyogr. Krak. 1886), und ich kann daher 
nicht umhin, meiner gar grossen Verwunderung Ausdruck zu geben, 
dass Braun bei der Prüfung der genannten Exemplare subfoliare 
Drüsen an denselben nicht bemerkt hat, wiewohl dieselben auf allen 
Blättern sehr reichlich aufgetragen sind, ja Dr. Woloszczak Herrn 


') An den Bilezeer Exemplaren der R. leopol., an deren Laubblättchen 
Borbäs die eben gedachten Drüsen mit dem Objectiv Nr. 4 des Hartnack’schen 
Mikroskopes nicht bemerkt zu haben behauptet, sehe ich dieselben mit ge- 
wöhnlicher Loupe, selbst an getrockneten Exemplaren, ganz genau, 


271 


Braun auf dieselben ganz ausdrücklich aufmerksam machte. Trotz 
alledem gedenkt H. Braun in der Diagnose dieser Rose nieht mit 
einem Worte der subfoliaren Drüsen und zieht ganz einfach meine 
„R. leopolitana* als Synonym zu R. frutetorum Bess., welch letz- 
tere Art — nebenbei gesagt — im Hinblick auf den Umstand, dass 
Besser bei der Vertheilung seiner Rosenarten nichts weniger als scru- 
pulös vorgegangen ist, und speciell unter dem Namen R. frutetorum 
allerlei diverse Arten vertheilte (vide Borbäs ]. ec.) — lediglich 
einen mythisch-historischen Werth besitzt. — Bei dieser Gelegenheit 
erachte ich für meine Pflicht, im Interesse der polnischen Floristen 
und meiner heimatlichen Flora meiner tiefbegründeten Ueberzeugung 
entschieden Ausdruck zu geben, wonach Braun’s obgenannte, die 
Lemberger Rosen betreffende Abhandlung, wiewohl dieselbe, ober- 
flächlich betrachtet, imponirend sich präsentirt — im Grunde ge- 
nommen nur sehr problematischen wissenschaftlichen Werth besitzt 
und in viel höherem Grade für die galizische Rhodologie verhäng- 
nissvoll zu werden im Stande ist, als es das bekannte, auch in der 
besten und schönsten Absicht verfasste Werk A. Knapp’s betreffs 
der Hieracien wurde. Dass dem so ist, muss jeder Unvoreinge- 
nommene einsehen, wenn er den Umstand in Betracht zieht, dass 
H. Braun bei der Verfassung obgenannter Abhandlung — darin dem 
Schweizer Rhodologen Christ folgend — den ganz und gar phan- 
tastischen Standpunkt vertrat, dass die nach meiner tiefbegründeten 
Ueberzeugung trotz Haeckel, Huxley, Seidel u. A. nichts weniger 
als wissenschaftlich begründete Descendenztheorie eine über jeden 
Zweifel erhabene Wahrheit ist, in Folge dessen H. Braun, nicht 
beachtend, dass es „nicht die Aufgabe der Wissenschaft ist, Gründe 
für anziehende Theorien aufzusuchen, sondern die Natur so vorzu- 
stellen, wie sie wirklich ist“, in Folge dessen also H. Braun sehr 
zahlreiche, diverse, wiewohl systematisch ziemlich verwandte Ar- 
ten der Lemberger Rosenflora per fas et nefas in den Bereich 
einer einzigen Generalspecies (Sammelspecies) zieht, eine künst- 
liche, zu keiner der hineingezogenen Arten genau passende Diagnose 
dieser Generalspecies verfertigt und nachher einzelne, zu dieser künst- 
lichen Species gehörige Arten (nach Braun’s Auffassung lauter Sub- 
species, Varietates, Subvarietates resp. Formae) kaum mit 
einigen Worten würdigt, so dass es nicht einmal dem Autor selbst 
elingen würde — und ich bin dessen sicher — ohne Hilfe der bei 
er Verfassung der Diagnosen vorgelegenen Originalexemplare sich 
in diesem descendenztheoretischen Chaos zurechtzufinden. Uebrigens 
darf man bei der Benützung der genannten Braun’schen Abhand- 
lung den Umstand nicht ausser Acht lassen, dass die Verlässlich- 
keit Braun’s in Betreff seiner Diagnosen zu Folge der Aflaire „R. 
leopoliensis“ für jeden Unbefangenen ziemlich viel zu wünschen übrig 
lassen muss. 
Lemberg, am 12. Juli 1887. 


in 


Fünf Pflanzen aus Dalmatien, 
z. T. neu für die Flora der österr.-ung. Monarchie. 


Von J. Bornmiüiller. 


Nicht allein die zerklüfteten Felsengebirge der Bocche di Cat- 
taro Süddalmatiens und die anderen montenegrinischen Grenzgebirge 
weisen, wie die neueren botanischen Forschungen in jenen doch 
ziemlich bekannten Gegenden immer wieder zeigen, noch eine ganze 
Reihe hervorragender Novitäten auf, sondern auch die niederen 
Strandgebiete in nächster Nähe der Städte und Ortschaften verloh- 
nen noch, sorgfältig durchforscht zu werden, da Beispiele von geradezu 
überraschenden Neuheiten aus jenen Distrieten durchaus nicht zu 
den Seltenheiten gehören. — Mag das wildzerrissene akrokerannische 
Gebirgsland, die botanisch fast gänzlich unbekannte Albania, welcher 
das Meer vom jungfräulichen Boden doch mitunter ein Samenkorn 
hinweggespült und einem wirthlicheren Gestade zuführt, die Heimat 
dieser fremdartigen Gäste sein, deren Erscheinen uns in Staunen 
setzt, sollen wir den Winden und Vögeln die Einschleppung neuer 
Samen aus jener zackigen Terra incognita, die sich dem Besucher 
der montenegrinischen Lovcenspitze in so grossartiger Weise,” in 
einer ununterbrochenen Reihe schneeflimmernder Alpenketten präsen- 
tirt, zuschreiben, oder mag in der That die Durchforschung Süd- 
dalmatiens noch so oberflächlich sein, dass eine Pflanze von auffallender 
Schönheit, so eigenartiger Gestalt, eine fusshohe schwarzpurpurne 
Lysimachia, dem Auge eines Visiani und sonst jenen hervorragen- 
den Botanikern, welche einst das elende Städtchen Budua mit ihrem 
Besuche beehrten, entgehen konnte; kurzum, als mir ein ungeahntes 
Choleramandat die Weiterreise nach dem Süden versagte, und ich 
bei meinem unfreiwilligen Aufenthalt in Budua den ersten Ausflug 
mit Büchse und Spaten unternahm, war ich nicht wenig überrascht, 
als ich eine Viertelstunde südlich von der Stadt, halb auf felsigem 
Grund, halb im Meeressand, inmitten zahlloser Sideritis romana L. 
und Sideritis purpurea Vis., gerade auf der classischen Stätte der 
seltenen Matthiola glandulosa Vis. (Flor. dalm. III. pag. 124) in 
grossen Mengen eine stattliche purpurfarbige Pflanze anzutreffen, 
die in der Tracht eines kleinen Verbascum mir völlig fremd war, 
die ich in ihrem sonderlichen Aussehen keiner Familie einzureihen 
wusste. 

Lysimachia Linum stellatum in nächster Nähe hätte mir die 
Zusammengehörigkeit, dieselbe Centralplacenta der unverkennbaren 
Primulaceenkapsel sofort verrathen müssen, aber der abnorme Blü- 
thenstand und im Besonderen der Umstand, dass diese Pflanze 
Visiani nicht in seiner Flora aufgenommen und ihm folglich un- 
bekannt geblieben sein sollte, liess mir den Gedanken nicht auf- 
kommen, dass es sich um eine griechisch-orientalische Pflanze handle, 
nämlich um Lysimachia atropurpurea L. sp. 209 (Palladia atropur- 


273 


purea Seh. Sp. II 423) die sonst nur noch in Thracien und Mace- 
donien beobachtet worden ist. 

Es ist diess somit ein interessanter Fund, ein sehr weit nord- 
westwärts vorgerückter Standort, der wohl quer durch Albanien mit 
dem macedonischen Verbreitungsgebiet in Verbindung steht, da diese 
Lysimachia an der Westküste der Balkanhalbinsel nur im äussersten 
Süden anzutreffen ist. 

Auf einer einfacheren Weise mag sich 

2. Trifolium physodes Stev. (Cupanix Tin.) in die dalmati- 
nische Flora eingeschlichen haben. Sie befindet sich unweit der 
Landungsstelle von Cattaro in dem Gestein eines trockenen Fluss- 
bettes, ihre Heimat erstreckt sich über das südliche Griechenland 
und Sicilien, und ist jedenfalls — nach dem Standort zu schliessen 
— mit Waare eingeführt worden. 

3. Cerinthe auriculata Ten. wächst in Gemeinschaft mit Zr- 
folium physodes Stev., unweit des Meeres bei Cattaro; sie stammt 
aus dem Innern des Landes, ist wenigstens jenseits der Grenze auf 
montenegrinischem Gebiet häufig an Wegen und Culturstätten anzu- 
treffen, beispielsweise am Wege nach Cettinje, im Dorf Njegusch, an 
den ersten Häusern vor Cettinje und an Feldern bei Cettinje. — 
Sie wächst bei Cattaro gesellig mit Smyrnium perfoliatum Mill., Me- 
landrium divaricatum Rehb. fil., Trifolium nigrescens Vis., Tr. 
dalmatieum Vis., Tr. tomentosum L., Dr. resupinatum L., Tr. repens, 
Tr. Molinieri Balb., Tr. pratense L. u. a. m. 

4. Fumaria anatolica Boiss. ist in der Flora Ragusas an 
schattigen Weinbergsmauern nicht selten. Bereits aus Istrien bekannt, 
war diese griechisch-orientalische Pflanze in Dalmatien zu erwarten 
gewesen. Wie sie in Südfrankreich Einkehr gefunden hat, mag sie 
auch hier eingeschleppt worden sein, wie ja auch ihr Vorkommen 
im Banat vom Hauptverbreitungsgebiet sehr isolirt ist. — Ich be- 
merke nebenbei, dass Fumaria anatolica Boiss. in warmen Lagen 
sich sehr leicht einbürgert und leicht zu einem lästigen Unkraut 
werden kann; so z. B. hier im botan. Garten in Belgrad, wo sie im 
letzten Jahre nur ganz vereinzelt auftrat, bereits aber anfängt, un- 
ausrottbar zu werden. Fumaria agraria Lag. vermag nicht gegen 
sie aufzukommen und ist bei Paralleleultur, wenn das Beet nicht 
frühzeitig von der benachbarten Fumaria anatolica gereinigt wird, 
nicht durchzubringen. 

5. Erwähne ich noch: Pallenis spinosa Cass. Pf. pallida m. nov. 
var., die nur eine Farbenvarietät der typischen sattgelben P. spinosa 
Cass. ist, in ähnlichem Verhältniss wie Anthemis tinctoria zu A. 

allida DC. oder Adonis aeslivalis L. zu Adonis citrina Hofm. Die 

lüthen dieser Varietät sind strohgelb, sie wächst gemeinschaftlich 
mit dem Typus zusammen, zahlreich an sonnigen Abhängen bei 
'Spalato am Wege nach $. Stefano, woselbst sich stellenweise die 
 duukelfarbige Species ausschliesst. 


| Belgrad (kgl. botan. Garten) im Mai 1887. 
—_— —— £ 


j 


274 


Mittheilungen über die Hieracien des Riesengebirges, 


Von Gustav Schneider, 


Bergverwalter in Schmiedeberg im Riesengebirge.') 


(Fortsetzung.) 


y. spathulifolium mihi non Vukot. Da die ältere Bezeichnung 
nur einem Piloselloid (subsp. 2 des H. rubricatum Naeg. Peter) aus 
Croatien zukommt, nehme ich keinen Anstand, dieselbe für mein 
Archieracium beizubehalten. 

Stengel 12—13 Cm. hoch, hin- und hergebogen, einköpfig, 2 bis 
4blätterig, mässig (ziemlich gleichmässig am Ober- und Untertheil) 
kurzhaarig mit hellen in den oberen */, des Stengels schwarzfüssigen 
Haaren; im unteren Drittel fehlen die schwarzen Zwiebelborsten, 
oberwärts sind schwarze Borsten- und feine Drüsenhaare eingemengt. 
Ganz oben ist der Stengel reichflockig bis fast filzig bekleidet; die 
Flockenbekleidung nimmt gegen die Stengelmitte ab und verschwin- 
det gegen die Stengelbasis fast ganz. Blätter grasgrün, ziem- 
lich weich, beiderseits ziemlich reichlich kurzhaarig, am Rande 
gewimpert. Grundblätter zur Blüthezeit in der primären Ro- 
sette wenige (gewöhnlich zwei) noch grün, zuweilen in Nebenro- 
setten auch mehrere vorhanden; breit-spatelförmig, in einen breit- 
geflügelten, mässig langen Blattstiel verschmälert oder eilanzettlich 
mit schmal geflügeltem Blattstiel, gezähnelt (oft sehr undeutlich) mu- 
eronat, meist faltspitzig, circa 6 Cm. lang. Untere Stengelblätter 
meist länger als die Grundblätter (7—8 Cm.) spatelig-lanzett- 
lich, nach unten wenig verschmälert, sitzend, mit deutlich hervortre- 
tendem weisslichen Mittelnerv; unregelmässig gezähnelt oder gezähnt, 
zuweilen mit einzelnen, sehr grossen Zähnen; zugespitzt, faltspitzig; 
oberste Stengelblätter viel kleiner, lanzettlich; ganzrandig, gezähnelt 
oder gezähnt, zugespitzt, sitzend. Bei den stylosen Formen sind die 
Blätter ganzrandig oder nur sehr undeutlich gezähnelt. Kopfhüllen 
15 Mm. lang, + kreiselförmig; Hüllschuppen wenigreihig, 
sämmtliche gleichfarbig schwärzlich, breitlich, stumpflich, dicht 
zottig von kurzen, graulich weissen Haaren. Zungenblüthen etwa 
10 Mm. über dieHüllschuppen hervorragend, mitkurzen, feinen, 
weissen Seidenhaaren auf den Flächen und am Rande sehr spärlich, an 


den Zähnen reichlicher behaart. Blüthenfarbe goldgelb, Griffel dunkel. 


Aus den Ostsudeten nicht bekannt, in den Westsudeten nicht 
häufig, zuweilen truppweise beisammen wachsend, z. B. am Nord- 
fusse der Brandkoppe des Brunnenberges. In der hohen Tatra sam- 
melte ich diese Varietät im Felkerthale. Im Herbar Ullepitsch 


liegen drei als A. alpinum L. von Aurel Scherfel im Kohlbachthale 
gesammelte und bestimmte Pflanzen vor, von denen die eine zu var. 


er 


pathulifolium m., die zweite zu FH. alpinum var. ß. melanocephalum 


Tausch, die dritte zu H. alpieola Schleich. ß. chodopecum Griseb. gehört. 


*) Jetzt in Cunnersdorf bei Hirschberg in Pr.-Schlesien. 


275 


Letztere Pflanze ist zweiköpfig und liest in demselben Herbare 
noch in sechs einköpfigen Exemplaren aus dem Felkerthale vor, von 
A. Scherfel als H. glandulosum n. sp., von Blocki als 4. Ulle- 
pitschii n. sp. neu benannt! Wo soll das hinaus, wenn Jeder den 
ihm unbekannten, aber von anderen Autoren längst unterschiedenen 
und benannten Formen, die selbst die allerneuesten Monographen 
anerkannt haben, neue Namen beizulegen berechtigt zu sein glaubt?! 
Die Tatraform des ZH. alpieola Schleicher gehört zu der von Grise- 
bach bereits 1852 als rhodopeum beschriebenen Form des Rhodope- 
gebirges und steht dem X. petraeum Friv. aus dem Balkan am 
nächsten, welches Naegeli und Peter unter sorgfältigster Angabe 
der diagnostischen Unterschiede (Monographie der Piloselloiden pg.283) 
als Subspecies ebenfalls zu Z. alpicola Schl. ziehen. Streng genom- 
men gehört vorstehende Bemerkung nicht in eine Abhandlung über 
westsudetische Hieracien; indessen glaube ich, dass der gewissenhafte 
Schriftsteller keine Gelegenheit vorübergehen lassen darf, die sich 
gerade darbietet, um dem Treiben dieser Wiedertäufer unter den 
Botanikern entgegenzutreten. 

Die Beblätterung des H. polymorphum v. spathulifolium erinnert 
einerseits an H. pedunculare Tsch., wesshalb es von ungeübten Beob- 
achtern als solches ausgegeben worden ist, andererseits an HM. calen- 
duliflorum Backh. und wurde desshalb auch wohl von Sammlern, 
welche nur auf die Beblätterung, nicht aber auf den Gesammthabitus 
einer Pflanze zu achten gewohnt sind, für eine Uebergangsform zu 
diesem gehalten. Man vergleiche den Schlusssatz meiner vorjährigen 
Mittheilungen. 

d. var. Uechtritzianum mihi als Species (vergl. diese Zeitschr. 
1886 pg. 23). ') 

Diese durch rundliche, stumpfe Grundblätter und eigen- 
thümlich gestellte Stengelblätter, sowie schaftartigen, meist 
steif aufrechten Stengel auffällige, im Biesengebirge seltene, aus 
anderen Gebirgen noch nicht bekannte Form habe ich im Jahre 1886 
weiter zu beobachten Gelegenheit gehabt; ziemlich zahlreich auch in 
einer niedrigen, weniger robusten Gestalt. Der Form der Kopfhüllen 
und Hüllschuppen wegen habe ich sie seit dem Herbste 1886 als 
Varietät des H. polymorphum ausgegeben; denn wenn ich das 
Dechtritzianum, der abweichenden Beblätterung wegen als Species 
beibehalten wollte, müsste diess mit var. spathulifolium ebenfalls 
geschehen, welches noch dazu am häufigsten mit kreiselförmigen 
Köpfen vorkommt, während die halbkugelige Form der Köpfe bei 
H. polymorphum als Regel gilt. Ich möchte mir nicht gern einen 
bekannten östlichen Schriftsteller zum Muster nehmen, der aus einer 
systematisch mittelmässigen Varietät drei Species macht, wie es 


- scheint, nur um ihnen patriotische, oft schon längst von andern ver- 


brauchte Namen geben zu können, dabei aber mit der Publikation 


') Die Phrase: „folia subeoriacea“ in der eitirten Diagnose bitte, als nur 
auf die robusten Formen passend, zu streichen. v 


276 


der zu seinen Novitäten gehörigen Beschreibungen und seiner „sub- 
jeetiven, tief begründeten Auffassung des Speciesbegriffes“ ausseror- 
dentlich zurückhaltend ist. 

Bei allen, vorstehend sub «. bis d. genannten Varietäten kom- 
men stylose Formen vor, welche in der Regel weichblättriger, dichter 
und länger behaart sind als die normalen und häufig nicht mit Sicher- 
heit in die betreffenden Unterabtheilungen eingereiht werden können, 
wie diess schon bei Besprechung der stylosen Formen bei H. alpinum 
erwähnt wurde. 


3. Gruppe. Alpina malitiosa mihi.') 

Stengel aufrecht oder aufsteigend, oft hin- und hergebogen, zu- 
weilen selbst wellenförmig geschlängelt, mehr oder weniger längsge- 
streift, ein- bis vielköpfig, ein- bis vielblättrig, selten blattlos, kurz- 
haarig, nach unten oft verkahlend; am ÖObertheile dichtfilzig 
bis zerstreut steruhaarig; Sternhaare gegen die Basis sehr vermindert, 
ganz unten fast 0. Drüsenbekleidung des Stengels oben + dicht oder 
zerstreut, abwärts bald verschwindend. Die Kopfstiele der Neben- 
köpfe entspringen häufig nicht aus einer Blattachsel, in 
der Regel ist aber die Insertionsstelle durch eine Bractee gestützt. 
Blätter grasgrün bis graugrün, selten etwas glaucescirend oder 
glauk, beiderseits + behaart, meist etwas derb. Grundblätter zur 
Blüthezeit sowohl in der primären Rosette, wie auch in Neben- 
rosetten + zahlreich, oft sehr zahlreich vorhanden, ei- bis länglich- 
spatelförmig bis länglich-lanzettlich, meist in den langen, die eigent- 
liche Blattplatte oft um das anderthalbfache an Länge übertreffenden 
ziemlich schmal geflügelten Blattstiel ganz allmälig ver- 
schmälert, ganzrandig oder (selbst tief-) gezähnt; die Zähne oft mit 
einer Stieldrüse besetzt, entweder stumpf, häufig mucronat, oder — 
die lanzettlichen — in eine lange, feine Spitze vorgezogen. 
Stengelblätter lanzettlich bis lineallanzettlich oder lineal, gezähnt 
oder ganzrandig, meist mit lang vorgezogener Spitze; am Ober- 
theile des Stengels zuweilen eins oder einige durch schmallineale 
Bracteen vertreten. Kopfhüllen kurz und meist ziemlich dicht zottig 
behaart mit + eingemengten feinen Drüsenhaaren oder drüsenlos. 
Hüllschuppen schmal mit lang vorgezogener Spitze, mit 
Ausnahme der äussersten, etwas kürzeren und stumpflicheren Reihe, 
gleichgestaltet, vielreihig, dunkel bis schwarz. Ligularsaum 
fast kahl, die Zähnchen mit kurzen, dicklichen, weissen Haaren + 
gewimpert. 

5. H. ewimium Backh. — H. alpinum 4. H. sudeticum W Gr. 

Diese Pflanze ist ebenso, wie das verwandte decipiens Tausch 
bisher von den schlesischen Floristen am unzutreffendsten behandelt 
worden und auch die neueren Floren des Sudetengebietes (ich meine 


‘) Diesen Namen gab ich der in Rede stehenden Gruppe mit Rücksicht 
auf den Umstand, dass die beiden hieher gehörigen Species grosse und tüchtige 
Systematiker, wie Grisebach, Uechtritz, Oborny und selbst Dr. A. Peter 
aufs Glatteis geführt haben. 


u Kce 


277 


die Flora von Schlesien von Fiek und die Oborny’sche Flora, denn 
die neueste sudetische Flora vom Volksschullehrer W. Winkler ist 
in Beziehung auf das genus Hlieracium einer kritischen Besprechung 
nicht würdig) sind über die Schwierigkeiten, welche in der Deu- 
tung dieser tückischen Formen liegen, nicht sehr glücklich hin- 
weggekommen. Hat doch selbst Uechtritz noch im Jahre 1870 
zwei Individuen seiner später aufgestellten Varietät chrysostylum des 
H. eximium im Herbar Fiek als Z. decipiens Tausch, forma longi- 
folia, bestimmt; andere Autoren bestimmten und bestimmen zum 
Theil noch eine kurzgestielte, breitblättrige Form des H. ewimium 
genuwinum, welche am Glatzer Schneeberge vorkommt, als H. nigre- 
scens Willd. In der Flora von Schlesien hat Fiek das A. eximium 
als Varietät des #4. alpinum dargestellt und wie schon weiter oben 
bemerkt wurde (auf Veranlassung von Uechtritz) das total ver- 
schiedene ZH. calenduliflorum desselben Autors damit vereinigt, worin 
ihm auch Oborny gefolgt ist. (Alle früheren Autoren hielten diese 
beiden Species auseinander.) Diese unrichtigen Auffassungen scheinen 
durch die Unkenntniss der Backhouse’schen Originaldiagnose ent- 
standen zu sein, denn was Fries in der Epier. Hierac. pg. 43 und 
Babington im Manual of British Botany, 7. Auflage, 1874, pg. 212, 
über diese beiden Pflanzen schreiben, ist einestheils unzureichend 
anderntheils nicht immer zutreffend. Leider habe ich mir die Back- 
house’schen Originaldiagnosen ebenfalls nicht verschaffen können 
(auch Uechtritz besass dieselben nicht), doch hatte Letzterer von 
Backhouse selbst bestimmte Pflanzen aus Schottland erhalten, so 
dass wir wenigstens wissen, welche Hieracien Backhouse unter der 
Benennung eximium und calenduliflorum verstanden hat. Unzutreffend 
sind bei Fries (l. ec.) die Angaben bei H. eximium: Involuera basi 
truncata, bei H. calenduliflorum: Involucra basi rotundata. 
Gestutzte Kopfhüllen kommen, wenigstens bei den Sudeten- 
pflanzen, gerade bei H. eximium genuinum und chrysostylum selten, 
dagegen bei MH. calenduliflorum häufiger, bei beiden aber aus- 
nahmsweise — nicht als Regel — vor. Auch Babington sagt: 
involuere truncate sowohl bei H. ewimium, wie bei calenduliflorum. 
Die Hüllschuppen beschreibt Bab. bei 4. ewimium: phyllaries (. e. 
squamae involuceri) many linear-attenuate, outer phyll. small lax; 
bei H. ealenduliflorum: phyllaries many linear-attenuate, outer phyll. 
lax, was bei calenduliflorum mit den Originalpflanzen aus Schottland 
ebenso wenig übereinstimmt, wie mit den sudetischen. Ich beschreibe 
daher das H. eximium nach meinen eigenen Beobachtungen wie folgt: 
Stengel aufrecht, etwas hin- und hergebogen, stielrund, zuweilen 
hohl, + deutlich längsstreifig, einfach oder ästig, verschieden 
dicht behaart bis fast kahl; oberhalb mit Drüsenhaaren, Borsten und 
Sternflocken + dicht bekleidet, welche nach abwärts vermindert, an 
der unteren Stengelpartie aber sehr zerstreut auftreten oder ganz 
fehlen. Grundblätter zur Blüthezeit -+ zahlreich vorhanden, + behaart 
bis fast kahl. Stengelblätter lanzettlich, in eine lange Spitze 
vörgazogen, nach oben in der Regel ih schmallineale Bräüc- 


278 


teen übergehend. Kopfhüllen diek eylindrisch oder halbku- 
eelig mit abgerundeter oder gestutzter Basis, gross oder mit- 
telgross (bis 20 Mm. und darüber lang), kurz und dicht behaart, 
drüsenlos; Hüllsehuppen ziemlich schmal, mit Ausnahme der 
äusseren Reibe in eine lange, feine Spitze vorgezogen, dunkel 
bis fast schwarz. Zungenblüthen auf den Flächen und am Rande 
spärlich, an den Zähnchen reichlicher behaart. Blüthenfarbe tiefgelb, 
beim Trocknen meist mit einem Stiche ins röthliche, bis fast orange. 
Blüthezeit beginnt gegen Mitte Juli. 

Ich unterscheide innerhalb der Species ewimium Backh. folgende 
Formen, deren Diagnosen ich später veröffentlichen werde: 

a) var. genuinum m. umfasst die dunkelgrifflichen, mässig be- 
haarten Gestalten der Ostsudeten in folgenden Formen: 

a. typieum. Die hohen schmalblättrigen Formen mit langgestielten 
Blättern; 

ß. pseudonigrescens mihi = H. nigrescens Aut. plur. non Willd. 
Niedrigere, breitblättrige Formen mit kurzgestielten Blättern, 
welche ich bisher nur vom Glatzer Schneeberge, als H. nigre- 
scens Willd, falsch bestimmt, gesehen habe. 

b) var. chrystostylum Uechtr. Hiezu gehören die gelbgriffligen, 
stärker bekleideten Gestalten der Ostsudeten in folgenden Formen: 

&. normale. Hohe, gross- und vielköpfige Formen mit vorherrschend 
gezähnten und langgestielten Blättern; 

ß. tenellum Backh. Niedrige, einköpfige Formen mit vorherrschend 
ganzrandigen, meist kurzgestielten Blättern. 

Mit letztgenannter Form dürfte das H. cochleare Huter aus 
Tirol zu vergleichen sein; leider liegen mir von demselben nur vier 


Individuen vor. 
(Fortsetzung folgt.) 


—i 


Zur Flora von Galizien. 
Von Dr. Eustach Woloszezak. 


Eine der interessantesten Localitäten des Janower Waldes bei 
Lemberg, nämlich die Umgebung von Jaryna, ist schon seit längerer 
Zeit ziemlich gut bekannt, weniger die von derselben entfernteren. Eine 
botanische Fusstour auf den die Hauptstrasse des Janower Waldes 
kreuzenden Wegen in der Richtung von Süd nach Nord schien mir 
daher angezeigt. Ich verliess die Bahn in Kamienobrod bei Grodek, 
gelangte über Dobrostany, Karezmary und Starzyska bis Majdan und 
kehrte über Leluchowka, Janow, Zalesie und R. Rzesna nach Lem- 
berg zurück. Ich will hier nur nennenswerthe Pflanzenfunde an- 
führen. 

Aus Dobrostany Scerophularia Scopoliü, aus dem an Karczmary 
grenzenden Theile des Janower Waldes: Orchis coriophora, Biera- 


279 


eium Bauhini, Auricula >xX Bauhini, Bauhini x Pilosella, Pilosella, 
Auricula, polonicum und Auricula > polonicum, Symphytum tubero- 
sum, Salix silesiaca und Aconitum septentrionale (non moldavicum), 
welches hier in zahlreicheren Individuen auftritt, während es bei Ja- 
ryna selbst spärlich ist. 

Nördlich von Jaryna in der Richtung gegen Majdan sah ich 
Salix silesiaca an mehreren Stellen und glaube, dass sie auch weiter 
nach Norden vordringt, ferner S. aurita X silesiaca, Ribes rubrum, 
Iris sibirica und bohemica, Aquilegia vulgaris, Gladiolus imbricatus, 
Hieracium Bauhini, polonicum, vulgatum und wumbellatum, Viola 
montana und Centaureo, austriaca. Manches, was bei Jaryna vor- 
kommt, mochte, weil im Juni, als ich die Tour machte, noch nicht 
hinreichend entwickelt, von mir übersehen worden sein; Cineraria 
aurantiaca und Scorzonera purpurea, die auch bei Jaryna seltener 
sind, ebenso Sulir livida wurden jedoch hier vermisst. 

Aus Majdan nenne ich das Geum aleppieum, und von dem in 
der Nähe mitten im Walde befindlichen sandigkalkigen Fels Stolowy 
kamien (Tischstein) den verkannten Cotoneaster orientalis. Selbst 
ohne Blüthen und Frucht lässt er sich von ©. vulgaris und tomen- 
tosa unterscheiden. Im Habitus ähnelt er dem ©. vulgaris, in Form 
und Behaarung der Blätter dem €. tomentosa, dessen Habitus in 
Folge der durch die Inflorescenz bedingten Art der Verzweigung an 
Mespilus germanica erinnert. Von dem einige Schritte vom Tisch- 
stein entfernten Fels nenne ich, weil das Uebrige bekannt, blos die 
Carexz pediformis, welche hier bei weitem üppiger wird, als an dem 
von mir zuerst entdeckten sandigen Standorte beim israelitischen 
Friedhofe in Lemberg. 

Aus Zalesie erwähne ich: Festuca psammophila Hack., Sawi- 
fraga tridactylites, Hieracium Auricula > Pilosella und Rosa mi- 
cans, letztere drei auf einem Kalkhügel, Störuthiopteris germanica 
am Fusse desselben; am R. Rzesna Rumew aquaticus und Hottonia 
palustris. 

Bei dieser Gelegenheit will ich auch der Carem Buekii ge- 
denken, welche meines Wissens in Galizien noch nicht gefunden 
wurde. Sie wächst auf Wiesen zwischen $S. Wisznia und Rodatyceze 
in der Nähe von Eguwisetum variegatum und Iris bohemica, die hier 
auf kalkigfelsigen Stellen auftritt. 

Schliesslich muss ich einige Worte hier anfügen mit Rücksicht 
_ auf den in der vorigen Nummer dieser Zeitschrift erschienenen Ar- 
_ tikel des Herrn Braun, in welchem derselbe behauptet, dass meine 
ins Gefecht geführten Exemplare der Rosa leopoliensis mit der 
Sache, d. h. mit dem Streite über die A. leopoliensis eigentlich 
gar nichts zu thun haben. Vor Allem will ich bemerken, dass ich 
in meinem diessbezüglichen Aufsatze an kein (Gefecht gedacht habe; 
ich wollte weder Herrn Btocki vertheidigen, noch Herrn Braun’s 
Verdienste um die Kosenkunde schmälern, sondern nur im Interesse 
der Wahrheit reden. Nachdem Herr Btocki irrthümlich auch nicht 
drüsighlätterige Rosenstücke als seine Rosa leopoliensis ausgegeben 


230 


hatte, wie ich es nach der Erklärung des Herrn Prof. Dr. Borbäs 
glauben muss, konnte man streng genommen nur über bestimmte 
Rosenexemplare streiten, indem thatsächlich, weil nicht beschrieben 
— keine R. leopoliensis existirte. Wenn aber Herr Braun die R. 
leopoliensis in seiner Arbeit über meine Rosen als Synonym bei 
seiner Varietät der R. frutetorum aufgeführt hat, wurden gerade 
meine Exemplare Nr. 5 und 44 zu Originalen der R. leopoliensis 
Bt. gestempelt, und musste ich schliesslich beim bekannten Streite 
mitreden. 


Lemberg, 4. Juli 1887. 


— 


Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des 
Hochgesenkes. 


Von Dr. Ed. Formänek, 


k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn, 


(Fortsetzung.) 


Care» paueiflora Ligthf. Keilig, Kl. und Gr. Seeberg. 

— muricata L. D.-Liebau, Bautsch, Wigstadtl, Odrau. 

— leporina L. D.-Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Gr.-Ullersdorf, 
Buchelsdorf, Neudorf, Beckengrund, D.-Märzdorf, Wüst-Seibers- 
dorf, Nikles, Blaschke, Kl.-Mohrau, Wermsdorf, Kleppel, Keilig, 
Bärenkamm; Leitenberg, Altvater etc. (v. Niessl)!, Dämm- 
baude, Gr. Hirschkamm, Schieferheide, Berggeist, Saugraben, 
Kiesgraben, Römerstadt, Irmsdorf. 

— echinata Murr. (1770). D. -Liebau, Liebesdorf, Gross-Ullersdorf, 
Buchelsdorf, Neudorf, D.-Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Ludwigs- 
thal, Stollenhau, Nikles, Potatky bei Krummwasser, Kl.-Mohrau, 
Krondörfl, Kleppel, Keilig, Uhustein, Bärenkamm, Altvater, 
Dämmbaude, Peterstein, Römerstadt, Wigstadtl. 

— canescens L. Rother Berg. 

— remota L. Bradlsteine und Krausenbüschel bei Deutsch-Liebau, 
Brandwald bei Deutsch-Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Wermsdorf, 
Kiesgraben, Kriech, Janowitz, Römerstadt, Wigstadtl, Lautsch, 
Scheuergrund u. a. 0. bei Odran. 


— Goodenoughii Gay. (1839). Ob. Fl. v. M. u. ö. Schl. p. 178. 


Verbreitet und zwar zumeist in der Form juncella Fr., so bei 
Gr.-Ullersdorf (Oborny), Ludwigsthal Reigersdorf, Potatky bei 
Krummwasser, Grumberg, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Rother Berg, 
Altvater, Schieferheide, Janowitz, Römerstadt, Bautsch, Wig- 
stadtl, Odrau. 

— — var. turfosa Fr. sp. Gr. Hirschkamm. 

— pilulifera L. Gr.-Ullersdorf. 

— limosa L. Kl. Seeberg. 


es 


281 


Carer flacca Schreb. Gr.-Ullersdorf. 

— panicea L. Gr.-Ullersdorf, Ludwigsthal, Krummwasser, Klein- 
Mohrau, Krondörfil, Wigstadtl, Odrau. 

— pallescens L. Gross-Ullersdorf (v. Niess!), hier sehr häufig; 
Deutsch-Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Marschendorf, 
Buchelsdorf, Neudorf, Wiesenberg, Wüst-Seibersdorf, Ludwigs- 
thal, Reigersdorf, Klein-Mohrau, Krondörfi, Bärenkamm, Auer- 
hahnbaude, Knoblochgraben, Bärmuttergraben, Janowitz, Römer- 
stadt, Fichten bei Irmsdorf, Bautsch, Wigstadtl, Odrau. 

— silvatica Huds. Trausnitz bei Petersdorf, Rabenseifen, Gr.-Ullers- 
dorf, Brandwald bei Deutsch-Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Pföhl- 
wies, Wald bei der Ruine Neuhaus, Nikles, Altvaterwald, Kies- 
graben, Kriech; Wiesenberg, Winkelsdorf, Wermsdorf (Oborny)!, 
so Spitzberg etc.; Janowitz, Grundwald und Schlossberg bei 
Römerstadt. R 

— flava L. a. macrorrhyncha Celak. Prodr. Fl. B. p. 71. Gross- 
Ullersdorf, Ludwigsthal, Grumberg, Kiesgraben, Kriech, Römer- 
stadt. b. brachyrhyncha Celak. 1. ec. Reigersdorf. 

— 0Oederi Ehrh. Potatky bei Krummwasser, Kl.-Mohrau, Krondörfl, 
Dämmbaude. { 

— ampullaces Good. a. normalis Celak. Prodr. Fl. B. p. 73. Gross- 
Ullersdorf, Neudorf, Römerstadt. 

Heleocharis palustris R. Br. Noch bei Römerstadt. 

re re vaginatum L. Saugraben, Gr. Hirschkamm, Schiefer- 

eide. 

— latifolium Hoppe. Gr.-Ullersdorf, Beckengrund. 

Juncus glaucus Ehrh. D.-Liebau, Wigstadtl, Odrau. 

— filiformis L. Peterstein, horizontaler Weg von der Schäferei zum 
Franzens-Jagdhause. 

— trifidus L. Auf felsigen Stellen der Backofensteine ganze Rasen 
bildend. 

— squarrosus L. Wigstadtl, Kunzendorf. 

— compressus Jeq. Verbreitet in der Petersdorfer, Gr.-Ullersdorfer, 
Grumberger und Klein-Mohrauer Gegend. 

— bufonius L. Gemein im b. G. 

Luzula silvatica Gaud. Saugraben, Franzens-Jagdhaus, Kriech, Gr.- 
Hirschkamm, Schieferheide, Hofberg, Hörndlsteine. 

— albida DC. Gross-Ullersdorf, Marschendorf, Wüst-Seibersdorf, 
Klein-Mohrau, Odrau, Lautsch, Neudörfl, Werdenberg, var. ru- 
bella Hoppe. Rother Berg, Bärenkamm, Altvater, Peterstein, 

- Gr. Hirschkamm, Hofberg. 

 — multiflora Lej. Petersdorf, Gross-Ullersdorf, Wüst-Seibersdorf, 
Grumberg, Kl.-Mohrau, Römerstadt, Odrau. Var. fusconigra Oel. 
Saugraben, Gr. Hirschkamm. 

— sudetica Presl. Horizontaler Weg von der Schäferei zum Fran- 

zens-Jagdhaus. Saugraben, Gr. Hirschkamm, Schieferheide. 
Allium sibiricum Willd. Saugraben, Bärmuttergraben. 
— oleraceum L. D.-Liebau, Liebesdorf, häufig bei Gr.-Ullersdorf, 
Oesterr. botan. Zeitschrift. 8. Heft 1887. 2: 


282 


Neudorf, Beckengrund, B.-Märzdorf, Nikles, Bautsch, Wigstadtl, 
Odrau, Neudörfl; Blauda, Wiesenberg (Oborny)! 

Muscari comosum Mill. D.-Liebau, @r.-Ullersdorf. 

Streptopus amplexifolius DU. Saugraben, Bärmuttergraben, Franzens- 
Jaedhaus, Kriech. 

Smilacina bifolia Desf. Gemein, in höheren Lagen: Peterstein, Hohe 
Heide, Gr. Hirschkamm. 

Convallaria majalis L. Bradlsteine bei D.-Liebau, Gross-Ullersdorf, 
kömerstadt, beim Podelsky-Bach bei Irmsdorf, Wigstadtl, 
Odrau. 

Polyoonatum offieinale All. Petersdorf, Gr.-Ullersdorf, Blauda, B.- 
Märzdorf. 

— multiflorum All. Zöptau, Hutberg, u. a. O. bei Gr.-Ullersdorf, 
Neudorf, Kl.-Mohrau, Römerstadt, (Grundwald ete.), Wigstadtl, 
Odrau, Hirnich bei Neudörfl. 

— verticillatum All. Ludwigsthal, Reigersdorf, Pföhlwies, Nikleser 
Wald, Altvater Wd. Kl. -Mohrau, “Kleppel vom Altvater über 
den Peterstein auf allen Gipfeln bis zum Berggeist und Röhrberg 
und von der Schäferei, dem Saugraben und dem Franzens-Jagd- 
haus bis in den Kiesgraben und zu den Köhlerhütten u. a. 0. 
bei Wermsdorf. 

Paris quadrifolia L. Am Wege zu Kriech oberhalb Wermsdorf und 
vielen anderen Punkten im Sudetenzuge vom Glatzer Schnee- 
berg ab bis gegen Bärn und Rautenberg (Oborny) Trausnitz 
bei Petersdorf, Gr.-Ullersdorf, Brandwald und Brünnel bei D.- 
Märzdorf, Hinterbusch u. a. O., bei Wüst Seibersdorf, Ludwigs- 
thal, Reigorsdorf, Pföhlwies, Nikles, Altvaterwald, Kl.-Mohrau, 
Kleppel, Berggeist, Janowitz, Grundwald, u. a. O., bei Römer- 
stadt, Fichten bei Irmsdorf. 

Colehicum autumnale L. Goldenfluss, Kl.- Mohrau, Römerstadt, 
Janowitz, Wigstadtl, Kl. Hermsdorf, Lantsch, Odrau, massen- 
haft bei Schönau, Söhle. 

VeratrumlobelianumBernh..Saugraben, Bärmuttergraben, Franzens-Jagd- 
haus, Kriech, Kiesgraben bis zu den Köhlerhütten, bei Werms- 
dorf, Hofberg, Berggeist bis zum Römerberg bei .Kleppel, Hoch- 
wald bei Janowitz. I 

Triglochia palustris L. Gr. Ullersdorf (Paul), Karlsquelle u. a. O., 
Petersdorf. 

Alisma plantago L. Gemein, var. laneeolatum Aut. bei Blauda und 
Wisgstadtl. 

Orchis maculata L. Gr.-Ullersdorf, Beckengrund, D.-Märzdorf, Kl.- 
Mohrau, Kleppel, Wermsdorf, Kiesgraben , Berggeist, Peterstein, 
Janowitz, Neufeld, Römerstadt, Irmsdorf. 

— latifolia L. D.-Liebau, Gr.-Ullersdorf, D.-Märzdorf, Wermsdorf 
Kriech, Römerstadt. 


(Fortsetzung folgt.) 
——— 


283 


Mein wissenschaftliches Streben und Schaffen. 


; Eine Autobiographie von Rudolf v. Uechtritz. 
(Schluss.) 


Durch einen derartigen Verkehr mit Männern der Wissenschaft, 

von denen ich zudem einen Theil persönlich kennen zu lernen Ge- 
legenheit fand, wurde mit der Zeit eine ausgebreitetere und geläu- 
tertere Formenkenntniss erzielt, aber zugleich auch die Einsicht 
gewonnen, dass eine solche nicht den Endzweck der botanischen 
Systematik bilden könne, umso eher, als ein Theil dieser Epoche 
meiner wissenschaftlichen Entwicklung mit dem Auftreten der Dar- 
win’schen Theorie zusammenfiel, die später eine so grosse Bedeutung 
gerade für die Fortschritte jener Disciplin und der Pflanzengeographie, 
der ich ebenfalls schon lange ein reges Interesse zugewendet hatte, 
gewinnen sollte. Was den Darwinismus anbetrifft, so muss ich aller- 
dings bekennen, dass ich mich längere Zeit demselben gegenüber 
ablehnend verhalten habe und wie viele Andere seinen Werth we- 
sentlich in der ihn begleitenden Anregung zur Lösung einer Fülle von 
wissenschaftlichen Fragen zu erblicken glaubte. Ein einfaches Vorurtheil 
wäre gewiss leichter zu überwinden gewesen, so aber war mir die 
Descendenztheorie im Principe im Gegentheile vollkommen sympathisch, 
während die eigenen im Laufe der Zeit angesammelten Erfahrungen, 
wie ich damals anzunehmen mich für berechtigt hielt, in zu vielen 
Fällen dagegen sprachen. Hatte ich doch gerade bei Weitem den 
grösseren Theil der deutschen Phanerogamen — und nicht wenige 
_ genauer — sowohl in spontanem, als in eultivirtem Zustande zu 
beobachten Gelegenheit gehabt und mir in Bezug auf ihre gegen- 
seitige Abgrenzung ein eigenes Urtheil zu verschaffen gesucht. Je 
öfter ich diese Verhältnisse geprüft hatte, desto deutlicher erschien 
mir das Bestreben der Formen nach Beständigkeit vorzuwiegen. An- 
geblich existirende Zwischenglieder erwiesen sich häufig nur als auf 
irrigen Beobachtungen oder Auffassungen beruhend; mitunter stellten 
sich dieselben auch als Kreuzungsproducte heraus. Der Gedanke lag 
somit nahe, dass wenigstens für die Jetztzeit und für die ausser- 
tropischen Gebiete die Lehre Darwin’s nicht als der Wirklichkeit 
entsprechend aufzufassen sei. 

Erst die eingehendere Beschäftigung mit gewissen schwierigeren 
und formenreichen Gattungen, namentlich mit den Hieracien, deren 
tudium ich bis heute mit kurzen Unterbrechungen einen ansehn- 
ichen Theil meiner Zeit in der Absicht geopfert habe, dereinst eine 

fassendore monographische Bearbeitung zu lieforn, überzeugte mich 
on der Haltlosigkeit meiner früheren Anschauungen. 

Genöthigt, alle Formen, auch die fremden, in den Kreis meiner 
etrachtungen zu ziehen, lernte ich allmälig eine Reihe von That- 
hen aus eigener Erfahrung kennen, dio sich mit der Annahme der 
nstanz der Arten nicht in Einklang bringen liessen. Ausser manchen 
deren heute als Gemeingut der Wissenschhaft anerkannten Wahr- 

23* 


284 


nehmungen, die damals zum Theile erst die Aufmerksamkeit der 
Beobachter in Anspruch zu nehmen begannen, frappirte mich nament- 
lich auch die Erscheinung, dass in allen denjenigen Hochgebirgen, 
welche endemische Typen jener Gattung aufzuweisen haben, die Mehr- 
zahl der Formen noch heute in so naben Beziehungen zu einander 
steht, dass es bei genauerer Kenntniss derselben nicht schwer hält, 
von vereinzelten Ausnahmen abgesehen für die Gesammtheit einen 
oder mehrere Stammbäume ohne Zuhilfenahme gewagterer Hypo- 
thesen zu entwerfen, was namentlich auch von den alpinen Hieracien 
der Sudeten gilt. 

Diese Ergebnisse, die mit ähnlichen, vorzugsweise in neueren, 
die phylogenetischen Verhältnisse berücksichtigenden Monographien 
niedergelegten im Einklange standen, haben mich in Verbindung mit 
dem weiteren manche anderweitige Bedenken beseitigenden Ausbau 
der Theorie des berühmten englischen Forschers zu einem entschie- 
denen Anhänger desselben umgestempelt, dessen Ueberzeugung um 
auf so festerem Boden steht, als sie nicht sprungweise, sondern 
Schritt für Schritt im Kampfe mit dem Zweifel gewonnen wurde. 
Der extremen Richtung, die mehr und mehr den Boden der exacten 
Beobachtung verlässt, stehe ich indessen noch gegenwärtig ferne. 

Meine Studien wurden jedoch durch die weiteren Fortschritte 
meines Leidens zuletzt völlige gehemmt. Als ich nach jahrelanger 
Unterbrechung meine früheren Beschäftigungen allmälig wieder auf- 
nehmen konnte, habe ich einfach den Faden, so gut es eben ging, 
wieder an der Stelle angeknüpft, wo ihn das Geschick zerrissen hatte. 
In der Zeit, während der ich noch immer ans Zimmer gebannt war, 
sind wissenschaftliche Arbeiten zugleich meine einzige Erholung ge- 
wesen und ich habe damals den Werth geistiger Thätigkeit mehr 
denn je schätzen gelernt. Durch die thatkrältige Unterstützung hie- 
sirer und auswärtiger Fachgenossen, die mich in zuvorkommendster 
Weise mit Material versahen, wurde ich trotz meiner im Uebrigen 
denkbarst ungünstigen Situation in den Stand gesetzt, auf einzelnen 
Gebieten nicht ganz ohne Erfolg zu wirken und zugleich einen Theil 
des Versäumten nachzuholen. 


Immerhin aber war ich durch die dringend gebotene Rück- 
sichtsnahme auf meinen Gesundheitszustand gezwungen, meine Thä- 
tigkeit von nun ab auf bestimmte Grenzen zu beschränken. Die früher 
gewonnenen Erfahrungen schrieben mir zum Theile den Weg vor, den 
ich einzuschlagen hatte und günstige Umstände erleichterten mein 
Bestrebungen. Dieselben gingen von nun ab vorzüglich dahin, mi 
eine möglichst umfassende Kenntniss der gesammten Phanerogamen 
Flora Europas und der verwandten Gebiete, namentlich auch der 
Mediterranländer, zu verschaffen. Meine für diesen Zweck ohnehin. 
bereits nicht ganz unbrauchbaren Sammlungen zu vergrössern, fiel 
mir bei meinen ausgedehnten Verbindungen nicht schwer und so war 
ich bereits 1873, als zwei befreundete schlesische Botaniker, die 
Herren Fritze und M. Winkler, eine Reise nach Südspanien unter- 


285 


nahmen, im Stande, die gesammte sehr beträchtliche Ausbeute des 
Ersteren zu bestimmen. 

| Ein 1876 erneuter Aufenthalt M. Winkler’s in Spanien, der 
' in diesem Jahre die meisten Provinzen dieses Landes, sowie einen 
Theil Portugals mit ausgezeichnetem Erfolge durchforschte, ermög- 
liehte mir die Erweiterung meiner Studien über die Flora der iberischen 
Halbinsel, wobei mir die Beihilfe der verdienstvollen Verfasser des 
Prodromus florae hispanicae, mit denen ich schon früher in Verbindung 
getreten war, in dankenswerthester Weise zu Theil wurde. 

Ein nicht minder reges Interesse gewann ich fast gleichzeitig 
für die Vegetations-Verhältnisse der Balkanländer, deren botanische 
Schätze nach Grisebach’s so erfolgreicher Reise vorzugsweise durch 
die langjährigen Forschungen Pan£it’s, später dureh die Thätigkeit 
Janka’s und Anderer erschlossen worden waren. Auch hier gestattete 
das in reicher Fülle mir zu Gebote stehende Material vielfach selb- 
ständige Information, vor allem auf dem Felde der Hieraciographie, 
da gerade die Habichtskräuter in jenem Gebiete durch eine erstaun- 
liche Fülle von Formen vertreten sind, deren Kenntniss umsomehr 
an Bedeutung gewinnt, als sich hier die mitteleuropäischen mit den 
orientalischen berühren und der Reichthum an Endemismen ein auf- 
fallend grosser ist. Da ich in den Stand gesetzt war, so ziemlich das 
meiste von dort überhaupt bekannt Gewordene, darunter vieles in 
Menge, selbst prüfen und theilweise auch Culturversuche vornehmen 
zu können, so übernahm ich später die Bearbeitung der Gattung für 
den Catalogus Cormophytorum et Anthophytorum Serbiae, Bosniae etc. 
von Ascherson und Kanitz. 

Der Aufenthalt der Gebrüder Sintenis in der Dobrudscha 
während der Jahre 1872 bis 1875 bot mir ferner Gelegenheit, die 
Flora dieses bisher in floristischer Hinsicht fast völlig unbekannt 
gebliebenen, dabei in pflanzengeographischer Hinsicht besonders merk- 
würdigen Landstriches ausreichend kennen zu lernen. Wiewohl den 
Hauptzweck der Expedition ormithologische Forschungen bildeten, so 
waren doch die botanischen Sammlungen, welche hauptsächlich der 
ältere Sintenis angelegt hatte, ebenfalls werthvoll und beträcht- 
lich. Fast 1100 Species von Phanerogamen, die zum Theile von 
vielen Standorten und fast durchwegs in sehr instructiven Exem- 
plaren aufgelegt waren, ermöglichten der Hauptsache nach die Aus- 
füllung einer bisher vielfach fühlbar gewordenen Lücke in der Kennt- 
niss der Verbreitung einer erheblichen Zahl von Gewächsen. Ueber 
der Publication der im Manuscripte zum grössten Theile längst 
beendeten Arbeit hat indessen ein eigener Unstern gewaltet. Da mir 
das Gesammtmaterial nur auf eine verhältnissmässig kurze Zeit behufs 
Revision zur Verfügung stand und der Sammler später mehrfach 
grössere botanische Reisen unternahm, so fehlte es an Gelegenheit, 
eine Anzahl gerade der interessantesten Typen, zu deren sicheren 
Bestimmung die Benützung grösserer auswärtiger Sammlungen nöthig 
gewesen wäre, von neuem zu prüfen, und der in diese Zeit treflendo 
Tod Grisebach's, der in gewohnter liebenswürdiger Weise seinen 


286 


Beistand zugesagt hatte, bewog mich umsomehr, vorläufig von der 
Veröffentlichung der vollständigen Arbeit abzustehen, als beinahe 
gleichzeitig meine Betheiligung an einem anderen Werke erforderlich 
wurde. Nichtsdestoweniger ist wenigstens der grössere Theil der ge- 
wonnenen Resultate insoweit verwerthet worden, dass ich für Kanitz's 
Enumeratio pl. Romaniae auszugsweise die erforderlichen Angaben 
lieferte. 

Durch die vorerwähnten Aufgaben, denen sich ähnliche gerin- 
geren Umfanges zugesellten, war selbstverständlich meine Thätigkeit 
auf dem Gebiete der heimischen Flora wesentlich eingeschränkt wor- 
den. Gleichwohl wurden fast alljährlich die bekannt gewordenen Zu- 
gänge in den Verhandlungen der botanischen Section der schlesischen 
Gesellschaft veröffentlicht, respective näher besprochen und nament- 
lich auch kritischen Gattungen, wie Hieracium, Rosa u. s. w. fort- 
dauernd besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Da seit dem Erscheinen 
der dritten Ausgabe der Wimmer’schen Flora von Schlesien bereits 
über 20 Jahre verflossen waren, so wurde inzwischen das Bedürfniss 
einer neuen Bearbeitung der schlesischen Phanerogamen ein drin- 
sendes und die von anderer Seite vielfach erfolgten Aufforderungen, 
einer solchen mich selbst zu unterziehen, wie diess schon vor Jahren 
mein eigener Wunsch gewesen war, mehrten sich stetig. Da es indess 
keineswegs wünschenswerth erschien, die bisherigen Studien mit einem 
Mal abzubrechen, da ferner für eine Anzahl kritischer Gattungen 
trotz mehrfacher Vorarbeiten ein genügender Abschluss noch nicht 
erreicht war und vor allem es mein Gesundheitszustand immer noch 
nicht gestattete, die Provinz in gleicher Weise wie ehedem selbst 
nach allen Richtungen von neuem zu untersuchen, so beschloss ich, 
freilich nicht ohne inneres Widerstreben, die Lösung der Aufgabe 
einem befreundeten Fachgenossen, von dessen Befähigung ich mich 
in den letzten Jahren persönlich zu überzeugen Gelegenheit gefunden 
hatte, anzuempfehlen. 


So unterzog sich denn der Apotheker E. Fiek zu Hirschberg 
in Schlesien der Bearbeitung der neuesten Flora unserer Provinz, die 
im Jahre 1881 beendet wurde. Ohne Frage wäre ein gemeinsames 
Zusammenarbeiten dem Gelingen des Werkes am förderlichsten ge- 
wesen und ein solches hätte auch unserem beiderseitigen Wunsche 
am ehesten entsprochen, doch war dies wegen der Entfernung der 
Wohnorte nicht möglich und so ist denn mein Antheil ein relativ 
geringer geblieben. Derselbe beschränkte sich einerseits auf gewisse 
Rathschläge, eine flüchtige Durchsicht des Ganzen und auf Einschal- 
tung mancher bisher noch nicht veröffentlichter Einzelnheiten, an- 
dererseits auf eine etwas ausführlichere Revision gewisser Genera 
(speciell Fieracium), welche Fiek ohnehin schon meist auf Grund 
der von mir anderwärts gelieferten Vorarbeiten behandelt hatte, sowie 
auf die selbständige Ausarbeitung des zweiten Theiles der pflanzen- 
geographischen Einleitung, welcher die Vegetationslinien unseres Ge- 
bietes behandelt. 


287 


Für die nächste Zukunft dürfte, wofern es mein Gesundheits- 
zustand erlaubt, meiner botanischen Thätigkeit durch den Umstand, 
dass ich der deutschen botanischen Gesellschaft als Commissionsmit- 
glied für die deutsche Flora angehöre, voraussichtlich ein bestimmtes 
Ziel vorgezeichnet sein, ohne dass ich desshalb auf anderweitige 
wissenschaftliche Arbeiten Verzicht zu leisten beabsichtige. 

Breslau, im Juni 1883. 


—i 


Flora des Etna. 


Von Prof. P. Gabriel Strobl. 
(Fortsetzung.) 


1387. Vieia narbonensis L. *Biv. cent. II, *Bert. Fl. it. Vartirt 
in Sicilien: «. integrifolia (Ser.) DU. Prodr. — «. genuina Gr. Godr. 
— narbonensis (Guss. *Syn. et *Herb.! Blättchen ganzrandig oder fast 
ganzrandig, Nebenblätter ganzrandig oder sparsam gezähnt, Stengel 
und Blüthenstiele zottig, Hülsen an den Nähten langzottig, Zotten 
auf kurzen Warzen sitzend. ß. serratifolia (Ser.) Koch Syn., Vicia 
serr. Jacg. Guss. *Syn. et *Herb.! Alle Blättchen grob spitzig-ge- 
zähnt, Nebenblätter dicht eingeschnitten-gezähnt, Stengel oberwärts 
ziemlich kahl, Hülsen an den Nähten langzottig, Zotten auf länge- 
ren Warzen sitzend. y. intermedia mihi. Wie £., aber die unteren 
Blättchen ganzrandig und nur die oberen grobgezähnt. Auf sonnigen, 
buschigen und steinigen Abhängen der Tiefregion Siciliens ziemlich 
selten, auch im Gebiete: Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert. 
l. ce. @.), um Catania (Guss. Syn. «. und %., Cosentini in Herb. 
Guss. ß.'!), an bebauten Stellen des Etna Biv. 1. c. «.), an sandigen 
Orten des Etna bei Pedara (Herb. Tornab. £.!); var. y. fand ich 
häufig im Favorita-Parke bei Palermo. April—Juni. ©. 

1388. V. Faba L. Allenthalben ceultivirt in der Tiefregion, vor- 
züglich längs der Ostküste, besonders als Nahrung des ärmeren Vol- 
kes (!, Philippi); steigt bis über 2000, z. B. um Nieolosi; wird 
nach Torn. Cart. oft zerstört von Orobanche pruinosa. Mai, Juni. ©). 

1389. V. bithmiea L. Guss. Syn. et *Herb.! Leicht erkennbar 
dureh die 1—2paarigen, rundlichen bis eiförmigen unteren und 2- 
bis 3paarigen lanzettlichen bis lineallanzettlichen oberen Blättchen, 
kurzen, 1—2blüthigen Blüthenstiele und violetten, über 15 Cm. 
langen Fahnen; habituell ganz, wie Lathyrus pratensis. Auf Wiesen 
und Weiden, in Saatfeldern und Gärten bis über 2000° sehr häufig: 
Um Catania (!, Cosent. in Herb. Guss.!, Herb. Tornab.!), Nicolosi 
(Herb. Torn.!), in der Ebene des Simeto bis Paternö (!, Herb. Reyer!). 
April, Mai. ©). 

1390. V. striata M. B. Guss. *Syn., pannonica *Biv. cent. II, 
*Raf, Il, non Jacq., pannon. var. ß. Bert. Fl. it. Auf Weiden und 
Wiesen des Etna (Biv.1l.e., Biv. in Guss, Syn.); sah kein Exemplar, 


DD 
O0 
[ee] 


1391. V. melanops S. Sm. Fl. gr. Prodr. II, 72 (1813), Bert. 
Fl. it., trieolor S. M. Fl. rom. Pr. (1813), Guss. *Syn. et *Herb.! 
Blättchen 5—9paarig, die unteren verkehrteiförmig-keilig, ausgeran- 
det, die oberen länglich-elliptisch mit Stachelspitze; Nebenblätter 
halbpfeilförmig, klein, gefleckt; Blüthen hängend, eine sehr kurz ge- 
stielte, 1—3blüthige Traube bildend; Fahne gelbgrün, Flügel an der 
Spitze sammtig purpurschwarz, Schiffehen gelbbräunlich, kurz, Auf 
Laven, in Gärten und Feldern bis 2200‘ sehr häufig: Catania (Co- 
sent. und Heldr., Guss. Syn. et Herb.!, Herb. Tornab.!), Licodia, 
Misterbianco, Belpasso (Gasparrini in Guss. Syn. et Herb.!), Ni- 
colosi (Torn. in Guss. Syn. add. et Herb.!), sandige Orte am Monte 
Po bei Pedara (Herb. Torn.!), Lavagründe hinter dem grossen Stein- 
bruche bei Catania und gegen Acicastello (Herb. Reyer!), von Cata- 
nia bis über Nicolosi stellenweise sehr häufig, z. B. bei Mascalucia, 
ebenso um ÖOgnina, besonders gemein längs der Eisenbahn! Mäız, 
April. ©. 


1392. V. grandiflora Scop. Guss. Syn. et Herb.! Variirt in 
Sicilien: «. Scopokana Koch. Syn. Blättchen sämmtlich kurz, fast 
verkehrtherzförmig oder verkehrteiförmig, die obersten 1 Cm. lang, 
6 Mm. breit; stimmt aufs genaueste mit Exemplaren aus Fiume 
und Istrien. ß. Kitaibeliana Koch Syn. = V. sordida W. K. plant. 
rar. Taf. 133 (1812), non M. B. (1808). Obere Blättchen länglich 
keilig, z. B. bei 15 Cm. Länge 5 Mm, breit; Blüthe kahl, gelb, 
über 2 Cm. lang. Zeigt, mit Exemplaren Ungarns, Siebenbürgens, 
des Banates verglichen, ebenfalls keine Differenz, ausser dass die 
Blättchen der sicil. Exemplare bloss 2—3paarig sind. Hieher gehört 
wohl auch die von Bivona piant. ined. p. 10 auf Weiden des Etna 
angegebene laccida Biv., die nach Biv. ähnlich der sordida ist. — 
In Hainen und an Waldrändern der Tiefregion beide Varietäten nicht 
selten: Catania (Cosentini in Herb. Guss.!) im Vallone di Ulli 
(Herb. Torn.!), am Amenanus vor Misterbianco, um Motta S. Ana- 
stasia, in der Ebene des Simeto bis Paternd! April, Mai. ©. 


1393. V. hybrida L. Bert. Fl. it., Guss. *Syn. et Herb.! Blätt- 
chen 4—6paarig, schwach zottigflaumig, gestutzt-ausgerandet, die 
unteren verkehrteiförmig, die oberen länglich; Blüthen einzeln, axil- 
lär, fast sitzend; Fahne zottig-flaumig, den Kelch fast zweimal über- 
ragend; Kelchzähne ungleich, pfriemlich, kürzer, als die zottig-Hau- 
mige Röhre; Hülsen elliptisch-Jänglich, zottigflaumig, Haare nicht 
auf Höckern. Spuria *Raf. Car., *Raf. I, Guss. *Syn. et *Herb! 
unterscheidet sich davon nach Raf. und Guss. durch längliche, 
stumpfe oder gestutzte, nicht ausgerandete Blättchen, schwefelgelbe, 
20—25 Mm. (nicht bleichgelbgrüne, 15—18 Mm.) lange Blüthen 
mit an der Spitze verbreiterten Flügeln und zottigen, die Flügel 
überragender Fahne; doch sind diese Merkmale so unbeständig und 
durch so mannigfache Uebergänge mit denen der hybr. verbunden 
(z. B. finden sich selbst im Herb. Guss. Exemplare der hybr. mit 
über 20 Mm. langen Blüthen und stark verbreiterten Flügeln!), dass 


289 


man spuria höchstens als grossblüthige Varietät betrachten kann, 
oder, wie Presl F]. sie. that, einfach als Synonym behandeln muss. 
Unter Saaten, zwischen Gebüsch, auf Lavaströmen und sonnigen Ab- 
hängen bis 3000° beide Varietäten häufig: «.: Aus Catania von Guss. 
erhalten (Bert.), um Catania (Cosent. in Herb. Guss., Herb. Reyer!), 
Lavagründe um ÖOgnina und gegen Acicastello, auf den Monti Rossi 
(Herb. Reyer!), zwischen Catania und Nicolosi! var. ß.: In der Tief- 
region des Etna und noch bei Milo (Raf. 1. c.), um Acireale (Guss. 
Syn.), Catania alla petriera (Tornab. in Guss. Syn. add. et Herb.!, 
Herb. Torn.!), um Ognina, in der Ebene des Simeto, oberhalb S. Ni- 
cola dell’ Arena! März, April. ©. 


1394. V. hirta Balb. *Bert. Fl. ital, Guss. Syn. et *Herb.! 
Besitzt gleich Zutes L. zum Unterschiede von der nächstverwandten 
hybrida kahle Fahne, ziemlich breite Kelchzähne und auf Höckern 
sitzende, weisse Behaarung der Hülsen, aber bei meinen Exemplaren 
der Zutea aus Frankreich, England, Deutschland, Südtyrol und Ober- 
italien ist die Pflanze ziemlich kahl oder schwach flaumig, die Blätt- 
chen sind 4—7paarig und etwas entfernt, die unteren verkehrteiför- 
mig, die oberen länglich, die Blüthen schwefelgelb oder schwach 
purpurn, die Hülsen sparsam rauhhaarig; bei hörta hingegen, die von 
Toscana bis Sicilien, in Südspanien und Griechenland sehr verbreitet 
ist, ist die Pflanze stark abstehend rauhhaarig, die oberen Blättchen 
sind 7—10paarig, genähert, lanzettlich-lineal bis lineal, stachelig zu- 
gespitzt, die Blüthen weisslich (@. ochroleuca) oder tief purpurblau 
(B. purpureo-coerulea m.) die Hülsen dichter und länger rauhhaarig, 
Haare auf grösseren Höckern. — Unter Saaten, und auf sonnigen, 
krautigen Hügeln beide Varietäten gemein, ein geschätztes Viehfutter: 
Aus Catania von Cosent. erhalten (Bert. «., Herb. Guss. £.!), um 
Catania überall (Herb. Tornab.! «. und £.), am Wege nach Nicolosi, 
äusserst gemein in der ganzen Ebene des Simeto («. und £.!). März 
bis Mai. ©. 


(Fortsetzung folgt.) 


Literaturberichte. 


 Vöchting Hermann. Ueber die Bildung der Knollen. Physiologische 
Untersuchungen. Mit 5 Tafeln und 5 Figuren im Text. Bibliotheka Bo- 
tanica, herausg. von Uhlworm und Haenlein 14887, Heft Nr. 4. Cassel, 
Theodor Fischer, 55 Seiten. Preis 8 M. 


Diese neue gediegene Arbeit des bekannten Physiologen sucht 
die Bedingungen festzustellen, welche die Bildung der Knollen und 


290 


die bestimmte Orientirung der Knollen, d. h. die Localisation verur- 
sachen. Die Veranlassung zu einer näheren Behandlung dieses Pro- 
blems, „war einmal der Umstand, dass dasselbe Beziehungen zur 
Lehre vom Stoffwechsel bot, sodann die Thatsache, dass das Licht 
einen bedeutenden Einfluss auf die fraglichen Vorgänge ausübt!“ Verf. 
hat in der Arbeit nur Stengelgebilde berücksichtigt, die Wurzel- 
knollen sind einstweilen ausser Acht gelassen worden. Am ausführ- 
lichsten ist die Knollenbildung der Kartoffel (Sechswochenkartoffel) 
studirt worden, ausserdem ist die Knollenentwicklung von Ullueus 
tuberosus, von Helianthus tuberosus und von Begonia (egenstand der 
Untersuchung gewesen. Die kritische Sichtung der diese Materie 
behandelnden Publieationen leitet den ersten grösseren Abschnitt, 
der der Kartoffel gewidmet ist, ein. Von hohem Interesse ist das 
Auftreten eines halbstengel-, halbknollenförmigen Gebildes, das 
Vöchting als Vortrieb bezeichnet und das an der Spitze der 
Knollen sich mitunter entwickelt. Verf. untersuchte nun das Verhal- 
ten der Knollen mit Vortrieben unter verschiedenen Bedingungen, 
im Dunkeln bei verhinderter Wurzelbildung, im Boden ohne Auf- 
treten von Laubsprossen, und kennzeichnet die Wechselbeziehung des 
Mutterknollens zur jungen Pflanze. Das Resultat der zahlreichen 
Versuche besagt, dass es in allen Fällen gelungen ist, den Mutter- 
knollen in das System der Pflanze einzufügen, an manchen Objecten 
kam der polare innere Gegensatz zwischen Scheitel und Basis des 
Knollen in auffallender Weise zum Ausdruck. Der nächste Abschnitt 
behandelt die Knollenbildung an oberirdischen Theilen und den 
Einfluss von Licht und Dunkelheit und der Schwerkraft. Oberirdische 
Knollen können sich wohl im Dunkeln wie im Hellen bilden, im 
letzteren Falle nicht einmal 50 selten, wie die Literatur beweist '). 
Verf. experimentirte mit Stecklingen, von welchen eine Hälfte mit 
ihrem Basistheile in die Erde gesteckt wurde, während die übrigen mit 
der morphologischen Spitze in dem Substrate staken. Aus dem Er- 
gebnisse konnte gefolgert werden, „dass die. Sprosse der Kartoffel 
verticibasal sind, so zwar, dass ausser den Wurzeln an der Basis 
die Knollen, an der Spitze die Laubsprossen erzeugt werden“. Das 
Licht wirkt auf die Bildung und das Wachsthum der Knollen hem- 
mend ein, die Schwerkraft beeinflusst den Knollenbildungsprocess, 
„in einer Weise, welche mit den sonst bezüglich der Wirkung dieser 
Kraft gemachten Erfahrungen im Einklauge stebt“. Von grossem 
Interesse sind auch die Mittheilungen über die Knollenbildung von 
Ullucus, Helianthus, von Begonia discolor und B. Boliviensis; auch 
die histologischen Verhältnisse erhielten eingehende Berücksichtigung. 
Die wichtigsten Vorkommnisse sind auf den fünf Tafeln in natür- 
licher, '/, oder */, Grösse abgebildet. Dass ein so genialer, gewis- 
senhafter und fleissiger Forscher, wie Vöchting in seiner neuesten 


‘) Vergleiche diese Zeitschrift 1886 Nr. 11: T. F. Hanausek, Ober- 
irdische Kartoffelknollen. 


291 


Arbeit uns nur Vorzügliches und für weitere Forschungen Anregen- 
des zu bieten vermag, ist von Vorhinein selbstv erständlich, dass aber 
eine Verlagshandlung in unserer bücherscheuen Zeit eine derartige Arbeit 
so prächtig ausstattet, dass sie überhaupt ein so kostspieliges und 
werthvolles Unternehmen, wie die Herausgabe der Bibliotheka 
Botanica auszuführen wagt, verdient die vollste rückhaltloseste 
Anerkennung. Wir wünschen, dass diese Anerkennung allseits ge- 
theilt wird. Dr. T. F. Hanausek. 


Repertorium annuum literaturae botanicae periodicae curavit G. C. W. 
Bohnensieg, custos bibliothecae societatis Teylerianae. Tom. oct. Pars I. 
MDCCCLXXIX. Harlemi, Erven Loosjes, 1886. 


Von diesem Jahresverzeichnisse der botanischen periodischen 
Literatur liegt uns derzeit der im vorigen Jahre erschienene zweite 
Theil des achten Bandes vor, welcher das Jahr 1879 umfasst. Die 
Einrichtung und Behandlung des Repertoriums ist genau dieselbe, 
wie bei den früheren Jahrgängen. Es wurden von 297 Zeitschriften 
oder Organen gelehrter Gesellschaften Auszüge gemacht und dar- 
unter zumeist diejenigen bei den einzelnen Abhandlungen eitirt, in 
welchen eine Besprechung oder Inhaltsanzeige der letzteren enthalten 
ist, in anderen Fällen wurde die ursprüngliche Quelle genannt, und 
nur selten ist bloss angegeben, wo lediglich der Titel eines Auf- 
satzes hervorgehoben wurde. Die Zusammenstellung der Literatur 
in diesem Bande bezieht sich auf die neuen Pflanzenbeschreibungen 
von Moosen, Farnen und Blüthenpflanzen, wobei die Angiospermen 
der letzteren, und zwar die Monokotylen und Dikotylen für sich, in 
alphabetischer Ordnung ihrer Familien gereiht sind. Hierauf folgt 
die Literatur der einzelnen Florengebiete und diejenige vermischten 
Inhaltes, sowie die der angewandten Botanik, mit einigen Zusätzen 
und Ergänzungen zu früheren Abschnitten, namentlich zu dem im 
1. Bande dieses Jahrganges enthaltenen Literatur- Verzeichnisse über 
allgemeine und specielle Morphologie und über Pflanzenphysiologie. 
Ein Index der Autoren-Namen, sowie ein solcher der Pflanzen-Fa- 
milien und -Gattungen schliesst den Band zweckmässig ab, welcher 
sich wie seine Vorgänger als ein sehr brauchbares Nachschlagewerk 
bestens empfiehlt. K. 


Stadler, S. Dr. Beiträge zur Kenntniss der Nectarien und Biologie der 
Blüthen. Mit 8 lithographirten Tafeln. Berlin (Friedländer) 1886. Preis 
8 Mark. 


Eine erhebliche Lücke in der botanischen Literatur auszufüllen, 
unternimmt es Verf. in der schönen vorliegenden Arbeit, die Ana- 
tomie und Physiologie der Nectarien zur Darstellung zu bringen. 
Von den 17 eingehend untersuchten Pflanzen nimmt Aselepias Cornuti 
besonderes Interesse in Anspruch. Es kommen nach Stadler’s Ausfüh- 
rungen bei dieser Pflanze zweierlei Nectarien vor: 1. die tutenförmi- 
gen Anhängsel der Staminen, 2. die spaltförmigen „Narbenkammern“, 


909 


Ohne auf die Fülle weiterer Einzelnheiten einzugehen, mögen von den 
schliesslichen Ergebnissen folgende als die wichtigsten hervorge- 
hoben werden: 1. Nebst kahlen gibt es auch behaarte Nectarien 
(Cydonia iaponica, Melittis Melissophyllum, Oenanthera Lamarkiana). 
2. Gefässbündel „bilden einen integrirenden, nie fehlenden Bestand- 
theil, wenn auch nicht des Nectariumgewebes, so doch des Necta- 
riumbodens.....* 3. Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Nectarien sind 
Proteinsubstanzen, Glykose (aus Stärke hervorgegangen), Gerbstoff, 
oxalsaurer Kalk und fettes Oel. 4. Bezüglich der Secretion sind 
vier Modi zu unterscheiden: a) S. durch nicht euticularisirte 
Membranen: Kniphofia, Agave, Lathraea. b) Durch Spaltöffnun- 
gen (allgemeinster Fall). ec) Durch cuticularisirte Membranen 
ohne Abhebung der Cuticula: Lilium auratum, Passiflora 
coerulea, Impaticus. d) Durch cutieularisirte Membranen mit 
Abhebung der Cuticula: Asclepias Diervilli. — 8 Tafeln mit 
155 Figuren erläutern den Text des für die Kenntniss der Nectarien 
durchaus werthvollen Buches. Kronfeld. 


Die Culturvarietäten der Pflanzen. Von W. O. Focke. Sep.-Abdruck aus 
den Abhandl. des Naturw. Ver. Bremen. Bd. IX, S. 447 —468. 


In dieser Schrift legt der Verfasser seine Anschauungen über 
die Veränderungen vieler Pflanzen nieder, welche durch den Einfluss 
der Cultur herbeigeführt werden, er betrachtet die Wirkungen der 
Cultur, wie sie zur Entstehung „guter Arten“ beitragen, und wie 
nothwendig es für den vorurtheilsfreien Beobachter sei, den Cultur- 
varietäten der Pflanzen eine besondere Beachtung zu schenken. Je 
nach dem Grade und der Art ihrer Veränderlichkeit durch die Cul- 
tur stellt Focke sechs Gruppen zusammen, welche in möglichster 
Kürze Folgendes enthalten. I. Gruppe. Die Cultur ändert an den 
Pflanzen nichts, als dass sie natürliche Farbenabänderungen, zufällige 
Variationen und Mastprodukte ausgelesen, festgehalten und fortge- 
züchtet hat. Z.B. Hyacinthus orientalis L., Crocus vernus Al., Nur- 
eissus poeticus L. u. v. a. II. Gruppe. Ausser Farbenabänderungen, 
wesentlichen Blüthenfüllungen und Mastprodukten dürften am be- 
achtenswerthesten die Aenderungen in der Tracht sein, die vielfach 
auf einer stärkeren oder geringeren Ausbildung der Seitenzweige be- 
ruhen. Z. B. Aster chinensis L., Lobelia erinus L., Mirabilis jalappa 
L. ete. III. Gruppe. Während bei den bisher betrachteten Cultur- 
gewächsen die Züchtung entweder vorzugsweise auf die Blumen oder 
auf den Ertrag an Samen gerichtet war, umfasst diese Gruppe solche 
Arten, bei denen man fast ausschliesslich die Grösse und die che- 
mische Zusammensetzung (Geschmack, Färbung, Zuckergehalt) ein- 
zelner Organe (Wurzeln bei Daucus und Beta, Früchte bei Ribes 
grossularia) beachtet hat. Die in der IV. Gruppe vereinigten Cultur- 
pflanzen zeigen die gemeinsame Eigenthümlichkeit, dass jede von 
ihnen in unseren Gärten als eine äusserst variable Art erscheint, 
die zahlreiche Cultursorten geliefert hat, während wir wissen, dass 
sie nicht von einer, sondern von zwei oder mehreren wohl unter- 


293 


schiedenen, natürlichen Grundformen stammt. So sind die „Cinera- 
rien“ unserer Gewächshäuser aus Kreuzungen von 5—6 canarischen 
und maderensischen Senecio-Arten hervorgegangen. Die Freiland- 
Azaleen unserer Gärten stammen aus Kreuzungen von vier nord- 
amerikanischen Rhododendron-Arten u. s. w. V. Gruppe. In dieser 
sind verschiedene Pflanzen zusammengestellt, welche wegen ihrer 
Früchte und Samen gebaut werden, und deren beste Sorten aus 
Kreuzungen verwandter Arten oder Unterarten entstanden sind. Die 
hybriden Fruchtpflanzen zeigen in einfachster Weise, dass die Leh- 
ren über die Sterilität der Pflanzenmischlinge im Prineip völlig un- 
haltbar sind. Als Beispiele dienen von Obstsorten unsere Weinrebe, 
die Erdbeere, der Apfel- und Birnbaum, ferner eine einjährige Cul- 
turpflanze, nämlich die Erbse, deren werthvollste Sorten durch ab- 
sichtliche Kreuzungen der weissblumigen (Pisum sativum) und der 
buntblumigen (P. arvense) Unterart gewonnen sind. In die VI. und 
letzte Gruppe sind jene Culturpflanzen gestellt, deren Formenkreise 
aus verschiedenen Arten und daneben oft aus solchen Zwischenglie- 
dern bestehen, welche den Eindruck selbständiger Arten machen, 
obgleich sie in Wirklichkeit nur aus Kreuzungen hervorgegangen 
sind, z. B. Primula pubescens Jacg. aus Pr. Auricula L. X hirsuta 
All., Pr. hortensis aus Pr. acaulis Jaeg. X oficinalis Jacq. u. v.a. 
Mit eingehenden Betrachtungen über Auslese, Kreuzung, Inzucht 
und Ernährungsweise schliesst der Verf. seine interessanten Ausein- 
andersetzungen über den Werth des Studiums der Culturvarietäten 
der Pflanzen. 


H. Braun. Rosae a. ec. d. Dre. Woloszezak in agro leopolitano, anno 
1885 lectae. W. Krakowie 1886. 8. p. 4—22, mit einer Tafel. 

Nach einer kurzen polnischen Einleitung zählt der Verf. 34 
Rosenarten oder Varietäten auf, mit besonderer Berücksichtigung der 
literarischen Quellen, mit Standortangaben, klaren kritischen Bemer- 
kungen und ausführlichen Beschreibungen der Varietäten. Die Rosen 
sind bier als Arten, Subspecies und Varietäten betrachtet. Pimpi- 
nellifoliae, Alpinae, Synstylae fehlen ganz, Gallicanae nur 
Rosa austriaca var. leiophylla Borb., — Montanae 2, Caninae nudae 5 
mit einer Rosa canina subsp. Desvauwii H.Br. (R. olaucescens Desv. 
non Wulf.) und R. montivaga subsp. arenicola H.Br. — Caninae 
biserratae 5, Can. hispide 1, Can. pubescentes 8, auch R. 
coriifolia Fr. mit 5 Varietäten der R. frutetorum Bess. hier gerech- 
net. — R. dumetorum subsp. tuberculata Borb. ist vielleicht nicht 
die echte dalmatinische Pflanze. welche ich bisher von keinem ande- 
ren Standorte gesehen habe. — R. solstitialis und R. frutetorum 
sind ausführlich erklärt und mit letzterer wird PR. leopoliensis Blocki 
vereinigt; die niederösterreichische A. frutetorum aber zu der von R. 
seretana Braun gezogen. R. frutet. var. Silesiaca H. Br. (non Christ) 
wurde var. sambucifolia genannt — Caninae collinae sind 3, 
Rubiginosae svavifoliae nur 1 (R. rubiginosa var, mieranthi- 
formis H. Br., also ohne alle Sepiaceen, Micranthen, Scabraten), 


294 


Tomentosae 4, Vestitae 4 aufgezählt, also herrschen hier — nach 
diesem Aufsatze — besonders die beharrt blättrigen Rosen vor. Aus 
den Collinis ist eine PR. sarmatica und R. Wittmanii n. sp. be- 
schrieben, die letztere auch abgebildet. Bei Rosa Suferti Kirschl. 
ist eine subsp. Herbichä bei R. euvestita Borb. (R. vestita God. non 
alior.) eine subspec. polonica und bei Rosa umbelliflora Sw. eine 
subsp. sudetica H. Br., neu beschrieben. Zum Schlusse sind die er- 
wähnten Rosen im Index zusammengestellt. — Viele Druckfehler! — 
Wir empfehlen diese sehr wichtigen Angaben warm jedem Freunde 
der Rhodologie. v. Borbäs. 


— a 


Correspondenz. 


Wien, am 4. Juli 1887. 

Dass man den Sinn meiner in Nr. 6 pag. 207 dieser Zeitschrift 
ausgesprochenen Vermuthung des Grundes anormaler Drüsiekeit 
— nicht wird widerlegen können, wusste ich sehr genau, da sie 
sich auf die von mir beobachtete Thatsache stützen konnte, dass 
bei zahlreichen im Blüthenstadium fraglichen Rosen die charakteri- 
stische Drüsigkeit erst im Fruchtstadium zur vollen Entwicklung 
gelangt. — Wenn aber der Sinn meiner obeitirten Vermuthung 
(nota bene bezüglich einer typisch drüsenlosen Coräfolia - Form) 
lautend: „diese Art verspäteter theilweiser Drüsenbekleidung 
bei unveränderter Dichte des übrigen Tomentums kann man wohl 
nichts anderem mehr als dem Einflusse plötzlicher Tempera- 
tur- und Insolationsvermehrung in der Zeit eines Regen- 
maximums auf den exponirten Theil des Strauches zuschreiben, 
demnach als eine blosse vorübergehende Erscheinung (luxurianter 
Entwicklung) erklären* — ausgelegt wird, wie in Nr. 7 pag. 256 
(Zeile 2 bis 6 von oben) dieser Zeitschrift steht „wir hätten also 
am selben Individuum Zweige (nach einer neuen Theorie —!) zu 
beobachten, von welchen die einen sich offenbar eines Regenmaxi- 
mums zu erfreuen hatten, während die anderen unter dem gewiss 
traurigen Einflusse eines Minimums standen“ (Heinr. Braun!) — so 
ist diess eine muthwillige Sinnesverdrehung vor den Augen der 
gesammten Lesewelt dieser Zeitschrift, eine Unwahrheit also, die 
wohl auf einen Eelat aber......... bei dem Geschichtsschreiber 
der österr. Botanik rechnen darf, eine Unwahrheit, insolange bis in 
der freien Natur nicht lauter isolirt stehende, sondern sich entweder 
in diehte Gruppen oder an verschieden dichten und hohen Waldes- 
rändern mehrfach durchschlingende, daher theilweise beschattete 
' Sträucher gibt! Es war hier nur von einem vorübergehenden Drüsig- 
werden der Petiolen und Serratur typisch drüsenloser Rosen die Rede, 
deren Glossiren mich an die schonende Nichtbesprechung der vielen 
Mängel der „Beiträge zur Kenntniss einiger Arten der Gattung 
Rosa“ Wien 1885 (im Verlage der k. k. zool.-botan. Gesellschaft) 


295 


des Herrn H. Braun erinnert, welches (Drüsigwerden) für biolo- 
gische mit Betrachtungen über die Frage nach der Constanz der Art 
innig verknüpfte Fragen immerhin interessant bleibt — was man 
hingegen (um nur ein einziges Beispiel zu erwähnen) selbst von 
dem Juvel seiner „Beiträge“ d.i. der l. c. Seite 120 (62) beschrie- 
benen systematischen Einheit, Rosa glabrata, dessen beide Varietäten (!) 
a, fructu globoso, . fructu ovoideo-oblongo eodem in ramo stirpis 
(teste Braun!) vereint vorkommen etc., weit weniger sagen könnte. 
Selbst die Köpfe unserer erhabensten Species (denn nur von solchen 
ist hier die Rede) der R. alpina und R. pendulina vergl. 1. c. 
pag. 112 (54) mit ıhren Schwärmen von Varietäten und Subvarietäten 
— müssten hierüber bedenklich wanken, und uns armen Rosenfexen 
neue Verlegenheiten bereiten! Wenn es aber kein menschliches Begin- 
nen ohne Fehler sibt, und der liebe Gott seinen Glückskindern 
noch über viele Hundert europ. Genera ein offenes unbetretenes 
Feld zur Verfügung stellt, dann ist ein Beginnen mit dem blossen 
Vorsatz; „lieber Bestehendes zu verdrängen als Nichtbestehendes 
zu schaffen“ ein niemals gänzlich zu rechtfertigendes. ') 
J. B. Keller. 


Wien, am 8. Juli 1887. 


 Gestatten Sie mir, Ihnen eine Mittheilung zu machen, die, ob- 
gleich von keinem grossen wissenschaftlichen Werthe, doch als ein, 
wenn auch kleiner Beitrag zur Flora von Niederösterreich von In- 
teresse sein dürfte. Ich habe nämlich heuer im Juni auf der Türken- 
schanze in der Nähe des neu angelegten Parkes Vicia pannonica 
P. purpurascens DÜ. in wenigen Exemplaren gefunden. Ich erlaube 
mir noch zu bemerken, dass bei Vicia pannonica in Neilreich’s 
Flora von Niederösterreich die Bemerkung steht: „Vicia purpurascens 
DC. kommt hier nicht vor etc.“ Moriz Rassmann. 


Lemberg, am 4. Juli 1887. 


Folgende interessante, von mir gesammelte Daten aus der 
Flora von Lemberg, verdienen dahier erwähnt zu werden: 1. Ga- 
lium Wirtgenii F. Schltz., auf sonnigen Grastriften in Kleparöw und 
oberhalb dem k. k. Invalidenhause; 2. Flieracium boreale Fries, an 
Holzschlägen in Lesienice und Hofosko, spärlich; 3. Salix Caprea 
L. f. glabra („foliis fruetibusque omnino glabris“), in einem 
einzigen Exemplare auf einer feuchten Wiese in Lesienice. Die von 
Herrn Krupa in „Sprawozd. Komis. fizyogr. Krak.“ von Lesienice 
angegebene Salix livida Wahlb. wächst in Lesienice gar nicht und 
überhaupt nirgends bei Lemberg. Br. Blocki. 


Kalksburg bei Wien, am 5. Juli 1887. 


Ich erlaube mir einen nicht uninteressanten Fund bekannt zu 
geben. So weit ich mich umgesehen, ist in Niederösterreich Carum 


*) Mit Diesem betrachten wir die leidige Polemik als allerseits abge- 
schlossen. x Die Red. 


296 


Bulbocastanum bislang nicht angegeben; auf einer Wiese am Gais- 
berge fiel mir schon im Vorjahre eine Umbellifere in Frucht auf, 
und ich nahm einige Exemplare mit, ohne auf den knolligen Wurzel- 
theil besonders zu achten. Neilreich liess mich bei der Bestimmung 
ganz im Ungewissen, so dass ich heuer Blüthenexemplare mit Wurzel- 
knollen sammelte und nun sicher war, eine für die Flora Wiens 
neue Art vor mir zu haben. Mir ist es freilich zweifellos, dass die 
Samen dort angebaut wurden; aber der Boden scheint der Pflanze 
recht zuzusagen, da sie nun schon mehrere Quadratmeter bedeckt. 
Hoffentlich bürgert sich dieselbe immer mehr ein. Auch mehrere 
Potentilla-Arten finden sich um Kalksburg, welche immerhin Erwähnung 
verdienen. So ist P. incrassata Zimmeter, welche nach Prof. Zim- 
meter’s Gruppirung und Aufzählung (Steyr 1884) bei Neuwaldegg 
angegeben ist, am Zugberg und Kaufberg gerade nicht selten; P. 
Kerneri Borb. fand ich am Zugberg. Eine dritte aus der Gruppe 
der Canescentes dürfte vielleicht neu sein, wenigstens bedeutete mir 
Herr Blocki, dem ich einige meiner Potentillen zur Bestimmung 
sandte, dass die Form eine ausgezeichnete sei. Auch P. serotina Vill. 
scheint besonders zwischen Kalksburg und Mauer gerade häufig zu 
sein. P. A. Dichtl 8.J. 


Brünn, am 6. Juli 41887. 
Prof. Alb. Zimmeter hatte die freundliche Gewogenheit meine 
Potentillen gütigst zu determiniren und zu revidiren, wofür ich ihm 
meinen tiefgefühlten Dank ausspreche. Im Nachfolgenden führe ich 
einige interessante Formen an, von denen einige neu sind für die 
Flora Mährens. Ich fand: Potentilla decumbens Jord., bei Eiben- 
schitz. P. crassa Tausch, am Markrabstvi bei Medlanko. P. obseura 
Aut. bei Brünn. P. incanescens Opie., bei Retkowitz. P. Uechtritzii 
Zim., an Rainen hinter Husowitz. P. polyodonta Borb., Eisenbahn- 
damm bei Billowitz, Schwarzawaufern im Schreibwalde. P. leiotricha 
Borb., Misskegel bei Walrowitz. P. Wiemanniana Günth. et Sch., Kl. 
Hostihrädek. P. subrubens Borb., Herotitz bei Tischnowitz. P. rubens 
Crantz, Brünn, Schimitz, Reigern, Lowtschitz, Wischau, Polehradie, 
Kromau. P. aestiva Hall. f., Jureiner Berg. P. explanata Zim., 
erna horä nächst Raitz. P. subarenariana Borb., Schreibwald, Sebro- 
witz, P. serotina Vill. Schimitz, Obran, Karthaus, Medlänko, Dou- 
bravnik, Kuhberge, Sebrowitz, Schreibwald, Inndorf, Bysterz. P. opaca 
L. x arenaria Borkh., Kuhberge bei Brünn. P. subopaca Zim., Gel- 
ber Berg und Raine bei den Pulverthürmen bei Brünn. P. turi- 
censis Siegfrd., Melatina Thal bei Billowitz. P. autumnalis Opie., 

Purkwathal bei Blansko. Dr. Formänek. 


Budapest, am 8. Juli 1887. 
Um mir die mir fehlenden und vergriffenen Jahrgänge 1856 
und 1857 Ihrer Zeitschrift zu verschaffen, war ich genöthigt eine 
ausgebotene complete Serie von 1851—1835 zu kaufen, so dass ich 
Jetzt die Jahrgänge 1851—1855 incl. und 1858—1885 incl. doublet 


297 


besitze. Ich würde diese 33 Bände, tadellos erhalten und gebunden, 
für 80 fl. abgeben. Ludwig Richter. 
(Sugar ut 3.) 


Budapest, am 10. Juli 1887. 


Durch die schönen Tilien-Exsiecaten, welche mir Freund H. 
Braun geschenkt hat, angeregt, habe ich heuer die Ofner Tilia- 
Arten näher untersucht, obgleich ich schon vom Jahre 1884 eine 
ziemlich reiche Tiliensammlung besitze. Am interessantesten war es 
mir, hier zwei hybride Tiia zu entdecken: eine 7". platyphyllos X 
super- Ulmifolia (T.’subparvifolia m.) zwischen dem Leopoldifelde und 
dem sogenannten Thiergartenwalde bei Ofen, welche auch, was die 
Blüthezeit betrifft, zwischen den genannten Eltern eine wahre Mittel- 
form ist Sie blühte am 29. Juni, wo die Formen der 7. platy- 
phyllos und T. europaea L. (T. intermedia autor., non Host) ver- 
blüht waren, an 7’. Ulmifolia aber noch keine oder nur wenig 
geöffnete Blüthen waren. Diese 7. subparvifolia ist der T. Ulmi- 
folia näher stehend, aber die untere Seite der kleineren Blätter nicht 
so weisslich, doch viel blässer, als jene der 7. plathyphyllos oder 
europaea; die Nerven sind spärlich behaart, hie und da auch die 
jungen Zweige. Neben dieser Linde steht eine besondere Varietät 
der T. yyramidalis Host, welche so breite Bracteen besitzt (3—4 Cm. 
breit), wie ich es bisher an anderen nicht gesehen habe. Diese bis 
zum Grunde des Fruchtstieles herablaufenden Bracteen sind ausser- 
dem über 10 Cm. verlängert. Ob nun diese var. latissima m. eigent- 
lich zu der T. pyramidalis Host „fructu angulato“, oder zu der 7 
Hosteana m. (T. intermedia Host) „fructo rotundo* gehört, werde 
ich erst im Herbste sehen. — Bei dem „Saukopfe“ habe ich eine 
andere Hybride gefunden. Sie ist mehr eine Tilia super-europaea X 
Ulmifolia (T. subflavescens m.) und mit Viscum album stark belastet. 
Sie stand am 3. Juli in schönster Blüthe, hat grosse, kahle Blätter, 
die Vorderseite ist etwas gelblich-blass, bedeutend blässer als bei 
T. europaea; auch die Blüthen gelblich, wesswegen der Baum schon 
von Weitem gelblich aussah. Sowohl an der 7’. subparvifolia als 
auch T'. subflavescens war die Inflorescenz ungefähr sechsblüthig. 
Die letztere, welche viel länger zugespitzte Blätter besitzt als die 
£ 2 könnte man wohl zu der T. pallida Wierzb. als 
Varietät ziehen, aber bekanntlich hat 7. pallida zu lange Bracteen, 
und weissliche Petala wie die 7. Ulmifolia. — Auch andere inter- 
essante Tilien habe ich bei Ofen gesammelt, wie 7". vitifolia und 
pyramidalis Host, T'. lava Wollny! welche so geformte Blätter besitzt, 
wie die T'. corylifolia Host, sowie sehr lange ins Röthliche spielende 
Bracteen, ferner T. Ulmifolia var. maior Spach, T. platyphyllos var. 

luriflora Spach ete. — In dem Monorer Walde fand ich Erodium 
eilreichii Jka., aber keinen Dianthus polymorphus (nur D. Ponte- 
ae), bei Ofen sammelte ich viele Potentillen, darunter auch P. 
; und brachyloba m., Inula semihirta und J. Hausmanni, 
ei den Kalköfen im Kühlen Thale. Da steht‘ die Quercus hiemalis 
Oesterr. botan. Zeitschrift. 8. Heft 1887, 24 


298 


Stev. (@. pedunculata var. australis Heuff. non Link 1819) mit 
17 Cm. langen Fruchtstielen. ®. extensa Schur gehört nicht hieher, 
denn eine kahlblättrige Form hat zwar lange (5—7 Cm.) Frucht- 
stiele (herb. palat. caes. Vindob. und univers. Leopol.), aber die 
Blätter sind bei dieser 15 Cm. lang, also die Länge der Fruchtstiele 
im Vergleiche dieser entspricht nicht der @. hiemalis Stev. (@. fili- 
pendula Jka. Vuk.), @. extensa Schur „foliis..... subglabris, margine 
pilosis“, betrachte ich aber als ein Synonym der behaartblättrigen 
Stieleiche (@. pedunculiflora C. Koch). Die „herrliche Jurinea* 
(Oe. botan. Ztschr. 1887, p. 258) dürfte meine J. subdecurrens sein, 
welche durch die halbherablaufenden Blätter besonders von J. macro- 
calathia C. Koch verschieden ist. Fleracium Herculis m. 1875 (H. 
Heufeli Jka., non Gris. 1852) halte ich für einen Bastard von einer 
Form des H. Pilosella mit H. sabinum oder mit einer Form des 
H. cymosum. v. Borbäs. 


Personalnotizen. 


— Dr. Moritz Willkomm wurde zum Rector der deutschen 
Universität in Prag gewählt. | 

— Dr. H. @. Reichenbach erhielt das Comthurkreuz des 
sächsischen Albrechtsordens. 

— Hofrath Dr. A. Kerner Ritter v. Marilaun hat eine Be- 
rufung an Stelle des verstorbenen Professors Eichler nach Berlin 
erhalten und dieselbe trotz der glänzenden Aussichten abgelehnt. 

— Professor Dr. P. Ascherson ist von seiner ägyptischen 
Reise am 29. Juni wohlbehalten in Berlin wieder eingetroffen. 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— Monatsversammlung der k. k. zoologisch-botanischen 
Gesellschaft in Wien, am 6. Juli 1887. Dr. Kronfeld hielt einen 
Vortrag über das Ergrünen von Keimlingen. Hierauf besprach unter 
Demonstration an mitgebrachten Exemplaren Dr. Ritter v. Wett- 
stein einige neue Funde im Bereiche der niederösterreichischen Flora. 
als: Bunium Bulbocastanum auf dem Geisberge bei Rodaun. Diese 
Umbellifere wurde schon früher von anderen Botanikern (H. Braun) 
am selben Standorte gefunden, scheint dort jedoch eingeschleppt zu 
sein, und dürfte bald wieder verschwinden; — Sedum micranthum 
Bast. apud DC. im Gurhofgraben bei Aggsbach; Saussurea hybrida 
Wettstein (S. pygmea X discolor) von der Veitsch. Derselbe sprach 
ferner über eine noch näher klarzustellende neue Form des T'hlaspi 
montanum, und zeigte schliesslich einen merkwürdigen Fall von 


299 


Faseiation an einem lebenden Exemplar von Zilium candidum. 
Selbes ist vierzehnstengelig und trägt circa 100 Blüthen. 
M. Prihoda. 


— 


Sammlungen, 


„Herbier general analytique.*“ Da den öffentlichen Her- 
barien: die einzelnen Theile der Pflanze, welche zur Bestimmung 
derselben nothwendig sind, nur selten, meist aber gar nicht heige- 
geben sind, dieselben vielmehr durch den Trocknungsprocess oft 
unbrauchbar werden, so hat sich M. Buysmann in Middelburg 
(Holland) zur Herausgabe obigen Herbars veranlasst gesehen, umso- 
mehr als Proben davon eine günstige Beurtheilung fanden. Dasselbe 
umfasst vorläufig nur Phanerogamen und werden jeder Species bei- 
segeben: 1. Analysen auf dem Herbarbogen, einzelne gut erhaltene, 
zur Bestimmung wichtige Organe der Pflanze. 2. Analysen von flei- 
schigen Organen in Alkohol, damit sie mit der Lupe oder mit dem 
Mikroskope untersucht werden können. 3. Früchte und Samen, kleine 
fleischige Früchte, wie Beeren etc. sind ebenfalls im Alkohol bei- 
gegeben. Man kann auf Medicinalpflanzen, auf technische, ornamen- 
tale, seltene oder kritische Pflanzen subscribiren. Der Preis beläuft 
sich für die Species der aussertropischen Pflanzen auf Mk. 1.—, 
für die der subtropischen oder tropischen Gewächse auf Mk. 2.—. 
Auf Wunsch werden Proben von Pflanzen oder Analysen zur Be- 
gutachtung eingesendet. 


Botanischer Tauschverein in Wien. 


Sendungen sind abgegangen an die Herren Aust, Koener, 
Callier. 


Aus Niederösterreich eingesendet von Aust: Allium Scorodo- 
prasum, Amaranthus silvestris, Borago oficinalis, Bryonia alba, 
Carex Hornschuchiana, Cephalanthera pallens, Cerastium glutinosum, 
Chenopodium murale, Festuca pallens, F. stricta, Fumaria Schlei- 
cheri, Galium austriacum, Geranium molle, Hypericum montanum, 
Linum austriacum, Lonicera pallida, Malcolmia africana, Marru- 
bium remotum, M. vulgare, Melica uniflora, Mwyosotis hispida, M. 
stricta, Orobanche Epithymum, ©. gracilis, Polygonum mite, Poly- 
podium Bobertianum, Potentilla caulescens, P. Windobonensis, Rosa 
spuria, Bubus bifrons, BR. Wahlbergi, Rumen Patientia, Saliv Mau- 
ternensis, Nenecio paludosus, Tragus racemosus, Viola austriace, V. 
collina, V. mirabilis, V. multicaulis. 

Aus Böhmen eingesendet von Pastor: Arabis Haller, Aspi- 
dium dilatatum, A. Filie mas, Athyrium Filix femina, Bartsia al- 

x 


300 


pina, Circaca alpina, Ouscuta major, Polypodium Druyopteris, Polyp. 
Phegopteris, P. vulgare, Potentilla aurea, Pulsatilla alpina, Ranun- 
culus aconitifolius, Viola lutea. 

Aus Oberösterreich eingesendet von Steininger: Campanula 
barbata, Cineraria rivularis, Daphne Oneorum, Gentiana nivalis, 
Hieracium villosum, Lunaria rediviva, Potentilla longifolia. 

Aus Niederösterreich eingesendet von Dr. Richter: Anthyllis 
affinis, Arabis sagittata, Carex strigosa, Cotoneaster tomentosa, Glau- 
cium flavum, Hieracium amplewicaule, Jurinea mollis, Melampyrum 
barbatum, Ononis procurrens, Prunus Chamaecerasus, Schoenus fer- 
rugineus, Viola ambigua. 

Aus Ungarn eingesendet von v. Degen: Artemisia annua, A. 
lednitzensis, Astragalus austriacus, A. exscapus, Crypsis ac uleata, 
Dianthus Pontedei ‘a2, Echium rubrum, Geranium lucidum, Lepi- 
dium erassifolium, Ononis hircina, Poa sterilis, Polygonum gramini- 
folium, Ranunculus lateriflorus, Scutellaria Columnae, Thlaspi Jan- 
kae, Trinia vulgaris, Walerianella Morisonii var. dasycarpa, Viola 
maulticaulis. Aus Niederösterreich: Echinops ruthenicus. 


Öbige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 


Inserat. 


Verlag von Julius Springer in Berlin N. 


Soeben erschien: 


Die 
Flechten Deutschlands. 


Anleitung 


zur 


Kenntniss und Bestimmung der deutschen Flechten 
Von 
P. Sydow. 


Mit zahlreichen in den Text gedruckten Abbildungen. 
Preis M. 7.— 


Zu beziehen durch jede Buchhandlung. 


Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn. 


C. UVeberreuter’sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. 


Oesterreichische 


Botanische Zeitschrift, 


Die österreichische Exemplare 
botanische Zeitschrift Organ die frei durch die Post be- 
erscheint zogen werden sollen, sind 
den Ersten jeden Monats. für blos bei der Redaction 
Man pränumerirtauf selbe : (IV. Bez., Münlgasse Nr. 1) 


mit 8 fl, öst. W zu pränumeriren. 


“= Botanik und Botaniker. „" Ne 


ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt 
4 fl. öst. W. (3 R. Mark) Pränumeration 


halbjährig. Brög €. Gerold’s Sohn 
Inserate in Wien, 
die ganze Petitzeile N: ES sowie alle übrigen 
15 kr. öst. W. 2) = Buchhandlungen. 
x 
XXXVIL Jahrgang. WIEN. September 1887. 
INHALT. Zur Rosenflora von Agram. Von Vukotinovic. — Hieracium polonicum. Von Btocki. 
— Flora von Nord-Mähren. Von Dr. Formänek. — Hieracien. Von Schneider. -— Tirol-Fahrt. 
Von Freyn. — Flora des Etna. Von Strobl. - Literaturberichte. — Correspondenz. Von Wies- 
bauer, Spitzner, Formänek, v. Borbäs, Blocki. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, 
Unternehmungen. — Sammlungen. — Botanischer Tauschverein. 


Zur Rosenflora von Agram. 


Von L. v. Vukotinovic. 


Die Umgebung Agrams zeichnet sich bekanntermassen durch 
keinen besonderen Reichthum ihrer Flora aus; eine Ausnahme von 
dieser Thatsache bilden besonders die Quercus und Rosen — und 
ich werde nicht irren — wenn ich noch die Rubus hinzufüge. Da 
ich mich aber bisher an den Rosen schon hinreichend zerstochen 
habe, so hatte ich nicht den Muth mit einer ähnlichen Gattung 
anzubinden. 

In meiner letzten Abhandlung von 1886 führe ich 160 theils 
Arten, theils Formen und Varietäten von Rosen an, die in der Um- 
Er Agrams und im Küstenlande vorkommen; wenn wir von 
ieser Summe 50—60 abziehen, die im Küstenlande oder in ent- 
fernteren Gegenden wachsen, so bleiben noch immer für die zunächst 
um Agram liegenden Gegenden 100 Rosen, die sich mit voller Be- 
rechtigung unterscheiden und trennen lassen; ich bin aber überzeugt, 
dass ein geübterer Rhodologe, oder ein vielleicht weniger strenger, 
noch so manche Rose finden würde, die besonders hervorgehoben zu 
werden verdiente. 

Die Klagen sind nicht unberechtigt, dass man mit den Rosen 
zu viel herumwirthschaftet, je nun wir müssen bedenken, dass diesen 
- Läuterungs-Process auch andere Gattungen durchmachen mussten, 
. 2. B. Hieracium, Mentha, Rubus, Epilobium, Euphrasia, Gentiana 
ee. ete., ist einmal die Krisis beendet, wird so manches ausgeschieden 

und das lebensfähige verbleibt. Bei meinen ununterbrochenen Excur- 
sionen findet sich noch immer etwas, was, wenn auch nicht stets 
Ossterr. botan. Zeitachrift. 9, Haft. 1887 25 


302 


von mir, so doch ganz gewiss von den scharfen Augen des Magist. 
pharm. Eduard Wormostiny entdeckt wird. Als Nachtrag zu der 
oberwähnten Abhandlung theile ich die Beschreibung von folganden 
drei Rosen mit: 

I. Rosa hyprida Schleich. fr. setosissima Vuk. 

Strauch niedrig, vielstämmig, theilweise mit kräftigen 
gebogenen oder geneigten Stacheln, theilweise mit pfrie- 
migen, dünnen, zahlreichen Nadeln und gemengten schwarz- 
drüsigen Borsten reichlich besetzt; (die Nadeln und Borsten 
zum Theil im Sommer abfällig) Blättchen etwas lederartig 5, oval- 
spitzlich, oder eiförmig, rundlich gekerbt, gezähnt, die meisten Zähn- 
chen eingeschnitten; oberseits glatt, unterseits graugrün, kleinhaarig, 
Mittel- und Seitennerven leicht behaart und schwarzdrüsig; Blattstiele 
flaumig und weich bestachelt, mit dunkeln Drüsenblüthen besetzt, 
die Stacheln häufig auf die Mittelrippe übergehend; Nebenblättchen 
lanzettlich, Oehrchen und Randseiten drüsig bewimpert, unterseits 
glatt, äusserlich fläumlich behaart und drüsig; Deckblättchen lanzettlich 
gleich lang oder kürzer als die Blüthenstiele; Blüthenstiele und 
Receptakeln drüsig-borstig, Kelchzipfel zwei ganz, am 
Rande filzig; die drei äusseren gefiedert, die Fiederlappen 
dunkel und gestielt-drüsig; Blumenblätter lebhaft rosa; Schein- 
frucht klein, vertrocknend, borstig; Scheibe konisch, 
Griffel lang, locker, unbehaart. 

Am Berge Maicenovo, am Waldrande, oberhalb dem Dorfe 
Zvetaj nächst Gratan unweit Agram. Zwischen den vielen Abände- 
rungen, die in dieser Rosenreihe hier besonders häufig erscheinen, 
steht diese Form vereinzelt da, mit ihren niedrig gedrängten strauch- 
artigen, vielstämmigen und vielzweigieen Habitus und besonders 
mit ihrer zahlreichen zwei-dreierleiartigen Bestachelung. (Detexit 
Wormostiny.) 

II. ad sepiaceas. Rosa semiscabra. Borb. et. Vuk. (Rad. 
südsl. Akad. Bd. 83, 1886 unrichtig beschrieben, jetzt rectifieirt.) 

Strauch 1—1'/, M. hoch; Aeste locker; Stacheln kurz, gebogen; 
Blüthenzweige selten mit zerstreuten Borsten oder Nadeln besetzt; 
Blättchen 5—7, oval, elliptisch, kurz, gespitzt oder spatelförmig, 
einfach gesägt, die Zähnchen jedoch klein eingeschnitten und drüsig; 
oberseits kahl, unterseits an den Rippen behaart und drüsig; Blatt- 
stiele flaumig, zerstreut drüsig und bestachelt; Nebenblättehen am 
Rücken und den Rändern drüsig, Blüthenstiele kahl, Kelchzipfel ge- 
fiedert und drüsig gewimpert, nach der Blüthe zurückgeschlagen 
von der reifen Frucht abfällig; Blüthen ziemlich gross, blassrosa; 
Scheinfrüchte mittelgross, rundlich; Griffel behaart. 

Dr. Borbäs hatte ursprünglich die R. Zagrabiensis Braun 
und Vuk. semiscabra benannt, was mir unbekannt blieb und ich 
hatte einer zweiten Rose den Borbäs’schen Namen gegeben, deren 
Beschreibung ich hiermit veröffentliche; R. semiscabra dem Habitus 
nach der R. Zagrabiensis ähnlich, jedoch von derselben sehr ver- 
schieden; erstens fehlt der resinose Geruch, die Früchte sind kleiner 


309 


und rundlich, endlich sind die Kelchzipfel zurückgebogen; — bei 
R. Zagrab. sind die Scheinfrüchte gross, kuglig, birmförmig, Kelch- 
zipfel aufgerichtet. AR. semiscabra kommt an Waldrändern und son- 
stigen schattigen Stellen vor bis in die höheren Berge reichend; ist 
ein lockerer Strauch, während R. Zagrab. dicht gedrängt bogig und 
sehr reichblühend ist. 

III. Rosa glauca Vill. fr. salieifolia Vuk. Strauch kräftig, bis 
2M. hoch; Hauptstamm schwach bestachelt; Stacheln gerade, kurz, 
an den bogigen Zweigen kurz und hakig, zahlreiche Blüthenzweige 
verlängert kniebogig blattlos und gabelig getheilt; Blätt- 
chen 5—7, lanzettlich, an beiden Seiten verdünnt (ähnlich 
den Weidenblättern), einfach gezähnt, mit hin und wieder einge- 
schnittenen Zähnchen graugrün, beinahe beiderseits gleich; der 
Mittelnerv verdickt. Blattstiele an der Basis fläumlich zuweilen mit 
einem Stächelchen versehen; Nebenblättchen ziemlich breit oval, 
lanzettlich mit tiefen zugespitzten Oehrchen beiderseits fläumlich, 
kleindrüsig gerändert, am Rücken und Basis röthlich; Deckblätter 
verbreitert, den Blüthenstielen gleich oder blattartig und überragend; 
Blüthenstiele kahl einzeln verlängert; Receptakeln eiförmig; 
Kelchzipfel lanzettlich, verlängert; die drei äusseren gefiedert 
beiderseits befläumelt, an den Rändern filzig, nach der Blüthe 
rückgebogen, bald darauf gehoben, ausgebreitet, theil- 
weise aufrechtstehend, vor der Reife abfällig; Blüthen mittel- 
gross, rosa; Scheinfrucht eiförmig, kugelig, ziemlich gross; 
Scheibe klein, Griffel kurz, köpfig, diehthaarig oder wollig. 

In den Hecken an der Strasse Bienik-Salata; auch an anderen 
Orten, aber jedenfalls seltener. 

Die Bestachelung, die Farbe der Blätter, dann die ausgebreiteten 
später aufgerichteten Kelchzipfel veranlassten mich diese Rose zu 
den Montanen im Allgemeinen und insbesondere in den Formenkreis 
der Glauken zu stellen. Besondere Merkmale die Rosa salieif. unter- 
scheiden, führe ich gar nicht an, weil eben Alles an ihr eigenthümlich 
und verschieden ist. 


Hieracium polonicum n. spec. 
“ Von Br. Blocki. 


Diagnose: Rhizom schief, unterirdische Ausläufer treibend. 
Ausläufer röthlich, nur an der Spitze beblättert, sonst schuppig, 
schwach behaart, 2 Mm. dick, bis 1:5 Dem. lang. Stengel an der 
Basis meist röthlich, steif aufrecht, 2—6 Dem. hoch, fein längsge- 
streift, nur im unteren Theile beblättert. Blüthenstand doldenris- 
pig, vor dem Aufblühen geknäuelt, später -- weitschweifig locker, 
15—30köpfig. Blätter intensiv grün, schwach glänzend, dünn, 
im getrockneten Zustande papierdünn. Grundständige Blätter auf- 


25 


304 


recht abstehend, lanzettlich länglich im oberen Drittel am 
breitesten, zur Basis allmälig verschmälert, stumpflich, an den 
Rändern entfernt gezähnelt, 12—20 Um. lang, 2—3 Cm. breit, 
mit deutlich hervortretendem, im unteren Theile meist röthlichen, 
2 Mm. dickem Mittelnerv. Stengel im unteren Theile vierblättrig, 
die Blätter decrescirend, von der Gestalt der Grundblätter, jedoch 
zugespitzt, das oberste zweimal kürzer und schmäler als das 
zweitnächste. Blühendes Köpfchen 7 Mm. lang (ohne Ligulae), 4 Mm. 
breit, ziemlich allmälig in den Stiel verschmälert; Fruchtköpfehen 
5 Mm. breit. Ligulae schmal, tief goldgelb; Blüthenscheibe 
15 Cm. im Durchmesser; Hüllschuppen schmal lineal, stumpflich, 
etwas über 0°5 Mm. breit, an den Rändern blassgrün. Blätter bei- 
derseits mit weisslichen, 1 Mm. langen, abstehenden, ziemlich 
steiflichen Haaren sehr dicht besetzt; die Behaarung des Blatt- 
randes (besonders gegen die Blattbasis hin) und des Mittel- 
nerves unterseits zweimal länger, rückwärts gerichtet. Ueberdiess 
tragen die Blätter in der ersten Jugend auf der Unterseite eine 
ziemlich reichliche Flockenbekleidung, welche jedoch bald gänz- 
lich verschwindet. Die Behaarung des Stengels ist sehr dicht auf- 
getragen: die Haare weisslich, wagrecht abstehend (an der 
Stengelbasis zurückgekrümmt), im unteren Theile des Stengels, 
sowie dicht unter dem Blüthenstand und an den Köpfchenstielen 
und Hüllblättchen fast 2 Mm. lang, sonst nur etwas über 1 Mm. 
lang; die Haare an der Spitze des Stengels und innerhalb des Blü- 
thenstandes sind in ihrer unteren Hälfte schwärzlich. Die Flocken- 
bekleidung des Stengels verschwindet schon in der Mitte des Stengels 
fast gänzlich; gegen den Blüthenstand hin bedecken die Sternhaare 
den Stengel und ebenso die Kopfstiele ziemlich dicht. Der obere 
Theil des Stengels (besonders dicht unter dem Blüthenstande), die 
Köpfchenstiele und die Hüllblättchen besitzen ausserdem eine sehr 
reichlich aufgetragene Bekleidung, bestehend aus sehr kurzen 
(kaum 0°5 Mm. langen) drüsentragenden Haaren. 


Standort: In Holzschlägen und auf Waldwiesen in ganz Ost- 
galizien gemein. Auch besitze ich diese Art aus Kongress-Polen 
(legit. Karo pro H. pratensi, und aus Mähren [legit. J. Bubela)]). 


Bemerkungen: Was die systematische Verwandtschaft anbe- 
langt, so steht mein ZH. polonicum dem borealalpinen H. aurantia- 
cum L. am nächsten, namentlich bezüglich der Blattfarbe und der 
Bekleidung der Blätter, es unterscheidet sich jedoch von demselben 
auf den ersten Blick durch kürzere und viel lichtere Behaarung der 
Blüthenköpfehen und des obersten Stengeltheiles, durch fast dreimal 
kleinere Blüthenköpfchen und endlich durch goldgelbe Blüthenfarbe. 
Von H. pratense Tausch, mit welchem alle galizischen Floristen 
(auch v. Uechtritz) mein H. polonicum confundirt haben, unter- 
scheidet sich dasselbe sehr erheblich durch rein grüne (nicht grau- 
grüne), dünnere, nur in der ersten Jugend mit Sternhaaren bekleidete 
Blätter, kürzere und steifere Behaarung des Stengels, durch fast 


Aue ME MÜTTEE 


305 


zweimal kleinere Blüthenköpfchen, dunklere Blüthen und end- 
lich durch schmälere Ligulae. 


— dt — 


Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des 
Hochgesenkes. 


Von Dr. Ed. Formänek, 


k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn. 


(Fortsetzung.) 


Gymnadenia conopsea R. Br. D. Märzdorf, Beckengrund, Buchels- 
dorf, Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben, Janowitz, Perschl, 
u. a. OÖ. bei Römerstadt, Irmsdorf. 

— albida Rich. Saugraben, Bärmuttergraben, Fr. Jagdhaus, Gr. 
Hirschkamm. 


Epipaetis latifolia All. Gr. Ullersdorf (Oborny), Bradelsteine bei 
D.Liebau, Petersdorf, Rubenseifen, Zöptau, Marschendorf, Bu- 
chelsdorf, Neudorf, D. Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Reigersdorf, 
Pföhlwies, Jeppersdorf, Blauda, Nikles, Altvaterwald, Goldenfluss, 
Kl. Mohrau, Krondörfl, Blaschke, Kleppel, Wermsdorf, Kies- 
graben, Kriech, Janornitz, Römerstadt, Gundersdorf, Bautsch. 


Neottia nidus avis Rich. Kleppel, Berggeist, Römerstadt. 
Iris pseudoacorus L. Blauda. 


Euphorbia duleis L. «. lasiocarpa Neil. Oborn. Fl. v. M. u. 6. 
S. p. 281. Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Neudorf, Brünnel bei D. 
Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, (Hinterbusch u. a. O.), Pföhlwies, 
Wald bei der Ruine Neuhaus, Nikles, Altvaterwald, Kl. Mohrau, 
Wermsdorf, Kiesgraben, Hochwald bei Janovitz, Römerstadt. 

— amygdaloides L. Wigstadtl, Lautsch, Pohorter Wald und Scheuer- 
grund bei Odrau. 

— esula L. Verbreitet und noch bei Gr. Ullersdorf, Blauda und Römer- 
stadt. 

— cyparissias L. Gemein, in höheren Lagen: Ohrenberg bei Bu- 
chelsdorf, Janowitz, Römerstadt. 

Mercurialis perennis L. Wiesenberg, Mähr. Schönberg (Oborny), 
Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, D. Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, 
Reigersdorf, Pföhlwies, Blauda, Nikles, Altvaterwald, Kleppel, 
Berggeist, Janowitz, Römerstadt, Wigstadtl, Lautsch, Odrau. 

Alnus incana DC. Buchelsdorf, Winkelsdorf, Janowitz. 

Betula verrucosa Ehrh. In kleinen geschlossenen Beständen bei Gr. 
Ullersdorf, Marschendorf und Blauda. 


Fagus silvatica L. Strauchartige Exemplare am Gr. Hirschkamm 
und auf der Hohen Haide. 


% 


306 


Salix wiminalis L. Gr. Ullersdorf, B. Märzdorf, Nikles. 

— silesiaca Willd. Saugraben, Bärmuttergraben, Hohe Haide, Gr. 
Hirschkamm. 

— caprea L. Gemein, am Hutberge bei Gr. Ullersdorf, eine inter- 
essante virescentia. 

Rumex sanguineus L. D. Liebau, Bautsch, Wigstadtl, Lautsch, 
Odrau (Schlosser). y 

— obtusifolius L. «. silvestris Wall. sp. Celak. Prodr. F. B. p. 157. 
Gr. Ullersdorf, Philippsthal, Neudorf, Beckengrund, D. März- 
dorf, Wüst-Seibersdorf, Reigersdorf, Nikles, Kl. Mohrau. 

— aquaticus L. Um Odrau. 

— alpinus L. Bärenkamm, Peterstein, Saugraben, Gr. Hirsch- 
kamm. 

— arifolius All. Vom Gr. Hirschkamm bis zum Berggeist und 
Kleppel hinuntersteigend. 

Polygonum bistorta L. Ullersdorf (Oborny) Rabenseifen, Petersdorf, 
Reitendorf, Marschendorf, Philippsthal, Wiesenberg, Wermsdorf, 
Buchelsdorf, Goldenfluss, Kl. Mohrau, Krondörfi, Wahlbergsdorf, 
Blaschke, Janowitz, Neufeld, Römerstadt, Irmsdorf, Gr. Stoll, 
Wigstadtl, Odrau. 

— amphibium L. Römerstadt. 

— minus Huds. D. Liebau. 

— convolvulus L. Gemein, in kühleren Lagen bei Janowitz, Römer- 
stadt und Irmsdorf. 

— fagopyrum L. Verwildert beim Pföhlwies und bei Altvaterwald. 


Chenopodium bonus Henricus L. Gemein und noch bei Kl. Mohrau 
und Römerstadt. 

Urtica dioica L. Gemein, var. subönermis Uechtr. bei der Tess in 
Gr. Ullersdorf, Trausnitz bei Petersdorf, bei der Oppa unter- 
halb der Schäferei, Hochwald bei Janowitz, Römerstadt. 

Bryonia albaL. An Zäunen und in Hecken bei Blauda, B. Märzdorf 
und Nikles. 

Canabis sativa L. Verwildert bei Gr. Ullersdorf. 

Daphne mezereum L. Wiesenberg, Zöptau, Gr. Ullersdorf ete. 
(Oborny!), Rabenseifen, Rudelsdorf, Buchelsdorf, Beckengrund, 
Deutsch Märzdorf, Ludwigsthal, Pföhlwies, Nikles, Werms- 
dorf, Kiesgraben, Kriech, Franz. Jagdhaus, Hochwald bei Jano- 
witz, Grundwald u. a. O. bei lömerstadt, Wigstadtl, Odrau. 

Thesium alpinum L. Peterstein, horizontaler Weg von der Schäferei 
zum Franz. Jagdhaus, Saugraben, Gr. Hirschkamm, Schiefer- 
heide, Backofensteine, Hörndlsteine, Hofberg, Berggeist. 

Asarum europaeum L. Gemein und noch auf der Kriech. 

Jasione montana L. Verbreitet in der Gr. Ullersdorfer Mähr. Schön- 
berger, Kl. Mohrauer, Römerstädter, Bautscher und Odrauer 
Gegend. 


307 


Phyteuma spicatum L. Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, häufig bei 


Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Neudorf, Ludwigsthal, Reigersdorf, 
Pföhlwies, Blauda, Goldenfluss, Kl. Mohrau, Wermsdorf, Klep- 
pel, Dämimbaude, Peterstein, Saugraben, hier Ende August 
blühend, Bärmuttergraben, Kiesgraben, Gr. Hirschkamm, Back- 
ofensteine, Hofberg, Berggeist, Wigstadtl, Odrau. Var. sphaero- 
cephalum mihi. Blüthenspindel verkürzt, Blüthenähre fast 
kugelförmig, Pflanze niedriger und gedrungener, Stengel stärker. 
Gr. Kessel im Gesenke. 


Campanula barbata L. In tieferen Lagen bei Wermsdorf (Oborny) 


Röhrberg bei Kleppel im Brandwalde bis Braunseifen hinunter- 
steigend. 

cerviearia L. Odrau, Hirmich bei Neudörfl. 

rotundifolia L. f. albiflora m. An der Strasse von Gr. Ullers- 
dorf nach Neudorf. 

trachelium L. Gemein, «. albiflora m. Verbreitet in den Thälern 
und Ausläufern des Gesenkes, in zwei Abänderungen, bei der 
häufigeren Form sind alle Blüthen weiss, wo hingegen bei der 
selteneren nur einige Blüthen weiss sind, während die anderen, in 
der Regel die unteren, normal gefärbt sind (P. variegata m.), letztere 
Form am Steinig bei Beckengrund und bei Neudorf. Var. «. fand ich 
am Haärtberge, Rothen Berge und bei der Tess bei Gr. Ullersdorf, 
Marschendorf, Buchelsdorf, Kirchberg bei Neudorf, Pföhlwies, 
Nikleser und Altvaterwald, Spitzberg u. a. O. bei Wermsdorf; 
P. nemoralis mihi, Pflanze zarter und üppiger, Blätter weicher, 
obere schmäler und länger, Kelche spärlicher behaart als beim 
Typus. An feuchten und schattigen Stellen bei Gr. Ullersdorf 
nicht gerade selten, so bei der Tess, im Schlossparke, am Hut- 
berge etc. 


Crepis grandiflora Tausch., Hirschbrunnen etc. (Oborny), Saugraben, 


Bärmuttergraben, Kriech, Kiesgraben bis fast nach Wermsdorf, 
suceisaefolia Tausch. Peterstein, Saugraben etc.; Gr. Hirsch- 
kamın, Backofensteine, Berggeist, Janowitz. 

paludosa Mönch. Selbst noch auf den höchsten Kämmen, so 
noch auf der Hohen Haide, Ameisenhügel ete. (Oborny), Gipfel 
des Altvaters, Peterstein, Auerhahnbaude, Saugraben, Bärmutter- 
graben, Franz. Jagdhaus, Kriech, Kiesgraben, Berggeist, Bradl- 
steine und Krausenbüschel bei D. Liebau, Zöptau, Marschen- 
dorf, gemein bei Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Neudorf, Becken- 
grund, D. Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Ludwigsthal, Nikles, 
Altvaterwald, Kl. Mohrau, Wermsdorf, Kleppel, Hochwald bei 
Janowitz, Römerstadt, Bautsch. 


(Fortsetzung folgt.) 


— 


308 


Mittheilungen über die Hieracien des Riesengebirges. 
Von Gustav Schneider. 
(Fortsetzung.) 


ec) var. pseudeximium mihi. Das ewimium des Riesengebirges, 
stark beblättert, schwach behaart mit grossen, in der Regel 
an der Basis gestutzten Köpfen, welches ich aus den Ostsudeten 
noch nicht gesehen habe. Stengel bis 36 Cm. hoch, meist deutlich 
längsgestreift, 1- bis 5köpfig, bis Sblättrig; zerstreut kurzhaarig, 
nach oben mit zerstreuten Borsten- und Drüsenbaaren + spärlich 
besetzt; unmittelbar unter dem Blüthenkopfe dunkel, graufilzig; 
Flocken abwärts bis zur Stengelmitte sehr vermindert; untere 
Stengelhälfte mit sehr zerstreuten Borstenhaaren besetzt, sehr 
mässig mit kurzen grauen Haaren behaart, ganz unten fast 
flocken-, drüsen- und borstenlos. Kopfstiele der Nebenköpfe 
fast immer aus der Achsel eines grünen Laubblattes ent- 
springend, bogig aufsteigend, etwas länger und dichter behaart 
als der Hauptstengel, von Sternhaaren + graufilzig mit zerstreuten 
Drüsenhaaren besetzt. Blätter dunkelgrün, glaucescirend, derb, 
ziemlich reichlich kurzhaarig, gewimpert. Von den Grundblättern 
sind zur Blüthezeit meist mehrere vorhanden; oval oder breit lanzett- 
lich in den gleichlangen oder fast gleichlangen, zuweilen undeutlich, 
meist aber deutlich geflügelten BJattstiel etwas herablaufend, + 
weitläufig gezähnt, die Zähne mit sitzenden oder gestielten 
Drüsen versehen oder gesägt — gezähnt mit grossen, oft bis weit 
nach unten an den Flügeln der Blattstiele hinabrückenden stiel- 
drüsigen Zähnen, zwischen denen ein bis mehrere kleine Zähnchen 
eingeschaltet sind. Stengelblätter bis zur Stengelmitte sehr 
wenig, darüber hinaus plötzlich bedeutend an Grösse ab- 
nehmend, länglich- bis breitlanzettlich mit in der Regel unge- 
falteter scharfer Spitze; unterste langgestielt, in den breitgeflügelten 
Blattstiel + verschmälert oder herablaufend, die darüber stehenden 
mit kürzeren Stielen, die mittleren mit stielartig verschmälertem 
Grunde sitzend; alle + grob gezähnt oder sägezähnig mit einge- 
schalteten kleinen Zähnchen; bei den untersten rücken die 
Sägezähne zuweilen am Stiele bis zur Basis hinunter; die 
Zähne sind stets mit sitzenden oder gestielten Drüsen besetzt. Die 
über der Stengelmitte inserirten Hochblätter sind lineallanzettlich 
bis lineal, gezähnelt oder gezähnt, fein zugespitzt, ganz oben unter 
dem Kopfe zuweilen bracteenförmig, alle nach unten stielartig ver- 
schmälert sitzend. Kopfhüllen 17—20 Mm. lang, halbkugelförmig, 
am Grunde abgerundet oder häufig daselbst gestutzt. Hüllschuppen 
ziemlich schmal, meist fein gespitzt, die äusseren zuweilen nur spitz- 
lich, schwarzgrün, die inneren oft heller oder heller gerandet, 
mit grauen, schwarzfüssigen kurzen oder mässig langen Haaren mässig 
behaart, drüsenlos, Zungenblüthen spärlich und sehr kurz behaart. 


309 


Blüthenfarbe tiefgelb, nach dem Trocknen mit einem Stich ins Röth- 
liche bis fast orange. Griffel dunkel. 

Im Riesengebirge nicht häufig auf Grasplätzen über den Teichen, 
am Gehänge unter der kleinen Koppe, auf Wiesen an der kleinen 
Lomnitz und am Ziegenrücken, fehlt wie es scheint, in den Ostsudeten. 

Dr. A. Peter in Potonie’s Flora von Nord- und Mitteldeutsch- 
land. Berlin 1887, pas. 461 stellt 7. eximium Backh. als Subspecies 
zu H. rhaeticum Fr. Ich kenne das H. rhaeticum Fr. nur aus der 
Beschreibung des Autors (Fries Epier. Hier. pag 46), wonach dasselbe 
ein Hypophyllopodum ist, während FH. ewimium Backh. als ein richtiges 
Phyllopodum bezeichnet werden muss. Mag nun dieser Umstand 
von Dr. Peter für nebensächlich angesehen werden oder Fries mit 
seiner Diagnose nach Peter’scher Ansicht Unrecht haben, so ist doch 
keineswegs zu billigen, dass die ältere Backh ouse’sche Bezeichnung 
der Subspeeies beigelegt wird, während der neuere Fries’sche Name 
zur Benennung der Species dient. Dr. Peter sieht das H. ewimium 
für ein alpinum < silvaticum — so haben Nägeli und Peter unser 
gutes altes murorum umgetauft — an; das wird wohl Niemand 
unterschreiben, der das H. eximium einigermassen kennt. Eher könnte 
man an irgend ein anderes alpines Aurellum und H. vulgatum denken, 
wenn man sich auf dergleichen, durch keine einzige Thatsache unter- 
stützte, phylogenetische Hypothesen einlassen will, denen Nägeli 
und Peter in ihrer verdienstvollen Monographie manch gutes Stück 
Systematik zum Opfer gebracht haben, was sie zum Theil (z. B. im 
2. Bande 1. Heft, pag. 53) selbst zugestehen. 

Auch die Peter’sche Auffassung des H. atratum Fr. als alpinum 

silvaticum (murorum) ist als bei den Haaren herbeigezogen zu 
ezeichnen. Man könnte mit demselben Recht das ZZ. echioides Lumn. 
als eine Zwischenform Hieracium > canis vulpes aufstellen, weil 
es nach beendigter Anthese und nach längerem Liegen im Herbar 
fuchsrothe Haare bekommt. — In der Nomenclatur sind die 
Herren Nägeli und Peter überhaupt nicht consequent vorgegangen, 
wie ich diess bereits in der deutschen bot. Monatschrift bei H. 
pratense Tausch erwähnt habe und wie diess Uechtritz in der weiter 
unten folgenden Besprechung der Nägeli-Peter’schen Monographie 
auch hervorgehoben hat. — Wenn die Herren Autoren die Bezeich- 
nung H. Auricula (= H. dubium L. fl. suecica ed. II pag. 272 pro 
parte. 1755) mit verändertem Autornamen darum beibehielten, weil 
sich dieser Name (seit Erscheinen der Flore Er von Lamk. 
und DC. 1805) in der botanischen Literatur allgemein ein- 
gebürgert hat, mussten sie auch die, mindestens eben so lange 
und eben so allgemein eingebürgerte Bezeichnung H. murorum (etwa 
mit der Bezeichnung Aut. omn. L. pro parte) beibehalten, wenn 
auch Linn& darunter zwei verschiedene Species, nämlich als var. a das 
spätere H. caesium Fries (Fr. Symb. pag. 112) und unter var. b 
murorum — silvaticum das murorum im Sinne aller Autoren seit Linn & 
emeint hat. Eben so unpraktisch, wie die Wiederherstellung des 
en nat'schen collinum für pratense Tsch. erscheint, weil der Name 


310 


collinum vielfach von anderen Autoren zur Bezeichnung von Formen 
benützt worden ist, welche mit dem FF. pratense Tsch. nichts zu 
schaffen haben, ist der Gebrauch der Bezeichnung silvatieum für 
murorum, denn es gibt ein 7. silvaticum Lamk., welches synonym 
mit HI. vulgatum Fr., ein H. silvaticum Bertol., welches synonym 
mit dem zu der Italicis Fr. gehörigen H. virga aurea Coss., ein 
H. silvaticum Tausch, welches synonym mit ZH. gothicum Fr. und 
ein H. silvaticum Plur. Aut., welches synonym mit ZH. tridentatum 
Fr. ist ete., während selbst der Anfänger weiss, was mit der Bezeich- 
nung H. murorum Aut. omn. L. ex p. gemeint wird. Die in der 
Epier. Hierac. pag. 10 von Fries erwähnte turris Babylonica in der 
Benennung der Hieracien wird daher durch die genannten Herren 
Autoren nicht abgetragen, sondern noch erhöht, was gewiss Jeder 
bedauern wird, der diese ausgezeichnete Monographie mit Aufmerk- 
samkeit studirt hat. — Es dürfte für die Leser dieser Zeitschrift 
von besonderem Interesse sein, wenn sie das Urtheil des sel. Uechtritz, 
dieses erossen Pflanzen- und insbesondere Hieracienkenners über die 
Nägeli-Peter’sche Monographie erfahren, ich lasse dasselbe daher 
nachstehend wörtlich folgen bis auf die eingeklammerte Stelle, die 
sich in ihrem Wortlaut nicht zur Veröffentlichung eignet, deren Sinn 
aber richtig wiedergegeben ist. 


Uechtritz schrieb an mich: 
Breslau, am 23. Februar 1885. 


„Verehrter Freund! Jetzt ist das jahrelang mit Sehnsucht er- 
wartete Werk von Nägeli und Peter über die Piloselloiden endlich 
erschienen und ich habe seit einigen Tagen ein Dedicationsexemplar. 
— Vor der Arbeit habe ich riesigen Respect bekommen; sie bietet 
erheblich mehr, als zu erwarten stand und ich glaube sie wäre noch 
besser ausgefallen, wenn ihr eigentlicher Bearbeiter (Dr. Peter) nicht 
so arg unter dem Einflusse des ideellen Autors gestanden hätte. In 
dem dicken Buche steckt schmählich viel geistige und mechanische 
Arbeit, um es ganz zu verdauen, gehören Jahre und auch dann wird 
Einem sicher nicht Alles klar werden, eben weil mit anderem Material 
gearbeitet worden ist und vor Allem, weil man in dieser Weise 
Culturversuche gar nicht nachmachen kann. 

Die Schwächen des Werkes liegen zum Theil gleich auf der 
Hand; die meisten sind Folgen der Verzögerung und wenn man sich 
auf den Standpunkt der Autoren stellt, sind es zum Theile keine 
oder doch nur schwer vermeidbare und den Werth des Ganzen nicht 
zu stark beeinträchtigende. Aber praktisch machen sie sich doch recht 
oft fühlbar und Manches hätte sich vermeiden lassen. Das Riesenge- 
birge und Gesenke sind reichlich mit Material betheiligt und es 
finden sich sogar eigene nur von dort bekannte Formen oder Sub- 
species, wie die Firma lautet. Mau wird jetzt in Schlesien viel H. 
Pilosella klauben müssen! Manche uns bekannte seltene Sachen werden 
ganz anders eingereiht, einige gewiss mit Unrecht. 


a u Ve a Dr in ” 


ll 


Die Auffassung der Arten entspricht oft der meinigen in er- 
freulicher Weise, so speeiell bei der schwierigen Gruppe der Cymosa, 
“die ich erst in diesem Winter einmal wieder im Zusammenhange 
durchgearbeitet habe. Die Synonymik und überhaupt die Beobach- 
tungen der Vorgänger kommen vielfach zu kurz fort, doch entspricht 
letzteres speciell dem Grundsatze, nur selbst gesehenes Material zu 
verarbeiten. Ueber einzelne Auffassungen würden Sie staunen; in 
der Nomenclatur und Synonymik ist sehr Vieles, worüber sich 
mindestens streiten lässt, Manches was ich wenigstens für falsch 
oder unpraktisch halte, so die Wiederherstellung der Bezeichnung eollinum 
Gochnat für pratense, obwohl der Autor Tausch’sche Originale des 
letzteren gesehen hat, während er weder @ochnat’sche, noch überhaupt 
solche von dessen Standort sich verschaffen konnte. Dass er H. 
praealtum als H. florentinum bezeichnet, hätte eher Gründe, aber 
praktisch ist es so wenig, als für Bauhini Schult. einen neuen Titel 
erfinden, noch dazu sträflicherweise Z. magyaricum. Aber im Ganzen 
brinst das Werk einen Fortschritt in das Studium der Gruppe, 
richtiger eine Art Revolution. — In der Auffassung der hybriden und 
nicht hybriden Zwischenformen unter eine neue Art liegt viel Methode 
— das ist Näreli — aber Sie können sich denken, was praktisch 
mitunter für Unsinn daraus entsteht. Doch sind die einzelnen Formen, 
die stets sehr sorgfältig beschrieben werden, zum Glück streng ge- 
sondert. Interessant ist die Thatsache, dass 7. aurantiacum mit am 
formenreichsten in den Sudeten auftritt. Z. rubrum ist etwas Bild- 
schönes, was nach der ersten Beschreibung wahrhaftig nicht zu er- 
warten war, ich möchte es aber doch schon für einen dem aurantia- 


cum näheren Bastard halten. r 
R. v. Uechtritz.“ 


6. HA. decipiens Tausch nee Froel nec aliorum = H. alpinum 
ß. melanocephalum Wimm. non Tausch = H. nigrescens V elenovsky 
non Willd. = HM. alpinum Halleri Rehm. nee Wimm. nec Vill. 

In meinen vorjährigen Mittheilungen hatte ich das A. decipiens 
Tausch in die Gruppe der foliosen Alpinen gestellt, weil ich es 
nicht besser unterbringen konnte. Ich war mir wohl bewusst, dass 
es eigentlich dahin nicht gehöre, hatte aber keinen passenderen 
Platz dafür disponibel. Nachdem ich durch Oborny’s Güte die nähere 
Bekanntschaft des ostsudetischen erimium gemacht und mich über- 
zeugt hatte, dass das breitschuppige stumpfblätterige H. calenduli- 
forum gar nicht mit erimium verwandt ist, war nichts natürlicher, 
als die Vereinigung der beiden schmal- und spitzschuppigen, im In- 
dument und der Beblätterung, ja im ranzen Habitus einander nahe- 
stehenden Species /. ewimium Backh. und deeipiens Tausch in eine 
Gruppe. Ueber letzterem und H. niyrescens Willd. waltet ein eigener 
Unstern. Die meisten neueren Floristen vereinigen das H. deeipiens 
und nigrescens zu einer Speeies, wohl der ähnlichen Kopfhüllen 
wegen, denn habituell sind beide Pflanzen total verschie- 


| j . . 
den, auch im Indument sind Unterschiede nachweisbar. Wer der 


312 


Erste gewesen ist, der diese unnatürliche Vereinigung vorgenommen 
hat, habe ich aus der umfangreichen einschlägigen Literatur, die ich 
zu diesem Zwecke durchgesehen habe, nicht ermitteln können. Der 
Autor des H. decipiens, welcher in der Regensburger Flora 1828 
(Ergänzungsblätter pag. 66) dasselbe als var. integrifolium: „foliis 
subdendatis, caule unifloro“ allerdings zu H. nigrescens Willd. gezo- 
gen hat, hob diese Vereinigung im Jahre 1837 in derselben Zeit- 
schrift (Beiblätter zum ersten Band pag. 69 und 70) ausdrücklich 
wieder auf. Die Diagnose lautet nunmehr: „caule paucifolio, pauci- 
floro aut unifloro villoso, foliis radicalibus aggregatis spathulatis, in 
petiolum decurrentibus, denticulatis dentatisve, caulinis lanceolatis 
utringue attenuatis, anthodio dense imbricato, nigricante villoso.“ 
Dazu bemerkt Tausch: „Diese Art steht den Blättern nach dem 4. 
alpinum, den Blüthen nach dem ZH. nigrescens nahe und ist eine 
ausgezeichnete Mittelform zwischen beiden. Sie unterscheidet sich 
von H. nigrescens durch häufige, schmale, lang herablaufende Wur- 
zelblätter, durch den zottigen, mehr beblätterten Stengel und die 
zottigen Anthodien.“ Besser hat seither Niemand den Unterschied 
zwischen beiden in Rede stehenden Species charakterisirt. 

Ich unterscheide vorläufig bei H. decipiens Tausch folgende 
Formen: 

Var. a. oceidentale. Stengel dicklich bis dick, Drüsenbeklei- 
dung desselben unmittelbar unter dem Kopfe reichlich; Drüsen 
langgestielt. Hüllen in der Regel kurzzottig; Zotten dunkel 
graulich, schwarzfüssig mit deutlich eingemengten Drüsen. Hüll- 
schuppen dunkel, fast schwarz, innere selten und nur verein- 
zelt heller. Blätter ganzrandig oder wenig gezähnt. Flocken 
am Stengel mässig bis reichlich, auf den Hüllschuppen zer- 
streut. 

Diess ist die Form des Riesengebirges, woselbst sie von circa 
1000 M. Seehöhe bis 1600 M. von der neuen schlesischen Baude 
bis aufs Rehhorn überall häufig vorkommt. Auch aus der Tatra, je- 
doch nicht aus den Ostsudeten bekannt. 

Var. b. orientale. Stengel dünn und schlank. Drüsenbeklei- 
dung desselben mässig oder spärlich; Drüsen kurzgestielt. 
Hüllen in der Regel langzottig; Zotten weisslich, ohne oder 
mit undeutlich erkennbarem schwarzem Fuss. Drüsen an der 
Hülle fehlend oder der Zottenbekleidung wegen nicht erkennbar. 
Hüllschuppen schwarzgrün, die inneren sämmtlich heller 
oder heller gerandet. Blätter durchweg gezähnelt oder gezähnt. 
Flockenbekleidung am Stengel gering, auf den Hüllen 0 oder fast 0. 

Ist mir bisher nur vom Glatzer Schneeberg aus den Ostsudeten 
zu Gesicht gekommen; im Riesengebirge kommen ähnliche, jedoch 
nicht ganz mit den ostsudetischen übereinstimmende Formen vor. 

Die vorstehend besprochenen drei Gruppen bilden zusammen 
eine Abtheilung der alpinen Aurellen, welche sowohl in Beziehung 
auf den Gesammthabitus, wie auf das Indument und die Beblätte- 
rung von den nachfolgenden beiden Gruppen ziemlich verschieden 


313 


ist. Innerhalb dieser so gedachten Abtheilung kann man manche 
_ Gestalten als Zwischenformen auffassen, welche Uebergänge zwischen 
- den heterogensten Formen vermitteln. So lässt sich eine Reihe 7. 
 alpinum genuinum, melanocephalum Tausch, grande Wimm., tubu- 
 losum, calenduliflorum, ewimium pseudonigrescens, pseudeximium, 
decipiens; ferner H. alpinum typicum, melanocephalum, aterrimum, 
spathulifolium, Fritzei, pseudopersonatum, eximium  chrysostylum, 
erimium pseudonigrescens, pseudewimium, deeipiens u. S. w. auf- 
stellen, was aber praktisch keinen Zweck hat; eben so wenig wie 
phylogenetische Hypothesen, auf die wir verzichten wollen, bis die 
nicht nächweisbaren, bekannten „grossen Unbekannten“, die in den 
Criminalprocessen, wie in der Abstammungslehre eine so grosse 
Rolle spielen, nämlich die fehlenden Zwischenformen aufgefunden 
sein werden. 


(Schluss folgt.) 


Meine dritte Tirol-Fahrt. *) 


Von J. Freyn. 


2... Gewohnterweise war es bei Antritt der Reise mein erster 
Wunsch, das bestverabscheute Prag mit all seinen Missdüften nur 
möglichst rasch hinter den Rücken zu bekommen und als ich daher 
am 25. Juli von hier wegfuhr, ruhte ich nicht eher, als bis ich in 
Innsbruck war. Ich weiss es nicht mehr, ob die Fahrt 18 oder 20 
Stunden dauerte; satt hatte ich sie aber gründlich, und ich war 
froh, endlich wieder meine Gehwerkzeuge gebrauchen zu können. 


Innsbruck, das ich 1885 im Regen verlassen hatte, sah ich 
heuer in eitel Sonnenschein wieder. Es liegt reizend; wer dort aber 
nichts zu thun hat, der kann vor Langweile sterben. Sehr unangenehm 
war ich durch das Nachmittags erfolgte plötzliche Einfallen des 
Föhn’s überrascht — ich kenne die Sorte von früher her und wusste, 
was mir bevorstand; freilich, dass es so dick kommen sollte, konnte 
ich nicht voraussehen. Einmal ausgeruht zögerte ich also nicht, am 
97. Juli am zeitlichsten Morgen bei tagheller Dämmerung mit der 
Arlbergbahn gen Westen zu fahren. Die Partie entlang des Inn bis 
Landeck fand ich keineswegs überraschend, so lange man die zerris- 
sense nördliche Kalkalpenkette sieht, jedoch recht schön. Schön war 
auch der Tag. Nach einer scharfen Biegung der Bahn zeigte sich 
aber zuerst im Westen, dann, gelegentlich Ueberquerung der Süd- 
thäler, auch im Süden verdächtiges Wolkenpack und meine Unken- 
rufe, die von der Gesellschaft ursprünglich als professionsmässiger 


*, Aus einem Briefe an E. Hackel zu Nutz und Frommen allen denen 
erzählt, die selbst heutzutage noch Lust haben einen botanischen Reisebericht 
zu lesen. N 


314 


Pessimismus gebrandmarkt worden waren, erfreuten sich nun eines: 
bedeutenden Ansehens. 

In Landeck vertraute ich meine Knochen einem mit beträcht- 
licher Bedächtigkeit dahin stampfenden Omnibus an und, nach etli- 
cher Atzung — bei welcher sich mein Magen selbst gegenüber dem 
Weine als ätzsicher erwies, eroberte ich am Omnibus einen Platz 
beim Kutscher und fort ging’s nach Süden den Inn aufwärts. Nau- 
ders war das Ziel und das wollte ich auch bei Regen erreichen, um 
keinen Preis wäre ich in Landeck geblieben. 

Die Omnibusfahrt verlief ganz nach dem im westlichen Tirol 
üblichen Programme. Die biederen Reisenden werden bei jeder Post, 
die stets auch ein Wirthshaus ist, prompt abgeliefert und zum Essen 
und Trinken angehalten. Ich hatte aber schon in Landeck genug und 
wollte meine Magenwände nicht gleich am ersten Tage durchätzen 
lassen. Irgendwo unterwegs bekam ich zwei schöne Nachbarinnen 
auf den Bock herauf — und das war gut, denn sie waren sehr lustig 
und die Landschaft auch nicht darnach, diese Coneurrenz aushalten zu 
können. Andererseits konnte ich es keineswegs als angenehme, ge- 
schweige denn als nothwendige Zugabe zur Fahrt betrachten, als 
wir irgendwo eine ganz abscheulich übelriechende Suppe, ditto Rind- 
fleisch, gebratenes Leder und verdünnte Cichorie als Mittagmahl 
vorgesetzt bekamen. Den zu dieser Zeit schon stromweise herab- 
schüttenden Regen hatte ich vorhergesehen, und nahm selben denn 
als selbstverständlich mit in den Kauf. Als Nutzanwendung merkte 
ich mir aber neuerdings die schon so oft bestätigte Regel, dass man 
in Tirol kein Rindfleisch essen soll. 

Von der Mittagsstation ab, deren Namen ich mit dem Mantel 
der christlichen Nächstenliebe zudecken will, wurde der Regen 
immer dicker; zu sehen gab es gar nichts mehr als „Schnürl“- 
Regen, und so salvirte ich mich denn in das vorher sorgfältig ge- 
miedene Innere des Marterkastens. Das war mit Rücksicht auf meine 
liebenswürdige Gesellschaft gewiss bärenmässig gehandelt, ich sehe 
es vollkommen ein, zum durchweicht werden fühlte ich aber gar 
keinen Beruf in mir und es regnete doch schon eine gute Stunde. 
Ich gab also auch die beabsichtigte Fusstour hinauf die Finster- 
minzstrasse auf und sah von dieser derart gar nichts, bis das er- 
lösende Wort „Nauders“ erschallte. 

Der hkegen hatte zu dieser Zeit, es war schon vorgerückter 
Nachmittag, aufgehört; die Wolken lungerten aber am Kirchendach 
herum und fegten noch etwas später den Marktplatz. Meinem Grund- 
satze getreu, stieg ich natürlich nicht „auf der Post“ ab, sondern 
Just gegenüber „beim Löwen“. Dorthin hatte ich meine Sachen und 
45 Kilogramm Papier direct von Prag aus vorausgeschickt gehabt 
und ich fand Alles zu meinem Empfange bereit. Ein sehr hübsches, 
reines Zimmer ward mir angewiesen und dann der Tanzsaal des 
Ortes mit einem riesenlangen, unangestrichenen Tisch — Alles zum 
handtiren mit vielen Pflanzen wie geschaffen. Auch der Dachboden 
mit zahlreichen gespaunten Wäschleinen wurde mir zum Papier- 


315 


trocknen zur Verfügung gestellt und unten im Fleischerladen die Wage, 
damit ich meine Packete nach Posteewicht zusammenstellen könne. 
Das war Alles ganz prächtig und ich empfehle deshalb dieses gast- 
freundliche Haus mit seinen bereitwilligen Bewohnern allen Denen, 
die nach mir kommen; sie werden auch keine grosse Rechnung zu 
erwarten haben. Da ich also Alles zu meiner grössten Zufriedenheit 
vorbereitet fand, machte ich mich sofort auf den Weg ins „Nauderer- 
Thal“, um wenigstens an der Strasse zu recognosciren, was etwa 
bei dieser Seehöhe (1360—1450 Meter) vorkäme — und jetzt kommt 
die Botanik! 

Aber mit Hindernissen; denn die Wiesen beiderseits der Strasse 
fand ich zunächst glatt geschoren und erst als ich auf die halb- 
verrasten Geröll-Ausbreitungen des Arsangsbaches stiess — eines 
von Osten kommenden Wildwassers — fand ich überhaupt Etwas. Es 
waren aber echte centralalpine Typen, wie Laserpitium hirsutum Lam., 
L. Gaudini Mor., Epilobium Fleischeri Hochst., die theilweise, wie 
z. B. Achilles moschata Wulf. von den benachbarten Hochalpen 
heruntergeschwemmt waren. Solche echte Alpenpflanzen kommen im 
Nauderer Thale gar viele vor, was ja bekannt ist; es freute mich 
aber doch, so in aller Bequemlichkeit ausserdem noch Leucanthemum 
alpinum Lam., Cardamine resedifolia L., Alchemilla pubescens M. B., 
und andere Arten wiedersehen zu können, wie sie sich in subalpiner 
Gesellschaft von Trisetum alpestre P. B., Erigeron angulosus Gaud., 
Myricaria germanica Desv. und dergleichen trotz der Tieflage ganz 
wohl befanden. Regen und Dunkelheit beschleunigten endlich meine 
Rückkehr nach Hause. 

Am nächsten Tage war es sehr schön — aber bis etwa 1700 M. 
herab war Alles verschneit. Das war nun stark gegen das Programm 
und ich entschloss mich daher, anstatt „hinauf“ lieber „hinab“ zu 
gehen und dieses „Hinab“ konnte also nur die Finsterminzklause 
sein, die mir der schnöde Regen gestern so gründlich verdorben 
hatte. Da aber der Tag lang und mein Unternehmungsgeist gross 
war, so wurde ein Umweg eingeschlagen. Dieser artete jedoch in 
allerhand Herumklettereieu aus und währte mit anderthalb Stunden 
Rast 16 Stunden, so dass ich endlich zu nachtschlafender Zeit todt- 
müde nach Nauders kam, wo sie bereits für mich zu fürchten be- 
gannen. Wo war ich aber gewesen? — Zuerst auf dem westlich von 
Nauders gelegenen Voralpenberg „Kohlstätte*, dessen Nadelwälder 
sehr viel Phyteuma Halleri All. und Chaerophyllum Villarsii Koch 
und dessen Wiesen noch viel mehr COrepis alpestris Tausch, und 
Onobrychis montana D. Ü., sowie einzelne Cirsium acaule X. Eri- 
thales beherbergen; dann steil hinunter zum Inn durch Wälder 
mit Pinus engadinensis und über den Fluss hinweg nach Martins- 
bruck im untern Engadin. Nun war ich in der Schweiz und ich 
hatte, um nach Finsterminz zu gelangen, zwei Wege offen, beide an 
den Lehnen des Piz Mondin, hoch ober dem Inn; der eine Weg 
unten, der andere 2—300 M, höher, beide an stellenweise recht gar- 
stigen Steilpartien hinführend. Um jedoch möglichst hoch zu gelangen, 


316 


wählte ich den oberen, d. h. ich stieg von Martinsbruck nach Durch- 
schreitung der warmen, pflauzenreichen Buschregion, geradeaus den 
Nadelwald hinan, bis ich auf den gesuchten Weg traf. Derselbe führt 
ziemlich rasch ansteigend auf eine plateauartige Erbreiterung am 
Östgehänge des Piz Mondin, welch’ letztere mit Hochwiesen (Plan 
d’Ors) bedeckt ist. Bevor man dahin gelangt überschreitet man einen 
alten Lawinengang, auf dessen Gerölle viel Ononis rotundifolia L. 
und bei etwa 1300—1400 M. auch Astragalus onobrychis L. wächst. 

Plan d’Ors ist sehr trocken und pflanzenarm, an einem Bächlein 
jedoch, welches aus der Schlucht des „Mühlbaches“ hervorkommt, 
steht Flieracium dentatum Hoppe und sehr viel Cortusa Matthioli L., 
welche hier, so nahe an der Westgrenze ihrer Verbreitung so schön 
und üppig wächst, wie nur irgend in den Karpathen. In der 
Schlucht des Mühlbaches selbst, da wo der Bach wasserfallartig 
herabstürzt, gesellten sich viele Voralpenpflanzen hinzu, an trockenen 
Stellen noch Polygala microcarpa Gaud. und Crepis alpestris Tsch. 
und einzelne Flieracium dentatum Hoppe. Hier fand ich auch die 
bisher noch nie mit Früchten gefundene Jungermannia Hornschu- 
chiana N. ab E. reichlich fruchtend.') Die Krummholzregion reicht 
hier in breiten Streifen tief in die Waldregion hinab und besteht 
hauptsächlich aus Pinus Mughus Scop., Alnus viridis D. C. nebst Al- 
penrosen u. dgl. Die so charakteristische Formation aus Latschen 
Hippophae und .Berberis, wie sie gewisse Thäler des Glocknerge- 
bietes auszeichnet, sah ich diessmal nicht. 

Der anfänglich sehr breite Weg verliert sich endlich in einem 
förmlichen Verhau massenhaft niedergebrochenen Waldes. Ohne Mög- 
lichkeit hindurchzukommen oder an den Abstürzen herumzugelangen, 
stieg ich an einer Schlucht hinab und gelangte, nachdem ich noch 
Hieracium scorzoneraefolium mitgenommen hatte, am Spätnachmittag 
zum Novell-Hof, einem einsamen Gehöfte in der Inn-Klause, des- 
sen grenzenloser Schmutz mich an die Salaschen der niederen Tatra 
erinnerte. Die Leute waren aber sehr freundlich; ihr Aussehen zeigte 
indessen keineswegs dafür, dass sie in der gepriesenen Republik 
just eine Stätte besonderer irdischer Glückseligkeit gefunden hätten. 
Nach Sonnenuntergang überschritt ich das schwankende, halbmorsche 
Ding, so sie in Finsterminz Innbrücke heissen, und betrat wiederum 
Oesterreich — freilich just an einem Punkte, der lebhafter, denn an- 
derswo früheren Glanz, früheren Reichthum mit jetzigem Elend in 
unvermittelten Gegensatz bringt. Die neue Strasse führt nämlich 
hoch über der bestandenen hinweg, und damit ist der Wohlstand 
jetzt etliche hundert Meter höher gerückt. Das bitterste Stück waren 
nun die 400 M., die ich von der Innbrücke wieder bis Nauders hinauf 
musste; an die werde ich denken. Nur die prächtig erhaltene Strasse, 
deren Tracenführung nur ein Ingenieur genügend würdigen kann, 
erregte noch mein Interesse. 


') Vergl. hierüber Schiffner: Botan. Centralblatt 1887, Bd. XXX, 
Seite 22. 


A 


817 


Mir zum Spotte war der 29. Juli ein Prachttag, doch musste 
ich Pflanzensklave sein und einlegen. Erst Mittags war ich fertig; 


- der Schnee war auch heruntergeschmolzen und somit ging es sogleich 


den nächsten Berg hinauf, um wenigstens den erübrigten halben 
Tag auszunützen. Der Besuch war dem „Schmalzkopf“ zugedacht. 
Der für die verfügbare Zeit schier endlose Weg brachte mir im Val 
di Costei zwar wieder Jungermannia Hornschuchiana ce. fr., Cortusa, 
Linnaea und Luzula Sieberi Rehb. ein — letzteres eine echte 
Tiroler Pflanze und keineswegs mit L. sicula identisch — weiter 
hinauf aber bei der Labauner Alm (c. 2100 M.) sah ich Alles abge- 
weidet, auch, so weit das Auge reicht, Vieh. Das war ein böser 
Fall. Aergerlich liess ich den Schmalzkopf links und stieg die 
nächste Rinne rechts hinan, direct auf die Höhe des „Geisbleisen- 
kopfes* los. — Alles abgeweidet! Erst hoch oben bei 2500 bis 
2700 Meter fand ich Oxytropis lapponica Gaud., Draba dubia Su- 
ter, Luzula lutea D. C., Carex nigra All., Myosotis alpestris Schmidt, 
Geum reptans L., Euphrasia pulchella A. Kern., Primula oenensis 
Thom., P. olutinosa Wulf. und manche Andere — aber eine höchst küm- 
merliche Vegetation; endlich sank die Sonne und da traf ich noch 
Pedicularis tuberosa L., Alsine recurva Wahlb., Arenaria ciliata L. 
u. del. Mit förmlichen Sätzen stürmte ich aber jetzt hinab, um in 
der Dämmerung wenigstens noch den Fahrweg aufzufinden. Früher 
als ich es dachte, hatte ich ihn und sehr bald war ich zu Hause. 
Es war aber im Grossen eine miserable Excursion, denn ähnlich 
artenarme Alpen sah ich bisher nur noch auf den Quarziten in der 
niederen Tatra und auf dem Urgebirge des Muntje-le-mare-Stockes 
im westlichen Siebenbürgen. 

Während der nächsten drei Tage mit dem Trocknen der Pflan- 
zen beschäftigt, hatte ich nur Gelegenheit zu kurzen Ausflügen im 
Nauderer Thale, von denen sich der eine bis Reschen über das 
Reschen-Scheidek hinüber erstreckte. Der Pizlat, auf den ich es ab- 
gesehen hatte, war aber tief herab verschneit und so begnügte ich 
mich denn mit dem, was ich unten fand. Erwähnenswerth erschei- 
nen mir neben Erysimum helveticum D. C., Rosa pomifera Herm. 
und Equwisetum variegatum Schleich. wieder manche Hochalpenarten, 
die sich im Nauderer Thale stellenweise recht breit machen. Dazu 
zähle ich Dryas, Oxytropis lapponica Gaud., ©. Halleri Bge., Draba 
Thomasii Koch, Euphrasia variabilis Freyn, Alchemilla pubescens 
M. B., A. glabra Kern., u. A. m. Die Moorwiesen mögen überhaupt 
eine reiche Ausbeute geben, aber sie waren fast durchaus schon ge- 
mäht. Nicht unerwähnt kann ich den verhältnissmässigen Reichthum 
an Cirsien-Bastarden lassen. Namentlich finden sich alle denkbaren 
gonioklinischen Formen von ©. acaule x heterophyllum ; nur verein- 
zelt sah ich den überhaupt seltenen Bastard: ©. acaule>< Erisi- 
thales, öfters ©. heterophyllum >< Erisithales. 

Die vielen romanischen oder ganz fremdartig klingenden Na- 
men um Nauders machten in mir den Wunsch rege, zu erfahren, 
wie lange es wohl her sein möge, seit diese Gegend germanisirt 

Oosterr. botan. Zeituchrift, ©, Heft 1887, 6 


318 


sei. Der Umstand, dass gar viele Namen noch verhältnissmässig 
rein romanisch klingen, liess die Erwartung begründet erscheinen, 
am Friedhofe noch alte romanische Inschriften zu finden — aber 
vergeblich. Die ältesten, tief ins vorige Jahrhundert zurückreichen- 
den Epitaphe haben nur deutschen Text. Ich schrieb mir aber ein 
„Sprüchel* auf, welches zwar nur die Namen einer Reihe um Nauders 
wirklich vorkommender Gehöfte neben einander reiht, vom Volke 
gereimt gesprochen, aber dennoch den ganz eigenthümlichen Klang 
der Sprache wiedergibt. Hier ist es: 


„Stablis, Verwelles, Pertisch und Konpatsch, 
Gufriss, Tenriss, Tieff und Vriatsch.“ 


Nachdem ich alles Trockene nach Prag, Papier und nasse 
Pflanzen jedoch nach Trafoi voraus gesendet hatte, sass ich Abends am 
2. August am Postwagen, konnte aber der fürtrefflichen bestehenden 
Einrichtung wegen nur bis Mals gelangen. Dort kommt man bei 
stockfinsterer Nacht an, steigt aus und wird in die „Post“ hinein com- 
plimentirt, ohne auch nur nach einem anderen etwa vorhandenen 
Wirthshause Umschau halten zu können. Gegen alle Grundsätze in 
der Post abgestiegen, konnte ich auch der verdienten Strafe nicht 
entgehen. Das Zimmer war schlecht und gestattete vor üblem Ge- 
ruche nicht recht zu schlafen. Essen und Bedienung war gleichfalls 
schlecht, und ich fühlte mich nur als „ein Stück Passagier“, der 
nolens volens so und so viel sitzen lassen muss. Dafür weckte mich 
Früh auch Niemand und so wurde mir der Plan vereitelt, von Mals 
aus nach Prad zu Fusse zu gehen, unterwegs den Astragalus venostanus 
Kern. zu sammeln und doch noch die über das Stilfser Joch gehende 
Post in Prad zu erreichen. Dieses Misslingen erbitterte mich derart, 
dass ich zur Strafe kein Trinkgeld hergab. Früh beim Einsteigen in 
den Wagen — kein Omnibus, sondern ganz bequeme viersitzige 
Landauer — sah ich just der „Post“ gegenüber ein anderes Wirths- 
haus. Schlechter hätte ich es dort auch nicht treffen können, wie ich 
hörte, aber billiger. Jedenfalls war ich froh, als ich fortkam. 

Demjenigen, der Geduld hat und guten Humor, bietet das Rei- 
sen in diesem westlichsten Theile Tirols seine eigenthümlichen Reize 
und ich kann daher der Verlockung nicht widerstehen, durch Er- 
zählung des von mir durchgemachten Beispiels das Meinige dazu 
beizutracen, dass Jeder erfahre, wessen er sich zu versehen hat, 
wenn ihn das Gelüste in den oberen Vintschgau führt. Für jene Reisen- 
den, die im Hauptwagen nicht Platz haben, werden nämlich „Bei- 
wagen“ (die schon erwähnten Landauer) beigestellt, wogegen ja nichts 
einzuwenden ist und auf solch einen Landauer wies mich auch meine 
Fahrkarte. Die Fahrt ging nun in einem Zuge über Spondinig, wo 
- die Stilfser Jochstrasse von der Etschroute abzweigt bis Prad, der 
ersten Poststation an der Jochstrasse; man erreicht Prad von Mals 
aus in ganz kurzer Zeit, 1'/,—2 Stunden, wenn ich mich recht 
erinnere. In Prad bei der Post noch Früh abgeliefert, muss man 
aussteigen; Alles wird abgepackt und Publikus hat nicht unter einer 


319 


Stunde auf die vom unteren Vintschgau herauf kommende Post zu 
warten. Sobald die kommt, zeigt es sich natürlich, dass ein Beiwa- 
gen beigestellt werden muss. Der kommt endlich. Nun wird wieder 
aufgepackt, man setzt sich nach dem Range, welchen die Fahrschein- 
Nummer anweist und fort gehts, bis Trafoi? — o nein; gleich bei 
der nächsten Post Beidewasser (von den Deutschen mit Vorliebe 
Gomagoi genannt!) heisst es Halt! Aussteigen! Umpacken! und der 
brave Reisende muss abermals einen neuen Sitz in einem anderen 
Wagen warm sitzen. Nun, da war meine Geduld aber doch zu Ende. 
Ich liess die ganze Karrenwirthschaft stehen und zog mit Büchse 
und Stock bewaffnet in dem schönen Alpenthale zu Fuss bergauf 
weiter. Das Thal ist sehr schön und es geht sich auf der prächtig 
erhaltenen Strasse so ausgezeichnet, ganz sanft ansteigend, dass ich 
im Handumdrehen in Trafoi war — viel, viel früher als die Post. 

In Trafoi stieg ich auf specielle Empfehlung hin auf der „Post“ 
ab, wohin ich denn auch meine Sachen dirigirt und gleich von Prag 
aus eine Papierreserve von 10 Kilogramm gesendet hatte. Da das 
Wetter prächtig war, so begnügte ich mich, das mir angewiesene 
Zimmer zu occupiren und rannte spornstreichs aufs Stilfser Joch. 
Ich staunte darüber, wie hoch hier die Thalpflanzen ansteigen. Ver- 
bascum Thapsus L. sammelte ich bei 2100 M., Euphorbia Cypa- 
rissias L. bei 2200 M., Cotoneaster integerrima Med. bei 2500 M., 
Agatophytum Bonus Henricus Moq. gar bei 2700 M. Seehöhe. Aus- 
serdem fand ich eine ganze Reihe Pflanzen, die ich bisher noch 
nicht lebend gesehen hatte und die theilweise wenigstens echte Cen- 
tralalpen-Pflanzen sind, wie Euphrasia hirtella Jord. (neu für Oester- 
reich-Ungarn), E. alpina Lam., Koeleria hirsuta Gaud., Sempervivum 
“ Wulfenii Hoppe, S. Widderi Lehm., dann aber Potentilla grandi- 
flora L., Senecio tiroliensis Kern., Pinus Cembra L. mit Zapfen, 
Orygraphis vulgaris m.') ete. — ich war sehr zufrieden. Aus dem 
„Ebenen Ferner“ kommt just vom Stilfser Joch herab ein Quell- 
bach des Trafoier Baches; dem Schueefeld ist ein Schuttkegel 
vorgelagert auf dem Moehringia polygonoides M. K., Carew nigra 
All, Arenaria biflora L. und viele andere Hochalpenpflanzen wach- 
sen. Hier entdeckte ich zufällig eine garibaldinische Kanonenkugel 
aus dem Jahre 1859. Meine naheliegenden Betrachtungen fanden 
indessen ein jähes Ende durch einen Donnerschlag gerade ober mir. 
Hundert Meter unter dem Joch angekommen bestand die unange- 
nehme Wirklichkeit, in der ich sofort mittendarin war, in dem Muss: 
Aber gleich umkehren! Alles war in Wolken gehüllt und es begann 
mit jener Gründlichkeit zu regnen, welche dem Betroffenen sofort die 
Ueberzeugung beibringt, dass hier alle Regenschirme zwecklos sind. 
Bevor ich noch das nahe Franzenshöhe erreichen konnte, gab es 
denn auch keinen trockenen Faden mehr an mir und ich stürmte 


') Gleich /damumeulus glacialis L., worüber mein Aufsatz in der Flora 
1887, pag. 136, zu vergleichen. Hier nur so viel, dass es bereits eine O, glacialis 
Bge. gibt, der Name „glacialis“ also für unsere Art nicht verwendbar ist. 
26* 


320 


daher mehr, als dass ich ging, bis Trafoi hinab, um mich umkleiden 
zu können. 

Die biedere Frau Wirthin hatte es aber in meiner Abwesen- 
heit anders beschlossen und hatte mich umquartirt und noch jemand 
Anderen zu mir gesperrt. Es war ein stallartiges Loch und stank 
auch ganz abscheulich nach Pferden. Später erfuhr ich das sei das 
Kutscherzimmer gewesen. Indessen hatte ich vorerst nicht Zeit zu 
Betrachtungen; zuerst musste ich trocken sein, dann ging es zum 
Essen. Dort, im freundlichen Speisesaal, stellte sich mir der säch- 
sische Botaniker Artzt vor, Ingenieur wie ich, und der Abend ver- 
längerte sich desshalb etwas. Meine Galle war für den anderen Tag 
aufgespart. 


(Fortsetzung folgt.) 


— 


Flora des Etna. 
Von Prof. P. Gabriel Strobl. 


(Fortsetzung.) 


1395. Vieia peregrina L. *Bert. fl. ital., Guss. *Syn. et *Herb.!, 
leptophylia Raf. Car. (aus Taormina), *Raf. I (aus der Fussregion 
des Etna). Blättchen entfernt 5—6paarig, schmal linearkeilig, (bis 
2 Mm. breit), gestutzt oder ausgerandet mit Stachelspitze, oft drei- 
spitzig; Blüthen einzeln, kurzgestielt; die zwei oberen Kelchzähne 
breiter und kürzer zusammenneigend, die unteren so lang als die 
Röhre; Krone purpurn, Hülse etwas gestielt, länglich-linear, Unter - 
Saaten und auf buschigen Abhängen der Tiefregion nicht selten. 
Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert., Guss. Syn. et Herb,! 
Herb. Tineo!), am Fusse des Monte Pileri (Herb. Torn.!), am Wege 
nach Nicolosi, in der Arena, häufig an den Ufern des Simeto! April, 

ai. Q). 

1396. V. sativa L. Guss. Syn. et Herb.!, mucrocarpa Bert. Fl. 
ital., Tod. Fl. sic. exsiec. Nr. 398! sat. «. macrocarpa Mor. (eine 
Form mit grösseren, breiteren Hülsen und Blättern). Hoch, robust, 
flaumig; Blättchen 4—7paarig, flaumig, stachelspitzig, die unteren 
verkehrtherzförmig, die oberen verkehrteiförmiglänglich, gestutzt aus- 
gerandet, 15—25 Mm. lang, 5—12 Mm. breit; Nebenblätter zer- 
schlitzt, die obersten halbpfeilförmig, gefleckt; Blüthen zu 1—2, fast 
sitzend; Kelch flaumig, ungefähr 15 Mm. lang, wovon die Hälfte 
auf die parallelen, geraden, lineal zugespitzten, gleichlangen Zähne 
entfällt; Krone über 22 Mm. lang, mit violetter Fahne und purpur- 
violetten Flügeln; reife Hülsen flaumig oder kahl, gelbbraun, circa 
6 Cm. lang, 9—10 Mm. breit, linear, erhaben netznervig, im Kelche 
sitzend; Samen glatt, kugelig zusammengedrückt, mit circa 5 Mm. 
Durchmesser, schwarzbraun, selten weiss (var. Zeucosperma Mnch.). 
Vor den folgenden Arten besonders ausgezeichnet durch die Grösse 


321 


aller Theile, zumal der Blüthen und Hülsen. Variirt mit durchaus 
verkehrtherzförmigen Blättchen — var. obeordata Rehb. — var. ob- 


" ovata Ser. in DC. Prodr. I, 361 (Corsiea, leg. Sieber!), ferner mit 


länglichlinearen mittleren und oberen Blättehen = var. angustifolia 
Willk. (non V. ang. Rth.), z. B. Graz, Maly!, ferner mit linearen 
oder linearkeiligen mittleren und oberen Blättchen —= var. linearis 
Lge. Pug., W. Lge. III, 294, z. B. Nebroden Sieiliens!; eine selt- 
same Varietät endlich fand ich häufig in Saatfeldern um Catania 
und versandte sie als v. diversifolia mihi: Reichästig, bei den mei- 
sten Aesten die untersten 1—2 Blätter 2—3paarig gefiedert mit 
verkehrtherzförmigen, sehr kleinen Blättchen, die mittleren Blätter 
mit sehr langen, linealen (bis 2 Cm. langen, 3—4 Mm. breiten), die 
obersten mit etwas kürzeren und breiteren, keiligen Blättchen; einige 
Aeste besitzen nur lineale, andere nur keilige Blättchen; in Blüthen, 
Nebenblättern ete. kein Unterschied von der Normalform. — Unter 
Saaten und auf Fluren sehr gemein. Aus Catania von Cosentini- 
erhalten (Herb. Guss. forma macrocarpa!), auf Weiden um Paternd 
(Herb. Torn.!), um Misterbianco und Acicastello (Herb. Reyer!), um 
Mascalucia, überall in der Ebene des Simeto, einzeln sogar in der 
Waldregion oberhalb Nicolosi bis 4000; var. diversif. häufig unter 
Saaten am Simeto! März, April. ©. 

1397. V. cordata Wulf. Guss. *Syn. et *Herb.!, sativa Bert. 
Fl. it. Unterscheidet sich von sativa L. durch bedeutend niedrigeren, 
schlankeren Wuchs, kleinere, selten über 1 Cm. lange, durchaus ver- 
kehrtherzförmige oder obere keilige, aber ebenfalls ausgerandete, oft 
tief zweilappige Blättchen mit langer Stachelspitze, kleinere, seichter 
gezähnte Nebenblätter, 18 bis höchstens 20 Mm. lange Blüthen und 
nur 35—5 Cm. lange, 4—6 Mm. breite, schwächer nervige, eben- 
falls lederbraune Hülsen, kleinere, schwarze oder scheckige, aber 
ebenfalls zusammengedrückte Samen; sonst ganz wie sativa, für deren 
kleinere Form man sie halten könnte; auch fehlt es nicht an Zwi- 
schenformen: eine solche ist cordata var. Cosentini (Guss. Syn. et 
Herb.! als Art) — V. segetalis Thuill., sat. ß. segetalis Ser. DC. 
Prodr. II, 361, angustifolia var. segetalis Gr. Godr. I, 459?, W. Lge. 
III, 295, non = var. consentina Spr. aus Calabrien. Von «. genuina 
verschieden durch ziemliche Kahlheit, höheren Wuchs, bis auf einige 
wenige verkehrtherzförmige untere Blätter durchwegs längliche oder 
linealkeilige lange Blättchen (15—3 Cm. Länge, 3—5 Mm. Breite), 
alle stumpf bis ausgerandet mit Stachelspitze; Hülsen wie bei cor- 
data «. 5—6 Mm. breit, nicht schwarz werdend (auch meine fran- 
zösischen Exemplare der seget. besitzen lederbraune reife Hülsen!); 
Blüthen 14—18 Mm. lang, fast einfärbig blau; Same lederbraun, ellip- 
tisch, zusammengedrückt. Stimmt genau mit schmalblätterigen For- 
men der cordata aus Krain, dem Standorte Wulfen's; von sativa 
var. linearis durch viel schlankeren Wuchs, kleinere Blüthen, schmale, 
schwachnervige Hülsen, von der habituell ebenfalls sehr ähnlichen 


| re durch regelmässigen Kelch, sitzende Hülsen und etwas 
r 


5 ie A Au 


eitere Blättehen verschieden. Unter Saaten auf Fluren, Lavafeldern, 


322 


sonnigen, krautigen Hügeln gemein: Um Catania überall (!, Herb. 
Tornab.!, Cosent. in Herb. Guss.!), Lavagründe gegen Acicastello 
(Herb. Reyer!), um Ognina, in der Arena und der Ebene des Simeto! 
var. Cosentini: „Unter Saaten und an krautigen Orten um Catania, 
an den Feldern von Santo Todaro, einem Hügel westlich von Cata- 
nia auf lehmigem, tertiärem Gries* (Cosent. Descrizione), unter Saa- 
ten um Catania (Cosent. in Guss. Syn. et Herb.!), und Nicolosi 
(Torn. Guss. Syn. add. et Herb.!, Herb. Torn.!). April—Juni. ©. 

1398. V. angustifolia Rth. Gr. Godr., W. Lge. Von cordata 
verschieden durch kleinere, nicht zweilappig ausgerandete Blätter, 
höchstens 15 Mm. lange Kronen, die Länge der Kelchzähne über- 
treffende Kelchröhren, nur bis höchstens 5 Mm. breite, endlich 
schwarz werdende Hülsen mit kugeligen, nicht zusammengedrückten 
Samen. Folgende als Arten beschriebene sicil. Formen sind nach 
meinen Erfahrungen nur Varietäten: «. genuina — V. angustifolia 
Guss. *Syn. et *Herb.! Pflanze in allen Theilen kleiner, als cordata, 
Aeste ziemlich schlank und lang, die untersten Blättchen 1—3paarig, 
klein, verkehrtherz- bis eiförmig, die obersten 3—5paarig, schmal 
linear, Spitze abgerundet oder spitz, mit Stachelspitze; geht vielfach 
in ß. über. 

ß. heterophylla —= V. het. Presl del. prag. et Fl. sie., Guss. 
*Syn. et *Herb.! Wie «., aber Wuchs niedriger, compacter, die un- 
tersten Blättchen 2—3paarig, verkehrtherzförmig, sehr klein, die 
obersten 4—6paarig, länglich bis fast lineal, bis 12 Mm. lang, Spitze 
stumpf oder abgestutzt bis ausgerandet, Nebenblätter gefleckt, ge- 
zähnt, halbpfeilförmig, Blüthe bis 14 Mm. lang. 

y. maculata = V. mac. Presl Fl. sie, Guss. Syn. et Herb.! 
Gleicht ganz der var. ß. in niedrigem Wuchse, starkflaumiger Be- 
haarung, Zahl der kleinen Blattpaare, Gestalt und Färbung der Ne- 
benblätter; aber Behaarung meist noch dichter, die untersten Blätt- 
chen fast kreisförmig oder sehr breit verkehrtherzförmig, die oberen 
verkehrtherzförmig oder länglich verkehrteiförmig, stumpf bis ausge- 
randet mit Stachelspitze. Habituell ganz wie eine kleine cordata 
Wulf. «. oder wie pyrenaica Pourr., welche aber durch kahle, freu- 
diggrüne Blätter, breite Kelche und grosse Blüthen sich schnell 
unterscheidet. 

ö. cuneata — V. cun. Guss. Syn. et Herb.! Bert. Fl. it., Gr. 
Godr., W. Lge. Habituell ganz wie %., Zahl der Blattpaare, Hülsen 
und Samen ebenfalls identisch, nur die Gestalt der Blättchen weicht 
ab: die untersten sind kurz, verkehrtherzförmig, die obersten länger, 
linealkeilig, alle tief ausgerandet zweilappig, Stachelspitze länger bis 
kürzer, als die Lappen. — Im Gebiete wurden gefunden: «. unter 
Saaten bei Catania (Guss. Syn. et Herb.!, Herb. Tornab.!), in der 
Ebene des Simeto! £. in sandigen Giessbachbetten bei Catania (Co- 
sent. in Guss. Syn. et Herb.!), bei Acicastello (Herb. Reyer!), sehr 
gemein an Feldrändern und grasigen Stellen von Motta S. Anastasia 
gegen den Simeto hin! y.: Um Catania und auf Lavagründen links 
von der Strasse durch Ognina (Herb. Heyer!) gemein zwischen Laven 


323 


gegen Ognina und bis Acicastello, an Wegrändern und auf Lava- 
hügeln vom Meere nach Nicolosi und sogar in die Waldregion hinauf 
bis 4000° häufig! d.: um Catania und am Pantano di Lentini (Herb. 
Reyer!). März, April. ©. 

1399. V. lathyroides L. Guss. *Syn. et *Herb.! Von voriger, 
zumal der habituell sehr ähnlichen var. maculata verschieden durch 
meist kleineren Wuchs, 1—3paarige Blättchen mit fast durchaus 
einfachen Ranken, ganzrandige, halbpfeilförmige, ungefleckte Neben- 
blätter, winzige blaue Blüthen von Kelchlänge, höckerige, kugelig- 
würfelige Samen. — Auf sonnigen krautigen Abhängen und in lichten 
Wäldern bis 5000° häufig: Catania (Heldreich in Guss. Syn., Herb. 
Torn.!), Bronte (Guss. Syn.), Etnawälder, Bosco Maletto (Bivona in 
Herb. Guss.!), am Monte Po bei Pedara (Herb. Torn.!), Monti Rossi, 
Bosco di Malpasso 4000° (Herb. Reyer!), in den Wäldern oberhalb 
Nieolosi 3—5000'! auch Sardegna sammelte sie am Etna! var. b. 
glabrata Guss. Syn. add. (mit fast fusshohem Stengel und kahlen 
Blättchen) sammelte Tornabene im Lavasande um Nicolosi (Guss. 
Syn. et Herb.!). März, April. ©. 

1400. V. cassubica L. Bert. Fl. it., Guss. *Syn. et *Herb.! In 
Wäldern des Etna (Guss. Syn., Biv. in Herb. Guss.!), in Wäldern 
bei Milo und im Vallone di Milo, Catania Cosentini (Herb. Guss.!); 
die in Guss. Syn. erwähnte Varietät mit grauzottigen Stengeln und 
Blüthenstielen: Etna al Puntalasso, Contrada delle Giarre (Cosent. 
in Herb. Guss.!). Juni, Juli. %. 

1401. V. altissima Dsf. Fl. atl. IL, 163, W. Sp. pl. III, 1100, 
*Bert. Fl. it., Guss. *Syn. et *Herb.!, Gr. Godr. I, 465, polysperma 
Ten. Sehr hoch, ganz kahl, untere Blättchen 3—5paarig, elliptisch, 
obere 6—-9paarig, länglich, stachelspitzig; obere Nebenblätter fast 
eiförmig, ringsum borstig gezähnt, meist gewimpert; Blüthenstiele 
länger als die Blätter, ziemlich reichblüthig; die oberen Kelchzähne 
sehr kurz, die unteren fast von der Länge der Röhre, lanzettlich- 
linear; Blüthen 13—16 Mm. lang, weisslich, an der Spitze bläulich, 
reife Hülsen linear, über 4 Cm. lang, 6—7 Mm. breit, ziemlich 
kahl, 6—10samig. Von ambigua und deren Verwandten schon durch 
die Nebenblätter und Hülsen leicht unterscheidbar. An Zäunen und 
zwischen Berggesträuch: Am Etna in der 'Tarderia, um Randazzo 
(Guss. ]. e.!), um Milo (Bert., Guss. 1. e.!). Mai, Juni. 2%. 

1402. V. atropurpurea Dsf. Fl. atl., *Bert. Fl. it., Guss. Syn. 
et *Herb.! Ausgezeichnet durch ziemlich reichblüthige, langgestielte 
Trauben mit abstehenden bis hängenden, fast 15 Cm. langen, weiss- 
lichen, in der oberen Hälfte purpurschwarzen Blüthen und grossen, 
dicht seidig-zottigen Hülsen. Auf Wiesen und Saatfeldern Sieiliens 
nicht selten, auch im Gebiete: Aus Catania von Öosentini erhalten 
(Bert, Herb. Guss.!), an sandigen Stellen um Catania (Horb. 
Tornab.!). April, Mai. ©. 


(Fortsetzung folgt.) 


Tr 


324 


Literaturberichte. 

Steininger Hans: Beschreibung der europäischen Arten des Genus Pe« 
dicularis. Separat-Abdruck aus dem „Botanischen Centralblatt* Band 
XXVII/XXX. 1886/87. gr. 8 (72 S.). Cassel 1887. Druck von Friedr. 
Scheel. 

Wie der obige Titel sagt, bringt der Verf. eine Beschreibung 
der europäischen Pedicularis-Arten, welche er selbst nicht als eine 
eigentliche Monographie dieser Gattung angesehen wissen will. Er 
gruppirt die verschiedenen Species, bei welchen er zweckmässig nur 
die ganz gut unterscheidbaren Formen näher bespricht, nach den 
von C. J. Maximowicz in Diagn. plant. nov. asiat. II. 1887 auf- 
gestellten Untergattungen und Sectionen. Die letzteren erweitert er 
um zwei neue in dem Subgenus Anodontae Max., indem er die 
Section „Acaules* von „Sceptra Max.“ abtrennt und für die sehr 
eigenthümliche, unvermittelt dastehende Pedicularis limnogena Kerner 
eine eigene Gruppe „Limnogenea“ bildet. Abgesehen von den Ba- 
starden und Varietäten werden 47 Arten genau beschrieben (um 
5 mehr als Nyman im Conspeetus florae europaeae aufführt), ihre 
geographische Verbreitung und Höhenlage sorgfältig angegeben, und 
es wird ihre Synonymik entsprechend berücksichtigt. Zur leichteren 
Bestimmung der einzelnen Arten sind die zu einer Untergattung 
gehörigen nach ihren unterscheidenden Charakteren in analytischer 
Uebersicht zusammengestellt. Der Verf. hatte sich bei seiner Arbeit 
der Unterstützung namhafter Botaniker und insbesondere des ihm 
befreundeten Herrn Prof. A. Zimmeter zu erfreuen, von welchem 
Letzteren wir bekanntlich die schätzbare Monographie: „Die europ. 
Arten der Gattung Potentilla (Steyr) und den darauf sich stützenden 
„Schlüssel zur Bestimmung der deutschen, österr.-ungar. und Schweizer 
Potentilla-Arten“ (im Botaniker-Kalender 1887) besitzen. Es scheint 
nur ein erfreuliches Zeichen der Zeit, dass unsere Lehrer an Volks- 
und Bürgerschulen durch Arbeiten solcher Art mit denen ihrer 
deutschen Collegen zu wetteifern beginnen. Dr. A. Kornhuber. 


Zehnter Bericht des Botanischen Vereins in Landshut (Bayern) über die 

Vereinsjahre 1886—87. Landshut 1837. 

Dieser sehr thätige Verein in der alten bayerischen Universi- 
tätsstadt und dem dermaligen Hauptorte von Niederbayern, dessen 
Wirksamkeit wir bei der Besprechung des neunten Berichtes im 
letzten Jahrgange dieser Zeitschrift hervorgehoben haben, bringt im 
vorliegenden zehnten Bande seiner Publicationen neben den ge- 
schäftlichen die Vereinsangelegenheiten betreffenden Mittheilungen 
zwei wissenschaftliche Abhandlungen und einen Anhang. Die erstere 
derselben ist eine mykologische, von Herrn Andr. Allescher, 
nämlich die II. Abtheilung seines Verzeichnisses in Südbayern be- 
obachteter Pilze, welche die Gymnoasei (9 Arten) und die Pyreno- 
myceten (451 Arten) enthält, nebst einem Nachtrag zu den früher 
von ihm aufgezählten Basidiomyceten jenes Florengebietes von 78 
für letzteres neuen Arten, ferner mit einer beträchtlichen Anzahl 


N 


325 


neuer Standorte, in deren Auffindung er insbesondere von Freiherrn 
v. Lassberg und von Schnabl unterstützt wurde. Einige gut ent- 
wickelte Pilze, deren Unterbringung unter bisher beschriebene Arten 
dem Verfasser nicht gelang, sind kurz beschrieben, auf zwei Tafeln 
Abbildungen in ihren Fruchtformen erläutert und, soviel als möglich 
nach der Unterlage oder der Nährpflanze benannt, wie: Nectria 
Hippocastani, Lophiostoma minimum, Otthia Staphyleae, Cucurbi- 
taria Pruni avium und Pruni Mahaleb, Sphaerella Dipsaci, Mas- 
saria fagicola, Diaporthe Ligustri, Valsa salicicola, Crataegi, nemo- 
ralis, Rhamni, Laburni und quereicola und Oryptospora Quereus. 
Die andere Abhandlung, von August Loher, enthält eine Aufzählung 
der um Simbach am Inn wildwachsenden Phanerogamen (784 Arten) 
und Gefässkryptogamen (25 Arten). In dieselbe sind 18 in der Um- 
gebung des Bahnhofes aufgetretene Pflanzen, wie Rapistrum rugo- 
sum, Nasturtium austriacum, Turgenia, Aanthium spinosum, Plan- 
tago arenaria u. a. als eingeschleppt und noch unbeständig nicht 
aufgenommen, sondern gesondert aufgeführt. Erweitert wird diese 
Aufzählung noch durch einen Anhang, ein Verzeichniss von Pha- 
nerogamen, die in Simbachs Umgebung nicht, wohl aber zwischen 
dem Inn und der Salzach, namentlich um Heiming, sich finden und 
vom Herrn Dekan Lachamer beobachtet wurden. Da über jene 
Gegenden bisher keine floristischen Angaben vorlagen, so sind diese 
Beiträge ebenso schätzenswerth für die Erweiterung unserer Kennt- 
niss von der Verbreitung der Gewächse, als sie ein recht erfreuliches 
Zeugniss eines regen Vereinslebens bilden, an welchem Männer der 
verschiedensten Berufsrichtung, besonders Lehrer, Seelsorger, Aerzte 
u. Ss. w., eifrigen Antheil nehmen. Dr. A. Kornhuber. 


Monographie der Gattung Hedraeanthus. Von Dr. Richard von Wett- 
stein, Privatdocent an der k. k. Universität in Wien. Besonders abgedruckt 
aus den Denkschriften d. k. Akad. d. Wissensch. math.-naturw. lasse; 
LIII. Bd. II. Abth. gr. 4. 28 Seiten. Mit 4 Tafel und 1 Karte. Wien 1887. 
In Commission bei Carl Gerold’s Sohn. 

Nach einer eingehenden Erörterung der morphologischen Ver- 
hältnisse, sowie des anatomischen Baues der in Rede stehenden 
Gattung kommt der Verfasser auf die systematische Stellung der- 
selben zu sprechen. Da anfangs die hiehergehörigen Arten mit 
Campanula vereinigt, dann von De Candolle zu Wahlenbergia ge- 
stellt, jedoch von demselben Autor später als eine eigene Gattung 
abgetrennt, endlich in neuester Zeit von Bentham und Hooker 
wieder mit Wahlenbergia vereinigt wurde, so sind die Ausführungen 
des Verfassers, dass Hedraeanthus eine selbstständige Gattung bilde, 
von grossem Interesse. Ergaben schon die morphologischen und ana- 
tomischen Unterseliiede die Nothwendigkeit einer Trennung von den 
übrigen Campanulaceen-Gattungen, so ist Hedraeanthus schon durch 
die an der Spitze sich öffnende, schliesslich ganz offene Kapsel ver- 
schieden. Wenn auch die Unterschiede der Gattungen Hedraeanthus 
und Wahlenbergia hinsichtlich des differenten Fruchtbaues, des cha- 
rakteristischen kopfigen Blüthenstandes, der Blattstructur und -Stellung 


326 


an und für sich gering sind, so trägt doch ihre geographische Ver- 
breitung zur Charakterisirung der Gattungen bei. Wie aus der bei- 
gegebenen Karte ersichtlich, “finden sich die Mehrzahl der Arten aus 
dem Genus Hedraeanthus in einem geschlossenen Verbreitungsbezirke, 
dessen Centrum in Dalmatien und den benachbarten Theilen Bosniens 
und Croatiens gelegen ist, und das sich von dort über den südöst- 
lichen Theil Krains, über Istrien, Croatien, Serbien, das südwestliche 
Siebenbürgen, den Banat, Montenegro, Macedonien, Griechenland, 
Sieilien, Süd- und Mittelitalien erstreckt. Ausserhalb dieses Gebietes 
liegt nur eine Art H. Owerinianus Rupr., die der alpinen Region 
des Kaukasus eigen ist. Bei der Gattung Wahlenbergia sehen wir 
dagegen den Stamm in seiner Hauptmasse als einen tropisch-australen. 
Bei der nun folgenden Uebersicht der Arten der Gattung Hedraeanthus 
finden wir in Form eines analytischen Schlüssels in der I. Section: 
Uniflori vier Arten, nämlich HZ. Owerinianus Rupr., H. Pumilio 
Port., H. Dinaricus A. Kern. und H. serpyllifolius Vis. In der 
I. Seetion: Capitati sieben Arten, und zwar: H. Kitaibelii DC., 
H. Serbicus A. Kern, H. Dalmaticus DC., H. tenuifolius W. K., 
H. caricinus Schott., ig graminifolius L. und H. Oroaticus A. Kern. 
Jede dieser Arten ist mit den Synonymen, einer vollständigen Dia- 
gnose, der geographischen Verbreitung, Blüthezeit und Betrachtungen 
mit der am nächsten stehenden Art eingehend besprochen. Die hiezu 
von dem Autor entworfenen Zeichnungen veranschaulichen in ebenso 
klarer Weise die vorhergehenden Erläuterungen, wie denn überhaupt 
die Arbeit von dem Fleisse und dem tiefen Wissen dieses unermüd- 
lichen Forschers zeugt. 


Beiträge zur Flora von Horn. Von Augustin Bachinger, Gymnasial- 
Professor. Horn 1887. Verlag von F. Oesterreicher in Horn. 8. 37 Seiten. 


Von diesem in floristischer Beziehung verhältnissmässig wenig 
gekannten Gebiete Niederösterreichs gibt der Verfasser ein Verzeichniss 
nebst Standortsangaben und Blüthezeit jener phanerogamen Pflanzen, 
welche in der Umgebung von Horn im Umkreise von zwei bis drei 
Stunden entweder wildwachsend oder eultivirt vorkommen. Wenn 
auch, wie der Autor selbst zugibt, dadurch kein vollständiges Bild 
der Flora Horns geschaffen wurde, so bildet diese Schrift dennoch 
einen schätzenswerthen Beitrag zur Kenntniss unserer heimischen 
Flora. Die in Neilreich’s Flora von Niederösterreich für einige 
Standorte angegebenen Bezeichnungen sind durch neue, dem heutigen 
Gebrauche entsprechende Namen ersetzt. J. 


Burnat et Aug. Gremli. @enre Rosa, revision du Groupe des Orien- 
tales. Geneve et Bäle. H. Georg, libraire. — Edition 1887. gr. oct. VI. 
und 90 Seiten. 


Die durch ihre Arbeiten betreffend das Genus Rosa bestens 
bekannten Autoren erläutern in vorliegender Arbeit jene höchst 
interessante Gruppe von Formen, welche Crepin im Bulletin de la 


327 


Societe roy. d. bot. d. Belgique VIII. p. 258 (1869) grösstentheils 
unter dem Namen „Örientales“ zusammenfasste. Das Material aus 
ebenerwähnter Gruppe, welches den Verfassern zu Gebote stand, war 
ein ziemlich bedeutendes, so das Herbar Boissier, das Musealherbar 
zu Florenz, Herbarien Webb und Crepin ete. Nach einer Einleitung, 
worin sowohl der zu behandelnde Stoff ausführlich auseinandergesetzt, 
als auch die Anschauungsweise der Autoritäten betreffs einzelner For- 
men der Gruppe dargelegt und sachlich besprochen wird, gehen die Auto- 
ren zur Abhandlung der einzelnen Formen und Arten über. Zunächst 
werden die Formen behandelt, welche früher den Gruppen der Euru- 
biginosen und Sepiaceen zugezählt wurden, so Rosa asperrima Godet 
(Micrantbae), R. interjecta Bur. et Gremli nov. spec. syn. R. glutinosa 
Boiss. fl. Orient. II. p. 679 p. p. (Haussknecht Exsiec. Nr. 367) 
(Eurubiginosae); R. Seraphini Viv. (Sepiaceae), R. sicula Tratt. (Gra- 
veolentes), welche diessmal mit vollem Rechte von R. Seraphini 
Viv. gesondert wird mit den Varietäten «. veridica Christ. (subvariet.: 
ligustica Burn. et Gremli, subsessiliflora Bur. et Gr.), ß. Gussonei Bur. 
et Gr. (mit der? subvar. aemula Bur. et Gremli), die algerischen, 
marokkanischen, sowie die speeifisch orientalischen (griechischen 
und kleinasiatischen) Formen der R. sicula Tratt. Ungemein aus- 
führlich wird die R. Thureti Burn. et Gremli suppl. Ros. Alp. marit. 
p. 17 et 78 (R. calabrica var. ß. Thureti Burn. et Gr., R. glutinosa 
Gussone prod. fl. sie. I. p. 573 non Sibth. et Sm. R. glutinosa f. 
sicula Christ. in Flora 1877 p. 446) besprochen. Dieser folgen R. 
Strobliana Burn. et Gremli n. sp. (Eurubiginosae) (Syn. R. Her- 
manni Burn. et Gremli obs. Roses Ital. p. 30, R. nebrodensis Strobl 
exsice. fl. nebrod. 1874, Christ in Flora 1877 p. 447 non Gussone), 
R. Coqueberti Burn. et Gremli (R. sicula X glutinosa?) (Syn. R. 
rubiginosa ex herb. Gust. Coquebert de Montbret Nr. 1434 Aucher 
Eloy herb. d’Orient, Graecia Nr. 1434); R. Oeta Burn. et Gremli 
n. sp. (R. glutinosa X glauca vel Pouzini X glutinosa?). Es folgen 
ferner die eigentlichen Orientales und zwar zunächst: R. glutinosa 
Sibth. et Sm. fl. graec. prod. I. p. 348 (1806) non alior., als Synonyme 
werden dazu R. pustulosa Bert., R. Libanotica Boiss., R. poterüi- 
folia Schott et Kotschy, R. Dalmatica A. Kerner und R. Calabrica 
Huter. Porta et Rigo exsiec. zum Theil mit Unrecht eitirt; unter 
den Variationen der R. glutinosa Sibth. et Sm. wird A. pulverulenta 
M.aB. des kaukasischen Florengebietes erwähnt, diese ausgezeichnete 
Form würde wohl besser als Subspecies unter R. glutinosa ihren Platz 
finden, mit besserem Rechte als viele der vorerwähnten Subspecies. 
Die R. Tuchetica Boiss. fl. Orient. II. p. 673, wird entgegen der 
Ansicht Cr&pin’s ebenfalls mit vollstem Recht von A. glutinosa 
Sibt. et Sm. abgetrennt. Bei R. Heckeliana Tratt. Ros. monog. Il. 
p. 85 (1823) wäre zu erwähnen, dass die Autoren wohl, wie den 
Ausführungen zu entnehmen ist, keine Öriginalien vorliegen hatten, 
auch ist hier das wichtige Citat „AR. mollis Heckel“ vergessen. Als 
Varietäten werden dieser Species «. Parnassi (Sibth. et Sm.) syn. 
R. Heckeliana var. graeca Burn. et Grml.ms. Rt. Heckeliana f. semi- 


328 


haplodonta Borbäs prim. monog. hRos. hung. p. 499 (1880), ferner 
ß. atrichoclada Borbäs 1. e. p. 499 (1880) angereiht. Der R. Hecke- 
liana Tratt. zunächst werden R. derelicta Burm. et Gremli obs. 
Roses Ital. p.31, R. Guwiecardii Burn. et Gremli n. sp. (Heckeliana 
> glutinosa ?) Heldreich exsiec. Nr. 2681 (1852), R. Olympica 
Burn. et Gremli n. sp. (syn. A. pygmea var. Olympica Jos. Clementi, 
sertul. orient. Taurini 1855 p. 40, R. glutinosa ß. tomentella Boiss. 
fl. Orient. p. 679, R. orientalis var. b. Olympica Desegl. eat. rais. 
p. 109, 1876), R. Orphanidis Boiss et Reuter diagn. pl. orient. aus- 
führlich besprochen. Als letzte wird die R. orientalis Dupont mit 
den zwei Varietäten «. Oliveriana Seringe und ß. Balbisiana Seringe 
angeführt, welch’ letztere ich in der Bearbeitung der persischen Ro- 
sen der Pollack’schen Expedition ausführlich auseinandersetzte. Was 
die Sichtung des Materiales betrifft, so ist dieselbe überall eine klare 
und gründliche, die Synonymik, Diagnose, geographische Verbreitung 
und die kritischen Besprechungen sind ausführlich und präcis und 
in einer Art gehalten, welche nur durch gründliches Studium 
ermöglicht wird. Es liessen sich wohl noch zahlreiche Bemerkungen 
über die nach Ansicht des Referenten hie und da nicht ganz rich- 
tige Auffassungsweise und Abgrenzung der einzelnen Formen anknüp- 
fen, im Allgemeinen jedoch ist vorliegender monographischer Versuch 
als durchaus gelungen und zum Studium dieser interessanten Gruppe 
als empfehlenswerth zu bezeichnen. Auch gestattet der knapp bemes- 
sene Raum eben kaum mehr als ein gedrängtes Inhaltsverzeichniss 
dieser ausführlicheren Arbeit zu liefern, da eine kritische Bespre- 
chung wohl als eine selbstständige Arbeit nicht aber als Referat zu 
betrachten und aufzufassen wäre, Braun. 


Borbäs Vince: Nehäny füzbokor mäsodvirägzäsäröl (Ueber die zweite 
Blüthe einiger Weidenarten). Erdeszeti Lapok 1887, p. 233—238. 


Ref. zählt hier die Varietäten und Standorte der Salix rosma- 
rinifolia L. auf, welche ganz in die Tiefebene des Alfölds hinein- 
dringt. Die a) angustifolia Wulf. ist am meisten verbreitet (Nagy- 
Körös, Vesztö, Palics, Klein-Zell im Eisenburger Comitat ete.), die 
b) latifolia Neilr. oder 8. pratensis Host. (Räkos, Vesztö, auf dem 
„Sziladi läp“, Elöpatak, Plitvicaer Seen ist seltener, während die 
c) argyrotricha Borb., foliis utrinque argenteo-, sericeogue tomentosis, 
also der S. argentes Sm. im Formenkreise der nördlichen 8. repens 
L. entsprechend, aber von ihr durch schmälere und an der Spitze 
nicht zurückgekrümmte Blätter verschieden, am Räkos bei Pest, bei 
Palics und auf dem „Sziladi läp“') vorkommt. Alle drei Varietäten 
fand Ref. von Juli bis Mitte September in verschiedenen Jahren 
massenhaft zum zweitenmal blühen, und constatirte er auch reife 
Samen von der zweiten Blüthe (Puszta-Sz. Mihäly, Csepelinsel, 
7.—10. Sept. 1879). Diess ist auch die Ursache, wesshalb dieses 


') Ein schwingender Boden mit Zypnum durchwachsen. 


| 


329 


kleine sandbindende Sträuchlein an manchen Orten (Budapest, Palics) 
so massenhaft vorkommt. Ref. hat ferner auch S. aurita bei Osäkäny 
im Eisenburger Comitate Mitte August 1882 mit reichlichen zweiten 
Blüthen gesehen. Ferner ist die zweite Blüthe der S. amygdalina 
in der Form von S. semperjlorens Host. bekannt. Diese blüht und 
fructifieirt bei der Budapester Donau im ganzen Sommer und Herbste, 
aber auch die S. triandra L. (S. amygdalina b) concolor Koch) fand 
Ref. in Iräz bei Vesztö im August von 1877—1884 öfters in zweiter 
Blüthe. Ref. meint, dass die Vegetationszeit des Alfölds lang genug 
ist, um eine zweite Blüthe dieser Sträucher jährlich hervorzurufen. 


v. Borbäs. 


Bäumler J. A. Beiträge zur Cryptogamenflora des Pressburger Comi- 
tates. Sonderabdruck aus den Verhandlungen des Vereines für Natur- 
und Heilkunde zu Pressburg. Jahrg. 1887, 8°, 59 8. 


Wie aus der Einleitung der angezeigten Schrift zu entnehmen 
ist, so beabsichtigt der Verfasser die Ergebnisse seiner Forschungen 
in zwanglosen Aufsätzen niederzulegen, um dieselben als Bausteine 
zur Verfügung zu stellen, wenn sich in späterer Zeit ein Botaniker 
fände, der ein einheitliches Werk über die Cryptogamenflora dieses 
Gebietes schaffen würde. Nach einem kurzen Rückblick auf die Ent- 
wicklung der Pflanzenkunde im Pressburger Comitate, woraus die 
wenig erfreuliche Thatsache hervorgeht, dass im Verlaufe von fast 
hundert Jahren nur sechs Arbeiten vorhanden sind, die auch auf 
Cryptogamen Rücksicht nehmen — beginnt B. mit der Aufzählung 
der Pilze. Es werden die Sphaeropsideen (152 Arten), Melan- 
conieen (28), Hyphomyceten (103) und Ascomyceten (157), 
zum Abschlusse gebracht. Diese 440 Arten gehören 161 Gattungen 
an. In systematischer Beziehung ist Verfasser ganz Saccardo ge- 
folgt, sowohl was Nomenclatur, als auch Gruppirung anbelangt. 
Jeder Art ist auch die Seitenzahl beigesetzt worden, wo sie im 
„Sylloge Fungorum“ steht. Die Unterlage des Pilzes, der Fundort 
und die Jahreszeit ist genau angegeben; bei zahlreichen Arten Mass 
der Sporen und Sporenschläuche. Aufnahme sollen auch jene Pilze 
finden, welche in Lumnitzer’s Flora Posoniensis und Endlicher's 
Flora Pos. verzeichnet sind. Die Beobachtungen anderer Botaniker 
jedoch werden nur dann Berücksichtigung finden, wenn darüber B.'s 

erbarium Belege enthält. Die Aufstellung neuer Arten will Ver- 
fasser möglichst vermeiden und nur in wenigen Fällen mussten Be- 
schreibungen entworfen werden. Als neue Arten sind daher ausführ- 
lieh beschrieben: Phyllostieta Zahlbruckneri, Comarosporium Viburni, 
Septoria Holulyi, Uryptosporium lunulatum, Melanconium pallescens 
und Vertieillium Aphidis. — Phyllachora Campanulae Fuck. wird 
in das Sphaeropsideen-Genus Placosphaeria Sace. eingereiht und 
dieses Vorgehen eingehend begründet. Es freut uns aufrichtig, etwas 
Zusammenhängendes über die jedenfalls reiche Öryptogamenflora des 
Prossburger Comitates, sozusagen ein classischer Boden bezüglieh der 


390 


Botanik Ungarns, zu erfahren. Es möge daher noch der Wunsch 
beigefügt werden, dass die Fortsetzungen der „Beiträge“ möglichst 
rasch auf einander folgen. Vs. 


Die Rose. — Gymnasial-Schulprogramm des Cistereitenordens zu Stuhlweissen- 
burg für das Schuljahr 1886/87. Von Ferdinand Läjer. Seite 1-72. 
(Ungarisch.) 


In dieser theils populären, theils wissenschaftlichen Betrachtung 
der Gattung Rosa stellt Verfasser die seit ältesten Zeiten literarisch 
vorhandenen Angaben zusammen. Nach einer allgemeinen Einleitung, 
in welcher Verfasser auf Grund geschichtlicher Entwicklung auf die 
mehrfach geänderte Beziehung zwischen dem Menschen und der 
Pflanze hinweist, schildert er in historischer Reihenfolge all jene 
Motive, welche den Menschen mit den Vegetabilien in immer nähere 
Verbindung brachten. — Die einzelnen Abschnitte der Abhandlung 
umfassen: I. Die Schönheit der Rose. II. Die frühesten Nachweise 
der Rose auf Grund geschriebener Denkmäler und Sagen. III. Die 
Rose bei den Morgenländern. IV. Die Bedeutungen der Rose. V. Die 
Rose in den Gebräuchen der Völker. VI. Rosenwasser und Rosenöl. 
VI. Die Rose in der Heilkunde und im Aberglauben. VIII. Die 
geographische Verbreitung der Rosenarten und ihrer cultivirten 
Formen. IX. Namhafte Rosenexemplare. Rein botanischen Inhaltes 
ist bloss das VII. Capitel, wo unter Anderem erwähnt wird, dass 
Plinius nur 11 Hauptformen und 4 Unterformen unterschied. Erst 
im 16. Jahrhundert wurde dieser Gattung mehr Aufmerksamkeit 
geschenkt, besonders in der Zeitperiode, wo Matthioli und Taber- 
nämontanus botanisch thätig waren; welche in Deutschland allein 
8—10 Arten unterschieden. Später, in der Zeit Tournefort’s, im 
17. Jahrhundert kannten die Botaniker 25 Rosenarten, welche jedoch 
Linne bis auf 10 reducirte, indem er sagt: „die Rosenarten sind 
sehr schwer zu unterscheiden und zu charakterisiren, es scheint mir 
beinahe, als hätte die Natur mehrere Arten mit einander vermischt, 
oder — ihr Spiel treibend — aus einar Art die Zeit hindurch meh- 
rere neue erschaffen, daher ist es, dass wer nur wenige gesehen, 
dieselben viel besser zu unterscheiden weiss, als Jener, der weit mehr 
gesehen.“ Verfasser beschäftigt sich ferner in diesem Capitel mit 
der Abstammung der verschiedenen in Gärten der Cultur unter- 
worfenen Arten und Spielarten der Rose, kennzeichnet die zahlreichen 
in der rationellen Gärtnerei gebräuchlichen Methoden für Anpflanzung, 
Aeugelung, Pfropfen -— sowie das Vorgehen bei der Hybridisirung. 


K. Schilberszky. 


Simonkai, Dr. Lud. Enumeratio florae Transsilvanicae vaseulosae eri- 
tica. Ex mandatu societatis scientiarum naturalium regiae Hungaricae. 
Budapest 1886, XLIX u. 678 8. 8. 


Die botanische Kenntniss Siebenbürgens war nach dem Erscheinen 
von Fuss’ „Flora Transsylvaniae exeursoria“ und Schur’s „Enume- 


4 has 


331 


ratio plantarum Transsylvaniae* in ein Stadium der Zerfahrenheit 
gerathen, dass man an deren Bannung vollends zweifeln und ein 
‘ bedeutender Botaniker, wie V. von J anka in den beiden genannten 
Werken ein Sündenregister der siebenbürgischen Botaniker "erblicken 
musste. Von da ab haben sich die desolaten Verhältnisse insoferne 
gebessert, als eine Reihe kritischer Arten aufgeklärt worden, und 
blieb eine Revision der gesammten vorhandenen Angaben nach wie 
zuvor ein unabweisbares Postulat. Es war somit eine glückliche Wahl 
seitens der königl. ungarischen naturwissenschaftlichen Gesellschaft, 
als diese sich im Jahre 1880 unter Anderem auch für die vom Verf. 
damals projectirte Revision der siebenbürgischen Flora entschieden, 
und ihm eine Subvention, mit der Andere wenig oder gar nichts 
ausgerichtet hätten, gewährt hat. S. verkannte nicht den Ernst der 
übernommenen Aufgabe, und trachtete, derselben soweit es seine 
socialen und materiellen Verhältnisse gestatteten, gerecht zu werden. 
Das hohe königl. ung. Cultusministerium gewährte ihm zeitweise 
einen längeren Urlaub, während Dr. Th. von Ciesielski, Professor 
der Botanik in Lemberg, das dort befindliche Schur’sche Herbar 
fascikelweise zuschickte. So konnte er die Herbarien in Hermannstadt, 
Klausenburg, Budapest und Wien durchsehen, während Gönner und 
Freunde das Ihrige beitrugen, um die angestrebte Vollständiekeit 
zu erreichen. Nach der Einleitung folet die Uebersicht der auf Sieben- 
bürgens Flora bezüglichen Literatur, das erklärende Standortsver- 
zeichniss unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Benennungen, 
eine Charakteristik der siebenbürgischen Flora, darunter ein Vergleich 
mit der deutsch-österreichischen und streng ungarischen, während die 
endemischen Pflanzen Siebenbürgens zuletzt namhaft geworden. In 
dem nunmehr folgenden Theile gibt der Verf. eine kritische Auf- 
zählung der bisher bekannten Gefässpflanzen Siebenbürgens. Der Text 
ist, mit Ausnahme der kritischen Bemerkungen, ungarisch und für 
letztere auch lateinisch. Grosses Gewicht wurde auf die Nomenclatur 
und Synonymik gelegt, welche ganz modern gehalten sind. Ebenso 
fehlt es auch nicht an einer Reihe von neuen Arten, Varietäten und 
Bastarden, insgesammt 29, deren Namhaftmachung zu weit führen 
würde. Ein sorgfältig abgefasstes Synonymenregister bildet den Schluss. 
Das Werk verdient, weil eine längst gefühlte Lücke ausfüllend, die 
eingehendste Beachtung. Druck und Ausstattung sind gefällig, doch 
hätte eine grössere Abwechslung in der Wahl von Lettern den Worth 
des Ganzen noch mehr erhöht. Joseph Armin Knapp. 


—— 


Correspondenz. 


Mariaschein in Böhmen, am 24. Juli 1887. 


Im 5. Hefte der Oesterr. botan. Zeitschrift brachte Herr Prof. 
Voss eine Mittheilung über Doppelzwiebel. Solche Doppelzwiebel 
finden sich hier oft bei Tulipa silvestris; die in Grasgärten oder 


332 


richtiger auf Gartenwiesen häufig vorkommt, aber selten blüht. Beim 
Versetzen einiger Exemplare in den eben angelegten Schulgarten 
grub ich etwas tiefer und fand fast jedes Exemplar, wenigstens jedes 
zweite mit einer Doppelzwiebel (+ 10 Cm. von einander entfernt) 
versehen. Ausserdem hat ein hiesiger Zögling heuer ein zweiblüthiges 
Leucojum vernum gesammelt, dessen eine Blüthe normal, die andere 
abnormal mit 10 Staub- und 10 Perigonblättern versehen ist. 


J. Wiesbauer 8. J. 


» 


Prossnitz, am 5. August 1887. 


In der Umgebung von Wischau fand ich unter Anderem bei 
Drysic: Euphorbia virgata W. Kit., Hypochoeris maculata, Oro- 
banche epithymum DC., Verbascum phoeniceum, Thymus Marschallianus 
Willd., Salvia verticillata, Conringia orientalis Andrzej., Papaver 
rhoeas PB) strigosum Bönigh., Silene otites Smith, Linum flavum, 
austriacum, Rosa austriaca Crantz, complicata Gren., vinodora Kern, 
Obornyana Christ, hirta H. Braun, Lathyrus latifolius. Bei Pistovie: 
Potamogeton lucens, Avena tenuwis Mönch, Melica ciliata P) transsil- 
vanica Schur, Alisma plantago P) lanceolatum, Euphorbia polychroma 
Kerner, Hieracium cymosum, Inula conyza DC., Gallium elongatum 
Presl, Pulmonaria mollissima Kern., Geranium columbinum, Rubus 
plicatus Wh., candicans Wh., fossicola Holuby, caesius f., aquatica 
Wh., Rosa coriifolia Fries, Potentilla canescens Bess. Bei Ratie: 
Allium falax Schult., rotundum, Chenopodium polyspermum, Carduus 
crispus, Artemisia absinthium, Gallium boreale, Sinapis alba, Papa- 
ver argemonme, Geranium divaricatum Erh. Scleranthus perennis, Rosa 
glauca Vill, Pirus torminalis. Im Schlosspark daselbst an der Schloss- 
mauer wachsen zahlreich verwildert Centranthus ruber DC,, Antir- 
rhinum majus und Gypsophyla paniculata. Bemerkenswerth ist unter 
dem Cerchovna Hradech ein mächtiger Epheu, Hedera helix, mit 
armdickem Stamm und sehr grossen Blättern, die eine ganze Felsen- 
wand bedecken. W. Spitzner. 


Brünn, am 6. August 1887, 


Der Besuch der Polauer Gegend führte mich nach Schakwitz, 
Ich fand bei Schakwitz: Poa dura, Sagittaria sagittaefolia, Hydro- 
charis morsus ranae, Salvia silvestris, Reseda lutea, Silene otites, 
Caucalis daucoides, Chaerophyllum bulbosum, Spiraea filipendula. 


Dr. Formänek. 


Vesztö, 7. August 1887. 


.Johann v. Csatö schickte mir im Sommer 1886 aus Sieben- 
bürgen einen Juniperus, welcher zwar keine Früchte hatte, aber nach 
den Blättern ungefähr die Mitte zwischen J. Sabina und J. commu- 


ee 


u ZU U Du 


333 


nis hält, dem ersteren näher stehend, aber durch beträchtlich län- 
gere Nadeln sicher von ihm verschieden. Ich bestimmte diesen Juni- 
perus nach Boissier's Fl. orient. als J. foetidissima Willd., in wel- 
chem J. sabinoides Gris. als Syn. gezogen wird, und ich gratulirte 
dem glücklichen Entdecker, denn ich erfuhr von Pichler, dass Hof- 
rath v. Kerner diese Art in Croatien nachzusuchen ihm besonders 
empfahl; was wir aber am Velebit sammelten war nur J. Sabina. 
Den siebenbürgischen Juniperus beschrieb später Csat6ö in Magyar 
Növenytani Lapok (1886) X. pag. 145 als J. Kanitzü Cs. (J. Sabi- 
na > communis), zu Ehren des Prof. A. Kanitz, dem patriotischen 
Begründer der ungar. botanischen Zeitschrift. Nun lege ich auf meine 
erste Bestimmung nicht viel Gewicht, denn ich sah die Früchte die- 
ses Juniperus Kanitzöi nicht; andererseits versicherte mich aber Csat6, 
dass dieser Wachholder nach dem Vorkommen zwischen den ge- 
nannten Eltern, sowie nach den systematischen Merkmalen ein wah- 
rer Hybrid zu sein scheint, und so kann er von J. foetidissima ver- 
schieden sein. Nun überrascht uns Simonkai mit seiner neuen Enum. 
Florae (sie.!) Transsilv., wo pag. 597 J. Kanitzii ein J. Sabina L. 
wäre!, eine Pflanze, welche die halbe Länge der Blätter von J. com- 
munis besitzt! In dieser eitirten Arbeit finden wir aber zahlreiche 
Zusammenziehungen und Unrichtigkeiten, man soll nur Mentha oder 
Rosa vergleichen. So ist auch Typha Schuttleworthüi wt Janka, 
Rohrbach und Borbäs nur 7”. latifolia L.!, also weder die syste- 
matischen Merkmale, noch die viel frühere Blüthezeit wurden berück- 
sichtigt, obwohl ich diese Pflanze zwischen Ujszäsz und Nagy Käta 
in diesem Jahre schon am 31. Mai verblüht sah. Und dabei weiss 
man, dass die Vegetation des Tieflandes sich etwas später erweckt, 
als in Gebirgsgegenden. Dianthus Armeriastrum Wolfn. wäre auch 
nur D. Armeria, obwohl ich diese Nelke in 70 Exemplaren‘) im 
Baenitz herb. europ. von Nagy-Enyed, sowie auch Phleum serrula- 
tum von Szekelykö ausgab. Dianthus Ameriastrum ceultivirte Ker- 
ner in Innsbruck aus Samen, welche ich ihm von Petrozseny schickte 
und blieb die Pflanze constant. Sie hat jedenfalls mehr constantes 
Merkmal, als Tilia grandifolia und T. platyphyllos, welche Simon- 
kai specifisch trennen will. Auch muss ich gegen die Vereinigung 
meiner Lappula heteracantha (Led.) mit Echinospermum Lappula 


protestiren, denn Verf. hat meine Pflanze nicht gesehen. Rosa spi- 


nosissima und R. pimpinellifolia L., zwei schwache Formen, welche, 
wenigstens in Ungarn, nicht bestimmt verschieden sind, sind gr 
trennt angeführt; aber dafür werden zahlreiche sehr gute Arten der 
neuen Rhodologen, ohne dass sie Verf. geprüft oder gesehen hätte, 
dutzendweise zu einer heterogenen Art gezogen, doch Rosa spuria 
Pug. als R. Marisensis Simk. et Braun, R. dacica Borb. aber 
als R. barcensis als neue Arten angeführt. Aus einem Briefe von 
Freund Braun erfuhr ich jedoch, dass er auf die Mitautorschaft 
der R. Marisensis nicht besonders stolz ist. Galium flavicans Borb. 


*) 100 Exemplare liegen auch in Wien für die Flora exs. Austr-Hung. 
Oesterr. botan. Zeitschrift, 9. Heft 1887, 27 


334 


in Flor. com. Temes. 1884, (G. ochroleucum Kit., non Wolff.), 
über welche Art ich heuer in Oe. B. Z. berichtete, ist 1887 wiederum 
in @. Marisense Simk. umgetauft. Mit Inula hybrida ist aber 
pax nobis, denn Verf. bekennt jetzt nach den Erklärungen von Ösat6, 
Borbäs, Beck, Schiller, dass sie mit der österreichischen Z. ensi- 
folia > germanica exemplaribus indermediis conjungitur. Nun etwas 
über Quercus Csatdi, welche ich heuer in Oe. B. Z. besprach. Diese 
wäre nach Verf., in Erdesz. Lap. 1887, pag. 41 (5. März 1887) un- 
zweifelhaft eine Qu. Robur X lanuginosa und zwar der letzteren 
näher verwandt, 1. e. 415 (5. Juni 1887) ist Qu. Osatoi schon nur 
wahrscheinlich diese Combination, endlich in der eitirten neuen 
Enumeratio (5. August 1887) ist Qu. Osatoi Borb. — Qu. Streimü 
> sessiliflora! — Ich glaube, jedoch für diejenige Combination zu 
sein, welche ich 1. ce. erörterte. Rumex biformis Menyh. kann man 
ferner nicht beibehalten, denn es besteht schon ein älterer R. bifor- 
mis Lange! Unsere Pflanze werden wir also R. odontocarpus (Sän- 
dor) nennen. Diesen Namen habe ich aus dem Herbare der Buda- 
pester Universität in meiner Fl. Budap. 1879 als Synon. publieirt 
und nun freue ich mich, dass dieser Name in Anwendung gelangt, 
denn er rührt von einem sehr fleissigen und scharfsinnigen Beobach- 
ter her, der aber seine reichen Erfahrungen und kritischen Beschrei- 
bungen, welche im eitirten Herbare, auf den Etiquetten zu lesen 
sind, nicht herausgeben konnte. Ich habe diesem fast unbekannt 
hochverdienten Verewigten ein Epilobium Sandorii in meiner Be- 
schreibung der ungarischen Epilobium-Arten 1879 gewidmet, und 
gehört zu diesem Hybriden das neue E. biharicum Simk. 


v. Borbäs. 


Siedliska (Galiz.), am 9. August 1887. 


Nachstehende weitere Daten aus der galizischen Flora verdienen 
dahier hervorgehoben zu werden: Potentilla pallida Lehm. (P. recta 
Zimmet., an L.?) in Hotosko und im „Kaiserwäldchen“ b. Lemberg, 
durchaus identisch mit Lehmann’s mir vorliegenden Originalexem- 
plaren aus Deutschland; Pot. leopoliensis m. im „Kaiserwäldchen*“; 
Pot. leucopolitanoides m., ibidem; Pot. supererecta X reptans, in 
Pawiowa b. Sieniawa, unter den Stammeltern; Zappa minor X tomen- 
tosa, beim Polytechnicum in Lemberg unter den Stammeltern; Pul- 
monaria mollissima im Revier Lupa b. Sieniawa mit Agrimonia 
odorata und Hieracium boreale Fr. Br. Btocki. 


Personalnotizen. 


— Dr. S. Schwendener wurde zum Rector der Universität 
Berlin für das nächste Studienjahr gewählt. 


335 


— Dr. W. Pfeffer, Professor in Tübingen, ist zum 0.Profes- 
sor der Botanik und Director des botanischen Gartens der Universi- 
tät Leipzig ernannt worden. 


— Dr. Vincenz Kosteletzky, emer. Professor der Botanik und 
Director des botanischen Gartens an der Universität Prag, ist am 
18. August zu Dywitz bei Prag im 87. Lebensjahre gestorben. 


— Paul Conrath, Assistent an der deutschen Technik in 
Prag, hat eine Reise nach Transkaukasien unternommen. 


— H. Wawra v. Fernsee’s sehr gelungenes Porträt nebst 
einer biographischen Skizze desselben, verfasst von Dr. G. Beck, 
ist in der Wiener illustr. Gartenzeitung Nr. 8 erschienen. 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— K.k. zoologisch-botanische Gesellschaft. — In Er- 
gänzung des Berichtes (S. 298) über einen Vortrag von Dr. v. Wett- 
stein in der Monatsversammlung der zo0l.-botan. Gesellschaft am 
6. Juli, betreffend einige neue Funde im Bereiche der niederöster- 
reichischen Flora wäre noch nachträglich zu bemerken, dass das da- 
bei erwähnte Bunium Bulbocastanum vom Geisberge bei Rodaun, 
von welchem auch Exemplare den Anwesenden vorgezeigt wurden, 
von Professor Dr. A. Kornhuber am obigen Standorte im Juni 
d. J. in zahlreichen Exemplaren entdeckt und auch als solches er- 
kannt wurde. 


— Die 60. Versammlung deutscher Naturforscher und 
Aerzte findet vom 18. bis 24. d. M. in Wiesbaden statt. Als Ge- 
schäftsführer fungiren Dr. R. Fresenius, Geh. Hofrath und Profes- 
sor und Dr. A. Pagenstecher, Sanitätsrath; als Einführender in 
die botanische Section Apotheker Vigener in Biebrich und als deren 
Schriftführer Garteninspeetor Dr. Cavet. Die Geschäftsführung be- 
findet sich: Kapellenstrasse 11 in Wiesbaden. 


—— 


Sammlungen. 


— Das von Dr. A. Pokorny, Direetor des Leopoldst. Comm. 
Gymnasium, hinterlassene Herbarium wurde von dessen Witwe dem 
Unterrichtsministerium mit der besonderen Widmung für das pflan- 
zenphysiologische Institut der Wiener Universität zum Geschenke 

emacht. Obiges Herbarium ist eine der grössten Privatsammlungen 
esterreichs. 


—— je. 


330 


Botanischer Tauschverein in Wien. 


Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Dr. Kornhuber, mit 
Pflanzen aus Niederösterreich. — Von Herrn Pastor mit Pflanzen 
aus Böhmen. — Von Herrn Piceioli mit Pfilanzen aus Italien, 


Sendungen sind abgegangen an die Herren K. Strobl und 
v. Crespigny. 


Vorräthig: (B.) = Böhmen, (Bd.) = Baden, (Br.) = Berlin, 
(Cr.) = Croatien, (E.) = England, (I.) — Istrien, (M.) —= Mähren, 
NOe.) — Niederösterreich, (OOe.) = Oberösterreich, (P.) — Polen, 
(Rp) — Rheinprovinzen, (S.) = Salzburg, (Sl.) — Schlesien, (St.) 
— Steiermark, (T.) = Tirol, (U.) = Ungarn, (W.) —= Westfalen. 


Neotia Nidus avis (ODe. P.), Nepeta pannonica (U.), Neslia, 
paniculata (OOe. P.), Nigella arvensis (Br. NOe. P. U.), Nigritella 
angustifolia (NOe. T.), Nonnea pulla (Cr. U.), Nuphar luteum (W.), 
Nymphaea alba (W.), candida (B.), semiaperta (Sl.), Odontites Ko- 
chii (1.), Oenanthe erocata (E.), fistulosa (W.), Lachenalii (Bd. E.), 
Phellandrium (Rp.), Oenothera muricata (Br.), Omphalodes scorpioides 
(O0e. U.), Ononis Columnae (NOe.), repens (NOe. O0e.), Orchis 
coriophora (Br. St.), latifolia (OÖe.), maculata (NOe.), mascula Mr 
NOe.), militaris (NOe. OOe. Rp.), Morio (M. NOe. U.), Rivini (W.), 
sambucina (M. NOe. U.), speciosa (OOe.), Trraunsteineri (S.), ustu- 
lata (NOe. T.), variegata (NOe. ÖOe.), Origanum vulgare (U.), Or- 
laya grandijlora (NOe.), Ornithogalum nutans (NOe.), tenuifolium 
(B.), Ornithopus compressus (Calabrien), perpusillus (Pommern), 
Orobanche minor (Bd.), ramosa (P.), Rapum (Bd.). Orobus panno- 
nieus (NOe. U.), vernus (NOe.), versicolor (Cr.), Oryza sativa (1.), 
Östericum palustre (Br.), Ostirya carpinifolia (St.), Owalis Acetosella 
(NOe. OOe.), strieta (Cr. P. St.), Oxytropis pilosa (NOe. Rp.), Pae- 
onia tenuifolia (Siebenbürgen), Panicum Orus galli (B. U.), milia- 
ceum (B.), sanguinale (B.), Papaver alpinum (NOe.), Argemone (B. 
-NOe.), hybridum (E.), Rhoeas (NOe. P.), Parietaria difusa (W.), 
erecta (U.), Parnassia. palustris (Cr. Sl. U.), Passerina annua (NOe. 
P.), hirsuta (Italien), Pedicularis foliosa (OOe.), Jacguini (O0e.), 
incarnata (OOe.), palustris (NOe.), silvatica (M. OOe. P.), Peganum 
Harmala (U.), Peltaria alliacea (NOe.), Peplis Portula (P.), Petasites 
albus (Sl. U.), oficinalis (NOe. St.), Petrocallis pyrenaica (NOe.), 
Petroselinum sativum (Br.), segetum (E.), Peucedanum Chabraei 
(NOe.), Phaca australis (S.), frigida (NOe.), Phalaris arundinacea 
(B. P. St.), picta (Sl.). 


Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 


Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn. 
C. UVeberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. 


Oesterreichische 


Botanische Zeitschrift, 


Die österreichische : Exemplare 
botanische Zeitschrift Oroan die frei durch die Post be- 
erscheint > zogen werden sollen, sind 
den Ersten jeden Monats. fü blos bei der Redaction 
Man pränumerirtauf selbe a (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1) 
mit 8 fl. öst. W. zu pränumeriren, 


(16 R. Mark) Botanik und Botaniker. _ '" Wese ass 


ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt 


4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Pränumeration 
halbjä = PS c. na Sohn 
Inserate in Wien, 
die ganze Petitzeile 0. sowie alle übrigen 
15 kr. öst. W. N= 10. linie 
u _ _ _ . . _  ._ _.  ._ _. — — — _— 
XXXVII Jahrgang. WIEN. October 1887. 


INHALT. Ueber einige neue orientalische Pflanzenarten. Von Dr. L. Celakovsky.— Teratologie 
der Wallnuss. Von Dr. Borbäs. — Flora von Nord-Mähren. Von Dr. Formänek. — Hieracien. 


Von Schneider. — Tirol-Fahrt. Von Freyn. — Flora des Etna. Von Strobl. -— Literatur- 
berichte. — Correspondeuz. Von Formänek, Blocki, Simonkai, Schilberszky, Karo. — 
Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserate. 


Ueber einige neue orientalische Pflanzenarten. 
Von Dr. L. Öelakovsky. 


I. Gattung Cerastium L. 


Das Cerastium grandiflorum in Boiss. Fl. Orient. I. pag. 727 
kann schon der Beschreibung nach: „pilis retrorsis brevibus incanum 
vel ad folia glabratum“ mit der echten Pflanze Waldstein-Kitaibels 
nicht identisch sein. Denn die letztere ist durch einen weissen, wei- 
chen, feinen, kraus-langhaarigen, angedrückten oder unregelmässig 
abstehenden Filz aller krautigen und trockenhäutigen Theile ausge- 
zeichnet. Ich habe das €. grandiflorum W. K. nur aus Dalmatien 
und Croatien gesehen, kann daher nicht sagen, inwieweit die aus 
den südslavischen und griechischen Ländern (Montenegro, Hercego- 
wina, Bosnien, Serbien, Macedonien, Thessalien, Aetolien) angegebene 
Pflanze dazu gehört oder nicht gehört. Was aber die kleinasiatischen 
"Standorte betrifft, auf welche sich Boissier’s Bemerkung bezieht, 
dass sie nicht grau behaart Vnlgegrdh sondern nur etwas grau oder 
verkalilt (canescentes vel glabratae) sind, so ist mir wahrscheinlich, 
dass sie wohl alle oder zum Theil nicht zum echten ©. ke 
forum gehören werden'), wofür die noch folgenden Beobachtungen 
sprechen. 


') Die kaukasische Pflanze ist wohl echt, nach der Beschreibung Lede- 
our’s und nach Boissier's Bemerkung: planta macedonica et caucasica in- 
ae sunt. ’ 
Ossterr. botan. Zeitschrift. 10, Heft 1887, 28 


338 


(©. brachyodon n. sp.) Dass Boissier seinerzeit sehr verschie- 
dene Pflanzen als ©. grandiflorum determinirt hat, bezeugt eine mir 
vorliegende Scheda zu einer Kotschy’schen Pflanze vom Berge 
Bimgöll in Armenien („in nudis arenosis versus jugum summum montis 
Bimgöll alt. 8000 ped. 23. August 1858 n. 524“). In der Fl. Orient. 
wird die N. 524 der Kotschy’schen Exsiccaten unter ©. grandiflo- 
rum nieht mehr eitirt, sondern unter ©. gnaphaloides Fenzl, obwohl 
mit einem etwas anders lJautenden Standort; in Armenia merid. prope 
Bitlis. Die bei der Scheda 524 als €. grandiflorum liegende Pflanze 
hat nun mit der Waldstein-Kitaibel’schen Art gar keine Aehnlichkeit, 
aber auch vom ©. gnaphalioides Fenzl (Kotschy, vom Bulgar Dagh 
im Taurus, 8—9000°, determ. Fenzl!), dem sie freilich schon viel 
ähnlicher sieht, ist sie deutlich verschieden. Das ©. gnaphalioides ist 
durch eine dichte Wollbekleidung aus langen weichen Haaren, beson- 
ders auf den jüngeren Blättern, am Blattgrunde, auf den Kelchen, 
durch länglich-ovale oder spatelförmige, hellgrüne, getrocknet gelb- 
lich werdende Blätter und durch einen ganz ungewöhnlich breiten, 
resp. am Ende der Bracteen und Kelchblätter langen scariösen Rand 
dieser Theile ausgezeichnet.') Die Pflanze von Bimgöll hat ein 
lockeres, viel kürzeres, wenig auffälliges Wollhaar, lineal-längliche, 
dunkelgrüne, derbere Blätter, wenigstens um ein Drittel kleinere 
Kelche, minder breiten Hautrand der Kelch- und Deckblätter, die 
Kapsel spaltet bei beiden Pflanzen mit ziemlich breiten, flachen, 
kaum umgerollten Zähnen, doch sind diese Zähne bei der Bimgöll- 
Pflanze nur doppelt so lang als breit und die kleinere Kapsel selbst 
zur Spitze kegelförmig verschmälert, beim ©. gnaphalioides aber sind 
die Kapselzähne dreimal länger als breit und die breitere Kapsel zur 
Spitze wenig schmäler. Habituell sieht die Bimgöllpflanze einem (©. 
arvense recht ähnlich, von dem es sich aber durch die nicht umge- 
rollten Kapselzähne und die weiche, drüsenlose Behaarung sogleich 
unterscheidet. Ich glaube nicht, dass man die Form des Bimgöll noch 
zum ©. gnaphalioides bringen kann und bezeichne sie als ©. brachyo- 
don (mit Bezug auf die kurzen Zähne der Kapsel). 


(©. adenotrichum n. sp.) Sintenis hat ferner von seiner Troja- 
nischen Reise (1883) ein Cerastium vom Berge Ida (in marmor. mon- 
tis Szu-Szus-Dagh, 20. Juli 1883, Nr. 609) mitgebracht, welches von 
P. Ascherson ebenfalls für ©. grandiflorum bestimmt und so ver- 


theilt worden ist. Der Wuchs, die schmalen linealen Blätter, die 


angeschwollenen Knoten der unteren Stengelglieder, die verlängerten 
1 bis 2 obersten Stengelglieder unterhalb der Inflorescenz erinnern 
allerdings an €. grandiflorum, die Kapsel springt auch mit 10 flachen, 
geraden, etwas abstehenden Zähnen auf, aber an eine Identität mit 


'‘) Nyman führt das ©. gnaphalioides mit kleiner Schrift nach ©. to- 
mentosum, also als Subspecies dieses letzteren an, mit der Standortsangabe 
Montenegro. Von C. tomentosum aber ist die Fenzl’sche Art, die Boissier 
nur aus Kleinasien angibt, gewiss verschieden, somit muss das „CO. gnapha- 
lioides“ von Montenegro auf einer falschen Bestimmung beruhen. 


339 


diesem, sei es auch als eine besondere Varietät desselben, ist doch 
nicht zu denken. Die auffälligste Verschiedenheit besteht in der ganz 
anders gearteten Behaarung. Die Bestimmung der Trojaner Pflanze 
als C. grandiflorum erklärt sich nur, wenn man den Umstand berück- 
sichtigt, dass die Behaarung des ©. grandiflorum gemeiniglich für 
sehr veränderlich gehalten wird (daher auch ©. banaticum Heuff. für 
eine Varietät dieser Art angesehen worden, worüber später), während 
sie in Wahrheit ganz constant ist und nur insoferne wandelbar zu 
sein scheint, als an älteren Basaltheilen des Stengels der Filz, der 
überhaupt leicht abkratzbar ist, sich öfter zuletzt verliert. Bei der 
Trojaner Pflanze ist aber nirgends eine Spur von dem Filze des ©. 
grandiflorum vorhanden, vielmehr ist die ganze Pflanze auf Stengeln, 
Blättern, Blüthenstielen, Bracteen und Kelchen mit sehr feinen, 
kurzen, horizontal abstehenden, auf den Axentheilen ganz dichten, 
auf Blättern und Kelchen weniger dicht stehenden Drüsenhaaren be- 
setzt, daher ich die Art, welche offenbar neu ist, Cerastium adeno- 
trichum benenne. Drüsenlose Haare fehlen fast ganz, nur am Stengel- 
grunde, wo die Drüsenhaare nicht oder nur spärlich auftreten, findet 
man etwas steifere und ein wenig längere, doch zerstreute drüsenlose 
Haare. In Folge der kleinen reichlichen Drüsenhaare ist die ganze 
Pflanze sehr klebrig, daher man ihr kleine Erdkrümchen und Sandkörn- 
chen anhaften findet. Schon durch diese ganz verschiedene Behaarung 
wäre das ©. adenotrichum vom ©. grandiflorum genugsam verschieden. 
Es gibt aber ausserdem noch eine Reihe anderer Verschiedenheiten. 
Die Blätter sind nicht so lang (die längsten nur 3'/, Cm.) als beim €. 
grandiflorum (hier bis 5 Cm. lang), die oberen lineallanzettlich, über 
der Basis am breitesten und dann zum Grunde zugeschweift ver- 
schmälert. Beim ©. grandiflorum sind auch die obersten Blätter am 
Grunde gleich breit oder noch etwas breiter. Der Blüthenstand der 
Trojaner Pflanze ist armblüthiger, meist nur eine 2—3blüthige, fast 
doldenartige Cyme, die 1—2 seitlichen Blüthen nicht oder wenig 
länger gestielt als die Mittelblüthe und ihr Stiel selten aus der Achsel 
eines seiner Vorblätter eine kurzgestielte Blüthe dritten Grades 
tragend. Beim €. grandiflorum sind die Cymen öfter bis 10- und 
mehrblüthig, die Seitenzweige 1. und 2. Grades verlängert und wieder 
dichotomirend. Die Blüthen des ©. adenotrichum sind kleiner als die 
des €. grandiflorum, sowohl die Kelche als auch die Blumenblätter, 
die, so viel die getrocknete Pflanze schliessen lässt, nur so gross wie 
beim ©. arvense zu sein scheinen. Die Kelchblätter und Bracteen 
besitzen einen breiten, grünen und vom weissen Hautrande scharf 
abgesetzten Mittelstreif, während sie beim ©. grandiflorum grössten- 
theils durchscheinend seariös sind und nur ein kleinerer Theil der 
pe, ohne sich vom Hautrande scharf abzugrenzen, grünlich gefärbt 
eint. 

(Cerastium banaticum Heuff.) Eine andere Art, die bisher 
eistens für eine Varietät des ©. grandiflorum gehalten worden, ist 

©. banaticum Heufl. (C. grandifl. ß. banaticum Rochel, ©, grandijl. 
. glabrum Koch). Doch bemerkt Nyman im en „species 


340 


distincetissima seenndum Janka“, scheint aber nicht recht davon über- 
zeugt zu sein, da er es trotzdem als Varietät des ©, grandijlorum 
verzeichnet. Ganz gewiss ist es eine von ©. grandiflorum verschiedene 
Art, ebenso wie das (©, adenotrichum. Wir besitzen sie im böhmischen 
Museumsherbar zweimal von Rochel selbst, einmal als ©, grandifl. 
b. banaticum Rochel sel. pl. banat. bezeichnet, von der Kolumbacser 
Höhle im Banat, dann mit der Scheda ©. sufruticosum Lamk? e ru- 
pestribus Banatus 1815. 

Die Behaarung dieses ©. banaticum ist nun wieder von jener 
des ©. grandiflorum wesentlich verschieden. Drüsenhaare fehlen zwar 
gänzlich, wie bei diesem, jedoch statt eines weichen gekrausten Filzes 
finden sich hier kürzere, steifere, nach rückwärts gekehrte Haare 
(Boissier’s „pilis retrorsis brevibus“ würde hier passen), und zwar 
ist der obere Theil des Stengels sammt den Blüthenstielen durch sie 
ringsum flaumig, an den untersten Stengelgliedern aber nur in zwei 
von den Commissuren der Blätter herablaufenden Streifen behaart. 
Die Kelche sind ebenso, aber mehr angedrückt, nur am Grunde etwas 
abstehend behaart.') Die Blätter sind gegen den Grund gewimpert, 
sonst kahl oder nur mit sehr zerstreuten Härchen, der Gestalt nach 
denen des ©. grandiflorum allerdings gleichend (auch an der Basis 
alle breiter), obwohl kürzer. Die Inflorescenz ist armblüthig, meist 
2—3blüthig, alle Blüthen ziemlich langgestielt, die Kelchblätter haben 
einen breiten grünen und scharf abgesetzten Mittelstreif, der mit ver- 
schmälerter Spitze in den minder breiten Hautrand auslauft. Die 
Pflanze ist in allen Theilen kleiner, dünnstengeliger als das ©. gran- 
diflorum. 

Aus Allem geht hervor, dass Rochel, dann Koch und A. das 
©. banaticum mit Unrecht für eine Abart des ©. grandiflorum ange- 
sehen haben. Gegenüber Jenen, welche vielleicht die Behaarungs- 
unterschiede, welche hier ganz besonders hervorstechen, für unwesent- 
lich erklären und sich auf die wirklich variable Behaarung anderer 
Cerastium-Arten, z. B. ©. arvense, brachypetalum u. s. w. berufen 
würden, ist soviel zu bemerken: Wenn Cerastium brachypetalum in 
der einen Form (dem ©. tauricum Spreng.) eine doppelte Behaarung 
besitzt, aus längeren drüsenlosen und kürzeren drüsentragenden Haaren 


bestehend, wenn die Menge der Drüsenhaare hiebei sehr varüirt und 


manchmal gering ist, so werden wir eine Form, der die Drüsenhaare 
ganz fehlen, ohne dass sonst die langen drüsenlosen Haare einen 
anderen Charakter besässen und ohne dass sonst wesentlichere Unter- 
schiede hinzukämen (das typische ©. brachypetalum Desportes), freilich 
für eine blosse drüsenlose Varietät derselben Art erklären müssen. 
Aber wenn die Haare mehrerer verwandter, aber auch sonst noch sich 
unterscheidender Pflanzen, wie hier das ©. grandiflorum, banaticum, 
adenotrichum, durchaus verschiedenen Bau besitzen, so liegt darin 


‘) Koch beschreibt die Behaarung mit den Worten: „kahl, Blüthenstiele 


krausflaumig und die Haare an der Basis der Blätter schlängelig, nicht steif“ 


nicht zutreffend. 


>41 


ebenso gut ein Ausdruck einer zur Zeit scharf contrastirenden (spe- 
eifischen) Verschiedenheit, wie etwa in der Blattform u. dgl. 
(Cerastium tomentosum L.) Noch eine Art findet man in den 
- Herbarien bisweilen mit dem €. grandiflorum verwechselt, nämlich 
das ©. tomentosum L., und das ist weniger zu verwundern, da dieses 
dieselbe filzige Behaarung besitzt wie jenes. So fand ich, um von 
anderen belanglosen Fällen zu schweigen, bei der Scheda: „C. gran- 
diflorum. Auf Felsen bei Carlopago. D. Schlosser Vukotinovic* ausspr 
einigen Stengeln der richtigen Pflanze auch 3 Stengel des ©. tomen- 
tosum beigemengt. Die Flora Croatica führt unter Cer. decalvans 
Schl. Vuk., welches sich vom ©. tomentosum nicht unterscheidet, nur 
den Berg Klek bei Ogulin an; der Standort bei Carlopago wäre also 
für tomentosum noch zu notiren. Die Art ist vom (©. grandiflorum 
leicht durch breitere, flache Blätter, kleinere Blüthen und viel schmäler 
scariöse Kelchblätter zu unterscheiden. 

(Cerastium dahuricum Fisch.) Von H. Krätky in Tiflis erhielt 
ich ein riesiges Cerastium aus dem Kaukasus, welches ohne Zweifel 
zum ©. dahurieum Fisch. gehört, jedoch eine eigene Varietät dar- 
stellt, die sich durch riesige Blüthen (Kelchblätter 15 Cm. lang) 
und durch eine dicht zottige Behaarung der oberen Stengelglieder 
und der Cymenzweige, auch durch stärkere Behaarung der oberen 
Blätter auszeichnet. Die Blüthenstiele aber sind wie sonst fast kahl, 
die (noch junge) Cyme sehr reichblüthig und gedrungenblüthig. Die 
normale Form (von Hohenacker in Unio itiner. ausgegeben mir vor- 
liegend) hat oberwärts kahle, unten zerstreut behaarte Stengel (daher: 
„glaucum, inferne saepe villosulum caeterum glabrum.“ Boiss. Fl. Or. 
und „nudiusculum Ledeb. Fl. ross.) und die Kelche nur 10 Mm. lang. 
Die Varietät mag als ß. hirsutum bezeichnet werden. 


——— 


Zur Teratologie der Wallnuss, 
Von Dr. Vincenz v. Borbäs. 


„Se ajtaja, se ablakja, Mögis negy 
kisaszony lakja® (Ungarisches 
Volksräthsel: Weder Thür noch 
Fenster, doch wohnen darin viel 
Fräulein). 


I. Wallnüsse in Vogelgestalt. — In dem er. (Közlöny) 
der kön. ungar. naturwissenschaftlichen Gesellschaft (Heft 158, 
anno 1882 p. 429) sind zwei Wallnusssamen abgebildet, welche ganz 
wunderbar Enten oder Hühnern täuschend ähnlich sind. Das Secre- 
tariat dieser Gesellschaft gab mir die Samen, nach welchen die 
Photographie der Abbildung gemacht wurde, zur Untersuchung und 
ich veröffentlichte l. ce. 477—78 darüber meine Meinung, welche 
auch in Erdeszeti Lapok 1883, p. 15960 reprodueirt wurde. 


342 


An drei Exemplaren dieser, einem sitzenden Vogel ähnlichen 
Kerne der Wallnüsse war nur je ein Cotyledon entwickelt, die 
Furchen desselben waren seichter, die Cotyledonen also nicht so 
runzelig, wie gewöhnlich. Der die beiden Cotyledonen in normalen 
Nüssen verbindende Theil war vorhanden, und entsprach dieser dem 
Kopfe des Vogels, während das um den Keim herumliegende Ge- 
webe den Schnabel darstellte, in welchem das äusserlich nicht sicht- 
bare Wurzelchen gleichsam die Zunge bildete. Dieser Schnabel ist 
bald von oben und unten, bald seitlich zusammengedrückt, bald ist 
er konisch, so dass er bald dem Schnabel der Ente, bald des Huhnes 
ähnlicher war. Den hinteren Theil des Vogelkopfes repräsentirt der 
Nabel des Samens. 

Die Vogelgestalt erscheint im sitzenden Zustande; Füsse fehlen, 
während die sich aufwärts krümmenden Kanten des einzigen Coty- 
ledons die Flügel darstellen. Dieses Cotyledon weicht von dem nor- 
malen Keimblatt dadurch ab, dass während die beiden einander zu- 
gekehrten Seiten des normalen Keimblattes so zu sagen flach sind, 
bei den drei Exemplaren dieser einsamenlappigen Wallnuss die zwei 
Seiten des einzigen Cotyledons sich in die Stelle des anderen fehlen- 
den Cotyledons, oder, wenn man sie sich in der Vogelgestalt vorstellt, 
beiderseits aufwärts krümmen und die Flügel bilden. Der Grund dieser 
interessanten Erscheinung ist also eigentlich nur das einzige Keimblatt, 
an welchem auch die Einbuchtung zwischen den beiden Zinken des 
normalen Cotyledons („die zwei Fräulein des Volksräthsels“) fehlt 
oder doch sehr klein bleibt. 

An einem vierten Kerne waren beide Cotyledonen vorhanden, 
allein ungleichseitig und ungleichförmig ausgebildet. Das eine war 
genug gross, aber ungelappt, das andere fast viermal kleiner. In 
diesem Falle kann man also die Vogelgestalt von Seite des ganzen 
Keimblattes sehen und die Flügel des Vogels sind hier ungleich, 
während bei den drei Exemplaren der einsamenlappigen Wallnuss 
nur ein halbes Cotyledon als im Flügel zu sehen ist, die beiden 
Flügel waren aber ziemlich symmetrisch. 

Diese vier Exemplare der Wallnuss in Vogelgestalt, wurden 
ohne Schale eingeschickt und so konnte ich mir damals die Ursache des 
Fehlens oder Verkümmerns des einen Keimblattes nicht recht erklären. 
Seither habe ich aber viele Wallnüsse näher untersucht, wo die 
Schalen schon äusserlich deformirt erschienen, und fand ich darin 
immer interessante und lehrreiche Verunstaltungen des Kernes. 

So sah ich z. B. eine Wallnuss aus zwei Schalen gebildet, aber 
die eine davon war ungefähr viermal kleiner und kürzer als die 
andere, ausserdem war sie zugespitzt, eiförmig, lanzettlich. Die ganze 
Frucht war also schon äusserlich schief, ja sogar war die Spitze der- 
selben etwas spitz und gekrümmt. 

Im Innern dieser Wallnuss fand ich den Kern mit zwei Samen- 
blättern, aber es war nur je die Hälfte von beiden neben einander 
entwickelt. Wenn man diesen Kern, welcher also zwei halbe Coty- 
ledonen hat, auf der verkümmerten Seite liegen lässt, so ist dieser 


BER) 


schiefe Kern ungefähr einer ruhenden Taube ähnlich, denn die zwei 
halben und grubigen Cotyledonen stellen die zwei Flügel der Taube 
dar, während die Spitze des Kernes, wo der Keim ruht, sich etwas 
 schnabelförmig krümmt und spitz endigt. 

Die Ursache dieser Bildung ist offenbar die Deformation der 
Schale. Die zwei halben Cotyledonen lagen in dem Innern der grös- 
seren, also viel geräumigeren Schale und haben zur Entwicklung ge- 
nügenden Raum gehabt, während die Seite der Wallnuss mit der 
kleineren Schale nicht sehr convex, sondern mehr flach war und hier 
also keinen genüsenden Raum zur Entwicklung der anderen Seiten 
der beiden Cotyledonen bot. Dabei hat sich die Spitze der Nuss mehr 
minder schnabelförmig entwickelt. 


I. Wallnuss mit halbirten Cotyledonen. Ferner habe 
ich eine Wallnuss gesehen, welche nur aus einer einzigen Schale be- 
stand; von einer zweiten Schale war keine Spur zu sehen. Diese 
Frucht hatte also nur eine Naht, und so war die Bildung dieser 
Schale jener der Amygdaleen ähnlicher. Auch diese Nuss war schief. 
An der Seite der Bauchnaht war sie mehr cylindrisch, die andere 
Seite aber mehr rundlich gewölbt, ohne erhabenen, der Bauchnaht 
entsprechenden Rückennerv. Auch konnte man sie nicht symmetrisch 
(zygomorph) nennen, wie eine Frucht der Amygdaleen oder Legu- 
minosen. 

Der Schale entsprechend war auch der Kern asymmetrisch. Auch 
hier entwickelte sich nur je eine Hälfte der zwei Cotyledonen und zwar 
in der geräumigen Rückenseite der einzigen Fruchtschale, während 
die Zinken der Samenlappen an der Seite der Bauchnaht unentwickelt 
blieben, Hier waren also auch zwei halbe Cotyledonen. 


II. Wallnuss mit anderthalb Cotyledonen. Eine Frucht 
war aus zwei Blättern (Schalen) gebildet, aber das eine war fünfmal 
kleiner als das andere. Oberflächlich gesehen, konnte man fast glauben, 
dass diese Nuss aus fünf Fruchtblättern entstanden ist. Es ist auf- 
fallend, dass trotz der areal grösseren Ausbreitung der einen Schale 
doch die ganze Nuss nicht sehr schief war. 

Dieser abnormen Entwicklung musste sich auch der wachsende 
Samen anpassen. Der eine Samenlappen ist schief, eine Seite des- 
selben ist ziemlich normal entwickelt, von der anderen Seite aber ist 
nur der untere Lappen vorhanden. 

Das andere Cotyledon ist einseitig entwickelt, also hat der ganze 
Kern kaum anderthalb Cotyledonen. Dieses halbe Cotyledon ist jetzt 
ungelappt, grösser als gewöhnlich, nur etwas schmäler als die beiden 
Zinken der normalen Nuss zusammen. Dieses halbe Cotyledon lag 
und entwickelte sich in dem geräumigeren Inneren der breiteren 
Schale, während an der Stelle des fehlenden Samenlappens die schiefe 
Seite der kleineren Schale sich befand und ihre geringe Convexität 
hinderte die Entwicklung des anderen Cotyledons. 
| Jene Kante, welche von dem Rücken des Cotyledons bis zu der 
e der Nuss (Keimling) geht, verbindet sich an der hemicoty- 


344 


ledonaren Seite mit dem kleineren Lappen des anderen grösseren 
Cotyledons. Die sonst abgeplattete Spitze des Kernes bildet jetzt eine 
einfache Falte und die Spitze wird einer dreiseitigen Pyramide ähn- 
licher, aber an der Seite der Falte bleibt eine Furche. Wenn man 
die kleinere Zinke des grösseren Cotyledons von der Seite sieht, 
könnte man sie oberflächlich auch zu dem halbirten Cotyledon rech- 
nen, wenn sonst die Structur des Kernes nicht dagegen spräche. 
(fr. Erdesz. Lap. 1884. p. 99—100.) 


IV. Dreisamenlappige Wallnuss (Juglans trieotylea). Ich 
habe auch eine dreischalige Wallnuss untersucht. Eine Schale war 
grösser und mehr convex als die zwei anderen einzeln und deswegen 
die ganze Frucht schief. Die Dreizahl wiederholte sich auch im In- 
nern dieser Nuss. Sie war im unteren Theile sechsfächerig, der Kern 
dreisamenlappig, er hatte also sechs Zinken und die Spitze des Samens 
bildete eine dreiseitige Pyramide. 

Der dreisamenlappige Kern war, wie die ganze Schale, schief. 
Die Zinken und die Bucht der zwei Cotyledonen war genügend gross, 
die Bucht aber des dritten Samenlappens im Raummangel ist so seicht 
geblieben, dass man ihn fast ungelappt nennen könnte. Auch die 
Zinken der zwei anderen Cotyledonen sind nicht gleichförmig in Folge 
der Deformation der Nussschale. 

Die ganze Nuss war zu hartschalig und fächerig, und so konnte 
ich den Kern nicht im Ganzen herausnehmen, sondern nur stück- 
weise, und dann habe ich ihn zusammengeklebt und so untersucht. 
Es ist erwähnenswerth, dass mit der Bildung der Frucht aus drei 
Blättern auch der Samenlappen dreizählig geworden ist und dass aus 
diesem Samen ein Keimling mit drei wirtelständigen Blättern ent- 
standen wäre. 

Die Verunstaltungen der Wallnuss sind aber fast unendlich. 
So habe ich Juglans trieotyles auch in einer Schale gefunden, welche 
sicher nur aus zwei Fruchtblättern entstanden ist. Drei Nähte auf 
der schiefen Frucht waren äusserlich bestimmt nicht zu finden. 

Eine der beiden Schalen ist ungefähr der fünfte Theil der an- 
deren und ist sie als lanzettförmiges Stück zwischen den beiden Rän- 
dern der grösseren Schale zu sehen. 

Zwei Cotyledonen der Juglans tricotylesa entwickelten sich im 
Innern der grösseren Schale, der dritte Samenlappen lag an der Seite 
der kleineren Schale, er blieb aber in Folge von Raummangel schiefer 
und kleiner als die zwei anderen. Die Tricotyledonie erkennt man 
> hier durch die dreiseitige Pyramide der Spitze des Kernes 
sofort. 

Auch das Innere dieser J. tricotylea ist erwähnenswerth. Dieses 
ist nämlich, obgleich die Frucht nur aus zwei Blättern gebildet wird, 
im unteren Theile sechsfächerig, also ist mit der Dreizahl der Samen- 
lappen auch der innere Theil der Wallnuss modificirt. 

Dass in zweischaligen Früchten der Wallnuss doch die Fächer 
vermehrt werden, erkläre ich daraus, dass der Fruchtknoten der 


345 


Wallnuss im Anfange nur einfächerig ist und die Fächer erst nach 
der Befruchtung entstehen'), und zwar in der Zahl der Zinken der 
jungen Frucht, also bei einer J. tricotylea sechszählig. 

Hier ist noch erwähnenswerth, dass das Centrum der sechs 
Fächer nicht im Centrum der Basis der Nuss liegt, wie in obiger 
dreischaligen und sechsfächerigen Wallnuss und gewöhnlich bei der 
zweischaligen und vierfächerigen Frucht, also nicht dort, wo man 
die Wallnuss mit dem Messer gewöhnlich zu öffnen pflegt, sondern 
es sind die sechs Fächer sammt ihrem Centrum auf eine Naht un- 
gsefäihr 6 Mm. lang hinaufgeschoben. Die Centralachse der sechs 
Fächer ist nämlich, in der Lage der kleineren Schale, in Folge des 
schiefen Wachsthums und ungleichen Druckes, in einer 6 Mm. langen 
Entfernung von der Basis, unter rechtem Winkel gebrochen, mit der 
Naht verwachsen und dadurch sind zugleich die Fächer von der 
Basis etwas höher gestellt worden. 


— 


Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des 
Hochgesenkes. 


Von Dr. Ed. Formänek, 


k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn, 


(Fortsetzung.) 


Hieracium pilosella L. Gemein, bei Blauda eine Pflanze mit zwei 
verwachsenen Blüthenköpfehen und am Gr. Hirschkamm nächst 
des Hirschbrunnens zwergige Exemplare mit kleinen Blüthen- 
körbchen, die derf. niveum J. Müll. Arg. zunächst stehen, var. 
nigrescens Fr. Saugraben, Petersteine. 

— auricula L. Verbreitet. Bei Ludwigsthal fand ich Exemplare 
ohne oberirdische Ausläufer und am Rothen Berge Pflanzen mit 
dunklen Köpfchen. 

— praealtum Koch. «. genuinum. Petersdorf, Zöptau, häufig bei 
Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Winkelsdorf, Reigersdorf, Pföhlwies, 
Sträu u. a. 0. bei B. Märzdorf, Nikles, Grumberg, Kl. Mohrau, 
Werdenberg; ß. Bauhinii Bess. Bradlsteine u.a.O., bei D. Liebau, 
Märzdorf. 

— piülosella < praealtum NIr. «. pseudobrachiatum Celak. Prodr, F. B. 
p. 787. D. Liebau, Geppersdorf, B. Märzdorf. 

— aurantiacum L. Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben. 

— pratense Tausch. Römerstadt. 

— alpinum L. f. holosericeum Backh. Horizontaler Weg von der 
Schäferei zum Franz. Jagdhaus, Saugraben; f. eaimium Backh. 
Gr. Hirschkamm, Schieferheide. 


*) Luerssen, Medic.-pharmac. Botanik IL, p. 504. — Eichler, 
Blüthendiagr. IL, 39. e 


346 


Hieracium nigritum Uechtr. Zwischen dem Altvater und der Schäferei, 


Saugraben. 

murorum L. £. microcephalum Uechtr. Stollenhau, Fichtenberg 
bei Geppersdorf, f. cinereum mihi. Blätter unterseits, besonders 
auf den Nerven, sammt dem Blattstiele und dem Stengel grau- 
filzig. Diese Form steht dem FM. einerascens Jord. nahe, ist 
jedoch durch die nicht ganzrandigen Blätter, die dunkel gefärb- 
ten Haare und die schwärzlichen Griffel von demselben ver- 
schieden. Kl. Mohrau. 

tridentatum Fr. Marschendorf, Wermsdorf (Oborny), Petersdorf, 
Zöptau, nicht selten bei Gr. Ullersdorf, Ohrenberg bei Buchels- 
dorf, Neudorf, Fichtberg bei Geppersdorf, Wüst-Seibersdorf, 
Kiesgraben, Perschl u. a. O. bei Römerstadt, Fichten bei Irms- 
dorf, Viehwald bei Bautsch, Odrau. 

prenanthoides Vill. «. bupleurifolium W. Gr. Saugraben, Bär- 
muttergraben, Gr. Hirschkamm. P. angustifolium Tausch. Hirsch- 
brunnen, Franz. Jagdhaus (Oborny), Kl. Seeberg, Bärenkamm, 
Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech!, Gr. Hirsch- 
kamm, Schieferheide, Backofensteine, Hörndlsteine bis auf den 
Hofberg. 

barbatum Tausch. Fr. Epier. Bradlsteine bei D. Liebau in Mäh- 
ren und als neuen Bürger für Schlesien fand ich diese schöne 
Art im Pohofer Wald bei Odrau, am Hirnich bei Neudörfl und 
in der Heide bei Werdenberg und sicher noch mehrfach, daher 
die von R.v. Uechtritz in den „Resultaten der Durchforschung 
der schlesischen Phanerogamenflora* vom Jahre 1885 ausge- 
sprochene Vermuthung, dass diese Art auch noch in Schlesien 
gefunden wird, durch diesen Standort ihre Bestätigung findet. 


boreale Fr. Wiesenberg, Marschendorf ete. (Panek), D. Liebau, 
Liebesdorf, Petersdorf, Rabenseifen, Philippsthal, Buchelsdorf, 
Neudorf, Reigersdorf, Geppersdorf, Pföhlwies, B. Märzdorf, 
Nikles, Römerstadt, Irmsdorf, Bautsch, Wigstadtl, gemein bei 
Odrau, Lautsch, Neudörfl, Werdenberg; ß. chlorocephalum Uechtr. 
Stollenhau, Wüst-Seibersdorf. — Bei Pföhlwies und am Hutberge 
bei Gr. Ullersdorf fand ich eine f. ramulosum mihi mit zahl- 
reichen Seitenästen, die bald über der Mitte entsprangen und 
von da an bis zum Gipfel des Stengels verliefen, bei manchen 
Exemplaren befanden sich auch in den Axeln der zwei bis drei 
unteren Blättern ähnliche Seitenäste, der Stengel ist dicht be- 
blättert, die Blätter in der Mittelaxe genähert. 

umbellatum L. Verbreitet, var. lactaris Bertol. Gr. Ullersdorf, 
ae, Römerstadt, Wigstadtl, var. coronopifolium Bernh. Bei 
Odrau. 


Mulgedium alpinum Cass. Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech. 
Sonchus uliginosus M.Bieb. Rudelsdorf, Ludwigsthal, Stollenhau, 


Kl. Mohrau. 


2. Ja A Zu Zu 


347 


Prenanthes purpurea L. Rabenseifen, Trausnitz, Gr. Ullersdorf, Bu- 
chelsdorf, Deutsch Märzdorf, Reigersdorf, Pföhlwies, Wald bei 
der Ruine Neuhaus, Blauda, Nikles, Altvaterwald, Grumberg, 
Goldenfluss, Kl. Mohrau, Wermsdorf, Kleppel, Janowitz, Römer- 
stadt, Bautsch, Wigstadtl. 

Hiypochoeris radicata L. D. Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Mar- 
schendorf, Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Beckengrund, Neudorf, 
Ludwigsthal, Geppersdorf, Pföhlwies, Grumberg, Goldenfluss, 
Kl. Mohrau, Krondörfi, Wermsdorf, Kleppel, Janowitz, Neufeld, 
Römerstadt, Irmsdorf, Bärn, Bautsch, Gundersdorf, Wigstadtl, 
Kl. Hermsdorf, Neudörfl, Odrau. 

— uniflora Vill. Schieferheide, Backofensteine ete. (Öborny). Hori- 
zontaler Weg von der Schäferei zum Franz. Jagdhaus, Saugra- 
ben, Bärmuttergraben, Gr. Hirschkamm. 


Leontodon opimus Koch. Horizontalweg von der Schäferei zum 
Franz. Jagdhaus, Saugraben. 
— autumnalis L. Noch am Berggeist. 
Tragopogon orientalis L. Bautsch, Wigstadtl, Odrau. 
Solidago alpestris W. Kit. Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben, 
Gr. Hirschkamm, Schieferheide bis fast auf den Hofberg. 
Inula conyza DC. Karlshöhe bei Gr. Ullersdorf, Kl. Hermsdorf, 
Lautsch, Neudörfl, Odrau, Pohor. 
— britannica L. Gemein, in höheren Lagen bei Römerstadt und 
Fichten bei Irmsdorf. 
— helenium L. Gr. Ullersdorf, Philippsthal, Altdorf. 


Bidens radiatus DC. Bautsch, Wigstadtl, Mankendorf bei Odrau. 

Anthemis tinctoria L. Bautsch, Wigstadtl, Neudörfl, Odrau, Pohor. 

Matricaria inodora L. Gemein, selbst noch bei Römerstadt. 

OUhrysanthemum leucanthemum L. Gr. Hirschkamm, Hirschbrunn; bei 
Grumberg fand ich ein Exemplar mit drei verwachsenen Blü- 
thenkörbehen. Var. hirsuta mihi. Blüthenköpfe grösser als beim 
Typus, über 4 Cm. im Durchmesser, selten darunter, Stengel- 
blätter breit, sammt diesem lang und zerstreut behaart, mittlere 
und untere Blätter mit herzförmiger Basis halbumfassend, eine 
schöne durch ihre Tracht auffallende und dem Anscheine nach 
nur auf trockene kurzgrasige Stellen gebirgiger Gegenden be- 
schränkte Form. Ich fand diese Varietät am Hirnich bei Neu- 
dörfl nächst Odrau, hierher werden höchst wahrscheinlich, mit 
Vorbehalt eines ferneren Studiums, die von mir in d. Z. 1884 
pag. 198, als die Var. foliosa (partim), Willk. Führer in die 
Fl. D. bezeichneten Formen vom Hluboky bei Wsetin und Ho- 
recky bei Frankstadt gehören. 

— parthenium Pers. An der Strasse, im Schlossparke und bei der 
Tess in Gr. Ullersdorf, Marschendorf, Buchelsdorf, D. Märzdorf 
(hier auf Gartenschutt), Wüst-Seibersdorf. 

— tanacetum Karsch, Gemein im b. G., selbst noch bei Werms- 
dorf, Woitzdorf, Kleppel und bei Braunseifen circa 800 M. 


348 


Achilles ptarmica L. Gr. Ullersdorf, Blauda und zwar auf Wiesen 
beim Angerwalde (Oborny), hier namentlich massenhaft in 
Eisenbahngräben nächst des Bahnhofes, Nikles, spärlich bei Rö- 
merstadt und Irmsdorf. 

— millefolium L. var. alpestris W. Gr. in Fick, Fl. v.S. p. 223. 
Altvater, Peterstein, Saugraben, Gr. Hirschkamm, Schieferheide, 
Backofensteine. 

Erigeron acris L. Kiesgraben. 

— canadensis L. Janowitz, Römerstadt. 

Arthemisia absinthium L. Cultivirt und verwildert bei Zöptau, so 
auf der Hohen Warte etc. 

Filago apieulata G. E. Smith. Werdenberg, Odrau. 

Gnaphalium norvegieum Gunner. Horizontaler Weg von der Schä- 
ferei zum Franz. Jacdhaus, Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech, 
Gr. Hirschkamm, Schieferheide. 

— dioieum L. D. Liebau, Gr. Ullersdorf, Reigersdorf, Geppersdorf, 
Blauda, Schlössel, Peterstein!, Gundersdorf, Bautsch. 


Doronicum austriacum Jacq. Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben, 
Franz. Jagdhaus, Gr. Hirschkamm. 

Senecio crispatus DC. «. rivularis Rehb. Saugraben, Berggeist. 

— Jacquinianus Rehb. (S.nemorensis L. «. genuinus Celak., Fiek 
etc.) Rother Berg, Uhustein, Leiterberg, typisch zwischen 
dem Altvater und der Schäferei und bei der Dämmbaude, 
Auerhahnbaude, Saugraben, Bärmuttergraben, Tessgrund, Franz. 
Jagdhaus, Kriech, Gr. Hirschkamm, Backofen- und Hörndlsteine, 
Hofberg, Hochwald bei Janowitz. 

Fuchsii Grel. Marschendorf, Gr. Ullersdorf (Oborny), Rabenseifen, 
Zöptau, Wiesenberg, Buchelsdorf, Neudorf, D. Märzdorf, Ludwigs- 
thal, Pföhlwies, Geppersdorf, Blauda, Nikles, Altvaterwald, 
Goldenfluss, Kl. Mohrau, Wermsdorf, Rother Berg, Keilig, Kies- 
graben, Berggeist, Braunseifen, Hochwald bei Janowitz, Römer- 
stadt, Bautsch, Klein Hermsdorf, Odrau. Var. salicifolius Wallr. 
Trausnitz bei Petersdorf, Gr. Ullersdorf. 


Petasites ofieinalis Muck. Gr. Ullersdorf, Neudorf, D. Märzdorf, 
Nikles, Kl.-Mohrau, Römerstadt. 

Homogıme alpina Cass. Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech und von 
da bis ins Merthathal bei Wermsdorf hinuntersteigend, Schiefer- 
heide, Hofberg, Berggeist bis auf den Röhrberg bei Kleppel. 

Adenostyles Alliariae Kern. Saugraben, Bärmuttergraben. 

Eupatorium cannabinum L. Grundwald bei Römerstadt, Wigstadtl, 
Klein Hermsdorf, Lautsch, Neudörfl, gemein bei Odrau. 

' Serratula tinctoria L. a. integrifolia Wallr. b. heterophylla Wallr. 
in Fiek. Fl. p. 243 a. et b. bei Wigstadtl. 

Lappa tomentosa Lamk. D. Liebau, Petersdorf, Ludwigsthal, B. 
Märzdorf, Nikles, Bautsch, Wigstadtl, Odrau. 

— minor DC. B. Märzdorf. 


349 


Centaurea jacea L. a. decipiens Thuil. sp. Petersdorf, Gr. Ullersdorf, 
Beckengrund, Ludwigsthal, Reigersdorf, Aspendorf, Janowitz, 
Römerstadt, Irmsdorf, Neudörfl, Odrau, b. pratensis Thuil. sp. 
Petersdorf, Neudorf, Buchelsdorf, Janowitz, Römerstadt, Gunders- 
dorf, Bautsch, Wigstadtl. 

Patpees pseudophrygia C. A. Meyer. Bautsch, Wigstadtl, Neudörfl, 

rau. 

— cyanus L. Noch bei Römerstadt. 

Carduus acanthoides L. Petersdorf, Gr. Ullersdorf, (Karlshöhe ete.), 
Blauda, B. Märzdorf, Gundersdorf, Bautsch, Kl. Hermsdorf, 
Lautsch, Odrau. 

— crispus L. Rabenseifen, Zöptau, Wermsdorf, Gr. Ullersdorf, 
Philippsthal, Reigersdorf, B. Märzdorf, Römerstadt, Wigstadtl, 
Kl. Hermsdorf. 

— personata Jaqu. Franz. Jagdhaus (OÖborny), Saugraben, Kriech, 
Wermsdorf, Kl. Mohrau, Irmsdorf! 

Cirsium palustre Scop. Gemein, var. opacum mihi. Pflanze kräftiger, 
Blätter breiter, die oberen länger, alle unterseits mattgrün. 
Angerwald bei Blauda. 

— canum Mönch. 1794. Werdenberg, Odrau. 

— rivulare Link. Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Beckengrund, D. März- 
dorf, Wüst-Seibersdorf, Nikles, Kl. Mohrau, Janowitz, Römer- 
stadt, Irmsdorf. 

— oleraceum Scop. Gemein, in höherer Lage am Berggeiste. 

Carlina vulgaris L. Var. nigrescens mihi. Petersdorf, Gr. Ullersdorf, 
Odrau. 

— acaulis L. D. Liebau, Janowitz, Römerstadt, Gr. Stoll, G@unders- 
dorf, Bautsch, Wigstadtl, Lautsch, Odrau. 

Dipsacus silvestris Huds. Schönau, Söhle. 

Trichera arvensis Schrad. a. integrifolia W. Gr. Karlshöhe und Kreuz- 
berg bei Gr. Ullersdorf, Beckengrund. Bei Geppersdorf fand ich 
ein Exemplar mit fehlenden Stengelblättern und einer Rosette 
von grundständigen Blättern, Hüllblätter sind breitlanzettlich, 
die äusseren überragen weit die Blüthen. 

— silvatica Schrad. Trausnitz bei Petersdorf, Gr. Ullersdorf, Reigers- 
dorf, Blauda, häufig bei Bautsch und Gundersdorf, Wigstadtl, 
häufig bei Odrau. 

Sueceisa pratensis Mönch. Häufig im b. G. 

Scabiosa lueida Vill. Am Gr. Hirschkamm, hier namentlich häufig 
am Hirschbrunnen und längs der Ufer des hier entspringenden 


Bächleins. 
— ochroleuca L. D. Liebau, Petersdorf, Gr. Ullersdorf, Blauda, 


Bautsch, Wigstadtl, Odrau. 


(Fortsetzung folgt.) 


— le — ı\ 


Mittheilungen über die Hieracien des Riesengebirges, 


Von Gustav Schneider. 


(Schluss.) 


4. Gruppe, Alpina Pseudo-Pulmonarea mihi. 


Stengel aufrecht, deutlich gestreift, wenig- (1—2) blättrig, 
hin- und hergebogen, vielköpfig bis nur einköpfig, einfach oder ästig, 
mit + gerade oder bogig aufsteigenden, an der Abzweigung durch 
ein Stengelblatt oder eine Bractee gestützten Aesten, resp. Kopf- 
stielen. Stengel nach oben fast kahl, nach unten mit kurzen, 
weisslichen, schwarzfüssigen Zottenhaaren 4 behaart. Oberhalb, bei 
den einköpfigen am Stengel, bei den mehrköpfisen an den Kopf- 
stielen + filzig von graulichen Sternhaaren, abwärts zerstreut flockig, 
gegen die Basis flockenlos. Kopfstiele, bei den einköpfigen der 
Öbertheil des Stengels (oft sehr dicht), drüsenhaarig. Blätter trüb 
bis lebhaft grün, selten etwas glaucescirend, dünnhäutig bis ziem- 
lich derb, rauhhaarig bis fast kahl. Grundblätter zur Blüthezeit, 
oft sehr zahlreich, vorhanden, deutlich in Blatt platte und 
einen meist sehr langen Stiel geschieden, eiförmig, stumpf- 
lich, am Grunde bis über die Mitte mit grossen, meist in eine 
sitzende Drüse endigenden stumpflichen oder spitzen Zähnen, auch 
wohl mit eingeschalteten, kleinen Zähnchen versehen (murorum-artig) 
oder breitlanzettlich, zugespitzt, fast am ganzen Rande mit ungleichen, 
tief eingeschnittenen, stets in eine + langgestielte Drüse endigen- 
den Zähnen gesägt gezähnt; (vulgatum-artig); selten ganzrandig nur 
mit einem Zahn oder wenigen Zähnen. Stengelblätter lanzettlich, 
gesägt gezähnt; nach oben, seltener auch in der unteren Stengel- 
hälfte, zuweilen durch schmallineale Bracteen vertreten. 

Kopfhüllen kurzzottig und borstig behaart mit reichlich 
eingemengten Drüsen. Hüllschuppen etwas breitlich; in den in- 
neren Reihen die äusseren kürzer als die inneren, entweder die äus- 
seren stumpflich, die inneren spitzlich oder alle gleich gestaltet; 
schwarzgrün bis tief schwarz, die innersten häufig blassgrün oder 
blassgrün (zuweilen weisslich) berandet. Ligularsaum + behaart 
oder kahl, Zähne sehr kurz und fein gewimpert. 

7. H. nigrescens Willd. (vergl. diese Zeitschrift pro 1886, 
pag. 24) würde nach Nägeli-Peter’scher Manier als ein alpinum- 
murorum zu bezeichnen sein. Scheint in den Ostsudeten zu fehlen; 
was ich als H. nigrescens vom Glatzer Schneeberg bisher gesehen 
habe, gehört zu H. ewimium Backh. 

8. H. glandulosodentatum Uechtr. Nach oben genannter Manier 
ein alpinum-vulgatum. Endemische, westsudetische Pflanze. 


5. Gruppe. Alpina Pseudo-Prenanthoidea mihi. 


Stengelaufrecht, hin- und hergebogen bis fast gerade aufrecht, stiel- 
rund, zuweilen undeutlich gestreift, viel- (4—8) blätterig, ein- 


ae, 


sol 


köpfig oder mehr- bis vielköpfig. Obertheil des Stengels bei den ein- 
köpfigen, bei den mehrköpfigen die Kopfstiele unterhalb des Kopfes 
von grauen Sternhaaren schwachfilzig bis reichflockig, dieht drüsen- 
haarig von langgestielten, meist grossen Drüsen und schwarz- 
borstig, weiter abwärts zerstreut flockig oder flockenlos; zottig be- 
haart oder kahl. Blätter dunkel- bis trübgrün, nicht selten bräunlich 
berandet, derb, seltener etwas dünnhäutig und weich (letzteres vor- 
zugsweise in tieferen Höhenlagen); rauhhaarig bis fast kahl. Grund- 
blätter zur Blüthezeit meist schon vertrocknet, selten 2—3, 
zuweilen mehrere in Nebenrosetten vorhanden. Stengelblätter 
meist halbstengel umfassend (prenanthoides-artig), selten nur 
mit breitem Grunde sitzend. Kopfhüllen + zottig und drüsig bekleidet. 
Hüllsehuppen breitlich, stumpf oder stumpflich; die äusseren dunkel- 
grün bis fast schwarz, die inneren zuweilen heller berandet oder 
ebenfalls dunkel. Ligularsaum fast kahl, Zähne mit sehr kurzen 
weissen Haaren spärlich bewimpert. Endemische westsudetische Arten. 

9. H. bohemiecum Fries (Vergl. diese Zeitschrift pro 1886, 
pag. 25). Nach Nägeli Peter als H. alpinum-prenanthoides zu be- 
zeichnen. 

10. H. peduneulare Tausch nee Naeg.-Pet. nec aliorum = MH. 
sudeticum Stbg. u. Fries. exp. = H. albinum Tausch non Fries. 

Dürfte nach Nägeli-Peter’scher Manier als ein Fritzei-bohemi- 
cum zu bezeichnen sein. 

Wenn man die ersten drei Gruppen der alpinen Aurellen in 
eine Abtheilung bringt, so sind die letzten beiden in eine zweite als 
Zwischenformen zu vereinigen. 


Ueber hybride Archieracien nächstens Näheres. 


Hieraeia Pulmonarea Fries Abth. Alpestria ejd. 
2. Gruppe. Alpestria spuria Uechtr. 


Hieracium Purkynei Celak. 

In den „Resultaten der bot. Durchforschung Böhmens 1884* 
pag. 8 hat Prof. Gelakov sky auf Grund von zwei getrockneten Exem- 
plaren, welche Cyrill Purkyn& 1884 an dem Kahlen Berge neben 
der Kesselkoppe sammelte, ein neues Hieracium unterschieden, wel- 
ches derselbe mit H. Wimmeri Uechtr. vergleicht. Ich kenne diese 
Pflanze bereits seit 1882 von der Kesselkoppe selbst und zwar von 
deren Südabhang gegen die Hofbauden. Sio ist jedenfalls sehr selten, 
denn ich habe auf meinen zahlreichen Excursionen bisher erst vier 
Individuen, darunter eine abweichende Form im vorigen Jahre go- 
funden. Uechtritz, dem ich bis auf die 1886 gefundene, diese 
Pflanzen sämmtlich vorgelegt und theilweise dedieirt habe, bemerkte 
auf der Etiqustte zu einem Exemplar, das ich fraglich als atratum 
(subnigrescens) Fr. bezeichnet hatte und welches sich noch in mei- 
nem Besitz befindet: „Nieht atratum, sondern zu einer der kleinen 


392 


Arten der Alpestria-Gruppe und höchst wahrscheinlich ein anor- 
males Individuum von ZH. psevdalbinum mit geringerer Zahl von 
Stengelblättern und reichlicherer Bekleidung der Blätter und Blatt- 
stiele.*“ Die Celakovsky’sche Diagnose bedarf in Betreff der Blüthen- 
farbe der Berichtigung. Die Färbung der ligulae ist bei der leben- 
den Pflanze — die (. allerdings nicht gesehen hat — goldgelb wie 
bei H. albinum Fr. und bekommt erst beim Trocknen den Stich 
ins Rothe, ganz ebenso, wie diess bei trocken eingesammelten und 
gut getrockneten H. Wimmeri, nigritum, ewimium, vulgatum alpestre 
etc. der Fall ist; auch ist die Blüthenfarbe von H. Wimmeri nicht 
viel heller, als bei 4. Purkynei, höchstens hell goldgelb, auf keinen 
Fall aber hellgelb zu nennen. Die von mir beobachteten Pflanzen 
hatten mit Ausnahme der abweichenden, im Jahre 1886 gesammel- 
ten Form, auf die ich noch zurückkommen werde, keineswegs kurz- 
gestielte Grundblätter. Bei den noch in meinem Herbarium befind- 
lichen Exemplaren sind die Blattstiele eben so lang oder fast eben 
so lang, wie die Blattplatte. (4, 8—5 zu 5 Cm.) 

Was nun die systematische Stellung dieser Pflanze betrifft, so 
ist sie zunächst nicht mit 4. Wimmeri Uechtr., sondern mit H. inte- 
grifolium Lange var. alpestre Uechtr. (= H. moravicum Freyn') = H. 
albinum des grossen Kessels im Altvatergebirge, Fiek. Fl. von Schles. 
non Fries) zu vergleichen, der sie durch die Gestalt und Bekleidung 
der Grundblätter, Form und Bekleidung des Blüthenstandes und der 
Blüthenköpfe, sowie durch die Gestalt des unteren Stengelblattes so 
nahe kommt, dass ich sie geradezu für identisch halten würde, wenn 
die ostsudetische Pflanze nicht in der Regel noch mindestens ein 
(gestieltes) Stengelblatt mehr besässe. Fehlt dieses, wie diess bei einem 
in meinem Besitz befindlichen Individuum der Fall ist, so kann die 
ostsudetische Pflanze nicht von der Celakovsky’schen unter- 
schieden werden, zumal die getrockneten Blüthen bei beiden dotter- 
gelb, Form und Bekleidung des Kopfstandes und der Kopfhüllen, 
mit Ausnahme der bei 7. moravicum etwas geringeren weisslichen 
Behaarung der Köpfe gleich sind. 

Um mir ein endgiltiges Urtheil erlauben zu können, ist das 
mir vorliegende Material zu gering (2 Purkynei, 8 moravicum) doch 
wollte ich an dieser Stelle auf die nahe Verwandtschaft dieser Pflanze 
aufmerksam machen, und stelle weitere Beobachtungen anheim. 

Was die oben erwähnte, im August 1886, an der Kesselkoppe 
nur in einem Individuum gefundene, abweichende Form anlangt, so 
fehlt bei ihr das untere, für die Celakovsky’schePflanze charak- 
teristische Stengelblatt, ferner zeigen von den 7 vorhandenen Grund- 
blättern, welche sämmtlich kürzer gestielt sind, als das Purkynei 
meines Herbars, zwei deutlich die Zahnung des H. murorum, das 
eine an der Blattbasis sogar rückwärts gerichtete Zähne. Im Uebrigen 
ähnelt diese Pflanze, der auch die weissen Haare an den Hüllschup- 


‚') Der Kürze wegen werde ich diesen Namen in den nachfolgenden 
Auseinandersetzungen gebrauchen. 


a u u TE A 


er u U 


399 


pen fehlen, so sehr dem FM. Purkımei Celak.. dass ich keinen An- 
stand nehme, sie für hybrid und zwar für ein 7. murorum x Pur- 
kımei zu halten. 

Vor Kurzem habe ich für meine Monographie der westsudeti- 
schen Hieracien die Abtheilung Alpestria spuria Uechtr. einer gründ- 
lichen Revision unterzogen, wobei mir neben den Notizen über bei 
den lebenden Pflanzen gemachte Beobachtungen über 200 Exsiccate 
zu Gebote standen. 


Bei dieser Gelegenheit habe ich nachstehende Verwandtschafts- 
reihen zusammengestellt, die ich jedoch keineswegs in phylogene- 
tischem Sinne aufzufassen bitte. 


H. albinum Fr. vermittelt den Anschluss an die Eualpestria 
Uechtr. und steht unter diesen dem ZH. Engleri habituell am näch- 
sten. FH. chlorocephalum schliesst die Reihe der Eualpestria gegen 
die alpinen Aurella, denen es sich in dem regelmässigen Bau der 
Hüllschuppen nähert, während es habituell den übrigen Arten der 
Abtheilung Eualpestria näher verwandt ist. Eine ähnliche Stellung 
nimmt übrigens das H. Bocconei Griseb. aus den Tyroler und 
Schweizer Alpen ein. 


Hieracia Sect. Alpestria spuria Uechtr. 


albinsm Fries non aliorum 


ze rt ze <a Te ee Ze 
coreonticum K. Knaf seudalbinum Uechtr. 
asperulum Freyn Wimmeri Uechtr. moravieum Freyn 
m v 
erythropodum Uechtr. Purkymei Celak. 


var. subintegrifo- 
lium G. Schnd. Wimmeri x muro- 
rum subcaesium 
Uechtr. Purkymei X muro- 
rum G. Schnd. 
erythropodum Uechtr. 
var. dentatum Freyn 


erythropodum x 
vulgatum UVechtr. murorum subcae- 
sium Fries 


zn 
prenanthoidesVill. vulgatum Fries murorum L. 


Wie aus vorstehender Darstellung zu ersehen, gehen die Al- 
pestria habituell nach drei Richtungen aus, einmal zu H. prenan- 
thoides Vill., dann zu H. murorum L. und zu A. vulgatum Fr. 
und verhalten sich hierin ganz ebenso wie die Alpina, von denen 
FH. bohemicum Fr. gegen H. prenanthoides Vill. H. glanduloso- 
dentatum Uechtr. gegen H. vulgatum Fr. und H. nigrescens Willd. 
gegen H. murorum L. habituelle Annäherung zeigen. 


Schmiedeberg, im Januar 1887. , 


Oesterr. botan. Zeitschrift. 10. Heft 1897, j 20 


Berichtigung. 


= Seite 238, Zeile 43 von unten soll nach „Blattachseln“* ein Punkt 
stehen. 

Seite 238, Zeile 4 von unten ist statt „Cannersdorf“ zu lesen „Cun- 
nersdorf“. 

Seite 274, Zeile 3 von-unten ist statt „pathulifolium‘ zu lesen „spa- 
thulifolium“. 

Seite 274, Zeile 2 von unten ist statt „chodopecum‘‘ zu lesen „rho- 
dopeum“. 


Meine dritte Tirol-Fahrt, ') 


Von J. Freyn. 


(Fortsetzung.) 


Am 4. August gab es denn zunächst Krieg. Ich beschwerte 
mich und wollte ein anderes Zimmer; die Wirthin vertröstete mich. 
Ich wanderte aber aus und zwar wollte ich entweder nach Sulden 
oder Franzenshöhe oder Sa. Maria übersiedeln, nur fort aus diesem, 
so unnachahmlich geleiteten Hause. Zuerst probirte ich es aber noch 
in Trafoi selbst, denn ich erinnerte mich an der „Schönen Aus- 
sicht“ vorüber gewandert zu sein. So stieg ich denn die fünfzig Me- 
ter tiefer, zu diesem Gasthause, das wenigstens den Vorzug hat, 
einen wirklich prächtigen Ausblick auf den Madatsch-Gletscher und 
die Trafoier Eiswand zu gewähren. Und siehe da, in der „Schönen 
Aussicht* traf ich es auch ganz gut und der Besitzer, sowie seine 
Leute waren sofort bestrebt, Rath zu schaffen. Da ich nie Schlaf- 
kameraden mag, musste ich mich zwar mit einem winzigen Käm- 
merchen begnügen, zum Pflanzentrocknen bekam ich aber ein leer- 
stehendes Bauernhaus mit gewaltisem, gemauerten Ofen. Das war 
mein Fall. Ich richtete mich sofort häuslich ein und betrieb die 
Geschichte nun im Grossen, d. h. mit künstlicher Trocknung des 
Papiers und der Pflanzen. Zwischen der „Schönen Aussicht“ und 
dem Bauernhause fand ich dabei in Gesellschaft von Hieracium tri- 
dentatum Fr. das echte H. lanceolatum Vill. Herr Artzt besuchte 
mich und zeigte sich sehr erfreut, dass ich es so gut getroffen hatte. 

Bei diesen günstigen Aspecten bummelte ich Nachmittags, nach 
beendetem Pflanzeneinlegen rasch noch zu den „Heiligen drei Brun- 
nen“; denn die dortseitige Thalwand ist Kalk, die hierseitige aller- 
hand Schiefergestein. Ich kann aber männiglich nur rathen, den 
Spaziergang bleiben zu lassen. Botanisch interessirte mich nur Eu- 
phrasia variabilis Freyn, die hier fast so tief herab geht, wie im 


!) Aus einem Briefe an E. Hackel zu Nutz und Frommen allen denen 
erzählt, die selbst heutzutage noch Lust haben einen botanischen Reisebericht 
zu lesen. 


309 


Nauderer-Thal, und Sibbaldia bei nur 1500 M. Seehöhe, also just 
1000 M. unter ihrem eigentlichen Terrain. Im Fichtenwald traf ich 


- guch auf Linnaea und auf den Geröllhalden wächst allenthalben 


my 


u a u 


Polemonium caeruleum L. — aber jenseits am Kalk gab es sehr 
wenig Interessantes. Die gewaltige Mure bei den „Heiligen drei Brun- 
nen“ ist bedeckt mit Silene glareosa Jord. und Trisetum disticho- 
phyllum P. B. nebst einzelner Poa distichophylla Gaud., bietet aber 
sonst gar nichts; auf der anderen Seite unter dem Ortler-Ferner 
wächst auf Kalkblöcken Poa minor L. und im dichten Ericetum Pi- 
rola media Sw. zahlreich und sehr grossblüthig (von der nordischen 
wahrscheinlich verschieden); sonst fehlen alle interessanten Pflanzen. 

Die „Heiligen drei Brunnen“ selbst machten mir einen be- 
fremdenden Eindruck, denn das Wasser entströmt dünnen Röhren, 
welche den Brüsten bunt bemalter Heiligen-Statuen eingesetzt sind; 
noch befremdeter war ich, als ich später im anstossenden Hypnetum 
die halbverfaulten Holzrohre liegen sah, welche das „Heiligs Wasser“ 
direet aus dem Sumpf den drei Statuen zuführten und somit auch 
der @läubigen-Schaar. Das Wasser schmeckt aber auch damach. Die 
Seenerie selbst ist unbedeutend, mag indessen ihren Reiz haben, wenn 
das vielleicht hundert Meter breite Thalbeet des Trafoier Baches 
voll Wasser ist und dieses felsblockkollernd dahin donnert. Diesen 
Anblick hatte ich nicht; ich sah nur die schneeweissen Geröllmas- 
sen von Kalk oder Dolomit und musste mir das grossartige Bild 
im Geiste selbst bilden. Zwei alte Damen, die ich im Wirthshause 
kennen gelernt hatte und die selbander reisten, störten mich in 
diesen meinen Betrachtungen nicht und ich liess sie auch bei ihrer 
Meinung, dass es hier unvergleichlich schön sei. 

Den Abend mit Dr. Wagner aus Königshütte und Frau, dann 
Ingenieur Artzt sehr angenehm zugebracht. Erstgenannter kommt 
von Bozen und hat Pflanzen mit, die er uns andern Tags früh mit 
grösster Bereitwilligkeit vorweist. Der Ofen im Bauernhaus arbeitet 
gut; am 5. August waren alle Pflanzen fertig getrocknet, mit Aus- 
nahme der Crassullaceen, die ich überhaupt noch gar nicht einge- 
legt hatte. Angenehme Bekanntschaft gemacht mit Professor Lud- 
wig aus Berlin und Her Metzener aus Düsseldorf, beide Land- 
schaftsmaler; dann mit Baron Priehl, einem sehr naturfreundlichen 
bayerischen Militär. 

Am 6. August schönes Wetter. Somit gilt es Achillea nana 
L. bei Franzenshöhe und Ranunculus parnassifolius L. vom Worm- 
ser Joch, endlich Dianthus neglectus Lois. und Braya pinnatifida 
Koch vom Braulio zu holen — lauter echte Centralalpen-, theil- 
weise sogar Westalpen-Arten, die hier ihre Ostgrenze erreichen (aus- 
genommen den Ranuneulus). Unterhalb Franzenshöhe, näher zum 
„Weissen Knott“ fand ich hübsche Hieracien, darunter HM. Boecconei 
Gris., H. Christi Arvet! (neu für Oesterreich), H. amplewicaule L., 
u. a. m. In Franzenshöhe vertiefte ich mich in den Anblick eines 
Panoramas der verschiedenen Ortler-Gletscher, welches Payer 
seinerzeit gezeichnet hat. Niemand wird die Treue des Bildes be- 

29* 


396 


zweifeln, es kann also als Document dafür gelten, in welch ausser- 
ordentlicher Weise die Gletscher in den wenigen Jahren zurück- 
gegangen sind. Die Differenz muss beim Madatsch-Ferner 200 M. 
betragen. Das war Alles sehr anregend und unterhaltend, die ge- 
suchte Achilles fand ich aber doch nicht, auch sonst nichts Bes- 
seres. Die Kalkalpen waren abgeweidet, oben hinauf lag Schnee; 
von der gegenüberliegenden Lehne nahm ich Gentiana Favrati Rit- 
ter., Polygala pseudoalpestris Gren. (neu für Oesterreich) und etliche 
gemeine Orchideen mit, um selbe nach einer von mir in Nauders 
durch Zufall entdeckten Methode zu trocknen; sie wurden auch ganz 
hübsch. 

Weiter hinauf fanden sich sehr interessante Semperviven; aus- 
ser den ziemlich zahlreichen S. Wulfenii Hoppe, S. arachnoideum 
L. und S. montanum L., namentlich auch alle drei hieraus mögli- 
chen Hybriden, welche wegen der gründlichen Verschiedenheit der 
Eltern alle sehr auffällig sind; die Combination arachnoideum x Wul- 
fenüi findet sich in zwei verschiedenen, die beiden anderen in Mittel- 
formen. Poa caesia Sm., P. laxa Hänke und viel Koeleria hirsuta Gaud. 
und Zuzula lutea DU. standen allenthalben, je nach dem Substrat. Es 
bringt einen eigenartigen Eindruck hervor, wenn man Trifolium alpi- 
num L., T. pallescens Schreb., Festuca violacea Vill., F. Halleri All., 
Sagina Linnaei Presl, Potentilla grandijlora L., Euphrasia minimaJeqg. 
etc. ete. im Strassengraben wachsen sieht — und so ist es an der 
Stilfser-Joch-Strasse. Ein kleiner Seitensprung zu dem Schneefeld, 
an dem ich die Kanonenkugel fand, lieferte zahlreiche Arenaria 
Marschlinsii Koch, und etwa in gleicher Höhe fand ich den meines 
Wissens bisher noch nicht beschriebenen Bastard Epilobium anagal- 
lidifolium X collinum. Am Joch selbst, ganz oben bei 2800 M. See- 
höhe, duftete es genau so, wie vor gewissen Einkehr-Wirthshäusern 
am flachen Lande. Pflanzen gab es keine, Schnee genug. Jenseits 
eines solchen Schneefeldes sah ich, etwas ober meinem Standorte 
zahlreiche und prachtvolle Owygraphis vulgaris, vom dunkelsten 
Purpur bis zum reinen Weiss in allen Farbenabstufungen prangen 
und in Riesen-Exemplaren. Als ich die hatte und auf der italieni- 
schen Seite hinunter wollte, zeigte es sich, dass die Schneewand 
einige Meter hoch gegen die Strasse abfalle — zurück wollte ich 
nicht, also machte ich es wie die Sehulbuben und rutschte pfeil- 
schnell hinab — zum Schrecken eines eben vorbeigehenden nord- 
deutschen Ehepaars. 

Vom Stilfser Joche aus geniesst man einen guten Ausblick 
auf den Ortler selbst, dessen Spitze von Trafoi aus nicht gesehen 
werden kann, sowie auf die höchste Gletscherwelt, die sich um die 
Hochgipfel des Monte Scarluzzo, die Geisterspitze etc. beiderseits der 
Reichsgrenze ausbreitet. An der anderen Thalwand nach der Tiroler 
Seite hin, liegt die Korspitze, von der grüne Matten und Geröll- 
halden, aber keine Gletscher herabziehen. Nach Süden und Westen 
spernt der Piz Umbrail alle Aussicht; er steht recht breitspurig als 
Wächter des Wormser Joches da, welches 200 M. tiefer als das 


357 


Stilfser Joch liest und aus dem Val Muranza im Canton Grau- 
bündten ins Valtellino in der Lombardei herüberführt. Abgesetzt 
sebarf, wie die Reichs-Grenzen, berühren sich an dieser Stelle auch 
die Grenzen dreier Sprachgebiete: deutsch, italienisch und romanisch, 
zwei aufstrebenden und sich ausbreitenden und einem, welches un- 
vermeidlichem Untergange entgegensieht. 

Unmittelbar am Wormser Joch, aber schon einige Schritte von der 
Schweizer Grenze entfernt, in Italien darin, liegt die Cantoniera Sa. 
Maria nell’ giogo di Stelvio, gewöhnlich kurzweg Sa. Maria geheissen, 
in 2500 M. das höchst gelegene ständig bewohnte Wohnhaus Eu- 
ropas. Es war zeitlich am Nachmittag als ich dort anlangte, und auf 
meine zusammengelesenen italienischen Brocken eine prompte deutsche 
Antwort bekam. Der Wirth hält mit Rücksicht auf die weit über- 
wiesende Mehrheit seiner Gäste eine deutsche Kellnerin. Das war 
erfreulich; der Wein auch gut, das Essen von dort üblicher Quali- 
tät und mir zu fett. Ich bestellte denn Nachtquartier und begab 
mich auf die Suche nach dem Ranunculus parnassifolius, der dort 
nahe am Posthause wachsen soll — leider umsonst. Primula oenen- 
sis Thom., Ranunculus plantagineus All., Gentiana ulpina Vill., 
Aretia alpina Lam. Eriophorum Scheuchzeri Hoppe, Euphrasia mi- 
nima Jeq., Carex curvula All., Hieracium glanduliferum Hoppe, 
Cerastium tripmmum Vill., Arabis caerulea Hänke waren meine Aus- 
beute, aber nicht der gesuchte Ranunkel. Curios ist der Pflanzen- 
wuchs auf einem nun aufgelassenen Theile der Stilfser-Jochstrasse: 
der aus allem möglichen Gestein bestehende Strassenschotter ist 
mit Alpenpflanzen bedeckt, unter denen Phyteuma paueiflorum L., 
Draba Wahlenbergii Hartm., ß. heterotricha Koch und Poa alpina 
L. durch Zahl ihrer Vertreter am hervorragendsten sind. Es war 
stockfinster als ich zurückkam. Zwei Norddeutsche, die zum ersten 
Male die Alpen besuchten, waren inzwischen eingetroffen und zeigten 
sich sehr erfreut, mit Jemandem deutsch und über die Alpen reden 
zu können. Ich ging jedoch bald schlafen, nicht ohne vorher noch 
mit Staunen gesehen zu haben, dass in diesem einsamen, weitentle- 
2 und höchst gelegenen Gehöfte, neben einem italienischen 

ocalblatte auch die „Revue Wagnerienne* aufliegt. 

Am anderen Morgen zeitlich galt es dem Piz-Umbrail, dessen 
zerschründete Dolomitwand mir schon gestern imponirt hatte, und die 
als Wahrzeichen der Gegend weithin sichtbar ist. Die Matten ober 
Sa. Maria fand ich aber alle abgeweidet und voll Vieh. Mühsam 
nur fand ich endlich den Dianthus „neglectus“, der aber nur D. 
glacialis Hke. ist, wie ja auch bereits vermuthet worden ist; die 
Braya fand ich insoferne sehr zahlreich, als ich muthmasse, dass 
selbe mit der dort allgemein verbreiteten grosswüchsigen Form von 
Cardamine resedifolia L. identisch ist. Von Achillea nana keine Spur. 
Ganz oben, etwa 2750 M. hoch, unmittelbar unter der noch 300 M. 
höheren, vollkommen pflanzenleeren Dolomitwand des Umbrail zieht 
sich eine Mulde hin, welche noch mit Schuee gefüllt war. An den 
schneefrei gewordenen Stellen fand ich indessen nicht viel Be- 


858 


sonderes; Draba Hoppeana Bud. stand sehr selten unter Formen 
von D.aizoides L., etlichen Saxifragen und Potentillen. Ich eilte des- 
halb wieder herunter, nahm auch hier Koeleria hirsuta Gaud., 
Luzula lutea DÖ. und Daphne striata Tratt. mit und wollte den 
Ranunculus parnassifolius auf der Seite gegen den Ortlerstock zu 
finden. Allein es gelang nicht, obwohl ich an den Lehnen des Monte 
Scarluzzo so hoch stieg, bis ewiger Schnee und Eis jeder Vegeta- 
tion den Weg versperrten und ausser kümmerlichen Moosen, Geum 
reptans L. sparsamer Oxygraphis und winziger Sawifraga Sequierii 
All. nichts mehr wuchs. Nun stöberte ich noch auf dem Plateau 
des Wormser Jochs herum, um das dort weit und breit allen Bo- 
den überziehende Potentilla-artige Ding blühend zu finden, das ich 
gestern unaufgeblüht nicht erkennen konnte. Und siehe da! Alchemilla 
pentaphyllea L. war's: wieder eine der centralalpinen Arten, u. zw. 
eine, von deren charakteristischem Ansehen man sich nach den 
Trockenexemplaren nicht die richtige Vorstellung macht. Meine Rie- 
senbüchse war aber nunmehr prall voll, keine Idee, „auch nur ein 
Bröserle* noch hineinzupressen — somit Geschwindschritt bis Trafei, 
woselbst am 8. und 9. die Pflanzen fertig getrocknet wurden. 

10. August. Achilles nana und Ranunculus parnassifolius ge- 
ben mir keine Ruh. Ich muss also nochmals nach Franzenshöhe, 
will dort die Hochlage der Kalklehne untersuchen und dann noch- 
mals aufs Wormser Joch. Diesmal machte ich mich vom „Weissen 
Knott* weg hinüber über den Bach zum Madatschferner und auf 
die Kalklehne. Das erste was ich fand war eine der seltensten Hy- 
briden: Achilles Krätiliana Brügg. (= atrata > moschata); dann 
kam ich auf Sawifraga Hosti; Tsch., Hieracium oxydon Fr., H. 
pseudoporrectum Christener = H. Neilreichii Beck, und endlich 
standen ober dem Wirthshause in Lehnen, die kürzlich schneefrei 
geworden waren, Carew mucronata All., Crepis Jacquinü Tsch., (. 
hyoseridifolia Tsch. (schöner als am Piz Umbrail), Papaver pyrenai- 
cum DC., Euphrasia alpina Lam. etc. herum, aber beileibe keine 
Achilles nana. Missmuthig gab ich sie auf und zog wieder über 
das Stilfser Joch nach Sa. Maria, wo ich schon zeitlich eintraf. Ich 
suchte nun an allen Bächen und am Wormser Joch nach dem Ra- 
nunkel, wieder vergebens. Noch missmuthiger machte ich mich noch- 
mals auf den Piz Umbrail hinauf, woselbst ich neulich Viola calca- 
rata L. sah, aber wenige mitnahm, weil sie in der Büchse ohnehin 
REHOLRL würde. Sie blieb aber schön und da wollte ich also mehr 

aben. 

Oben war es nun besser als vor vier Tagen. Viola calcarata 
L., Alsine biflora Whlbg. (also eine hochnordische für Italien neue 
Art), Oxytropis Halleri Bge., O. lapponica Gaud., Draba Johannis 
Host., D. Wahlenbergii Hartm., Gentiana tenella Rottb., Hieracium 
leucochlorum Arvet fanden sich nach und nach ein, Potentilla minima 
Hall. fil. erfüllte alle Vertiefungen und Sazxifraga oppositifolia L. 
überzog weites Felsenterrain mit dem wunderbaren Karmiproth ihrer 
grössten Blüthenpracht, hierin nur mit dem feurigsten Azurblau 


359 


der Viola calcarata und dem Schneeweiss des Cerastium lalifolium L. 
wetteifernd. 

Ein fast wie eine Messerschneide dastehender Rücken eines weit- 
hin sichtbaren weissen Gesteines lockte mich gegen den Sattel hin, 
der den Piz Umbrail mit dem Monte Braulio verbindet. Das weisse 
GesteinwarTalk und darauf stand neben Drabacarinthiaca Hoppe genug 
Achillea nana L. Nun war mir geholfen. Also noch geschwind hinauf auf 
den Umbrail-Grat (+ 3000 M.), den ich aber vollkommen pflanzen- 
leer, selbst ohne Kryptogamen fand, um die Aussicht bei sinkender 
Sonne zu betrachten. Gegen die Schweiz hinüber war sie prächtig, 
unabsehbar — leider schoben sich aber das Münsterthal ungeheure 
Wolkenmassen herunter, tief unter den Bergspitzen bleibend, aber 
das Thal selbst ganz erfüllend. Da hiess es nun rasch zurück, um 
noch vor Einhüllung der Uebersicht den Fusssteig zu finden, der 
etwa '/, Stunde vor dem oben erwähnten Talk-Rücken endet. Kaum 
hatte ich ihn aber erreicht, so zogen auch schon die ersten Wolken- 
fetzen das Val Tellino herauf und die Cantonniera stak schon im 
dichtesten Nebel, als ich dort eintraf. 

Von meinem Zimmer aus sah ich später dem wunderbaren 
Treiben der sich jagenden Wolkenfetzen zu. Bald strahlten Ebenen- 
Ferner und die Schneeflächen des Monte Scarluzzo vom Mondlicht 
übergossen klar herüber, bald jagten Wolkenschatten darüber hin, 
bald waren die Berge, bald die Cantonniera dick in Wolken gehüllt. 
Es war bezaubernd schön: mir bangte aber vor morgen, denn die 
italienische Post konnte nicht herauf, weil irgendwo ober Bormio 
die Strasse übermuhrt worden war und die österreichische Post aus 
gleicher Ursache nicht verkehrte. Wenn es regnete, war ich also 
eingesperrt. 

Es regnete aber nicht, sondern es war sonnig und sehr schön, 
als ich Früh die Nase zum Fenster heraussteckte. Unter diesen gün- 
stigen Umständen dachte ich den Ran. parnassifolius auf der Seite 
des Val Muranza, beziehentlich auf den Gehängen der Röthelspitze 
zu suchen — und machte mich schleunigst auf den Weg. Ich durch- 
eilte die nun schon viel freudigeren, von Saliw herbacea L. 
durchsetzten, aber leider auch schon mit Vieh besetzten Alche- 
milla-Matten östlich vom Wormser Joch, gewann den Rand der 
von der Röthelspitze herabziehenden Schneefelder, aber nicht den 
gesuchten Ranunkel. Dunkle, vollkommen vegetationsleere oder 
mit schwarzen Laubmoosen überzogene, ausgedehnte kiesige oder 
steinige Flächen waren mit zerstreuten Gruppen stets gleich- 
artigen Phanerogamen wie besprenkelt. Da deckte den blanken 
Kiesboden die rosenfarbene Aretia alpina, dort standen hunderte von 
schneeweissen Androsace obtusifolia All. beisammen, hier drängten 
sich die violetten Glocken von Soldanella pusilla Bgt. als Nach- 
barn kleiner Polster von Sawifraga androsacea L. Ueberall dazwi- 
schen, bald einzeln, bald in Gruppen, aber immer in dem triefend 
nassen Kiesboden oder an den Ufern der Gerinnsel stand schneeweiss, 
zart rosa, dunkelroth bis dunkelpurpur die prächtige Oxygraphis mit 


360 


ihren rostfarben-filzigen Kelchblättern — oder steckte Carew curvula 
AN. vorsichtig die ersten gelben Antheren zwischen den dunkelgrü- 
nen, steifen, sichelförmigen Blattbüscheln hervor. 

So übertraf sich denn die Natur selbst in dieser Hochlage 
und zauberte noch am Ausklange des Pflanzenlebens jenes wunder- 
bare Bild von jungfräulicher Frische und Zartheit hervor, welches 
hundertmal gesehen, uns immer wieder ergreift und einen Augen- 
blick die Schattenseiten des Lebens vergessen macht. 

Im Eifer des Suchens hatte ich mich aber wieder einmal nicht um 
das Wetter gekümmert, und als ich mich zufällig umsah, schob sich 
ein dicker, weisser Wolkendamm das Val Muranza herauf und hatte 
mich bereits erwischt, ehe ich trotz sofortigen Aufbruches die Stilf- 
ser Jochstrasse noch erreichen konnte. Diese war aber auch im Ne- 
bel nicht zu verfehlen, wenn ich mich an der Bergwand hinhielt, und 
vermied abwärts zu steigen, und so zog ich denn eilig weiter nach 
Tirol. Noch einmal betrat ich den Sattel des Stilfser Joches, noch 
einmal kletterte ich an dem jetzt schneefreien Gehänge der Drei- 
sprachenspitze hinauf um daselbst Potentilla frigida Vill. und Sawi- 
fraga ewarata Vill. zu holen — dann trabte ich aber so schnell 
es ging hinunter, denn in den Wolken rumorte es gewaltig und 
nass wollte ich nicht wieder werden. Den Kilometer in 8 Minuten 
(bergab!) machend, erreichte ich Trafoi just als die ersten Regen- 
tropfen fielen. Nun konnte es aber regnen so viel es mochte, und 


es regnete auch. 
(Schluss folgt.) 


—e— 


Flora des Etna. 
Von Prof. P. Gabriel Strobl. 


(Fortsetzung.) 


1403. Vicia incana Vill., Candolleana Ten. Fl.nap., Guss. *Syn. 
et *Herb.! Gerardi DC. Fl. fr., *Raf. II, *Bert. Fl. it., non Jacq., 
Stabiana Ten. Fl. nap. — Diagnose meiner am M. S. Angelo bei 
Neapel und am Etna gesammelten Exemplare: Sehr hoch, Stengel, 
Blatt- und Blüthenstiele kurz abstehend zottiggrau; Blättchen ziem- 
lich angedrückt seidiggrau, 12 —16paarig, länglichlauzettlich, stachel- 
spitzig, ziemlich parallelnervig, die obersten bis 2 Cm. lang und 
kaum 3 -4 Mm. breit; obere Nebenblätter ganzrandig, laug linear- 
lanzettlich, untere halbpfeilförmig mit linearlanzettlichem Basallap- 
pen; Traube langgestielt, reichblüthig, Blüthen hängend; Kelchröhre 
weiss, kurzglockig (2 Mm. lang), die zwei oberen Kelchzähne sehr 
kurz, spitz dreieckig, die drei unteren über 2 Mm. lang, lanzettlich- 
borstig, nebst der Röhre dicht zottigflaumig; Fahne 10 Mm. lang, 
blauviolett, zurückgeschlagen, ausgerandet, Saum von der Länge des 
Nagels, länger als die blauvioletten Flügel, diese länger als das 


Ze u 


36l 


weisslichblaue, an der Spitze tief blauviolette Schiffehen; Hülse ge- 
stielt (Stiel länger als die Kelchröhre), fast kahl, ca. 2:5 Cm. lang, 
7—8 Mm. breit, länglichlanzettlich. Meine Etnapflanzen sind mit 
den neapolitanischen vollkommen identisch, beide gehören zur var. 


Stabiana (Ten.) —= b. aetnensis Guss. (obere Nebenblätter schmal 
linear, Blüthenstiele abstehend behaart, Fahne 10 Mm. lang, wäh- 
rend «. genuina —= Gerardi DC. fast ausnahmslos halbpfeilförmige 


Nebenblätter, angedrückt behaarte Blüthenstiele, 12 Mm. lange Fahne 
besitzt. Meine Exemplare der Normalform aus Südtirol und Nord- 
italien weichen von der Normalform Siciliens nur ab durch bedeu- 
tend schwächer behaarte, ziemlich grüne Blätter — klimatische 
Differenz. «. genuina: In Wäldern des Etna (Bert. von Guss. er- 
halten, Cosent. in Guss. Syn.), Catania (Cosent. in Herb. Guss.!); 
ß. Stabiana: Wälder des Etna (Guss. Syn.), Etna im Vallone di 
Milo (Herb. Guss.!), häufig im Cerritawalde (4—5500‘) unter Eichen, 
auf der Serra di Solfizio zwischen Kastanien und Farrenkräutern 
(3—5000°) stellenweise grosse Büsche bildend! Mai—Juli. %. 

1404. V. triflora Ten. Fl.nap. Unter Saaten in der Ebene von 
Catania (Guss. Syn.). April, Mai. ©. Sah kein Exemplar. 

1405. V. dasycarpa Ten. Viag. (1830), *Bert. Fl. it., Guss. 
Syn. et *Herb.! Ziemlich kahl oder etwas abstehend flaumig bis 
seidig, Blättchen meist 5—7paarig, länglichlinsar oder länglichlan- 
zettlich, stumpflich, stachelspitzig; Nebenblätter lanzettlich, halb- 
pfeilförmig; Trauben auf die Blätter überragenden Stielen, ziemlich 
reichblüthig; Blüthen einerseitswendig; Kelch sparsam zottigflaumig, 
die zwei oberen Kelchzähne sehr kurz, dreieckig, die drei unteren 
ziemlich von der Länge der Röhre, lanzettlieh; Krone 11—13 Mm. 
lang, fast linear, Fahne blau, Flüge) und Schiffchen weisslich, letz- 
teres an der Spitze mit blauem Flecke, selten Krone ganz weiss 
oder blau; Hülsen ziemlich kahl, breit länglich, stark zusammenge- 
drückt, 25>—30 Mm. lang, 8—10 Mm. breit, meist 5samig; varlirt 
sehr in der Länge der Blüthenstiele (ß. elongata Guss. Syn. besitzt 
solche von doppelter Blattlänge), in Habitus, Blüthenreichthum und 
Blattbreite; var. graeilis Guss. Syn. ist eine schlanke, schmalblätte- 
riee Form mit armblüthigen Trauben von Blattlänge. Vicia varia 
Host. — villosa ß. glabrescens Koch Syn. I, 214 aus Franken, Baiern, 
Istrien ete. lässt sich von dasycarpa kaum unterscheiden durch be- 
deutend höberen Wuchs, reicherblüthige Trauben, 8—12paarige Blätt- 
chen und dürfte als nördliche Race derselben zu betrachten sein. — 
Auf Wiesen und krautigen Abhängen, zwischen Gebüsch und in lich- 
ten Wäldern (0—5000°) äusserst gemein: Aus Catania von Cosen- 
tini erhalten (Bert., Herb. Guss.!), Etna, Contrada di Puntalasso 
bei Giarre (Cosent. in Herb. Guss.!), um Catania überall (!, Herb. 
Torn.!), Acicastello, Cavaleri, am Fusse des Monte Pileri (Herb. 
Torn.!), um Ognina (!, Herb. Reyer!), vom Meere bis Nicolosi und 
von da durch die ganze Waldregion sehr gemein, oft mit der fol- 
Er» Art gemischt und doch meist scharf von derselben geschie- 

en, im Serrapizzutawalde, im Valle Calanna, auf der Serra di Sol- 


362 


fizio, von Milo zum Cerritawalde, von Bronte zum Bosco Maletto 
ete, März—Mai. ©. 

1406. V. pseudocracca Bert. am. it. Guss. *Syn. et *Herh.! 
Von dasycarpa vorzüglich verschieden durch länglichlineare, nur 
5—6 Mm. breite, weniger zusammengedrückte Hülsen, ferner durch 
stärker seidigflaumige Behaarung, meist nur 3—5paarige Blättchen 
und ärmerblüthige Trauben; doch sind die Grenzen zwischen beiden 
sehr verwischt, daher man, wenn reife Früchte fehlen, über die Zu- 
gehörigkeit mancher Formen in Zweifel geräth; die Blättchen va- 
riiren von länglich bis schmallinear, die Blüthen sind bei der Nor- 
malform bleichblau («. coerwlescens m.), bei der Etnapflanze hingegen 
meist weiss (ß. alba *Guss. Syn. add. et *Herb.!). An sandigen 
Küsten, auf krautigen Abhängen, zwischen Gebüsch und in lichten 
Wäldern ebenso gemein, als dasycarpa. Häufig an Zäunen des Etna 
(Biv. in Herb. Guss.!), Catania (Cosentini in Herb. Guss.!), Etna 
am Fusse der Serrapizzuta (Torn. in Herb. Guss.!, Herb. Torn.!), 
Nicolosi, Giarre, Wälder von Bronte und Maletto (Herb. Guss.!), 
Zaffarana (!, Herb. Tormab.!), Bosco Malpasso (Herb. Reyer!); auch 
von mir wurde var. 8. an sämmtlichen Standorten der vorigen Art 
in Menge, die Normalform hingegen nur an sandigen Küsten um 
Catania gesammelt. März—Mai. ©. 

1407. V. ambigua Guss. Syn. et *Herb.!, pseudocracca var. P. 
Bert. Fl. it. In ziemlicher Kahlheit, Blüthenstielen, Blüthen, Hülsen 
und Habitus ebenfalls der dasycarpa sehr ähnlich und vielleicht nur 
Varietät derselben; sie zeichnet sich aus durch höheren, robusteren 
Wuchs, 4—8paarige, elliptische oder elliptischlängliche, stumpfe, bei 
eirca 2 Cm. Länge fast 1 Cm. breite, also stets 2—3mal breitere 
Blättchen, als dasycarpa besitzt, die Kelchröhre überragende untere 
Kelchzähne, etwas grössere Blüthen (15—18 Mm.) und noch brei- 
tere Hülsen (über 1 Cm.). Auf krautigen Hügeln und an Zäunen um 
Acireale, Giarre, Caltabiano (Herb. Guss.!), Catania (Herb. Torn.!). 
März—Mai. ©. 

1408. V. elegans Guss. Syn. et Herb.!, Bert. Fl. it. Lässt sich 
von varia Host weder habituell, noch in der Menge der Blättchen- 
paare, noch in Behaarung, Nebenblättern, Blüthenstielen und Hülsen 
auch nur im mindesten unterscheiden; denn sie ist ebenfalls hoch, 
mit 8—12paarigen, angedrückt flaumigen Fiedern, halbpfeilförmigen 
unteren, ganzrandigen oberen Nebenblättern, sehr reichblüthigen Stie- 
len von ungefähr Blattlänge, einerseitswendigen, hängenden Blüthen, 
länglichlanzettlichen, ea. 2:5 Cm. langen, 6—8 Mm. breiten, kahlen 
Hülsen; auch ist die Fahne ebenfalls angenehm blauviolett, ausge- 
randet, ca. 15 Cm. lang, Flügel und Schiffchen weisslich blau, letz- 
teres an der Spitze ebenfalls mit purpurschwarzem Flecke; als ein- 
zige Differenzen sehe ich die schmallinearen Blättchen, von denen 
bei 1—2 Cm. Länge die unteren höchstens 3 Mm., die oberen nur 
1—2 Mm. breit sind, und die meist längeren Kelchzähne, so dass 
die zwei oberen lanzettlich, fast halb so lang, als die Röhre, die 
drei unteren fast lineal und etwas länger, als die Röhre sind; doch 


363 


sind auch diese Differenzen zu variabel, als dass man beide mit 
Sicherheit stets unterscheiden könnte; so fand ich z. B. in Istrien 
Exemplare der varia, welche manche Exemplare der elegans aus den 
Nebroden an Schmalheit der Blättchen sogar noch übertreffen. Va- 
rürt P. tenuifolia Guss. (Blättchen nur 1 Mm. breit). In feuchten 
Hainen, an Bächen und Zäunen, auf sonnigen Hügeln Sieiliens häu- 
fig, im Gebiete jedoch von mir nur um Catania und am Bache vor 
Misterbianco gesammelt. Maäi—Juli. ©, %. 


1409. V. leucantha Biv. Guss. Syn. et Herb.! Gleich den fol- 
genden ausgezeichnet durch höchstens 8 Mm. lange, bleiche, den 
Kelch wenig überragende Krone, höchstens fünfsamige Hülsen, An- 
nuellität (Sectio Ervoides Gr. Godr., von Lens besonders verschie- 
den durch nicht so tief getheilten Kelch und auf der Innenseite un- 
behaarte Griffelspitze). Flaumig, meist ziemlich hoch, Blättchen 6— 
vielpaarig, länglichlinear oder elliptisch, abgerundet mit Stachelspitze, 
klein; Nebenblätter halbpfeilförmig, tief gezähnt; Blüthenstiel 3- bis 
10blüthig, kürzer als das Blatt; Blüthen einerseitswendig, hängend ; 
Kelchröhre 2 Mm. lang, Zähne linealborstig, 3—4 Mm. lang, ziem- 
lich gleich, nebst der Röhre dicht langseidigflaumig; Krone 8 Mm. 
lang, weiss ins Bläuliche, Flügel um '/, kürzer, an der Spitze pur- 
purschwarz; Hülse 2—3 Cm. lang, 7—10 Mm. breit, netznervig, 
hängend, zusammengedrückt, flaumig, 3—5samig, Same kugelig, 
schwärzlich. Die in Habitus, Blüthen, 6—10paarigen Blättchen äus- 
serst ähnliche disperma DC. ist durch folgende Merkmale gut ver- 
schieden: Nebenblätter halbpfeilförmig lineallanzettlich, ganzrandig; 
Blüthenstiele nur 2—4blüthig; die zwei oberen Kelchzähne bedeu- 
tend kürzer; Blüthen mehr blau, 5 Mm. lang; Hülsen kaum 2 Cm. 
lang, 7—8 Mm. breit, kahl, constant zweisamig. In den Nebroden 
und auf anderen Bergen Siciliens ziemlich häufig, aus der Tiefregion 
des Gebietes bisher nur von Raf. I als parvijlora Biv. angegeben; 
ich sammelte sie auf den Kalkhügeln des nahe gelegenen Taormina; 
disperma, um Finale und Castelbuono nicht selten, scheint dem Ge- 
biete gänzlich zu fehlen. März, April. ©. 


1410. V. hirsuta (L.) Koch Guss. *Syn. et *Herb.! Ervum 
hirsutum L. Sp. pl. 1039, Bert. Fl. it., Cracca minor Gren. Godr. 
I, 475. Ebenfalls den vorigen äusserst ähnlich, doch verschieden 
durch schmälere, fast lineale Blättehen, lang borstiggezähnte untere 
Nebenblätter, pfriemliche, einander gleiche, die Röhre ebenfalls über- 
treffende Kelchzähne, nicht einmal 4 Mm. lange, weissliche Blüthen, 
nur 1 Cm. lange, 4—5 Mm. breite, zweisamige, flaumige («. erio- 
carpon Gr. Godr) oder endlich kahle (ß. lejocarpon Mor. = Ervum 
Terronii Ten. Fl. nap. app. 5 Hülsen; £. variirt auch (z. B. am Gar- 
dasee!) mit durchaus ganzrandigen, linealen Nebenblättern, von de- 
nen die unteren 1 Oehrchen tragen (v. integrum mihi). In Wäldern 
und Gebüschen des Etna bei Maletto (Guss. Syn. et Herb.!), um 
Milo, Catania (Herb., Torn.!), häufig auf dem Lavastrome zwischen 
Catania und Ognina! (v. «). April—Juni. ©. 


364 


1411. V. graeilis Lois. fl. gall., Guss. *Syn. et *Herb.!, Tod. 
Fl. sie. exs. Nr. 295 (Palermo!) W. Lge. Ill 307, Ervum gracile 
DC., Gr. Godr. I 475, longifolium Ten. Fl. nap., aristatum *Raf. 1, 
DC. Prodr. Il 367, tenwifolium Lag. Ausgezeichnet durch Schlank- 
heit, sehr lange und schmale, fast lineare, spitze, stachelspitzige, 2— 
4paarige Blättchen, ganzrandige, halbpfeilförmige oder lineare Ne- 
benblätter, das Blatt endlich weit überragende, grannige, 1—5blüthige 
Blüthenstiele, spitz dreieckige, kaum der Röhre gleichlange, ziemlich 
gleiche Kelchzähne, doppelt so lange, bläulichweisse Blüthen, schmal- 
lineare (z. B. bei 12 Mm. Länge 3 Mm. breite), 3—5samige Hül- 
sen; teirasperma (L.) Mnch. unterscheidet sich davon durch länglich- 
lineare, stumpfe, kurz stachelspitzige Blättchen, 1--2blüthige, nicht 
grannige Blüthen- und Fruchtstiele von Blattlänge, sehr ungleich 
kurze Kelchzähne, kleinere blaue Blüthen und 4samige Hülsen. An 
Zäunen, zwischen Gebüsch und in Wäldern um Catania und Lentini 
((uss. Syn. et Herb.!); ich besitze sie aus vielen südlichen Gegen- 
den Europas. März, April. ©. 

1412. V. pubescens (DC.) Boiss., Biebersteinii Bess. Guss. Syn. 
et Herb.!, Ervum tetraspermum *Cat. Cosent., non L. Habituell 
mit tetrasp. leicht zu verwechseln; besitzt längliche bis lanzettliche, 
bedeutend kürzere, breitere und spitzere, stachelspitzige obere Blätt- 
chen, lanzettlich zugespitzte, die Röhre überragende, ziemlich gleiche 
Kelchzähne, weissliche Blüthen, das Blatt überragende, 1—5blüthige 
Blüthenstiele, etwas niedrigeren, kräftigeren Wuchs; var nebrodensis 
mihi aus den Nebroden ist constant einblüthig und nur 1—3 Dm. 
hoch. An denselben Standorten, wie vorige, in Sicilien nicht selten, 
bisher aus dem Gebiete und zwar aus der Ebene des Simeto, nur 
von Cat. Cosent. angegeben. März—Mai. ©. 

(Fortsetzung folgt.) 


ER een 


Literaturberichte. 


Zukal Hugo. Untersuchungen über den biologischen und morphologi- 
schen Werth der Pilzbulbillen. Aus den Verh. d. zool.-bot. Gesellsch. 
in Wien, 1886, S. 123—136, 1 Taf. 

Verfasser hat mit dieser Arbeit einen sehr werthvollen Beitrag 
zur Entwicklungsgeschichte der Pilze geliefert. Er wies die von Ei- 
dam aufgefundenen und als normale Fortpflanzungsgebilde angespro- 
chenen, sclerotienartigen „Bulbillen“ bei einer Reihe von Pilzen, wie 
bei Arten von Dendryphium, Helicosporangium, Haplotrichum, Me- 
lanospora, Peziza nach und zeigt in lückenloser Untersuchungsfolge 
die Entstehung und Ausbildung derselben. Schliesslich kommt er zu 
dem Resultate, dass die Bulbillen als mehr oder minder unent- 
wickelte Fruchtkörper anzusprechen sind, die sich in Folge von Stö- 
rungen in heterogener Weise ausbilden, nachdem es ihm gelang, aus 
grösseren Bulbillen unter günstigen Bedingungen Fruchtkörper zu 


369 


erziehen. Immerhin sei mit den Worten Zukal’s anzunehmen, dass 
die Bulbillenform ein häufiges normales Entwicklungsstadium vieler 
Fruchtkörper darstelle. Beck. 


Zukal Hugo. Ueber einige neue Ascomyceten. S. A. aus den Verh. der 
zool.-bot. Gesellsch., Wien, Jahrg. 1887, S. 39—46, 1 Taf. 


Der durch seine mycologischen Untersuchungen rühmliehst be- 
kannte Verfasser veröffentlicht in dieser Arbeit die ausführlichen 
Beschreibungen mehrerer neuer Ascomyceten, welche zumeist in 
seinen Culturen eingehend beobachtet wurden. Im Besonderen finden 
wir beschrieben zwei neue Gattungen Baculospora (zunächst der 
Gattung Melanospora) und Gymnodiscus ein neues Genus der Asco- 
bolei, ferner mehrere neue Arten, als Sporormia elegans, Gymnoas- 
cus reticulatus, Sordaria Wiesneri, Cladosporium abietinum, Chaeto- 
conidium arachnoideum, die biologisch interessante Pleospora_ colle- 
matum, welche in Symbiose mit einer Physma-Art lebt und somit 
den noch unbekannten Fall darstellt, dass zwei Pilze mit einer Alge 
(Nostoc) im Convivium vereinigt sind. Auch mag erwähnt werden, 
dass Zukal das Mycel, welches Prof. Wiesner auf Papyrusblättern 
der Sammlung „Erzh. Rainer“ constatirte, durch vergleichende Ent- 
wicklungsstudien mit grösster Wahrscheinlichkeit als der Sphaerellu 
Cannabis Wint. angehörig nachweisen konnte. Beck. 


K. Friderichsen & O. Gelert: Danmarks og Slesvigs Rubi. Separatab- 
druck aus „Botanisk Tidsskrift. XVI. Bd. 1.—2. Heft. Kjobenhavn. 1887. 
138 Seiten. 


Die Verfasser wurden von Prof. J. Lange aufgefordert, die 
Brombeeren Dänemarks und Schleswigs einer eingehenden systema- 
tischen Bearbeitung zu unterziehen. Dass sie sich ihrer Aufgabe mit 
tüchtiger Sachkenntniss und grossem Fleisse entledigt haben, ist 
aus vorliegender Arbeit, die zu den gediegensten in diesem (Gebiete 
gezählt werden kann, zu ersehen. Dieselbe gibt eine grösstentheils 
nach Focke's Synopsis geordnete Uebersicht von 41 Arten, 32 
Unterarten und Varietäten, und ca. 20 Hybriden der Cimbrischen 
Rubusflora. Nahezu sämmtliche Formen sind mit sehr ausführlichen 
(dänischen) Diagnosen versehen. 


Neu beschrieben sind: 4. Barbeyi For. Grm., contiguus O. 
G., Langei G. Jensen, Gelertü K. Fr., anglosawvoniceus OÖ. G., mo- 
nachus G. Jensen, milliformis sp. coll.'), pyracanthus Lange'), imi- 
tabilis K. Fr.‘), Friesii G. Jensen‘), Fioniae K. Fr.?), centiformis'), 
Mortensenii egregiusculus'‘), simulatus K. Fr.'), Warmingü G. Jen- 
sen'), gothieus Fr. & O. G.'). Von systematischen Neuerungen be- 


*, Sind sämmtlich Corylifolii. 
*) Diese oder doch eine sehr nahestehende Form (R. ken: y carin- 
thiacus ın.) besitze ich aus Klagenfurt (leg. Jabornegg als R. De ): ı 
x elerent, 


366 


merken wir, dass die Adenophori Focke's, bekanntlich eine Sam- 
meleruppe von höchst verschiedenen Formen, unter die übrigen 
(ruppen vertheilt werden, was entschieden zu billigen ist. Dass aber 
an die Stelle der Adenophori eine neue „ret naturlig Gruppe“ der 
Egregii geschaffen wurde, das hält Ref. nicht für geboten. 

Mit besonderer Sorgfalt haben die Verf. die Gruppe der Cory- 
lifolien bearbeitet. Das Interesse, welches das Werkchen dem Syste- 
matiker bietet, lässt es bedauern, dass dasselbe blos in dänischer 
Sprache erschienen ist. Sabransky. 


W. ©. Focke: Die Rubi der Canaren. ‚Separatabdruck aus den Abhandl. 
des naturw. Vereins in Bremen. Bd. IX, S. 405 — 407. 


Von den Canarischen Inseln war bisher bloss der durch West- 
europa um das Mediterrangebiet weit verbreitete AR. ulmifolius Schott. 
bekannt. Der verdienstvolle Verf. beschreibt nun zwei weitere Arten 
aus dem erwähnten Gebiete: R. Bollei n. sp., von Dr. Bolle in 
der Lorbeerregion auf Palma gesammelt, und R. Canariensis n. Sp., 
von Teneriffa (leg. Bourgeau). Beide Arten nähern sich stark an 
gewisse südamerikanische Typen an und sind, wohl selbst endemisch, 
von den auf anderen atlantischen Inselgruppen (Madeira, Azoren) 
bekannten Endemarten vollkommen verschieden. Sabransky. 


A. Gremli: Neue Beiträge zur Flora der Schweiz. IV. Heft. Aarau, Ph. 
Wirz-Christen 1887, kl. 8°, 401 Seiten. Preis 2 M. 


Den Inhalt dieses Heftchens bildet eine Zusammenstellung und 
theilweise Besprechung aller seit dem Erscheinen des III. Heftes 
(1883) gemachten neuen Funde an Pflanzen, eine strenge Kritik der 
Brügger’schen Bastarde im Allgemeinen und der Weidenbastarde 
im Besonderen von K. Buser, endlich Beiträge zur Flora der Can- 
tone Thurgau und Schaffhausen. Bei dem bekannten Fleisse des 
Verfassers in seinem Lande die Errungenschaften auf dem Gebiete 
der Floristik zu sammeln und sie zum Gemeingute Aller zu machen, 
wird diese Schrift nicht verfehlen, auch in den Nachbarländern 
grosses Interesse zu erregen. 


Grundriss der Botanik von Dr. Max Zaengerle, Professor am königl. Real- 
gyınnasium zu München. 8°, 240 Seiten. München, Verlag von Gustav 
Taubald, 1887. 

Von demselben: Grundzüge der Chemie und Naturgeschichte. I. Theil: Bo- 
tanik. 8°, 19% Seiten. München 1837, im selben Verlag. 


In dem „Grundriss der Botanik“ bespricht der Verfasser im 
ersten Abschnitte die äussere und innere Morphologie, sowie auch 
die Physiologie der Pflanzen mit jener kurzgefassten Präcision, wie 
sie für den Gebrauch an mittleren und höheren Lehranstalten am 


367 


zweckentsprechendsten ist, während der zweite Theil des Buches der 
speciellen Botanik gewidmet wird. Wir finden darin das künstliche 
Pflanzensystem von Linne und ein natürliches System abgehandelt, 
worauf der Lernende mit dem Bestimmen der Pflanzenfamilien nach 
beiden Systemen vertraut gemacht wird. 

Nachdem das zweite Werk lediglich ein Auszug des eben be- 
sprochenen ist, und hauptsächlich für den Unterricht an Mittel- 
schulen dient, so sprechen die Vorzüge des ersteren für die Em- 
pfehlung des letzteren. 


Bericht über die Thätigkeit der botanischen Section der schlesischen 
Gesellschaft im Jahre 1886, erstattet durch Prof. Dr. Ferdin. Cohn. 


Reich an Zahl und noch mehr an interessantem, gediegen 
bearbeitetem Stoff sind die in diesem Berichte mitgetheilten, wäh- 
rend zehn Sitzungen der genannten Section auf die Tagesordnung 
gelangten Besprechungen, von denen besonders nachstehende hervor- 
zuheben wären: Prof. Engler über seine Untersuchungen der den 
weissen oder todten Grund in der Kieler Bucht bildenden Spaltpilze. 
Derselbe über die pelagischen Diatomaceen der Ostsee und speciell 
über die dort gefundenen Arten von Chaetoceros, ferner über sein 
Aquarium zur Beobachtung von Seealgen. — Prof. Cohn legte fer- 
ner einen von Prof. Eichler in Berlin dargeliehenen Band des 
Herbars, welches J. J. Rousseau in seinem letzten Lebensjahre an- 
gelegt hat. Weiters sprach er über die vorzugsweise im letzten Jahr- 
zehent bei Menschen und Thieren beobachteten meist tödtlich ver- 
laufenden Krankheiten, welche durch Einlagerung körniger Pilzeon- 
cremente in die degenerirten Gewebe charakterisirt sind. Ein anderer 
sehr instructiver Vortrag desselben Forschers betraf das Tabascha 
und die chemische Analyse dieses in den Internodien baumartiger 
Bambus-Arten als mehr weniger derbe Concremente von Sandkorn- 
bis Wallnusserösse vorkommenden, im Orient als Heilmittel ver- 
wendeten Produktes. Schliesslich sprach derselbe über eine grönlän- 
dische Thermalalge, welche er als identisch mit der in Italiens Thermen 
beobachteten Lymphia thermalis Rub. erkannte. — Weiters seien er- 
wähnt: D. R. Schuhe’s Bericht über eine von ihm im Juli v. J. 
nach den siebenbürgischen Alpen unternommene Reise, welche eine 
ausserordentlich reiche Ausbeute seltener Pflanzen der pontischen 
Flora lieferte. Dr. Eidam mit einem ausführlichen Vortrage, be- 
treffend Untersuchungen über die Familie der Gymnoascaceen. — 
Prof. Hieronymus über Blüthe und Blüthenstand der Centrolepi- 
daceen. Biologische Notizen brachten Dr. Otto Müller über (die 
Ranken der Üueurbitaceen, und Herr Glauer über Aggregation in 
den Tentakelzellen von Drosera rotundifolia. — Ober-Stabsarzt 
Schröter sprach eingehend über die auf Hutpilzen vorkommenden 
Mucorineen und Dr. H. Kunisch über die erste Pflanze des schle- 
sischen Muschelkalks. Diese Pflanze lässt sich in das Genus Voltzia 
Brongniart einreihen und wurde vom Vortragenden nach ihrem Fund- 


308 


orte Krappitz mit dem Species-Namen Krappitzensis belegt. — 
Von Interesse für Systematiker ist Dr. Pax’s Vortrag über Primu- 
laceen und dürfte die von ihm beantragte neue Gruppirung der For- 
men Beachtung verdienen. — Im der sechsten Sitzung am 
23, März 1886 erschien Rudolph v. Uechtritz das letztemal vor 
dem Auditorium, indem er erstens die im Jahresberichte pro 1885 
veröffentlichten Novitäten der schlesischen Phanerogamenflora aus 
dem Jahre 1885 vorlegte und hierauf über die vom Apotheker Fick 
in Hirschberg eingesendete, dem gegenwärtigen Bande einverleibte 
Abhandlung: „Beitrag zu den Vegetationsverhältnissen Ober-Schle- 
siens“ referirte. Eine zweite Abhandlung des ebengenannten Verf. 
unter dem Titel: „Resultate der Durchforschung der schlesischen 
Phanerogamenflora im Jahre 1886“ enthält zahlreiche Angaben für 
das Territorium neuer Pflanzen. M. Prihoda 


Jahresbericht der naturhistorischen Gesellschaft zu Nürnberg 1886, 


In dem Specialberichte über die Thätigkeit der botanischen 
Section wird unter Anderen das Resultat der floristischen Forschung 
im engeren Heimatsgebiete pro 1886 bekannt gegeben. Es besteht 
in mehreren interessanten Funden für die Nürnberger Flora neuer 
Speeies; ferner in der Wiederauffindung von im Gebiete durch lange 
Zeit vermissten Pflanzen und schliesslich in bemerkenswerthen Be- 
obachtungen über die geographische Verbreitung einer namhaften 
Anzahl von Pflanzen-Species. M. Prihoda. 


Annals of Botany. 


Unter diesem Titel erscheint ein alle Zweige der botanischen 
Wissenschaft umfassendes Werk, herausgegeben von der Universität 
Oxford, zu welchem die hervorragendsten englischen Botaniker bereits 
ihre Mitarbeiterschaft zugesagt haben. Die „Annals“ werden illustrirt 
sein und der Preis pro Band 1 Pfd. Sterlg. 1 Sh. betragen. Sub- 
scribenten wollen sich wenden an „The Secretary to the Delegates, 
Clarendon Press, Oxford.“ 


a 


Correspondenz. 


Triest, am 410. September 1887. 


Auf der Vutia luka und auf dem Berge Trebevit bei Sarajevo 
fand ich eine Viola aus der Verwandtschaft der V. tricolor, die sich 
durch so charakteristische und wesentliche Merkmale von allen ihr 
zunächst stehenden Arten unterscheidet, dass ich es für nothwendig 
halte, dieselbe mit dem Namen Viola bosniaca mihi zu bezeichnen 
und eine kurze Beschreibung derselben zur vorläufigen Kenntniss zu 
bringen. Blätter lanzettlich bis eirund, stumpf. Blumenblätter ver- 


er 


309 


kehrteiförmig, dunkelviolett, Schlund gelb; Staubfäden eiförmig, 
Staubbeutel rundlich, braun; Kelchblätter lanzettlich mit ganzrandi- 
gem bis dreilappigem Grunde und schmalem trockenhäutigen weissen 
Rande. Sporn pfriemenförmig, von der Mitte an schwach nach ab- 
wärts gebogen. Dr. Formänek. 


Probabin (SO.-Galizien), am 10. September 1887. 


Heuer habe ich in Nordgalizien neue Standorte zweier nordi- 
scher Weiden entdeckt, nämlich: Salix livida in Rzyezki bei Rawa 
(in Gesellschaft mit Pedicularis Sceptrum, Ostericum palustre, Pin- 
guicula vulgaris, Salir rosmarinifolia ete.) und S$. myrtilloides in 
Majdan bei Sieniana (in Gesellschaft mit Vaceinien, Andromeda po- 
lifolia, Eriophorum vaginatum, Saliw myrtilloides X aurita etc.) — 
Die echte Potentilla pilosa Willd. (P. obscura Zimmet., nicht iden- 
tisch mit P. leucotricha Borb.) kommt auch in Nieder-Oesterreich 
und zwar am Laaerberg bei Wien vor, wo sie Dr. R. v. Wett- 
stein gesammelt und für P. recta L. ausgegeben hat. Ich habe 
dieselbe in zwei sehr instructiven Exemplaren im Herbar des Herın 
Siegfried aus Winterthur gesehen. In Galizien habe ich Potentilla 
pilosa W. nirgends beobachtet. — Fasciation bemerkte ich in Gali- 
zien an folgenden Pflanzen: Abies ewcelsa, Salix purpurea, 8. (a- 
prea, Hieracium wirosum, Ranunculus Philonotis und Asparagus 
offieinalis. — Hier in Probabin (bei Horodenka) wächst auf Gyps- 
felsen in grosser Menge Euphorbia gracilis Bess. (species distinctis- 
sima, ab E. (yparissias optime diversa) in Gesellschaft mit Gypso- 
phila altissima, Cephalaria cornieulata, Aconitum Anthora v. flore 
coeruleo, Sisymbrium junceum, Mercurialis ovata, Erysimum exal- 
tatum etc. Br. Btocki. 


Arad, am 14. September 1887. 


In einer Correspondenz des vorigen Heftes dieser Zeitschrift 
(pag. 332—334) schreibt Borbäs, dass Juniperus Kanitzii Csat6 
nicht identisch sei mit J. Sabina L., dass Rosa Marisensis Simk. 
et Braun mit R. spuria Pug., Rosa Barcensis Simk. mit R. Da- 
eica Borb. und Epilobium Biharicum Simk. mit E. Sandorii Borb. 
zusammenfalle; dass Quercus Osatoi Borb. eine Hybride sei zwischen 
Qu. sessiliflora und Qu. Robur; endlich dass meine „Enumeratio 
Florae Transsilvanicae vasculosae eritica* am 5. August 1887 er- 
schienen sei. Ich muss alle diese Behauptungen Borbäs’ für un- 
richtig erklären, indem ich es gründlich beweisen kann, dass sich 
Borbäs in allen seinen aufgeführten Aussprüchen stark geirrt habe. 
Die Art und Weise aber, in welcher er seine Bemerkungen macht, 
sowie auch der Umstand, dass er nur behaupten, aber nichts kri- 
tisch beweisen thut, entheben mich der Pflicht, diese nur zu be- 
dauernde Angelegenheit einer ausführlichen Erörterung zu unterziehen. 


k Dr. L. Simonkai. 


Oeterr. botan. Zeitschrift. 10. Heft 1897. 30 


370 


Budapest, am 48. September 1887. 


Die beiden ersten Wochen des Monats August brachte ich 
abermals in der reizenden Umgebung des Piliserberges zu, woselbst 
ich unter andern Dipsacus pilosus L. in einigen Exemplaren vor- 
fand, und zwar sowohl auf dem Territorium des Pester, wie auch 
des Graner Comitates. (Rarior ad torrentes eirculi pilisiensis v. g. 
ad Sz. Andre, Visegradum. Sadler.) Borbäs fand sie auch am 


Pilisberg.. — Zwischen Csobänka und Weindorf an der Strasse traf 
ich Echium altissimum Jacq. an. — Des Notirens werth halte ich 


ferner Carex marima Scop. (= ©. pendula Huds.), welche ich von 
einem Waldschlag des Pilis mitnahm; auch bei Pomar, am „Kö- 
hegy“ fand ich sie. (Ad rivulum montanum prope Tötfalü reperit. 
Cl. Heuffel. Sadler.) — Die Eichenbäume (hier vorwiegend Quer- 
cus Cerris und sessiliflora) sowohl wie die Buchen trugen eigen- 
thümlicherweise fast ohne Ausnahme keine Früchte. Nach der Aus- 
sage der Schaf- und Kuhhirten blühten die genannten Bäume mit 
Ausnahme einiger Cerris-Eichenbäume im heurigen Frühjahre gar 
nicht. Im Gegentheil war in derselben Gegend im vorigen Jahre eine 
reiche Eichelernte. — Ein Ast von Viburnum Opulus blühte am 
12. August im Klostergarten, neben P. Szt. Kereszt an einer sonni- 
gen Stelle am östlichen Fusse des Pilis. Der Strauch war ausserdem 


voll mit rothen, bereits reifen Bseren bedeckt. — Fruchtzwillinge 
brachte ich in meine teratologische Sammlung von Reine-claude und 
Nuss. K. Schilberszky. 


Warschau, am 5. September 1887. 


Bringe Ihnen zur Nachricht, dass ich am 12. dieses Monats 
nach Irkutsk nach Sibirien reise, wo ich bleibend am Militärspitale 
angestellt worden bin. Da ich künftigen Sommer tüchtig botanisiren 
werde und käuflich Herbarien dortiger Pflanzen zu versenden gedenke, 
bitte ich Alle, die sich für solche interessiren, sich brieflich an mich 
zu wenden. Adresse: F. Karo, Apotheker am Kriegshospital in Ir- 
kutsk, Sibirien. Briefe recommandirt. F. Karo. 


— in — 


Personalnotizen. 


— Dr. Georg Winter ist am 16. August in Connewitz bei 
Leipzig gestorben. 

— Ludwig v. Vukotinovit in Agram wurde durch die Ver- 
leihung des Ritterkreuzes des österreichischen Leopoldsordens aus- 
gezeichnet. 

— Hugo Lojka, Professor in Budapest, ist am 7. September, 
44 Jahre alt, gestorben. 

— Josef Tmäk, der sich jetzt mit der Flora von Neusohl 
beschäftigt, ist zum Gymnasiallehrer in Neusohl ernannt worden. 


| 


By 


— Vietor Szepligeti ist als Lehrer der Naturgeschichte an 
der städtischen Bürgerschule des V. Bezirks in Budapest angestellt 
worden. 

— Dr. G. Volkens hat sich an der Universität Berlin als 
Privatdocent für Botanik habilitirt. 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— Die Enthüllung eines Denkmals, welches dem Horace Be- 
noit de Saussure zur Erinnerung an die ihm 1787 zuerst gelun- 
gene Ersteigung der Spitze des Montblanc, in Chamounix errichtet 
worden ist, fand am 28. August in festlicher Weise statt. 

— Am 8. December d. J. vollendet Friedrich Traugott 
Kützing sein achtzigstes Lebensjahr. Ein Comite hervorragender 
Vertreter der Wissenschaft hat sich vereinigt, um dem hochverdien- 
ten Forscher bei ‚dieser Gelegenheit als Zeichen der öffentlichen An- 
erkennune von Seiten der Fachgenossen eine Ehrengabe anzubieten. 
Diejenigen, welche sich an dieser Ehrengabe betheiligen wollen, wer- 
den ersucht, ihren Beitrag baldigst an den Schatzmeister des Co- 
mites, „Herrn Otto Müller, Berlin, W., Köthenerstrasse 44 einzu- 
senden. 

— ar — 


Botanischer Tauschverein in Wien. 


Sendungen sind abgegangen an die Herren Dicht] und Pastor. 

Vorräthig: (B.) = Böhmen, (Br.) —= Berlin, (By.) = Bayern, 
(Cr.) — Croatien, (E.) — England, (F.) — Frankreich, (G.) = 6Ga- 
lizien, (I.) = Istrien, (M.) — Mähren, (Mk.) = Mecklenburg, (NOe.) 
— Niederösterreich, (OOe.) —= Oberösterreich, (P.) — Polen, (S.) = 
Salzburg, (Sl.) —= Schlesien, (St.) = Steiermark, (Sz.) —= Schweiz, 
(T.) = Tirol, (U.) = Ungarn, dw) — Westfalen. 

Phillyrea media (1.), Phleum asperum (Baden), Boehmeri (B. 
M. Mk. P.), Michelii (NOe.), nodosum (NOe.), Phlomis tuberosa (NOe.), 
Phragmites commamis (Mk. O0e. Sl.), Physalis Alkekengi (M. O0e. 
2 Phyteuma _betonicaefolium (S.), canescens (U.), orbiculare (By. 
NOe.), spicatum (By. NOe.), Phytolacca decandra (St.), Pieris cere- 
poides 8), Pimpinella na (Br. NOe.), nigra (P.), Sawifraga (B.), 
Pingwieula alpina (NOe. 8. N, lusitanica (F.), vulgaris (Br. NOe. 
„7 o altissima (U.), arenaria (Sl. U.), Cynops (NOe. S2.), 
lanceolata (B.: 006.), major (B.), media (B.), microstachia (Sl.), tenui- 
flora erhal, Platanthera bifolia (NOe.), Poa alpina D annua 
Br badensis (Rheinprov.), bulbosa (NOe.), compressa (P.), fertilis 
B.), loliacea (1.), nemoralis (B. S. Sl.), pannonica (G.), podolica (G.), 
polonica (G.), pratensis (NOe. P.), sterilis (U.), trivialis (P.), versi- 


372 


eolor (&.), Podospermum Jaequinianum (B.), Polyenemum arvense 
(Br.), Heufeliüi (U.), Polygala amara (NOe. T.), austriaca (Thürin- 
gen), calvarea (S2.), Chamaebuwus (NOe.), comosa (B. Br. P.), major 
(NOe.), nicaeensis (Cr.), Polygonum arenarium (U.), domulosum (F.), 
dumetorum (M.), Fagopyrum (O0e.), Hydropiper (B. P.), lapathifo- 
lium (B. P.), mite (NOe. P.), negleetum (W.), Persicaria (P.), tata- 
ricum (Br. W.), viriparum (NOe. OOe. T.), Polypogon litoralis (E.), 
maritimum (F.), mar. v. subspathaceum (Cagliari), monspeliensis (B.), 
Populus nigra (St.), tremula (B. Sl.), Potamogeton densus (W.), 
luitans (M.), lucens (Br. S.), natans (B. Br.), polygonifolius (W.), 
rufescens (Lausitz), trichoides (Br.), Potentilla alba (OOe. Sl. U.), 
anserina (B. NOe.), argentes (M. U.), aurea (B. OOe. S.) caulescens 
(NOe. O0e. S.), einerea (Cr. M. P. U.), Olusiana (St.), collina (G.), 
Fragariastrum (O0e. S. W.), intermedia (Br.), mierantha (St.) mizta 
(Br.), recta (G.), rupesiris (Sl. St. U.), supina (NOe. P.), Tomma- 
sinü (1.), verna (NOe. OOe.), Vindobonensis (NOe. U.) 

Öbige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
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Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn. 


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botanische Zeitschrift Or oan die frei dureh: die Postbe- 
erscheint > zogen werden sollen, sind 
den Ersten jeden Monats. f blos bei der Redaction 
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mit 8 fl. öst. W. zu pränumeriren, 


GR 209 .„ Botanik und Botaniker. „Ni: 


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15 kr. öst. W. 7 = Buchhandlungen. 
XXXYVI. Jahrgang. WIEN. November 1887. 
INHALT. Ueber einire Iris-Arten des botanischen Gartens in Wien. Von Dr. Stapf. — Cirsium 


Przybylskü. Von Dr. Eichenfeld. — Zur Flora von Bosnien. Von Gonrath. — Rosa Hedevigaz 
Von Btocki, — Flora von Nord-Mähren. Von Dr. Formänek. — Tirol-Fahrt. Von Freyn.— 
Flora des Etna. Von Strobl. -— Conservirung von Abietineen. Von Bornmüller. — Literatur- 
berichte. — Correspondenz. Von Rassmann, Borbäs, Kissling, Blocki, Spitzner, Formä- 
nek, Voss, Boresch, Schneider, Ascherson. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, 
Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserate, 


Ueber einige Iris-Arten des botanischen Gartens 
in Wien. 
Von Dr. Otto Stapf. 


Eine der am reichsten vertretenen Gattungen des botanischen 
Gartens der Wiener Universität ist die Gattung Iris. Eine grosse 
Zahl von Arten derselben ist offenbar schon seit Decennien in Cul- 
tur, ein anderer nicht unbedeutender Theil kam erst in letzterer 
Zeit durch die Bemühungen Professors v. Kerner hinzu. Im vorigen 
und heurigen Jahre mit der Sichtung und Ordnung dieser Gruppe 
betraut, fand ich mannigfaltige Anregung, mich mit einzelnen Arten 
und deren Verwandten eingehend zu beschäftigen. Die Gelegenheit 
zur Untersuchung eines so reichen lebenden Materiales erschien mir 
um so kostbarer, als wenige Gattungen so schwer nach trockenen 
Pflanzen zu studiren sind, wie Iris, und zudem der Erhaltungs- 
zustand derselben oft ein recht mangelhafter ist. Ich glaube darum 
auch meine Studien nicht unverwerthet lassen zu sollen, wenn sie 
auch nicht den Gegenstand erschöpfen und meine Mittheilungen dar- 
über mitunter selbst aphoristisch erscheinen mögen. 

Diesen einleitenden Worten will ich nur noch eine Bemerkung 
über die Art einer zweckmässigen Präparirung der Jris-Blüthen für 
das Herbar hinzufügen. Es empfiehlt sich nämlich immer sofort beim 
Einlegen der frischen Pflanzen einzelne Blüthen knapp über der 
Perigonröhre durchzuschneiden und die auseinanderfallenden Theile, 
die Abschnitte des Perigons und des Griffels und die Pollenblätter 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 11. Heft 1887, B7 


374 


für sich sorgfältig zu pressen. Nur in dieser Weise gelingt es, die 
Form und gewöhnlich auch die Farbe der Blüthentheile so zu er- 
halten, dass sie zu Vergleichen und zu genauerem Studium über- 
haupt benützt werden können. Selbst an sorgfältig getrockneten gan- 
zen Blüthen kann man diese oder jene Einzelheit nicht mehr er- 
kennen. Besonders schwer wird es gewöhnlich, die Umrisse der Ab- 
schnitte zu bestimmen. Versucht man dann unter Anwendung von 
kaltem oder warmem Wasser zu präpariren, so ist nur zu häufig 
die Blüthe verloren, ohne dass man zu dem gewünschten Ergebniss 
gelangt ist. Jene Art der Analyse ist dagegen vollständig mühelos 
und ermöglicht ohneweiters durch blosses Nebeneinanderlegen der 
Präparate einen eingehenderen Vergleich. 


1. Iris Ruthenica Gawl. Ker. 
und deren Verwandte. 


Im botanischen Garten werden Iris humilis M. B. und Iris 
Ruthenica Gawl.-Ker gezogen. Die verwirrte Synonymik hat Janka 
in der Oe. B. Z. 1868, pag. 383, aufzuklären versucht. In Ueber- 
einstimmung mit den Ergebnissen seiner kritischen Untersuchung 
stehen denn auch die Literaturangaben im Texte der Schedae ad 
Flor. Austr.-Hung. zu Jris caespitosa Pall. Nr. 123 und zu Jris 
humilis M. B. Nr. 1293. Ueber die /. humilis herrscht heute voll- 
ständige Klarheit. Ich habe daher auch nichts weiter darüber zu 
bemerken. Anders verhält es sich mit J. Ruthenica, beziehungsweise 
J. caespitosa. Darüber seien mir einige Worte gestattet. Zuerst tritt 
der Name J. Ruthenica im Bot. Mag. 1123 (1794) auf. Autor ist 
nach der Chiffre G., welche sowohl der lateinischen Diagnose, wie 
dem englischen Text nachgesetzt ist, Gawler-Ker. Gewöhnlich 
wird aber Aiton als Autor angeführt und dazu Hort. Kew. 2. ed. 
vol. I. 117 (1810) eitirt. Die betreffende Stelle im Hort. Kew. stammt 
übrigens von Dryander, welcher demnach an Aiton’s Statt zu - 
nennen wäre. Indessen beruft sich auch Dryander schon a. a. 0. 
auf Gawler-Ker als den Autor der /. Ruthenica. Soviel über den 
Ursprung des Namens J. Ruthenica. Wichtiger ist die Frage, was 
ist /. Ruthenica Gawl.-Ker. Bot. Mag. Nr. 1123 und ist sie iden- 
tisch mit der in demselben Werke unter Nr. 1393 abgebildeten 
Art und noch mehr mit /. caespitosa Pall. von der sie Janka für 
specifisch verschieden hält. Auf den ersten Blick scheint es, als ob 
die /ris auf t. 1123 und jene auf t. 1393 zwei völlig verschiedene 
Pflanzen seien, obwohl sie der Autor beide als J. Ruthenica bezeich- 
net und von der zweiten nur sagt, es sei bloss ein üppigeres und 
besser entwickeltes Exemplar. Er hätte aber noch hinzufügen sollen, 
dass die Abbildung auf t. 1123 ausserdem missglückt sei und theil- 
weise im Widerspruch zu dem beschreibenden Text steht. Dies gilt 
vor allem in Bezug auf den Stengel. Auf der Tafel ist die Pflanze 
fast stengellos dargestellt, im Texte heisst es: „stem extrafoliaceous, 


om 
BY 


1) 
about two inches high“. Ferner sind die äusseren Perigonab- 
schnitte im Bilde nur wenig breiter als die inneren, und fast linear, 

' während die Beschreibung sagt: „inner segments nearly three 
times narrower (se. than the outer)“. Sieht man daher von diesen 
Abweichungen ab, so beschränkt sich der Unterschied auf das Ver- 
hältniss zwischen der Länge des Fruchtknotens und der Perigon- 
röhre und die Länge des Blüthenstieles. Auf letzteren Punkt ist von 
den verschiedenen Botanikern, die sich mit diesem Gegenstande be- 
schäftigten, kein Gewicht gelegt worden und, wie ich glaube, mit 
Recht, da in der That an den Blüthen eines und desselben Stockes 
beträchtliche Schwankungen in dieser Hinsicht vorkommen. Das ver- 
schiedene Längenverhältniss zwischen Fruchtknoten und Perigon- 
röhre jedoch hat schon Grisebach veranlasst, die kurzröhrige Form 
als /. caespitosa Pall. von der langröhrigen I. Ruthenica „Ait.* zu 
trennen. Ihm ist Janka gefolgt und seiner Auffassung entsprechen 
auch die Angaben in den Schedae ad flor. Austr.-Hung. Nr. 665. 
Dieser J. caespitosa Pall. entspricht aber auch die von Maximo- 
wics aufgestellte Varietät ß. brevituba der I. Ruthenica (Mel. biol. 
X. 704. 1830). Kehren wir nochmals zu den Abbildungen im Bo- 
tanical Magazin zurück, so stellt t. 1123 wegen des „tube... about 
the length of the germen“ ebenfalls 7. caespitosa und t. 1393 die 
I. Ruthenica der eben genannten Autoren dar. Dieses Längenver- 
bältniss zwischen Fruchtknoten und Perigonröhre ist aber allem An- 
scheine nach keineswegs ein so beständiges und bestimmtes. Auch 
unter den mir aus Siebenbürgen vorliegenden Exemplaren aus Ham- 
mersdorf, Klausenburg, Giresau und Torda kommen, wenn schon 
das Verhältniss meist 1:1 ist, doch auch nicht wenige mit deutlich 
längerer Perigonröhre und selbst solche vor, wo das Verhältniss fast 
1:2 ist (75 und 8 gegen 13 und 14 Mm.). Uebrigens gibt auch 
Fuss in seiner Fl. Transsilv. pag. 637 an: „perigonii tubus ovarium 
...2—3plo superans“, Was dagegen das asiatische Russland be- 
trifft, so scheinen sich dort nach den Angaben von Maximowics 
die Verbreitungsgebiete beider Formen zu decken. An klimatische 
oder ähnliche äussere Einflüsse als entscheidende Umstände für das 
Auftreten der einen oder anderen Form ist kaum zu denken, es hat 
vielmehr die Annahme die meiste Wahrscheinlichkeit für sich, dass 
man es hier mit zwei genetisch gleichwerthigen Formen zu thun hat, 
die durcheinander auftreten und von denen stellenweise wohl auch 
die eine oder die andere überwiegt. Damit ist nicht ausgeschlossen, 
dass nicht etwa eine von ihnen irgendwo, z. B. die kurzröhrige Form 
in Siebenbürgen diesem von dem Hauptgebiete losgelösten Bezirke 
Pr Oberhand und schliesslich die alleinige Herrschaft bekommen 
sollte. 

Aus dem Gesagten folgt bezüglich der Benennung noch, dass 
der Art der Name J. Ruthenica Gawl.-Ker zukommt, da das Alter 
des Pallasischen Namens caespitosa nicht ausforschbar ist und Link 
ihn erst 1820 in den Jahrbüchern I. 3, pag. 71 hervorhob. Die kurz- 

 röhrige Form entspricht dann der J. caespitosa Pall. u der var 


376 


brevituba Max., während die langröhrige als die augenscheinlich häu- 
figere für die typische Form angenommen werden mag. 

Maximowies beschreibt a. a. O. pag. 705 noch eine Varietät 
y. nana der I. Ruthenica, welche der Beschreibung nach jedenfalls 
weiter von den besprochenen Formen abweicht, als diese unterein- 
ander. Sie ist wie die nahe verwandte 7. uniflora Pall. und die etwas 
ferner stehenden J. Grijsi Max. dem äussersten Osten eigen. Da das 
Vorkommen der J. Ruthenica in Siebenbürgen eine so merkwürdige 
pflanzengeographische Erscheinung ist, so mögen nur einige Worte 
darüber gestattet sein. 

Innerhalb des weiteren Formenkreises, welchem J. Ruthenica 
angehört, lassen sich drei Gruppen unterscheiden, deren Glieder sich 
untereinander näher stehen, als irgend welchen Formen einer der 
anderen Gruppen: 


1. Die Gruppe der Iris Ruthenica mit J. Ruthenica Gawl.- 
Ker (in beiden Formen) selbst, mit Z. nana Max., I. uniflora Pall. 
und /. Grüsi Max. Das Gebiet der J. Ruthenica umfasst die Ge- 
sammtheit der südsibirischen Gebirgssysteme, greift im Südwesten 
bis auf die Berge am Ili und auf den Thian-Schan, im Südosten 
auf die Anhöhen um Kalgang im nördlichen China über und erstreckt 
sich nordwärts einerseits bis in die Niederungen von Omsk, anderer- 
seits über das Stromgebiet der oberen Lena hinaus bis an den 
Ochotskischen Meerbusen. Zu diesem gewaltigen Areale kommen nun 
noch die wenigen Standorte im mittleren Siebenbürgen hinzu, un- 
zweifelhaft Ueberbleibsel aus einer Zeit, wo noch das ganze mittlere 
und östliche Europa unter der Herrschaft eines typischen Steppen- 
klimas stand. Diesem Ueberrest aus einer Periode des grössten Vor- 
dringens der /. Ruthenica nach Westen, steht das Auftreten einer 
kleinen Zahl sehr nahe verwandter Arten, wie solche im Westen 
ganz fehlen, an der östlichen Verbreitungsgrenze gegenüber. So 


schliesst sich J. nana unmittelbar im äussersten Südosten, I. uniflor« 


im Osten an, indem erstere die Gebirge um Kalgang und am Pei-ho- 
flusse, diese das Gebiet vom Baikal-See südost- und dann ostwärts 
bis an die mandschurische Küste bewohnt. Eine dritte Art, Z. Grösi, 


findet sich in ziemlicher Entfernung im Südosten in der Provinz 


Fo-kien gegenüber der Insel Formosa, im Verbreitungsgebiete der 
I. ensata, jener Art, zu welcher sie von der J. Ruthenica zunächst 
hinüberführt. 

Wie eine Reihe anderer Ueberreste aus der nunmehr verdräng- 
ten mitteleuropäischen Steppenflora, hat auch diese Jris-Gruppe im 
Westen nicht bloss an Boden, sondern auch an Kraft zur Entfaltung 


ie verloren. 
3. Iris humilis M. B. 


Neben J. Ruthenica beherbergt das siebenbürgische Bergland 


noch eine zweite merkwürdige Art von naher Verwandtschaft, die ' 


J. humilis M. B. Während aber die Gruppe der J. Ruthenica vor- 


377 


züglich den Osten und Nordosten des gemässigten Theiles von Eur- 
asien bewohnt, liegt das Verbreitungsgebiet der Gruppe der I. hu- 
- mälis mehr nach Südwesten. Nur eine Art gehört dem mittleren 
Asien an. J. humilis ist auf Siebenbürgen und das südwestliche 
Russland beschränkt; der östlichste Standpunkt ist im nordwestlich- 
sten Theile des Kaukasus. Die nächstverwandte Art I. Ludwigi 
Max. (Mel. biol. X., pag. 693 f.) gedeiht mit 7. Ruthenica ver- 
mischt im Altai innerhalb eines, soviel bis jetzt bekannt, sehr be- 
schränkten Bezirkes. Zwei andere unter sich ebenfalls sehr nahe 
verwandte Arten bewohnen Theile des Mittelmeergebietes, u. zw. 
I. unguieularis Algier, I. Öretensis Griechenland, einen Theil der 
jonischen Inseln, Rhodos, Karien und das syrische Küstenland, so 
dass sich die ersteren zwei einerseits und die letzten zwei anderer- 
seits wie Parallelreihen gegenüberstehen. Keine von ihnen besitzt 
weite Verbreitung und ihre Bezirke sind vollständig von einander 
getrennt. Das Gebiet der Gruppe ist in isolirte Bezirke aufgelöst 
und innerhalb derselben hat jede Weiterentwicklung zu neuen Arten 
aufgehört. 


. Iris tenuifolia Pall. Wie die erste Gruppe besitzt auch 
die der eben genannten Art gegenwärtig noch eine grosse Ausdeh- 
nung und gehört mehr dem Osten an. Wie jene ist auch sie an der 
Östgrenze reicher gegliedert und besitzt auf europäischem Boden 
einen Aussenposten, der allerdings einen ganz natürlichen Anschluss 
findet. Die grösste Verbreitung hat I. tenuifolia selbst. Sie erstreckt 
sich von Turkestan über die südliche Songarei und Mongolei bis zur 
chinesischen Proyinz Kansu und den Daurischen Alpen, wozu dann 


noch ein Bezirk in den kaspischen Steppen an der unteren Wolga 
und am Ural kommt. In den iranischen Steppen wird sie durch 
I. Songarica Schrenk vertreten, mit welcher sie in Turkestan und 
der südlichen Songarei zusammentrifft. Nahe verwandte Arten der 
I. tenuifolia sind im Osten I. Bungei Max. (Mel. Biol. X., pag. 695) 
und I. ventricosa Pall. Jene bewohnt einen kleinen District’ in der 
südlichen Mongolei, wo sie neben der J. tenuifolia auftritt; diese 
verbreitet sich über ein weiteres Gebiet in mehr nordöstlicher Rich- 
tung: von der chinesisch-mongolischen Grenze bis an die Daurischen 
Alpen und den Argun und Urulungui. 


(Fortsetzung folgt.) 


— 


Cirsium Przybylskii (nov. hybr.). 
(©. oleraceum Scop. x ©. paueiflorum Spr.) 
Von Dr. M. Ritt. v. Eichenfeld. 


©. caule toto folioso superne arachnoideo, peduneulis brevibus 
drachnoideis; foliis amplewicaulibus subtus arachmoideis ovatis oblon- 


378 


gis, infernis petiolatis, superis sessilibus, pinnatifidis vel pinnatisectis, 
pinnis ovatis horizontalibus vel antrorsum versis, capitulis 5—6 
congestis, cylindratis, bracteatis; anthodii squamis paulum purpu- 
rascentibus, lineari-lanceolatis, in spinulam brevem attenuatis, apice 
patentibus; corollae ew ochroleuco purpurascentis limbo quam 
tubo longiore. 

Öreseit in prato humido valliculae cujusdam subalpinae mon- 
tium Seethaleralpen prope Judenburg in Stiria, solo schistoso et cal- 
careo mixto, rarissime inter parentes. Nomen inditum in honorem 
domini B. Przybylski, diligentissimi scrutatoris florae Stiriacae, 
qui plantam die XX. Julii 1885 invenit. 

Diese ungefähr einen Meter hohe Pflanze ist sofort als Bastard 
von Cirsium paueiflerum und ©. oleraceum kenntlich. Von ersterer 
Pflanze hat sie den Blüthenstand und die spinnwebige Behaarung 
der Blätter und des oberen Theiles des Stengels, welche Behaarung, 
ebenso wie bei (©. paueiflorum nach oben zu intensiver wird; von 
letzterer die Blätter, deren Fiedern ganz denen des ©. oleraceum 
gleichen. Die Blüthenfarbe hält die Mitte zwischen der der Stamm- 
eltern. Dasselbe gilt von der Farbe der Anthodialschuppen, welche 
grün und röthlich überlaufen sind. 


Wien, 6. October 1887. 


— dd 


Ein weiterer Beitrag zur Flora von Banjaluka, sowie 
einiger Punkte im mittleren Bosnien. 


Von Paul Conrath, 
Assistent an der deutschen Technik zu Prag. 


Im Jahre 1882 veröffentlichte F. Hofmann in dieser Zeit- 
schrift ein reichhaltiges Verzeichniss von Pflanzen, welche er in der 
Umgebung von Banjaluka gesammelt hatte. Ich habe mich im Hoch- 
sommer vorigen Jahres mehrere Wochen in jenem Orte aufgehalten 
und hatte Gelegenheit durch zahlreiche Excursionen die Ueberreste 
der Flora kennen zu lernen. 

Da ich dabei mehreres, theils für die dortige Gegend, theils 
für ganz Bosnien Neue auffand, und da Hofmann nur eine Auf- 
zählung der Namen von Pflanzen mit Ortsnamen ohne die Art 
und Weise des Vorkommens derselben gibt, was ja doch den Bo- 
taniker gewiss auch interessirt, so halte ich mich zur Veröffentli- 
chung des Nachfolgenden für berechtigt. Ich werde mich jedoch dar- 
auf beschränken, ausser den neuen Standorten, nur bei den inter- 
essanteren Pflanzen die Art und Weise des Vorkommens zu erwähnen, 
und gedenke am Schlusse der Aufzählung einen Blick auf die Ge- 
sammtheit, d. h. auf die Pflanzenvergesellschaftungen der Umgebung 
Banjalukas zu werfen. Einige auf meiner späteren Reise von Ban- 


319 


jaluka nach Sarajevo gesammelten Pflanzen will ich in die Aufzäh- 
lung einschalten. 

Ich halte es für gut, derselben eine kurze Schilderung der 
Lage Banjalukas mit besonderer Berücksichtigung des zu Tage tre- 
tenden geognostischen Substrates, das ja den Träger der Pflanzen- 
welt bildet, vorauszuschicken. 

Banjaluka liegt in einer kesselartigen Erweiterung des roman- 
tischen Thales, das sich der smaragdgrüne Vrbas durch die meso- 
zoischen Sedimente des nördlichen Bosniens, die etwa eine Stunde 
südlich der Stadt, bei Gorni Seher eine Nordostgrenze erreichen, 
gefressen hat. Gezwungen durch einen niedrigen Serpentinzug, der 
von Südosten kommt und etwa 2 Stunden nördlich von Banjaluka 
das Vrbasthal verquert, verengt sich dasselbe auf eine kurze Strecke 
und bildet dann abermals eine kesselartige Erweiterung, die sich bei 
Klasnice wieder schliesst. Von hier aus nimmt das Vrbasthal con- 
stant bis an die nördliche Landesgrenze, also in der Richtung gegen 
Gradiska an Breite zu. 

Die schon erwähnten mesozoischen Sedimente im Süden von 
Banjaluka bilden einen von Gorni Seher in östlicher Richtung zie- 
henden bewaldeten Gebirgszug, der mehrere deutliche Kuppen er- 
kennen lässt, und den ich im Nachfolgenden als die „Ponirkette“* 
(nach dem höchsten Punkte, dem Ponir vrh 421 M.) bezeichnen 
will; sie geht bis an das Thal der Vrbanja, die sich bei Banjaluka 
mit dem Vrbas vereint, und begrenzt den ganzen südöstlichen und 
östlichen Horizont. Das Material, aus welchem diese Gebirgspartie 
zusammengesetzt erscheint, ist ein dichter, grauer, anscheinend pe- 
trefaktenfreier Kalkstein, den wir als cretaceische Bildung aufzu- 
fassen haben. Ganz dasselbe Gestein setzt sich westlich von Gorni 

eher, also am linken Ufer des Vrbas fort und staut sich hier zu 
einem höheren Gebirgsstock mit Karstcharakter, welcher die Aus- 
sicht nach südwestlicher Richtung verwehrt. 

Unterteuft wird dieser graue Kreidekalk von einem meist dun- 
kelrothen Plattenkalk, der zwar eine sehr untergeordnete Rolle spielt, 
den ich aber der Vollständigkeit wegen anführen wollte. Er tritt 
öfters an der Strasse von Gorni Seher nach Sitnica zu Tage und 
dürfte nach Mojsisovies') ein Aequivalent des oberjurassischen 
Aptychenkalkes der Alpen sein. Wenden wir unsere Blicke nun nach 
Westen und Nordwesten, so liegt ein grossentheils bebuschtes, aus- 
gedehntes Hügelland vor uns, das wir als den Grund eines grösseren 
Meeresbeckens mit variablem Niveau aus der späteren mesozoischen 
und darauffolgenden känozoischen Zeit aufzufassen haben, und wel- 
ches dereinst den grössten ‘Theil des nördlichen und nordöstlichen 
Bosniens bedeckte. 

Die Ablagerungen, welche hier zu Stande kommen, sind theils 
plattig sich absondernde, hell klingende Kalke, theils kalkhaltige 
Lehme, die jaspisähnliche Rollstücke führen. Das lehmartige Sedi- 


*) Grundlivien der Geologie von Bosnien und Herzegowina. Wien 1880. 


% 


380 


ment betrachte ich mit Paul!) als diluvialen sogenannten „Berg- 

lehm“. Die hellen leichten Kalke dürften nach den zahlreichen Con- 

gerienabdrücken, welche sie enthalten, aus dem oberen, vielleicht 
auch noch aus dem mittleren Tertiär sein. Nummulitenkalke konnte 
ich nicht ermitteln. 

Im Norden, Nordosten und Osten jenseits der Vrbanja stiess 
ich mehrmals auf Serpentine und ähnliche Gesteine (Gabbro), welche 
z. B. bei Vrbanja von dünnen, weissen, bisweilen röthlichen oder 
srünlichen Dolomitlagen durchsetzt sind, die jedenfalls secundäre 
Kluftausfüllungen sind. Umlagert sind diese Gesteine meist wieder 
von dem kalkigen Lehm, der auch am linken Ufer der Vrbanja der 
Ponirkette vielfach vorgelagert ist. Sie bilden, wie schon früher 
erwähnt wurde, eine von Südost nach Nordwest ziehende Kette, die 
auf der geologischen Uebersichtskarte von Bosnien von Mojsiso- 
wics, Tietze und Bittner deutlich hervortritt, die aber viel näher 
an die Vrbanja beim Orte gleichen Namens herantritt, als es auf 
dieser Karte der Fall ist. Der Zug markirt sich im Terrain durch 
einen mit recht hübschem Laubwalde besetzten Rücken (Trapisten- 
wald), hinter dem malerisch schön gelegenen Trapistenkloster bei 
Banjaluka. Nach Paul ]. c. werden diese serpentinähnlichen Gesteine 
als Gebilde aus der mittleren oder oberen Procaenzeit aufzufassen 
sein. Von eigentlichen Flyschgesteinen der Kreide fand ich nur harte 
graue, schiefrige Kalkmergel im Surtojlia-Thal anstehen. Die oberste 
Schichte des "ausgedehnten Exercierplatzes bei Banjaluka und viel- 
leicht auch des Untergrundes der Stadt selbst besteht aus Vrbas- 
schotter verschiedener Abkunft, der den tertiären Kalken aufgelagert 
ist, wie die Kohlenausbisse am Ufer des Vrbas nächst der Kaserne, 
sowie die „Kalkriffe* im Flusse selbst, welche von Neritina stra- 
gulata Mühlf. und Melanella Holandri Fer. sp. var. legitima und 
var. laevigata Rssm. bewohnt sind. (Auf Steinen im Surtojlia Bache 
lebt Melanopsis Esperi Fer.) 

Dies dürfte zur Orientirung genügen und ich will nun zur Auf- 
zählung der gesammelten Pflanzenarten übergehen. Dabei werde ich 
mich nach dem „Catalog“ von Ascherson et Kanitz halten, um 
die Uebersicht zu erleichtern; wenn ich mich auch nicht mit der 
Nomenclatur daselbst befreunden kann. 

Aspidium lobatum Sw. ß. angulare Metten var. hastulata Kze. (Asp. 
hastulatum Ten.) Berg Hum bei Jaice; Kalk c. 1000 M. Nach 
Luerssen in Rabenhorsts Kryptogamenflora pag. 349 eine süd- 
liche (Südeuropa) und westliche (England, Irland) Form. 

Asplenium adiantum nigrum L. subspec. nigrum Heufl. var. lanei- 
folium Heufl. Verbreitet auf Kalkfelsen der Ponirkette. 

— subspec. Serpentini Heufl. var. genuina Milde (Aspl. Serpentini 
Tsch.) Serpentinfelsen bei Vrbanja n. B.°) 


‘) Beiträge zur Geologie des nördlichen Bosniens. Jahrbuch der k. k. geo- 
log. Reichsanst. 1879. 
®) B. bedeutet immer Banjaluka. 


u VEN 


381 


Phegopterig Robertianum A. Br. Kalkfelsen im Surtojlia-Thale bei 
Gorni Seher. 

Custopteris fragilis Bernh. var. antriscifolia Koch. Desgleichen. 

Equisetum telmateja Ehrh. Verbreitet in der unteren Region der 
Ponirkette. 

Pinus nigra Armold (P. nigricans Host.), ein Baum zwischen Fel- 
dern bei Vrbanja. 

Pinus — ? Auf Kalkfelsen am Berge Hum bei Jaice; das gesam- 
melte Material ging mir leider verloren. 

Abies alba Mill. Wälder bei Sitnica (zwischen Banjaluka und Jaice). 

Sorghum Halepense Pers. Grasige Hänge westlich von Banjaluka und 
in Grasgärten daselbst. 

Alopecurus utriculatus Prs. Wiesen bei Zalusani nördlich v. B. 

Leersia oryzoides Sw. Feuchte Wiesenplätze im Rakovac-Thal 
bei B.; aus den angrenzenden Ländern bereits bekannt und süd- 
lich nach Boissier fl. or. bis Nordafrika gehend. 

Cynodon dactylon Pıs. Ufer des Vrbas bei der Kaserne in B. 

Piptatherum paradovum Beauv. Kalkfelsen bei Gorni Seher. 

Lasiagrostis Calamagrostis Luk. Lehnen bei Janjice an der Bosna- 
Bahn. 

Sesleria elongata Hst.; Kalkfelsen am rechten Ufer des Vrbas bei 
Gorni Seher; Berg Hum bei Jaice; Kalk e. 1000 M. 

Melica uniflora Retz. Wälder am Ponir bei B. 

— nebrodensis Guss. Kalkfelsen bei Gorni Seher. 

Eragrostis pilosa Beauv. An und auf Wegen im Lager bei B. 

Molinia eoerulea Much. Serpentinfelsen bei Vrbanja in Rinnsalen. 

Festuca montana Stbg. und Hoppe (M. B.) Bergwälder der 
Plane in der Ponirkette; diese östliche Art erreicht hier eine 
Südgrenze. 

— gigantea Vill. Wälder der Ponirkette; geht noch südlicher bis 
in das Narenta-Thal. (Siehe Beck, Flora von Südbosnien etc. 
pag. 45.) 

Brachypodium silvaticum Beauv. Wie vorige; erreicht hier eine 
Südgrenze der Verbreitung. 

Bromus mollis L., leiostachys Pers. (glabratus Döll.) Ufer des Vrbas. 

— arvensis L. Mit ungescheckten Aehrchen; ebenda 

Uyperus flavescens L. var. gracilis m. Stengel und Blätter aufrecht, 
letztere höchstens 0°5 Mm. breit, Hüllblätter alle mehr oder 
weniger aufrecht, das unterste einer Fortsetzung des Halmes 
ähnlich. Nähert sich habituell dem (©. pannonicus Jeq., von wel- 
chem er durch flachere Aehrchen mit blassgelben Spelzen, durch 
halb so grosse, beiderseits gewölbte Früchtehen verschieden ist. 
(Bei ©. pannonicus sind die Früchtehen planconvex bis concav- 
convex.) Trockene Wiesen bei Ivanjska an der Militärbahn. 

— fuscus L. var. rivularis m. Stengel und Blätter aufrecht, bis 
3 Dem. hoch, Aehrchen in zusammengesetzter Spirre, die Spirren- 
äste sehr ungleich, die längsten mehrmals (bis 5mal) länger als 
die Achrehen; Spelzen mit grünem Mittelkiel, zu beiden Seiten 


desselben weiss durchscheinend, an den Rändern dunkelroth. — 
So an einem Rinnsal an der Südwestlisiere von B. mit der var. 
virescens Hffm. Diese Form entfernt sich habituell sehr von dem 
©. fuscus L. der feuchten sandigen Teichränder und Flussufer 
und nähert sich dem ©. calidus Kern. und ©. glaber L. Von 
ersterem ist er verschieden durch schmälere (höchstens 3 Mm. 
breite) und kürzere (höchstens die Spirre erreichende) Blätter. 
Von ©. glaber L. ebenfalls durch schmälere Blätter, sowie durch 
doppelt kleinere Aehrchen mit ungefurchten Spelzen. 

Cyperus longus L. Feuchte Wiesen bei Zaluzani unweit B.; aus 
sämmtlichen Nachbarländern bereits bekannt, 

Veratrum nigrum L. Surtojlia-Thal bei Gorni Seher auf Kalkfelsen; 
Berg Hum bei Jaice sehr häufig; Kalk c. 1000 M. 

Allium carinatum L. Grasige Lehnen an der Westlisiere v. B. 

— pulchellum Don. Lehnen am rechten Flussufer bei Vrbanja; 
auf Felsen im Surtojlia-Thal bei Gorni Seher. Aus den angren- 
zenden Ländern bereits bekannt. Durch die halbeylindrischen 
Blätter und zwiebellose Dolde zu unterscheiden und doch wohl 
Art. (Vergl. Kerner Veget. Verh. in Oest. bot. 2. XXVII und 
Freyn, Nachträge zur Flora von Süd-Istrien, V. z. b. G. 1881, 
pag. 30.) 

Ruscus Hypoglossum L. Im Walde auf dem Hum bei Jaice. 

Himantoglossum hircinum L. Hügel bei Budjak nächst B.; Werk VII 
bei B. 

Cephalanthera pallens Rich. Laubwälder um B. 

Epipactis mierophylla Sw. Laubwald bei Rakova6 B. 

‚Alnus incana DC. An der Strasse zwischen Travnik und Janjice. 

Populus tremula L. Hügel westlich v. B. 

Salix caprea L. Wälder bei Sitnica. 

Quercus cerris L. Wälder und Gebüsche bei Ivanjska an der Mili- 
tärbahn. . 

— sessiliflora Sm. Dessgleichen. 

Carpinus duinensis Scop. Auf Felsen, Hügeln und Bergen um B. 
häufig; steigt ziemlich hoch an der Strasse nach Kadina voda. 

Juglans regia L. Am Berge Plane bei B. im dichten Walde. 

Parietaria erecta M. K. Zwischen Geröll am Berge Plane. 

Beta vulgaris Mogq. y. orientalis Mog. in De Candolle Prodr. XTIL., 
pag. 56. (Beta vulgaris var. foliosa in Ascherson Fl. aegypt.; 
B. orientalis Roth., Beta folosa Ehrenb., B. Benghalensis Roxb. 
nach Mog. 1. e.) Am Castellberge in Jaice in grosser Anzahl 
auf Kalkgerölle anscheinend wild. 

Alle Blüthen, die ich untersuchte, hatten drei Narben! 

Thesium intermedium Schrad. Grasige Hügel an der Westlisiere 
von B.; sonnige Lehnen im Rakovac-Thal; erreicht um B. eine 
Südgrenze der Verbreitung. 

Dipsacus pilosus L. Am Bache bei Ivanjska an der Militärbahn. 

Scabiosa incanescens Freyn. in litt. ad. Brandis. Auf sonnigen 
bebuschten Hügeln westlich von B. häufig mit einer Form, welche 


383 


die mittleren Stengelblätter tief und schmal zerschnitten hat 
(var. tenuisecta m.) Die Art steht nach freundlicher Mittheilung 
H. Freyn’s der Sc. dalmatica Hut. et Kerner in sched. am 
nächsten. 


Trichera eiliata Nym. (Knautia eiliata Coult in De Candolle 
Prodrom. pag. 651, Koch. Syn. Ed. I p. 344, Knautia eiliata 
Spreng. in Boiss. Fl. or. vol. III pag. 127.) Grasige Lehnen am 
linken Ufer der Crkvina bei Banjaluka. 

Von Tr. arvensis Schrad. durch die steifere, rauhere und 
längere Behaarung, die stengelumfassenden, breiteren Blätter und 
die kleineren Blüthenköpfe verschieden. Meine Exemplare zeigen 
im unteren Theile des Stengels rückwärts gerichtete Behaarung, 
die ich jedoch auch an böhmischen Exemplaren der Tr. arvensis 
Schrad. finde (Boiss. 1. c.), dagegen sind sie überall drüsenlos 
(nicht pedunculis subglanduloso pilosis Koch 1. c.). Die mittleren 
Stengelblätter sind am Grunde mehr oder weniger tief aber im- 
mer deutlich eingeschnitten, die obersten lanzett und ganz, alle 
angedrückt steifhaarig. Die Farbe der Blüthen ist rothviolett (sor- 
dide albi in DC. 1. c. albidis et carneis in Boiss. 1. c.). Trotz 
dieser abweichenden Blüthenfarbe, die ja auch bei Tr. arvensis 
Schrad. sehr variirt, glaube ich diese Pflanze, wegen der übrigen 
angeführten Merkmale zu Tr. ciliata Nym. stellen zu sollen. 
Boissier 1. c. erwähnt nichts von den stengelumfassenden 
Blättern. 7 


-— bosniaca n. sp. Stengel aufrecht bis 1 M. hoch, kahl, nur 
unter den Blüthenköpfen eine kurze Strecke abstehend steifhaarig, 
Blätter alle kahl, untere und mittlere Stengelblätter läng- 
lich bis länglich elliptisch, lang zugespitzt, im obern Drit- 
tel am breitesten, gegen die Basis allmälig und lang 
verschmälert, mit stengelumfassendem Grunde sitzend, 
die mittleren in den Achseln mit 2 lanzettlichen, '/, so langen 
Blättehen, in den oberen Zweidritttheilen, mehr oder weniger 
ungleich entfernt grob gezähnt, im unteren Drittel 
ganzrandig, obere Blätter länglich lanzett, ganzrandig, die an 
den seitenständigen Blüthenstielen klein, eiförmig, länglich; Blü- 
thenstiele sehr lang (bis 20 Cm.), die seitlichen kürzer; Hüllblätter 
eiförmig, zugespitzt, kahl, kürzer als die Blüthen, die innern 
schmäler; Blüthen violett, Randblüthen strahlend, äusserer Kelch 
dicht rauhhaarig, am Rande undeutlich gezähnt, innerer doppelt 
kleiner, ebenso behaart, mit 8 etwa 3 Mm. langen Borsten. 

Wiesen und Gebüsche zwischen dem Bahnhofe bei B. und 
dem Vrbas, gegen das Trapistenkloster zu. 

Von 1. nt Nym. und Tr. Fleischmanni Nym. 
durch die Form und Serratur der Blätter, die Drüsenlosigkeit 
von Tr. neglecta garen) durch die Kahlheit und Drüsenlosigkeit, 
ete. von Tr. arvensis Schrad. durch die Kahlheit, Form und 
Serratur der Blätter, Wuchs ete. von Tr. bohemica (Schmidt) 


354 


durch die nicht zerschnittenen Blätter, die im oberen Drittel 
am breitesten sind etc. verschieden. 


Suceisa australis Rb. Feuchte Wiesen bei Ivanjska an der Militär- 
bahn. 


(Fortsetzung folgt.) 


Rosa Hedevigae n. spec. 
Von Br. Blocki. 


Diagnose: Strauch mittelgross bis gross, aufrecht, von inten- 
siv grüner Farbe, mit ausgebreiteten Aesten und aufrechten, ziem- 
lich dicht bestachelten Stämmen. Stacheln derb, bis 1'5 Cm. lang, 
von länglicher Basis allmälig sichelförmig gekrümmt. Blatt- 
stiel dicht behaart, drüsig und bestachelt. Blättchen zu 7, bis 45 Cm. 
lang, Endblättchen von schwach herzförmiger Basis breitelliptisch, 
zugespitzt, Seifenblättchen verhältnissmässig schmäler als das End- 
blättchen, elliptisch, kurz zugespitzt; alle doppelt gezähnt-gesägt. 
oberseits dunkelgrün, glänzend, unterseits blassgrün mit vor- 
ragenden Hauptnerven, beiderseits mit sehr kurzen sammtartigen 
Haaren dicht besetzt, unterseits ausserdem auf der ganzen Fläche 
dicht drüsig bekleidet. Sägezähne eiförmig, zugespitzt, ab- 
stehend, mit winzigen Drüsen an den Rändern. Nebenblättchen 
schmal, linealkeilig, flach. Oehrchen schmaldreieckig, spitz, abstehend, 
unterseits behaart, kleindrüsig gerändert, die der blüthenständigen 
Blätter ebenso wie die Deckblätter breiter, länglich. Blüthenstiel 
länger als die Deckblättchen, meist zu 3—5, selten einzeln, schwach 
drüsig borstig, stets gerade. Kelchzipfel eiförmig, mit langem, 
schmalem Endanhängsel, 15 Cm. lang; die drei äusseren fieder- 
spaltig, mit kurzen und kaum 0'5 Mm. breiten, drüsig gewim- 
perten Fiedern, alle am Rücken dichtdrüsig, nach dem Verblühen 
rückwärts abstehend, vor der Fruchtreife vertrocknend und ab- 
fallend. Blumenblätter ganzrandig, ziemlich klein, blassrosa. 
Griffel im kurzen mit spärlichen Haaren bekleideten Köpfchen, 
auf ziemlich breitem, fast flachem Discus sitzend. Scheinfrucht 
schwach drüsig bekleidet, 1:5 Cm. lang, 1 Cm. dick, eiförmig, 
über der Mitte sehr deutlich halsig verschmälert, scharlach- 
roth, auf 15—2 Cm. langen Stielen. 


Standort: In lichten Gebüschen an steilen Uferabhängen des 
Dniester und Seret in Südostgalizien. Von mir bisher nur in Sin- 
köw (am Dniester) und in Myszköw (am Seret) beobachtet; am erst- 
genannten Standorte in ziemlich vielen Exemplaren. 


Bemerkungen: Von allen bisher bekannt gewordenen Arten 
der Gruppe „Tomentosae“ unterscheidet sich Rosa Hedevigae mihi 


385 


sehr erheblich besonders durch oberseits glänzende Blätter, wel- 
ches Merkmal jedoch an getrockneten Exemplaren verloren geht. 


Probabin (Südostgalizien), am 10. September 1887. 


—i — 


Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des 
Hochgesenkes,. 


Von Dr. Ed. Formänek, 


k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn, 


(Fortsetzung.) 


Valeriana ofieinalis L. Wiesenberg und herab bis Mähr. Schönberg 
(Oborny) Rabenseifen, Zöptau, Buchelsdorf, Aspendorf, Pföhl- 
wies, Goldenfluss, Kl.-Mohrau, Wermsdorf, Kiesgraben, Römer- 
stadt, Irmsdorf, Gundersdorf, Bautsch. 

— Bee a Mikan. Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech, Werms- 
dorf. 

Valerianella dentata Poll. Gr.-Ullersdorf, Wiesenberg etc. (Oborny) 
D. Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Buchelsdorf, Neu- 
dorf, Blauda, Nikles, Grumberg, K1.-Mohrau, Krondörfl, Wahl- 
bergsdorf, Römerstadt, Bautsch, Wigstadtl. 


Sherardia arvensis L. Gemein und noch bei Gr.-Ullersdorf, Römer- 
stadt und Gr.-Stoll. 


Asperula odorata L. Häufig bei Mähr.-Schönberg, Goldenstein etc. 
(Oborny), Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Gr.-Ullersdorf, Neu- 
dorf, Beckengrund, Pföhlwies, Nikles, Altvaterwald, Kl.-Mohrau, 
Rother Berg, Kriech, Berggeist, Römerstadt, Bautsch, Wigstadt], 
Odrau, Pohor. 


Galium silvaticum L. Verbreitet im b. G. 

— palustre L. Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, D. Märzdorf, Wüst- 
Seibersdorf, Blauda, Nikles, Altvaterwald, Grumberg, Kl.-Mohrau, 
Blaschke. 

— cruciata Scop. Blauda, Bautsch, Wigstadtl, Odrau. 

— vernum Scop. Busch- und Milbeswald bei Gundersdorf, Bautsch, 
Wigstadtl, Kl.-Hermsdorf, gemein bei Odrau, Lautsch, Neudörfl, 
Werdenberg, Pohofr. 

— rotundifolium L. Gr.-Ullersdorf, Waltersdorf, (Oborny), Traus- 
nitz bei Petersdorf, Blauda, Nikles, Altvaterwald, häufig bei 
“undersdorf, Bautsch, Wigstadtl, Lautsch, Werdenberg, Pohor, 
häufig bei Odrau. 

Lonicera aylosteum 1. Wiesenberg EN y), Petersdorf, Rudelsdorf, 
Zöptau, Marschendorf, Neudorf, D. Märzdorf, Ludwigsthal, Rei- 
gersdorf, Pföhlwies, Nikles, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Blaschke, 
Kömerstadt, Irmsdorf, Gundersdorf, Bautsch, Odrau. 


NQ;: 
Btojß) 


Lonicera nigra L. Bradlsteine bei D. Liebau, Gr.-Ullersdorf, Marschen- 
dorf, Buchelsdorf, Beckengrund, Neudorf, Brünnel und Brandwald 
bei D. Märzdorf, Hinterbusch bei Wüst-Seibersdorf, Goldenfluss, 
Kl.-Mohrau, Krondörfl, Blaschke, Wermsdorf, Kiesgraben, Kriech, 
Janowitz, Römerstadt, Irmsdorf, Gundersdorf, Viehwald u. a. O. 
bei Bautsch. 

Sambucus racemosa L. Kirchberg bei Neudorf, Stollenhau, Goldenfluss, 
Kl.-Mohrau, Viehwald bei Bautsch, Odrau. 

— ebulus L. In höheren Lagen selbst bei Wüst-Seibersdorf, im 
Gesenke (Oborny), Bradlsteine bei D. Liebau, Gr.-Ullersdorf, 
Stollenhau, Aspendorf, Geppersdorf, Perschl u. a. O. bei Römer- 
stadt, häufig bei Gundersdorf und Bautsch, Wigstadtl, Lautsch, 
Neudörfl, Werdenberg, häufig bei Odrau. 


Viburnum opulus L. Bradlsteine bei D. Liebau, Stollenhau. 
Ligustrum vulgare L. D. Liebau, Anlagen in Gr.-Ullersdorf. 


Vinca minor L. Häufig in einem Bauernwalde bei Neudorf nächst 
Gr.-Ullersdorf, Gundersdorf. 


Menyanthes trifoliata L. Blauda, Janowitz und auf Wiesen beim 
Grundwalde bei Römerstadt. 


Gentiana germanica Willd. Schlossberg und Grundwald bei Römer- 
stadt, zu dieser Form gehören auch die in d. Z. 1884 p. 204 
sub Gentiana amarella L. a. genuina angeführten Standorte und 
soll auf dieser Seite statt „a. genuina“ stehen „b. germanica 
Willd. sp.* Celak. Prodr. Fl. B. p. 293. 


Erythraea centaurium Pers. D. Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, 
Marschendorf, @.-Ullersdorf, Neudorf, Ludwigsthal, Reigersdorf, 
Blauda, Bautsch, Wigstadtl, gemein bei Odrau. 


Myosotis intermedia Link. D. Liebau, Gr.-Ullersdorf, Bautsch, Wig- 
stadt], Odrau. 
— palustris Roth. f. albiflora Bautsch, Wigstadtl. 


Pulmonaria obscura Du Mort. Gr.-Ullersdorf. Beckengrund, Reigersdorf, 
Kl.-Mohrau, Römerstadt. 


Lycopsis arvensis L. D. Liebau, Liebesdorf, bei der Tess u. a. O., 
bei Gr.-Ullersdorf. 


Symphytum ofieinale L. var. albiflora m., bei der Tess in Gr.-Ullers- 
dorf, Marschendorf, Philippsthal, Neudorf, Kl.-Mohrau, Blaschke. 
— tuberosum L. Viehwald bei Bautsch, Wigstadtl, Odrau. 


Polemonium coeruleum L. Verwildert in und aus Gärten bei Gr.- 
Ullersdorf und Buchelsdorf, am letzteren Standorte selbst auf 
Wiesen unter dem Öhrenberge. 

Convolvulus sepium L. Lautsch, Odrau, Mankendorf. 

Cuscuta epilinum Weihe D. Märzdorf. 

— major DC. Auf Rubus caesius bei Odrau. 

— epythymum Murr. Auf Lotus corniculatus bei Bautsch, auf 
Scabiosa bei Wigstadtl und auf Alanunculus acris L. bei Odrau. 


387 


Solanum nigrum L. Var. humile Bernh. Odrau. 

— dulcamara L. Gr.-Ullersdorf, Wiesenberg ete. (Rieger). D. 
a Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Wigstadtl, Lautsch, 

rau. 
Lyeium barbarum L. Wigstadtl, Lautsch, Odrau, Mankendorf, Schönau. 
Atropa belladona L. Bradlsteine bei D. Liebau, Petersdorf, Bautsch, 
Wigstadtl, Kl.-Hermsdorf, Lautsch, Hirnich bei Neudörfl, Wer- 
denberg (Heide etc.) massenhaft auf Holzschlägen im Pohorer 
Walde und im Scheuergrunde bei Odrau. | 

Verbascum phlomoides L. ampl. a. genuinum Celak. Prodr. p. 313. 
D. Liebau, Bautsch, Lautsch, Neudörfl, Odrau. b. thapsiforme 
1. e. Bautsch, Odrau. 

— thapsus L. Gr.-Ullersdorf, ete. (Oborny), D. Liebau, Trausnitz, 
bei Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Wiesenberg, Buchelsdorf 
(hier in der f. semidecurrens Celak.), Reigersdorf, Janowitz, 
Römerstadt, Gundersdorf, Bautsch. 

— Iychnitis L. Lautsch, Odrau. 

— nigrum L. Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Gr.-Ullersdorf, D. 
Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Geppersdorf, Nikles, Grumberg, Kl.- 
Mohrau, Woitzdorf, Odrau. 

Scrophularia nodosa L. Am Berggeiste! 

—- Scopolii Hoppe. Dämmbaude. 

Linaria vulgaris Mill. Gemein, in höheren Lagen bei Janowitz und 
zahlreich an Mauertrümmern nächst des Hirschbrunnens. 

Digitalis ambigua Murr. Winkelsdorf (Oborny)! bei der Tess in 
Gr.-Ullersdorf, Philippsthal, bei den Köhlerhütten u. a. O. bei 
Wermsdorf, Kleppel, Rother Berg, Schlössel, Kriech, Kiesgraben, 
Hofberg, Berggeist. 

Veronica oficinalis L. Gemein, in höheren Lagen am Öhrenberge 
bei Buchelsdorf, Kriech, Berggeist. 

— chamaedrys L. Gemein, auf einer Wiese bei der Tess bei Gr.- 
Ullersdorf fand ich ein Exemplar, welches zwischen den zwei 
hervortretenden Haarreihen, ebenfalls behaart war, so dass es 
den Eindruck einer ringsum, aber ungleichmässig behaarten 
Pflanze machte, diese schöne Varietät bezeichne ich, falls sie 
sich bewähren sollte, als die polytricha mihi. 

— longifolia L. Im Schlossparke bei Gr.-Ullersdorf, wahrscheinlich 
nur verwildert. 

— arvensis L. Gemein, in höheren Lagen um Wiesenberg (Oborny), 
Gr.-Ullersdorf, Buchelsdorf, Marschendorf, Wermsdorf, Nikles, 
B. Märzdorf, Janowitz, Römerstadt. 

_ a L. Trausnitz, Gr.-Ullersdorf, Bärenkamm. 

— verna L. D. Liebau. 

— Tournefortii Gmel. (1805) Gr.-Ullersdorf (0 borny), D. Liebau, 
Trausnitz bei Petersdorf, Zöptau, Marschendorf, Reigersdorf, 
Pföhlwies, Blauda, B. Märzdorf, Nikles, Römerstadt, Bautsch, 
Wigstadtl, Werdenberg, Odrau. 

— agrestis L. Wigstadtl. 


% 


388 


Pedieularis palustris L. Römerstadt, Gr.-Stoll. 

— silvatica L. Kl.-Mohrau, Krondörfl, Woitzdorf, Wigstadtl, Kun- 
zendorf. 

Rhinanthus serotinus Schönheit. Trausnitz bei Petersdorf, Wermsdorf, 
Kiesgraben, Römerstadt. 

— hirsutus All. Gr.-Ullersdorf, Zöptau, Wigstadtl, Odrau. 

— alpinus Baumg. Horizontaler Weg von der Schäferei zum Franz. 
Jagdhaus, Gr.-Hirschkamm, Schieferheide, Backofensteine. 

Euphrasia picta Host. Bärenkamm, Schlössel, Saugraben, Backofen- 
steine, Hofberg. 

— strieta Host. Verbreitet selbst noch am Trausnitz bei Raben- 
seifen, bei Buchelsdorf und Beckengrund. 

Melampyrum nemorosum L. Noch bei Wüst-Seibersdorf und im 
Grundwalde bei Römerstadt. 

— pratense L. D. Liebau, Petersdorf. Gr.-Ullersdorf, Marschendorf, 
Philippsthal, Kl.-Mohrau, Blaschke, Janowitz, Römerstadt, Wig- 
stadtl, Odrau. 

— silvaticum L. Hohe Heide, Verlorene Steine, Berggeist etc. 
(Oborny) Keilig, Rother Berg, Peterstein, Saugraben, Bär- 
muttergraben, Franz. Jagdhaus, Kriech, Köhlerhütten, bei Werms- 
dorf, Gr.-Hirschkamm, Backofensteine, Hofberg, Hochwald bei 
Janowitz. 

Lycopus europaeus L. In einer abweichenden Form bei Gr.-Ullers- 
dorf (Oborny), D. Liebau, Beckengrund, Ludwigsthal, Bautsch, 
Odrau etc. 

Origanum vulgare L. Petersdorf, häufig bei Gr.-Ullersdorf, Zöptau 
und Marschendorf, Beckengrund, Reigersdorf, Aspendorf, Pföhl- 
wies, B. Märzdorf, Kleppel! 

Thymus montanus W. K. Wiesenberg, Gr.-Ullersdorf ete. (Oborny) 
Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Buchelsdorf, Winkelsdorf, Bek- 
kengrund, Wüst - Seibersdorf, Reigersdorf, Nikles, Grumberg, 
Kl.-Mohrau, Römerstadt. 

Ballota nigra L. Noch um Odrau und Wigstadtl. 

Salvia verticillata L. D. Liebau, B. Märzdorf. 

Nepeta cataria L. Verwildert auf der hohen Warte bei Zöptau, 
Aspendorf, im Aufstiege zum Pohorer Wald u. a. O. bei Odrau. 

Galeopsis ladanum L. Bautsch. 

— tetrahit L. In höheren Lagen bei Buchelsdorf, Kl.-Mohrau, 
Franz. Jagdhaus (weissblühend) Römerstadt. 

— pubescens Bess. Gr.-Ullersdorf, Bautsch, Odrau. 

— versicolor Curt. Wald bei der Ruine Neuhaus nächst Nikles, 
Spitzberg bei Wermsdorf, Scheuergrund u. a. OÖ. bei Odrau hier 
auch die f. parviflora Knaf. Celak. Prodr. p. 356. 

Betonica ofieinalis L. D. Liebau, Grasplätze bei Blauda, Wigstadtl, 
Lautsch, Werdenberg, Odrau. 


(Fortsetzung folgt.) 


— a — 


380 


Meine dritte Tirol-Fahrt. ') 
Von J. Freyn. 


(Schluss,) 


Am 11. und 12. hatten ich und der Ofen viel zu thun; am 13. 
waren fast alle Pflanzen trocken und wanderten nach Prag und ich 
selbst wieder hinunter ins Vintschgau; die Richtung war jetzt Bozen. 
Um nächsten Tags von Eyrs weg die Post benützen zu können, 
wollte ich in Trafoi einen Einspänner miethen. Für den sollte ich 
aber 11'/, fl. bezahlen (für 15 Kilometer!) und das verscheuchte in 
mir die Sucht nach Bequemlichkeit. Darum schnallte ich Stock, 
Schirm und Plaid über meine Büchse und wanderte fürbass thalab- 
wärts frisch und fröhlich wie ein Student. Unterwegs nahm ich rasch 
noch einige interessante Pflanzen auf (Calamagrostis lanceolata Roth., 
Calamintha nepetoides Jord., Digitalis lutes L. u. a) und traf sehr 
zeitig schon in Eyrs ein. 

Dort wussten sie am Telegraphenamt nicht, wo Görz ist und 
wunderten sich nicht wenig, dass das eine gar nicht so sehr ent- 
fernte österreichische Provinzial-Hauptstadt ist. Im Uebrigen war es 
„auf der Post“ recht gut und behaglich, trotzdem sie das einzige 
Einkehrhaus im Orte ist. 

Es wäre ungerecht, wenn ich bei dieser Gelegenheit nicht dank- 
bar des besonderen Entgegenkommens gedenken sollte, welches ich 
in Tirol bei allen Postanstalten gefunden hatte, und Du wirst es 
mir aufs Wort glauben, dass ich den jeweiligen kleinen Postämtern 
mit meinem massenhaften Gepäck gewiss genug zu schaffen gege- 
ben habe. Dasselbe wurde aber stets, oft sogar ausser der Amts- 
stunde, angenommen und sofort befördert, worauf es mir natürlich 
am meisten ankam: in Trafoi unterzog das Fräulein Post-Expeditorin 
meine Packete sogar einer Probeabwage, weil ich in meinem Gast- 
hause keine Wage vorfand, und mir doch daran lag, die vorgeschrie- 
benen 5 Kilo nicht zu überschreiten. Diese Gefälligkeit der Postämter 
gegen das Publikum ist eine wirkliche Lichtseite der dortigen Reisen. 

Anderen Morgens ging es wieder im Landauer Etschthal ab- 
wärts. Es liesse sich über diese Fahrt viel erzählen, denn das all- 
mälige Auftreten wärmeliebender, südlicher Gewächse, je weiter man 
sich dem Meraner Kessel näherte, war sehr bemerkenswerth. Ich 
begnügte mich übrigens all’ die in warmen, südlichen Farbentönen 
prangenden Burgen und Schlösser, die ersten Edelkastanien, die ersten 
Achillea tomentosa L. nur im Vorbeifahren zu grüssen und trachtete 
Bozen zu erreichen. Der Ausblick auf Meran, den man vom Wagen 
aus am Abhang des Marlinger Berges so nebenbei geniesst, war 
aber so verlockend, die vor dem erstaunten Auge sich ausbreitende 


') Aus einem Briefe an E. Hackel zu Nutz und Frommen allen denen 
erzählt, die selbst heutzutage noch Lust haben einen botanischen Reisebericht 
zu lesen. ä 

Ossterr, botan. Zeitschrift. 11. Heft 1887, 82 


390 


Landschaft war bei aller Grossartigkeit so lieblich schön, dass ich 
beschloss, in Meran einen Tag zu verweilen. So that ich denn auch, 
hiezu nicht in letzter Linie durch den Wunsch bestimmt, wieder 
einmal meine lieben Mediterranpflanzen von Aug zu Aug zu sehen. 
So suchte ich mir denn eine nach Süd gerichtete Lehne aus, fand 
nach einigem zwecklosen Suchen auch hin und begrüsste freudig den 
jahrelang entbehrten Anblick von Ostrya, Celtis, Ficus und Peuce- 
danum venetum Koch, nebst Amarantus patulus Bert. und nahm 
schliesslich das hie und da bis meterhohe Sempervivum Schottii 
Baker mit, das dort häufig ist — im Grossen und Ganzen war es 
aber mit der krautartigen Vegetation bereits zu Ende. Einem nie- 
dergehenden Gussregen entging ich durch Einfall in das nahe Gast- 
haus. Von dort genoss ich noch eine prächtige Aussicht über das 
Etschthal, mit dem Profil des Gantkofel-Absturzes zur Rechten und 
liess mir eine Flasche vortrefflichen Traminer gut munden. Die 
dicke Luft presste mir aber so viel Schweiss aus, dass ich meinen 
gesammten Vorrath an. Taschentüchern aufbrauchte. 

Am 15. wollte ich Fimbristylis bei Ober-Mais finden. Man sieht 
aber nur Villen und Parks mit prachtvollen exotischen Coniferen 
u. del. Somit zog ich ab, besah lieber Meran mit seinen reizenden 
Villen, fand dabei Nicandra physaloides und Oxalis corniculata 
und fuhr dann mit der Bahn nach Bozen. Diese Bahn ist in 
Oesterreich ein Unicum; man kann auf derselben nur I. oder III. 
Classe fahren — eine II, Classe gibt es nicht. Diese eigenthümliche 
Einrichtung ist jedenfalls im Interesse der armen, kranken Meran- 
Pilger getroffen, aber nicht zum Wohle ihrer Geldbeutel. 

In Bozen nahm ich beim Stigl-Wirth Quartier und entdeckte 
da auch sofort den Trockenboden, und dieser war voll von gespann- 
ten Wäschleinen. Nachdem Gepäck und Papier von Trafoi aus auch 
bereits eingetroffen war, so konnte die Geschichte also wieder los- 
gehen. 

Am Abend meiner Ankunft in Bozen hatte ich Gelegenheit 
das Panorama des „Schlern* und der „Rosszähne* im rothen Licht 
der untergehenden Sonne zu bewundern — es war zum ersten und 
letzten Male. Das Wetter war unsicher geworden, trübe, aber nicht 
heiss, letzteres, wenn man aus den Hochalpen zu 300 M. Seehöhe 
und noch dazu in den Kessel von Bozen niedersteigt, gewiss eine 
Annehmlichkeit. 

Die Unsicherheit des Wetters liess mich andern Morgens zö- 
gern, etwas zu unternehmen; zuletzt entschloss ich mich aber den- 
noch auszufliesen und zwar auf die „Mendel“, deren Schroffen als 
Wahrzeichen des Etschthals bei Bozen gelten können. 

Der Weg über Sigmundskron nach Eppan war in seiner Schat- 
- tenlosigkeit furchtbar. Paliurus nalım ich als Andenken mit, als getreues 
Sinnbild dieser dornigen Partie. In St.Michael in Eppan musste ich der 
drückenden Schwüle wegen brav dem Wein zusprechen und dann 
suchte ich über Stock und Stein die „Eislöcher von Eppan“. Unter- 
wegs gelangt mau in ein weites Feld, welches völlig mit colossalen 


391 


Porphyrtrümmern besäet ist, just so, als wäre der Gipfel des nahen 
Matschatsch einmal herabgestürzt und im Falle auf hunderttausend 
Stücke zersprungen, die nun herumliegen und dem Menschen das 
Gehen sauer machen. Dieses Trümmerfeld ist nun mit einem Walde 
von Edelkastanien dicht bewachsen und in diesem, sowie an seinen 
Rändern fand ich häufig Dianthus Seguierii Vill. (der echte, nicht 
die bei uns so benannte Art) in bester Blüthe und endlich auch 
die Eislöcher. Letztere sind dadurch merkwürdig, dass darin kein Eis 
zu sehen und auch nicht zu spüren ist; aber es wächst dort Zlieracium 
amplewicaule L. und Agrostis rupestris All. (bei 5—600 M. See- 
höhe) nebst Centaures amara L. Ich war froh, als ich aus dem 
von Amelanchier durchsetzten, miserablen Gestrüpp wieder her- 
auskam und die neue Mendelstrasse gewonnen hatte. Die Kasta- 
nienwälder ziehen hier hoch hinauf, der Porphyr ist ganz mit ihnen 
bedeckt, weiterhin auch die Schiefer. Das oberste ist eine etwa 500 
bis 700 M. holie Dolomitwand an der die Strasse in vielen Kehren 
recht kunstvoll hinangeführt ist. Wir sind in der Region der Dolo- 
mitalpen. Thymus pannonicus Hausm., Hieracium porrifolium L., 
Silene Sawifraga L., Asperula montana Rehb., Laserpitium Gau- 
dini Moretti, Festuca speetabilis Jan, Paederota Bonarota L., Cyti- 
sus purpureus Scop., Laburnum alpinum Med., Ostrya carpinifolia 
Seop., Galium rubrum L. und purpureum L., Achilles tanacetifolia 
All., Urtica hispida DC., das sind beiläufig die charakteristischesten 
Pflanzen dieser prächtigen Landschaft — der dort gewonnene Durst 
war aber unsagbar, zumal die Sonne herunterbrannte, wie nur im 
August möglich. 

Oben am Mendel-Passe grosse Bauthätigkeit. Das alte Wirths- 
haus wird umgebaut, zwei Villen daneben neu aufgebaut. „Selva in 
bando“') steht auf mehreren Tafeln für männiglich zu lesen und 
erinnert uns, dass wir wieder einmal die Sprachgrenze überschritten 
haben. Der „Selva in bando“ wurde also durchstreift. Es ist ein 
schütterer Lärchenwald mit beigemengten Buchen, Fichten und (spär- 
lichen) Tannen, welcher wegen der Beschaffenheit der Secundär-Flora 
ein eigenthümliches Vegetationsbild bietet. Der Boden ist nämlich 
von einem Ericetum bedeckt, dessen Hauptbestandtheile Erica carnea 
L., Calluna und Arctostaphylos oficinalis W. G. sind und das von 
Sorbus Aria und 8. Chamaemespilus-Büschen unterbrochen wird. 
Diese Haideformation hat einen, wie es scheint, reichen Pflanzen- 
wuchs; Galium rubrum L. ist dort häufig, Linum viscosum L. mit 
seinen rothen Blüthen stellenweise, /lieracium ericetorum n. Ssp.?) 
truppweise, zula nivea DC. und eine feurig karminrothe De- 
tonica allgemein ete. etc. Da es zu regnen anfing und finster 
wurde, kehrte ich ins Wirthshaus zurück. Dort ging es bald 
lustig zu. Die Wirthin, eine junge, fröhliche Badenserin, machte die 


') = Bann-Wald, 
*) Eine a. a. Stelle zu beschreibende Art aus der Gruppe der Alpestria, 
welche mit H. jaceoides Arvet verwandt ist. * 4 
32 


392 


Honneurs, und als es endlich zum Schlafen ging, staunte ich über 
den Comfort des mir angewiesenen Zimmers; solchen hätte ich mit- 
ten in dem Trubel des Umbaues nicht erwartet. Zeitlich Früh sollte 
ich geweckt werden, denn ich wollte die Ro@n-Alpe besteigen. 

Am 17. August Früh wurde ich prompt geweckt; es goss aber 
wie aus Kannen. Angezogen war ich indessen und so setzte ich mich 
denn in den amerikanischen Schaukelstuhl, der in meinem Zimmer 
stand und schlief und schlief bis es heller Tag war. Um 8 Uhr 
herum hörte der Regen auf, die ganze Mendel stak aber in Wolken. 
Mit der Roön-Alpe war es nichts gewesen, somit wollte ich wenig- 
stens den näheren Penegal besteigen. Das gelang zwar, ich hatte 
aber weder eine Aussicht — denn die Wolken rührten sich nicht 
— noch fand ich Pflanzen, denn oben waren die Wiesen just frisch 
gemäht. Es war aber immerhin interessant, die charakteristische Ve- 
getationsform da oben zu sehen: in den Bergwiesen stehen viele aber 
sehr zerstreute Bäume von Lärchen und Fichten, einzelne abgerun- 
dete Büsche von Sorbus Aria und S. Chamaemespilus und viele pol- 
sterartige Kaupen von Erica carnea oder Calluna oder Arctostaphy- 
los. Die Wiese selbst wimmelte von einer weissen Euphrasia. Der 
grauenhafte, etwa 1000 M. tiefe Absturz des Penegal gegen das 
Etschthal schien sich während des Nebels ins Bodenlose zu verlie- 
ren — dem wich ich aus, trotzdem an seinem oberen Rande Arte- 
misia pedemontana wachsen soll. Am Rückwege nahm ich noch das 
unförmliche Cirsium spathulatum Moretti mit, das sich in den Rui- 
nen eines Hauses breit machte, und dann eilte ich nach Bozen. In 
St. Michael kam ich gerade noch zurecht an, um den Omnibus, der 
von Kaltern nach Bozen fährt, zu benützen und das war mir ange- 
nehm, denn die Sonne brannte wieder tüchtig herunter, oben der 
Mendelrücken blieb aber in den Wolken. 

In Bozen fand ich meinen Hauptmann von Trafoi wieder und 
wir beschlossen anderen Tags den Gunschnä zu besteigen; er, weil er 
dort einen guten Wein wusste; ich, weil ich Südpflanzen wollte. 
Der Wein war mir aber auch recht. Der Regen wollte jeden Augen- 
blick herunterfallen, hatte aber ein Einsehen und blieb tagsüber 
hübsch oben. Die Exeursion ergab Pistacia Terebinthus L., Centran- 
thus ruber L., Opuntia nana Vis., Punica, Ficus, Prunus fruticans Weih. 
u. dgl., aber keinen Heteropogon. Der Wein war wirklich gut und 
die Aussicht gegen Trient zu und über Bozen hinüber sehr schön 
aber dunstig. Abends regnete es. — Prof. Schmiedeknecht aus 
Jena ist da und wir verabredeten für morgen einen Ausflug nach 
Sigmundskron. Er sammelt Wespen und ich Pflanzen. Da wir aber 
manche gemeinsame Bekannte haben und er sich auch um die Pflan- 
zen interessirt, von denen er seine Wespen abklopft, so kommen 
wir famos miteinander aus. — Die Pflanzen wollen nicht trocknen; 
der Ofen von Trafoi geht mir ab. 

Am 20. ging es denn per Bahn nach Sigmundskron. Eine ziem- 
liche Schwitzpartie! Indessen fand ich die in den Gebüschen hier 
allgemein verbreitete, wie verdorrt aussehende Agrostis tarda Bartl. 


399 


sofort. Interessantere Arten waren aber Peucedanum venetum Koch, 
Cyperus Monti L., Odontites Kochi F. Schltz. Centaurea nigrescens v. 
transalpina Hausm., Trifolium patens DC., Linaria italica Trev. und im 
Flusskiese der Etsch stellenweise kleine Bestände von Ononis Natrix L., 
Silene Armeria L. und einzelner T’ommasinia. Das Warten auf den Zug 
war sehr lustig, denn das Bier war gut, der Abend herrlich und wir 
Beide in bester Stimmung. Das Wetter bleibt aber unsicher; Latte- 
mar, Schlern etc. sind seit meiner Ankunft in Bozen in Wolken ge- 
hüllt und zu einer Hochgebirgstour kommt es desshalb nicht. Ich 
muss zufrieden sein, die nächsten Umgebungen Bozens besuchen zu 
können, dabei von Tag zu Tag hoffend, ich käme doch noch auf den 
Schlern hinauf. 

Eine Pracht-Exceursion ergab sich aber dennoch und das war 
jene, die ich mit Schmiedeknecht ins Eggenthal machte. Der In- 
zenieur, welcher diese Strasse geplant und gebaut hat, hat sich ein 
Denkmal gesetzt für alle Zeit. An wilder Romantik wetteifert die 
enge Schlucht keck mit irgend einer landschaftlichen Schönheit; der 
Gipfel des Schönen ist aber erreicht, da wo die Strasse vor dem 
Tunnel-Eingang über den Wasserfall hinführt, der die Wässer des 
Eggenbaches in wüthendem Anprall felsenaushöhlend zur Tiefe 
schleudert. Botanisch war der Ausflug durch Tommasinia, Lactuca 
virosa L., Carpesium cernuum L. und in St. Justina, durch Setaria 
ambigua Guss. gekennzeichnet. Auch der Wespenmann fand nicht 
viel und der Regen schadete uns Beiden. 

Am 23. sah ich mir das sagenumwebte Runkelstein an. Wenn 
mein Magen angeätzt gewesen wäre, hier wäre der Wein vollends 
durchgekommen. Es lief aber gnädig ab, denn nicht einmal der ob- 
ligate Viertel-Liter war hinunterzubringen. Dafür war aber vom Schlosse, 
das eben wieder hergestellt wird, auch nichts zu sehen. Nun zog 
ich die Talfer aufwärts weiter. Das letzte Hochwasser hat die Haus- 
mann’schen Standorte ruinirt und es war gar nichts Besonderes zu 
finden. Nur Hieracium oaydon Fr. sah ich mehrfach an Felsen und 
brachte es im Regenschirm mit nach Hause. Bidens bullata fängt 
erst an zu blühen. Merkwürdigerweise ist jene Form des H. oaydon 
die ich hier am Porphyr, also am kieselreichen Gestein sammelte, 
von der Kalkform, die z. B. an der Mendelstrasse wächst, nicht 
verschieden. Ich muthmasse übrigens, dass Hausmann’s H. Schmädtii 
eben dieses H. oaydon ist, welches von Hausmann doch unmöglich 
übersehen worden sein konnte. 

Am 24. August den Schlern definitiv aufgegeben; es geht also 
wieder nordwärts. In Sterzing wird Halt gemacht, sofort zu P. Hu- 
ter nach Ried gegangen und mit ihm der beabsichtigte Hieracien- 
Ausflug für morgen verabredet. P. Huter hat jetzt sehr viel Arbeit 
mit den Buchinger’schen Sammlungen, die er sichtet und zum 
Vertheilen ordnet. Wer P. Hutor’s wundervolle Exsiecaten kennt, 
kann sich auch sofort die Strenge vorstellen, mit welcher Letzterer 
an die Sammlung geht. Ein Berg weggeworfenen alten Zeugs sammt 
Zetteln verbarrikadirt beinahe das eine Zimmer. Wir sahen Einiges 


304 


von den Buchinger’schen Sachen durch und fanden recht Schönes 
und Seltenes darunter. In der „alten Post“ in Sterzing übernachtet. 
Ein recht gutes, anständiges Haus mit wohlthuendem Comfort und 
nicht theuer. 

Früh sehr zweifelhaftes Wetter. P. Huter kommt zu meiner 
Freude aber doch und so zogen wir denn selbander gegen den Jau- 
fen zu — ein pflanzenarmes Thonschiefer - Gebirge, welches aber 
mehrere sehr interessante Habichtskräuter birgt, die mein liebens- 
würdiger Führer dahier vor einigen Jahren entdeckt hat. Natürlich 
regnete es, aber die gewünschten Hieracien waren alle da. Ich meine 
H. Bocconei Gris., H. ochroleueum Schleich., H. jurassicum Gris. — 
also wieder centralalpine Arten, dann aber auch 7. Vippetinum Hu- 
ter, das für mich ein Bastard ist u. zw. von H. jurassicum wahr- 
scheinlich mit 7. murorum oder H. vulgatum. Auch einige schöne 
Cirsien-Bastarde und meine hier massenhafte Fuphrasia variabilis 
wurden eingelegt, dann wurde aber der Rückzug angetreten. Im 
Jaufendörfel hatten wir beim Herrn Curat Mittagsrast gehalten und 
waren daselbst auf das Freundlichste aufgenommen und bewirthet 
worden. 


In Sterzing verpackte ich Alles in die Büchse und sendete 
diese, so wie sie war, auf gut Glück nach Prag mit schwacher Hoff- 
nung, dass wenigstens einige der leider triefend nassen Pflanzen frisch 
grün bleiben würden. Nächsten Tags fort nach München. Der Aus- 
sichtswagen war von Vertretern sogenannter „besserer Stände“ be- 
setzt. Dieselben hatten aber die Aussicht in rücksichtslosester Weise 
in Beschlag genommen und den Zutritt zu den noch unbesetzten 
Fenstern durch Berge sogenannten „Handgepäcks* verlegt. Nun war 
ich eigens deshalb I. Classe gefahren, um den Aussichtswagen be- 
nützen zu können, und es wird mir daher wohl Niemand verübeln, 
dass ich ob solcher unqualifieirbarer Rücksichtslosigkeit unmuthig 
war. Ich wollte eben losplatzen, als zum Glück ein Theil der an- 
spruchsvollen Sippe ausstieg. In München regnete es selbstverständ- 
lich und darum stieg ich erst gar nicht aus, sondern fuhr gleich in 
einem Zuge bis Regensburg weiter. Wer aber nicht da war, war 
Freund Celakovsky, mit dem ich dort ein Stelldichein verabredet 
hatte. Auch Dr. Singer war nicht da, sondern in den Alpen. Ich 
ergötzte mich also allein an der Stadt und der Walhalla; sah im 
Geiste die Hauptbilder deutscher Geschichte an mir vorüber ziehn, 
bis zum Falle des „heiligen römischen Reiches deutscher Nation“ 
und bis zur Wiedererstehung des neuen Reiches und dann ging es 
fort in die Nacht hinein. 


Am 28. August Früh zeitlich roch ich schon bei Kuchelbad 
das alte Prag. — — — — 


Prag, im November 1886. 


— 


Flora des Etna. 
Von Prof. P. Gabriel Strobl. 


(Fortsetzung.) 


1413. Lens esculenta Mnch. Ervum Lens L. Leicht erkennbar 
durch aufrechte, robuste Stengel, 5—7paarige Blättchen, 1—3blü- 
thige, begrannte Blüthenstiele von Blattlänge, linearpfriemliche, die 
Kelehröhren bedeutend übertreffende und der weisslichen Krone min- 
destens gleichkommende Kelchzähne, fast quadratische um ein Viertel 
längere, als breite, 12—16 Mm. lange, einsamige Hülsen. In der 
Tiefregion bis über 2000, z. B. noch um Bronte und Maletto, häufig 
eultivirt und verwildert. Mai—Juli. ©. 


1414. L. nigricans (MB.) Gr. Godr. Ervum nigr. MB. Guss. 
Syn. et *Herb.! Viel zarter mit meist aufsteigenden Stengeln und 
Aesten; Blättchen nur 2—4paarig, verkehrt eiförmig, die oberen 
länglich, flaumig rauh mit Dornranke; Nebenblätter gezähnt; Blü- 
thenstiele grannig, über blattlang, 1—2blüthig; Kelchzähne gewim- 
pert, bedeutend länger, als die kurze Kelchröhre und die bläuliche 
Krone; reife Hülse länglich-quadratisch, meist 10 Mm. lang, 6 Mm. 
breit, braungelb (nicht schwarz), 1—2samig; Same ganz sammt- 
schwarz oder lichter gefleckt. Auf trockenen steinigkrautigen Berg- 
abhängen und in lichten Wäldern (2—3000/): Am M. San Nicola 
bei Nicolosi (Torn. in Herb. Guss! Herb. Torn.!), unter Kastanien 
des Serrapizzutawaldes sehr häufig! April, Mai. ©. 


1415. L. Lenticula (Schreb.) Sturm, Ervum Lentic. Schreb., 
uniflorum Ten. Guss. *Syn. et *Herb.! Von der äusserst ähnlichen 
nigrie. nur verschieden durch zarteren Wuchs, ziemliche Kahlheit, 
ganzrandige, halbpfeilförmige untere und lineallanzettliche obere Ne- 
benblätter, stets einblüthige, grannenlose, meist über blattlange Blü- 
- thenstiele, etwas kleinere, flaumige oder kahle («. erio-, ß. lejocarpon 
mihi), 1—2samige Hülsen, schwach gewimperte Kelchzähne, Blüthen 
von mindestens Kelchlänge. L. Lentic. aus Cherso und Dalmation 
lässt sich von der Pflanze des Etna und der Nebroden absolut in 
nichts unterscheiden, sogar die Samen sind bei beiden gleich: linsen- 
förmig, lederbraun, schwarzgefleckt mit weissem Hilus. Auf steinig- 
krautigen Bergabhängen (2—4000/): Am Etna um Bronte (Guss. 
Syn.), Wald von Maletto (Guss. Herb.!); ich sammelte var. ß. Zejoc, 
an Hohlwegrändern neben dem Monte Zio und an buschiggrasigen 
Abhängen unterhalb des Bosco Maletto. April, Mai. ©. 


1416. Pisum elatius MB., biflorum *Raf. Car., arvense *Cat. 
Cosent., non L., maritimum *Cat. Cosent.?, non L., arvense b. varie- 
gatum Guss. Syn. et *Herb.! variirt «. genwinum: Samen braun, 
dunkelmarmorirt, Wuchs meist höher, kletternd, Blättchen und Ne- 
benblätter kaum seegrün, doppelt so gross ß. melanospermum mihl, 


396 


Samen schwarz, Wuchs meist niedriger, nicht kletternd, Blättchen 
und Nebenblätter stark seegrün, nur halb so gross. Arvense L. dif- 
ferirt von beiden durch sehr grosse, schwächer gezähnte Nebenblätter, 
die mit Ausnahme einiger unterer durchaus eiförmigen, ganzrandigen 
Blättehen und besonders durch nicht fast kugelige, sondern zusam- 
mengedrückt eckige Samen. Auf Lavaströmen, buschigen, krautigen 
Abhängen der Tiefregion häufig: Am Etna (Raf. Car.), in der Ebene 
des Simeto (Cat. Cosent.), um Catania (Cosent. in Herb. Guss.!) 
Zaffarana, Ognina (Herb. Reyer!) Misterbianco, Mascalucia! April— 
Juni. ©. 


NB. P. sativum L. wird in der unteren Etnaregion sehr häufig 
eultivirt. (!, Philippi, Schouw, Herb., Torn.!) 


1417. Lathyrus Clymenum L. *Raf. I, articulatus *Raf. II, 
tenuifolius Dsf. Guss. Syn. et *Herb.! Ausgezeichnet durch die blatt- 
artigen, blattscheibenlosen unteren Blattstiele, 2—4paarigen, mitt- 
leren und oberen Blättchen, grosse, purpurrothe Fahne, blaue Flügel, 
flache, am Rücken gefurchte Hülse. Articulatus L. unterscheidet sich 
davon durch weisse Flügel, knotige, am Rücken gekielte Hülsen, 
stumpfe Griffel. Varürt in Sicilien: «. tenuifolius Gr. Godr. (Stengel 
und Blattstiele schmal geflügelt, Blättchen lineal bis lineallanzettlich). 
ß. latifolius Gr. Godr. (Stengel und Blattstiele breit geflügelt, Blätt- 
chen länglich bis lanzettlich). Unter Saaten auf Wiesen, Lavaströ- 
men, buschigen Abhängen, beide Var. gemein, oft als Futterpflanze: 
Um Catania überall (!, Cosent. et Torn. in Herb. Guss.!, Herb. Torn.! 
Herb. Reyer!), Milo, Zaffarana (Herb. Torn.!), Ognina, Misterbianco 
(!, Herb. Reyer!), in der Ebene des Simeto, von Bronte nach Ma- 
letto, von Torregrifo bis Nicolosi s. hfg., seltener in Roggenfeldern 
der Waldregion bis 3500’! April, Mai. ©. 


1418. L. Ochrus (L.) DC., *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herb! 
Leicht kenntlich an den fehlenden Blattscheiben, den grossen, läng- 
lich ovalen Phyllodien und grossen, gelben Blüthen. In Gärten und 
Saatfeldern sehr häufig: Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert., 
Herb. Guss!) in der Ebene des Simeto überall bis Paterno (!, Herb. 
Torn!). März, April. ©. 


1419. L. Aphaca L. *Raf. II, *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et 
Herb.! Ausgezeichnet durch rankenförmige Blätter und sehr grosse 
herzf. spiessförmige Nebenblätter; Blüthen axillär, einzeln langge- 
stielt, gelb; afinis Guss., habituell damit identisch, differirt nach 
Guss. Syn. add. durch Kronen von doppelter Kelchlänge mit brei- 
teren Flügeln und doppelt so breiter Fahne und ganz kahle Blüthen- 
stiele; meine Exemplare (L. af. Guss. in Baenitz herb. eur. „Attica 
l. Heldreich“) kann ich von Aphaca kaum durch etwas stärker see- 
grüne Färbung unterscheiden. Unter Saaten, auf Brachfeldern, an 
buschigen Abhängen in Sicilien gemein, im Gebiete ziemlich selten: 


397 


Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert.), um Catania, Gervasi, 
am Etna (Herb. Torn.!), in der Ebene des Simeto! April— Juni. 9. 


1420. L. Nissolia L. Statt der Blätter nur linearlanzettliche, 
rankenlose, spitze Phyllodien vorhanden, Krone purpurn. In sonnigen 
krautigen Waldlichtungen Siciliens selten: Wälder des Etna gegen 
Bronte, Maletto (Guss. Syn. et Herb.!) und Adernd (Guss. Syn.) 
Mai, Juni. ©. 


1421. L. setifolius L. Sehr schlank, Blättchen einpaarig, sehr 
lang und schmallinear zugespitzt; Stiele einblüthig, Blüthen purpurn, 
klein (8—10 Mm.); Hülsen gestielt, elliptisch länglich (24—28 Mm. 
lang, 10 Mm. breit), 2—3samig, Samennaht weder verdickt noch 
geflügelt, Samen circa 5 Mm., kugelig, höckerig. Auf sonnigen, krau- 
tigen Hügeln Sieiliens nicht selten, höchst wahrscheinlich auch im 
Gebiete; ich sammelte ihn noch bei Taormina. April, Mai. ©. 


1422. L. sphaericus Retz, sph. b. neapolitanus Guss. Syn. et 
*Herb.!, neapol. Ten. Syll., nervatus Presl del prag. angulatus Bert. Fl. 
it. quoad pl. siec., non L. Von setifolius verschieden durch robusteren 
Wuchs, breitere, lang lineallanzettliche Blättchen, über 1 Cm. grosse, 
scharlachrothe Blüthen, schmallineare, 25 — 36 Mm. lange, 4 Mm. 
breite, ziemlich cylindrische, stark nervige Hülsen mit mindestens 
8 circa 3Mm. grossen, kugeligen, glatten, schwarzbraunen Samen. 
Steht in Ten. Syll. als neapolitanus Ten., lässt sich aber von der 
Pflanze Südtirols, Istriens, der Schweiz, nicht unterscheiden; angu- 
latus L., verschieden durch schmälere, fast lineare Blätter, den Blatt- 
stiel weit überragende Blüthenstiele purpurne Blütben, nicht erhaben 
netznervige Hülsen und eckige, kleinhöckerige Samen, fehlt in Siei- 
lien; erectus Lag. — stans Vis., ebenfalls äusserst ähnlich, differirt 
durch kleine lilablaue Blüthen und sehr kurze, grannenlose Blüthen- 
stiele. Auf Lavaströmen, sonnigen krautigen Abhängen und in Wall- 
Jichtungen bis 3000‘ häufig. Catania (Cosent. in Herb. Guss., Herb. 
Torn., Herb. Reyer!), Etna, sandige Orte (Herb. Guss., Herb. Torn.!), 
Lavagründe gegen ÖOgnina und Acicastello (! Herb. Reyer!), in der 
Hochebene von Nicolosi, sehr häufig an grasigen Hohlwegrändern 
links vom Monte Zio, seltener unter Kastanien der Serrapizzuta!; eine 
ziemlich behaarte Varietät liegt als b. pilosus Guss. in litt. im Herb. 
Guss. auf: Catania (Cosent.), Chiusa dell’ agnone! April, Mai ©. 


1423. L. Cicera L. Cie. b. dubius Guss. Syn. et *Herb.!, du- 
bius Ten., erythrinus Presl Fl. sic. purpureus Presl del prag., non 
Dsf. Vorigen zwei Arten ähnlich, aber verschieden durch robusteren 
Wuchs; kürzere lanzettliche untere und lang lanzettlichlineare obere 
Blättchen, grosse, halbpfeilförmiglanzettliche Nebenblätter, dreieckig- 
lanzettliche, zugespitzte, gleichlange Kelchzähne von doppelter Länge 
der Röhre, 13—15 Mm. lange, purpurrothe Blüthen, 25—35 Mm. 
lange, fast 1 Cm. breite, längliche, 3—5samige, netznorvige, zusam- 


398 


mengedrückte, an der Samennaht tief gefurchte Hülsen. Ich sehe 
keine constante Differenz zwischen meinen Exemplaren Sieiliens und 
denen Neapels, Oberitaliens, Istriens, Dalmatiens, daher die Namen 
Presl's und Tenore’s einfach Synonyme zu Cicera sind. Auf son- 
nigkrautigen Hügeln der Tiefregion Siciliens sehr häufig, auch im 
Gebiete: Catania (Cosent. in Herb. Guss., Herb. Torn., Herb. Reyer!), 
Lavagründe bei Ognina (Herb. Reyer!), an grasigen Stellen unter 
Kastanien des Monte Nocilla oberhalb Nicolosi häufig. (!, circa 
3000’). April, Mai. ©. 


1424. L. sativus L. Dem vorigen äusserst ähnlich, fast nur 
verschieden durch noch grössere, ganz weisse oder blaupurpurne Krone 
mit weisslichem Schiffchen und rhombischlängliche, an der Samen- 
naht gekrümmte und doppelt geflügelte Hülsen mit cavernösen, 
weissgrünen Samen. Variirt mit breit lanzettlichen bis fast linealen 
Blättchen. Als Futterpflanze in Sieilien öfters cultivirt, im Gebiete 
aber auch anscheinend wild: Thonhügel neben Feldwegen bei An- 
nunziata (Herb. Reyer!), in Lavaströmen zwischen Torregrifo und 
Nicolosi beide Blattextreme häufig, zugleich mit Olymenum (!, 1800’). 
April, Mai. ©. 


1425. L. Gorgoni Parl. Guss. *Syn. et *Herb.! Dem L. sat. 
und Cicera habituell sehr ähnlich, aber verschieden durch durchaus 
breitlanzettliche (Breite mindestens 5 Mm.), lange Blätter, ca. 13 Mm. 
lange, hochgelbe, rothgestreifte Fahne, hochgelbe Flügel und bleich- 
gelbes Schiffehen; Wuchs hoch und üppig. Stengel ziemlich breit 
geflügelt, Blättchen einpaarig mit dreispaltiger Ranke, Nebenblätter 
gross, halbpfeilförmig breitlanzettlich, die einblüthigen, oberhalb der 
Mitte gegliederten Blüthenstiele von mehr als Blattlänge, die gleich- 
sestalteten spitzlanzettlichen Kelchzähne von doppelter Länge der 
Röhre, die Hülsen kahl, breitlinear, zusammengedrückt netznervig, 
nicht geflügelt. — Auf Fluren und unter Saaten bei Catania (Cosent. 
in Guss. Syn. add. et Herb.!), an feuchten, grasigen Feldrändern unter- 
halb Paternd an einer Stelle sehr häufig! März, April. ©. Ich fand 
ihn noch bei Syracus, Parlatore bei Palermo. 


NB. L. hirsutus L., annuus L. und odoratus w. siculus L., alle 
drei in Sicilien ziemlich verbreitet, wurden im Gebiete noch nie be- 
obachtet. 


(Fortsetzung folgt.) 


—i 


Conservirung von Abietineen, 
Von J. Bornmüiller. 


Die einfachste und wohl noch beste Methode, Abietineen mit 
hinfälligen Nadeln für das Herbar so zu conserviren, dass im trocke- 


399 


nen Zustand die Nadeln am Zweig haften bleiben, scheint noch nicht 
so bekannt zu sein oder wenigstens Glauben zu finden, als sie es ver- 
dient. Mir ist es jetzt gelungen, eine grössere Anzahl von Omorika 
wohlbehalten in meinem Herbar liegen zu haben, die ich vor sechs 
Wochen in ihrer Heimat, in den wildromantischen Gebirgsgegenden 
des südöstlichen Serbiens mitgenommen habe, die seit der Präpara- 
tion kaum eine Nadel abgeworfen haben. Obgleich ich das Bündel 
Zweige, welches ich am 28. August bei Zaovma vom Baume brach, 
zwölf Tage auf der Reise mit mir herumschleppte, wobei ich es in 
einem Sacke auf dem Rücken des Pferdes der sengendsten Sonne 
aussetzte und es nicht einmal täglich befeuchtete, dann es schliess- 
lich noch tagelang im trockenen Zimmer liegen gelassen und ver- 
gessen hatte, dass bereits die Nadeln in bedenklicher Menge abzu- 
fallen begannen, so machte ich dennoch den Versuch, von dem ich 
einmal gehört und den ich selbst oft vergeblich probirt hatte, und 
steckte, um so das Vorhandene vielleicht noch zu retten, den ganzen 
Bündel in einen grossen Kessel siedenden Wassers. Volle zwanzig 
Minuten kochten die Zweige, dann war das ganze Harz herausge- 
kocht und schwamm wie grosse Fettblasen auf der seltsam duften- 
den Brühe. Doch auch da hatte ich noch wenig Vertrauen zu der 
Sache, liess die Zweige noch zwei Tage lang, stundenlang der Sonne 
ausgesetzt, liegen, brachte sie aber dann in Papier und merkte bald, 
dass mein Verfahren nicht ganz umsonst, ja von grossem Erfolg 
gekrönt sei. Eifrig wechselte ich jetzt täglich das feuchte mit mög- 
lichst warmem Papier und — die Nadeln haften heute noch fest wie 
an einer Edeltanne an den Zweigen, die kurz vorher die Nadeln 
schon fallen liessen. 

Wohl sind die Zweige für das Herbar völlig ausgetrocknet, 
kann aber nicht dafür garantiren, ob sie auch nach sechs Monaten 
eben so gut erhalten sind, als nach sechs Wochen. Die Sprödigkeit 
und Gebrechlichkeit wird sich wohl steigern, aber die Nadeln werden 
sich allem Anschein nach nicht von selbst vom Zweige loslösen. 
Und wäre auch diess der Fall, für viele Zwecke ist das Kochen mit 
sechswöchentlicher Garantie von grossem Werthe. Bisher ist es noch 
Niemanden gelungen, einen instructiven Zweig Omorika mit Zapfen 
und Belaubung über die Grenzen Serbiens und Bosniens zu bringen, 
selbst Belgrad hat noch nicht einen solchen gesehen (ein hiesiger 
Zeichner musste zu dem Mittel greifen, um sich eine Vorstellung 
von einem Omorikazweig zu machen, Nadel für Nadel mit Gummi 
a) so ist die Möglichkeit leicht geschaffen, auch einen weit 
entfernt Wohnenden im Norden oder Westen Europas an Natur- 
exemplaren zu zeigen, wie eine spontane fruchttragende Omorika 
benadelt ist. Die kleinen Omorikapflanzen, die wir in unseren deut- 
schen Arboreten noch mit Argusaugen bewachen, tragen wohl alle 
noch das feinnadelige Jugendgewand — in der Heimat trifft man 
schon zwei Fuss hohe Pflanzen mit breiter Benadelung — lassen 
aber nichts von dem erkennen, wie grundverschieden sich das Blatt 
an der älter werdenden Pflanze umgestaltet, das da mehr einer Abies 


400 


als einer Picea gleicht. Das Gleiche gilt von der Färbung der Nadeln. 
Leider geht die blaue Färbung, die die flache Unterseite des Blat- 
tes so zart beduftet, und namentlich an den Astspitzen mit der 
grünen Oberseite so lieblich contrastirt, beim Kochen verloren, doch 
ist diess der einzige Verlust, den man gern in Kauf nimmt gegen- 
über einem blattlosen Zweig, von dessen einstmaliger Belaubung 
man sich aus einem Häufchen Nadeln, welches in einem Papier- 
Dütchen dem nichtssagenden Skelette beiliegt, kaum eine Vorstel- 
lung machen kann. 

Noch sei bemerkt, dass auch Zweige von Picea excelsa, welche 
sich unter den Omorikazweigen befanden, sich unter gleicher Be- 
handlung gleich gut erhalten haben. 

Interessirenden, die sich mit einem kleinen Zweig und guten 
Zapfen begnügen, bin ich gern bereit, soweit meine Exemplare aus- 
reichen, zu dienen. 


Belgrad, am 8. October 1887 (kgl. botanischer Garten). 


— ei 


Literaturberichte. 


Gaunersdorfer Joh. Prof. Dr. Das Verhalten der Pflanze bei Vergif- 
tungen speciell durch Lithiumsalz. In den landw. Versuchsstationen, 
Berlin 4887, Seite 171—206. Mit 3 Abbildungen. 


Lithionsalze wurden bei physiologischen Versuchen schon öfter 
verwendet, einerseits um die Schnelligkeit des sogen. Transspirations- 
stromes zu bestimmen, andererseits um die eventuelle Ersetzbarkeit 
des Kaliums durch Lithion darzuthun. Bei derartigen Experimenten 
wurde nur zu oft stillschweigend die Voraussetzung gemacht: das Lithion 
sei für die Pflanze indifferent. Wie unberechtigt eine solche Annahme 
ist, beweist Gaunersdorfer’s vorliegende gründliche Schrift. Nach 
dieser ist in Uebereinstimmung mit früheren Versuchen von Nobbe, 
Schröder und Erdmann Lithion für die Mehrzahl der Pflanzen 
schon in verhältnissmässig geringen Mengen als Gift zu betrachten. 
— Pflanzen, welche normal Lithion enthalten, widerstehen dem Gifte 
länger als lithionlose. Während z. B. Blätter von Cirsium rivulare 
(Lithionpflanze) 1'1 pro millige Lösungen von schwefelsaurem Lithion 
viele Tage ganz gut vertragen, vertrocknen Blätter von Clematis 
recta, welche für gewöhnlich kein Lithion enthalten, unter Braun- 
werden schon bei einer Concentration von 0'8 pro mille. Verf. zeigt 
ferner, dass das Lithion durch den Transspirationsstrom aufwärts 
geschafft wird, und dass die Menge des aufgenommenen Lithions der 
jeweiligen Transspirationsgrösse ungefähr proportional ist. Bezüglich 
der Ablagerungsorte sagt er: „Die Ablagerung erfolgt namentlich in 
den ausgewachsenen Blättern, mit welchen bei ihrem Vertrocknen 
und Abfall immer ein Theil des schädlichen Metalles aus dem Boden 
und aus der Pflanze entfernt wird. Die jungen Blätter und Spross- 
enden, sowie die Reproductionsorgane sind durch das Fehlen der 


401 


verholzten leitenden Elemente vor Schädigung, wenigstens bei gerin- 
gen Concentrationen der Lösung geschützt, indem eben Lithion in 
sie nicht eintritt“. Durch Versuche an verletzten Zweigen konnte, 
was wohl schon von vorneherein zu vermuthen war, festgestellt wer- 
den, dass Lithion nicht nur in der Richtung der Verdiekungsschich- 
ten der Zellhaut, sondern auch senkrecht darauf geleitet wird. Um 
das Verhalten der Bodenpflanzen bei Vergiftung mit Lithionsalz 
kennen zu lernen, wurden Topfpflanzen (Aesculus, Pinus, Tropae- 
olum, Hedera) mit verdünnten Lösungen verschiedener Concentra- 
tion ein- oder zweimal begossen. Also behandelte Pflanzen nehmen 
das Lithion nur langsam auf, vertragen es im Boden ohne Schaden 
durch Jahre und scheiden das aufgenommene Salz durch die abfal- 
lenden Blätter wieder aus. H. M. 


L. Danger. Unkräuter und pflanzliche Schmarotzer. Ein Beitrag zur Er- 
kenntniss und Bekämpfung derselben für Landwirthe und Gartenfreunde. 
Hannover, Carl Meyer (Gustav Prior), 4887. 8°, VIII und 466 Seiten. 
Preis 2 Mark 40 Pf. 


Es ist ein vielseitig gebildeter Landwirth, der uns in anspruchs- 
loser Form mit seinen Erfahrungen über die Bekämpfung der Un- 
kräuter bekannt macht, der aber auch mit richtigem Verständniss 
die Forschungsresultate der Wissenschaft verwerthet und die Theorie 
in die Praxis überträgt. Das Buch enthält drei Abschnitte. In dem 
ersten, dem allgemeinen Theil, werden die Schädlichkeiten der Un- 
kräuter, ihre Entstehung und Verbreitung, letztere in Beziehung auf 
die verschiedenen Bodenarten und ihre Feinde, ihre Eintheilung be- 
handelt; die Angabe der Mittel, die zur Bekämpfung der Unkräuter 
möglich und nothwendig sind, schliesst diesen Abschnitt. Verf. unter- 
scheidet diese Mittel als physikalische (Entwässerung und Entsäue- 
rung des Bodens), mechanische (rechtzeitige Bodenbearbeitung mit 
vorzüglichen, gut gehandhabten Geräthen), und als chemische; als 
letztere werden Lösungen von Kainit, Kochsalz, Schwefelsäure ete. 
angegeben. Der zweite Abschnitt bietet die Beschreibung der wich- 
tigsten „Wurzel-“ und „Samenunkräuter“, die allerdings auf wissen- 
schaftlichen Werth nur geringen Anspruch macht, aber durch die 
Einflechtung biologischer Details und der wichtigsten Bekämpfungs- 
arten gerade für die Kreise, denen das Buch gewidmet ist, den 
schätzbarsten Bestandtheil der Danger’schen Arbeit ausmacht. Die 
pflanzlichen Schmarotzer bilden das Substrat des dritten Abschnittes. 
Ihre Beschreibung stützt sich durchgänglich auf die bekannten Unter- 
suchungen von Kühn, Hallier, Brefeld, Frank u. A. 

Dr. T. F. Hanausek. 


Dr. Robert Keller. Die Blüthen alpiner Pflanzen, ihre Grösse und 
Farbenintensität. Vortrag, gehalten im 8. A. C. in Winterthur. Verlag 
bei Benno Schwabe. Basel 1887. Preis 80 Pf. 


In dem 36 Octavseiten umfassenden Heftchen finden wir unter 


402 


Benützung der Werke von Darwin, Müller und Nägeli ein Bild 
entworfen, wie die Alpenpflanzen theils durch die Grösse der Blu- 
men, theils durch deren Farbenintensität ein Anziehungsmittel für 
die sie umschwärmenden Inseceten sind, wie diese zu unbewussten 
Blumenzüchtern werden und dadurch zur Erhaltung der Art beitra- 
gen. Auf Grund objeetiver Messungen, Berechnungen und Verglei- 
chungen wird das Zurücktreten von Weiss und Gelb, dagegen aber 
das Hervortreten von Roth bei den Alpenblumen begründet. Wenn 
auch der Gegenstand des Vortrages schon oft erläutert wurde, so 
werden doch die anregende Sprache und die Einfachheit der Darstel- 
lung dasselbe Interesse wachzurufen vermögen, das man den Vor- 
gängen in der Natur jederzeit entgegenbringen soll. J. 


Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien. 
II. Quartal 1887. 


Das botanische Wissen ist durch nachstehende fünf Abhand- 
lungen vertreten: Beck Günther Dr. „Uebersicht der bisher bekann- 
ten Kryptogamen Niederösterreichs“. Hiemit bietet der Autor ein 
Präcursivum zu seiner im Manuscripte vollendeten, mit Nachweisen 
und Standortsangaben ausgestatteten Aufzählung der Kryptogamen 
Niederösterreichs, deren Veröffentlichung er einer späteren Zeit vor- 
behalten hat, und bezweckt Dr. Beck mit dieser Vorarbeit schon 
jetzt zu zeigen, welche reichen Schätze an Sporenpflanzen dieses 
Kronland beherbergt, sowie andererseits, welche Lücken in der Kennt- 
niss derselben noch auszufüllen wären. Aufgezählt werden 799 Gat- 
tungen, 2303 Arten. — Höfer Franz; dessen „Beitrag zur Krypts- 
gamenflora von Niederösterreich“ ist eine aus den Etiquetten des 
von Pater Sales v. Schreybers, Chorherrn des Stiftes Klosterneuburg, 
hinterlassenen Herbars geschöpfte Ergänzung des Pokorny’schen 
Werkes, in Bezug auf Standortsangaben von 33 verschiedenen Arten. 
— Richter Carl Dr., „Notizen zur Flora von Niederösterreich“. 
Die Resultate mehrjähriger botanischer Excursionen des Verf. wer- 
den an einer stattlichen Reihe von mitunter seltenen Pflanzen nach- 
gewiesen, insbesonders sind die Gattungen Rosa, Rubus und Viola 
reichlich bedacht, von letzterer ist Viola Wettsteinii als vom Verf. 
neu aufgestellte Species eingehend besprochen und mit Diagnose 
versehen. — Voss W. Prof. „Materialien zur Pilzkunde von Krain.* 
(Mit 1 Tafel.) Gegenwärtige Arbeit schliesst sich an die vom sel- 
ben Autor unter gleichem Titel, IV. Folge, würdig an. Diessmal sind 
es die Ergebnisse seines Amonatlichen Aufenthaltes im obern Save- 
Thale, welche mitgetheilt werden. Die Zahl der mit Angabe der 
Fundorte aufgeführten Arten beträgt 246. Als Anhang folgt eine 
Aufzählung neuer Fundorte von Pilzen aus der Umgebung von Zirk- 
lach, wo letztere vom Pfarrer S. Robit zu Ulrichsberg gesammelt 
wurden. Schliesslich ist der in seiner Ausführlichkeit einer Abhand- 
lung gleichkommende Sitzungsbericht über Dr. Otto Stapf’s Vortrag: 


403 


„Die Stachelpflanzen der iranen Steppen* als besonders instructiv 
zu erwähnen. Moritz Prihoda. 


Rostling vstavatovite jejich tvar a rozSireni (Orchideae Jus.). Od Dr. Ed. 
Formänka. Sonderabdruck aus dem Jahresberichte des böhmischen Gym- 
nasiums in Brünn für das Schuljahr 1886/87. Brünn. Verlag des Verfas- 
sers. 8. 17 Seiten. 

Nach einer eingehenden Erörterung der morphologischen Ver- 
hältnisse der interessanten Familie der Orchideen bringt der Ver- 
fasser einen sorgfältig zusammengestellten Schlüssel zur Bestimmung 
der mährischen und schlesischen Arten, sodann folgt die Diagnose 
und die geographische Verbreitung der einzelnen Arten. Neu für das 
Florengebiet ist Epipactis microphylla Sw., welche Jos. L. Holuby 
am Lopenik entdeckte. 


—i 


Correspondenz. 


Wien, am 8. October 1887. 


Ich will bier nur in Kürze zweier neuer und ziemlich ergie- 
biger Standorte der seltenen Orobanche arenaria Borkh. Erwälnung 
thun, welche meines Wissens bis jetzt noch nicht bekannt sind. Ich 
fand diese Pflanze im Juli 1. J. zerstreut auf Wiesen der Hügel- 
reihe zwischen Sievring und Neustift mit Orobanche elatior Sutton., 
ferner in hohen und kräftigen Exemplaren auf der von der Sievringer 
Hauptstrasse rechts gelegenen Höhe mit Xeranthemum annuum L., 
endlich an einzelnen Stellen auf Hügeln gegen Grinzing. Schliesslich 
möchte ich noch bemerken, dass diese Orobanche sowohl von der 
Türkenschanze (hier wohl erst seit 1886), als auch von dem Stand- 
platze in Grinzing, den J. Hein angibt, vollständig verschwunden ist. 


Moriz Rassmann. 


Budapest, 20. September 1887. 


Einige Robinienbäume hatten am 7. August bei Vesztö und am 
12. August 1887 bei Okäny im Biharer Comitate, aber nicht weit 
von V£sztö zweite Blüthen und am 23. Juli 1880 habe ich solche 
bei Hatvan gesehen. Am 2. September 1887 blühte am Adlersberg 
hei Öfen Vinca herbacea, am 3. September im Kühlenthale Cornus 
sanguinea und Melampyrum nemorosum mit blauen und weissen 
Schopfen. — Am 3. Juli d. J. fand ich mit Schilberszky zweite 
Blüthen an Sorbus semiineisa m. Term. tud. Közl. 1879 p. 34, Oest. 
bot. Zeitschr. 1883, p. 130. Meine S. semipinnata in Math. &s Term. 
tud. Ertes. 1882/83 ($. Aria var. graeca? X aucuparia) hat weder 
mit 8. intermedia Sehult. noch mit Pirus semipinnata Bechst. etwas 
zu thun, denn diese haben keine leierförmigen Blätter (foliis inferne 
pinnatifidis) und verrathen nicht so stark die Verwandtschaft mit 


404 


S. aucuparia als meine Pflanze. Sorb. intermedia Schult. kann man 
nicht behalten, denn Schult. hat keine Pflanze so benannt, sondern 
er eitirt in Oesterreichs Fl. 1814 p. 61 die Pyrus intermedia Ehrh. 
Beitr. IV p. 20 (efr. die Geschichte der Pulmonaria mollissima und 
Amaranthus commutatus Kern.). So konnte meine Sorb. semipinnata 
wegen Pirus semipinnata Bechst. bleiben, ich benenne sie jedoch 
S. dacica; ebenso taufe ich meine Potentilla longifolia (non Sieb.) in 
P. longifrons um. — In der neuen Enumeratio Florae Transsilva- 
nicae fehlen T’hymus, Quercus und Potentilla dacica, Pleurospermum 
pubescens m., Hieracium Borbäsii Uechtr. Oe. B. Z. 1875, Tanär 
eeyl. Közl. 1878 (descript.), Syringa vincetowieifolia Baumg., Borb. 
Oe. B. Z. 1885, pag. 105, Ceratophyllum demersum var. carinatum, 
Carex subsphaerocarpa m., Quercus devensis et Triticum indumen- 
tosum Simk. ete. — Verbascum collinum Schrad. (Verb. nigrum x 
Thapsus) ist am Büdös sicher, denn ich habe dort auch die Eltern 
gesehen. V. thyrsoideum Host ist, wie ich mich erinnere, nach dem 
Herbar-Exemplare Host’s —= V. austriacum, so hat damit mein 
V. abietinum nichts zu thun. Dieses wächst in Oesterreich sicher 
nicht. Ueber Polygala Chamaebuxus efr. Oe. B. Z. 1885 p. 347, also 
kommt sie in Siebenbürgen sicher vor. — Ueber Polemonium sage 
ich in Oe. B. Z. 1885 pag. 76 nicht, dass es an der Tordaer Kluft 
vorkommt, sondern zwischen den Köstetö und St. Annasee in der 
Büdösgebirggruppe. — Centaurea nigrescens var. megalolepis, Epi- 
lobium Lamyi, Arenaria leptoclados und Melilotus altissimus wach- 
sen sicher in Siebenbürgen. — Zu Centaurea nigr. var. megalolepis 
gehört wahrscheinlich die ©. salicifolia aut. Transsilv. (non M. B.!), 
welche ich in Willd. Herb. untersuchte, in Ungarn aber noch nicht 
finden konnte. Wenn ferner Barth mir ein richtiges Epilobium 
Lamyi, einem Anderen aber Ep. adnatum schickt, so ist das nicht 
mein Fehler. Melilotus altissimus Thuill., Menyh. (M. macrorrhizus 
Kern. olim.), efr. Kern. sched. II. p. 13, kommt bei den Grosswar- 
deiner Thermen in riesigen Exemplaren vor, also warum musste er 
bei Klausenburg fehlen? In der That wächst er zwischen Rohr und 
Glyceria aquatica bei dem kleinen Bächlein, welches die Tiefe des 
„Szenafüvek* bei Klausenburg durchfliesst. — Im Gegentheile be- 
zweifle ich, dass der echte M. macrorrhizus der Donaugegend mit 
kleineren und mehr grau behaarten Kelchen und Früchten in Sieben- 
bürgen wächst. — Inula hybrida Baumg. fand ich unlängst im 
Kammerwalde bei Ofen; I. Hausmanni bei den Kalköfen in Kühlen- 
thal ist etwas abweichend davon, welche ich auch heuer am Drei- 
hotterberge und bei Menes (Engler, Jahrb. VIII, pag. 236) fand, 
die Inflorescenz ist nämlich durch lange Blättchen umhüllt. 


Borbäs. 


Budapest, 8. October 1887. 


Im letzten Hefte dieser Zeitschrift, p. 369, schreibt Simonkäji, 
dass ich „nur behaupte und nichts kritisch beweisen thue“. Dem 


405 


gegenüber muss ich bemerken, dass Simk. dieses nur sagen kann, 
weil er, wie ich ihm unlängst gezeigt habe‘), die wissenschaftlichen 
Zeitschriften nicht liest. So habe ich in Oe. B. Z. 1887, p. 196 bis 
199, sowie in „Erdeszeti Lapok“ 1887, p. 506—509 gegenüber Simk.'s 
Meinung genügend „kritisch bewiesen“, dass Quercus Csatoi Borb. 
nur Qu. Robur X sessiliflora sein kann, worauf er mir bisher „kri- 
tisch“ nichts geantwortet hat. Uebrigens glaubt ein jeder Botaniker, 
Simk. ausgenommen, dass nur jene Exemplare der Qu. C'satoi Borb. 
authentisch sein können, welche ich als Autor beschrieb und für 
Qu. Robur x sessiliflora erklärte; im Gegentheile sind diejenigen 
Exemplare, welche Simk. für Qu. Steiniix sessiliflora hält und mit 
meiner Qu. Csatoi identifieirt, entweder unrichtig, oder wurden sie 
von Simk. falsch erklärt. — Hätte ferner Simk. die Oe. B. Z. 1886, 
p. 393 und 1885 p. 72 gelesen, so hätte er Anfangs August 1887 
mein Galium flavicans 1884 nicht unnützerweise in @. marisense 
(riehtiger marusiale oder marusiense) umgetauft. Ueber Juniperus 
Kanitzii Csat6 habe ich mitgetheilt, dass sie die halbe Länge der 
Blätter der J. communis besitzt, also J. Sabina nicht sein kann, — 
dass aber Rosa marisensis Simk. = R. spuria Pug., R. barcensis 
Simk. 1887 — R. dacica Borb. 1880 ist, dafür habe ich die com- 
petenteste Autorität, H. Braun eitirt, der diese Rosen ex autopsia 
gut kennt! — Epilobium Sandorii Borb. erklärte ich in Ertekezesek 
der ungar. Akademie als „prolem E. Kerneri (aut E. alpini) et E. 
alsinifolii hybridum“ [Bd. IX, Nr. 16, p. 26 (1879)], und habe ich 
dort diese Pflanze Siebenbürgens genügend von Ep. alsinifolium 
unterschieden; doch zieht Simk. mein E. Sandorii ohne alle kriti- 
sche Erklärung, einfach unrichtig zu E. alsinifolium, die von mir 
angedeutete Combination aber benennt er E. biharicum Simk. — 
Auch will Simk. behaupten, dass seine Enumeratio Florae etc. nicht 
am 5. August 1887 erschien. Hier hat Simk., wie auch in obigem, 
nicht aber ich, „stark geirrt*, denn in dieser Enumeration, welche 
angeblich im Jahre 1886 erscheinen sollte, eitirt Simk. selbst 
pag. 487 solche Angaben, welche am 5. März 1887 erschienen sind 
(Simk.’s Werk umfasst 678 Seiten), das Vorwort des Secretärs da- 
tirt aber vom 10. Juli 1887, und so konnte diese Enumeration nur 
Ende Juli oder Anfang August 1887 erscheinen, wie ich behauptete. 


v. Borbäs, 


Kilb in Niederösterreich, am 30. September 1887. 


Achillea ptarmica L. wird zum Bertramessig-Erzeugen auch im 
Waldviertel eultivirt, z. B. in Kottes. Aconitum Lycoctonum L. geht 
in den Voralpen des Pielachthales als Pflanzengrenze heraus bis zum 
Hohenstein 1184 M. Asclepias cornuti Decaisne. Die Seidenpflanze 
wird eultivirt in Kilb; milcht sehr stark und scheint wassergierig 


') Erdeszeti T,apok 1887, p. 348—355. 
Oenuterr. botan, Zeitschrift, 11, Heft 1887, 33 


406 


zu sein. Alchemilla arvensis Scop. ist wohl auch in unserem Viertel, 
V.O©. W. W. nicht zufällig, sondern allgemein verbreitet, aber nicht 
in so grosser Menge, wie im Waldviertel; hier in Kilb jetzt noch 
auf Stoppelfeldern zu sehen. Allium wrsinum L. steht hier in Kilb 
an der Pflanzengrenze; hört auf mit einem Uebergange der Berg- 
region in die Ebene. Amorpha fruticosa L. eultivirt in Retz und 
hier in Kilb gesehen. Andropogon ischaemum L. erreicht seine Grenze 
bei Retz am Manhartsberge, bei Kottes gegen die Donau hinaus 
schon in Mühldorf. Abutilon Avicennae Gaertn., die schöne glockige 
Malvacee wird hier in Kilb cultivirt und blüht von Juni bis Octo- 
ber. Adenostyles alpina Döller «. viridis Döller erreicht die Grenze 
am Hohenstein 1184 M. Allium acutangulum Schrad. var. petraeum, 
Grenze Hohenstein. Allium carinatum L. Prinzenbachgraben bei 
Kirchberg a. d. P. Alnus incana DC. Pielachthal. Althaea rosea 
Cav. in Kilb eultivirt. Anemone pulsatilla L. forma latiseeta = Pul- 
satilla grandis Wend. ist bei Retz (Steinparz) auf Neogenhügeln, 
aber auch im Donauthale auf den Höhen von Förthof bei Stein zu 
finden. Antirrhinum orontium L. Pflanzengrenze im V.U.M.B. ober 
dem Manhartsberg bei Retz. Arabis eiliata R. Br. Pflanzengrenze: Hof- 
berg 800 M. bei St. Gotthard unterscheidet sich von hirsuta in den 
Früchten; bei jener sind die Samen näher beisammen und stehen 
die Früchte mehr ab als bei hirsuta und sind grösser; proalpin. 
Arabis alpina L. erreicht seine Grenze im Pielachthale am „Gais- 
bühl“ bei Rabenstein; ist wichtig zur Bestimmung der Voralpen- 
grenze. Arabis T’haliana nicht bloss auf Schiefer, auch auf Mergel- 
kalk bei Kilb. Aristolochia sipho L’Herit breitet sich immer mehr 
aus und bereits in Bauerngärten um Kilb zu treffen. Aster canus 
W.K. bei Retz am „Golitschn“ vielleicht nur verwildert. Ane- 
mone silvestris L. blüht heuer zum zweiten Male hier in den Bergen. 
Aspidium aculeatum Döll. ist auch eine Leitpflanze zur Bestimmung 
der Voralpengrenze am „Gaisbergkogl“ bei Kilb 700 M. 


P. Benediet Kissling. 


Lemberg, am 4. October 1887. 


1. Aus der Gegend von Horodenka (bei Zaleszczyki), wo ich 
im vorigen Monate zu botanisiren Gelegenheit hatte, verdienen noch 
nachfolgende, in phytogeographischer Hinsicht besonders interessante 
Daten dahier hervorgehoben zu werden, nämlich: Anchusa procera 
Bess. (species ab A. oficinali optime diversa) in Horodnica; Alsine 
setacea, höchst gemein auf Gypsfelsen in Probabin, Babin') Strzyleze; 
Allium paniculatum Kern., auf Kalk- und Gypstriften in Probabin 
und Strzyleze; Cephalaria corniculata R. et S., auf Gyps- und Kalk- 
felsen in Probabin und Horodniea; Centaurea Marschalliana Spr., 
auf Gypsfelsen in Strzyleze und Babin, sehr zahlreich; Dianihus 


‘) Das Dorf Babin liegt schon in der benachbarten Bukowina, 3 Klm, 
weit von Probabin. 


407 


pseudobarbatus Bess. auf Kalktriften in Zezawa bei Horodnica; Ery- 
simum exaltatum M.B. (E. canescens Slehdz., non Roth.; E. cere- 
pidifolium Rehm. non Reichb.), auf Gyps- und Kalkfelsen in Pro- 
babin, Babin, Strzyleze und Horodnica zahlreich; Festuca vallesiaca 
Schl., auf sonnigen Gyps- und Kalktriften überall gemein; Gypso- 
phila altissima L. (G. fastigiata Racib. in Spraw. Kom. fiziogr. Krak. 
1886, nec alior.), auf Gypsfelsen in Probabin, Babin, Strzyleze; 
Galium Wirtgenii F. Sch., auf grasigen Gypstriften in Probabin in 
Gesellschaft mit Potentilla recta L., Laserpitium latifolium, Mercu- 
rialis ovata, Heracleum flavescens, Veronica multifida L., Orobus 
lacteus M. B., Euphorbia gracilis Bess., Centaurea azillaris W.K., 
Pulmonaria molissima ete., Hieracium pseudobifidum m. (ad interim), 
auf steilen felsigen Uferabhängen des Dniester zwischen Horodnica 
und Babin, zahlreich — eine höchst interessante Art, deren Dia- 
gnose später folgt; — Jurinea arachnoidea Bge. (J. mollis auct. 
galic.), ungemein zahlreich auf Gyps- und Kalktriften in Probabin, 
Babin und Strzyleze; Lactuca saligna L. in Probabin; Phyteuma 
canescens W. K., auf Gypsfelsen in Probabin, Babin und Strzyleze; 
Poa pannonica Kern., auf Sandsteinfelsen am steilen Dniesterufer 
zwischen Horodnica und Bahin; Poa versicolor Bess., auf Sandstein- 
felsen zwischen Probabin und Horodnica; Sisymbrium junceum M. B., 
auf Gypsfelsen in Probabin und Horodnica; Spiraea spec. (affinis 
S. mediae Schm. et S. pikowiensi Bess.), in Gebüschen an steilen 
Uferabhängen des Dniester zwischen Zezawa und Iwanie, zahlreich 
Blätter auch im Herbste gänzlich behaart); Sesleria Heufleriana 
chur, an steilen Dniesterufern zwischen Horodnica und Babin, höchst 
gemein; Silene chlorantha Ehrh., auf Kalktriften in Stizyleze; Vero- 
nica incana L., ibidem. — 2. Mein Hieracium Ullepitschii aus dem 
ungar. Tatrageb. ist entgegen der Behauptung G. Schneiders 
ganz entschieden von dem südeuropäischen, mir in zahlreichen Exem- 
plaren v. Janka’s vorliegenden H. rhodopeum Gris. als Art ver- 
schieden, somit die Aufstellung einer neuen Species meinerseits ge- 
rechtfertigt erscheint. — 3. Der Güte meines sehr geehrten Gönners 
v. Janka verdanke ich auch, dass ich Ledebour’s Originalexem- 
plare des Thalictrum petaloideum L. vom Altaigebirge mit dem 
ostgalizischen Th. uncinatum Rehm. zu vergleichen Gelegenheit hatte, 
was meine frühere, lediglich auf Vergleichung der Diagnosen basirten 
Behauptung, Th. unein. sei identisch mit dem sibirischen Th. peta- 
loideum L., glänzend bestätigt hat. Diese Bemerkung möge M. Ra- 
eiborski zur Kenntniss nehmen, welcher Herr in der Sitzung der 
Krak. phys. Comm. vom 20. März ]. J. meine das Th. unein. Rehm. 
betreffende Meinung als eine durchaus unbegründete bezeich- 
nete und die Auffassung Dr. Rehmann’s aufrechthielt. 
Br. Blocki. 


Prossnitz in Mähren, am 4. October 1887. 


Am Plateau Drahan bei Protivanov fand ich: Phleum nodo- 
sum, Festuca gigantea Vill., Brachypodiam pinnatum P. B., Carew 


408 


remota, leporina, silvatica, pallescens, Juncus filiformis, Polygonatum 
vertieillatum, Gladiolus imbricatus (zweiter Standort im Brünner 
Kreise), Polygonum bistorta, Alnus incana, Phyteuma spicatum, Cam- 
panula persicaefolia albiflora, Hypochoeris maculata, Senecio nemo- 
rensis, Serratula tinctoria, Carlina acaulis, Lycopsis arvensis, Sta- 
chys silvatica, Cuscuta epilinum Whe., Circaea alpina, Actaea spi- 
cata, Camelina foetida Fr., Viola palustris, Hypericum quadrangulum, 
tetrapterum Fr., Rosa glauca Vill., complicata Gven., hirta H. Br., 
corüfolia Fr., dumetorum Thuill., umbellifera Sw., BRubus caesius 
f. aquaticus Whe., Kaltenbachi Metsch., Anthyllis vulneraria. Aus 
der Umgebung von Littau erwähne ich ZAudbeckia laciniata, Di- 
psacus laciniatus, Geranium palustre, Epilobium adnatum Griseb., 
Oenothera biennis, Rosa umbellifera Sw., Rubus plicatus Whe. et 
N., Potentilla supina. Neu für die Flora Mährens sind: Crepis foe- 
tida L., bei der Eisenbahnstation Lult nächst Wischau, jedoch sehr 
spärlich. Ich fand nur zwei Exemplare, das eine liess ich am Stand- 
ort. Vicia narbonensis L., heuer gebaut bei Bedihost anstatt Vicia 
faba, die von Blattläusen stark angegriffen wird. W. Spitzner. 


Brünn, am 6. October 1887. 


In der Umgebung von Seelowitz fand ich: Sclerochloa dura, 
Stipa Joannis Uelak., Asparagus oficinalis, Euphorbia polychroma 
Kern., virgata, Hieracium vulgatum Fr. f. maculatum Sm., Inula 
hirta, VWincetowieum offieinale, Lithospermum offieinale, purpureo- 
coeruleum, Thalictrum collinum Wallr., Anemone silvestris, Erysi- 
mum repandum, Coringia orientalis Andr., Viola mirabilis, Silene 
nutans, Caucalis daucoides, Prunus chamaecerasus, Tetragonolobus 
siligquosus Roth. Dr. Formänek. 


Laibach, am 12. October 1887. 


Es wird Sie und die Leser Ihres Blattes gewiss interessiren, 
dass sich zu Jdria in Krain auf Anregung des Herrn Material- 
Verwalters Wilhelm Leithe ein Local-Ausschuss gebildet hat, um 
zu berathen, in welcher Weise eine würdige Feier zur Erinnerung 
an J. A. Scopoli (am 8. Mai 1888 wird es hundert Jahre, dass 
der berühmte Gelehrte starb) zu veranstalten sei. — Bei dieser Ge- 
legenheit soll auch die Euthüllung einer Gedenktafel am Wohnhause 
des gefeierten Naturforschers stattfinden. Voss. 


Pras, am 13. October 1887. 


>) 


An den zahlreichen Crataegus-Sträuchern, die sich auf dem 
Abhange des Kuchelbader Berges befinden, kam keine einzige voll- 
kommene Fruchttraube, höchstens hie und da ein vereinzeltes Frücht- 
chen vor. Die meisten waren vollständig leer, während sie andere 
Jahre von Früchten bedeckt waren. Sollte dieses Fehlschlagen der 


409 


Früchte vielleicht in der anhaltend kalten Witterung während der 
Blüthezeit zu suchen sein? L. v. Boresch. 


Cunnersdorf in Pr. Schlesien, am 6. October 1887. 


Schon vor 2°/, Jahren haben die Herren v. Nägeli und A. 
Peter ein Zferacium polonicum = H. cernuum Fries subsp. polo- 
nicum N. P. (Vergl. Monographie der Piloselloiden p. 347) publieirt. 
Im Uebrigen ist die Lemberger Pflanze, welche Herr Btocki p. 303 
beschreibt, ebenfalls von genannten Autoren in derselben Monogra- 
phie p. 312 bereits beschrieben und H. brevipilum N. P. (subsp. von 
H. collinum N. P. Gochnat?) benannt worden mit ausdrücklicher An- 
gabe des Standortes Lemberg (ausserdem aus Liefland, Ostpreussen, 
Siebenbürgen, Serbien und Dalmatien angegeben). — Wenn Herrn 
Blocki’s H. galiciense, wie er selbst angibt (Deutsch. bot. Monat- 
schrift 1886, p. 24), identisch mit H. pratense X praealtum Rehm. 
ist, so ist es auch schon einmal da gewesen, nämlich in derselben 
Monographie p. 670 als H. nosalicum N. P., nach dem Berge Nosal 
bei Zakopane in der Tatra so benannt; wird von den Autoren der 
Grex Molendianum ihres H. arvicola — florentinum- pratense (einer 
nicht hybriden Zwischenform) als subsp. zugetheilt. 

G. Schneider. 


Berlin, 10. October 1887. 


Der rübmlichst bekannte Reisende Paul Sintenis (derzeit zu 
Kupferberg in Schlesien), dessen botanische Sammlungen aus der 
Dobrudscl:a, Cypern, Troas und Porto-Rico die Wissenschaft um so 
viele peue Formen, die Herbarien und die Gärten um so umfang- 
reiches, so vorzüglich erhaltenes Material bereichert haben, wird im 
nächsten Frühjahr und Sommer im westlichen Armenien behufs 
botanischer Forschungen längeren Aufenthalt nehmen. Der Pflanzen- 
reichthum dieses Hochlandes ist durch die Sammlungen von Kotschy, 
Huet de Pavillon, Balansa und Anderen hinreichend bekannt, 
aber noch keineswegs erschöpft. Herr Sintenis hofft 5—600 Arten 
einsammeln zu können, welche er den P. T. Herren Subscribenten 
zum Preise von 20 Mark (10 fl. ö. W. in Gold) die Centurie über- 
lassen würde. Nach Beendigung der Reise wird der Preis auf 25 Mark 
(fl. 12:50 ö. W. in Gold) pro Centurie erhöht werden. Die Hälfte 
der subseribirten Summe würde vor der Abreise des Herrn Sintenis, 
welche Ende Jänner 1888 stattfinden wird, einzuzahlen sein, die 
andere Hälfte nach dem Empfang der Sammlungen. Sämmtliche zu 
sammelnden lebenden Pflanzen, Knollen, Zwiebeln etc. hat Herr 
Max Leichtlin in Baden-Baden übernommen, an welchen man auch 
die subscribirten Beträge einzuzahlen bittet. Die Bestimmung der 
Ausbeute übernahm der hervorragende Kenner und Erforscher der 
orientalischen Flora, Herr Dr. O. Stapf in Wien. A. Ascherson. 


— 0 —— % 


410 


Personalnotizen. 
— Dr. H. F. G. Graf von Strömfelt, Docent der Botanik 
an der Universität Upsala ist als Amanuensis an der botanischen 


Abtheilung des naturhistorischen Reichsmuseums zu Stockholm an- 
gestellt worden. 

— Dr. August Vogl, Professor der Pharmakologie wurde für 
das laufende Studienjahr zum Rector der Universität Wien gewählt. 

— Dr. Robert Caspary, Professor der Botanik und Director 
des botanischen Gartens der Universität Königsberg, ist am 18. Sep- 
tember, 70 Jahre alt, gestorben. 

— Karl Schilberszky wurde an der Budapester staatlichen 
Samencontrolstation als Assistent angestellt. 


_— 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- 
schaften in Wien am 21. Juli übersandte Prof. Emerich Räthay 
folgende vorläufige Mittheilung: „Die Geschlechtsverhältnisse im 
Genus Vitis und ihre Bedeutung für die Ampelographie.* Es ist 
längst bekannt, dass gewisse Reben polygamisch sind. Und ebenso 
weiss man von der verwilderten Vitis vinifera, dass sie zweihäusig 
vielehig ist und es von ihr Stöcke gibt, welche nur männliche Blü- 
then und daher niemals Früchte entwickeln. Höchst interessante 
Beobachtungen über die Geschlechtsverhältnisse von V. vinifera 
publieirte K. Portele. Nach ihm zeigen die Pollenzellen der cul- 
tivirten Sorten zwei Hauptformen. Sie sind entweder „mehr ellip- 
tisch“ oder „mehr zugespitzt“. Diese beiden Formen sind an be- 
stimmte Traubensorten gebunden und schon durch äusserlich erkenn- 
bare Blüthenunterschiede bestimmbar. Die Ergebnisse meiner Unter- 
suchungen über die Geschlechtsverhältnisse im Genus Vitis lassen 
sich in folgende Sätze zusammenfassen: 1..Sowohl die verwilderten 
als auch die cultivirten Individuen von V. vinifera sind mit Rück- 
sicht auf die Staubgefässe entweder langmännig oder kurzmännig. 
2. Die Pollenzellen aller Jangmännigen Individuen sind tonnenförmig. 
3. V. vinifera ist im verwilderten Zustande androdioecisch, indem 
ihre kurzmännigen Individuen hermaphroditische und fertile Blüthen, 
ihre langmännigen Individuen dagegen männliche, also sterile Blü- 
then erzeugen. 4. Die eultivirten Individuen sind, wenn sie einer und 
derselben Sorte angehören, je nachdem die letztere Stecklinge eines 
langmännigen oder kurzmännigen Sämlings darstellt, selbst entweder 
sämmtlich langmännig oder kurzmännig. 

— Der botanische Garten nächst dem Johannäum-Gebäude in 
Graz wird im künftigen Jahre aufgelassen, dagegen ein neuer bo- 
tanischer Universitätsgarten errichtet werden. 


in — 


411 


Botanischer Tauschverein in Wien. 


Sendungen sind eingelangt: Von Fräulein v. Boresch mit 
Pflanzen aus Böhmen. — Von Herrn de Crespigny mit Pflanzen 
aus England. — Von Herrn Wick mit Pflanzen aus Baden. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Felsmann, 
Schmidt, Richter, Keller. 

Aus Niederösterreich eingesendet von Dr. Kornhuber; Carum 
Bulbocastanum. 

Aus Böhmen eingesendet von Pastor: Actaea spicata, Aspidium 
lobatum, Asplenium Trichomanes, Carex pendula, Cornus alba, Cystop- 
teris fragilis, Homogyne alpina, Hypericum humifusum, Lamium 
maculatum, Levisticum offieinale, Orchis latifolia, Trollius europaeus, 
Turritis glabra, Valeriana sambueifolia. 

Aus Italien eingesendet von Piccioli: Acer Opalus, Aira ca- 
pillaris, Arisarum proboscideum, Aristolochia rotunda, Centaurea 
nigrescens, Örepis leontodontoides, Geranium nodosum, Luzula nivea, 
Nigella damascena, Orobanche gracilis, Sedum Cepaea, Sisymbrium 
Zannonü, Trifolium nigrescens, Ventenata avenacea. 

Aus Böhmen eingesendet von Boresch: Ailanthus glandulosa, 
Cerastium brachypetalum, Colutea arborescens, Corydalis cava, Oytisus 
Laburnum, Fraxinus excelsior, Juglans regia, Lycopus europaeus, 
Populus nigra, Sedum rupestre, Senecio silvaticus, 8. viscosus, Tawus 
baceata, Vieia sativa. 

Aus England eingesendet von Crespigny: Helosciadium nodi- 
forum, Oenanthe fluviatilis, Populus canescens, HRosa micrantha, 
Rubus fruticosus v. Lindleyanus, R. Hystriv, R. rusticanus, R. 
saltuum, Rumew maritimus, Salie wundulata, Scirpus maritimus, 
Sison Amomum, Zamnichellia pedicilata. 

Aus Baden eingesendet von Wick: Arctostaphylos officinalis, 
Elodea canadensis, Prucastrum obtusangulum, Euphorbia Chamaesyce, 
Gagea stenopetala, Heliotropium europaeum, Polycarpon tetraphyllum, 
Polyenemum majus, Seutellaria minor, Trifolium scabrum. 

Aus dem Isergebirge: Crocus banatieus. 

Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R.-Mark) abgegeben werden. 


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412 


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Botanische Zeitschrift. 


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den Ersten jeden Monats. für blos bei der Redaction 


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ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt 
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behrie ; c. a: Sohn 
nserate in Wien, 
die ganze Petitzeile N: 12 sowie alle übrigen 
15 kr. öst. W. == = Buchhandlungen. 
XXXVIL Jahrgang. WIEN. December 1887. 
INHALT. Ueber einen abnormen Fruchtkörper von Agaricus procerus Scop. Von Dr. Wettstein. 
— Ueber einige Irıs-Arten des botanischen Gartens in Wien. Von Dr. Stapf. — Rosa Herbi- 
chiana. Von Blocki. — Zur Flora von Rappoltenkirchen. Von Wiedermann. — Zur Flora von 
Bosnien. Von Gonrath. — Botanische Notizen. Von Kissling. — Flora von Nord-Mähren. 
Von Dr. Formänek. — Excursion, Von Procopianu-Procopovici. — Flora des Etna. Von 
Strobl. -— Literaturberichte. — Correspondenz. Von Blocki, Formänek, Borbäs, Born- 
müller. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tausch- 
verein. — Inserate. — Inhalt. 


Einladung zur Pränumeration 
auf den XXXVLIII. Jahrgang (1888) 


der 


Oesterreichischen 


Botanischen Zeitschrift. 
(Oesterr. botan. Wochenblatt.) 


Auf die „Oesterreichische botanische Zeitschrift‘, welche von dem 
hohen k.k. österreichischen und dem hohen k. ungarischen 
Ministerium für Cultus und Unterricht den Mittelschulen 
empfohlen wurde, pränumerirt man mit 8 fl. österr. W. (16 R. Mark) 
auf den ganzen Jahrgang oder mit 4 fl. österr. W. (8 R. Mark) auf 
einen Semester und zwar auf Exemplare, die frei durch die Post 
bezogen werden sollen, nur bei der Redaction: Wien, IV. Mühl- 
gasse Nr. 1. 

Alle Buchhandlungen des In- und Auslandes nehmen ebenfalls 
Pränumerationen an. Die Versendung an die Buchhandlungen hat die 
Verlagshandlung ©. Gerold’s Sohn in Wien übernommen. 

Von den bereits erschienenen Jahrgängen können noch voll- 
ständige Exemplare gegen nachfolgende Preise bezogen worden: 
2. und 3. Jahrgang zu 1 fl. (2 R. Mark) — 9. bis 22. Jahrgang zu 
2 fl. (AR. Mark) — 23. bis 36. Jahrgang zu 5 fl. Er Mark) — 


Osstorr. botan. Zeitschrift. 12, Haft 1887, 


414 


37. Jahrgang 8 fl. (16 R. Mark). Bei Abnahme sämmtlicher Jahrgänge 
von der Redaction, 20 Procent Nachlass. 

Einzelne Hefte können nur vom laufenden und letztvergange- 
nen Jahrgange abgegeben werden. 

Von den bisher erschienenen 35 Porträts der „Gallerie öster- 
reichischer Botaniker“ können einzelne Exemplare & 50 kr. (1 R. Mark) 
abgegeben werden, 

Skofitz 
(IV. Mülhlgasse Nr. 1). 


Ueber einen abnormen Fruchtkörper von Agaricus 
procerus Scop. 
Von Dr. Richard v. Wettstein. 


Am 14. September d. J. fand ich am Rande eines Fichten- 
waldes nächst Mühlau bei Innsbruck einen abnorm ausgebildeten 
Fruchtkörper von Agaricus (Lepiota) procerus Scop., der mir so 
merkwürdig erscheint, dass ich ihn im Folgenden kurz beschreiben 
möchte. 

An dem Hute eines üppigen, ca. 23 Cm. hohen Exemplares 
entsprangen, wie es die nebenstehende Abbildung ersichtlich macht, 
zwischen den Lamellen an der 
Unterseite des Hutes drei wei- 
tere Fruchtkörper, deren Stiele 
sich über den Rand des Hutes 
hervorbogen und senkrecht auf- 
wärts wuchsen. Alle drei acces- 
sorischen Pilze waren vollkom- 
men entwickelt, nur bedeutend 
" kleiner und schmächtiger als der 
’ primäre, ihre Höhe betrug 12, 
18 und 24 Cm.; einer war noch 
nicht ganz ausgebildet, der Ring 
vom Hute noch nicht losgelöst. 

Interessant war die Ursprungs- 
stelle der Stiele, dieselbe befand 
sich zwischen den Lamellen des 
primären Hutes, so dass diese 
durch die an Umfang zuneh- 
menden Stiele erst auseinander- 

r gedrängt wurden. 
Bildung secundärer Fruchtkörper aus den Hüten von Hymeno- 
ınyceten wurde schon mehrfach beobachtet, so bildeten bereits Schael- 
fer (Fung. in Bav. et Ratisb. nase. icon. tab. CXXXIV, Fig. 2) 
und Harzer (Naturg. Abbildung der Pilze Tab. 41) eine Durch- 
wachsung des Hutes vou Boletus edulis durch einen jungen Pilz ab, 


ne an 


415 


einen ähnlichen Fall stellt Krombholz (Abbildung und Beschrei- 
bung essb., verd., gift. Schw. tab. 68, Fig. 13) von Russula alu- 
tacea dar und Reichardt besprach in Verhandl. zool.-bot. Ges. XVII. 
Band, pag. 317 dasselbe Vorkommen bei Boletus edulis. 

Immer handelte es sich in diesen Fällen jedoch um die Um- 
bildung der Hutoberseite in den Stiel junger Pilze, während unserem 
Falle dadurch ein gewisses Interesse zukommt, dass die Hutunter- 
seite dieselbe Rolle spielt. 

Missbildungen von Pflanzen können von zweifacher Bedeutung 
sein. Entweder sind sie dadurch von Werth, dass sie morphologische 
Verhältnisse deutlich machen, die sonst nur schwer oder gar nicht 
zu erkennen sind, oder sie erregen dadurch unser Interesse, dass an 
ihnen gewisse Bildungsgesetze deutlicher hervortreten als an nor- 
malen Exemplaren. Wenn aus einem Gewebsstücke eines Pilzes, 
das sonst der Sporenerzeugung dient, eine Wucherung entsteht, die 
zu einem neuen Individuum auswächst, das dem früheren in allen 
Theilen vollkommen gleicht, d. h. ganz normal entwickelt ist, so 
handelt es sich um ein Beispiel der letzten Art. Als ein solches 
möchte ich darum auch die geschilderte Missbildung betrachten. 

Für die Entscheidung der Frage, ob wir in den Fruchtkörpern 
der Hymenomyceten die Ergebnisse eines sexuellen Actes vor uns 
sehen oder nicht, hat eine solche Missbildung allerdings nicht den 
Werth, den man ihr vielleicht zumuthen möchte, da sich einerseits 
begreiflicherweise die ersten Anlagen der secundären Fruchtkörper 
nicht beobachten liessen, andererseits aber ebenso Gründe sich geltend 
machen lassen für die Annahme einer rein vegetativen Entwicklung, 
wie für die der Entstehung von Befruchtungsorganen an einem ab- 
normen Orte. 

ERW PAR EA 


Ueber einige Iris-Arten des botanischen Gartens 
in Wien. 
Von Dr. Otto Stapf. 


(Fortsetzung.) 


Iris Güdldenstaedtiana 
und deren Verwandte. 


Schon frühzeitig wurden Versuche gemacht, diese formenreiche 
Gruppe zu gliedern, allein jedesmal scheiterten sie an dem proteus- 
artig wechselnden Wesen derselben, und das Ergebniss war schliess- 
lich die Zusammenziehung all der mannigfachen Formen in eine 
Art, mitunter selbst ohne Unterscheidung von Varietäten. Es ist in- 
dessen klar, dass ein solcher Vorgang etwa mit der Begründung: 


N 


„Variat florum modo variegatorum colore“ (Boiss. Fl. orient. V. 
34 


416 


p. 129), keine Lösung der Frage bedeutet. Eine solche wird in end- 
gilüiger Weise nur durch Beobachtungen der verschiedenen Formen 
an den natürlichen Standorten, durch den Vergleich sorgfältig prä- 
parirter Exemplare und kritisch geleitete Culturversuche möglich 
sein. Unter solchen Verhältnissen kann und soll auch hier nicht 
daran gegangen werden. Das reiche Materiale aber, welches sich im 
Laufe der Zeit im hiesigen Garten angesammelt hat, fordert wenig- 
stens zu einer Ordnung desselben heraus, wobei es immerhin ge- 
schehen mag, dass die heute leitenden Gesichtspunkte in Zukunft 
theilweise oder ganz werden aufgegeben werden müssen. 

Die älteste Beschreibung einer dieser Formen stammt von 
Pallas. Sie findet sich in dem Anhang zum II. Band seiner „Reise 
durch verschiedene Provinzen des russischen Reiches“, p. 740 (1773), 
wozu die Abbildung auf T. B. Fig. 2 des Anh. z. III. Band gehört. 
Er benannte die beschriebene Pflanze 7. halophila. Erst 1781 erschien 
in den Act. Petrop.t. V.p.I, pag. 292 eine von einer Tafel (VIII) be- 
gleitete neue Beschreibung von Lepechin, verbunden mit einer 
neuen Benennung, nämlich I. Güldenstaedtiana, so dass der Name 
J. halophila vor der Lepechin’schen Bezeichnung jedenfalls die Priorität 
hat, wenn man überhaupt beide zusammenziehen will. Mit der Pal- 
las’schen Beschreibung und Abbildung stimmt aber die kleinblüthige, 
meist auch niederere und vor Allem durch schmal lineare Griffelab- 
schnitte ausgezeichnete Form überein, welche in Red. Lil. 310 als 
J. stenogyna abgebildet und von De la Roche beschrieben wurde. 
Hieher gehört auch die Abbildung in Bot. Mag. t. 1515 wo Gawler- 
Ker die Pflanze als J. stenogyna zu Iris spuria stellt, während er 
sie später in den Irid. gener. pag. 49 auch unter /. halophila Pall. 
aufführt, allerdings als Form „(b) flore minore, pallidiore“. In der 
Fl. Taur. Caucas. des Marschall v. Bieberstein erscheint sie als 
var. d. unter I. Güldenstaedtiana. Diese Form ist seit Langem im 
Wiener botanischen Garten vorhanden. Sie erscheint schon 1820 im 
Samen-Katalog desselben aufgeführt. Sie weicht durch die angeführ- 
ten Merkmale ziemlich auffällig von den übrigen Formen ab. Pallas 
fand die Pflanze am Irtisch im südwestlichen Sibirien, Marschall 
v. Bieberstein führt sie aus Iberien auf. Exemplare von Regel 
aus Turkestan und solche von Gebler aus dem Altai, wie sie mir 
vorliegen, gehören, soweit der Erhaltungszustand einen Schluss er- 
laubt, hieher. Daran schliesst sich eine Reihe von Formen, welche 
unter sich nur durch Vorwiegen der weissen oder der gelben Farbe, 
durch grössere oder kleinere Perigonzipfel und mehr oblongen oder 
runden Zuschnitt der Platte der äusseren Abschnitte des Perigons 
von einander abweichen. Die Blüthen sind auch bei den kleinblütli- 
gen Formen grösser, als bei /. halophila, und die Abschnitte des 
Griffels stets in der Mitte deutlich breiter. Der Durchmesser der 
löffelförmigen Spreite schwankt zwischen 15 und 25 Mm. 

Im Allgemeinen sind die Blüthen sehr hellfarbig, die aufrechten 
inneren Perigonabschnitte oft fast weiss. Eine Scheibe mit schwefel- 
gelb blühenden Individuen war mit der Etiquette /. atomaria ver- 


417 


sehen, ein Naıne, über dessen Ursprung ich nichts Näheres angeben 
kann. Diese Formen entsprechen offenbar dem, was Lepechin unter 
seiner /. Güldenstaedtiana verstanden hat. Es ist zugleich die var. 
ß. der /. Güldenstaedtiana der Fl. Taur. Caue. von Marschall v. 
Bieberstein und die J. spuria ß. halophila des Bot. Mag. 1131. 
Nach Marschall v. Bieberstein bewohnt diese Art vorzüglich 
das südliche Russland bis an den Terek, an dessen Ufern sie Gül- 
denstaedt gefunden hatte. 

Diesen beiden gelben oder weisszelben Arten stehen zwei an- 
dere mit violetten inneren Perigonzipfeln gegenüber, zu welchen 
eine dritte Art den Uebergang bildet. Es ist diess eine Form, welche 
nach Grösse und Zuschnitt der äusseren Perigonzipfel, kleinblüthigen 
Individuen der /. Güldenstaedtiana sehr nahe steht, aber eher eine 
noch kleinere Platte (Durchmesser 13—15 Mm.), tiefer ausgerandete 
innere Perigonzipfel und relativ kurze Filamente (fil.: ca. 12 Mm., 
anth.: 15—17 Mm. gegen 14 und 17 Mm. bei /. Güldenstaedtiana) 
hat. Der Nagel der äusseren Abschnitte des Perigons ist trüb oliven- 
grün bis licht braunviolett geädert, während das Geäder der Platte 
und der aufrechten Zipfel von einem wässerigen Lichtblau ist, welche 
Farbe gegen die Enden der Abschnitte gewissermassen zerfliesst. 
Die Pflanze hat verhältnissmässig breite Blätter (bis zu 20 Mm.) 
und eine Höhe von kaum 40 Cm. Die ansesebenen Merkmale lassen 
sie recht wohl von den übrigen Arten unterscheiden. Der botanische 
Garten besitzt Exemplare, welche aus Samen gezoren wurden, die 
Th. Pichler 1882 in der Nähe des Elwend sammelte und andere, 
welche bereits seit längerer Zeit da sind. Eine Scheibe davon trug 
auf der Etiquette den Bemerk „Caucasica*, womit wohl gesagt sein 
soll, dass die Pflanze aus dem Kaukasus stammt. Diese Art ist 
identisch mit der var. «. livescens der J. Güldenstaedtiana bei 
Marschall v. Bieberstein a. a. O. p. 42, nur vereinigt der Ver- 
fasser damit noch die /.desertorum Gawl.-Ker, welche davon zu trennen 
ist. Marschall v. Bieberstein fand die /. livescens am Terek. 
Demnach scheint sie Cis- und 'Transkaukasien und das nordwestliche 
Persien zu bewohnen. Mit 7. livescens hat, wie erwähnt, Marschall 
v. Bieberstein auch die im Bot. Mag. 1514 abgebildete und schon 
im Texte zu t. 1131 genannte J. desertorum Gawl.-Ker zusammen- 
gezogen. Wenn ich beide trenne, so geschieht es auf Grund des Ver- 

leiches lebender Exemplare. Uebrigens fallen auch an trockenen 
flanzen die Unterschiede noch genug ins Auge. J. desertorum ist 
höher, hat im Verhältniss zur Länge schmälere Blätter; die Blüthen 
sind merklich grösser, die Platte der äusseren Perigonzipfel ist 
breiter (circa 18 Mm.) und die inneren Abschnitte sind nicht ver- 
kehrt-eiförmig, sondern elliptisch, d. h. ihr grösster Durchmesser 
fällt in die Mitte und nicht gegen das Ende, welches zudem kaum 
ausgerandet ist. Endlich ist sie durch die schön licht blau-violette 
Farbe des inneren Segmentes und des Griffels, durch die tief gold- 
bis o elbe Saumlinie am Grunde der ersteren und die ebenfalls 
mehr mit blauem Geäder durchsetzten äusseren Abschnitte sehr aus- 


418 


gezeichnet. Die Antheren, welche nur wenig länger als die Filamente 
sind (18—15 Mm.) sind von grell orangegelber, von dem Blau der 
Griffelabschnitte lebhaft abstechender Farbe. Die Pflanze ist mir nur 
aus Gartenexemplaren bekannt. Nach Gawler-Ker kommt sie in 
den sandigen Steppen des östlichen Russland vor. 

Die letzte hieher gehörige Art ist endlich /. Sogdiana Bunge 
Al. Lehm. Rel. p. 331. (Mem. sav. etr. t. VIL. p. 507 Po!) 
Während sie Boissier in der Fl. Or. a. a. O. schlechthin als Syno- 
nym zur J. Güldenstaedtiana zieht, und zwar als „forma floribus 
caerulescentibus“, schlägt sie Baker in Gard. Chron. 1867 p. 583 zu 
J. spuria. Maximowics führt sie dagegen a.a. O. p. 708 als Va- 
rietät der J. Güldenstaedtiana an, einer ähnlichen Auffassung wie 
Boissier folgend, indem er sagt: „Solo colore florum a typo 
distineta*. Mir ist die Pflanze blos aus den hier cultivirten Stöcken 
bekannt, denn ein ebenfalls als /. Soydiana bezeichnetes, getrocknetes 
Exemplar, das mir aus der turkestanischen Ausbeute Regel's vor- 
liegt, gehört kaum hieher. Charakteristisch für I. Sogdiana sind die 
kleinen, bald runden, bald etwas länglichen, vorne meist ausgeran- 
deten Platten (Durchmesser ca. 12 Mm.) der äusseren Perigon- 
abschnitte, die schmalen oft tief ausgerandeten inneren Segmente 
(ca. 9 Mm. breit, 42—44 Mm. lang; bei I. desertorum dagegen 
15—16 Mm. breit und 45 Mm. lang), die schmalen Griffelabschnitte, 
sowie die lebhafte an /. desertorum erinnernde Färbung. Die Pflanze 
wird ungefähr so hoch wie /. desertorum. Nach Maximowies ist 
das Bergland am Jli und Sarafschan im östlichen Turkestan ihre 
Heimat. 

Die zu der Gruppe der J. Güldenstaedtiana gehörenden Arten 
wären demnach: 

I. halophila Pall. — I. Güldenstaedtiana Lep. — I. livescens 
M. B. — I. desertorum Gawl.-Ker. — /. Sogdiana Bunge. Ihr Gebiet 
umfasst das südöstliche Russland, die Kaukasusländer, Armenien, 
Iran, die gebirgigen Theile von Turkestan und das angrenzende 
Land bis zum Thian-Schan und zum südlichen Altai. Innerhalb dieses 
Verbreitungs-Areales scheint sie sich in reicher Weise zu gliedern. 
Doch sind vorläufig dem Gesagten entsprechend, darüber nur An- 
deutungen möglich. 

An I. Güldenstaedtiana Lep. schliesst sich unmittelbar noch 
eine Art an, 7. ochroleuca L. Mant. p. 175 (1773). Obwohl sie schon 
im vorigen Jahrhunderte bekannt war und in den Gärten nicht 
selten gezogen wurde, blieb ihre Heimat doch lange zweifelhaft, bis 
sie von Boissier, Balansa und Anderen in Kleinasien wieder 
wild aufgefunden wurde. Smyrna, Angora und Tripolis (in Syrien) 
sind die einzigen bislang bekannten natürlichen Standorte. Da über 
die Art selbst keine Zweifel herrschen, genügt es bezüglich derselben 
auf Baker a.a. O. und Boissier a. a. O0. p. 129 zu verweisen, 

Wie sich I. ochroleuca im Westen an das Gebiet der Gruppe 
der I. Güldenstaedtiana anschliesst, so reiht sich an sie selbst wieder 
weiter im Südwesten der kleine Verbreitungsbezirk einer nahen Ver- 


419 


wandten, der /. Monnieri DC., die bisher nur auf Rhodos und Creta 
gefunden wurde, während im Osten eine ganz ähnliche -Parallelform 
mit ebenfalls sehr beschränktem Gebiet auftritt, die /. aurea!) Lindl. 
in den Thälern Kaschmirs. Bezeichnend ist, dass gerade diese an 
der Peripherie des gemeinsamen (Gebietes liegenden Arten scharf 
umschrieben sind, während nach der Mitte zu eine Reihe kaum zu 
entwirrender Formen sich anhäuft. 


(Fortsetzung folgt.) 


et er ein! 


Rosa Herbichiana n. sp. 
Von Br. Blocki. 


Diagnose: Strauch gross, mit an der Spitze nickenden, 
schwachbereiften heurigen Trieben, von intensiv dunkelgrüner Farbe der 
Belaubung. Hauptstamm und heurige Triebe dieht (besonders in der 
unteren Hälfte) bestachelt; blühende Zweige mit sehr spärlichen 
kleinen Stacheln bewehrt. Stachelun braun, sehr derb, von eiläng- 
licher Basis, schwach sichelförmig gekrümmt.‘ Blattstiele dicht be- 
haart, mit 4—6 weisslichen gekrümmten Stacheln bewehrt und mit 
spärlichen Drüsen besetzt. Blättchen mittelgross — an den 
heurigen sterilen Trieben gross (bis fast 5 Om. lang) — zu 7, nur an 
den Blüthenzweigen zu 5, genähert, dieklederig, oberseits dunkel- 
grün und stark glänzend, unterseits blassgrün und matt, ellip- 
tisch, kurz zugespitzt, bis zur gerundeten (am Endblättchen 
schwach herzförmigen) Basis gesägt, die Blättchenpaare nach 
unten an Grösse allmälig abnehmend, das unterste Paar zweimal 
kleiner als das erste. Die Blättchen beiderseits dicht anliegend 
behaart, unterseits mit stark hervortretenden Hauptnerven. 
Sägezähne gegen die Spitze der Blättchen zu an Grösse allmälig 
zunehmend, die unteren sehr schief, anliegend, die oberen dreieckig- 
eiförmig, kurzgespitzt, abstehend, davon einzelne mit einem 
kleinen, drüsigbespitzten Zähnchen versehen. Nebenblätter 
schmal, linealkeilig, unterseits und an den Rändern dicht behaart, 
an den Rändern überdiess dicht drüsig gewimpert, mit theils vor- 
gestreckten, theils abstehenden, allmälig zugespitzten Oehrchen. 
Nebenblätter der blüthenständigen Blätter länglichlineal. Deckblätter 
Jänglich, bis 8 Mm. breit und stets länger als der mittlere Frucht- 
stiel, die meisten blättertragend. Blüthen einzeln, resp. zu 3—8 ge- 
büschelt. Die Pedunkeln einzeln stehender Früchte sind 1 Cm. lang; 
bei gebüschelt stehenden Früchten ist der Stiel der Centralfrucht 
7—-8 Mm. und die Stiele der Seitenfrüchte 15—2 Cm. lang. Früchte 
mittelgross (die Centralfrucht stets grösser und kürzer gestielt), 


') Alle drei zuletzt genannten Arten werden im Wiener botanischen 
Garten gezogen, 


420 


ellipsoidisch, pomeranzenroth (vor der vollkommenen Reife auf der 
einen Seite stets dunkler gefärbt). Discus wulstig, ziemlich klein, 
Griffelköpfchen erhaben, dicht behaart. Kelchzipfel am Rücken mit 
+ zahlreichen gestielten Drüsen besetzt, an den Rändern dicht 
behaart, eilanzettlich, in einen langen und schmalen, lineal- 
keulenförimigen Endzipfel allmälig verschmälert (2:5 Cm. lang, 
4—5 Mm. breit), die drei äusseren fiederspaltig, mit ziemlic 
langen, llineallanzettlichen bis lanzettlichen, spärlich ge- 
sägten Fiederchen, die Sägezähnchen der Fiederchen drüsig be- 
spitzt. Kelche bis zur Fruchtreife bleibend, theils aufge- 
richtet, theils wagrecht abstehend. Blumenblätter. ... 


Standort: In lichten Gebüschen an steilen Uferabhängen des 
Dniester und Seret in Südostgalizien eines der charakteri- 
stischesten Bestandtheile der dortigen höchst interessanten Flora. Ich 
habe bis jetzt diese ausgezeichnete Art an folgenden Standorten 
(überall in grösserer Individuenanzahl) beobachtet: Bileze, Biyszezanka, 
Dobrowlany, Horodnica (Galiz.) und Babin (Bukow.). 


Anmerkungen: Rosa Herbichiana m. (non R. Herbichü 
Braun) steht so eigenartig und eigenthümlich in ihrer Erscheinung 
da, dass sie wohl nieht leicht mit irgend einer anderen Art ver- 
wechselt werden kann. In systematischer Hinsicht zeichnet sich die- 
selbe übrigens auch dadurch aus, dass sie die Sectio „Collinae* 
mit der Sectio „Montanae pilosae“ und „Tomentellae“ verbindet. 


Lemberg, am 1. October 1887. 


— 


Zur Flora von Rappoltenkirchen in Niederösterreich. 
Von Leopold Wiedermann. 


Herr Heinrich Braun in Wien interessirte sich für die Galium-, 
Mentha- und T’hymus-Arten der Flora von Rappoltenkirchen. Dieser 
gütigen Untersuchung verdanke ich die Bestimmung nachstehender 
Pflanzen. 

1. Galium. 


Galium Mollugo L. sp. pl. ed. I., pag. 107 (1753), Walchen. 

— — v. puberulum H. Braun in Oborny, Flora von Mähren II., 
p. 734 (1884), Rappoltenkirchen. 

— pubescens Schrader Spieileg. Fl. Germ., pag. 16 (1794) sub 
varietate G. Molluginis. — @. hirsutum Kitaibel in Reichenb. 
Fl. Germ., p. 210, Nr. 1291 (1831), Sieghartskirchen. 

— elatum Thuillier. Fl. de Paris IL, pag. 76 (1799), Kogel, 
Walchen. 

— elato X erectum (G. praticolum H. Braun), Walchen, die dem 
@. erectum Huds. näher stehende Form bei Heigen. 


421 


Galium erectum Hudson. Fl. Anglica ed. I., pag. 56 (1762), non aut. 


p. max. p. Rappoltenkirchen Friedhof, Kogel. 

insubricum Gaudin. Fl. helv. I., pag. 421 (1828). Bei Kreut, 
Ochsenhaut bei Sieghartskirchen. 

erecto X verum (G. eminens Gr. Godr. Fl. de France II., pag. 19, 
1850), Walchen. 

vero x Mollugo (G. ochroleucum Wolff in Schweigger et Körte. 
Fl. Erlang., pag. 36, 1811), Heigen. 

elato X verum (G. ochroleueum Wolff. 1. c. p. p.), Rappolten- 
kirchen. 

verum L. Rappoltenkirchen, Kogel. 

Wirtgenü F. W. Schultz. Archiv L, pag. 201 (1855), Weinberg 
bei Rappoltenkirchen. 

scabrum Jacq. Kuhberg bei Sieghartskirchen. 

nitidulum Thuill. Fl. de Paris II, pag. 77 (1799), Kogel, Jo- 
hannesberg. 

nitidulum v. scabriusculum H. Braun in Oborny, Fl. v. Mähr. 
Il., pag. 737 (1884), (G. commutatum Jord.? ex. orig. n. v.), 
Rappoltenkirchen, Kogel, Johannesberg, Röhrenbach. 

laeve Thuillier. Fl. de Paris, pag. 77 (1799), Walchen. 
palustre var. scabrum Neilreich (v. asperum Br.), Walchen, 
Weinberg bei Rappoltenkirchen. 


— palustre var. elongatum Presl. Fl. Sieula I., 59 (1826) pro specie. 


_— 


An der „kleinen Tuln“ bei Sieghartskirchen. 

Aparine L. sp. pl. ed. I., pag. 57 (1753), Walchen, Ochsen- 
haut u. s. w. 

infestum W. K. pl. rar. IIL, t. 202 (1809). @. Vaillantü D.C. 
Fl. fr. IV., pag. 263 (1805), Getreidefelder häufig. 

Oruciata Scop. Feuchte Gebüsche häufig. 

rotundifolium L. Kuhberg bei Sieghartskirchen, Röhrenbach. 
boreale L. a) hyssopifolium Hoffmann. Deutschlands Flora, pag. 
71 (1800), pro specie, feuchte Bergwiesen häufig. 

— b) intermedium Mertens et Koch in Röhling. Deutschl. Fl. 
Weinberg bei Rappoltenkirchen, wurde bislang im Becken von 
Wien noch nicht beobachtet. 

silvaticum L. Wälder häufig. 


2. Mentha. 


Mentha candicans Crantz Stirp. Austriacae IV., pag. 330 (1769). 


Häufig im Gebiete. 

aquatica L. sp. pl. ed. I, pag. 576 (1753) v. typica (M. Vien- 
nensis Opiz.). Bei Kreut. 

aquatica L. var. stolonifera (Opiz), Kogel. 

elata Host. Fl. Austr. II., pag. 145 (1831), M. arvensi X aqua- 
tica Aut. p. p. Wassergräben zwischen ppoltenkirchen und 
Kreut, eine kleine Form am Elsbach. | 

montana Host. ]. e. p. 145 (1831), der M. elata Host. ähnlich, 


aber von dieser durch die zum Blattstiel verschmälerte Blatt- 
lamina, dichte Behaarung des Stengels, dünne dunkelgrün ge- 
färbte Blätter verschieden. (Originalien im Herbare des k. k. 
naturh. Hofmuseums.) An feuchten Waldstellen bei der ÖOrt- 
schaft Au am Kragging, mit M. Austriaca v.Slichovensis (Opiz). 


Mentha tortuosa Host. Fl. Austr. IL, pag. 142 (1831). An der „klei- 
nen Tuln*“. 

— calaminthaefolia Host. (herb.) Sieghartskirchen. M. melissaefolia 
Host. Fl. Aust. II.; pag. 144 ist dieser Form sehr ähnlich, 
unterscheidet sich aber durch die längeren Blätter, zottir be- 
haarten Stengel, die langzottig behaarten Blüthenstiele und Kelclie 
in auffallender Weise von M. calaminthaefolia Host. Da für 
M. calaminthaefolia Host. noch kein Name existirt, so zog ich 
es vor, diesen Namen vorläufig zu belassen, obwohl er nur ein 
von einer Diagnose begleiteter Herbarname ist. M. calaminthae- 
folia ist übrigens eine im Wiener Walde ungemein verbreitete 
Mentha, insbesonders um Neuwaldegg, Hütteldorf, Purkersdorf 
habe ich sie wiederholt selbst gesammelt (Braun). 

— Austriaca Jacqg. Fl. Austr. V., pag. 14, t. 430 (1778), var. Sli- 
chovensis (Opiz). Tannenschachen (Baumschule), Aecker bei Kreut, 
feuchte Aecker bei Au am Kragging. 

— arvensis L. sp. pl. ed. I., pag. 577 (1753), var. polymorpha 
ne l. e. p. 152 pro specie p. p. Aecker am Kogel, Schloss- 

erg. 

— arvensis L. v. densiflora (Opiz). (M. polymorpha Host. p. min. 
p-) Holzschlag in der Walchen. 


3. Thymus. 


Thymus Lövyanus Opiz. Naturalien Tausch, pag. 105 (1824). T. 
arenarius Bernhardi (1831 n. s.). 7. Marschallianus Aut. p.p. 
non Willd. 


a) genuinus. Kogel, Johannesberg, Sieghartskirchen etc. 

b) elongatus (Opiz). Ueppige Form der Auen und feuchten 
Wiesen, Hohlweg bei Sieghartskirchen. 

c) stenophyllus (Opiz). Ausgezeichnete Form, besonders an 
trockenen Hügeln, Abhängen und Felsen. Tannenschachen, 
Ochsenhaut, Kogel. 

d) bracteatus (Opiz). Form des Humusbodens und üppiger 
Wiesen. 


«) genuinus Tannenschachen. 
ß) interruptus (Opiz). Ochsenhaut. 


u en Opiz. Naturalien Tausch, pag. 40 (1824), Rappolten- 
irchen, Ochsenhaut. 

— ovatus Miller. Diet. VII, pag. 367 et 370 (1785), var. pallens 
(Opiz). T. montanus Aut. p. p. non W.K. T. subeitratus Schre- 


423 


ber in Schweieger et Körte. Fl. Erlang. II, p. 18 (1811). — 
Bona-Höhe. Wiesen auf der hohen Warte gegen Elsbach. 

Thymus ovatus Miller, v. concolor (Opiz). T. Chamaedrys Aut. p. p. 
non Fries. Bona-Höhe, bei Abstetten. 


— a — 


Ein weiterer Beitrag zur Flora von Banjaluka, sowie 
einiger Punkte im mittleren Bosnien. 
Von Paul Conrath, 


Assistent an der deutschen Technik zu Prag. 


(Fortsetzung.) 


Aster amellus L. Kurzgrasige, sonnige Abhänge am Werk VII bei B. 

Buphtalmum salieifolium L. Bebuschte Hügel im Rakova6 - Thal 
bei B. 

Inula helenium L. Gebüsche im Rakovac-Thal. 

— ensifolia L. Trockene Kalklehnen im Rakovac-Thal. 


Pulicaria uliginosa Stev. Wüste Plätze in und um B. Meine 
Exemplare zeigen lange, aufrecht abstehende! Aeste. Die Behaa- 
rung ist entschieden nicht wollig, auch sind die Blüthenköpfe klein 
und zwar mit Randblüthen höchstens 2 Cm. im Durchmesser. 
(Vergl. Freyn, Nachträge zur Flora von Süd-Istrien z. b. G. 
1881, pag. 23): sie stehen daher zwischen P. uliginosa Stev. und 
P. dysenterica Gärtn. Vielleicht ist erstere doch besser als var. 
mierocephala Boiss. zu letzterer zu stellen. 

Carpesium cernuum L. In einer Gasse an der Westlisiöre von B. 
1 Ex.: bebuschte Hügel am Bache bei Ivanjska. 


Filago germanica L. var. canescens (Jord.) Wiesen und Aecker um B. 

— minima Fr. Trockene Grasplätze bei Ivanjska. 

Achillea nobilis Kerner. Felder zwischen Budjak und Dervisi bei B. 
Wiesen bei Ivanjska. 

— — var. ramosa m. Stengel von der Mitte an mit langen blühen- 
den Seitenzweigen, welche die mittlere Doldentraube meist er- 
reichen. (A. corymbifera Gmel.?) Mit voriger an den erstgenann- 
ten Standorten. 


Anthemis brachycentros Gay. Grasige Abhänge an der Strasse von 
Jaice nach Jezero. 

Pyrethrum corymbosum W. Serpentinfelsen bei Vrbanja. 

Senecio Durbanackeiine Krock. (8. erraticus Bert.) Gemein in Gräben 
und auf wüsten Plätzen in B. 

— aquaticus Hds. Feuchte Stellen im Trapistenwalde bei B.; er- 
reicht hier eine Südgrenze der Verbreitung. 

— erueifolius L. Feldraine beim Trapistenkloster; zwischen Gebüsch 
im Rakovaö-Thale b. B. . 


424 


Echinops commutatus Jur. Von mir nur am Ufer des Vrbas beson- 
ders in der Nähe des Trapistenklosters bemerkt. 

Cirsium arvense L. Eine interessante Form mit ganzen, am Rande 
undeutlich gekerbten und mit vorwärts gerichteten gelben Dornen 
versebenen, unterseits dicht und bleibend weissfilzigen Blättern; 
Stengel arm- (3—6) köpfig; Köpfchen 18 Mm. lang, 12 Mm. 
breit, auf langen (meist 8 Ctm.) weissfilzigen Stielen. Hüllschuppen 
dornenlos. Vereinigt die Blatttorm des ©. setosum M. B. (C. ar- 
vense y. integrifolium Koch) und die Behaarung des ©. argenteum 
Vest. —= C. incanum Fisch. (Griseb. Spicil. pag. 254, Fiek. Fl. 
v. Schlesien p. 236, Oborny, Fl. v. Mähren p. 713) Bess? 
Peyer? (Cirsium arvense 6. westitum Koch €. a. y., discolor 
Neilr.). Ich will diese Form als var. Fischeri bezeichnen. 

Carduus candicans W. K. Serpentinfelsen bei Vrbanja. 

Carlina simplee W. K. Abhänge des Werkes VII. b. B., auf Con- 
gerienkalk. 

— acanthifolia All. Trockene Wiesen bei Ivanjska; trockene, sonnige 
Kalklehnen im Rakovac-Thal b. B. 

Centaurea nigrescens Willd. (Kerner in schedae ad. flor. exs. 
Austro-Hung. Nr. 227, Vukotinovic in Rad jugoslavenske akademije 
LVIH. pag. 150; ©. vochinensis Bernh.) Am Ufer des Vrbas 
bei der Kaserne. Die Exemplare zeichnen sich durch ihre Kahl- 
heit und ganze, ganzrandige Blätter aus. 

— stenolepis Kern. Häufig auf den bebuschten Hügeln westl. v. B., 
Serpentinfelsen bei Vrbanja; an beiden Orten auch die var. inca- 
nescens Vuk. l. ec.; Berg Hum bei Jaice, Kalk c. 1000 M. (Die 
Angabe Hofmann’s ]. c., dass €. Pseudophrygia C. A. Mey. 
teste Pantoczek um B. vorkommt, dürfte auf einer Verwechslung 
beruhen, da ©. stenolepis Kern bei Hofmann fehlt. 

— osmana n. sp. Ganze Pflanze spinnwebig; Stengel aufrecht mit 
roth überlaufenen Kanten und zahlreichen nach oben kleiner 
werdenden Blättern besetzt, etwas über der Mitte langästig; 
Aeste beblättert, meist einköpfig, doch auch 2—3köpfig; Köpf- 
chenstiele nach oben verdickt. Blätter rauh, lanzettlich, ver- 
hältnissmässig klein, alle ganz mit entfernt stehenden 
kleinen Zähnchen besetzt, mittlere sitzend, obere umfas- 
send, Hüllschuppen lineal, stark nervig, Anhängsel der un- 
teren und mittleren dreieckig, schmal lineal, pfriem- 
lich verlängert, fast so lang als ihr Nagel, kämmig ge- 
franst, ziemlich stark zurückgekrümmt, nicht breiter oder 
nur wenig breiter als das obere Ende des Nagels, die 
der obersten eirund, ausgebissen gezähnt, über die Anhängsel der 
darunter stehenden Schuppen hinausragend, Pappus fehlend. 

Grasige Lehnen am rechten Ufer des Crkvina-Baches an der 
Westlisiere von B. 

Vielleicht ein Bastard der €. stonolepis Kern. Welche Art 
dabei noch im Spiele ist kann ich nicht sicher ermitteln. ©. ni- 
grescens Willd. war dort weit und breit nicht zu sehen: dagegen 


425 


bemerkte ich häufig C. jacea L. ß. pectinata Neilr.; vielleicht 
ist sie ein Mischling mit dieser Art? 

Von €. sciaphila Vuk. in Kerner schedae ad. flor. exs. 
Austr.-Hung bei Nr. 227 und in Rad jugosl. akad. LVIII. pag. 
150 verschieden durch die Form und Richtung der Schuppen- 
anhängsel, durch die Form und Kleinheit (mittlere c. 7—8 Cm.) 
der Blätter (ovali lanceolata elliptica, magna, caulina sinuato- 
dentieulata bei Vuk.) 

Von ©. nigrescens Willd. besonders durch die Form und 
Grösse der Anhängsel der unteren und mittleren Schuppen. 

Von ©. stenolepis Kern. und deren Verwandten vorzüglich 
durch die kurzen Anhängsel und deren kürzere Cilien, den 
fehlenden Pappus, die langen Blüthenäste. 

Von ©. transalpina Schleieh. Durch die lanzettlichen Blätter 
und langen schmalen Anhängsel verschieden. 


Xeranthemum ceylindraceum Sm. sonnige grasige Hügel westlich v. 
B.; Felder und grasige Lehnen bei Zaluzani. 


Hieracium superpilosello = praealtum Felsen im Surtojlia-Thal bei 
Gorni Seher 1 Ex. 

— Pavichii Heufl. (H. Fussianum Schur) Serpentinfelsen bei 
Vrbanja; neu für das nördliche Bosnien. 


— Virga aurea Üoss (teste Freyn) Berg Hum bei Jaice, Kalk 
c. 1100 M.; nach Nyman Conspect. bisher nur in Etrurien und 
Ligurien, nach Arcangeli Comp. d. flor. ital. auch in der 
Lombardei und Neapel. 


— humile Jeq. forma (teste Freyn) wie voriges, aus den umlie- 
genden Ländern bereits bekannt. 


Campanula rotundifolia L. Kalkfelsen am Gipfel des Hum bei Jaice; 
eine kleine ec. 10 Cm. hohe Form. 


— Cervicaria L. Häufig im Walde um das Trapistenkloster b. B. 


Symphyandra Hofmanni. Pant. Feuchte Felsen im Surtojlia- und 
Rebrovac-Thal bei B.; auf Felsen zwischen Vacar Vakuf und 
Jezero, zwischen Jaice und Jezero;, am Castellberg bei Jaice 
sehr häufig; mehrfach im Bosna-Thal, so zwischen Zenica und 
Vranduk, dann zwischen Han Begov und Zepec. — Eine Pflanze 
feuchter, schattiger Felsen; der Originalstandort Hofmanu’s bei 
Gorni Seher dürfte schon Blau bekannt gewesen sein, derselbe 
führt dort (Reisen in Bosnien und der Herzegowina) S. Wanneri 
Boch. an. Wahrscheinlich gehört auch der Standort Sendtner's 
Ausland 1848): Kalkfelsen des Schlosses von Srebernik hierher. 

erkwürdig wie diese Pflauze mit S. Wanneri Roch verwechselt 
werden kounte, da sie doch in eine andere Section gehört, die 
im Kaukasus ihren Sitz hat. Blüht von Mitte Juli bis Anfang 
September. 


(Fortsetzung folgt.) 


% 
he 


426 


Notizen zur Pflanzengeographie Nieder-Oesterreichs, 
Von P. Benedict Kissling. 


Alchemilla vulgaris Willd. glabra, praealpin, häufig im oberen 
Waldviertel z. B. in üppigen Formen bei der Trandl-Mühle (Otten- 
schlag). Bellidiastrum Michelii Cass. praealpine Insel am hohen Brand 
(Kilb), freilich nur durch zwei Exemplare vertreten, daher als Pflan- 
zen-Grenze nicht zu betrachten. Botrychium matricariaefolium A. Br. 
1. Juni 1883 gefunden im Rundswalde (Kottes) 700 Meter. Acht 
Exemplare davon dem Herrn Dr. Beck geschickt, drei Sporangien 
noch nicht offen, Blätter dicklich, 2 > fiedertheilig, Fiedern erster 
Ordnung abstehend, länglich stumpf, 5—7, neu für Nieder-Oester- 
reich. Campanula pusilla Hänke. Hohenstein, 1184 Meter. Grenze. 
Carduus defloratus L. ß. pinnatifidus Neilr. praealpin. Bergerhof 
(Teting). 800 M. Grenze. 

An Carices reich ist das noch wenig durchforschte Waldviertel: 
Carex pulicaris L. geht wohl tief ins Waldviertel z. B. Voirans 
(Kottes) immer mit ©. Davalliana Sm., doch kleiner als diese, mit 
anliegenden Früchten. €. pilulifera L., 6. Juni 1882 gefunden am 
grossen Holzschlag bei Voirans (Kottes); Alles davon bedeckt, aus- 
gezeichnet durch kurze weibliche Aehren; scheint neu zu sein fürs 
Waldviertel. ©. kömosa L. 26. Mai 1883 auf halbtorfigen Wiesen 
bei Weikartschlag (Kottes) mit turfosa Fries und panicea L. Früchte 
zierlich hängend, Hälmchen zart und etwas gebogen; bis jetzt die 
nordwestliche Grenze. €. filiformis L. 28. Mai 1883, Sumpfwiesen 
bei Voirans (Kottes), oben an ©. hörta L., unten an Juncus erinnernd, 
scheint durchs ganze Viertel verbreitet zu sein. ©. turfosa Fries, 
Name höchst bezeichnend, Torfwiesen bei Spillberg (Traunstein), 
Kottes u. s. w. gemein, ähnlich ©. vulgaris Vries, aber schlanker, 
Früchte länger gestielt und wie bei jener bald grün, bald schwarz. 
©. Michelii Host geht auch in die Donauthäler hinein, z. B. bei 
Spitz, Mühldorf bis Dippl (Kottes), Grenze, Früchte etwas behaart. 
©. hordeistichos Vill. von Dr. Beck agnoseirt. Unternalb (Retz), 
nördlichster Punkt V. U. M. B. ©. paniculata L. mit concav-con- 
vexen Früchten, dürfte durchs ganze V. U. M. B. verbreitet sein, so 
um Kottes sehr gewöhnlich. © verna Vill. dürfte vielleicht in zwei 
Varietäten aufzulösen sein, deren eine minor auf trockenen, und die 
andere, etwa major zu nennende Form auf nassen Wiesen vorkommt; 
im letzten Falle oft sehr verlängerte weibliche Blüthenstiele. ©. um- 
brosa Host, am Ende nur eine üppige Schattenform der longifolia 
Host; kaum wesentlich unterschieden: Früchte gleich, nur Blätter 
etwas länger u. s. w., d. h. die ganze umbrosa Host stärker und 
grösser als Zongifolia Host. €. flacca Schreb. hat durch Insolation 
purpurbraune Früchte im Freien, z. B. auf Schutthalden der Vor- 
alpen, und grüne im Walde. 

Carlina longifolia Reichb.: Blätter bis 14 Cm. lang und etwa 
1 Cm. breit, meine Exemplare 5°6 Cm. hoch. Herr Dr. Carl Rich- 


427 


ter hat Recht: diese so lange ignorirte Pflanze scheint durch die 
ganzen Voralpen verbreitet zu sein, wenigstens am Fuss des Hohen 
Stein (1184 M.) häufig; Carthamus tinctorius L., gebaut in Planken- 
stein, verwildert bei St. Gotthard. Castanea sativa (L.) Mill. ceult. 
d. h. veredelt hier in Gärten, verwildert häufig in Wäldern, aber 
nur auf Mergel. 

Cephalanthera rubra Rich. und ©. pallens Rich. haben auch 
einen grösseren Verbreitungsbezirk; gehen in die Donauthäler hinein, 
von Spitz z. B. bis in die Nähe von Kottes; sonnige „Leithn“ im 
Egelsgraben, auf Granit, etwa 700 Met. Grenze. 


Kilb, am 6. November 1887. 


—i 


Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des 
Hochgesenkes. 


Von Dr. Ed. Formänek, 


k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn, 


(Fortsetzung.) 


Stachys alpina L. Kriech, Kiesgraben (v. Uechtritz)!, Spitzberg, 
bei den Kölllerhütten u. a. O. bei Wermsdorf, Bautsch, Wig- 
stadt], Kl.-Hermsdorf, Lautsch, Hirnich bei Neudörfl, Werden- 
berg, Pohorer Wald, Scheuergrund u. a. O. bei Odrau. 

— silvatica L. Gr.-Ullersdorf (Oborny), Trausnitz bei Petersdorf, 
Pföhlwies, Blauda, B. Märzdorf, Nikles, Altvaterwald, Rother 
Berg circa 900 m. Grundwald u. a. O. bei Römerstadt, Wig- 
stadtl, Lautsch, Hirnich bei Neudörfl, Werdenberg, häufig bei 
Odrau, Pohor, Söhle. 

Lamium maculatum L. Wigstadtl, Lautsch, häufig bei Odrau, Pohofr. 

Leonurus cardiaca L. In höherer Lage bei Nikles. 


Seutellaria galericulata L. Selbst noch bei Gr.-Ullersdorf und Irms- 
dorf. 

Prunella vulgaris L. Gemein, in höheren Lagen am Rothen Berge, 
im Gr.-Kessel, Kriech, Berggeist. 


Ajuga genevensis L. Geppersdorf, Kl.-Mohrau, Rother Berg, Römer- 
stadt. 


Plantago media 1. Schäferei. 

Anagallis arvensis L. a. phoenicea Scop. D. Liebau, Potersdorf, 
Rabenseifen, Gr.-Ullersdorf, Wüst-Seibersdorf, Nikles, Kl.-Mohrau, 
Römerstadt, Bautsch, Wigstadtl, Odrau, Werdenberg. 

Trientalis europaea L. Knoblochgraben (im vorigen Jahre hier an- 
getroffen), horizontaler Weg von der Schäferei zum Franz. Jagd- 
haus, Schlössel, Gr,-Hirschkamm. ; 


428 


Lysimachia nemorum L. Wermsdorf, Wiesenberg, Berggeist, ete., 
(Oborny); Badegrund, Rother Berg u. a. O. bei Gr.-Ullersdorf, 
Winkelsdorf, Buchelsdorf, Beckengrund, D. Märzdorf, Wüst-Sei- 
bersdorf, Stollenhau, Pföhlwies, Nikles, Altvaterwald, Grum- 
berg, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Hochwald bei Janowitz, Römer- 
stadt, Gr.-Stoll. 

— vulgaris L. Gemein, selbst noch bei Kl.-Mohrau und Römerstadt. 

Vaceinium vitis idaea L. Felsen bei Nikles, Altvaterwald, Grumberg, 
Kl.-Mohrau, Wermsdorf, Kleppel. 

Oxycoccos palustris Pers. Kl.-Seeberg. 

Ramischia secundiflora Opic. In den Wäldern von Blauda bis nach 
Hansdorf (Oborny), D. Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, 
Wiesenberg, Buchelsdorf, gemein bei Gr.-Ullersdorf, Neudorf, 
D. Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Ludwigsthal, Stollenhau, Geppers- 
dorf, Reigersdorf, Asperndorf, Pföhlwies, Nikles, Altvaterwald, 
Kleppel, Berggeist, Janowitz, häufig bei Römerstadt, Gunders- 
dorf, Bautsch, Wigstadtl, Odrau, 

Pirola minor L. Kirchwald bei Blauda und an vielen Orten im Ge- 
senke (Oborny) Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Marschendorf, 
Neudorf, (Kirchberg ete.), Beckengrund, Brandwald bei D. März- 
dorf, Ludwigsthal, Gr.-Ullersdorf, Geppersdorf, Reigersdorf, Pföhl- 
wies, Ruine Neuhaus, Nikles, Altvaterwald, Kl.-Mohrau, Kleppel, 
Berggeist, Römerstadt. 

— rotundifolia L. D. Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Gr.-Ullersdorf, 
Römerstadt, Bautsch, Odrau, 

— chlorantha Sw. Gr.-Ullersdorf, Kirchberg bei Neudorf. 


Monesis grandiflora Saliısb. Trausnitz bei Petersdorf, Rabenseifen, 
Gr.- Ullersdorf, Ohrenberg bei Buchelsdorf, Beckengrund, D. 
Märzdorf, Ludwigsthal, Reigersdorf, Pföhlwies. 

Monotropa hypopitys L. Römerstadt, Bautsch. 

Thalictrum aquilegifolium L. Bei der Tess in Gr.-Ullersdorf, Philipps- 
thal, Wiesenberg, bei den Köhlerhütten u. a. 0. bei Wermsdorf, 
Kleppel, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Blaschke, Dämmbaude, Sau- 
graben, Bärmuttergraben, Kriech, Kiesgraben, Braunseifen, Hoch- 
wald bei Janowitz, Römerstadt. 

Hepatica triloba Chaix. Gemein in der Gr.-Ullersdorfer und Odrauer 
Gegend. 

Caltha palustris L. Beim Hirschbrunnen am 20. August, bei Römer- 
stadt am 4. September blühend. 

Ranunculus aconitifolius L. Bärenkamm, Wermsdorf, Peterstein, Hohe 
Heide ete. (Oborny) Berggeist und von da bis zum Podelsky- 
bach bei Irmsdorf! 

— flammula L. Von D. Liebau bis zum Beckengrund und von da bis 
Blauda und Kl.-Mohrau, häufig in der Römerstädter, Wigstadtler 
und Odrauer Gegend. 

— acer L. Gipfel des Petersteines, der Hohen Heide, des Gr. 
Hirschkamms. 


429 


Banunculus lanuginosus L. Petersdorf, Gr. Ullersdorf, D. Märzdorf, 
Wüst-Seibersdorf, Pföhlwies, Nikles, Altvaterwald, Grumberg, 
Kl. Mohrau, Wermsdorf, Janowitz, Römerstadt. 

— nemorosus L. Rother Berg, Saugraben, Bärmuttergraben, Gr. 
Hirschkamm, Schieferheide, Berggeist. 

Trollius europaeus L. Altvater!, Petersteine!, und Öppaquellen 
(Oborny); Saugraben, Bärmuttergraben. 

Aquilegia vulgaris L. Hutberg, bei der Tess u. a. O. bei Gr. Ullers- 
dorf, Marschendorf, Philippsthal, Buchelsdorf, Neudorf. 

Aconitum Iycoctonum L. Im Kiesgraben (v. Uechtritz), im oberen 
Tessthale bei Wiesenberg, bei Wermsdorf, und zwar bei den 
Köhlerhütten u. a. OÖ. und sonst in den Thälern und Schluch- 
ten des Hochgesenkes nicht selten (Oborny)!. 

— napellus L. Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech. 

— variegatum L. Annaberg, Winkelsdorf, Wermsdorf, an der Tess 
bei Gr. Ullersdorf ete. (Oborny), Kiesgraben, Kleppel, Golden- 
fluss, Kl. Mohrau, Römerstadt, Irmsdorf. 

Actaea spieata L. Wiesenberg ete. (Oborny), Petersdorf, Raben- 
seifen, Rudelsdorf, Zöptau, Marschendorf, häufig bei Gr. Ullers- 
dorf, Kirchberg bei Neudorf, Beckengrund, D. Märzdorf, Wüst- 
Seibersdorf, Ludwigsthal, Reigersdorf, Pföhlwies, Kl. Mohrau, 
Wermsdorf, Rother Berg, Kiesgraben, Römerstadt, Podelsky- 
bach bei Irmsdorf, Odrau. 

Fumaria officinalis L. Gemein, selbst noch bei Nikles, Kl. Mohrau 
und Römerstadt. 

Thlaspi arvense L. Bei Gr. Ullersdorf, am 17. August und bei Römer- 
stadt, am 4. September blühend. 

Capsella bursa pastoris Mönch. Bei der Schäferei. 

Lunaria rediviva L. Abhänge des rothen Berges bei Winkelsdorf, 
bei Annaberg ete. (Oborny), Janowitz, Kömerstadt, Podelsky- 
bach bei Irmsdorf, Gr. Stoll. 

hragma Thalianum Velak. Trausnitz bei Petersdorf, Gr. Ullers- 
dorf, Kl. Mohrau, Woitzdorf, Bautsch. 

Cardamine pratensis L. a. paludosa Kraf. Ob. Fl. v. M. u. ö. S. 
p. 1172. Kl. Mohrau. — Im August blühend: bei Gr. Ullers- 
dorf, D. Märzdorf, Grumberg, Kl. Mohrau, Dämmbaude, Peter- 
steine (für letztere schon Oborny), Saugraben, Hirschbrunnen, 
Janowitz. 

— hirsuta L. Gr. Ullersdorf (Oborny), Spitzberg, bei den Köhler- 
hütten u. a. O. im Merthathale bei Wermsdorf, Altvaterwald 
zwischen Grumberg und Nikles, hier in der Form silvatica 
Lamk. sp. Ob. Fl. v. M. u. ö. S. p. 1171. 

Turritis glabra L. Zöptau, Marschendorf, Gr. Ullersdorf, Becken- 
rm Wermsdorf, Kiesgraben, Kl. Mohrau, Bömerstadt, 

autsch. 
(Fortsetzung folgt.) 


—e— = 


Oesterr, botan. Zeitschrift, 12, Heft 1887, 35 


430 


Eine botanische Excursion 
von Rum. St, Georg bis Nedee. 
Von A. Procopianu-Procopovici. 


Gerade bei Rum. St. Georg endet jene auch landschaftlich an- 
muthige von Ost nach West verlaufende geologische Spalte, welche 
so ziemlich die Grenze der primären und tertiären Formationen ein- 
hält. Der Samoschfluss mit seinem maisbedeckten Alluvium (ca. 500 M.) 
neben Ueberresten der mageren Diluvialterrasse, mannigfache zer- 
streute verschiedenalterige vulcanische Massen (Rhyolith, Andesit, 
Dacit) emporgestiegen, geflossen und erstarrt, eine Reihe Mineral- 
quellen als Folgeerscheinung des Vulcanismus; Alle deuten uns den 
Verlauf dieser Spalte an. Ausser dem Sinterkegel des Mineralbades 
bei Rum. St. Georg (ca. 500 M.) wo als Seltenheiten Campanula 
rotundifolia L. var. vulyaris Neilr. (ob nicht angepflanzt?), Verbascum 
phlomoidi-nigrum Porcius und Molinia coerules Much. var. Hodosii 
Porcius auf Wiesen und Asplenium lepidum Presl mit var. Luersseni 
mihi an Sinterfelsen sich einstellen, kann die erwähnte Landschaft 
im Spätsommer (Mitte August) in botanischer Hinsicht wenig mehr 
bieten. Das beginnende steile Vorgebirge besteht aus lehmigen bis 
schotterigen Anhöhen — nach Angaben der benützten k. k. militär- 
geographischen Karten, Maassstab 1: 75.000, 280 M. und 915 M. 
hoch — jungtertiären Alters. Man kann ganz wohl die Glimmer- 
schiefer-, Granatschiefer- und Kalkschiefergerölle unterscheiden, ja 
im Lehme sind zersetzte erbsengrosse gemeine Granaten, rumänisch 
blumbi-de-peaträ benannt, durchaus keine Seltenheit, noch erkennbar. 
Beim Gesammtanblicke jedoch müssen uns unwillkürlich wehmüthige 
Gedanken. beschleichen, denn die einstens herrlichen -länderbenennenden 
Buchenwälder (Erdely, Bukowina) sind unbedacht der blinden Habgier 
und der naiven Unwissenheit geopfert worden. Jetzt erblickt man 
daselbst weit und breit wilde, werthlose Gestrüppe, von spärlichen 
Lichtungen unterbrochen, die mindere Weiden oder auch armselige 
Aecker ergaben, hiezu kamen die Wildbäche, welche am steilen und 
lockeren Gehänge tiefe Schluchten eingerissen, und unten am frucht- 
baren Alluvium breitet sich nach den Gesetzen der mathematischen 
Progressionen der niedere Schuttkegel mehr und mehr aus. Abseits 
liegt eindrucksvoll, emporstrebend wie eine Wand die 1026 M. hohe 
letzte vulcanische Bildung Mägura-Porcului. Die herbstliche gesellige 
Gentiana caucasica MB. (Ledebour, Flora rossica), welche, obwohl 
wenigstens in Siebenbürgen und in der Bukowina (wie ich mich 
bereits überzeugt habe) häufig ist, nach Mittheilung meines Gross- 
vaters, des Herrn Fl. von Poreius, der mir die Diagnosirung er- 
leichterte, erst von Herrn v. Janka als solche erkannt wurde, findet 
auf den Wiesen daselbst ihre herrlichste Entfaltung. Somit hätten 
die Karpathen und der ferne Osten einen neuen Bürger mehr ge- 
meinsam. Hoch oben bei ca. 1600 M. mit Juniperus nana W. ver- 


431 


gesellschaftet und tief unten am Mineralbade bei Rum. St. Georg 
habe ich vereinzelt dieselbe Pflanze noch beobachten können. In- 
zwischen erklärte uns unser Gepäckführer, wie die „Knopflochblume“, 
Centaures maculosa Lmk., am Alluvium eingesammelt, und das des 
Weges aufgefundene Trifolum arvense L. auf rumänisch hiessen 
(iarba-märinplui, sorecel), und wir — nämlich ausser meiner Wenigkeit 
die Herren Mittelschulprofessoren für Naturgeschichte Dr. A. Alexi 
aus Nasod (Siebenbürgen) und V. Dumbrava aus Belenyes (Ungarn) 
-— liessen uns gerne unterrichten. 

Die am Schiefergestein aufgelagerten vorwaltenden Kalkmassen, 
welche die mit 1148 M. angegebene Anhöhe bilden, haben auf mich 
durchaus nicht den Eindruck eines Urgesteiues hervorgebracht. Hier 
sowie auf Preluci (1257 M. falsch Vrf. Prelusiu) die Fortsetzung 
derselben Formation, wechseln fruchtbare Bergwiesen mit Buchen- 
wäldern ab. Merkwürdigerweise steigt durchschnittlich der Buchen- 
bestand im nördlichen Siebenbürgen höher (nach den Angaben Herrn 
von Porcius’ bis 1239 M.) als in der nachbarlichen Bukowina (hier 
bis 1000 M.). Mit dem Fichtenwald erscheint in der nunmehr oberen 
Bergregion manche merkwürdige Pflanze, so auf Kalkfelsen Campa- 
nula carpatica Jaeq., auf Bergschutt Scleranthus uncinatus Schur, 
oft übergangen, auf Wiesen Phleum alpinum L., Senecio subalpinus 
Koch, Viola declinata W. K. und Scorzonera rosesa W. K., ruderal 
Carduus Personata Jacq., ferner das von Herrn Alexi aufgefundene 
und sogleich erkannte seltene Cirsium decussatum Janka. Etwas 
höher schon sind Carduus alpestris W. K. (Fuss, Flora Transsil- 
vaniae excursoria, 164), gesellig um die Sennhütten herum, Pedi- 
cularis evaltata Bess. var. carpatica Poreius (P. sumana Spr., Stei- 
ninger H., Beschreib. europ. Pedicularis) und Orobanche epithy- 
moides Heuff. (Enum. plant. Banatu Temesiensi 136) auf Wiesen, 
Anthemis macrantha Heuff. am Waldesrand als Seltenheiten zu ver- 
zeichnen, dagegen muss das im Waldesdunkel auftretende Flieracium 
transsilvanicum Heuff. durch alle bisher erwähnten Regionen als die 
häufigste Pflanze dieses Standortes bezeichnet werden. 

Der Muncei-Zug mit der höchsten Erhebung, Vrf. Munceilor 
1622 M., besteht aus Urgestein, und zwar tritt der Glimmer- mit 
dem Kalkschiefer in Wechsellagerung auf. Eine ca. 1550 M. hohe, 
aus Kalkschiefer aufgebaute Spitze hatte bereits subalpines Gepräge. 
Aus dem purpurn-violetten Schimmer der Gräser entdeckt man nord- 
östlich exponirt Folgendes: Juniperus nana Willd., hie und da As- 
pidium Lonchitis Sw., Silene nutans L. var. transsilvanica Schur 
(Neilreich Ungar. Diagnosen, 25), Calamintha alpina Lmk., Sca- 
biosa luida Vill., Care tristis M.B. var. Baritiana Porcius (in. 
litt. „Oberste männliche Aehren 2—5, nicht bloss 1, die unterste 
sehr lang gestielt“), Blätter von Primula carpatica Gr. et Sch. und 
von Luzula silvatica Gaud., sich aufdrängende Blüthen der rosig 
angehauchten Achilles Millefolium L. var. alpestris W. und Grab., 
der einköpfigen Dianthus superbus L., Astrantia major L. und 
Hieracium alpinum L., sowie des mehrköpfigen häufigen Hierarium 

3b 


432 


aurantiacum L. Mit dem Eintritt in die alpine Region starren in 
der blauen, bloss nahe scheinenden Umgebung ringsumher wildzer- 
rissene Bergriesen, von denen der Kuhorn (Ineu 2280 M.) der höchste 
von den sichtbaren, uns an. Der Boden ist in der tieferen, subalpinen 
Region ohne jedes Gesträuch, statt dessen sieht man fast aus- 
schliesslich, gebüschelt, monoton die purpurn angelaufene Aira caespi- 
tosa L. Die darüber gelegene Haide (von Preiselbeergewächsen 
gebildet) gestattet, dass gegenwärtig redueirte schmale Krummholz- 
streifen (Pinus Mughus Scop., Juniperus nana W. nur selten ein- 
gesprengt) und üppige Alpenwiesen sich stellenweise ausbreiten. Eine 
alpine Schlucht, wo rechts und links die Kalkwände der Sackgasse 
emporragen und wegen dem wunderbaren Echo als Piatra-Gräitoare 
(sprechender Fels) bezeichnet wird, bot uns Hypochaeris uniflora 
Bluff et Fing., ‚Potentilla aures L. häufig, Pedicularis vertieillata L. 
und Homogyne alpina Cass. dar. Mit Fatfa-Grajdului und Vrf. Rablei 
(1907 M.) beginnt der sozusagen neue Gebirgszug, der zuerst aus Quarzit, 
welcher in Glimmerschiefer (zuletzt stellenweise grosshornblendig) über- 
geht, gebildet wird, um bald seine Stelle dem dunkelgefärbten, weiss- 
seaderten Urkalk einzuräumen. Auf Quarzit und Glimmerschiefer 
erblicken wir ausser manchen früher erwähnten Arten noch Phleum 
Micheliüi All., Leontodon hastilis L. var. opimus Koch, Orepis gran- 
diflora Tausch, Heracleum alpinum L. (Fuss, Fl. Transs. exe. 272), 
Sawifraga Aizoon Jacq., Erigeron alpinus L., nach Angaben Herrn 
von Porcius wahrscheinlich auch Saxifraga laeta Schott. Kotschy., 
die ich wegen ihres Umfanges und weil ich sie für S. Aizoon Jacq. var. 
major hielt, leider nicht einsammelte, und Campanula Scheuchzeri 
Vill., etwas abweichend von deren Varietät dacica Poreius (in litt. 
„C. Scheuchzeri Vill. jedoch eine besondere Form, weil die Stengel- 
blätter viel schmäler und länger sind, als bei der deutschen Pflanze. 
Von ©. dacica mihi unterscheidet sie sich durch viel kürzere, kaum 
1'/, so lang als die Krone, Kelchzipfel“). Die immer noch glimmer- 
schieferige Ostwand des Nedeia-Grajdului (1856 M.) liegt mit ihrem 
Grate in der letzten Pflanzenformation, des Rhododendron myrtifolium 
Schott, Kotschy. (Knapp, Pfl. Galiziens u. Bukowina 245.) An 
trockeneren Stellen ist Juncus triglumis L., Luzula sudetica Presl 
var. nigricans Pohl., Avena versicolor Vill. und Gnaphalium supinum 
L. zu beobachten, an feuchten hingegen Sawifraga aizoides L. (Fuss, 
Fl. Transs. exc. 239), 8. stellaris L., Silene quadrifida L. (idem in 
eadem 106), Corthusa pubens Schott, Kotschy (id. in ead. 537) und 
Cerastium macrocarpum Schur (id. in ead. 120). Vrf. Laptelui (1930 M.), 
die mit 1770 M. bezeichnete Alpe, Dosul-Grajdului (1754 M.), bis 
Nedee oder Mireaja (1855 M.) hin und noch weiter erstreckt sich 
der gewaltige malerische Kalkzug. Wir konnten eiligst Aira flewuosa 
L. var. cuprina Schur, eine schwarz-purpurne Calamagrostis arun- 
dinacea Rth., Anthoxanthum odoratum L., jedoch mit langer aus der 
Blüthe herausragender Granne (Gr. 1'/, länger als Bthe.), und auf 
einem Moore Carex canescens L., aber mit ganzem nicht ausge- 
randetem Schnabel, noch einsammeln; ferner Phyteuma Vagneri A, 


433 


Kerner (Schedae, ad flor. exsic. Austro-Hung. 1884, 107), und 
endlich an einer Quelle Epilobium alsinefolium Vill. nebst Galium 
silvestre Andreae var. carpaticum Porcius (Galium sudeticum Tausch. 
Magyar növenytani lapok 1884, 120). 

Die launenhafte Fee, in deren Berge wir schweiften (Nedee 
bedeutet gradezu Fee) hatte ihre unterhalb Vrf. Laptelui (verdeutscht 
etwa Milch-Horn, sogenannt wegen dem „Bergmilch“) gelegene, mit 
einem gewaltigen westlichen Portale verzierte Höhle — Pestera- 
zinelor —= Feengrotte — verlassen ; sie zog in ihren Schleier gehüllt 
an uns vorbei und in einem Nu ward Alles mit dichtem Höhenrauch 
bedeckt. Den Pietrosul (nach Porcius 2305 M.), die höchste Erhebung 
zwischen den Centralkarpathen und den transsylvanischen Alpen, in 
der Marmarosch gelegen, ihn, dessen Ersteigung geplant war, 
hatten wir nun wegen der Witterung nicht einmal sehen können. 
Zunächst folete ein andauerndes, dabei furchtbares Ungewitter, das 
später zu einem Landregen geworden, dessen Tropfen über die kalte 
Nacht erstarrten, von einem heftigen Winde begleitet. Genug an 
Dem, bis Nedee waren wir vorgedrungen, weiter — da ging es nicht 
mehr.... versuchen wir es ein anderes Mal. 


Czernowitz, am 7. October 1887. 


PEN? TERERERN, 


Flora des Etna. 
Von Prof. P. Gabriel Strobl. 


(Fortsetzung.) 


1426. Lathyrus grandiflorus Sm. *Bert. Fl. it., Guss. *Syn. et 
*Herb.! Aehnlich dem odoratus, aber perenn, ziemlich kahl, Stengel nur 
kantig, Blättchen einpaarig, fast kreisförmig bis oval, mehr als halb 
so breit, als lang (2—4 Cm.), stumpf mit Stachelspitze, freudiggrün, 
beiderseits oder nur auf der Unterseite sparsam flaumig; Neben- 
blätter bleich, winzig, Ranken einfach bis dreitheilig; Kelchzähne 
sehr ungleich, kürzer als die glockige Röhre (sammt derselben 8 Mm.), 
Krone geruchlos, mit 3—4 Cm. langer, sehr breiter, fleischrother, 
dunkelgeaderter Fahne, weisslichen, an der Spitze rothen bis vio- 
letten, etwas kürzeren Flügeln und um '/, kürzerem bleichblauem 
Schiffehen; Hülsen linear, 6—8 Cm. lang, 7 Mm. breit, kahl, netz- 
nervig; Samen kugelig, glatt, lederbraun, oft klein schwarzgefleckt, 
Hilus weiss, lang. — In Hainen und an buschigen Bergabhängen 
nicht selten: Aus Wäldern des Etna von Guss. erhalten (Bert. 1. c.), 
in Etnawäldern bei Milo und im Valle del Bove (Cosent, in (Guss. 
Syn. et Herb.!), Francavilla (Guss. Syn.), Catania (Cosent. in Herb. 
Ba Armisi bei Catania, Milo, Cavaleri (Herb, Torn.!). April bis 

uni, 9. 


% 


1427. L. membranaceus Presl del. prag. (1822), ensifolius Bad. 
(1824), longifolius Ten., sylvestris *Raf. II, *Bert. Fl. it., Guss. Syn. 
et Herb.!, non L., sylv. var. angustifolius Mor., var. ensifolius DC. 
Prodr. II, 369, Vis., latifolius var. a, ß. W. Lge. III, 316, lat. var. 
angustatus Koch? Robust, starr; Blättchen 6—15 Cm. lang, 3—9 Mm. 
breit; Blüthenstiele mindestens drei-, meist vier- bis fünfblüthig; 
Stengel und Blattstiele lang geflügelt, alle Flügel klein gesägt, fast 
von der Breite des Stengels. Nebenblätter 6—25 Mm. lang, 2—5 Mm. 
breit, halbpfeilförmig, zugespitzt; Kelchzähne breitlanzettlich, von 
der Länge der Röhre; Fahne rosenroth, 2 Cm. lang, Schiffehen und 
Flügel um '/, kürzer, grünlichbleich, Flügel an der Spitze röthlich; 
Hülsen etwas gebogen, 9—11 Cm. lang, 1 Cm. breit, 8—16samig; 
Samen stark gewunden-runzelighöckerig, Runzeln bei der Reife 
ziemlich scharf von einander geschieden; Nabel kaum den dritten 
Theil der Peripherie des Samens umfassend. Sylvestris unterscheidet 
sich davon durch minder starren Wuchs, bedeutend breitere Flügel 
des Stengels und viel schmälere Flügel der Blattstiele, nur bis 
16 Mm. grosse Blüthen, nur 5—6 Cm. lange, gerade, ärmer- 
samige Hülsen, fast die Hälfte der Peripherie langen Nabel. Lati- 
folius L. unterscheidet sich davon durch durchaus intensiv rosen- 
rothe Blüthen, nicht genau. lineale, sondern gegen die Spitze etwas 
verbreiterte, gegen die Basis allmälig verschmälerte und nur bis 
8 Cm. lange Hülsen, viel kürzere (5—6 Cm. lange, 1:5—2'5 Cm. 
breite), breitelliptische Blättchen, bald längere, bald kürzere, aber 
mindestens nochmals so breite, eiförmige Nebenblätter, meist brei- 
tere Flügel der Stengel. Membr. variirt in Sieilien: «. Zatifolius m.: 
Blättchen 6—15 Cm. lang, 8—10 Mm. breit, Hülsen 9—10 Cm. 
lang, 8—10samig; ß. angustifolius mihi: Blättchen 6—15 Cm. lang, 
3—4 Mm. breit, Hülsen über 11 Cm. lang, 12—16samig. — An 
Zäunen und buschigen Abhängen Siciliens häufig, im Gebiete sel- 
tener: Waldregion des Etna (Raf. II), aus Catania von Cosentini 
erhalten (Bert. 1. c.), Etna, besonders bei Cavaleri (Herb. Tornab.!). 
Mai—Juli. %. 

1428. L. latifolius L. *Cat. Cosent., Guss. *Syn. et *Herb.!, 
Tod. Fl. sie. exs. Nr. 338! An Zäunen der Tarderia am Etna (Guss. 
l. e.!), in der Ebene des Simeto (Cat. Cosent.). April, Mai. %. 

1429. L. pratensis L. *Cat. Cosent., Guss. Syn. et *Herb.! 
Varüirt im Gebiete: «. genuinus: Kelch kahl, nur an den Rippen 
etwas flaumig, Blattstiele mit Ranken endigend; ganz identisch mit 
Exemplaren Mitteleuropas. ß. pubescens mihi: Blatt-, Blüthenstiele 
und Kelche dicht angedrückt flaumig, Blattstiele theilweise mit kur- 
zer Stachelspitze (3 Mm.) statt der Ranke. Sepium Scop. = Haller- 
steinii Bmg. (Siebenbürgen, leg. Fuss, Banat, leg. Heuffel), der 
sich durch rechtwinkelig abstehende Oehrchen der Nebenblätter, 
welche die Blättchen an Grösse fast übertreffen, einerseitswendige 
Blüthen und fast gleichlange Kelchzähne unterscheidet, fehlt in Si- 
cilien. Auf Bergweiden, an buschigen Abhängen bis 3500° nicht 
selten: Catania (!, Cosent. in Herb. Guss.!, Cat. Cosent.), Piano 


435 


della Bottara (Torn. in Herb. Guss.!), Milo, Bosco Rinazzi (Herb. 
Torn.!); var. 5. sammelte ich mehrmals in der Waldregion oberhalb 
Nicolosi. Mai, Juni. %. 

NB. L. palustris L., von Cat. Cosent. in der Ebene des Simeto 
angegeben, fehlt in Sicilien. 

1430. Orobus venetus Mill. diet. (1760), serotinus Presl del. 
prag., variegatus Ten. Fl. nap., Guss. *Syn. et *Herb.!, vernus “Raf. 
IH, non L. Von vernus L. verschieden, weil viel dichter und kleiner 
blüthig, untere Kelchzähne von der Länge der Röhre, Hülsen drüsig- 
rauh (nicht kahl), Blättchen eiförmig, sehr kurz zugespitzt. — In 
Hainen und Wäldern des Etna (Guss. Syn., Biv. in Guss. Herb.!), 
rg (Cosentini in Guss. Herb.!), Milo (Herb. Tormab.!). Mai, 

uni. W. 

1431. ©. tristis Lang Guss. *Syn., nach Bert. Fl. it, —= niger 
L. — In Hainen des Etna nach Bivona, aus dessen Herbare Tod. 
an Gussone ein Exemplar abgab (Guss. Syn., feblt aber im Herb. 
Guss.). Mai? %. 

1432. O. atropurpureus Dsf. Bert. Fl. it., siculus *Raf. Car., 
*Raf. I, II, Rafinesquii Presl del. prag., Vieia sicula Guss. Syn. et 
Herb.! Auf Weiden, an trockenen und bergigen Stellen bei Catania 
ete. (Raf. 1. e.); vielleicht gehört hieher auch tuberosus *Cat. Cosent. 
aus der Ebene des Simeto, da der echte Zub. L. in Sicilien fehlt. 
März, April. ©. 

NB. Phaseohıs vulgaris und Catjang werden in der unteren 
Etnaregion häufig eultivirt (Philippi, Cat. Cosent.). 


CXI. Fam. Caesalpiniaceae R. Br. 


1433. Ceratonia Siligqua L. *Fl. med., *Bert. Fl. it., *Brunner, 
Guss. Syn. et *Herb.! In Lavaströmen und auf steinigen Abhängen 
wild: Aus Catania von Cosent. erhalten (Bert. l. c., Herb. Guss.!), 
eingewurzelt in den Rissen der alten Etnalaven (Fl. med.), auf La- 
ven nirgends bemerkt, aber südlich von Catania auf Kalk häufig 
BIRD). gegen Misterbianco nicht selten, auch hie und da gegen 

cicastello, sogar noch in Lavafeldern gleich unterhalb Nicolosi (!, ca. 
2000°); wird auch in der ganzen Tiefregion häufig eultivirt. Septem- 
ber, October. b. 

1434. Cereis Siliquastrum L. *Raf. I, *Tratt. Scuderi, Guss. 
Syn. et Herb.!, *Cosent. Colpo, *Torn. foss. Auf steinigen Abhängen 
der Kalkberge Siciliens häufig wild, im Gebiete zwar von Cosent. 
Kuaeır: Colpo) und mir niemals beobachtet, aber nach Raf. II in 
er Waldregion, nach Tratt. Scud. nicht selten an den Ufern der 
Giessbäche der Waldregion, nach Torn. foss. wild bei Leucatia. März, 
April. ®. 


(Fortsetzung folgt.) 


— ie 


% 


436 


Literaturberichte. 


Haberlandt G., Ueber die Beziehungen zwischen Function und Lage 
des Zellkernes bei den Pflanzen. 8°, 135 pp., mit 2 lithogr. Tafeln. 
Jena 1887 (A. Fischer). 


Die früher allgemein verbreitete Ansicht, der Zellkern habe, 
abgesehen von der Zelltheilung, wohl keine weitere Bedeutung für 
das Leben der Zelle, hat sich namentlich auf Grund der Unter- 
suchungen hervorragender Zoologen als unrichtig erwiesen. Heute ist 
die Mehrzahl zoologischer Forscher — Hertwig, Weismann und 
Kölliker an der Spitze —- der Meinung, dass die Kerne die aus- 
schliesslichen Träger der Vererbungspotenzen sind und dass durch 
die Vereinigung des Eikerns mit dem Spermakern bei der Fort- 
pflanzung die Eigenschaften der Eltern auf den neuen Organismus 
übertragen werden. Hiermit ist aber unsere Kenntniss von der Be- 
deutung des Kerns nicht erschöpft. Nussbaum und Gruber be- 
traten vor einigen Jahren einen neuen, höchst originellen Weg, um 
der Kernfunetion etwas näher zu kommen: sie theilten Infusorien in 
je zwei Theile, in einen kernhältigen und einen kernlosen und 
machten hiebei die Entdeckung, dass nur das kernhältige Stück zu 
einem normal gebauten Individuum auszuwachsen vermag. In An- 
betracht dieser auf zoologischem Gebiete festgestellten Thatsachen 
muss es als ein zeitgemässes und erfolgversprechendes Unternehmen 
des Verf. bezeichnet werden, wenn derselbe die Frage aufwirft, ob 
nicht auch in der Pflanze sich Erscheinungen vorfinden mögen, die 
über die Kernfunction Licht verbreiten könnten. Ausgehend von der 
Erwägung, dass die Lage des Kerns, falls derselbe überhaupt gewisse 
Vorgänge in der Zelle beherrscht, schon desshalb nicht gleichgiltig 
sein könne, weil seine Wirkungssphäre nur eine begrenzte sein dürfte, 
versucht Haberlandt an einer grossen Anzahl von Beispielen eine be- 
stimmte Beziehung zwischen Lage des Kerns und dem Wachsthum 
der Membran zu erweisen. Die Hauptergebnisse dieses Versuchs 
fasst Verf. nach Ausschluss alles Hypothetischen in folgende drei 
Punkte kurz zusammen. 1. Die Lage des Kernes in sich entwickeln- 
den Pflanzenzellen ist häufig keineswegs rerellos; der Kern nimmt 
vielmehr in jungen Geweben und Zellen eine je naclhı der Art der- 
selben verschiedene, ganz bestimmte Lage ein. 2. Die nach den 
Einzelfällen verschiedene Lage des Kernes in der Zelle lässt sich 
ungezwungen unter einen gemeinschaftlichen Gesichtspunkt brin- 
gen: Der Kern befindet sich meist in grösserer oder geringerer Nähe 
derjenigen Stelle, an welcher das Wachsthum am lebhaftesten vor 
sich geht oder am längsten andauert. Diess gilt sowohl für das Wachs- 
thum der ganzen Stelle als solcher, wie auch speciell für das Dicken- 
und Flächenwachsthum der Zellhaut. Ist mehr als eine Stelle im 
Wachsthum bevorzugt, so nimmt der Kern eine solche centrale Lage 
an, dass er von den Orten ausgiebigsten Wachsthums ungefähr gleich 


437 


weit entfernt ist. Zuweilen stellen Plasmastränge eine Verbindung 
der Kerne mit den Wachsthumsstätten auf kürzestem Wege her. 
3. In der ausgebildeten Zelle behält der Kern seine frühere Lage 
nur in der kleineren Anzahl der Fälle bei. Gewöhnlich verlässt er 
den in der wachsenden Zelle innegehabten Platz und zeigt dann zu- 
meist eine unbestimmte, in einzelnen Fällen jedoch aufs neue eine 
bestimmte Lagerung. — Die eben mitgetheilten Resultate sind an 
einem so reichen, den verschiedensten Pflanzen, Organen und Ge- 
weben entnommenen Beobachtungsmateriale gewonnen, dass die an- 
gedeutete Correlation zwischen Kernlage und Membranwachsthum 
als bewiesen gelten kann. Den speculativen Excursen des Verf. auf 
dem noch so dunklen und eben desshalb zur Vorsicht mahnenden Ge- 
biete der Kernfunetion dürfte der Leser allerdings nicht immer mit 
innerer Ueberzeugung folgen, allein diess kann für die Beurtheilung 
des vorliegenden Buches nicht massgebend sein und dürfte in An- 
betracht der zahlreichen festgestellten Thatsachen seinen wahren Werth 
auch kaum berühren. Die Ausstattung des Buches ist tadellos. H. M. 


Hansgirg, Dr. Anton. Physiologische und algologische Studien. 4°. 187 Sei- 
ten, mit 4 lithograph. Tafeln. Prag Borovy 1887. 


Der Verfasser, welcher sich bekanntlich seit einer Reihe von 
Jahren eingehend mit der Aufklärung der Entwicklungsreihen und 
Formen polymorpher Algen beschäftigt und die phycologische Lite- 
ratur wiederholt mit zum Theil sehr werthvollen Aufsätzen berei- 
cherte, hat in vorliegender Arbeit die Ergebnisse seiner Untersuchungen 
in übersichtlicher Weise nicht nur zusammengefasst, sondern in viel- 
facher Beziehung ergänzt und bereichert und somit namentlich die 
Kenntniss der morphologischen und biologischen Verhältnisse der 
Oscillarien und des Polymorphismus der Algen in erschöpfender 
Ausführung zur Darstellung gebracht. Der erste Theil der Arbeit, 
welcher den Bewegungserscheinungen und der Organisation der Oscil- 
larien gewidmet ist, bringt eine wohl vollständige historische Ueber- 
sicht des darüber Bekannten, sodann eine eingehende Erläuterung 
der Organisation und der allgemeinen biologischen Verhältnisse der 
Öseillarien, an welche sich die ausführliche Besprechung der Bewe- 
gungserscheinungen und deren Mechanik bei diesen Algen knüpft. 
Den Hauptmomenten gemäss stimmt letztere nach dem Verfasser 
mit derjenigen gewisser niedrigst organischer 'Thierformen überein 
und geht voraussichtlich auch nach gleichen Gesetzen wie bei diesen 
vor sich, da auch dem Protoplasma der Öscillarien eine gleiche Con- 
tractilität, Reizbarkeit und Beweglichkeit zukommt. Die weitgehendste 
Beachtung verdient der über den Polymorphismus der Algen han- 
delnde zweite Theil dieser Arbeit. Nach vorausgehender geschicht- 
licher Uebersicht des über dieses Thema Bekannten und unter Zu- 
rer hr seiner eigenen Forschungen, folgert der Verf., dass die 
meisten Schizophyceen polymorphe Algen seien, und ihre Gruppen 
und ihre mehrfach aus heterogenen Algenformen zusammengesetztou 


438 


Gattungen vielfach in genetischem Zusammenhange stünden, unter 
den Rivulariaceen und Scytonemaceen aber die höher und höchst 
entwickelten Stadien derselben aufzufinden seien. Auch für zahlreiche 
Chlorophyceen und wenige Rhodophyceen wird der Polymorphismus 
mit einzelligen und fadenförmigen Formen nachgewiesen. Hochinter- 
essant ist der überaus grosse durch des Verfassers Untersuchungen 
constatirte Polymorphismus von Scytonema Hofmanni T’huret, welche 
unter ihren Stigonema-, Lyngbya-, Nostoc- und einzelligen Entwick- 
lungsformen 46 bisher als Arten beschriebene Algen enthält, die sich 
auf 20 Gattungen der Schizophyceen vertheilen. Welche weitgehenden 
Veränderungen die Systematik der Schizophyceen auf Grund solcher 
Entwicklungsstudien erfahren muss, braucht wohl nicht weiter her- 
vorgehoben werden, und man muss dem Verfasser besten Dank wis- 
sen, nachdem derselbe an einer Reihe von Scytonema-, Calothrie- 
und Hapalosiphon-Arten unter Benützung des bisher Bekannten die 
Entwicklungsreihen darstellte und eine vortreffliche Zusammenstel- 
lung der bisher bekannten polymorphen Algen, begleitet mit über- 
sichtlichen Bemerkungen, allen Algologen in vorliegender Arbeit 
hinterlegte. Der dritte Theil der algologischen Studien enthält in 
sich geschlossene Aufsätze zur Systematik einiger Süsswasseralgen, 
wie über die Gattungen Plectonema, Glaucothrix, Allogonium, Xeno- 
coccus, Oylindrocapsa, Phyllactidium, Ulvella, Protoderma, Hormo- 
spora u. a. In den blaugrünen Monaden Oryptoglena und Chroomo- 
nas erblickt der Verf. eine Gruppe der Phycochromaceen, deren Re- 
präsentanten alle Merkmale von Phycochromaceen-Schwärmzellen an 
sich tragen. Noch auffälliger aber ist die Mittheilung des Verfassers, 
dass er einen genetischen Zusammenhang zwischen Euglenen und 
Öscillarien ermittelt habe, zu deren Bekräftigung der Autor leider 
nur Hinweise auf viele Uebereinstimmung im Körperbau und in der 
Lebensweise beider Organismen lieferte. Weiters folgen Aufsätze über 
die Chromatophoren, Pyrenoide, die für Chroothece rupestris und Allo- 
gonium halophilum neu beschrieben werden, Zellkerne und Grenz- 
zellen der Phycochromaceen. Schliesslich pflanzengeographisch höchst 
wichtige Angaben über Thermal-, thermophile und halophile Algen, 
sowie über die Bergalgenflora Böhmens, endlich Beiträge zur Kennt- 
niss algenartiger Bildungen der Vorkeime, die ebenfalls interessante 
Mittheilungen enthalten. Wir konnten an dieser Stelle leider nur in 
Kürze über den reichen Inhalt vorliegender Arbeit berichten, sind 
jedoch überzeugt, dass alle Phycologen diesem verdienstvollen Werke 
ihre volle Anerkennung entgegenbringen werden. Beck. 


Die Rosen des Hochgesenkes. Von Dr. Ed. Formänek. Wien im Februar 
1887. 42 S. in 4. (Im Selbstverlage der Autoren.) 


Den Gegenstand dieser Arbeit bildet eine an Arten arme, an 
kritischen Formen aber umso umfangreichere Sammlung von Rosen, 
die der unermüdliche Professor Dr. Ed. Formänek in Brünn im 
Monate August 1886 aus den südlichen und westlichen Abfällen und 


439 


Vorbergen des „Altvater“, dann aus dem ÖOdergebiete Schlesiens 
mitgebracht. Referent übernahm die Bestimmung und kritische Be- 
sprechung derselben, und besorgte auch die gesonderte Drucklegung 
der Arbeit auf gemeinschaftliche Kosten aus dem Grunde, da eine un- 
unterbrochene Veröffentlichung der Arbeit in einer Zeitschrift nichtzu ge- 
wärtigen war. Nebst einigen interessanten Formen aus der Gruppe der bi- 
serraten Caninae pubescentes .... sind es hauptsächlich die Rosa incana 
Kitb. und R. alpina (pendulina) L., die den grössten Theil der Samm- 
lung bilden, und die Ahnung des Referenten, dass in diesen interes- 
santen, in mancher Beziehung an gewisse Partien des ungarischen 
Erzgebirges erinnernden Localitäten Nord-Mährens sich auch in der 
Vegetation Anklänge namentlich an die Schemnitzer Flora finden, 
bestätigen, wenngleich noch sehr Vieles an charakteristischen en- 
demischen Repräsentanten nachzuholen verblieb. Die hier sehr zahl- 
reich gesammelten Rosen aus der Sect. Alpinae gehören fast aus- 
schliesslich der Gruppe Glabriuseulae Crep. Prim. VI. an, und sind 
in einfache, doppelte und vielfache Uebergangsformen jener Racen 
zu theilen, die Koch in Synop. pag. 263 (1846) £) pyrenaica und 
y) pubescens, und Kitaibel (in Addit. pag. 590 (Nr. 1204) balsamea 
nannten; wir haben aus dieser Unzahl von Uebergängen nur zwei 
hervorragende Formen neubenannt und beschrieben, mussten aber 
auch die Zwischenglieder und Modificationen im Formenkreise der 
Racen (Subspecies) und Varietäten anschaulich machen, ohne deren 
hier verständnisshalber angedeuteten Rang von besonderen Variationen 
zu behaupten. Führt uns ja doch gerade gegenwärtige Arbeit zu 
der Ueberzeugung, dass selbst die bisherigen Subspecies und Varie-. 
täten der R. alpina (pendulina) in jedem Lande neue oft überwiegende 
Aenderungen erleiden! So haben z. B. fast alle Alpinae dieser Auf- 
sammlung, deren Serratur allzuhäufig eine ärmlichere bis einfache 
ist, oblonge Scheinfrüchte und schwache, oft äusserst dünne, aber 
niemals bloss über die Nerven, sondern die ganze Blattfläche ver- 
breitete Behaarung. Ebenso verhält es sich mit der Hispidität der 
Receptakel und Sepalen, die wohl nur verschiedene Grade der Dichte, 
niemals aber ein derart constantes Zurücktreten auf die Basis der Schein- 
frucht oder auf den Pedunculus allein erblicken lässt, dass solches, aus 
allen Variationen zusammengenommen, zu bloss einer einzigen, d. i. 
der Race pubescens Koch führen würde. Während sich so die Com- 
binationen der Formen bis in das Vielfache immer innerhalb der 
Dichtigkeitsgrenze der f. pubescens Koch verlieren, ist es von beson- 
derem Interesse zu sehen, dass dieselben doch nicht zur vollendeten 
typica der balsamea Kitb. gelangen, wohl aber in einer intermediären 
weit verbreiteten Form sich präsentiren, die wir var, subealva be- 
nannten. Referent weist dann an der Hand der Original-Deseription 
Kitaibel’s in Addit. (edidit A. Kanitz) p. 590, 1863 (die mass- 

ebender als irgend ein Original-Exemplar der Pflanze ist) nach, 
a Kitaibel seiner R. balsamea ]. e. drüsige Sepala zugeschrieben, 
daher Borbäs’ „halsamea calyce glabro* der Original-Deseription 
widersprechend ist, seine „adenosepala receptaculo fructifero typi (id 


440 


est ovoideo Borb.) haud globoso“ nicht zur adenophora, sondern zuf 
balsamea Kitb. gehören muss, dort aber, da der Typus selbst kelch- 
drüsig ist, den Namen „adenosepala Borb.“ nicht behalten, sondern 
gleich der identischen, aber bei Borbäs unerwähnten R. balsamica 
Willd. (die vom Referenten erläutert wird) nur eine R. balsamea 
subdecalvata aut ditrichoneura sein kann, daher beide pro parte maj. 
nur — f. subcalva (mobis) sein können, welch letzte zufolge der 
Flächenbehaarung, die für die Alpinae Osteuropas eine auffallendere 
Scheidegrenze als die Fruchtform abgibt, viel richtiger R. balsamea 
var. subcalva, als R. pendulina f. subcalva zu nennen ist. Hingegen 
wird die zweite beschriebene und f. longilagenaria benannte, com- 
plieirte Form zur pendulina L. gestellt, da sie bei einer fast einfachen 
Serratur und äusserst dünner Flächenbehaarung drüsenlose Sepala 
und Nerven, nicht flächendrüsige Stipulen, auffallende, dreimal so 
lange, ärmlich mit Drüsen besetzte Scheinfrüchte ete. hat. Von den 
äussersten Uebergangsstufen der subcalva (nob.) zur balsamea Kitb. 
will nur der var. Seidlii Opiz erwähnt werden (Syn. = R. Seidliü 
Op. et Seidel), die nach der Original-Diagnose in Seidl’s Werke 
v. J. 1825 ungefähr für die f. stenodonta Borbäs’ nach der Priorität 
in Geltung treten, und hier seit Seidel’s Zeiten wohl zum ersten 
Male wieder genannt und gedeutet worden sein dürfte. All das, sowie 
eine Correctur der bisher irrigen Deutung der R. lagenaria Vill. 
für all unsere Rosenfreunde ist in der besten Absicht längst ent- 
behrter aber erwünschter Vervollständigung geschrieben! Der zweite 
Beleg zu der obangedeuteten Verwandtschaft mit der oberungarischen 
Rosenflora ist das auffallend reichliche Auftreten der Rosa incana 
Kitaibel’s, die für Mähren zuerst vom Referenten in der österr. bot. 
Zeitschr. 1886, p. 196 nachgewiesen worden ist. Aber nicht bloss die 
Richtigkeit der letztgedachten vereinzelten Angabe des Referenten, 
sondern auch dessen Anschauung über die Art und Weise der Unter- 
scheidung zwischen der R. incana und intermedia Kitaibel’s fanden 
in dieser Sammlung ihre vollkommenste Bestätigung, indem fast 
alle dieser Exemplare die schmalen, feinen, fast ungetheilten, ganz 
(meist connivent) aufgerichteten Sepala (bei kurzen Pedunkeln und 
der charakteristischen Farbe etc. der Laubtheile) der echten incana 
Kitb. hatten, während die echte intermedia Kitaibel’s fast gar nicht, 
nur in einer biserraten Variation vertreten war. Als interessante 
neue Formen resp. Varietäten sind sodann AR. sphaerica Gren. var. 
Bautschensis, R. dumetorum f. Hutbergensis benannt und beschrieben, 
R. oblongata Opiz, R. tomentella Opiz und R. Hillebrandtii Weitenw. 
nach Originalen erläutert und zum Schluss R. cuspidatoides Crep. 
«) elatior Scheutz, die neuerdings wieder in dem XXIV. Band, 2. Heft, 
pag. 935, Zeile 17 v. o. der Verhandl. des naturf. Vereins in Brünn 
eine dritte Art der Confundirung mit der R. Seringeana (D.M. var.) 
erlitt und £) minor Scheutz (mit den Syn. resp. Var. silesiaca Gdr., 
und tomentella Opiz) — die beiden Repräsentanten aus der Sect. 
„Eutomentosae Glandulosae“ in dieser Sammlung — kritisch be- 
sprochen. J. B. Keller. 


441 


Dietz, Dr. Sandor. Ueber die Entwicklung der Blüthe und Frucht von 
Sparganium Tourn, und 7Typha Tourn. Mit 3 Tafeln. Bibliotheca 
Botanica (Heft Nr. 5), Cassel 1887. 

Die durch eine vorläufige Mittheilung im Botan. Centralblatte 
(1886, Nr. 40 und 41) angekündigte und von der Ung. naturwissen- 
schaftlichen Gesellschaft mit dem Bugät-Preis gekrönte Preisschrift 
wurde in den näher interessirten Kreisen mit besonderer Spannung 
erwartet. Rohrbach hatte nämlich betreffend T’ypha principiell wich- 
tige und vielfach bekämpfte Ansichten ausgesprochen; andererseits 
waren bisher die Stimmen der Autoren über die verwandtschaft- 
lichen Beziehungen von Typha und Sparganium so uneinig wie 
nur möglich — nach beiden Richtungen liess sich nur durch eine 
ausführliche entwicklungsgeschichtliche Bearbeitung die letzte Ent- 
scheidung herbeiführen. Dietz löst nun seine Aufgabe in so vor- 
züglicher und durchaus befriedigender Weise, dass ihm das Verdienst, 
über die Genera Typha und Sparganium Klarheit gebracht und die 
obschwebenden Fragen beantwortet zu haben, von Jedem, der seine 
Schrift dem Studium unterzieht, wird beigemessen werden. Da auf 
die Details in diesem Referate nicht eingegangen werden kann, 
mögen nur die wesentlichsten entwicklungsgeschichtlichen Unter- 
schiede hervorgehoben werden, welche Dietz zwischen T'ypha und 
Sparganium feststellte. 


Typha: Sparganium: 
Die Blüthen treten an primären Die Blüthen treten an secundä- 
und secundären Achsen auf. ren und tertiären Achsen auf. 


Die Blüthen haben kein Perigon. Die Blüthen haben ein wohlaus- 
gebildetes Perigon. 


Die © Blüthe hat ein Carpell. Die © Blüthen haben zwei Car- 
pelle. 


Frucht: nussartige Caryopse. Frucht: trockene Steinkernfrucht. 


Daraus ergibt sich der für die Systematik wichtige Schlusssatz: 
dass die beiden Gattungen gemeinsamen Eigenschaften zwar die Ein- 
reihung derselben in eine Familie hinlänglich begründen, allein die 
nicht eben unerheblichen Abweichungen es angezeigt erscheinen las- 
sen; sie wenigstens in zwei verschiedene Unterfamilien zu setzen, 
von welchen Sparganium den Pandaneen und Typha den Aroideen 
näher stünde. Dr. Kronfeld. 


Dr. Jos. Pan£iö, Der Kirschlorbeer im Sidosten von Serbien. Belgrad 
1887. Königl. serb. Staatsbuchdruckerei. 

In dem nur acht Octavseiten umfassenden Heftchen macht der 
Verfasser interessante Mittheilungen über das Auffinden des Prunus 
Laurocerasus im Frühjahre 1856 an der westlichen Lehne des M. 
Östrozub in den Vlasinaerbergen, wo er in einer Höhe von 800 M. 
in einer beiläufigen Ausdehnung von 100.000 Quad.-M. in ziemlich 
dichtem Schluss das Unterholz des dortigen Buchenwaldes bildet. 


442 


Nach den Ausführungen des Dr. P.’s scheint der dort unter dem 
Namen Zelenite bekannte Kirschlorbeer die Grenze seines natür- 
lichen Verbreitungsbezirkes erreicht zu haben. Den Schluss bildet 
eine allgemeine floristische Betrachtung des Gebirges, dem der M. 
Östrozub angehört. J. 


Schomburgk R. Dr. Report on the Progress and Condition of the 
Botanie Garden of Adelaide during tlıe year 1886. 


In der vorliegenden Brochure berichtet der Obgenannte, seit 
1865 Director des botanischen Gartens zu Adelaide, eingehend über 
die Fortschritte und den Stand dieses Institutes im Jahre 1886. 
Von allgemeinem Interesse ist die Aufzählung und theilweise auch 
nähere Besprechung der unternommenen Acclimatisations-Versuche 
mit verschiedenen Nutzgewächsen, wobei — ungeachtet des ungün- 
stigen Einflusses ungewöhnlicher Trockenheit — dennoch ganz be- 
friedigende Resultate erzielt wurden. Besonders hervorzuheben sind: 
Das Insecten verscheuchende Pyrethrum roseum et carneum; die zur 
Käsebereitung verwendbare Withania coagulans Dunn.; der japane- 
sische Klee Lespedeza stricta K. A.; der sogen. Feuerprobe-Baum 
Rhopala spec., dessen Holz unverbrennlich sein soll; mehrere Grä- 
ser, als: Eragrostis abyssinica L.; Andropogon Calamus aromaticus 
Royle und andere wohlbekannte europäische Arten: Melica ciliata, 
‚Panicum sanguinale und P. Crus galli, die alle dortlands als ergie- 
biges Futiermateriale sehr beliebt sind. Unter den neuen Acquisi- 
tionen von Zierpflanzen wird vorzugsweise Armsonia punicca wegen 
ihrer hohen Schönheit gerühmt. — Nachdem auch der Präparaten- 
Sammlungen, der Bibliothek und des wissenschaftlichen Verkehrs des 
Institutes mit zahlreichen Schwesteranstalten ausführlich erwähnt, 
folgt zur Weihe des im Jahre 1886 gefeierten 50jährigen Jubiläums 
des Bestandes der dortigen Provinz eine historische Skizze über die 
Entstehung und das rasche Emporblühen des botanischen Gartens. 
Derselbe wurde von Dr. Schomburgk’s Vorgänger G. W. Francis 
im Jahre 1855 gegründet und dureh zehn Jahre geleitet. 


M. Prihoda. 


—t 


Correspondenz. 


Lemberg, am 2. November 1887. 


Neu für die Flora Galiziens ist die boreale Salix bicolor Ehrh., 
welche Dr. Rehmann vor einigen Jahren in Markopol (ZXoczower 
Bezirk) entdeckt hat. — In Siedliska bei Rawa-ruska fand ich heuer 
Salix cinerea X aurita und in Majdan bei Sieniawa S. aurito x re- 

ens. — Von dem südosteuropäischen Zleracium auriculoides Läng 
entdeckte Prof. Tyniecki heuer einen zweiten galizischen Standort, 
nämlich in Bileze (bei Borszezöw), wo es auf grasigen Gypstriften 


443 


wächst. — Das ausgezeichnete Hieracium roxolanieum Rehm. (Oest. 
Bot. Ztschr. 1872) kommt nicht nur bei Mikuliezyn (Kolomyjaer Kar- 
paten), sondern auch in den Stryjer Karpaten vor, ich fand es näm- 
lich in beträchtlicher Anzahl in Butywla bei Skole (auf Waldwiesen). 
— Die südosteuropäische Centaurea stenolepis A. Kern. reicht in Ga- 
lizien gegen den Westen zu nur bis zum Strypafluss und gegen den 
Norden zu bis in die Umgegend von Pieniaki (südlich von Brody); 
weiter westwärts, respective nordwärts wird ©. stenolepis durch die 
systematisch nächstverwandte nordeuropäische ©. austriaca Willd. 
ersetzt. Ganz analog verhalten sich in Ostgalizien hinsichtlich ihrer 
geographischen Verbreitung Dianthus pseudobarbatus Bess. (D. mem- 
branaceus Borb.) und D. Carthusianorum L. Endlich möge hier er- 
wähnt werden, dass Potentilla pallida Lehm. von Herrn A. Callier 
in Schweidnitz (Preussisch-Schlesien) entdeckt wurde. 


Br. Bto.cki. 


Brünn, am 6. November 1887. 


In der Hercegovina fand ich eine Scutellaria, die ich nirgends 
beschrieben fand, daher ich eine kurze Beschreibung derselben zur 
vorläufigen Kenntniss bringe. Scutellaria hercegovinica mihi: Stengel 
16—20 Cm. lang, steif aufrecht oder aufsteigend, vom Grunde an 
ästig, röhrig, kantig, flaumig. Blätter derb, oberseits behaart, unter- 
seits weissfilzig, gestielt, einfach gefiedert, mit linealen am Rande 
zurückgerollten Zipfeln. Deckblätter rundlich-eiförmig, spitz, behaart. 
Keleh zweilappig, Lappen breit-eiförmig, sehr kurz, abgerundet, an 
dem unteren Lappen ein haubenförmiges Oehrchen. Blumenkrone 
über 2 Cm. lang, behaart, Oberlippe sichelförmig gebogen, schwach 
ausgerandet, mit stumpfen, fast abgestutzten Lappen. Zähne drei- 
eckig, stumpf, breiter als lang. Blüthen gelb. Antheren bebartet. 
Wurzel schwach verzweigt, mit fadenförmigen Wurzelfasern. 


Dr. Formänek. 


Budapest, 9. November 1887. 


Am 2. October war noch im Auwinkel Achilles distans W. et 
Kit. (A. pseudotanacetifolia Wierzb.) und Calamintha Acinos — am 
6. October Reseda inodora, Tribulus orientalis, Convolvulus canta- 
brieus, Medicago varia, Podanthum canescens, Silene longiflora, — 
9, October Linum austriacum, FEuphrasia lutew, Vinca herbacea, 
Delphinium Consolida var. albiflorum und adenopodum (Borb. 1881), 
Potentilla arenaria, Helianthemum hirsutum, Xeranthemum annuum 
(neue Triebe), Dianthus prolifer, Silene dichotoma, S. longiflora, Ve- 
ronica Chamaedrys, sowie auf Ofner Aeckern Oentaurea Adami Willd. 
in schönster Blüthe. — Chara erinita ist unweit von dem Palatinal- 
arten in Ofen genug häufig. — Die Sandnelke des Temeser Comi- 
Eites kaun man ferner Dianthus sabuletorwm Heuff. (1858) nicht 
heissen, denn es gibt schon einen älteren D. sabuletorum Willk, 


444 


(1852). — Da aber mein D. giganteiformis 1875 eigentlich eine 
Riesenform des D. sabuletorum Heuff. ist, so werden wir den letz- 
teren jetzt D. giganteiformis Borb. nennen. — Nach den Merkmalen, 
wodurch v. Wettstein die Mwyosotis suaveolens Kit. und M. al- 
pestris Schm. trennte, ist die M. „alpestris* in der Crepatura des 
Kirälykö in Siebenbürgen M. swaveolens Kit.; sie kommt auch in 
Serbien (Monte Maljen Vokjevo, leg. S. Pavlovit) vor. — Arena- 
ria leptoclados fand ich bei Brass6 in einer Schlucht, wo man zu dem 
Ehezökö (Hangenstein) geht. Sie kommt dort mit Fumaria prehen- 
silis auf bebautem Boden vor. — Da diese letztere Pflanze von da, 
wie ich aus der mir zu Gebote stehenden Literatur sehe, Niemand 
erwähnt, so konnte auch A. leptoclados hier unbekannt bleiben. An 
diesem Wege kommt auch Ballota urtieifolia Ortm. und Potentilla 
leiotricha m. vor. — .Ballota foetida Lam. sah ich von Wien (Wies- 
baur exsicc.); sie stimmt mit der Syrmier und Belgrader Pflanze 
ganz überein; die Litoralformen sind aber mehr und weicher be- 
haart. — Bei Belgrad kommt sie mit Malva silvestris var. tricho- 
carpa Boiss. vor, diese wächst auch im Kammerwalde bei Ofen. — 
Abutilon Avicennae sah ich im Jahre 1864 bei Grosswardein, Sicyos 
angulatus aber in demselben Jahre bei Mezö Telekd. — Mentha 
reversa Roch. (cfr. Oe. B. Z. 1883, p. 120) ist sicher eine „Tricho- 
mentha“ corollis intus pilosis und ist von M. sativa Koch kaum 
verschieden; so haben damit meine M. Haynaldiana, M. bihariensis 
und M. frondosa lauter Leiomenthen, corollis intus glabris gar 
nichts zu thun; sie gehören zu „Gentiles“. Meine M. viridescens 
in Beresm. Fl. p. 74, 1881 glaubte ich umändern zu müssen, weil 
in „Menthae novae“ Gandoger’s auch eine M. viridescens erwähnt 
wird. Indess erschien in „1881“ nur das Titelblatt dieser „Menthae 
novae“, aber pag. 55 (Separatabdruck) steht ausdrücklich 1882, wie 
es auch nach dem Ref. des Botan. Centralblattes sicher ist. — Ce- 
rastium decalvans Schl. et Vuk. ist bisher nur von dem Klekkberge 
bei Ogulin bekannt und durch die Pubescentia floccosa herba deni- 
que virescenti, dichasio expanso, cum pedunculis elongatis glanduloso 
ete. von ©. tomentosum L. sicher verschieden. Ebenso ist es unzweifel- 
haft, dass es bei Carlopago nicht wächst (cfr. Oest. Bot. Ztg. 1887, 
p- 341), denn hier ist für die Vegetation kein Boden, Steine liegen 
hoch auf Steine, und die Gegend ist für diese subalpine Pflanze an 
dem Meere zu niedrig. Eher könnte man es bei Ostaria, oberhalb 
Carlopago suchen, aber neuerdings wurde es dort von Niemandem 
gefunden. Hier wächst nur ©. grandiflorum und wurde wahrschein- 
lich mit ©. tomentosum in Herbarien gemengt. Borbäs. 


Belgrad, am 20. October 1887. 


Ist für die Flora des Banat Chrysanthemum tenuifolium Kit. 
(— Chrys. trichophyllum und das dalmatinische Chamaemelum uni- 
glandulosum Vis.) schon bekannt? Ich traf es in einigen prächtigen, 
meterhohen Exemplaren im Juni dieses Jahres auf der Spitze des 


445 


Berges Allieon bei Orsova an, wo es an der westlichen Bergseite 
auf grasigen Waldplätzen, doch unweit von Getreidefeldern zu finden 
ist. Es mag daher mit Getreide eingeschleppt worden sein — denn 
diese Localität ist von Heuffel vielmals besucht und wird von 
durchreisenden Botanikern selten vernachlässigt, — doch wäre diese 
Acker- und Schuttpflanze längst zu erwarten gewesen, da sie in 
Syrmien und Serbien geradezu gemein ist und noch dazu im ande- 


ren Grenzgebiete in Transsylvanien — (inter segetes et in pomariis 
prope pagum Szent Gotthard frequentissimum — Janka) — auch 
nicht fehlt. J. Bornmüller. 
———— 
Personalnotizen. 


— Dr. Franz Schütt hat sich an der Universität Kiel für 
Botanik habilitirt. 

— Dr. J. H. Schultes, Assistent am kgl. botan. Hofmuseum 
in München, ist am 7. September gestorben. 

— Dr. @. Klebs, Privatdocent an der Universität Tübingen, 
ist als ord. Professor der Botanik an die Universität zu Basel be- 
rufen worden. 

— Dr. K. Prantl hat die durch den Tod @. Winter’s ver- 
waiste Redaction der „Hedwigia“ übernommen. 

— Dr. H. Graf zu Solms-Laubach ist zum Professor der 
Botanik und Director des botan. Gartens an der Universität Berlin 
ernannt worden. 

— Dr. F. Noll hat sich an der Universität Würzburg für Bo- 
tanik habilitirt. 

— Dr. C. W. Hjalmar Mosen in Stockholm ist am 27. Sep- 
tember gestorben. 


Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 


— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- 
schaften in Wien am 13. October übersandte Regierungsrath Prof. 
Dr. Constantin Freiherr v. Ettingshausen in (Graz eine Mitthei- 
lung: „Ueber das Vorkommen einer Cycadee in der fossilen Flora 
von Leoben in Steiermark.“ In der reichhaltigen Sammlung fossiler 
Pflanzen, welche Docent Adolf Hofmann aus den pflanzenführenden 
Schichten der Braunkohlenformation von Leoben zu Tage gefördert 
hat und die er dem Verfasser zur Untersuchung übersandte, fand 
sich ein Pflanzenrest, welcher nach seinen charakteristischen Merk- 
malen nur den Cycadeen zugewiesen werden kann. Derselbe stimmt 
mit Arten von Ceratozamia, einer mexicanischen Gattung, am mei- 
sten überein. Da Cycadeenreste im Tertiär äusserst selten sind und 

Ossterr. botan. Zeitschrift. 12. Heft 1887. 36 


446 


daselbst fast nur auf das Eocän beschränkt zu sein schienen, so ist 
das Vorkommen eines solchen Restes in der dem Miocän angehöri- 
gen fossilen Flora von Leoben hochinteressant, wesshalb der Ver- 
fasser, eben mit der Bearbeitung dieser Flora beschäftigt, dasselbe 
einer vorläufigen Mittheilung werth erachtete. Dr. Hans Molisch, 
Privatdocent an der Wiener Universität, überreichte eine im pflanzen- 
physiologischen Institute ausgeführte Arbeit: „Ueber Wurzelausschei- 
dungen und deren Einwirkung auf organische Substanzen.“ Die wich- 
tigsten Resultate derselben sind: 1. Das Wurzelsecret wirkt reduci- 
rend und oxydirend. 2. Das Wurzelsecret bläut Guajak. Diejenigen 
Substanzen, welchen das Bläuungsvermögen zukommt, verhalten sich 
in vielen Punkten genau so wie die autoxydablen Körper der Pflan- 
zenzelle und sind vielleicht mit diesen identisch. Auch das Wurzel- 
secret kann als ein Autoxydator betrachtet werden, der durch pas- 
siven molecularen Sauerstoff oxydirt wird, hiebei Sauerstoff activirt 
und damit die Verbrennung leicht oxydabler Körper veranlasst. 
8. Das Wurzelsecret oxydirt verschiedene organische Substanzen, 
z. B. Guajakonsäure, Gerbstoffe und — was von besonderer Wichtig- 
keit ist — auch Humussubstanzen. Mithin muss durch die Wurzel- 
ausscheidungen die Verwesung der organischen Substanz des Bodens 
in hohem Grade begünstigt werden. 4. Elfenbeinplatten werden nach 
längerer Zeit von Wurzeln corrodirt. 5. Das Wurzelsecret führt 
Rohrzucker in reducirenden Zucker über und wirkt schwach diasta- 
tisch. (Keimlinge, Neottia nidus avis.) 6. Das Secret durchtränkt 
nicht bloss die Membranen der Epidermiszellen, beziehungsweise der 
Wurzelhaare, sondern tritt über dieselben oft sogar in Form von 
deutlichen Tröpfchen hervor. 


— ee 


Botanischer Tauschverein in Wien. 


Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Behrendsen mit Pflan- 
zen aus Deutschland. — Von Hrn. Schierl mit Pflanzen aus Mäh- 
ren. — Von Fräulein v. Boresch mit Pflanzen aus Böhmen. — 
Von Herım Kissling mit Pflanzen aus Niederösterreich. — Von 
Herın Jetter mit Pflanzen aus Dalmatien. — Von Herm Preiss- 
mann mit Pflanzen aus Steiermark. — Von Herrn Prof. Kravogl 
mit Pflanzen aus Tirol. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Donner, Piccioli, 
Kochmeister. 

Vorräthig: (B.) —= Böhmen, (Bd.) = Baden, (Br.) = Berlin, 
(Cr.) — Croatien, (F.) — Frankreich, (G.) = Galizien, (M.) = Mäh- 
ren, (NOe.) — Niederösterreich, (00e.) = Oberösterreich, (P.) = 
Polen, (Rp.) = Rheinpreussen, (8.) — Salzburg, (Sl.) = Schlesien, 
(St.) = Steiermark, (Sw.) — Schweden, (T.) = Tirol, (U.) = Un- 
garn, (W.) = Westfalen. 


447 


Poterium Sanguisorba (NOe., OOe.), Primula acaulis (NOe., 
O00e.), Auricula (OOe., T.), elatior (NOe.), farinosa (NOe., OOe.), 
glutinosa (T.), longiflora (Siebenbürgen), minima (8., U.), offieinalis 
(SL), Tommasinit (Cr.), variabilis (O0e.), Prunella grandiflora (S1., 
U.), vulgaris (Rp., Sl), Prunus Cerasus (NOe.), COhamaecerasus 
(NOe.), Padus (B., St., W.), spinosa (NOe.), Psilurus aristata (U.), 
Pulicaria vulgaris (M., P., St.), Pulmonaria mollissima (G., U.), 
obscura (S1.), oficinalis (O0e.), Pyrethrum niveum (Dresden), Pur- 
thenium (Sw.), Pyrola chlorantha (Bd.), minor (Rp.), rotundifolia 
(Rp.), secunda (P., Sl., St., T.), @xercus Ilex (Italien), pedunculata 
(B., U.), pubescens (NOe., St.), Radiola linoides (B., Sw., W.), Ra- 
nunceulus aconitifolius (B., OOe., Sl.), acer (P., S1.), alpestris (NOe.), 
anemonoides (OOe.), aquatilis (M., Sl.), arvensis (OOe., Rp.), bulbosus 
(Cr., F.), divaricatus (Br., W.), Flammula (M., NOe.), gracilis 
(Schweiz), hederaceus (Rp.), illyrieus (NOe.), lanuginosus (B.), lateri- 
florus (U.), Lingua (S., W.), montanus (OOe., 8.), nemorosus (P.), 
paueistamineus (Br., NOe., St.), pedatus (U.), peltatus (England), 
platanifolius (NOe.), polyanthemos (S1.), reptans (S., Hannover), sar- 
dous (P., Rp.), Stevenü (G.), Raphanus Badioala (S1.), Rapistrum 
perenne (NOe.), Reseda inodora (U.), lutea (B., M.), Zuteola (W.), 
Phyteuma (NOe.), Rhamnus cathartica (NOe.), Frangula (Sl., St.), 
saxatilis (U.), Rhinanthus alpinus (Sl., St.), angustifolius (P.), här- 
sutus (O0e., major (Sl., U.), minor (Sl., U.), Rhododendron ferru- 
gineum (NOe., 8., T.), myrtifolium (U.), Rhus Cotinus (F., NOe., 
U.), Rhynchospora alba (P., Kärnten, Lausitz), /usca (Sl.), Rübes 
alpinum (O0e., Sl.), caucasicum (G.), Grossularia (OOe.), petraeum 
(Bd.), rubrum (P.), Uva erispa (Sl.), Robinia Pseudacacia (B.). 

Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R.-Mark) abgegeben werden 


Inserate. 


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Privatdocent der Botanik an der Universität Leipzig. 


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un 


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448 


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verleger und durch die Buchhandlung von Braun und Weber in Königs- 
berg i. Pr. zu beziehen. 


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Diesem Hefte liegt bei: 
I. Prospeet von Ed. Kummer in Leipzig „Rabenhorst’s 
Kryptogamenflora“. 


II. Prospeet von Justus Perthes in Gotha „Atlas der 
Pflanzenverbreitung“. 


Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn. 


C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. 


Inhalt, 


I. Gallerie österreichischer Botaniker. 


35. Ferdinand Hauck. (Mit einem xylographirten Porträt). . - » 


II. Original-Beiträge. 


Baier, Anton. — Zur Flora der Umgebung von Bielitz und Biala . 88, 
Beck, Dr. G. Ritt. v. — Literaturberichte. ... . . 32, 141, 248, 364, 
Blocki, Bronislaw. — Zur Flora von Ostgalizien. . . 2»... er 
— — Ein weiterer Beitrag zur Flora Ostgaliziens . . - 2: 2... 
ee Poloniea D: BP: ve. A sialanınlan a rsilalneiim, ti“ dr u ee 
— — Galium polonieum n. SP. 2... ARE 
= Hiorassum clan BD: De 2 ee er 
ee a Mopnliemeie 1 ran ii inne ler ai 
= i— BHieracium polonioum 0. BD. x» 2: as vol eh 
— — Rosa Hedevigae 0. SP. » » » 2 2 2000. ch sh ent 
we a Herbichland: DE ehr ae ee x 
Borbäs, Dr. Vinc. v. — Rhamni RR ae Bun 
ee — Usher Qusrass »Caasis: Borbu - ianunaıccielh 0-0 et ale le 
— — Zur Teratologie der Wallndus . 2... 22000. Pr in 
ee er e sr n 67, 143, 293, 


Bornmüller, I. — Rhamnus orbieulata Brom. n. Sp...» =». 0% 
— — Fünf Pflanzen aus Dalmatien, z. T. neu für die Flora die österr.- 
Ben aan aa a re 
— — Conservirung von Abietineen .. 2. ++. ee oe 
Braun, Heinr. — Literaturberichte - » » » 22. 0000. . 66, 182, 
Burgerstein, Dr. Alfred. Nachruf an Dr. Alois Pokorny R 
— — Literaturberichte . . . . . » si ai ee BOARD TR, 214, 
Öelakovsky, Dr. Ladisl. — Nochmals Utrieularia brevieornia 417, 186, 
— — Narthecium Ieeverchoni SP.n.: » ee re een.“ vistelie » 
— — Ueber einige neue orientalische Pflanzenarten . . 2 +...» 265, 
Conrath, Paul. — Ein weiterer Beitrag zur Flora von Banjaluka, sowie 
einiger Punkte im mittleren Bosnien . »»s.. u... .07, 


450 


Eiohenfeld, Dr. M. Ritt. v. — Cirsium Przybylskü (C. oleraceum Scop. 

> paussfkomin SDR). » 0 audi a, 
Focke, Dr. W. 0. — Die Entstehung des zygomorphen Blüthenbaues 123, 
Formänek ‚Dr. Eduard. — Beitrag zur Flora der Karpathen und des 


TIOORSRSANKEB:. > = 1152 eier are. Wu aa 
NE TBPAUNORIBOHEN" a m: a ee a er 
— — Mährische und schlesische Rubusformen . . » 2 2 2 2 2 2 2.0. 
= —Üentatırea carpaloaı. AH el- I ei AG a 
—"—'Mährische Bubus-Formen. . . 2.2.00 000 lea... ou 
— — Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des Hoch- 

ER ET END RS u 234, 280, 305, 345, 385, 
Freyn, I. — Meine dritte Tirol-Fahrt . . . . . . 2» 22.. 313, 354, 
Garcke, Dr. August. — August Wilhelm Eichler . » . 2 2 2 2... 
Hanausek, Dr. T. F. — Literaturberichte . .. . .. . 64, 138, 289, 
Hansgirg, Dr. Anton. — Beitrag zur Kenntniss der Bergalgenflora 

VERS ITEED N Pa Ba a Rn ee PR 13, 54, 
— — Algarum aquae duleis species novae. » 2 2. 2 2 22 22. ar‘ 
Heimerl, A. — Zur Flora von Pondichery . .. 2. 2 2 22220020 
Jetter, Carl. — Spätflora des Jahres 1886 . . . 2.2... a: 
— — Literaturberichte . . . . . 32, 109, 142, 253, 292, 325, 366, 401, 
Junger, Ernst. — Vorwort zu Uechtritz’ Autobiographie. . .... . 
Keller, J. B.— Ueber die Flächendrüsigkeit als systematisches Merkmal 

und deren Anomalien bei einzelnen Rosenarten. . ... 2... 
Be, Tüteraturberichte » 2 0 4 2.0.0.2. TI . 
Kerner, Dr. A. et Wettstein. — Campanula farinulenta . ».. - 
Kissling, Benedict. — Notizen zur Pflanzengeographie Niederösterreichs 
Knapp, J. A, — Literaturberichte . 2. 2 2.2.2.2 21T 
Kornhuber, Dr. A. — Literaturberihte .. .... . 63, 178, 294, 
Krasan, Franz. — Ueber die Ursachen der Haarbildung im Pflanzen- 

PERCHO Ina n a RE ENGERNIS HERE FE RER 7, #1, 
Kronfeld, Dr. Moriz. — Bemerkungen über volksthümliche Pflanzen- 

DEMER N aa a a RR I EN 
es --literäturberichte . ss s 0:4 535 35 5.00% 68, 218, 294, 
Molisch, Dr. Hans. — Literaturberichte . . . . . 2: 2 2 22.0. 400, 
Palacky, Dr. J. — Zur Homa- (Soma-) Frage . ...: 2 222.0. 
ea ölsteraturberichte 5 u a nr nen 243, 


Prihoda, Moriz. — Literaturberichte 33, 68, 110, 143, 182, 254, 367, 402, 
Procopianu-Procopovioi, Aurel. — Eine botanische Excursion von 


Rum. St. Georg bis Nedee . . . 2.2.2... a 5, 
Sabransky, Heinrich. — Zur Batographie Niederösterreichs . . .. - 
— — Zur Rubusflora Bosniens . .. 2... u A ii 
&°_— Literaturberichte . » » 2: 2:09 er... 
Sohilberszky, Carl. — Literaturberichte. . . . 2 2 2 2 2 22 20. 


Schneider, Gustav. — Mittheilungen über die Hieracien des Riesen- 
BARILBEB a a rn er De REN 0, RAS 199, 238, 274, 308, 


Seite 


377 
157 


18 
58 
126 
153 
204 


427 
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430 

81 
233 
365 
330 


350 


Stapf, Dr. Otto. — Ueber einige Iris-Arten des botanischen Gartens in 
ET Ka De ee re 373, 
Be Rudolf v. Vachlrike . „u je ascaadr suhraer were 


Strobl, Gabriel. — Flora des Etna 24, 62, 104, 136, 474, 211, 243, 
320, 360, 395, 

Tomaschek, Anton. — Ueber Symbiose von Bacterien (in Zoogloea- 
Form) mit der Alge Gloeocapsa polydermatica Ktz. . ».... 
Uechtritz, Rudolf v. — Mein wissenschaftliches Streben und Schaffen 
Bee omem ‚zylogr. Porträß):. 4.04 tina ara 228, 
Ullepitsch, Josef. — Anemone Scherfelü m. . 2» 2. 2» 2 2 2200 
— — Alyssum calycinum L. ß. perdurans . 2 2 ee ser... 
— ı— Galeobdolon luteum Huds. y. Tatrae » » 2 2 2 2 2200 000 
u Epipogium Gmelini Rich.» „000. . 4 ..arlee: le die are 
Voss, Wilhelm. — Merkwürdige Verwachsungen von Stämmen der Roth- 
buche (Fagus silvatica L.) (mit 5 xylogr. Abbildungen) .... . 

— — Bildungsabweichungen an Galanthus nivalis L... » » -» 2.2... 
Be Eitersturberichte . . an on 00. 0 0m al RER ı 4% 
Vukotinoviö, Ludw. v. — Zur Rosenflora von Agram . ...... 


Wettstein, Dr. Rich. Ritt. v. — Ueber einen abnormen Fruchtkörper 


von Agaricus procerus Scop. (mit einer xylogr. Abbildung) ... . 
Bntörntürberichto .. . u... 1000. 20 ae hans suche 106, 245, 
Wiedermann, Leop. — Zur Flora von Rappoltenkirchen in Nieder- 

Fin 3 1a u a EL ein nn ne ee 
Woloszczak, Dr. Eustach. — Pinguieula bicolor 2... 0. 
— — Galium Jaryne (@. Mollugo X polonieum) » 2... 0.0. 
er Flora von Galisien ur sr ie wumuaiiete er re ES 
Zukal, Hugo. — Zur Frage vom grünfaulen Hoze .. ».: 2.2... 
— — Literaturberichte . . . 2 2 2.2. rn 108, 180, 


III. Correspondenzen. 


Ars In, Ungarn von’ Dr. Bimonkst . . ; 2 40 0 = 2 oo a 
Enge; von Böramtller „u 0 0. ae na man a 
Br Von Dr, Auslese er te ee re 
„ Brünn von Dr. Formänek . 36, 70, 143, 146, 185, 220, 257, 296, 

408, 
„ Budapest von Dr. Borbäs . . . 70, 143, 147, 185, 259, 297, 403, 
» Budapest von Schilberszky . . .. 2.2 200200 ri DL 
„ Cunnersdorf in Pr. Schlesien von Schneider . . 2 2 2 2 2.04. 
„ Gmeida in Ungarn von Ullepitsch. . .: 2 2202 20% 7 
= zus io Ungien Yon: Vhgnor, ..... » o:n.00000 ar ee 
„ Innsbruck von Dr. Dalla Torre ....... PRETE SEE NN RR 2 
„ Kalksburg bei Wien von P. Diobtl . »... v2: 020 w% fi 
„ Kilb in Niederösterreich von P. Kissling. . . 2 +» 22200 0.» 


» Kopenhagen von Jenssen-Tusch . .“ 2 2:2 ee ee er 00. 


452 


Seite 
Ans Isibach von Vorne ET Pe 146, 408 
„ Lemberg von Blocki . . 2... 35, 70, 147, 219, 295, 406, 44% 
s» Lemberg von Dr: Woloszezak. .:.: .2.2.,, 2, Ron 70, 220, 259 
„ Mariaschein in Böhmen von Wiesbaur. .. . 2: 2 2 2.0. 35, 331 
„2 Omwera im Bist von v. Degen... . San oo a m 257 
RER U BoKouch ER 408 
„* Probabin in Galizien von Btueki_'.... .. ..,. DW FE 369 
„» Prossnitz in Mähren von Spitzuer. . ... 2. 22.20. . .332, 407 
„ Reichraming in Oberösterreich von Steininger .. . 2.2... 184 
„ SBiedliska in Galizien von Btocki . 2.7. a ae 334 
5 Bterzing in '"Tirol- yon: Huter . 7, a Ir Te .. 185 
Be arvis von Dr.-Ascherson: Wi, 1 775 ey) (Sr 146 
Test von.Dr. Formänek.z. .. 20...) U AUT 368 
Vet a Ungarn von’ Dr. Borbä" . 2 I 332 
a Waxschau on Karo ih. IE PL Er 370 
Be Wien won.Dr. Beck ./ u yet, m DW 184 
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IV. Stehende Rubriken. 


Personalnotizen . . 36,72, 114, 448, 186, 221, 260, 298, 334, 370, 410, 445 
Vereine, Anstalten, Unternehmungen . . 37, 73, 114, 148, 186, 222, 261, 298 
335, 371, 410, 445 
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Botanischer Tauschverein in Wien . . . 39, 75, 114, A51, 187, 223, 263, 299 
336, 374, 411, 446 


Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. @erold’s Sohn. 
C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. 


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